Donnerstag, 22. Januar 2009

13.01. - 18.01.09 Zusammenfassung

13.01.09 Klassenmarathon und Kuhfrisur
Als ich heute früh aufwachte, war ich ganz überrascht. So gut hab ich schon ewig nicht mehr geschlafen. Der Wechsel von Stroh- auf normale Matratze hat sich doch ganz gut rentiert. Langsam zog ich mich im dunklen Zimmer um. Dunkel, weil ich kein richtiges Fenster habe, sondern ein Loch in der Wand, das durch einen blauen Plastikmüllsack verdeckt wird, durch den natürlich kein Licht dringt. Die Tür muss ich ja bekannterweise zu lassen, damit mich die Leute nicht nackt sehen. Ich war ein bisschen genervt, weil Milton mir ans Herz gelegt hat, nicht gleich alle meine Sachen mit ins neue Zimmer zu nehmen und nun hatte ich keinen Spiegel und auch keine feuchten Tücher. So was blödes. Auf meiner Komode lag noch das Kuscheltier von Renzo, den er gestern bei mir vergessen hat. Ich ging nach unten mit „Barney“ im Arm. Als ich ihm Renzo geben wollte, mit dem Satz, er habe ihn vergessen, meinte er, dass er ihn für mich dagelassen hat, damit ich nicht alleine schlafen muss. Wie süß! Ich bin jetzt schon über beide Ohren in diesen Jungen verliebt. Mal sehen wies mit dem Rest der Familie so läuft. Carla war schon in der Küche und sagte mir, dass sie meinen Tee holt. Ich verstand aber erstmal gar nix. Herrje, ist mein Spanisch echt noch so schlecht? Als ich noch mit den anderen zusammen war, kam ich mir immer super toll vor. Aber jetzt, so auf mich allein gestellt, krieg ich gar nix mehr auf die Reihe. Es ist wie am Anfang. Naja, Carla kam auf jeden Fall mit meinem Tee und ich bekam mein Frühstück. Eine trockene Semmel. Hm. Tja, Milton hat mich gewarnt, dass es hier nicht so luxuriös zugeht, wie bei ihnen, also, nicht meckern Sabine. Ich mampfte meine Semmel und starrte in den kleinen Fernseher, auf dem ununterbrochen Telenovelas laufen. Als ich mir die Zähne putzen wollte, ging ich aufs Klo, das mit der halben Wand die offen zur Straße ist. Zuerst musste ich erstmal die Klobrille, die offensichtlich nicht mehr fest ist, aus dem Waschbecken fischen. Gut. Wasser auf – geht nicht. Mensch, wo zum Henker soll ich mir denn jetzt die Zähne putzen, wenn nicht im einzigen Bad des Hauses? Ich schlurfte raus und fragte nach. Vor der Küche, mitten im Hof steht so ein Waschbecken wie die Vergaras auch haben. Allerdings benutzen wir das dort nur zum Wäschewaschen. Hier wird es aber für alles benutzt, Wäschewaschen, Abspülen und – richtig – Zähneputzen. Renzo, der mir beim Frühstück noch erklärt hat, dass er sich nie die Zähne putzt (weswegen er leider als obere Schneidezähne auch nur zwei verfaulte Stummel hat) schloss sich mir an und putzte mit meiner Zahnpasta seine Zähne, indem er auf das Waschbecken stieg (und manchmal auch hinein). Der einzige Spiegel des Hauses hängt ebenfalls draussen im Hof und in dem konnte ich nur sehen, dass ich schrecklich ausseh. Aber ich hatte absolut keine Lust, mir mitten im Hof Haarspray draufzuhauen und den anderen Kram, den man so vor dem Spiegel macht zu veranstalten, deswegen packte ich mein Zeug und schaute, dass ich so schnell wie möglich rüber zu Milton komme.

fff

Mein neues Zimmer, das rechte mit Blick auf und von der Strasse

jjj

Ich sagte noch schnell bescheid, dass ich vorraussichtilich um 13 Uhr heimkomme und verschwand. So ganz überzeugt war ich von dem ganzen noch nicht. Es war anstrengend, die ganze Zeit spanisch zu reden und der Comfort lies wirklich stark zu wünschen übrig. Aber andererseits... Comfort hab ich daheim wieder mehr als genug und nur durch üben kann ich mein Spanisch verbessern. Ausserdem ist Renzo wirklich süß und mit den beiden Damen des Hauses komm ich ja auch ganz gut aus. Bei den Vergaras ging ich dann mit meinem Zeug erstmal ins Bad. Dann erfuhr ich, dass wir heute erst um 17 Uhr nach Hause kommen. Mann, ich Dödel. Also flitzte ich nochmal zurück um bescheid zu geben, dass ich doch nicht beim Mittagessen dabei sein werde. Zum Glück wohnen wir so nah beieinander.
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Als wir zum Taxistand kamen und nach einem Taxi nach Hajua fragten, erlebten wir erstmal eine böse Überraschung: Der Taxista wollte fast das doppelte vom üblichen Fahrpreis. Wir diskutierten natürlich, aber es war nichts zu machen. Er erklärte uns, dass alle Taxifahrer bei einer Reunion beschlossen haben, dass jetzt jeder nur noch zum selben Preis irgendwo hin fährt und das die Preise gleichzeitig steigen. Die anderen Taxifahrer nickten zustimmend. Ja super. Zuerst streikten wir, aber irgendwann mussten wir ja doch einsteigen, hilft ja nix. Dafür war die Freude dann in Hajua um so größer, weil wirklich viele Kinder da waren. Wir hatten mit dem Bürgermeister ausgemacht, dass wir einen Schlüssel für einen der Klassenräume erhalten. Als wir diesen Raum aufsperrten, drängten sich alle 40 Kinder mit einem rießen Geschrei zur Tür herein, und stiessen uns erstmal weg. Hilfe, so müde wie ich grad noch war, fehlte mir ein Haufen wildgewordener Chicos grad noch. Wir beschlossen, die Schar erstmal in Gruppen aufzuteilen. „Alle Kinder von 5 – 8 Jahren bitte die Hand heben“. Ein Kind hob die Hand. Kann nicht sein, da gibts mehr. Wir wiederholten das Spiel solange, bis wir irgendwann meinten, dass alle Kinder die 5 sind in die Mitte kommen sollen (es klappt, einige kamen), dann alle die 6 sind (juchu, es funktioniert), dann alle die 7 sind und alles mit 8. So machten wir weiter, bis wir 3 Gruppen hatten, von 5 – 8, von 9 – 12 und von 13 – 20. Gut. Jetzt zum schwierigen Teil. Uhrzeit ausmachen und hoffen dass die Kinder es sich merken. Alle von 5 – 8 haben jetzt (das ist am einfachsten) und von 9 – 12 ab elf Uhr. Capito? Die älteren dann von 14 Uhr bis 15 Uhr. Das war ihnen allerdings zu früh. Gut, dann eben ab 15 Uhr. Und am Schluss, von 16 bis 17 Uhr dann noch die Mütter. Mann o mann, da haben wir ja ganz schön zu tun. Gut. Mit den 5 – 8 jährigen wollten wir was einfaches machen. Masken mit Hilfe von Luftballons. Also, erstmal jeder nen Luftballon. Gut. Nun aufblasen. Da hatten wir schon die ersten Probleme. Einige konnten nicht, manche wollten nicht, wir bliesen auf jeden Fall am Schluss die meisten, oft angesabberten auf. Dazu muss ich sagen, dass mir sowas überhaupt nichts mehr aus macht. Hier trinken sehr oft viele Leute aus nur einem Glas, man küsst sich ständig und auch das Besteck wird geteilt. Daheim bin ich ziemlich anfällig für Lippenbläschen, hier kann ich alles machen, ohne Probleme. Und ekeln tuts mich auch nicht mehr. Man gewöhnt sich dran. Nun gut, zurück zu unseren Masken. Wir setzten uns auf den Boden, verteilten Pinsel und Leim und Zeitungspapier. Nun sollte jedes Kind seine Zeitung in kleine Fetzen reisen. Klappte auch nicht bei jedem, ist aber schnell gemacht. Nun zum schwierigen Teil. Leim auftragen und Zeitungspapier aufkleben, aber nur auf eine Hälfte des Luftballons. Ich setzte mich zu einer Gruppe von 4 Mädchen. Dummerweise hatten wir nur 3 Pinsel, weswegen die kleinste gleich mal auf der Strecke blieb. Ich gab einem anderen Mädchen meinen Pinsel und fing an, das ganze mit der Hand aufzutragen. Da die Pinsel eh alle schon bockehart waren, machten es mir bald alle Mädels mit der Hand nach. Was solls, wir sind hier eh alle ständig schmutzig. Irgendwann gab ich meinen Luftballon einem Mädchen, dass seinen völlig vermurkst hat und half der kleinsten bei ihrem. Es war anstrengend, weil sie es nicht richtig kapierten, aber es hat auch total viel Spaß gemacht und die Mädels waren so putzig. Dann, nach eineinhalb Stunden, dabei hatten wir nur eine Stunde Zeit, mussten wir aufhören. Niemand war fertig. Wir machten aus, dass sie ihre Luftballons mit nach Hause nehmen und das nächste mal wieder bringen sollen und entliesen sie. Bin ja gespannt, was da das nächste Mal noch heil ankommt. So. Der Raum sah mittlerweile aus wie bei Hempels unterm Sofa, weil überall Zeitungspapier rumlag und der Leim bei so ziemlich jedem umgestossen wurde und wir mussten erstmal sauber machen, während die ungeduldigen Kinder schon an der Tür klopften und rüttelten um reinzukommen. Nun war Gruppe 2 an der Reihe. Projekt: Traumfänger. Erstes Problem: was heist Traumfänger eigentlich auf Spanisch? Egal. Wir schickten die Kinder los um biegsame Äste zu suchen. Als sie zurück kamen, hatten 4 einen unbiegsamen Ast, der Rest Tannenzweige oder gar nichts. Oh wei, oh wei. Also, nochmal erklärt, nochmal losgeschickt. Irgendwann kamen sie wieder mit unmengen von Eukalyptuszweigen. Na gut, besser als nichts. Blätter ab und los gehts. Alle mussten eine Kreis mit ihren Zweigen bilden und wir banden sie zusammen. Das allein hat schon eine halbe Stunde gedauert. Heieiei. Ich bastelte derweil ein ziemlich hässliches Schaubeispiel, wobei ich aber Stolz war, dass das Netz in der Mitte aussah wie ein Spinnennetz. Nun die Kinder. Jeder bekam einen Faden, eine Feder und 6 Perlen. Auf gehts. Blöderweise war der Faden ein bissl zu dick für die Perlen. Ich mit meinen Leimfingern konnte da eh nicht viel helfen und brauchte immer ca. 5 Minuten, bis mal ne Perle eingefädelt war. Dummerweise probierten nun auch noch alle Kinder mein Spinnennetz nachzumachen, was natürlich so gut wie keinem gelang. Mist, daran hab ich nicht gedacht. Anika bastelte schnell ein einfacheres und trotzdem schöneres Model und nun gings aufwärts. Die meisten schafften es ihren Traumfänger noch vor Ablauf der nun 2 Stunden zu beenden und als dann alle draussen waren, gings erst mal wieder ans aufräumen. So. Fehlte noch der Englischunterricht für die großen und wir mussten die Wolle für die Erwachsenenstunde noch aufwickeln. Aber zuerst musste ich was zu Essen und zu Trinken für mich kaufen und ausserdem aufs Klo. Thomas, der zuerst einen Laden gesucht hat, kam zurück mit der schlechten Nachricht, das die Besitzer des einzigen Ladens nicht da seien und das Schulklo verschlossen. Neeeiiin. Oh mann, was nun. Anika und ich beschlossen doch noch mal selber zu suchen. Wir gingen nach draußen und trafen auf eine Gruppe cooler Jugendlicher, die Musik hörten. Auf der Frage nach einem weiteren Laden zeigten sie nach oben. Ok, weiter den Berg rauf gibt es wohl noch einen Laden. Als wir grad so nach oben stapfen, pfeifte es auf einmal. Einer der Jungs. Ich deutete auf das Haus direkt neben uns. Er nickte. Nun gut, das ist dann wohl der Laden. Wir klopften und die Senora kam. Das einzige Essbar im ganzen Laden waren Tunfischdosen und Kekse. Ich entschied mich für Kekse und ein Wasser und wir konnten wieder gehen. Vorher fragten wir die Frau noch hoffnungsvoll, wo wir denn hier aufs Klo gehen könnten, weil das Schulklo zu habe. Das weis sie leider auch nicht. Mist, und wir dachten schon, sie lässt uns vieleicht auf ihr Klo gehen. Nun gut, dann eben Freiluft. Nur wo? Das Problem in Peru ist, dass überall, aber auch wirklich überall Leute sind. Und wenig Wald. Wir liefen also raus aus dem Dorf und wollten ein Stück bergab. Kaum über die Kuppe gelinst, registrierten wir, das wir Pech hatten. Bergab waren Frauen, die ihre Schafe hüteten. Wir gingen also vorbei, grüßten freundlich und liefen noch weiter Bergab. Schon halb in Jangas konnten wir in einer Kurve endlich unser vorhaben verrichten. Heieiei. Ich beschloss, mein Wasser lieber doch nicht anzurühren.
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Wieder zurück, begannen wir die Wolle aufzuwickeln. In dem Laden, in dem wir die Wolle immer kaufen, gibt es sie nämlich nicht als Knäuel, sonder nur zusammengelegt. Leider erwischten wir bei unserem Kauf ein besonders verwurschteltes Stück. Ei der Blitz, das war fast unmöglich, das Ding zu einem schönen Knäuel zu formen. Am Fenster standen Einheimische und lachten uns aus. Prima, das fehlte noch. Eine Frau rief ständig, ob sie uns helfen könne. Na gut, wenn sie meint. Sie kam rein und setzte sich auf den Boden. Sie entwirre, ich solle aufrollen, teilte sie mir mit. Und tatsächlich, die Frau wusste was sie tut. Während wir die Wolle so aufrollten, erzählte sie uns, das sie 8 Kinder hat und der älteste schon 24 ist. So alt sah sie aber jetzt noch nicht aus. Dann lernten wir noch ein paar Quechuawörter (die ich alle schon wieder vergessen hab). Als wir den Eukalyptus zusammenfegten half sie auch noch mit und auch beim Stühleaufstellen war sie dabei. Sie war echt nett und es freut mich immer, wenn wir solche Leute kennen lernen. Ok, jetzt wurde es Zeit für den Englischunterricht. Die Jugendlichen enterten den Klassenraum. Wir fingen an mit unserem guten, alten „My name is“ Spiel. Es waren auch einige richtige Checker-Jungs dabei, die sich für unglaublich cool hielten. Meint man. Als sie aber ihren Satz sagen sollten, trauten sie sich nicht mehr. Es ist echt schlimm, je höher das Caserio liegt, desto schüchterner sind die Leute da. Einer wollte rein gar nichts sagen. Wir redeten auf ihn ein, bis endlich mal einer seiner Kumpels erklärte, dass der Junge taubstumm sei. Ups, wie peinlich. Als wir fertig waren, nahmen wir noch die Zahlen durch. Einige konnten auch schon was und einer war sogar ziemlich gut. Als sie ihren Hefteintrag machen mussten, half ich einem Jungen, der wohl Legasteniker ist, jedenfalls tat er sich sehr schwer mit dem schreiben. Die Jugendlichen waren eigentlich alle sehr lieb und man merkte auch, das sie wirklich was lernen wollen. Hoffen wir, dass es so bleibt. Ok, jetzt fehlten nur noch die Mütter. Eine, die die uns geholfen hat, war bisher da. Tja, dann fangen wir mal an. Ich machte wieder meine Mützen mit Hilfe der Ring-Nagel-Taktik und brachte es einigen Kindern bei, da die Eltern ja eh nicht da waren. Als ich irgendwann aber mal wieder von meiner Arbeit aufsah, war der halbe Saal voll, mit Strickenden Indigenas. Hui, na also. Die Frauen wissen übrigens natürlich alle viel, viel besser als wir wie man strickt, aber ich glaube, sie wollen sich einfach treffen und etwas zusammen machen (und vieleicht ein bissl Wolle gratis abstauben). Mittlerweile wurde es aber leider schon wieder dunkel und wir mussten dann bald gehen, weil das Licht nicht funktionierte. Ausserdem wollte ich nicht zu spät nach Hause kommen, da Anika, Joana und ich noch ausgemacht haben, dass wir heute Milton-Mamas Laden aufmachen für zwei Stunden, weil diese ja nicht da war.
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Daheim erzählte ich im Schnelldurchlauf was wir so gemacht haben und fragte im selben Atemzug, ob ich mithelfen darf im Laden. Klar, das hängt von mir ab, meinte meine Gastmutter. Wann ich heim kommen soll? Hängt auch von mir ab, um 19 Uhr gibt es Abendessen. Hm, das lohnt sich dann natürlich nicht mehr. Ich fragte ob es ok ist, wenn ich heut ausnahmsweise mal nicht daheim iss und sie sagte wieder ok. Aber es sah nicht so aus als ob sie es auch so meinte. Hm. Trotzdem, ich wollte in den Laden. Also Ciao. Im Laden allerdings plagte mich das schlechte Gewissen. Da hab ich jetzt schon eine Familie und häng trotzdem nur mit den anderen rum. Ausserdem wollte so spät eh kein Mensch mehr irgendwas kaufen und wenn mal einer kam, sprang sofort Milton-Papa an und bediente lieber selber. Ne danke, um viertel nach sieben verschwand ich wieder zurück nach Hause. Dort waren sie noch beim Essen, ich sagte dann aber doch, dass ich schon gegessen hatte, weil ich nicht ständig ein hin- und her provozieren wollte. Ich dachte mir es wäre vieleicht an der Zeit für die Gastgeschenke und Fotos von daheim. Also ging ich schnell auf mein Zimmer und holte für Renzo ein Spielzeugauto, für Carla einen schwarzen Seidenschal von H&M und für die Mutter eine absolut kitschige kleine Kukusuhr, die ich mal auf dem Flohmarkt gekauft hab. Ausserdem noch zwei Kerzen mit Engeln drauf, ebenfalls vom Flohmarkt. Und für Renzo noch ein paar Socken, die mir Joana gab. Ihre Oma hat die gestrickt. Ich war ein bisschen aufgeregt, ob es ihnen wohl gefällt. Zuerst Renzo. Er war ganz begeistert von den Socken und zog sie gleich an. „So schön warm“ meinte er. Na also. Carla freute sich wirklich sehr über den Schal, worüber ich sehr froh war und unerwarteterweise war meine Kukusuhr das tollste für alle. Puh, Glück gehabt. Nur leider ist sie im Laufe der Zeit hier irgendwie kaputt gegangen und lässt sich nicht mehr aufziehen. Mist. Ich versprach sie in Huaraz richten zu lassen. Trotzdem war ich total erleichert, dass sie meine Geschenke mochten. Und es gab noch eine Überraschung: Sie hatten auch was für mich. Einen kleinen Elefanten aus Marmor. Meine Gastmutter klärte mich auf, das ein Elefant Glück bringt. Es ist also ein Glückselefant. Cool. Nun gings ans Fotoanschauen. Alle fanden unsere Tracht so schön. Renzo fiel auf, das sein Spielzeugauto genauso aussieht wie das Auto meiner Mutter, weswegen wir ihm versicherten, es SEI das Auto meiner Mutter. Als auch das vorbei war, schauten wir ein Video von Renzos „Promotion“ aus dem Kindergarten. Total komisch, alle Kinder müssen Anzug und Kleid tragen und bekommen so eine Art Diplom. Aber das Video war witzig. Die Kinder bekamen ihr Diplom, später gabs Cuy und Renzo war der einzige, dem ständig seine Krawatte verrutschte. Dann kam ein Clown und die Kinder mussten tanzen und so schmarrn machen. Dort war Renzo der einzige, dem das Hemd aus der Hose hin, das übrigens zur Hälfte aufgeknöpft war und die Krawatte war eh schon lang weg. Auch beim Tanzen machte er immer eine Extrawurst und als er einmal mit seiner Lehrerin tanzen sollte, verwechselte er sie mit seiner anderen Lehrerin. Es war einfach total süß und er ist einfach etwas besonderes. Später, als das Video vorbei war,wollte er mich noch frisieren. Er kämte mir die Haare und sagte ständig: „Besser du schneidest sie ab“. Dann machte er mir zwei nach oben stehende Zöpfe und kommentierte das mit „Muh“. Es war einfach zum totlachen und langsam fühlte ich mich auch schon viel wohler in der Familie. Auch, weil mich die Gastmama ab und zu mal in den Arm nahm. Schön. Nachdem ich wieder Barney gekriegt hab um nicht so allein sein zu müssen, ging ich ins Bett. Diesmal schon viel zufriedener als gestern.

