Samstag, 6. Juni 2009

Mein letzter Eintrag

Hallo liebe fleißige Leser. Es tut mir leid, dass ich so lange nicht geschrieben habe, aber wir hatten auf die letzten Tage einfach so viel Stress, das ich es nicht mehr geschafft habe. Und auch während unserer Reise war es leider unmöglich Blog schreiben. Deswegen stelle ich den letzten Eintrag eben jetzt rein.
jjj
Ich danke euch allen für das Interesse das ihr an meiner Arbeit gezeigt habt und für eure Kommentare. Ich hoffe das Lesen hat euch so viel Spaß bereitet wie mir das schreiben.



Nun also zum letzten Beitrag.


Danke für alles

Sabine


22. - 26. 09 Vorbereitungen und Vorsicht Absturzgefahr
kkk
Da unsere Arbeit hier jetzt leider dem Ende zuging, wollten wir zum Abschied noch etwas besonderes mit den Kindern machen. Zuerst stellten wir uns eine Schnitzeljagd vor – vom jeweiligen Dorf der Kinder runter nach Jangas, wo wir einen Film mit ihnen ansehen wollten. Nach längerem überlegen hielten wir die Idee dann doch nicht mehr für ganz so toll, da wir nicht soo scharf darauf waren für das etwaige Verschwinden oder für Verletzungen von Kindern verantwortlich zu sein. Es musste also etwas anderes her. Mit Milton hatten wir ursprünglich eine Campeonata geplant, also so eine Art Wettbewerb mit verschiedenen Spielen, das wurde jedoch nichts, da er seit neuestem bei Anta-Mina arbeitete und zum geplanten Datum dort war. Außerdem verstanden wir uns immer schlechter mit ihm, was nicht gerade zur Verbesserung unserer Arbeit verhalf. Nach ewigem hin und her beschlossen wir dennoch eine Campeonata zu veranstalten, jedoch ohne Milton und nur im kleineren Ausmaße. Wir wollten in jeder Schule eine eigene Campeonata machen, um die Kinder leichter im Griff zu haben und uns Stress zu ersparen. Zuerst sprachen wir unser Vorhaben in Jahua beim Direktor an. Meine Bedenken, dass die Kinder hier doch ein wenig wilder sind als die in Deutschland und es schwierig wird sie im Griff zu behalten wurden nicht gerade im Winde zerstreut als wir während der großen Pause auf den Direktor warteten und die unbeaufsichtigten Kinder sich derweil mit Steinen bewarfen. Hilfe!! Als der Schulleiter dann des Weges spazierte wurde dem ganzen dann gleich ein Ende gesetzt und alle Kinder mussten sich in Reihen von der 1. bis zur 6. Klasse, Mädchen und Jungs getrennt, zum Apell aufstellen. „Die Jugendlichen (wir) werden mit euch am nächsten Dienstag einen Wettbewerb veranstalten“. Die Kinder begeistert: „siiii“. Na also, kommt doch an. Mr. Direktor forderte sie noch dazu auf ihre Sportsachen anzuziehen und versprach dass uns die Lehrer der Schule zur Hand gehen. Na also, kann ja gar nix mehr schiefgehen! Beruhigt machten wir uns auf den Heimweg.
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Als nächstes fragten wir die Kinder in Huanja. Sie waren sofort begeistert, das Problem war nur, dass unsere Schüler zum Teil am Vormittag und zum Teil am Nachmittag Unterricht in der bereits wieder begonnenen Schule hatten und wir keinen Tag finden konnten an dem sie Zeit für eine Campeonata hatten. Auch der Samstag fiel aus, da sie an diesem Tag alle in Jangas seien, um ihre Schulsachen zu erhalten. Jangas? Da klingelte doch was, wenn sie eh schon alle in Jangas sind, können wir den Wettbewerb ja auch dort veranstalten. Wir befragten die Kinder und sie waren einverstanden. Alles klar, am Samstag also um halb 12 Uhr Mittags werden wir uns am Fußballplatz in Jangas mit den Kindern in Huanja treffen. Einige Kinder stellten uns die Frage, ob sie dort auch gegen andere Schulen antreten. Na toll, also doch mehrere? Eigentlich könnten wir Atupa ja noch dazunehmen. Mal sehen. Jetzt aber erstmal den Rest planen, was nehmen wir als Preise, welche Spiele werden wir spielen, brauchen wir eine Brotzeit? Oh je, so leicht schien dass schon gar nicht mehr zu werden.