kkk
14.01.09 Gastgeschwister und Geschenksuche

kkk
Als ich heute aufstand, hatte ich wenigstens schon mal alle Sachen im Zimmer die ich brauchte, einschliesslich Spiegel. Ich war also schon deutlich besser gelaunt als gestern. Zum Frühstück gabs diesmal sogar ein Spiegelei und ich verstand auch schon ein bischen mehr, juchu. Renzo und ich putzten uns wieder die Zähne zusammen und als ich erzählte, dass ich heute nach Atupa geh, meinte er, er will mitkommen. Hm, warum eigentlich nicht? In Atupa gibt es einige Kinder in seinem Alter und einer ging sogar mit ihm in den Kindergarten, Antoni, ein auch sehr süßer Junge. Also gut, wir fragten die Mama (ich werde sie in den weiteren Berichten einfach nur noch Mama nennen, ich hoffe das macht dir, echte Mama aus Oberdiessen nichts auch :-)) und sie sagte ja. Schön. Weil Clara jetzt alleine zu Hause bleiben müsste, weil Mama nach Huaraz fahren wollte um Clara fürs neue Schuljahr anzumelden, fragte ich sie ob sie auch mit will. Sie freute sich und ich mich auch, weil ich was mit meinen neuen Geschwistern machen konnte. Also machten wir uns auf den Weg zu den Vergaras. Dort mussten wir erstmal noch Pfannenkuchen essen, den Anika und Joana für die Vergaras zum Frühstück gemacht hatten. Seit wir getrennt sind, gehts wirklich besser mit sämtlichen Familienkontakten. 4 Deutsche auf einmal sind wohl einfach doch zu viel. Dann fuhren wir auf nach Atupa. Da Carla und Renzo sich das Taxi dahin natürlich nicht einfach so leisten können, wollte ich es zahlen. Der Taxifahrer war aber tatsächlich so nett und hat die beiden einfach umsonst mitfahren lassen. Als wir an der Schule ankamen, waren sogar ziemlich viele Kinder da (in Atupa-Maßstäben, also 9) und sogar Antoni, Renzos kleiner Freund. Angel hatte unser Trikot an, was uns total freute. Bien. Wir gingen auf den Bolzplatz und wollten auch hier Traumfänger machen. Renzo, der Wirbelwind war als erstes fertig und dann wurde es ihm langweilig. Er ist ein bisschen Hyperaktiv (Mama meinte mit ihm habe sie 10 Söhne auf einmal) und tobte und rannte wild umher. Ich war einfach nur Gottsfroh Carla dabei zu haben, damit ich nicht ganz die Schuld habe wenn er sich ein Auge aussticht oder sich umbringt. Als Antoni dann fertig war mit seinem Traumfänger wurde es noch schlimmer. Die zwei rauften und machten lauter blödsinn und ich mir unendlich viele Sorgen. So ist das also, wenn man einen kleinen Bruder hat. Die anderen, braven Atupakinder, wurschtelten alle noch an ihrem Traumfänger rum. Ich beschloss Thomas bei der Bastelhilfe abzulösen und ihn dafür mit den Jungs spielen zu lassen, weil er dafür immer noch am besten geeignet ist. Als endlich alle fertig waren spielten wir noch „Komm mit – lauf weg“ und es hat wieder viel spaß gemacht. Am putzigsten waren die beiden kleinsten, 5 jährigen Mädchen, die sich immer im Schneckentempo verfolgt haben und jedesmal sich selbst wählten. Aber auch Antoni und Renzo waren süß, weil die sich immer mit voller Wucht aufeinander schmissen. Ich war froh, dass Renzo so oft rennen musste, weil er dann vieleicht irgendwann mal müde wird. Um 12 mussten wir gehen. Wir luden Edith, Angel und Raul, alles Geschwister, ein mit uns im Colectivo mit nach unten zu fahren, weil sie nicht in Atupa selbst, sondern in Chaqueqyaqu, einem Dorf weiter unten wohnen. Normalerweise müssen sie laufen, weil sie sich die 50 centimos (= 12,5 cent (!)) für den Colectivo nicht leisten können. Ich glaube eh dass Raul, der älteste von ihnen, sich ein bisschen in Clara verguckt hat, weil er sie die ganze Zeit anschaute. Süß. Wieder zurück, war leider noch keiner Zuhause. Und weil wir keinen Schlüssel hatten, mussten wir vor dem Haus warten. Renzo hat mittlerweile schon unmengen an Geschenken von mir gekriegt (ich weis, ich verzieh ihn, aber ich hab ihn nur noch 4 Tage bevor er bis März nach Lima geht und ausserdem hab ich so viel Kram und die Familie ist so arm) und spielte mit allem möglichen. Carla und ich saßen rum. Ich wusste leider nicht genau was ich mit ihr reden soll, vom Thema her schon nicht so und dann kamen ja auch noch die Sprachprobleme. Deswegen war ich froh das Renzo da war, auch wenn er mich immer wieder aus versehen „Anika“ nannte. Irgendwann meinte ich, dass ich in einer halben Stunde nach Huaraz fahren muss. Daraufhin schlug sie vor Chocho kaufen zu gehen, ein Maisgericht. Hm, lecker. Wir gingen los, allerdings nur 3 Häuser weiter, zum Haus ihrer Tante, die auch einen Laden besitzt. Dort fragte sie, ob sie Chocho hat. Sie hatte eine kleine Schüssel voll. Die stellten sie mir hin. Ich fragte die beiden, ob sie nicht auch was wollen, worauf ich noch einen Löffel kriegte, um mit zwei Löffeln zu teilen. Zu dritt aßen wir aus der Schüssel, immer die Löffel abwechselnd. Dann stellten sie mir auf einmal noch einen Teller mit Reis und Kartoffeln vor die Nase. Oh gott, wie lieb. Ich gab Carla die Gabel, weil ich mich echt ein bisschen mies fühlte und aß selber mit dem kleinen Chocho-Löffel. Das hat mir total gut gefallen, mit meiner „Schwester“ das Essen teilen. Ich wollte schon immer jüngere Geschwister und jetzt hatte ich sie! Die Tante versprach, bald mal Ceviche für mich z u machen. Die sind alle so nett, das ist echt der Wahnsinn. Als wir grad fertig waren kam Mama und meinte, dass wir jetzt Essen gehen. Uff, ich hatte ja eigentlich schon genug, wollte aber nix sagen. Wir gingen in eine kleine Kneipe in Jangas und ich überlegte mir, nur einen Salat zu bestellen. Nix da, Mama bestellte 3 Menüs für uns. Ok, ok. Es gab also eine riesen Suppe, die ich brav aufaß und dann noch Lomo Saltado, Rindfleisch auf gebratenen Gemüse mit Reis, das so lecker war dass ich es einfach essen musste. Poah, jetzt war ich aber wirklich zum Platzen voll. Ich verabschiedete mich und ging zu den Vergaras um mit den anderen nach Huaraz zu fahren.
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Zuerst mussten wir aber noch Dolly waschen, weil das Mädchen ziemlich viele Flöhe hat. Die arme, ihr war furchtbar kalt und sie hat gezittert wie Espenlaub. Dann fuhren wir mit dem langsamsten Colectivo der Welt nach Huaraz. Nach ca. 100 Jahren wollten wir ins Internetcafe unseres Vertrauens. Zu. Was ist denn da nur los? Wahrscheinlich mussten sie schliessen, weil das Modem, dass eh schon immer nicht richtig funktionierte, nun ganz kaputt war. OK, suchen wir eben ein anderes. Nachdem wir ca. 4 schäbige Internetcafes besichtigt haben, gingen wir wieder in das, das uns Milton ganz am Anfang mal gezeigt hat. Ich telefonierte mit meiner Freundin, die Geburtstag hatte, weswegen 1000 Leute bei ihr waren, die alle mal in die Kamera gelinst haben (was mich sehr gefreut hat) und stellte meinen Blog online. Dann regnete es furchtbar und wir wollten wieder nach Hause. Allerdings mussten wir noch Papier (100 Blatt) und das in 5 x 8 cm große Stücke schneiden lassen, weil Mama heute anfangen wollte uns zu zeigen, wie man einen Schwan bastelt. Also, auf zum langsamsten Papierschneider der Welt. Er schnitt so gut wie jedes Blatt einzeln und Thomas und ich mussten tatsächlich früher fahren um nicht viel zu spät zu unseren Familien zu kommen. Daheim machte ich die Tür auf und wurde von Renzo begrüßt, der stürmisch in meine Arme spran und freudig „Anika“ rief. Zwar nicht ganz richtig, aber trotzdem total süß! Und ich fand ich Besuch vor, nämlich einen 12-jährigen Cousin und eine 5-jährige Cousine von Carla, beide unglaublich süß und freundlich. Dann kam noch die Tante mit Onkel und der Onkel erzählte, er habe mal mit Belgiern und Franzosen zusammengearbeitet, weil er irgendein Ingenieur ist, der die Natur studiert. Ziemlich interessante Leute. Als sie weg waren, kamen bald Anika und Joana, samt geschnittenem Papier zur Bastelstunde. 3 Stunden lang falteten wir die Papierstücke zu komischen Dreiecken und waren noch lang nicht fertig. Währenddessen schauten wir noch ein Viedeo von Carlas Promotion der Primaria an (wieder mit Kleid und Anzug) und Renzo war total neidisch und wollte immer, das wir das Video zu seiner Taufe anschauen. Ich muss sagen, Carla war echt die hübscheste und seriöseste von all den Mädels und ich war schon ein bischen stolz auf meine kleine Schwester. Dann lud uns Mama noch zur Silberhochzeit ihres Bruders am Samstag ein und ich war froh, das Anika und Joana auch kommen dürfen, weil ich alleine dann doch etwas unsicher wäre, wenn doch wieder alle schon ab 12 Uhr Mittags trinken und mit der Gringa tanzen wollen. So freu ich mich aber wahnsinnig auf die Fiesta, endlich wieder tanzen.

jj

meine Familie

ffff
15.01.09 Hefte und Hexerei
Heute gings nach Mataquita. Renzo lies ich lieber Zuhause, weil unsere etwas schwierigen Mataquita-Kinder keine anderen in ihrem Unterricht wollen. Zuvor ging ich aber noch schnell bei den Vergaras duschen, wobei ich mich aber dann doch fragen musste was schlimmer ist, mit einem Babywännchen „duschen“, wobei halb Jangas dich beobachten kann, oder bei den Vergaras in der Elektrodusche stehen, bei der der Schalter mittlerweile immer glüht und den sich niemand mehr traut anzufassen und umzulegen. Dieses mal entschied ich mich noch für Elektro. In Mataquita trafen wir zuerst nur auf unsere Lieblingsschülerin Yuli und ihre zwei Freundinnen. Dann stiessen aber doch noch ein paar dazu und wir fingen an mit den Mädchen Armbänder zu knüpfen und den drei Jungs die da waren Traumfänger zu machen. Schlechte Idee, denn die Traumfänger waren schon fertig, als an die Mädchen noch die Fäden verteilt wurden. Also, sollte ich mit den Jungs die selben Armbänder machen, die wir auch in Cahuish gemacht haben, nur nicht mit Plastikbändern, sondern mit Garn. Na prima. Es haute überhaupt nicht hin und die Jungs hatten auch nicht so viel Lust auf Armbänder. Irgendwann lies ich sie einfach murksen und ging auch zu den Mädels. Dann meinten alle, sie wollen das nächste mal Deutsch lernen. Au ja, das wird bestimmt lustig. Um 12 mussten wir gehen, weil ich gesagt hab, dass ich um 1 daheim bin. Man ist das umständlich, wenn man jetzt auf einmal immer um irgendwelche Uhrzeiten da sein soll. Die arme Yuli war ganz enttäuscht, sie hat zu ihren Eltern gesagt, dass sie erst um 14 uhr nach Hause kommt, weil sie dachte, der Unterricht gehe so lang. Wir wunderten uns noch kurz, dass Hernando und Edison, zwei die sonst eigentlich immer da sind, nicht kamen und gingen dann. Wieder daheim (Cousin und Cousine waren wieder da, sie heißen Roy und Daniela) erzählte mir Mama dann was schlimmes: Aus Mataquita ist ein 13-Jähriger Junge gestorben. Er ist in einen Teich gefallen, als er Stecken für das Ferienprogramm suchen sollte. Den Namen wusste sie allerdings nicht. Oh Gott, 13 Jahre ist genau das Alter unserer Schüler. Hoffentlich war es keiner von denen. Hernando oder Edison, die doch sonst immer da sind... ich war ziemlich beunruhigt. Nach dem Essen (es gab Reis mit Huhn und extra Tomaten und Gurken für mich) wollte ich Abspülen. Das geht hier allerdings anders, unter fliessendem Wasser mit so nem komischen Mittel das so rutschig war, dass mir beinahe alle Sachen immer aus der Hand flogen. Ich stellte mich ziemlich blöde an. Danach setzte ich mich zu Renzo, Daniela und Roy in die Küche, wo wir Pink Panther anschauten. Ich sollte immer das Englisch gesprochene übersetzen, verstand aber selbst nicht so viel, weil der Ton total komisch war und dachte mir dann immer einfach irgendwas aus. Es hat Spaß gemacht. Danach bastelte ich mit Mama noch einige Sachen für die Hochzeit, darunter ein Stern aus Geschenkpapier, worauf ich sehr stolz bin, weil ich es selber gemacht hab. Währenddessen erzählte sie mir, dass Carla sehr darunter leidet, dass ihr Vater sie nicht sehen will und sie seit 12 Jahren auch nicht mehr gesehen hat. Er zahlt auch nicht für sie, was Renzos Vater wenigstens Gottseidank macht. Als ich sie fragte, ob es Carla denn nicht stört, dass ich ja eigentlich in ihrem Zimmer schlafe, meinte sie, dass es ihr nichts ausmacht, weil sie die Miete brauchen, um für Carlas Schulsachen zu sorgen. Oh Gott, ich hätte nicht gedacht dass sie SO arm sind. Ich versprach mal bei den Vergaras nachzuschauen, wass wir noch übrig haben von den Weihnachtsgeschenken für Mataquita, wo einige doch nicht kamen. Immerhin waren da noch ziemlich viele Hefte übrig. Ausserdem hab ich noch ein Spanisch-Englisch Wörterbuch und Stifte. Mama dankte mir. Es ist so krass wie schnell man vergisst, das es den Leuten hier einfach nicht so rosig geht was das Geld angeht. Irgendwie ist es so, dass hier einfach alle arm sind und man gewöhnt sich voll schnell daran, dass alle immer das gleiche anhaben und einfaches Essen essen und so weiter. Ich schäm mich manchmal, weil ich so viel Zeug hab. Und trotzdem bin ich dann wieder unzufrieden. Drüben bei den Vergaras hab ich dann tatsächlich noch 13 Hefte gefunden, genau die Zahl die Carla braucht und hab noch ein paar Sachen mehr in die Tüte geschmissen.
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Wir machten uns ausserdem noch an die Unterrichtvorbereitung von morgen. Englisch in Huanja. Das hat auch Spaß gemacht. Für die kleinsten wollen wir die Begrüßung machen und die Tiere. Dazu haben wir im Zwiederladen Tierfotos kopieren lassen und einen Lückentext „Old McDonald had a farm“ gemacht, indem sie die Tiernamen dann immer einsetzen müssen. Die älteren sollen einen Stammbaum machen und die Körperteile an die Entsprechende Stelle an einem aufgemalten Menschen benennen. Bin ja gespannt wies klappt. Ich hoffe Carla kann uns morgen wieder begleiten, weil sie auch Englisch lernt. Wieder zurück in der Familie, sprang mir Renzo wieder in die Arme und diesmal sogar mit „Sabine“. Sie wollten sie gerade Daniela und Roy nach Hause bringen. Ich ging mit, in der Annahme dass sie gleich nebenan wohnen. Nix da, die beiden wohnen im Nachbarort in den wir uns jetzt aufmachten. Trotzdem war es total lustig. Wir liefen über die Brücke, die über den Rio Santa führt und rannten immer wenn ein Auto kam. Im Haus angekommen mussten wir noch warten, bis die Eltern der beiden aus Huaraz zurück kommen. Roy zeigte mir derweil ein paar Zaubertricks. Er konnte das echt gut und es hat total viel Spaß gemacht. Ich verstand auch schon viele Sachen besser. Es war echt lustig. Mama sagte dann ständig, das ich jetzt zu einer Familie aus lauter Zauberern gehöre. Als dann noch Tante und Onkel kamen (Onkel hatte übrigens einen Sitzen) machten sie mir noch Kaffee und ich bekam mein Abendessen dort. Sie waren auch total nett und luden mich und Anika und Joana ein zu kommen, wenn meine Familie in Lima ist. Das fand ich voll cool. Als ich meinte, dass ich morgen noch Fotos von allen machen müsste, um sie meinen richtigen Eltern zu schicken, bevor sie alle nach Lima gehen und Renzo da bleibt, meinte Mama, das wir dann aber ganz früh aufstehen müssen, um nach Tarica zu fahren und dort auch Fotos von Onkel, Tante und Cousins zu machen. Kurzerhand entschlossen wir, mit Anika und Joana zusammen dort zu frühstücken. Total cool. Es war wirklich eine gute Idee in eine andere Familie zu ziehen. Nix gegen die Vergaras, die ich nach wie vor mag, aber nun gehts endlich richtig ab! Ich freu mich schon total drauf und fühl mich mittlerweile auch so richtig wohl. Dann mussten wir aber zurück, weil wir heut ja eigentlich wieder zum Basteln verabredet waren. Auf dem Rückweg hakte sich Clara bei mir unter. Renzo rannte wie immer vorneweg. Anika und Joana warteten schon, weil eigentlich 8 Uhr ausgemacht war, wir aber erst um 9 kamen. Sie haben für die Kinder Filme mitgebracht, die wir mal für uns gekauft haben. Renzo war beim „Kung-Fu-Panda“ schauen ausnahmsweise mal richtig ruhig und wir fingen endlich mit unserem Schwan an. Es war wieder ein sehr lustiger Abend und ich find meine Familie immer toller. Juchu, Peru du bist einfach das beste Land der Welt!

mein Zimmer




16.01.09 Old McDonald und Onkel Nr. 2
kkk
Heute musste ich früh aufstehen, weil wir ja zum Frühstücken zu Onkel und Tante eingeladen wurden. Joana konnte leider nicht mit, weil sie krank war. Wir fischten Renzo aus dem Bett, der noch gar nicht ganz geradeaus schauen konnte und marschierten zusammen mit Anika los. Renzo nahm meine Hand um mir irgendwas zu zeigen, was ich nicht verstand. Er lief mit mir zum Straßenrand und sagte mir, das ich nach unten schauen sollte. Zuerst erkannte ich gar nicht was das sein soll. Dann nahm das Bild in meinem Kopf langsam gestalt an: Ich sah einen Hund mit glasigen Augen, heraushängender Zunge und herauschschauenden Rippen. Das Tier war nur halb und schon ziemlich verwest. Igitt. Ich packte Renzo und kitzelte ihn. Pfui Deibel. Finds aber trotzdem lustig, wie hier so ein Viech einfach so im Straßengraben vor sich hinverwesen kann. Das wär in Deutschland wirklich unmöglich. Wir gingen weiter. Am Haus angekommen, wurden wir schon erwartet. Es gab Kaffee aus der Maschine (von dem ich dann gleich 2 Tassen trank), Brot und Marmelade. Nach 2 Tagen Trockenbrot als Frühstück lern ich die Marmelade echt wieder schätzen. Wir versuchten auch dann gleich Anika von unseren Zauberkünsten zu überzeugen, was manchmal klappte und manchmal auch nicht. Ich schrieb Thomas noch schnell eine SMS, dass er uns in Tarica, wo wir waren, einfach mit dem Taxi abholen sollte, mit welchem wir dann bis nach Huanja hochfahren. Als es dann schliesslich kurz vor neun war und wir wirklich losmussten, rief ich Thomas sicherheitshalber nochmal an. „Was, ihr wollt schon fahren? Wie spät ist es denn eigentlich?“ Oh nein, er hat verschlafen. Tja, hilft nix, dann müssen wir eben noch ein bisschen warten. Da meine Mutter mit Renzo und Carla nach Hause musste, warteten wir mit der Tante vor dem Haus, um das Taxi nicht zu verpassen. Es kam dann auch relativ schnell und wir fuhren nach Huanja hoch. Ich war total gespannt wie der Unterricht verlaufen würde. Wir haben für die Kinder einige Blätter vorbereitet, mit denen sie Englisch lernen sollten. Zuerst waren die Kleinen dran, von 6 – 10 Jahren. Sie kamen mit viel gelärm nach oben in unseren „Klassenraum“ gerannt und plumpsten auf die Plastikstühle. Allerdings waren sie nicht die einzigen, denn die Großen waren auch schon dabei, obwohl ihr Unterricht erst um 11 beginnen sollte. Dementsprechend ging es dann auch zu. Zuerst versuchten wir den Unterricht trotzdem zu halten, indem sich die älteren eben an die Seite setzten. Aber da sie schon ein paar Brocken Englisch können, haben sie die ganze Zeit reingeschrien und gestört. Also mussten wir sie rauswerfen. Leider ging das nicht so leicht, das wir keine Tür hatten. Nachdem Anika ein paar Mal lautstark durchgegriffen hat, war endlich Ruhe. Die Stunde konnte beginnen. Wir fingen an Blätter auszuteilen, auf die wir Tierbilder kopiert hatten, mit den Englischen Namen darunter. Die mussten jetzt erstmal geübt werden. Deswegen fingen wir an: „Horse“. Kinder: „Osch“. Wir: „Cow“, Kinder: „Cuy“. Wir: „Guineua Pig“ (Meerschweinchen), Kinder: „Häh?“. Uiuiui, das konnte ja heiter werden. Wir übten also die Aussprache der Tiernamen ca. 20 Minuten, wobei die Kinder aber wirklich brav mitgemacht haben und einfach nur süß waren. Nun zum eigentlichen Teil: Wir hatten den Text von Old McDonald auf das Blatt gedruckt, mit Lücken für die Tiernamen, die die Kinder dann einsetzen sollen. Auch die Geräusche dazu mussten sie selbst machen. Kennt einer von euch das Lied „Old McDonald?“ Betretenes Schweigen. Wohl nicht. Ok, dann lesen wir den Text jetzt erstmal zusammen durch: Also los: „Old – Mäck – Donäld – hääd – a – ffarrm....“ Die einzigen die Lasen waren wir. Wir forderten die Kinder nochmal dazu auf mitzumachen. „Sie können noch nicht lesen“ informierte uns daraufhin ein etwas älteres Mädchen. Na, toll. Und jetzt? Wie sollen die sich denn die Englischen Begriffe merken können, wenn sie sie Zuhause nicht nachlesen können? Ok, dann singen wir jetzt einfach das Lied, zeigen auf das gewünschte Tier und die Kinder sollen einfach nur die Geräusche machen. Also Los: „Old McDonald [...] and on the farm he had some COWS (Kühe) heeeaaaheeeaaahoooo. And a … (eigentlich sollte nun „Mooh, mooh“ kommen, die Kinder machten allerdings „Quik, quik“, weil sie Cow für Cuy hielten, also Meerschweinchen. Nun gut. Nachdem wir noch mal alle Tiergeräusche geübt haben und uns darauf einigten, dass die Kinder sobald ihr Stichwort kommt einfach nur die Geräusche brüllen sollen, ohne auf den weiteren Text und Melody zu achten, hat es dann doch noch geklappt und auch Spaß gemacht. Einige strengten sich auch richtig an und schrien die Tiergeräusche mit voller Brust und hochkonzentriertem Gesichtsausdruck hinaus „BÄÄÄÄH; BÄÄÄÄH BÄÄÄÄÄÄÄHHHH!!!!!“ (Schaf). Als unser Liedchen zuende war, machten wir nochmal Fotos von allen um uns die Namen besser merken zu können. Danach formten wir noch einen Kreis und machten wieder das Mützenspiel mit „Hello, how are you?“ (Mütze jemand zuwerfen) „Im fine“ (sagt der mit der Mütze“ Das klappte erstaunlich gut und wir konnten die Stunde beenden. So, nun auf zu den Großen. Da diese schon ein bisschen Englisch können, wollten wir hier die Familie machen, Körperteile und Schulsachen. Zunächst sollten sie einen Stammbaum zeichen. Da das hier allerdings bis ins Bodenlose gehen kann, weil die Familien nicht eben klein sind, sollten sie nur Großeltern, Tanten und Onkel und Eltern + eigene Geschwister machen. Blos keine Cousins und Cousinen, sonst bräuchten wir für jeden ein DIN-A-3 Blatt. Joana malte erstmal einen Stammbaum an der Tafel vor, weil nicht alle wussten was das ist. Nun gings los. Als ich nach 2 Minuten so durch die Reihen ging, saß ein Junge da, der noch gar nichts auf dem Blatt stehen hatte. Nanu, was ist denn hier los? „ich weis nicht wie ichs machen soll“. Ok, also auf gehts. Wie heisst deine Oma? Ein Ellenlanger Name folgte. Ok, schreib einfach ihre Vornamen dort hin. Und die ist auf Englisch deine „Grandmother“. „Nein, sie heisst (ellenlanger Name)“. Ja, stimmt, aber Oma auf Englisch heisst „Grandmother“. Ok, nachdem wir noch die 3 weiteren Oma und Opas aufs Blatt gebracht haben, waren seine Eltern an der Reihe. Geht doch. Dummerweise hatte die Mutter so viele Geschwister, das wir die Brüder seines Vaters eine Reihe weiter unten hinzeichnen mussten. Es gab schon mal ein kleines Chaos. Als wir es dann doch geschafft hatten, zeichnete ich einen ziemlich langen krummen Strich nach unten und meinte, dort solle er nun sich und seine Geschwister hinschreiben. „Wie viele Geschwister hast du denn?“ „2“. Ui, das ist aber wenig. „Nein, er hat drei“, piepst da der Nachbarjunge, „du hast mich vergessen“. „Ach, stimmt ja“. Heieiei. Als wir dann alle gemerkten und vergessenen Geschwister draufhatten, waren wir endlich fertig. „Da fehlt aber noch jemand“. „Wer?“ „mein Omilein“ Häh, wir haben die Großeltern doch schon. Der Junge ließ sich nicht beirren und schrieb nochmal zwei ewig lange Namen direkt neben seine Geschwister. Und wer ist das jetzt? Meine Omi und mein Opi. Und wer sind die andern da oben. Omi und Opi. Wie jetzt, was, ich check gar nix mehr. Nach langer Befragung stellte sich heraus, das er seine Urgroßeltern meinte, die jetzt schön neben seinen Geschwistern prangten. Ich zeichnete also nochmal einen Strich, diesmal nach oben und überlegt was „Uroma“ überhaupt auf Englisch heißt. Hoffe ich hab keinen Schmarrn verzapft.
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Als wir damit endlich fertig waren, gings auf zum zweiten Teil: Körper. Sie bekamen ein Blatt mit allen wichtigen Körperteilen auf Englisch und sollten, immer wenn wir eines auf Englisch aufrufen, mit der Hand dort hin klatschen. „Knee“ (Knie). Ein Kind haute auf sein Knie, andere auf ihre Augen oder Ohren. Oh bitte, ihr müsst es doch nur Ablesen. Die meisten Male klappte es aber doch und es war total süß den Kindern dabei zuzusehen, wie sie sich ständig irgendwo hin klatschten. Nur die Nase machte irgendwie Probleme, die konnten sie sich einfach nicht merken. Nun gut, wir gaben als Hausaufgabe auf, die Wörter zu lernen. Als letztes kamen die Schulsachen dran. Dazu hatten wir wieder ein Blatt, mit all den Bildern und Wörtern und die Kinder bekamen ein Rätsel, das sie ausfüllen müssen. Und das hat mal wirklich gut geklappt. Ich war total stolz, weil sie eigenständig arbeiteten und das auch noch gut. Juchu. Die Kinder in Huanja sind echt spitze und nach Atupa nun auf Platz 2 meiner Lieblingsschulen gelandet. Mit den kleineren lassen wir das Englisch jetzt erst mal und üben das Alphabet. Trotzdem, so viele aufmerksame Schüler auf einen Haufen hatten wir glaub ich noch nie. Nach dem Fotoshooting kamen auf einmal alle Kinder mit ihren Englischblättern auf uns zu und wollten, dass wir sie signieren. Das ist ja süß. Es gab einen regelrechten Kampf auf unsere Unterschriften. Putzig. Nun mussten wir uns aber wieder trollen, das Mittagessen stand noch bevor.
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Als ich zuhause ankam, war die Tür verschlossen. Zum Glück hatte ich ja nun meinen eigenen Schlüssel, aber gewundert hab ich mich trotzdem. Kaum war ich in meinem Zimmer, kam Carla um mir zu sagen, dass wir heute beim Onkel essen. Schon wieder? Nein, ein anderer Onkel, der, der morgen die Silberhochzeit hat. Ah, ja. Wir latschten zu einer Bäckerein am Ende von Jangas. Dort öffnete mir eine ziemlich unbegeisterte Cousine die Tür. Na herzlich Willkommen. Die anderen waren zum Glück netter. Ich sollte mich gleich setzen und bekam mein Mal vor die Nase. Reis, Bohnen und irgend ein Stück Fleisch, das nicht nach keiner Innerei aussah. Oh nein. In meinem Kopf trafen sich Engelchen und Teufelchen. „Los“, meinte Teufelchen, „das Zeug isst du nicht! Stells weg, du hast dir geschworen hier nichts ekliges aus reiner Höflichkeit mehr zu Essen“. „Nein, nein, nein“ (Engelchen) „du bist neu in der Familie, alle schauen auf dich und wenn du dich beliebt machen willst, meckerst du gefälligst nicht am Essen rum. Den anderen schmeckts doch auch“. Verdammt, Engelchen hatte einfach die besseren Argumente und ich stopfte mir das komische Fleisch rein. Es schmeckte sogar noch nicht mal so scheiße. Ich lobte genau bei diesem Gedanken das Essen mit „que rico“ wie lecker und machte den Fehler zu fragen was es sei. Irgendwas aus dem Hals vom Schwein. Na gut, weg wars eh schon. Der Onkel fragte mich allerlei aus Deutschland und zwang mich dazu sein Brot zu essen, das angeblich nicht Dick macht. Naja, so sah er allerdings nicht aus. Ich wurde dann nach dem Essen mit Carla zurückgeschickt, um die Wäsche abzunehmen. Danach wollten wir nach Huaraz. Als wir wieder zurückkamen am Abend, trafen wir uns, um unsere Handarbeiten, die wir gerade jeden Abend machen, weiterzuführen. Es fehlte nicht mehr viel, dann wären wir fertig. Juchu! Wir gingen allerdings recht früh ins Bett, weil wir ja wegen der Silberhochzeit morgen sehr früh aufstehen sollten.