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Und die anderen Schulen, Cahuish, Atupa und Mataquita? Da die Ferien zwar schon beendet waren aber die Lehrer wohl trotzdem noch nicht so scharf auf Unterricht, hatten wir bei unseren Besuchen in den Schulen leider niemanden angetroffen um zu Fragen.. Nachdem wir übers Wochenende dann schon mal ein paar Preise rausgezogen und besorgt haben (Wasserpistolen, Bücher, Taschen, Fußballtrikots und, und, und) machten wir uns am Montag auf den Weg nach Cahuish. Da es in letzter Zeit so stark geregnet hat, waren die Wege nach oben ziemlich gefährlich und meistens unpassierbar. Wir probierten es trotzdem und stiegen ins Taxi. Gerade als wir dachten, dass es ja gar nicht so schlimm sei, blieb unser Fahrer vor einem rießigen Steinhügel stehen. „No pase“, meinte er, ja, das ist mir auch aufgefallen. Ok, und jetzt? Es war unsere letzte Möglichkeit vor der geplanten Campeonata nochmal in die Schulen zu kommen und bescheid zu geben, wir mussten also rauf. Na gut, dann eben zu Fuß. Wir zahlten leider mehr als die Hälfte des Fahrpreises obwohl wir noch über die Hälfte Weg vor uns hatten und kletterten über den Steinhaufen. 5 Meter weiter, als wir um ein Eck bogen begegnete uns schon das nächste Hindernis: von ganz oben floss immer noch Wasser vom letzten Regenschauer nach unten und unseren Weg kreuzte ein ziemlich wilder Bach. Wir mussten einen Stein ins Wasser werfen um einigermaßen trocken rüber zu gelangen. Ich bezeichnete den Weg nach Cahuish eh schon immer gern als „Super Mario Land“ weil man ständig irgendwo rüberhupfen und von Tieren davonlaufen muss. Diesmal machte er seinem Namen aber wirklich alle Ehre. Ein Stückchen weiter oben kam die nächste Überraschung: kein Steinhaufen, dafür aber ein Dreck- und Schlammhaufen, an dem man auch nicht einfach vorbeispazieren konnte, sondern der auch überquert werden wollte. Ich, in meiner naiven Einstellung „wir fahren ja mit dem Taxi“ hatte natürlich keine Wanderschuhe sondern Chucks an. Na prima. Auf dem Weg über den ca. 2,5 Meter hohen Haufen sanken wir manchmal bis zur Wade ein. Als es geschafft war hofften wir dass wir die restlichen 500 Meter ohne weitere Probleme schaffen. Wir waren eh schon 80 Minuten unterwegs und mussten ja auch wieder heimlaufen bevor es wieder zu regnen beginnt. Einmal sollten wir noch um eine Kurve biegen, dann wären wir endlich da. Aber nix da! Ein rießen, rießen Geröllhaufen versperrte uns den Weg, der leider unbezwingbar war und nur auf einem ca. 15 cm schmalen Trampelpfad, direkt am Abgrund umgangen werden konnte. Wie schön dass auf der anderen Seite dieses Pfades schon 2 knurrende Hunde auf uns warteten. Da ich ganz vorne war machte ich mich auch als erste auf den Weg. Es war wirklich ziemlich eng. Die Hunde feuerten mich mit noch mehr geknurre an. Von Thomas hörte ich noch: „bück dich mal und tu so als ob du einen Stein hochhebst“. Haha, da kann ich gleich freiwillig in den Abgrund springen. Eine Bewohnerin von Cahuish hatte Mitleid und verscheuchte die Hunde. Meine Güte, wenn die Kinder wüssten was wir alles auf uns nehmen, nur um sie auf die Campeonata einzuladen... Endlich waren wir da. Und wir hatten tatsächlich Glück, es war Unterricht! Die Lehrerin, die nun die 3. und 4. Klasse betreute freute sich unglaublich uns zu sehen. Sie fand die Idee mit der Campeonata super und versprach am Samstag die Kinder runterzuschicken und auch selber mit ein paar Lehrern aufzutauchen. Na prima. Bisher klappte ja noch alles gut. Wir verabschiedeten uns bald wieder und machten uns wieder auf dem Heimweg.