mein Schwan, den ich gefaltet habe








ggg


17.01.09 gutes Mädchen und Geständnisse
Boah, als heute der Wecker klingelte, dachte ich mir nur: „Nein“. Verdammt, ich wollte nicht aufstehen. Die anderen hörte ich schon draussen rumwursteln. Ja, ich sollte wirklich schauen, dass ich auch aufsteh, um halb sieben sollte ich helfen die Kirche zu schmücken. Bäh. Als ich nach unten ging, waren die anderen schon nicht mehr da. Gut das die Kirche gleich nebenan ist. Ich schlurfte also rüber. Die einzige die da war, war Reyna (so heisst meine Mutter) selber und stellte irgendwelche Blumen in irgendwelche Vasen. Sie gab mir gleich irgendwelche Anweisungen, aber ich war noch sehr Müde und verstand sie deswegen ziemlich schlecht. Irgendwann kamen dann Carla und eine Cousine und wir füllten Wasser in die Vasen. Als ich die Gefäse in den Raum schleppte, in dem sich das Waschbecken befindet, entdeckte ich auch ein Klo. Dieses befand sich am Kopf der Kirche, direkt hinter dem Hochaltar. Es hatte auch kein Dach, sondern ging offen in die Kirche über. Total verrückt. Weis nicht ob das Klo jemand benutzt, aber ich fand das schon sehr lustig. Schade, dass ich kein Foto gemacht hab. Nach ca. 1 Stunde, in der wir Blumen und Schleifen an den Kirchenbänken angebracht
und gekehrt haben, sind wir in die Gaststätte, in der die Feier stattfindet, um diese zu schmücken. Das ging schnell und danach sind wir noch in das Haus des Brautpaares, wo wir gleich zum Frühstück eingeladen wurden. Ich holte noch schnell Renzo, der immer noch pennte und wir freuten uns auf ein leckeres Essen. Es gab Semmeln, irgendetwas Salatartiges und das komische Zeug das es gestern zu Mittag gab, nur nochmal fritiert und nicht sehr unappetitlich aussehend. Engelchen kam wieder und meinte, ein Stück von den seltsamen Fleischteilen könnte ich schon probieren. Fehler. Ich griff mir eines, das noch am ehesten nach einem normalen Muskelfleischstück aussah. Als ich es aber umdrehte, sah es ganz anders aus. Irgendwie wie ein Stück Ohr oder gleich das Ringeschwänzchen. Jedenfalls wars eklig und dagegen konnte selbst Engelchen nichts mehr ausrichten, ich legte es anstatt auf mein Brot einfach auf den Tisch. Pfui Deifi. Später gingen wir wieder nach Hause, um uns umzuziehen. Um elf sollte die Messe losgehen. Ich überlegte noch, ob ich einen Rock oder einfach eine saubere Hose anziehen soll. Aufgrund des Wetters entschied ich mich dann doch für Hose. Als ich dann mit Carla wieder zum Brautpaarhaus ging, fühlte ich mich dann schon ein bischen Assi. Sie hatte ein grünes Ballkleid und Stöckelschuhe an und ich latschte mit der Hose und Ballerinas nebenher, wie das hässliche Kindermädchen. Alle Leute drehten sich nach ihr um. Heieiei. Auf dem Weg kam uns Renzo entgegengerannt, er wollte noch schnell seinen Anzug anziehen. Süß. Im Brautpaarhaus war derweil die Hölle los. 1000 Leute waren da und wünschten Glück und Pi Pa Po und ich half dabei, die Geschenke reinzutragen, die riesig waren. Dann schnappten sich die Töchter des Bräutigams, die ebenfalls alle Ballkleid trugen, ihren Vater und gingen hoch zum festlich geschmückten Brautauto. Ich schaute, dass ich nicht mitgefilmt wurde, bei dieser Prozedur und auf einmal waren alle weg und ich stand da wie bedröppelt. Prima, und was soll ich jetzt tun? Ich beschloss zur Kirche zu latschen, war ja eh schon fast elf. Gottseidank saßen Joana und Anika auf einer Bank davor und Thomas kam auch grad, deswegen konnten wir uns auch reinsetzen. Leider war die Messe heute nicht ganz so schön wie sonst. Der Pfarrer wirkte irgendwie unkonzentriert oder krank und es gab auch keine Orgel, weswegen der Gesang nicht ganz so schön war wie sonst. Irgendwann kam dann Renzo reinspaziert, total putzig in seinem Anzug und setzte sich zu uns Gringos. Jaaa, das ist mein Junge. Nach einer dreiviertelstunde war alles wieder rum und wir gingen zusammen in die Wirtschaft. Wir haben versprochen zu helfen und ich war schon mächtig gespannt. Um eins sollte es Essen geben und ich hatte auch schon Hunger. Zuerst wurden wir in die Küche geschickt, die riesig, aber total düster und auch etwas schmutzig war. Wir hatten die Ehre, ca. 100 Becherchen mit Sekt zu füllen, die wir beim Einzug des Brautpaares überreichen sollten. So, alles war fertig, nur... Kein Brautpaar war da. Also gingen wir nochmal nach draußen. Dort wurde ich ca. 10 weiteren Verwandten von Reyna vorgestellt und eine Frau, die glaub ich auch Messnerin ist und die bei unserem ersten zusammentreffen ziemlich kühl war, umarmte mich gleich und setzte sich „an meine Seite“ um mit mir zu reden. Wow, wieso sind wir auf einmal so beliebt? Naja, mir gefiels. Renzo lief mit einem Eis rum und wir durften alle mal schlecken. Oh Gott, ich bin so verliebt in ihn. Wir warteten Ewig. Das Brautpaar sollte nämlich mit Musik einziehen. Nur das die Band noch nicht da war. So was. Die Leute wurden langsam ungeduldig und ich auch. Ich hatte voll den Hunger. Irgendwann, um viertel vor zwei, setzte dann endlich die Musik ein. Juchu, Zeit wurde es ja. Das Brautpaar zog ein ich dachte „jetzt kommt der Sektausschank“, aber nein, wir sollten noch warten. Der Bräutigam hielt seine Rede, ich dachte es wäre Zeit für den Sekt, aber nein, wir sollten noch warten. Das Brautpaar tanzte den Hochzeits-“walzer“, ich wollte den Sekt holen, aber – richtig – wir sollten warten. Das Brautpaar tanzte mit sämtlichen Töchtern und Söhnen (6 an der Zahl) ich dachte nun wäre der Zeitpunkt gekommen, irrte mich aber wieder. Als sie dann mit allen anderen Verwandten tanzten (richtig, noch kein Sekt), wusste ich auch nicht mehr weiter. Grad hatte ich mich hingesetzt kam das Zeichen: SEKT. Ok, ok, nur kein Stress. Wir liefen mit den Tabletts durch die aufgestuhlte Menge.Ja, das war eine Schau, das 4 Gringos bei einer Hochzeit mithelfen. Die Leute waren ganz aus dem Häuschen. Nach der 2. Runde wollte ich mich grad wieder hinsetzen, als ich geschickt wurde, die leeren Becher wieder einzusammeln. Hei. Danach kamen die Besteckpäckchen zum Zug. Als diese ausgeteilt waren, hätte eigentlich das Essen folgen sollen. Aber... Es waren noch nicht alle Styroporteller mit Salat und Schweinefleisch belegt. Und die Oberchefin der Küche befahl, dass erst jedes einzelne belegt sein muss, bevor es ans austeilen geht. Warum auch immer, weil eh nicht alle aufs Tablett passen. Dummerweise war dann auch noch das Schwein aus und man musste erst noch das nächste holen. Wir warteten also geduldig. Auf einmal holte uns Reyna und bedeutete uns, dass wir uns mitten in den Saal auf die Tanzfläche stellen sollen. Was ist denn das schon wieder, will sie uns vorstellen? Nein, wohl nicht, wir sollten uns total komisch hinstellen, total wirr. Reyna machte irgendwelche seltsamen andeutungen,die ich auch nicht verstand. Irgendwann kapierte ich es dann, nämlich genau dann, als der erste Teller gereicht wurde. Wir sollten das Essen nicht etwa bringen, sondern es wurde von Helfer zu Helfer weitergereicht, bis es letztendlich von der ältesten Tochter an die Gäste übergeben wurde. Zuerst fand ich das bescheuert, vor allem weil die Pappteller toal lapprig waren und man die ganze Zeit aufpassen musste, das beim weiterreichen nix runterrutscht. Aber als wir uns dann ein bisschen eingespielt hatten, machte es total viel Spaß. Und es ging. Schnell. Ich musste die ganze Zeit lachen, weil wir bestimmt komisch aussahen. Als alle Gäste versorgt waren, bekamen wir unsere Portion in der Küche. Kaum fertig, gings auch schon weiter, es gab ja noch Suppe, ebenfalls im Styroporteller. Diese war heiß und es schwappte beim weitergeben oft über, was nicht gerade für beste Stimmung sorgte. Als auch das endlich geschafft war, hatten wir eigentlich so gut wie Feierabend. Jetzt war erstmal große Geschenkübergabe angesagt. Anika und Joana sollten sich noch ans Ende der Schlange, die alle bildeten stellen, um die Geschenke wegzuräumen. Thomas machte irgendwas anderes und ich durfte mich mit unserem Geschenk (eine sehr, sehr kitschige Kukuksuhr, die wir noch in Huaraz einen Tag vor der Hochzeit aufgabelten und bei der der Kukuk mit Geschrei und Bachgeräuschen singt) in die Schlange stellen. Zuerst kam man an allen Söhnen und Töchtern vorbei, die auch alle Küsschen kriegten um dann das Geschenk an den Bräutigam zu überreichen, der mich Tränennass umarmt. Die Braut schien eher weniger gerührt und zog ein ziemliches Gesicht. Aber ich glaube, sie sieht einfach nur so aus und ist im Grunde auch Glücklich. Ich hoffe es jedenfalls. Danach trollten wir uns wieder in unsere Küche. Renzo fand eine Rose und hatte die Wahl zwischen uns drei Mädels wem er sie schenken wollte. Er kam schnurrstracks auf mich zu. Das fand ich so süß, das ich schon beinahe wieder gequietscht hätte. Reyna kam und packte mich, wir sollten jetzt tanzen. Sie stellte mich zu irgend einem Onkel. Nein, es war gar nicht irgendein Onkel, sondern der Bräutigam höchstpersönlich. Ui. Es lief ein Lied, das mir überhaupt nicht gefiel und Mr. Onkel stieg mir ständig auf den Fuß. Prima. Dann kam aber ein neues Lied. Cumbia, das man eigentlich eh ohne Handanfassen tanzt. Und dazu noch mein absolutes Lieblingslied „El embrujo“. Ich gab voll Gas und sang alles mit, was Mr. Onkel gut gefiel, also wurde er auch schwungvoller. Ich muss sagen, wir rockten die Tanzfläche und es hat richtig Spaß gemacht. Als das Lied fertig war, umarmte er mich sogar stürmisch. Fein, nun aber zurück in die sichere Küche. Ich hatte gerade sehr viel Lust auf Bier. Kaum hingesetzt, kamen Renzo und sein Cousin Gary (das war übrigens das Kind, bei dem wir damals auf der Taufe waren) und wollten mit uns Tanzen. Putzig.
mit meinem Liebling Renzo, der Gesichtsausdruck taeuscht, er laechelt oft so
jjj
Also gings wieder auf die Tanzfläche und wir tanzten alle zusammen, indem wir uns an den Händen fassten, je einer von uns Deutschen, abwechselnd mit einem Kind. Neben Gary und Renzo tanzten nämlich auch Renzos Cousine Daniela mit und irgend ein fremdes kleines Mädchen. Ich fands total lustig und es kam wohl auch gut bei den anderen Leuten an. Fein, das ist ja nie verkehrt. Als wir fertig waren, gingen wir wieder in die Küche. Jetzt endlich was trinken. Juan, der, der mit mir an der Taufe schon so viel getanzt hat und mich angeblich so toll fand, wartete schon. Nach der ersten Bierrunde kam Reyna und wollte schon wieder tanzen. Also gut, ich dackelte brav mit. Sie stellte mich ungefähr hundert Leuten vor, alle Verwandt und ich musste mit jedem einzelnen Onkel tanzen. Am Anfang fand ichs noch lustig, aber irgendwann hats mich total genervt. Das lies ich mir allerdings zum Glück nicht anmerken ich tanzte und lachte und alle Leute, die um die Tanzfläche rumsaßen nickten mir zu oder streckten den Daumen nach oben. Na also, perfekt in die Gesellschaft eingeführt, die neue Tochter.
einige von vielen Cousins und Cousinen. Man beachte Renzos Gesichtsausdruck, hab ichs doch gesagt
jjj
Außerdem wurde ich in ungefähr 20 Familien zum Mittaggessen eingeladen, nur dass ich mir nicht merken konnte wie die alle heissen, geschweige denn wo die wohnen. Ich sagte trotzdem zu jedem dass ich kommen werde, haha. Nach einem besonders ekligem, besoffenem Onkel und einem Zu-Hilfe-Eil-Tanz zusammen mit Reyna flüchtete ich wieder in die Küche. Da Joana ein bissl Krank war, ging sie mit Anika nach Hause. Ich musste natürlich bleiben, war ja meine Familie und war froh das Thomas noch da war. Wir machten aus, das wir uns betrinken, ist ja hier so üblich. Außerdem hatte ich keine Lust mehr zu Tanzen, die einzige Gringa, nein Danke. Zum Glück war Juan auch noch da und irgend ein Typ, dessen Namen ich nicht verstanden hab. Und natürlich Renzo, mein Liebling. Wir tranken vieleicht zu viert vier Flaschen Bier, aber ich vertrag hier in der Höhe auch so gut wie nix. Jedenfalls war ich schnell sehr lustig. Thomas warnte mich noch, das ich bald mit Juan tanzen müsse und schon stand ich auf der Tanzfläche. Naja, er ist mir zehnmal lieber als irgend so ein Onkel, die schauten eh schon dauernd. Nach einem weiteren Tänzchen mit Renzo gings wieder in die Küche. Es gab Hochzeitstorte, die echt super war. Dann lief ein weiteres Lieblingslied von Grupo 5 und ich schnappte mir wieder Juan, weil ich jetzt tanzen WOLLTE. Die Leute schöpften schon verdacht. Zweimal mit dem selben Jungen tanzen? Na so was. Schnell wieder zurück in die Küche, bevor hier falsche Eindrücke, bzw. Versprechungen geschehen. Thomas war mittlerweile verschwunden. Na prima. Ich saß also mit Juan und dem anderen in der Küche und trank Bier und hoffte inständig, dass niemand reinkommen und einen falschen Eindruck bekommen würde, was weis ich denn, ob man hier einfach so mit zwei Jungs was trinken darf. Auf meine Nachfrage diesbezüglich, beruhigten mich die beiden. Na wunderbar. Irgendwann kam dann aber zum Glück wieder Thomas und ich fühlte mich schon wieder wohler. Allerdings ging er mit anderen Jungs weiter ins Eck, während ich mich mit Juan unterhielt, der immer näher rutschte und mich fragte ob ich mal mit ihm ins Thermalbad nach Monterrey will. Aber na klar, was ist denn schon dabei? Darf ich deine Handynummer haben? Logo, hier ist sie. Haha, Doof-Sabine schnallt aber auch die offensichtlichste Anmache nicht. Wenigstens fragte ich noch, ob meine Freundinnen auch mit können. „Jaaaahh, wenn sie wollen, ähm“. Ok, supi. Langsam wurde es auch schon dunkel und ich hatte mittlerweile mächtig Durst. Aber, so einfach ist das nicht, einfach etwas zu trinken. Immerhin sind wir auf einer Fiesta und da gibt es Bier. Und zwar nur Bier. Kein Wasser oder so, nein, nein. Ich fragte Juan, wo ich denn jetzt noch Wasser herkrieg. „Ich begleite dich“, meinte er, packte mich an der Hand und ab nach draußen. Kaum ums Eck hörte ich nur „uh, Sabine, wo wollt ihr denn hin?“ Verdammt, Sonia, Miltons Schwester, Frau Lästerin in Person. „Wasser kaufen“. Schnell weg. Ich muss jetzt hier zu meiner Verteidigung sagen, es stimmt, ich wollte wirklich nur Wasser kaufen und war froh dass Juan, ein Junge dem ich vertrau und der sehr nett ist, mich begleitet, am Tag einer Fiesta, wo überall nur besoffene und nicht sehr angenehme Leute rumlaufen. Hah! Kaum waren wir in der nächsten Straße blieb er stehen und zack, Bussi auf die Backe. Oh nein! „Warte, das geht nicht, außerdem hab ich einen Freund“ Sehr originell. „Glaub ich dir nicht, du willst mich nur nicht küssen“ (geknickte Miene). Hm, stimmt. „Nein, ich hab wirklich einen Freund. Lass uns zurückgehen“. Ich ging vorraus, hinter mir: „Wieso willst du mich nicht?“. „Ich hab nen FREUND!“ Herrgott. Wie soll ich ihm denn erklären, dass ich mich einfach nicht auf einen Peruaner einlassen kann, auch wenn er noch so nett und lieb und freundlich ist. „Aber du gefällst mir“. Ach so, ja das ändert natürlich alles. „Ich bin total verliebt in dich, schon seit ich dich das erstmal gesehen hab.“ Oh Mann. Das schlimme ist, er sagt das nicht um mich rumzukriegen, sondern es stimmt ja sogar, er erzählt es Thomas nämlich so ziemlich jedes mal wenn er ihn trifft und ich habs ja auch gewusst und dachte trotzdem, er wird sich jetzt schon nix dabei denken, wenn wir zusammen Wasser kaufen. Haha, ich war echt schon mal schlauer. Ok, ich blieb stehen, er tat mir leid. „Was willst du denn mit mir? Du kennst mich kaum und in zwei Monaten bin ich eh wieder weg und wir sehen uns nie wieder“. „Du kannst doch in Peru bleiben, du hast doch gesagt dass es dir hier so gut gefällt“. Na, wenns nur so einfach wär. Nein, nix zu machen. Ich wollte zurück, es regnete, es war kalt und ich wusste nicht, was ich noch sagen sollt. Ich wollt nur nicht mit ihm streiten, weil er wirklich ein total netter Junge ist und nicht so ein Dödel, wie es sie hier auch zuhauf gibt. „Ich will dich als Kumpel, bitte. Sei einfach mein Kumpel, davon hab ich hier viel zu wenig“. Er war ziemlich aufgeregt und ich umarmte ihn. Genau da passierte es. Milton lief vorbei und sah wie ich Juan irgendwo draußen auf der Straße umarme. Verdammt, wir müssen jetzt echt zurück, auf gehts.
***
Ich kam in die Küche und wollte meine Tasche holen. Sie war weg. Aaaahhhh, was ist denn das jetzt wieder? Ich lief durch die Küche und war voller Panik. Das gibts doch nicht. Juan war trotz allem immer noch Gentleman und ging raus auf die Tanzfläche um nach meiner Tasche zu fragen. Ich verstand nur,das irgend eine Senora Soundso sie mithat und irgendetwas mit meiner Kamera und ich soll Carla fragen, aber die ist nicht da. Häh? Hilfe, oh nein, ich kannte hier niemanden mehr, wusste nicht wer Senora Soundso ist und was ist bitte mit meiner Kamera? Ich verstand so gut wie gar nix mehr und war total fertig. „Ich weis wo sie ist, komm mit“. Juan. Oh nein, neuer Knutschversuch? Aber ich hab mich getäuscht. Er führte mich souverän zum Haus irgend einer Frau, die ich vieleicht 3x gesehen hab und holte meine Tasche raus. Die Frau war ganz aufgelöst und fragte mich, ob meine Kamera noch da wär und das sie glaubte, sie wäre geklaut worden. Oh Gott, bitte nicht. Ich griff in meine Tasche. Sie war da. Ich stand noch ziemlich verwirrt rum, weil ich überhaupt nix mehr kapierte, da klingelte mein Handy. Milton. Ich drehte mich um: Milton kam die Straße lang, mit Joana, Thomas und Anika im Schlepptau. „Du“, rief Thomas, „du!!!“. Was ist denn nur los? Joana: Ach da bist du. Wir haben grad nen Film angeschaut, da kam Marci (Milton-Mama) ganz aufgeregt und hätte gemeint, du wärst mit einem Jungen verschwunden und dass wir dich unbedingt suchen müssen, sie war ganz auser sich vor Sorge. Oh oh. Jetzt hab ichs doch geschafft. Ok, besser ich lass mich gleich dort blicken. Ich verabschiedete mich von Senora Sounsdo und von Juan, der auch noch nicht ganz bei sich war und mich und Joana überstürzt zum Abschied auf die Wange küsste, Anika jedoch vergaß, bedankte mich brav und trottete Schuldbewusst nach Hause. Joana: Was hast du denn gemacht? Milton hat gesehen, wie du Juan geküsst hast. NEEEEIIIINNN! Oh bitte nicht. Und außerdem hab ich ihn nicht geküsst. So ein Sch...! Wir gingen in die Vergara Küche, wo ich auch gleich einen Teller fürs Abendessen vorgesetzt bekam. „Sabine, was hast du mit Juan gemacht?“ Sonia. „Wo seid ihr hingegangen?“ Ich erzählte die ganze Wassergeschichte, lies aber die Liebeserklärung sowie die Knutschversuche weg. „Was hat er dir erzählt, damit du mit ihm mitgehst?“ Nix, ich hab ihn doch gefragt ob er mitkommt. Herrgott, ich bin 24, ich werd doch wohl mit so nem 22-jährigem Bubi fertig werden, der sogar noch ein bisschen kleiner und auf jeden Fall schmächtiger ist wie ich, wieso machen die denn so ein Theater. Ist es hier wirklich so streng? Ich dachte in Jangas wären sie schon ein bisschen aufgeschlossener, was das angeht. Tja, getäuscht. Und jetzt hab ich meinen Salat. Sonia, die größte Klatschtante überhaupt hat sich in den Kopf gesetzt, dass ich mich heimlich mit Juan treffe und mit ihm rumknutsche und nichts wird sie vom Gegenteil überzeugen. Tja, diese Lektion musste ich wohl lernen. Ich war klitschnass und müde und wollte meine Ruhe, deswegen ging ich nach Hause. Auf dem Weg traf ich noch die Oma, die mir sagte, dass sie nicht verstehen kann, wieso ich ausgezogen bin und sie mich so vermisse und zu Weinen anfing. Oh je, heute ist aber auch ein total verwirrter Tag. Zuhause bei Reyna waren sie weniger besorgt. Reyna fragte lediglich ob ich getrunken habe und als ich sagte „ja“, lachte sie nur und meinte, sie auch. Carla erzählte mir, dass meine Tasche offen rumgelegen wäre und Senora Soundso sie deswegen mithätte. Aber meine Kamera sei nicht mehr da, ob sie geklaut worden wäre? Nein, sie war noch da, halt in der Kameratasche. „Da hast du Glück gehabt. Nimm NIE, NIE wieder solche Sachen mit auf eine Fiesta und lass die Tasche dann offen liegen“. Ok. Heute war der Naivitätspegel mal wieder sehr hoch, es tut mir leid. Wird nie wieder vorkommen. Auch Marci hab ich versprochen, dass ich nie wieder mit irgend nem Kerl Wasser oder Sonstwas holen geh, Ehrenwort. Ich glaube, das liegt einfach daran, dass ich mich hier mittlerweile einfach wie Zuhause fühl und mich dementsprechend auch so verhalte. Ich denk einfach nicht mehr so sehr daran, dass es in Peru nunmal anders zugeht. Ich werds wieder ändern. Das jetzt irgendwelche Gerüchte 100%ig rumgehen, war mir eine Lehre. Ich hoffe sie sprechen wenigstens den armen Juan nicht darauf an. So, jetzt wollt ich aber nur noch ins Bett. Ein letztes Mal mit meinem geliebten Renzo Zähneputzen, bevor morgen alle nach Lima abdüsen und er erst wieder mitte März zurückkommt (Schluchz) und ab in die Falle, einfach schlafen und alles vergessen. Vieleicht vergessen es die andern ja auch.
ffffffff
18.01.09 böses Mädchen und Ballspiele
fffffffff
Nachdem ich um 7 Uhr früh meine Familie nach Lima verabschiedet habe und noch ein bissl traurig wieder zurück ins Bett bin, um um 9 Uhr von irgend einer Frau geweckt zu weden, die ab jetzt immer die Meerschweinchen füttert, hab ich später gelernt, dass hier nichts so schnell vergessen wird. „Sabine, hast du heute keine Kopfschmerzen?“ Nein. „Und was ist mit Juan, triffst du ihn heut, hihi. Weisst du dass sein Spitzname ,der Hexer´ bedeutet? Das passt doch super, er ist ein Hexer und du eine Hexe (rote Haare), hihihihihi“. Oh mann, Sonia kann einen ziemlich nerven. Ich bestand auf die Wassergeschichte. Es ist nun so, dass nicht automatisch alle denken, ich würde des Nachts mit irgendwem rumknutschen. Aber Sonia ist, wie gesagt eine Klatschtante, sie liebt es irgendwelchen Mist von sich zu geben und macht es auch dementsprechend oft. Das war nun also ein gefundenes Fressen für sie. Und das ist mein Problem. Tja. Irgendwann wirds schon langweilig werden. Wir verabschiedeten uns erstmal, weil heute Fußball angesagt war und Thomas sollte auch mitspielen. Und Milton und Angel. Am Fußballplatz war großes Hallo und es waren ca. 7 Chocho-Wagen aufgestellt, wo wir uns gleich eine rießen Portion kauften. Es spielten die verschiedenen Stadtteile gegeneinander. Unseres war übrigens total schlecht. Als Milton und Angel nach der ersten Halbzeit aufhörten zu spielen, setzen wir uns zu ihnen aufs Spielerbänkchen, bzw. auf den Spielerboden. Auf einmal kam noch jemand anderes angerannt. Juan. Oh,oh, der ist bestimmt noch total beleidigt. Man sah ihm an, wie er ca. 1 sec. haderte, dann begrüsste er Joana mit Küsschen und auch mich. Und sogar Anika, diesmal. Na wunderbar. Trotzdem hoffte ich, er verschwinde wieder aufs Spielfeld, bevor uns irgendwer „zusammen“ sieht und sich wieder irgendwas krankes ausdenkt. Er blieb, machte aber nix mehr und war freundlich wie immer. Nachdem wir haushoch verloren hatten, gingen wir zum Mittagessen. Ich bekam auch was ab, obwohl ich ja eigentlich gar nicht mehr da wohn. Dafür durfte ich mir aber wieder den selben Mist von Sonia anhören, die mich zusammen mit Marci nur nach „la chica mala“ nennt, also das böse Mädchen. Suhuper. Es ist zwar nur Spaß, aber es wurmt mich schon trotzdem. Ob Juan denn jetzt mein Freund sei. Nein, wir haben doch nur Wasser zusammen gekauft. Chancenlos. Was solls, ich weis ja was Sache ist und seh Juan so gut wie nie, irgendwann vergessen dies schon wieder, wenn sie merken, dass ich nicht mit ihm rumhäng. Ich ging nach Hause, mit meinen Eltern telefonieren. Abends wollten die Mädels vorbeikommen, Mädelsabend machen, wenn ich schon mal sturmfrei hatte. Als sie kamen erzählte Joana mir, das Sonia gemutmasst hatte, ich wäre nicht allein in meinem neuen Haus, sondern mit Juan dort, hahahahahaha. Bäh, oh Nein, das wird noch ewig so gehen. Sonia versteht es Witze so lang zu machen, bis sie wirklich schon einen meterlangen Bart haben. Tja, da muss die Chica mala nun durch. Ich hab jedenfalls ein reines Gewissen, deswegen stör ich mich jetzt auch nicht weiter dran. Ansonsten war der Mädelsabend sehr lustig und ich fühlte mich wieder super. Mein eigenes Haus in Peru. Mehr oder weniger.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Hallo, tut mir leid dass ich so lang nicht geschrieben hab. Hab aber in letzter Zeit viel um die Ohren und deswegen nicht immer Zeit alles aufzuschreiben. Allerdings ist eh nicht viel passiert, da wir ja Ferien hatten vom 24.12. bis zum 06.01. Deswegen fang ich auch erst am 06.01. wieder mit neuen Berichten an, da sich in der Zwischenzeit so gut wie gar nichts getan hat. Ein paar Stichpunkte kann ich hier jedoch aufführen:
- Dolly war läufig und ist die ganze Zeit auf den armen Braunen gestiegen. Dollys Sohn, Memo ebenso, nur dass er leider kein Weibchen ist und der Braune kein Männchen. Das bedeutet, es gibt wohl bald Hundebabys. Dolly ist allerdings ganz schön eifersüchtig und hat bei einem Techtel-Mechtel zwischen dem Braunen und Memo immer dazwischen gefunkt, bis Memo einmal so erschrocken ist, dass er falsch abstieg und sich im Braunen verhakt hat. Die beiden armen mussten so ausharren, bis wir ihnen helfen konnten. Es hat bestimmt sehr weh getan, war aber lustig anzuschauen
- Milton hat Joanas Eltern eine Überraschung versprochen, die sie erhalten bevor sie zurück nach Deutschland fahren. Wir wissen nicht was es ist, haben aber im Kühlschrank eine rießen Schüssel Meerschweinchen entdeckt und hoffen das diese nicht als Überraschung dienen
- Anika hat endlich ihr Paket mit den Plätzchen aus Deutschland gekriegt (meins war noch nicht da) und wir haben uns gleich auf sie gestürzt. Sogar Milton schmecken sie.
- Wollten in den Urlaub nach Mancora, das Ferienparadies in dem wir schon nach der Ausreise nach Equador waren. Leider waren alle Hotels besetzt und wir haben 2 Tage damit verbracht, jedes einzelne Anzurufen. Dann sind wir eben nach Huanchaco, in der Nähe von Trujillo gefahren, wo der Strand zwar nicht halb so schön ist, aber wir sparen uns dafür auch insgesamt ca. 35 Stunden Busfahrt.
- in Huanchaco war ich erstmal die ersten 3 Tage so krank, dass ich nichts Essen konnte und auch nicht aufstehen. Es war total ätzend und ich wollte am liebsten wieder heim. Ausserdem musste ich mich ziemlich oft mal aufs Klo trollen (eigentlich immer wenn ich was gegessen hab) und das war nicht sehr angenehm im 5er-Zimmer, wo man wirklich alles aus dem Klo mitgekriegt hat
- Als es mir wieder besser ging fing endlich unser Surfkurs an. Ich hatte furchtbare Angst, konnte aber beim ersten Mal schon auf dem Brett stehen. Es war total geil und ich war die beste! Hat wirklich viel Spaß gemacht und auch unsere Surflehrer waren ein bisschen beeindruckt. Am 3. Tag konnte ich schon alles allein machen. Hoffe, wenn ich mal wieder Surfen sollte, dass es dann auch wieder so gut klappt
- Als ich wieder gesund war, war die arme Anika krank und zwar mehr als ich. Der Urlaub war irgendwie wie verhext
- wieder zurück in Jangas erfuhren wir, dass wir den Krippenkontest gewonnen haben! Na also. Allerdings mussten wir uns den 1. Platz mit einer ziemlich hässlichen anderen Krippe teilen. Abends gabs dann bei uns im Hof noch Chocolatia mit dem Paneton und der Milch die wir gewonnen haben. Anika und mir gings allerdings nicht so gut, deswegen schwänzten wir
- mein Weihnachtspaket von daheim ist bis jetzt noch nicht da. Schade.


kkk


07.01.09 Fußballstars und Familienwechsel


kkk
Nach unserem kurzen Urlaub, war heute endlich unser erster Arbeitstag in unserem Ferienprogramm. Zusammen mit Joanas Familie, die uns besuchen kam, sind wir nach Atupa gefahren. Auf dem Programm stand heute Ernährungskunde. Ausserdem hatten wir Trikots dabei, die wir den Kindern schenken wollten. Als wir von der Strasse runter nach Atupa liefen, hoffte ich sehr, dass wenigstens ein paar da sind. Es waren dann tatsächlich auch 5 Kinder hier, immerhin etwas. Die andern mussten leider alle auf dem Feld helfen. Aber in Atupa haben wir halt auch nicht viel mehr erwartet. Wir sind auf den Bolzplatz und begannen mit einem Experiment. Die Kinder sollten in kaltem und heißem Wasser Zucker und Salz auflösen und beobachten, was sich besser lösen lässt. Wir haben noch viel mehr Experimente für unsere Klassen, aber dieses war jetzt einfach mal das leichteste. Danach spielten wir ein Spiel, das „Eselsschwanz“ hieß. Dazu mussten die Kinder sich einen Gürtel anziehen an dem hinten ein Faden mit einem Stift befestigt war. Nun mussten sie versuchen, diesen Stift in eine Flaschenöffnung zu balancieren. Am Anfang waren sie wieder ganz schön schüchtern, vor allem weil diesmal viel mehr Gringos als überhaupt Kinder da waren. Aber Edith, eine unserer Lieblingsschülerinen, hatte gleich alles im Griff, machte den Anfang und animierte dann auch die andern indem sie einfach mit dem Gürtel auf alle zu kam. Edith ist einfach so toll, dass ich sie am liebsten mit nach Deutschland nehmen würde. Allerdings sind in Atupa wirklich alle Kinder solche Schätze, das es wirklich unsere Lieblingsschule ist. Schade, dass die Lehrerin nichts taugt. Nach dem Eselsspiel spielten wir noch „Komm mit – Lauf weg“, wobei dann auch alle endlich ein bisschen auftauten. Edith begann sogar als erste, auch die Eltern von Joana als Fänger auszuwählen und die andern trauten sich daraufhin auch. Es hat echt total viel Spaß gemacht und die Kinder sind auch ganz schön schnell. Danach gabs noch ne Runde „Oma und Bär“, wobei ich mit Lisbeth und Edith in der Gruppe war, die die ganze Zeit immer nur „Oma“ sein wollten. Dummerweise entschied sich unsere Gegnermannschaft auch ständig für Oma, so dass erstmal 6 Runden gar nichts geschah, bis wir unsere Mädels dann doch mal für den Bären überreden konnten (den die anderen aber leider auch machten). Beim 8 Mal (wir waren wieder Oma) hats dann aber doch geklappt, weil die anderen den Jäger machten und wir sie fangen konnten. Danach waren wir wieder ununterbrochen Oma. Trotzdem wars total witzig und ich weis jetzt schon, dass ich diese Kinder am meisten vermissen werde. Nun gabs noch die Überraschung: Fußballtrikots. Joanas Eltern haben einige aus Deutschland mitgebracht und sie sind auch nicht ganz so rießig, da sie von einer Kindermannschaft stammen. Als wir nur das Wort „Polos“ sagten, leuchteten schon einige Augen. Die Kinder waren total begeistert und zogen sich gleich um. Die Hosen waren alle ein bisschen zu groß und Edith mussten wir den Bändel zum Hosen-enger-machen gleich 2x um den Körper binden. Da noch ein paar Trikots übrig waren, zogen wir auch welche an. Jetzt waren wir eine richtige Fußballmanschaft! Edith gab den Befehl in der tiefsten Stimme die sie machen konnte: „Wir sehen aus wie Spieler – wir müssen Spielen“. Oh nein. Kein Fußball. Aber es half nix, auch ich hatte ein Trikot an und musste spielen. Dummerweise war der Platz vom Regen noch so aufgeweicht, dass überall das Wasser rauskam und meine Schuhe sofort nass waren. Aber das konnte mich nicht aufhalten. Ich wollte Tore schießen. Dummerweise war Joanas Vater der Torwart meiner Gegenmannschaft. Und der Mann hats ziemlich gut drauf. Da ich eh ein kleiner Schisser bin was Fußball angeht, bin ich ihm immer lieber aus dem Weg gegangen. Trotzdem hab ichs geschafft 3 Tore zu schießen, was Edith immer mit einem tiefstimmigen „Wir sind die Gewinner“ und Abklatschen quittierte. Zum Schluss haben wir natürlich gewonnen und ich war so fertig wie schon lang nicht mehr. Trotzdem, es hat total Spaß gemacht und ich freu mich schon wieder auf nächsten Mittwoch.
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Nachmittags hab ich endlich noch meine ganze Wäsche gewaschen. Milton haben wir seit wir wieder zurück sind ungefähr 10 Minuten gesehen, dass war alles. Er ist immer in Huaraz und macht da angeblich irgend nen Kurs. Ich glaub eher, er hat sich da eine Freundin geholt, weil er immer so geheimnissvoll tut. Naja, wie auch immer. Das Problem ist, dass er zu Thomas gesagt hat, er hat 2 Gastfamilien und am 10. 01. Ziehen 2 von uns sicher aus (wer will, hat er gemeint). Blöd nur, dass wir die Familie noch gar nicht kennen und sie auch nicht treffen können, wenn Milton die ganze Zeit nicht da ist. Ich will sowieso nicht ausziehen. Deswegen pack ich auch nicht und so weiter. Aber es hilft nix, es ist jetzt nunmal so. Bin ziemlich traurig, dass wir nur noch so kurz alle zusammen sind. Wenigstens ist es besser für mein Spanisch. Ansonsten haben wir heute gar nix mehr gemacht. Ich hab nur geschlafen, geschlafen, geschlafen, weil ich die letzten paar Nächte doch eher wenig Ruhe hatte. Milton, der eigentlich heute noch mit uns reden wollte, wegen Gastfamilien, ist nicht mehr aufgetaucht. Super. Bin ja gespannt, was das noch wird. Mir solls Recht sein. Ich will hier bleiben.



08.01.09 Nörgelnde Kinder und nächtlicher Besuch
Heute war das erste Mal Ferienprogramm in Mataquita angesagt. Wir waren schon sehr gespannt, wer wohl kommen würde, weil Mataquita ja eher unser Sorgenkind in Sachen Anwesenheit ist. Als wir ankamen, war die Lage aber gar nicht so schlecht. Ca. 13 Kinder waren da und zwar nicht nur aus der 5. Und 6. Klasse, sondern auch jüngere. Schön. Wir sind auf den Campo gegangen um auch hier unsere Ernährungskunde Stunde zu halten. Die Kinder mussten sich in drei Gruppen aufteilen und jede Gruppe bekam 3 Becher mit kalten Wasser in die sie Salz, Zucker und einen Stein werfen sollten. Nun wurde wieder beobachtet, was sich schneller loest und warum. Als wir nach dem Experiment erklärten, dass Wasser so wichtig ist, weil es die Nährstoffe an die richtigen Stellen unseres Körpers transportiert, fanden die Kinder das richtig Interessant. Leider antwortete aber niemand, als wir nochmal nachfragten, warum Wasser so wichtig ist. Alle wussten es, keiner traute sich. Nicht mal ein Lockbonbon, das als Belohnung winkte half. Wir fragten ca. 10 Minuten lang, bevor wir nochmal erklärten, was sowieso schon alle wussten. Nun gut. Danach wollten wir das Eselspiel machen. Lindo, einer unserer Lieblingsjungs, weil er einfach cool ist, wollte nicht mitspielen, weil ihm angeblich der Fuß so weh tat. Als dann viel mehr Mädels als Jungs da waren und wir zwei Gruppen machen wollten, machten immer mehr Jungs nicht mit, weil sie nicht mit den Mädels in die Gruppe wollten. Es ist immer das gleiche und leider sehr frustrierend. Als die Kinder dann auch noch sahen, was sie machen sollen, sagten noch mehr, das sie nicht mitmachen wollen. Och menno. Am Ende machte dann ungefähr die Hälfte mit und es war dann doch noch recht lustig. Danach spielten wir wieder „Komm mit – lauf weg“ und das hat dann richtig Spaß gemacht, vor allem, weil wir auf einem Abhang spielten und man ständig Bergauf und –ab rennen musste, was das ganze viel Interessanter machte, weil immer alle hinfielen. Als letztes spielten wir noch „Katz und Maus“, wo Lindo eine recht flinke Maus darstellte, obwohl ihm doch sein Fuß so schrecklich weh tat. Jaja. Nun mussten wir gehen, weil wir eigentlich mit Milton-Mama noch ein letztes Mal kochen ausgemacht haben. Als wir fragten, was die Kinder denn das nächste Mal machen wollen, entschieden wir uns für Sticken (Mädels), Holzarbeiten (Jungs) und Deutschunterricht (alle). Da bin ich ja mal gespannt, wie das funktioniert. Einige, die eh immer eher Störenfriede sind, beschwerten sich, das auch Kinder der unteren Klassen mitmachen dürfen. Mataquita ist und bleibt einfach Sorgenkind. Ich weis nicht, was die Schüler untereinander für Probleme haben, finds aber sehr schade. Den Mädels schenkten wir noch einen Ball, weil ja nur die Jungs zu Weihnachten einen gekriegt haben und wir July versprachen, dass alle Mädels zusammen einen kriegen. Kaum sind wir 3 Meter gegangen, kamen die Mädels angerannt und beschwerten sich, dass die Jungs ihren Ball geklaut hätten. Dabei standen diese ganz friedlich dran und wollten nur mit den Mädels spielen. Furchtbar. Ich hoffe das wir mit unserem Unterricht da noch ein bisschen was ändern können.
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Als wir daheim ankamen, war Milton-Mama natürlich schon fertig mit kochen. Es gab heute so dermaßen viel, das ich gedacht hab ich muss bald platzen. Wir wollten dann gleich nach Huaraz fahren, weil jeder bissl was zu erledigen hatte und ich auch endlich schauen wollte, ob mein Weihnachtspaket endlich in der Post ist. Zuerst kam aber noch Milton und wollte endlich mit uns über die Familien reden. Er hat schon zwei. Eine ist, warum auch immer, fest für Thomas reserviert, mit zwei Jungs und einem Mädel. Die Familie hört sich echt gut an und ist auch nicht weit weg. Die andere ist bei den Gastgroßeltern von Ariane, ohne jegliche Gastgeschwister, dafür aber mit Ariane als Nachbarin. Wer will von uns Mädels kann da hin gehen. Leider will aber keine von uns. Wir wollen alle unbedingt Gastgeschwister. Tja, aber eine muss gehen. Bin ja gespannt wer das sein wird. Milton entschuldigte sich dann seltsamerweise noch 10x dafür, dass er uns trennt, was wir ja aber eigentlich auch verlangt haben und meinte immer, das wir ihn nicht als böse Person deswegen sehen sollen. So ein Blödsinn. Der ist eh zur Zeit sehr komisch und wir sehen ihn eigentlich so gut wie nie. Ich hoffe, es liegt nur an seiner Liebelei, die er da in Huaraz hat. Dorthin sind wir danach dann auch gefahren und ich eilte zur Post um endlich mein Päckchen zu holen. Es war immer noch nicht da. Och menno, das gibts doch nicht. Wahrscheinlich feiern die Leute beim Zoll jeden Tag Party, mit den Plätzchen, die ich eigentlich kriegen sollte. So ein Mist. Nach dem Internet (heute stürzte es nur 3x ab) sind wir noch in den Kitschmarkt, weil wir neuen Philadelphia brauchten. Ausserdem kauften wir Wein, weil wir unsere letzten Nächte hier noch feiern wollten. Und noch die DVDs „High-School-Musical“ und „Camp Rock“, weil uns nach schlechter Unterhaltung war. Wie traurig, wir haben nur noch wenig Zeit zusammen. Der Colectivo mit dem wir Heimfuhren war sehr gut gefedert, so dass wir die ganze Zeit auf und ab schwangen, was ich sehr lustig fand. Als wir ausstiegen trafen wir Milton und Angel die nach Marcara fahren wollten, weil sie da „einige Sachen“ zu erledigen hatten. Ah ja. Ok, reden wir heut wieder nicht mit ihm. Wir vergaßen darüber auch, Angel zu fragen, ob er uns morgen nach Huanja begleitet, aber das macht nix, fahren wir eben allein. Auf die Schule freu ich mich, weil wir da noch niemanden kennen. Später rief Milton noch bei Joana an und wollte wissen wie der Name ihrer Schwester geschrieben wird. Er war wohl wegen der Überraschung, die sie Joanas Eltern machen wollten in Marcara. Wird wohl eine sehr große Überraschung und zum Glück keine Meerschweinchen. Den Abend verbrachten wir mit unsren DVD, von der eine schlechter und blöder als die andere war. Als wir grad ins Bett wollten, klingelte es an der Tür. Um 12 Uhr nachts? Weil es bei uns eh immer etwas unheimlich ist, wegen dem Mais, hatten wirganz schön Angst. Wir warteten noch eine Weile bei Joana im Zimmer, bevor wir dann doch raus gingen. Dann klingelte es wieder. Ich bin total erschrocken. Normal bin ich nicht so ein Angsthase, aber ich hab gleich voll los geschrien. Peinlich. Irgendwann, es klingelte noch 3x, ging Thomas runter zur Tür. „Wer ist da?“. Zuerst sagte der Misteriöse Klingelmann gar nichts, später antwortete er mit „Ich“. Ja toll, super Auskunft. Ich dachte es ist irgend ein Besoffener, im besten Fall noch Nino und sagte zu Thomas, er soll nicht aufmachen. Aber er ging trotzdem . Irgendwann stellte sich heraus dass es Guido war, Miltons älterer Bruder. Er war auch nicht besoffen, lies es sich aber trotzdem nicht nehmen mitten in der Nacht bei uns zu klingeln. Nun gut, besser als irgend so ein Irrer. Manchmal ist es hier schon echt unheimlich.
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09.01.09 "My name is..." und meine neue Familie
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Heute hat uns Milton ausnahmsweise mitbegleitet nach Huanja, weil es ja das erste Mal war, das wir dort hin sind. Wir hatten deswegen auch nur vor, die Leute die teilnehmen wollen aufzuschreiben und danach wieder zu gehen und haben dementsprechend natürlich auch nichts vorbereitet. In Huanja angekommen, sah es erstmal duster aus. 4 -5 Kinder sprangen rum, der Bürgermeister war weit und breit nicht zu sehen, obwohl wir ja ausgemacht haben, das er da ist und auch das Rathaus war verschlossen.