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Am nächsten Tag in Atupa war leider niemand da, also konnten wir nur einen Zettel an der Schultür befestigen, dass wir nächste Woche eine Campeonata in der Schule machen wollen. Donnerstag gings dann nach Mataquita. Dort hatten wir schon die Woche davor mit Knutschrektor ausgemacht, dass wir an diesem Donnerstag die Campeonata in der Schule in Mataquita veranstalten. Dieser verlangte natürlich gleich ein offizielles Schreiben, bei dem wir unter viel Schleimerei um die freundliche und höchstgütige Erlaubnis bitten mussten uns Schüler auszuleihen. Nachdem er extra um unsere E-mail Adressen bat, um uns „beischeid zu geben ob es klappt“ (ja klar) und dann leider nur die von Thomas bekam, sagte er uns natürlich auch überhaupt nicht bescheid. Wir hatten also ein paar Preise und Spielutensilien im Gepäck und betraten das Schulgelände. Als wir Knutschi endlich ausfindig gemacht haben und er uns ungläubig ansah („was ist denn der Grund für euren Besuch heute?“) wurde ziemlich schnell klar, dass er trotz Schreiben und sonstigem geschleime keinem einzigen der Lehrer bescheid gegeben hatte, dass wir ihre Schüler heute für 2 Stunden ausleihen wollte. Auch die Schüler wussten von nichts und Knutschi selber tat auch so, als würde er sich nicht mehr an das Theater von letzter Woche erinnern, als er uns noch diktierte wie wir das dumme Schriftstück verfassen sollten. Na, vielen Dank. „Der Pausenhof ist doch eh viel zu Matschig für so etwas“. Super. Als wir uns darauf einigten das wir ohne Probleme mit den Schülern ein wenig weiter nach oben auf einen geteerten Fußballplatz gehen könnten, fiel ihm auf einmal was anderes ein. „Ach, da müsst ihr aber bis 1 Uhr Nachmittags warten, leider, wir haben heute nämlich um 11 Uhr Messe und ein Priester kommt extra“. Wie bitte? Und das wusste er letzte Woche noch nicht? Das kann doch nicht wahr sein. Wütend liesen wir Knutschi stehen und bahnten uns selbst unseren Weg in die Klassen um die Schüler höchstpersönlich auf die Campeonata am Samstag einzuladen. Sie waren alle total Feuer und Flamme und versprachen zu kommen. Na also, ohne einen dicken Abschiedsknutscher von Knutschi abzuwarten, flüchteten wir wieder nach unten. So, die Organisation wäre also hiermit erledigt. Morgen stand aber erstmal die Campeonata in Jahua an. Um 8 Uhr wollten wir mit dem ganzen Zeug nach oben fahren. Na, mal sehen..
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27.03.09 Campeonata und Chaos
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Jetzt war es also so weit. Die Campeonata in Jahua stand bevor. Wir packten also nicht nur die Preise und alles für die Spiele ein, sondern auch 5 Kuchen, da wir mit unseren Madres ausgemacht haben, dass wir zur Verabschiedung noch Kuchen essen werden. Oben angekommen war schon ganz schön was los. Der Schulleiter war auch schon da und ließ die Kinder erstmal wieder ihren Apell machen. Bisher sah alles noch gut aus. Auch Lehrer waren vorhanden. Da wir 5 Freiwillige waren (Anika, Joana, ich, Thomas und Joanas Freund Flo war jetzt auch dabei) hatten wir auch 5 Spiele geplant: Eierlauf (mein Spiel), Sackhüpfen (Thomas),
Luftballonzertreten (Anika), Sprint (Flo) und Ringewerfen (Joana). Wir makierten unsere Spielfelder und suchten uns im Apell jeweils eine Klasse aus mit der wir Anfangen wollten. Dann schrieben wir die Namen unserer Klasse auf und machten Namensschilder aus Klebeband, damit wir den Überblick nicht verlieren. Ich schnappte mir die 3. Klasse, da das nicht soo viele für den Anfang waren. Nach einer halben Stunde hatten wir dann doch endlich alle Namen beisammen und konnten Anfangen. Zuerst lief alles noch ganz gut. Zwei Kinder sollten mit ihrem Löffel im Mund und dem Ei auf dem Löffel bis zu einer Linie wettlaufen und ich stoppte beide Zeiten um sie aufzuschreiben. Ich war beruhigt, weil es wirklich gut klappte, auch wenn einige es nicht kapierten und immer auf ihren „Laufpartner“ warteten. Als sie fertig waren schickte ich sie zu Anika, um bei den Luftballons weiter zu spielen. Auf einmal kam eine riesen Meute Kinder auf mich zu. Die 2. Klasse. Leider hatte Flo vergessen Namensschilder mit ihnen zu machen, was ich dann noch schnell nachholte. Schnell. Haha. Bis wir fertig waren stand