Also setzten wir uns raus und begannen die 5 Kinder aufzuschreiben, die eben da waren. Eines war süßer als das andere. Besonders gut gefiel mir ein 6-jähriger Junge, der Aussah wie ein Teddybär. Irgendwie wurden es dann doch immer mehr Kinder und auf einmal stand dann auch der Bürgermeister vor uns. Er führte uns in das Rathaus und brachte uns in einen Raum, mit vielen Plastikstühlen. „So, hier habt ihr einen Tisch und eine Tafel, fangt an“. Aha. So haben wir uns das heute eigentlich noch nicht vorgestellt. Außerdem waren wir ja zum Einschreiben da und wenn wir im Rathaus versteckt sind, dann finden uns vieleicht nicht alle Kinder. So ein Mist. Wir standen eine Weile unschlüssig da, während wir noch die letzten Kinder aufschrieben. Gut, müssen wir eben eine Englischstunde aus dem Stegreif machen, denn das war es, was die Kinder hier lernen wollen. Zuerst wollten wir aber einfach anfangen und uns erstmal kennen lernen. Also durfte jedes Kind einmal aufstehen, Name und Alter sagen und was es gern macht. Es lief wie am Schnürrchen. An Selbstvertrauen mangelt es den Kindern in Hajua auf jeden Fall nicht. Das tolle war, das währenddessen noch mehr Kinder kamen. Am Ende waren es um die 40 und wir konnten mit Englisch anfangen. Das erste was die Kinder lernten war: „Hello. My name is...“ Wir sagten es vor, die Kinder sagten es im Chor nach. Da wir ja keinen Unterricht vorbereitet hatten, konnten wir leider auch nichts aufschreiben und die Kinder vergaßen ihr Sätzchen immer wieder. Trotzdem machten wir ein Spiel, indem wir uns alle im Kreis aufstellten und uns gegenseitig meine Mütze zuwarfen (mangels Ball). Jeder der die Mütze hatte, musste sagen „My name is...“ und sie dann mit der Frage „Whats your name“ jemand anderem zuwerfen. Die vorher noch so lauten Kinder gingen auf einmal in Deckung wenn die Mütze kam, niemand wollte den Satz sagen. Es war total süß, wenn sie die Mütze dann doch genommen haben und dann sagten „wy naves“ oder „scha schu naim?“. Ich war total vernarrt in jeden einzelnen und musste mich immer zammreißen, das ich nicht ständig „ooooh, wie süß“ in die Runde gequitscht hab. Peinlich. Nachdem es dann doch jeder mal gesagt hat, war die Stunde auch schon wieder aus. Wir wollten gerade gehen, als Milton unbedingt noch wollte, dass die Kinder zwei Gruppen bilden, eine Gruppe mit Kindern bis zu 10 Jahren die andere ab 10 jahren. Das Chaos war perfekt, weil die, die älter als 10 waren ja nicht wussten, dass sie in die Gruppe der ab-10-jährigen müssen. Andere irrten sich immer mal wieder in ihrem eigenen Alter. Nach ungefähr 10 Minuten hatten wir es dann doch geschafft, das die Kinder sogar in Gruppen von je 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12-14 jährigen dasaßen. Prima. Und für was ist das gut? Milton erklärte uns, das in der Schule in Hajua auch ein bisschen Englisch unterrichtet wird und einige diese Sachen deswegen schon wissen. Deswegen müssen wir die Kinder aufteilen. Hm, na gut. Wir wollten die Gruppen dann also so aufteilen, dass wir den Unterricht mit den ab-10-jährigen jeden Freitag ab 11 Uhr machen und mit den unter-10-jährigen ab 10 Uhr. Damit die Kinder sich besser merken konnten, wann ihr Unterricht ist, liesen wir sie die Uhrzeit wiederholen. Wir (zu den ab 10 Jahren): „Wann müsst ihr kommen?“ Kinder: „Ab 10!!“ Wir: nein, nein. Die über 10 jährigen ab 11 Uhr, ok? Wann müsst ihr kommen? Kinder: Ab 11! Wir: genau. Nochmal, wann müsst ihr kommen? Kinder: ab 11. Wir: sehr gut. Jetzt die Kinder unter 10: Wann müsst ihr kommen? Kinder: Ab 11. Wir: NEIN! Ihr müsst ab 10 kommen und die älteren ab 11, ok? Wann kommen die älteren? Kinder: Ab 11. Wir: und ihr? Kinder: Ab 11! Wir: nei-hein! So ging das noch einige Minuten, bis es dann doch (hoffentlich) in den Köpfen der Kinder fest verankert war. Bin ja gespannt wann wer kommt am nächsten Freitag. Trotzdem freu ich mich schon voll drauf, weil die Kinder einfach zum Anbeissen sind.
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Während des Abstieges nach Jangas diskutierten wir Mädels über die Gastfamilien. Irgendwie wollten die andern beiden jetzt auch nicht mehr ausziehen. Die Familie, die Milton bisher für uns gefunden hat, klang auch nicht so berauschend. Es sind die Gastgroßeltern von Ariane, die allein in einem Haus wohnen und eh die ganze Zeit auf dem Feld sind. Das war eigentlich nicht das, was wir uns unter „Familie“ vorgestellt haben. Tja. Eine muss aber gehen und wir waren uns absolut nicht einig wer. Heute um 18 Uhr sollten wir den Familien vorgestellt werden. Spannend. Zuerst wollten Thomas und ich aber noch nach Huaraz fahren. Ich hatte die leise Hoffnung, das mein Paket nun endlich bei der Post angekommen ist. Leider Fehlanzeige. Mist. Geregnet hat es auch wie blöd und wir sind dann bald wieder heim, weil wir ja pünktlich zum Familienanschauen da sein wollten. Um halb sieben kam dann auch mal Milton und wir machten uns auf den Weg. Zuerst mal die Familie von Thomas anschauen, die ja schon so gut wie sicher war. Wir hielten vor einem Haus, das schon von außen total super aussah. Man konnte einen rießen Garten sehen, der auch irgendwie cool eingerichtet war und nicht so wie die meisten Häuser hier einfach nur verwildert. Als wir klopften, schaute ein Junge aus dem Fenster. „Thomas“ rief er, dabei kannten wir ihn bis dahin noch gar nicht. Wir dachten er macht auf, er ging aber nur zum anderen Fenster und schaute wieder raus. Nachdem wir noch ca. 1 Minute gewartet und daraufhin nochmal geklopft haben, wechselte er wieder das Fenster. Irgendwann kam dann doch ein sympathisch aussehender junger Mann und öffnete uns das Tor. Er ist einer der Gastbrüder von Thomas und hat in dem Haus das sagen. Ich war schon vom Innenhof total begeistert. Dann kam auch noch der Vater und stellte sich als total lustiger Mann heraus. Der Knaller kam aber erst noch. Und zwar als Thomas sein Zimmer sehen durfte. Es gehörte irgendwie mal dem Cousin von dem Gastbruder und ist deswegen noch ein bisschen Kinderzimmerartig. Aber... es war rießig! Ungefähr doppelt so groß wie unsere Zimmer jetzt, die eigentlich auch nicht so klein sind. Wow! Ich war eh schon total neidisch, da machte der Mann noch eine weitere Tür auf: Das Badezimmer. Thomas hat ein eigenes Bad mit Dusche, direkt neben seinem Zimmer. Aaaah! Das will ich auch haben! Grr, ich war total neidisch, so kannte ich mich gar nicht. Den Mädels gings aber auch ähnlich. Als wir wieder nach draußen gingen, sagte ich mehr so zum Spaß zu dem Mann, das ich hier leben will. Seine Antwort: „ähm, ich präferiere Männer. Mit Frauen kann ich nicht!“ Autsch. Naja gut, war ja eh nur Spaß, hähä. Wir trollten uns und machten uns auf zur nächsten Familie. Die Großeltern. Da bin ich ja mal gespannt. Wir klopften am Tor eines Hauses, das nicht ganz so toll aussah, wie Thomas neue Heimat. Der Hof bestand eigentlich nur aus einem schlammigen Boden und ein paar Hühnern. Die waren auch die einzigen die Notiz von uns nahmen, es machte nämlich niemand auf. Hm. Wir klopften nochmal. Warscheinlich sind die älteren Herrschaften schwerhörig. Als auch beim 4x niemand aufmachte, schlichen wir weiter. Puh, wir Mädels waren froh, haben wir uns doch kurz vorher entschlossen, Milton zu sagen, dass wir nun doch nicht ausziehen wollen. Jetzt haben wir das Problem mit der anderen Familie geschickt umgangen, haha. Milton hielt vor einem anderen Haus, fast gegenüber von unserem. „Ich hab noch eine Familie gefunden“. Verdammt! Wir klopften an einem sehr schäbigem Holztor. Ein kleiner Junge machte auf. Ich, zur Zeit eh total plemplem was Kinder angeht, war schon wieder total aus dem Häusschen. Wie süüüüß! „Ist deine Mama da?“ „Ja, sie ist da“. Kind bewegt sich nicht. „Kann sie mal kommen?“ „Ja, sie ist da“. Wie putzig. „Ruf sie doch mal“. „Mamaaaaa, Milton ist da“. Endlich ging der Kleine dann auch mal zur Seite und wir konnten in den Hof gehen. Aus dem Haus kam eine sehr junge Frau. Oh Gott, hoffentlich ist sie nicht die Mutter von dem Jungen. Als ich grad überlegte wie alt sie wohl sei, kam aus dem Haus eine Stimme „hier bin ich“. In einer winzigen, furchtbar unordentlichen Küche saß eine Frau vor dem Fernseher. Sie sah ein bisschen anders aus, als die meisten Peruanerinnen hier, nämlich mit viel helleren Haaren und irgendwie moderner. Wir sollten uns setzen. Unter dem Tisch saß ein recht großer, bellender Hundewelpe. „Junge, tu mal den Hund raus“. Der kleine krabbelte zu dem Hund unter den Tisch und war ungefähr genauso groß wie er. Nachdem er aber lieber mit ihm spielte und die Mama ihn noch 3x darum bitten musste, nahm er das Rießenbaby dann einfach Huckepack und schleifte ihn raus. Danach kam er wieder und verlangte nach seinem Stern. Er hat nämlich eine Krippe gebaut und will nun seinen dazu passenden Papierstern draufsetzen. Ich war sofort verliebt. Die Frau erzählte, dass sie alleinerziehend ist und mit den beiden Kindern (12 und 6 Jahre) in dem Haus lebt. Zu Essen gibt es meistens nicht viel, sondern oft nur Salat und so ne Art Haferschleim (was ich beides liebe) und sie hat zwar einen Kühlschrank (der fast die halbe Küche einnahm), der geht aber nicht, darum benutzt sie ihn als ganz normalen Küchenschrank (und ich dachte mir noch: cool, ein Kühlschrank). Sie selbst stellte sich als „Senora Reyna“ vor. Sie heisst mit Nachnamen wirklich so, aber Reyna heisst übersetzt auch „Königin“ und irgendwie passte das zu der Frau, die mir einfach nur total anders und cool vorkommt. Sie zeigte uns das Zimmer. Dahin gelant man über eine Holzleiter und eine Art Balkon ohne Geländer. Das Zimmer ist winzig und total vollgestopft mit Kram, für den sie, wie sie erklärte, einfach keinen anderen Platz hat, deswegen bleibt er hier. Auch das Telefon befindet sich im Zimmer, aber der Raum wird sowieso auch weiterhin als Gemeinschaftsraum genutzt werden, es gibt nämlich außer der Küche und einem weiteren Schlafzimmer, das sie die drei anderen teilen (!) kein weiteres Zimmer mehr. Danach zeigte sie uns den Garten, in dem sie in sämtlichen Gefäßen die sie finden konnte Salat und Gemüse anbaut und das Klo, das kein Fenster, sondern einfach nur ein Loch in der Wand hat und auch keine Dusche, dafür aber eine Plastikkinderbadewanne, die man sich über den Kopf kippt. Es war alles total winzig, chaotisch und unaufgeräumt. Und ich wusste sofort: ich will hier einziehen. Ich weiß nicht genau wieso, was es mir so angetan hat, aber ich mochte alles. Der Kleine war so süß, das Mädchen mochte ich sofort und die Mutter scheint mir einfach nur eine total starke Frau zu sein, mit der es sich bestimmt lohnt sich anzufreunden. Das mit dem Zimmer und dem Klo macht mir überhaupt nichts aus und ich freu mich sogar darauf. Und selbst wenns dann doch blöd ist, sinds ja nur 2 Monate, die ich hier bleib. Ich glaube aber nicht, das dass der Fall sein wird. Sie zeigte uns noch ihren Holzofen im Garten, mit dem sie kocht, wenn ihr das Gas ausgeht. Diese Familie hat die finanzielle Unterstützung eines Mitbewohners auch bitternötig. Die Frau sagte ständig, dass das Haus sehr klein ist, aber das Herz groß und als sie davon sprach, das die neue Mitbewohnerin eine Tochter und Schwester mehr sein wird, grinste ich das Mädchen an und sie grinste zurück. Für mich war es irgendwie schon klar, das ich dort einzieh. Leider sagte Anika genau in diesem Moment: „ich will hier hin, unbedingt!“ Verdammt. Nein. Joana sah auch schon kampfeslustig aus. Komisch, zuerst will keiner Ausziehen und jetzt wollen alle 3 in die gleiche Familie. Na gut, müssen wir wohl losen. Wir verabschiedeten uns und gingen heim. Wir wollten uns ziemlich bald entscheiden.
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Nach dem Abendessen redete Milton nochmal mit uns und meinte wir sollten uns bis morgen entscheiden. Er erzählte uns, das die beiden Kinder der Senora von zwei verschiedenen Männern sind und wir sie am besten nicht danach fragen sollen. Wow, einfach hats die Frau hier bestimmt nicht. Nun wollten wir einentlich reden, aber Milton wollte heute einfach nicht gehen. Er suchte irgendwelche CDs raus um sie uns zu zeigen. Darunter eine CD von den „Hermanos Saipen“, die genau das gleiche Singen wie Grupo 5. Und ich musste mit erschrecken feststellen, das auf meiner super tollen, natürlich nicht originalen Grupo 5 CD einfach zwei Lieder von diessen Hermanos drauf waren. Die Leute, die die CD gebrannt haben, hatten wohl keinen Bock die beiden Lieder extra von einer Grupo 5 CD zu klauen und haben halt schnell die Hermanos dafür hergenommen, ist ja eh das gleiche. Pah! Ich bin entsetzt. Diese Gebrüder sagen nämlich am Anfang ihrer Songs immer „Hermanos Saipen“ und ich Naivling dachte jedesmal es heisst „Manos arriba“, also die Hände nach oben. Blöd. Aber die Peruaner haben da eh ein ganz komisches System, das ich einfach nicht kapier. Irgendwer schreibt Songs und verkauft die dann an alle Bands und jeder singt das gleiche. Frag mich wie so was funktioniert und warum das den Bands gar nix ausmacht, dass jeder Hinz und Kunz auch ihre Lieder spielt, aber gut. Das ist halt einfach so. Da der Erlös der CDs sowieso überhaupt keiner Band zu kommt, weil es überall nur Raubkopien gibt, ist es eh egal, wer jetzt was singt. Bei uns könnte man sich sowas nicht vorstellen.
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Zurück zum Thema Familie. Nachdem Milton uns noch irgend ne DVD einer anderen Grupo gezeigt hat, die ziemlich langweilige Cumbia (so heisst die Musikrichtung) gesungen hat und uns danach erzählt hat, dass die alle schon tot sind, weil sie bei nem Busunfall ums Leben kamen und wir und noch eine ganze Avril Lawine DVD anschauen mussten, konnten wir endlich reden. Die Entscheidung war dann recht schnell gefällt, weil Anika und Joana nun doch lieber bei den Vergaras bleiben wollten. Ok, und Tschüss, ich gehe, juchu! Wer hätte das gedacht? Ich war die einzige die nicht ausziehen wollte und nun bin ich die, die unbedingt in die andere Familie will. So kanns gehen.

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10.01.09 Touristen und Terroristen

kkk
Heute mussten wir recht früh aufstehen, weil wir mit Joanas Eltern zusammen nochmal nach Chavin fahren wollten. Das waren die Ruinen, bei denen wir schon mal waren, allerdings nur eine halbe Stunde mit irgendwelchen Holländern zusammen. Damals konnten wir so gut wie gar nichts anschauen, weil der Park eigentlich zu hatte und deswegen wollten wir nochmal hin. Diesmal fuhren wir aber nicht Privat, sondern mit Chavin-Tours. Um 9 Uhr Früh sollten wir in Huaraz, beim Hotel von Joanas Eltern sein. Milton-Mama riet uns, unsere Stirnlampen mitzunehmen, weil es dort ja unterirdische Gänge gibt. Ok, muss ich aber noch Batterien kaufen. Also, Milton-Mama hat im Laden keine, deswegen bin ich flugs in den nächsten. „haben sie Batterien?“ „nein“. Mist. Zum Glück gibts ja ca. 100 Läden in Jangas. Also, nächster: „Batterien?“ „nur große“. Verdammt. Die ganze Batteriesucherei hat uns ziemlich Zeit gekostet und deswegen mussten wir jetzt nun endlich nach Huaraz fahren, es war schon halb neun. Dummerweise war heute echt die Hölle los. Unser Colectivo hielt ständig und einmal mussten wir auf der Straße warten, weil ein Lastwagen quer stand. Endlich in Huaraz hetzten wir zum Hotel. Meine Batterien konnte ich wohl vergessen. Als wir ankamen, war der Reisebus zum Glück noch nicht da. Puh, Glück gehabt. Wir warteten auf den Bus, der dann ewig nicht kam. Irgendwann hetzte eine Frau mit einem Klemmbrett an und führte uns zu einem kleinen Reisebus. Juchu, jetzt gehts endlich los. Dachte ich. Wir fuhren genau 1 Minute, bis wir zu dem Platz kamen, an dem wir immer ins Internet gehen. Dann hielten wir und herein stürmten ca. 10 Leute die uns Süßes, Getränke und Sonnenbrillen (warum auch immer) verkaufen wollten. Nach 5 Minuten standen wir immer noch da und irgendwann stieg ich einfach aus, um mir im nächsten Laden endlich meine Batterien zu kaufen. Heieiei. Joana ging in der Zeit auch noch zur Post und einige Peruaner kauften doch tatsächlich Sonnenbrillen, obwohl es an dem Tag die ganze Zeit regnete. Dann gings endlich los. Diesmal fuhren wir 5 Minuten. Dann hielten wir wieder. Wir mussten Tanken. Als wir dann endlich weiterfuhren, kamen wir ca. 100 m weit. Auf einmal kam der Reiseleiter und wollte dass wir unsere Sicherheitsgurte anlegen. Hätt ich ja gern gemacht, aber der Verschluss war schon zu und liess sich nicht öffnen, ich konnte ihn also nicht anziehen. Schnell machte ich den Gurt so weit wie möglich uns schlupfte unter ganzen Körpereinsatz und zur Belustigung aller unter den Gurt. Keine Sekunde zu spät, denn nun kam ein Polizist und kontrollierte den Bus. Heieiei, was war denn heute nur für ein komischer Tag. Um viertel nach zehn konnten wir dann endlich los fahren. Ich freute mich drauf auf der 3-Stündigen Fahrt Musik zu hören und ein bisschen zu schlafen. Aber nix da. Der Reiseleiter kam zu uns und wollte dass wirihm ein Lächeln und unsere Aufmerksamkeit schenken. Und das musste gemacht werden, der Bus war ja nicht groß und er merkte, wenn einer nicht aufpasst. Dann fing er an zu labern. Und hörte nicht mehr auf. Natürlich alles auf Spanisch, wobei ich sagen muss, ich bin wirklich gut mitgekommen. Als er sich und den Busfahrer vorgestellt hat, musste jeder einzelne von uns seinen Namen, Herkunftsort und seine Hobbys sagen. Sehr seltsam, aber ok, wir machen das ja mit unseren Kindern auch. Dann mussten wir noch einen Gruppennamen für uns auswählen (wir waren dann „los rumis“, also „die Steine“, wobei Rumi ein Quechuawort ist) und er erzählte noch einiges über Huaraz, was wir als alteingesessene Huarazaner aber natürlich schon lange wussten. Vor uns saßen 4 Peruaner die von der Küste kamen. Das war leicht zu erkennen, weil sie eingepackt waren wie bei uns im tiefsten Winter, mit Mütze, Schal und sogar Handschuhe. Alles in Huaraz gekauft, natürlich mit dicker „HUARAZ“-Stickerei darauf und farblich abgestimmt. Ich finde es immer so lustig solche Leute zu sehen, weil die einzigen, die sich sowas kaufen, immer die von der Küste sind, die das Klima in den Bergen nicht gewohnt sind, viel zu wenig (für sich) zum Anziehen mitnehmen und dann auf dem Markt diese Touri-Sachen kaufen, Farblich abgestimmt und mit Huaraz-Stickerei. Einfach cool. Irgendwann konnt ich dann doch pennen und hörte die ganze Zeit dazu Grupo 5 (bzw. Hermanos Saipen). Ich muss zugeben, dass ich mittlerweile richtiger Fan geworden bin. Die Lieder verbind ich einfach mit Peru und ich erinnere mich immer an die schönen Momente, wenn wir auf Fiestas waren und dazu getanzt haben. Die Texte sind immer gleich, der Sänger ist unglücklich verliebt und es kommt viel Herz und Schmerz drin vor. Ausserdem ist in fast jedem Lied „llorar“ vorhanden, also „weinen“. Ich kann sie trotzdem fast alle auswendig und sing wahnsinnig gern mit. Daheim wär ich bei so ner Musik ausgeflippt. Hier lieb ich sie.
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Als wir ankamen bin ich grad aufgewacht und war ganz schön gerädert. Ich hatte gar keine Lust mir bei dem Regen das ganze nochmal anzuschauen. Es hat sich aber trotzdem gelohnt nochmal herzukommen, weil der Reiseleiter viele interessante Sachen erzählte und wir ja diesmal auch in das unterirdische Labyrinth gehen konnten. Es gibt zwei von diesen „Galerien“. In der ersten kann man einen rießigen, spitzen Stein bewundern, den „Lanzon“. Dieser Stein wurde damals in der Chavin-Kultur für irgendwelche Rituale verwendet. Er ist im Dunkeln in dieser Galerie und wenn man ihn fotographiert, dann bitte ohne Blitz. Jaja, Sabine hat mal wieder nicht aufgepasst, latscht rein und fotografiert – natürlich – mit Blitz. Ups. Zum Glück hats der Reiseleiter nicht mitgekriegt. Die andere Galerie war dann das Labyrinth. Allerdings war es nichts schwer sich darin zurechtzufinden und unsere Stirnlampen (die ich dann eh im Bus vergessen hab ) brauchten wir auch nicht. Super. Weil es dann zu regnen anfing und die Peruaner irgendwie alle chronische Angst vor Regen haben, sind wir dann auch ziemlich schnell wieder gefahren. Auf dem Plan stand noch das Museum, mit den ganzen Schätzen, die sie hier gefunden haben. Anika und ich kauften noch ein Souvenir und waren die letzten die einstigen, woraufhin der Reiseleiter irgendwie sauer auf uns war. Toll, davor war er so nett. Das Museum war ganz interessant, wir waren aber auch nur 20 Minuten drin, weil wir es schon wieder eilig hatten. Um 15 Uhr gings dann zum Mittagessen. Punkt 16 Uhr sollten wir wieder fahren und der Reiseleiter hat ausdrücklich vor Verspätungen gewarnt. Er meinte, in dem Restaurant kommt jedes Essen nach ca. 10 Minuten. Tja. Das der anderen schon. Meins natürlich nicht. Nachdem sie mir erst das falsche vor die Nase gesetzt hatten, hab ich mein Essen um 10 vor 4 leider immer noch nicht gehabt und wurde langsam nervös. Wieso passiert das immer mir? Es ist wirklich wie verhext und jetzt nicht übertrieben, ich werde IMMER entweder vergessen oder bekomme das falsche. Wenn ich Glück hab vergessen sie mich nur bei der Aufnahme der Bestellung, oder bringen mir das falsche Getränk. Oft krieg ich aber auch gar kein Essen, oder eben was anderes und dass dann als letzte. Eigentlich find ich das nicht schlimm, aber langsam nervts mich und ich frag mich was ich denn falsch mach. Ich bestell nix abartiges und so unauffällig bin ich auch wieder nicht, vor allem nicht hier. Und jetzt ist es 15 Uhr 50 und ich hab noch nix zu Essen und der Reiseleiter killt mich wahrscheinlich, wenn sie wegen mir wieder warten müssen. Ich legte mir schon mal ein Plastiktütchen zurecht, in die ich mein Essen kippen wollte, um es im Bus zu essen. Gottseidank kam dann grad der Reiseleiter und erklärte, er müsse noch schnell irgendwas erledigen und dass wir 10 Minuten später fahren. Gleichzeitig kam mein Essen und es was so lecker, dass alles wieder gut war. Puh. Die Heimfahrt war ruhiger und wir konnten auf der total vernebelten Strecke oft die Straße gar nicht sehen. Dafür konnten wir an einigen Bergen einen Regenbogen beobachten, das war total schön. So, Grupo 5 Time bis zurück nach Huaraz.
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Da Joanas Eltern morgen zurück nach Lima fahren, blieb Joana mit ihnen die eine Nacht in Huaraz. Thomas, Anika und ich fuhren allein zurück. Mir gings nicht so gut, ich hatte glaub ich ne leichte Blasenentzündung und wollte nur noch Heim. Zuhause haute ich mir gleich irgendwelche Tabletten rein, weil es so weh tat und hab übersehen, dass man zuvor was Essen sollte. Dementsprechend lustig war ich dann beim Abendessen. Milton fand es hochamüsant, das ich mit dem Salzstreuer (der wie ein Koch aussieht, bei uns aber Papst heisst, weil Thomas ihn dafür hielt) und der Zuckerdose (in Elefantengestalt) spielte. Der Papst ritt auf dem Elefant zur Kirche (Käseglocke). Tja, Milton hat dann auch mitgespielt und aus dem Papst mittels Deckelchen einen Chinesen gemacht. Ha! Danach erzählte er uns, dass es 1992 in Jangas Terroristen gab, die sogar Bomben gelegt haben. Es gab eine Ausgangssperre ab 19 Uhr und alle mussten Zuahause bleiben und das Licht auslassen, damit niemand kam und sie nach draußen zog mit der Waffe. Manchmal erwischte es sie aber doch und sie mussten sich dann auf den Placa stellen und irgendwelche Parolen aufsagen. Wer bei den Terroristen dabei war weis niemand, weil die alle Kapuzen aufhatten. Ich find das total krass. So was hätt ich hier ja nie erwartet. Milton meinte aber das war gar nicht so schlimm, in den anderen Orten sei es schlimmer gewesen. Naja, also ich weis nicht. Ich wär wahrscheinlich gestorben vor Angst. Nach dem Abendessen fing ich an, mein Zeug zu packen. Morgen sollte ich ja ausziehen. Mir war ein bisschen komisch zumute, aber ich freu mich trotzdem. Vor allem lern ich jetzt endlich richtig spanisch, wenn ich keine Joana und keine Anika mehr hab, die für mich reden.

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11.01.09 Ausgestorbenes Huaraz und Antamina-Ekel

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Heute Abend sollte es also in die neue Familien gehen. War schon ein bisschen aufgeregt. Aber erstmal musste ich noch ein bisschen aufräumen. Nachdem ich meine restlichen schmutzigen Sachen gewaschen hab und superfleissig auch noch mein Zimmer rausgeputzt (das jetzt übribens ganz hässlich und kahl ist) hab ich noch ein paar Gastgeschenke zusammengesucht. Die Senora Reyna kriegt einen typischen „Cabeza de Clavo“, den ich in Chavin gekauft hab und den sich hier gerne viele im Haus aufhängen. Meine Schwester kriegt ein Spiel mit einem Flummi-Ball, das hier grad der neueste Schrei ist und noch eine kleine Creme, die von den Kindern in Mataquita übrig geblieben ist, weil die ja ihre Weihnachtsgeschenke nicht alle abgeholt haben. Und mein Brüderchen? Ein Spielzeugauto, einen Ball, Sticker von Lazy-Town (das lieben hier alle), ein Fussballtrikot... ich hab so viel das ich ihm geben könnt, aber ich kann ihm natürlich nicht alles auf einmal hinstellen. Da muss ich mich noch entscheiden. Nach dem Putzen wollten Anika und ich schnell zu den Vergaras gehen und fragen wann es Mittagessen gibt, weil wir davor noch nach Huaraz wollten. Als wir nach vorne gingen, war der ganze Hof voll mit Leuten. Sogar Guido, Miltons großer Bruder war da. Sie alle aßen gebratenes Schwein, das komischerweise heute vor unserem Haus verkauft wurde. Deswegen haben wir uns eh schon gewundert. Was ist denn heute los? Wir fragten schnell nach dem Mittagessen. Um eins bis halb zwei, ok, dann können wir danach noch fahren. Schnell trollten wir uns wieder. Bei uns hinten war auch Besuch zugange. 3 Enkelinnen von der Oma waren da, zusammen mit ihren Müttern. Die zwei jüngeren (5 und 8 Jahre) waren total süß und bekamen große Augen, als wir wegen den Gastgeschenken das ganze Spielzeug und die Süßigkeiten hin und her räumten. Wir gaben ihnen Lollys, die sie mit viel Genuss immer mal wieder lutschten und dann wieder weglegten, um später noch was zu haben. Irgendwann bekam ich dann total Hunger, aber es war erst halb zwölf. Als ich mich grad dazu entschloss Kekse zu Essen (schwere Entscheidung) rief eine der Enkelinnen meinen Namen. Als ich nach draußen ging, stand die älteste vor mir (13 Jahre) und hielt mir einen Teller vor die Nase. Ceviche (roher Fisch mit Zwibeln und Limone angemacht) eine Spezialität hier in der Gegend. Die Enkelinnen und die Oma haben uns extra etwas mit zubereitet. Leider sind wir alle 3 keine Cevichefans, Thomas mag keinen Fisch, Anika isst ja gar kein Fleisch und ich trau dem ganzen doch nicht so. Weil ich aber so Hunger hatte und das so lieb fand und auch darauf vertrau, das die Oma schon wissen wird, was giftig ist und was nicht, haute ich rein. Und es war total lecker. Anikas Fisch bekamen dann zur Hälfte ich und Dolly ab und Thomas Portion kam ganz der kleinen Hundedame zu gute. Ich fands lecker und hätte noch mehr gegessen, wenns nicht so scharf gewesen wäre. Kaum den Teller zurückgegeben, kam schon Milton um uns zum Essen zu holen. Ich fragte ihn was heut los sei. „nichts, nur ein paar Leute sind da und mein Chef“. Chef? Milton arbeitet gar nicht, wie wir von der Oma wissen und nun ist sein Chef da? Nun gut. Im Hof der Vergaras war ein Tisch draussen aufgebaut und irgendwelche fremden Leute saßen drumrum und aßen. Milton stellte uns vor: Onkel, Tannte, Chef. Der Chef fand uns „muy sympathico“ und wollte gleich mit uns Bier trinken. Nein, danke. Mir ists eh grad vergangen, als ich auf die Teller gesehen hab: Eine rießen Portion Meerschweinchen. Nicht schon wieder! Bitte nicht für uns. Wir gingen in die Küche. Auch die war voll mit Leuten, die ganze Familie war heut da. Auf dem Tisch stand eine Portion Reis mit Kartoffel und Sosse. Ein Glück, kein Cuy (Meersau). „Diese Portion ist für Anika – sie ist ohne Fleisch“. Verdammt. Thomas bekam seinen Teller mit einer kleinen Portion Cuy, die wohl aus der Bauchgegend stammte und gar nicht mal so eklig aussah, ungefähr wie Huhn. Puh, das geht ja noch, ist noch nicht mal eine Kralle dabei. Dann kam mein Teller. Eine wunderschöne, einsame Kralle ragte in die Luft. Neeeeiiin. Was solls, Augen zu und durch. Ich ess das Cuy immer als erstes, damit ichs hinter mir hab. Wenigstens waren heut keine Nieren oder derartiges dabei. Der Rest von der Portion war allerdings super lecker, ich liebe die Sose zum Cuy, auch wenn sie ca. 100% Fett enthält. Danach gabs noch Suppe, die auch total gut war und ich glaubte ich platz gleich. Auf einmal sagt Sonia: „Anika, du hast vergessen den Strom zu bezahlen. Er wird heute Nacht ausgestellt“. Ähm, wie bitte? Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Milton kurz vor unserer Abfahrt nach Huanchaco zu uns stieß, um um Geld zu bitten, weil er den Strom zahlen muss. Na das ist ja super. Marie meinte, wenn der Strom erstmal abgestellt ist, dann dauert es 2 Wochen, bis es wieder welchen gibt. Da bin ich ja direkt froh, dass ich jetzt dann woanders wohn. Wir konnten jetzt Milton noch nicht mal drauf ansprechen, weil ja sein Chef da war. Na das wird ja noch was geben.
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Anika und ich sind erstmal nach Huaraz gefahren, um Joana zu treffen und ins Internet zu gehen. Als wir gingen rief Milton uns noch hinterher, ob wir nicht noch schnell Bier trinken wollen mit ihm und seinem Chef. Ne, danke. Als wir so im superheißen Colectivo durch die Gegend fuhren, konnt ich es gar nicht erwarten ins Internet zu gehen, weil ich einige wichtige Nachrichten erwartete. Als wir in einem Dorf kurz vor Huaraz hielten, weil eine Frau ausstieg, holter der Fahrer vom Dach(!) des Colectivos 3 Säcke mit Meerschweinchen. Er schmiss sie einfach auf den Boden. Die armen Viecher. Denen kann man nur wünschen, dass sie möglichst bald geschlachtet werden. Schon allein die Fahrt auf dem Dach muss die reinste Hölle gewesen sein. Es ist echt schrecklich wie wenig Verständnis die Leute hier für das Wesen der Tiere haben. Und nicht nur Meerschweinchen, sondern alle Tiere. Sogar die Haustiere werden getreten und rumgeschupft und sie haben es trotzdem noch am besten. Naja. Irgendwie war heute eh alles komisch. Als wir ausstiegen, war fast gar nix los. So ziemlich alle Läden waren geschlossen. Das war schlecht, denn wir wollten auch noch die Sachen für den Unterricht am Montag besorgen. Es ist zwar Sonntag, aber trotzdem haben die meisten Läden normalerweise auf. Diesmal jedoch nicht. Und auch sonst sah man nicht viele Leute auf der Straße. Ist vieleicht wieder irgend ein Feiertag? Sogar unser Internetcafe unseres Vertrauens hatte geschlossen. Deswegen waren wir in einem anderem, in dem so gut wie gar nix funktionierte. Egal, was solls. Nach 3 Stunden mussten wir alle aufs Klo. Blöd nur, das das einzige öffentliche Klo in der Nähe heute auch zu hat. Sogar das! Und alle umliegenden Restaurants hatten ebenfalls geschlossen. Oh nein, das gibts doch nicht. Wohin nun? Es gab nur eine Lösung: Kitschmarkt. Der muss aufhaben und dort hats auch eine Toilette. Also, nichts wie hin. Als wir ankamen klappte uns allen 3 die Kinnlade runter: Sogar der Kitschmarkt hatte zu! Das kann doch nicht wahr sein. Der Kitschmarkt ist immer offen! Was zum Teufel ist heut nur los? Da muss doch irgend ein hoher Feiertag sein. Anika und ich flüchteten in die nächstbeste Spelunke die offen hatte und durften dort Gottseidank endlich aufs ziemlich versiffte Klo gehen. Joana fragte derweil jemanden auf der Straße, ob heute irgend ein besonderer Tag sei. Nein, nur ganz normaler Sonntag, hieß es. Das kann doch nicht sein, warum steht dann die ganze Stadt Kopf? Wir beschlossen lieber Heimzufahren. Ich musste ja auch noch um 18 Uhr ausziehen und nun war es fünf. Als wir im offenen Colectivo warteten, dass wir losfuhren, beobachtete ich einen ziemlich besoffenen Mann der zu uns stolperte und fragte, ob wir nach Yungay fahren, das aber in der ganz anderen Richtung liegt. Oh wei, wo hat der denn getrunken? Der konnte ja kaum laufen. Kurze Zeit später beobachtete ich den nächsten, der auch nicht besser war. Heieiei, so ein komischer Tag. Der Mann ist einem Zusammenstoss mit einem Taxi grad noch so entgangen und ich war froh, als wir endlich losfuhren.
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Zurück in Jangas war die Party noch voll im Gange. Auf einmal kam Thomas und fragte mich, ob ich noch einen Tag länger bleiben will bei den Vergaras. Er bliebe noch, weil Milton ihn darum gebeten hatte. Ich hatte nix dagegen, weil ich ja eigentlich eh nicht weg wollte. Dann kam Milton. Er hatte schon eine leichte Fahne. Er erzählte uns, dass seine Schwestern und seine Mutter (die noch gar nix von unserem Auszug wussten, Milton ist so eine Pfeife) ihm gedroht hätten, er hätte noch 24 Stunden Zeit uns zu überreden zu bleiben, oder er fliegt raus. Das fand ich total süß, aber diesen Gefallen wollte ich ihm dann doch nicht machen. Auch die Oma hätte geweint, als sie erfahren hat, dass wir gehen. Wie lieb! Das hätt ich gar nicht gedacht. Irgendwann kam Milton wieder und wollte mit uns trinken und tanzen. Wo? Na im Wohnzimmer. Aha. Oben saßen Guido (Miltons großer Bruder) und der Vater von Freddy, warum auch immer. Wir setzten uns dazu, bekamen unser Cerveca und wurden mit Fragen über Deutschland bombadiert. Dann holte Milton seinen Chef. Ich fand ihn sympathisch. Genau zwei Minuten. Bevor er unbedingt Tanzen wollte und sich die arme Anika schnappte, der er eh schon immer so zweideutige Kommentare zuschmiss. Sie tat mir furchtbar leid. Er kam immer näher und ab und zu rutschte seine Hand an Stellen, an denen sie eigentlich nix zu suchen hat. Oh weih. Kaum saßen die beiden wieder war – juchu – ich an der Reihe. Dauernd musste der eklige Typ meine Hand halten. Ich stellte mich extra blöd an, damit er mit mir nicht mehr Tanzen will. „oh, du kannst aber gut tanzen“ durfte ich mir dann im selben Moment anhören. Bäh. Er wollte dann mit mir irgendwelche komischen Handbewegungen machen und ich konnte vor lachen kaum noch stehen. So ein Trottel. Dann fragte er mich auf spanisch, ob ich ihn küssen will. Ja klaro, nix lieber als das. Ich tat so als ob ich nicht verstehe. „Kiss me“. Jetzt also auf englisch. Ich sagte „No“, was man sowohl in England wie auch im spanischen versteht. Idiot. Nach dem zweiten Lied sagte ich ihm wie Müde ich sei und dass ich nicht mehr will. Der Typ war einfach nur wiederwärtig. Dolly war auch im Raum und als er sie anfassen wollte, bekam ich das erstemal mit, wie Dolly jemanden ausbellt und anknurrt. So was macht sie normalerweise nie! Danach versteckte sie sich hinter den Beinen von Anika. Sie fand den Kerl genauso schrecklich wie wir und hatte sogar Angst vor ihm. Was hat der nur getan. Milton allerdings war glücklich. Er war ja eigentlich Arbeitslos und nun hat ihn aber Dank Vitamin B dieser Ekeltyp eingestellt, bei Antamina. Das heisst, er verdient jetzt ziemlich gut. Klar dass er dem Kerl in den Hintern kriecht. Und es war auch klar, das er uns Mädels zum Vorführen geholt hat, weil Mr. Antamina uns „muy symphatico“ findet. Tja, wir ihn aber nicht. Blöd dass er schon wieder Tanzen wollte. Als wieder die arme Anika an der Reihe war, wollten Thomas, Joana und ich einfach in der Gruppe mittanzen, damit sie sich von Mr. Eklig losreisen kann. Milton stieg gleich mit ein und tanzte mit Joana. Ich spackte also mit Thomas ab, als Milton auf einmal zwischen mich und Thomas stiess und sagte „wechsel“. Nein, ich will nicht mit einem angetrunkenen Milton tanzen. Der war wieder ganz auf Körperkontakt aus und hatte gar keinen Rhytmus mehr. Ausserdem wollte er mich dauernd drehen, aber weil er so klein ist, hab ich mir dauernd den Kopf an seinem Arm gestoßen. Er fragte mich, ob ich jetzt bei ihnen wohnen bleibe, oder gehe. Ich sagte ihm, dass ich geh. „Neeeiinn“, meinte er. Tja, zu spät. „ich komm dich besuchen“, meinte er noch. Klar, wieso nicht. „in der Nacht, ich hab einen Schlüssel“. Ok, jetzt wirds gruselig. Als das Lied endlich aus war, lies er meine Hand nicht los, sondern begleitete mich zum Sofa. Was ist denn blos los mit dem, Hilfe. Ich riss mich los und sagte ich müsse aufs Klo, wo Anika gleich mit einstig. Blos weg.
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Als wir grad wieder zurück wollten (naja, „wollten“ ist wohl übertrieben) kamen plötzlich Thomas und Joana. Sie haben gesagt wir müssten den Unterricht noch vorbereiten. Puh, Glück gehabt. Wir gingen zu Joana, barrikadierten uns und schauten Highschoolmusical 3 an, was ein noch größerer Quatsch war, als der zweite. Aber alles ist besser, als mit denen zu tanzen und ausserdem war ich froh, nochmal einen Abend mit meiner WG zu verbringen, bevor es ans ausziehen geht.

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12.01.09 Paeckchen und Peep-Show

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Bevor es heute um 14 Uhr nach Cahuish ging, wollten wir nochmal nach Huaraz fahren. Es standen ja noch die Einkäufe an, für den Unterrich und ausserdem noch der wohlbekannt Gang zur Post, obwohl ich dort mittlerweile nur noch resigniert hinschlurfe, weil ich eh weis, das mein Paket noch nicht da ist. Diesmal war es aber anders. Es war wohl einfach einer meiner Glückstage. Frau Post drückte mir einen Zettel in die Hand, mit dem sie mich in die Untiefen der Postlagerräume schickte. Anika und Joana kamen sicherheitshalber mal mit. Ganz hinten, im größten Chaos, erwarteten uns zwei Damen. Sie quietschten gleich los: „Schaut euch mal die drei Gringas an, wie schön sie sind“. Die eine fragte gleich ganz unverblümt ob wir einen Freund haben. Leider ja. Das ist ja schade, sie hätte nämlich zwei Söhne, die noch nicht verheiratet wären. Tja, so ein Pech aber auch. Die andere warf dann ein, dass sie auch noch zwei Söhne zu bieten hätte. Ich meinte, dass wir eh nur drei Mädels sind und es ja dann unfair wäre, wenn einer der Söhne keine abbekommt. Nach einigem Gelächter durfte ich endlich mein Paket in Empfang nehmen. Und es wog ca. 3 Tonnen. Wow, was da wohl drin ist. Die Postladys verabschiedeten uns und wir konnten endlich nach draussen. Ich musste mein Paket natürlich sofort aufmachen, schließlich sollten ja Plätzchen drin sein und die musste ich natürlich sofort sehen. Wir setzten uns auf den Placa. Ui, 2 Dosen voll mit allerfeinsten Plätzchen und ganz viele Weihnachtsgeschenke und Süßigkeiten. Juchu. Da das Paket etwas unhandlich war, teilten wir die Sachen auf unsere Taschen auf. So. Jetzt noch schnell unsere Einkäufe erledigen. Wir gingen zuerst in den Wolleladen. Dort machten wir den halben Laden leer, weil wir ewig viel Wolle, Stricknadeln, Stickzeug, Rahmen und sonstiges kauften. Als nächstes in den Bastelladen, wo wir Federn, Perlen, Bänder, Fäden usw. für unsere Schüler und ich einige Perlen für mich besorgten. Was für ein herrlicher Tag. Da Milton-Mama nicht gerade nicht da ist, weil sie zum Durchchecken ins Krankenhaus nach Lima gefahren ist, kauften wir uns auf dem Heimweg noch Chocho, das ist eine Spezialität, ohne die wir nicht mehr Leben wollen. Eine bestimmte Maissorte, Chocklo, wird mit Zwiebeln, Tomaten, Salat und Limonensaft und Salz angemacht, fertig. Es ist superlecker und total billig, weil eine Riesenportion nur 1 Sol kostet. Wir stopften alles in uns rein, heulten gemeinsam, weil es so scharf war (hab vergessen zu erwähnen das Aji, so eine Art Chilli noch mit drin ist) und fuhren nach Cahuish. Am Taxistand erfuhren wir, dass sich die Preise geändert haben und wir jetzt viel mehr zahlen müssen. Toll, aber hilft ja nix. Auf gings. War ja gespannt, wer alles kommt.
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Niemand. Es war keiner da. Neeeiiin. Wir setzten uns einfach mal und fingen an, Armbänder zu knüpfen, weil wir das heute mit den Kindern vorhatten. Ausserdem wollten wir Scooby-Bänder flechten, das ist so Plastikbandkram, der früher bei uns mal ganz modern war. Als wir so dransassen, kamen einige kleine Kinder vorbei. Sie trauten sich nicht zu uns her und verstanden uns auch nicht, weil sie nur Quechua sprechen. Wir machten einfach weiter. Irgendwann hat sich dann der erste zu uns hin gesetzt. Wir zeigten ihm wie das mit dem flechten funktioniert. Irgendwann waren es dann vier Kinder und jeder hatte seinen eigenen Schützling. Sie waren total putzig, weil sie ungefähr 6 – 7 Jahre als waren. Kurze Zeit später kuckten wieder zwei Mädchen ums Eck. Irgendwann machten auch sie mit. Nach zwei Stunden hatten wir eine beträchtliche Menge Kinder um uns rum. Irgendwann erschien sogar Marco, ein Junge aus unserer eigentlichen Klasse. Ganz zum Schluss kam noch eine Mutter angelaufen. Sie hatte vergessen, das heute der Unterricht beginnt. Das dachen wir uns schon. Es war lange her, dass wir das ausgemacht haben und die Leute hier sind eh eher vergesslich. Wir luden sie für das nächste Mal ein. Ich war schon wieder ganz verliebt in jedes einzelne Kind. Alle sind schmutzig, hängen den Rotz runter und stinken irgendwie nach Esel, aber sie sind so lieb und so süß, dass ich sie sofort bei mir im Bett würde schlafen lassen. Trotzdem mussten wir jetzt gehen, denn heute stand der Umzug an. Oh wei, ich wurde ganz schön nervös.
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Als wir ankamen, war Milton nicht da. Super. Wir mampften unser restliches Chocho und mehr als die Hälfte aller Plätzchen. Das war einach nötig. Dann kam Milton. Wir gingen zuerst zu Thomas neuer Familie. Ich war trotz allem wieder ein bisschen neidisch. Sein Gastbruder, Hamilton, ist so symphatisch und nett, dass ich es sehr bedaure, dass er mit Frauen „nicht kann“. Und Thomas Zimmer ist so riesig und hat auch noch ganz viele Möbel gekriegt. Neid! Wir setzten uns noch eine Weile und amüsierten uns über Thomas Gastvater, der die ganze Zeit schreckliches Englisch gesprochen hat und einen in der Krone hatte. Er umarmte uns alle ca. 4x und Thomas ungefähr 10x und betonte immer wieder, dass wir jederzeit willkommen seien. Tja, Thomas hats wirklich gut getroffen. Mal sehen, wies bei mir läuft. Jetzt wurde es nun auch langsam Zeit. Wir holten noch schnell mein Zeug und los gings. Mann, war ich nervös. Sie warteten schon. Wir setzten uns noch kurz in die Miniküche. Die Senora bastelte gerade etwas aus dicken Geschenkbändern. Sie erzählte uns, dass sie daraus ein Herz für ihren Bruder macht, weil der am Samstag Silberhochzeit feiert. Dann zeigte sie uns noch, was sie sonst noch so „bastelt“. Es war der Wahnsinn. Die Frau hats richtig drauf. Sie strickt Taschen, die so cool sind, dass ich jede einzelne gekauft hätte, sie bastelt Tiere aus alten Milchdosen oder Flaschenböden und alles sieht so professionell aus, das ich gar nicht glauben konnte, dass sie das selber macht. Ich sagte ihr sofort, dass ich alles lernen will. Mann, war das cool. Genau so etwas wollte ich schon immer mal machen. Als die anderen dann gehen mussten, war ich fast ein bisschen weinselig. Dabei wohnen sie ja nur auf der anderen Strassenseite. Trotzdem, Abschied ist Abschied. So, nun war ich allein mit Familie Vergara (ja, die heissen auch so) nochmalwas (den zweiten Nachnamen hab ich vergessen). Mein kleiner, süßer Bruder, Reinzo, fragte erstmal, ob ich schon zu Mittag gegessen hab. Ja, hab ich. Was ich nicht wusste, war, dass er das Abendessen gemeint hat. Das gabs nämlich noch nicht. Naja, auch egal. Dafür hab ich ja Plätzchen für 5 gegessen. Ich holte gleich mal welche, um sie meiner neuen Familie zu Präsentieren. Reinzo mampfte erstmal alle Vanillekipferl auf. Ich war froh, dass es ihnen schmeckte. Dann wurden mir Fotoalben gezeigt. Erstmal von der Tochter, Carla. Es war total lustig, weil es immer die gleichen Fotos waren, nur total zusammengewürfelt. Reinzo, sehr aktiv, war es langweilig, weswegen er sich immer mit dem Bauch auf den ganzen Tisch gelegt hat und umblättern wollte, um endlich Fotos von sich zu sehen. Als wir fertig waren, spielte er mit mir ein Kartenspiel, von dem ich die Regeln absolut nicht kapiert hab. Waren wohl auch nur Reinzo-Regeln. Die Karten hatten ganz normale Zahlen (obwohl es Dragon-Ball Karten waren) und es wurden je zwei in die Mitte gelegt. Wer die gleiche Zahl legen konnte, der durfte die Karten nehmen. Wenn ich mal nix gleiches hatte, hat mir Reinzo eine von seinen gegeben, was ich total süß fand. Der Junge ist wirklich zum anbeissen. Schade, dass er am 18.01. nach Lima fährt und dann dort bis März bei seinem Vater bleibt. Da hab ich leider nicht lange was von ihm. Die Senora, sie heisst Maria, meinte nur, sie ist froh, dass sie keinen Mann hat. Dann kann sie so lange schlafen wie sie will und hat auch sonst weniger Stress. Ich fand ihre Einstellung total cool, weil so etwas hier alles andere als alltäglich ist. Nachdem wir noch einen Dinosaurier mittels Plastiktüte Fallschirmspringen haben lassen, gings ins Bett. Davor mussten wir aber nochmal rauf in mein Zimmer wegen Schlüssel usw. Reinzo war von meiner Touch-Lampe (die das einzige Licht war) so begeistert, dass er ständig damit rumspielte und es dauernd dunkel war. Da mein Zimmer leider kein Fenster hat, sondern nur einen Müllsack vor einem Loch, ist die Tür die einzige Öffnung zum Tageslicht. Leider ist mein Zimmer aber im 2. Stock und wenn ich die Tür aufmache, kann ganz Jangas in mein Zimmer sehen. Reinzo warnte mich nochmal: „du musst die Tür immer zu machen, sonst sehen dich alle Leute nackt“. Danke für den Tipp. Als sie gingen, lies er mir noch sein Kuscheltier da, damit ich nicht allein schlafen muss. Hach, was für ein Butzel. Ich ging noch schnell aufs Klo, registrierte, dass durch das Loch, dass anstelle eines Fensters in der Wand ist, auch ganz Jangas mich nackt sehen kann und entschied, dass ich wohl immer noch weiterhin bei den Vergaras drüben duschen werde. Also schön. Auf zur ersten Nacht im neuen Zimmer.