schon die nächste Gruppe bei mir an. Hilfe!!! Der Eierlauf war nur noch ein einziges Chaos. Um mich rum 40. wildgewordene Kinder, die ständig aufs Spielfeld liefen, jedes 6. Kind fragte mich ob es den Löffel oder das Ei (eigentlich ein bunter Ball) geschenkt haben kann und irgendwann fehlte dann auch tatsächlich ein Ball. Die Teilnehmer liefen nicht immer bis zur Linie und meine Stoppuhren wollten auch nicht mehr so gut mitspielen. Als die 2. Klasse endlich fertig war und ich mit der schon ewig wartenden 4. Klasse anfangen wollte, fehlten dort bereits schon einige Kinder, die einfach schon mal heimgegangen sind. Die 2. Klasse, die ich zu Anika schickte stand auf einmal wieder vor mir und meinte, es gebe kein Spiel mit Anika. Stimmt. Keine Anika, keine Luftballons. Als ich sie bei Joana entdeckte, erzählte sie mir das sie das Luftballonsspiel nicht durchführen konnte, da die meisten Kinder ihre schon zertrampelten bevor die anderen überhaupt einen Luftballon hatten. Tja. Konnt ich jetzt leider auch nichts machen, ich hatte ja die 4. Klasse zu betreuen. Da es ja nun nur noch wenige waren, ging es relativ reibungslos über die Bühne, obwohl einige auch schon keine Lust mehr hatten und lieber in die falsche Richtung liefen. Andere stellten sich dafür 2x an oder schupften ihren Gegner weg. Die 5. + 6. Klasse, die wir zusammenfassten war wieder ein bisschen bräver und als mir nur noch die 1. Klasse fehlte war ich schon wieder ein bisschen erleichtert. Nur... wo war die 1. Klasse? Ich habe noch keine gesehen. Auf der Suche nach irgend einem Kind aus der 1. das mir seine Kameraden zeigen konnte, lief mir dann auf einmal einer mit Löffel und Ball über den Weg. Her damit! Es war das reinste Chaos. Ich schaffte es tatsächlich ca. 5 Kinder aus der 1. Klasse ausfindig zu machen, die ich alle einzeln mit Löffel und Ball losschickte, bevor sie mir wieder abhauten. Der Rest war bei seinen Muttis, die scheinbar irgendwas für uns kochten, oder sonstwo und hatte wohl kein Interesse am Eierlauf. Meine Güte. Als ich die Zeit vom letzten Bimpfi aufgeschrieben hab, flüchtete ich mich ins „Lehrerzimmer“, einer Kammer in der Joana und Anika schon fleißig am Auswerten von der Zeit waren. Thomas und Flo waren noch nicht fertig mit ihren Spielen. Ich aber war fertig mit den Nerven. Wenn das hier schon so ein Chaos war, wie wird es dann erst am Samstag? Als wir alle Bögen beisammen hatten und die jeweiligen Klassen- sowie die 3 Gesamtsieger ausgewertet hatten, ging es an die Preisverleihung. Die Kinder sollten sich wieder in ihre Apellreihen aufstellen und auf ihre Preise warten. Komischerweise waren jetzt wieder alle da. Jeder Teilnehmer bekam Bonbons und Stifte, die jeweiligen Klassensieger je ein Fußballtrikot mit Strümpfen und die Gesamtsieger noch Wasserpistole und Bücher.
Die Preise
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Während der Preisverleihung schlich ich mich noch schnell aufs Klo, dass man nicht zusperren konnte, weswegen ich wartete bis die Kinder in ihrer Appellstellung sind und nicht weg können. Sicher wie ich mich fühlte stieß ich gleich die erste Tür zum Steh-Plumpsklo auf – und rannte direkt in einen Mann mit Hut, der über, oder genauer gesagt AUF dem Loch, über das man sich normalerweise stellt, SAß!!! Ah, vor schreck lief ich gleich 5 Schritte rückwärts. Was der Mann da trieb konnte ich nicht genau feststellen, weil ich so schnell wieder abgehauen bin, dass ich nichts genaues gesehen hab. Vieleicht war er auch besoffen. Jedenfalls schaute ich, dass ich wieder weg komm. Pfui Deifel!
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Bei der Preisverleihung waren dann auch die Lehrer anwesend, die wir während der Spiele kein einziges mal gesehen haben. Kein Wunder, sie waren nämlich in einem der Klassenzimmer und haben sich besoffen! Vielen Dank. Dementsprechend waren sie dann auch unterwegs, vor allen Kindern sturzbetrunken und haben sich aufgeführt wie auf dem Volksfest. Wir waren echt schokiert. Allerdings waren wir die einzigen die das juckte, die Eltern, die tatsächlich für uns kochten, fanden das wohl total normal. Oh je, hier galt es noch einiges zu verändern. Als das ganze offiziell dann vorbei war, mussten wir noch ca. 3 Stunden warten, weil wir mit unseren Strickkreis-Madres ja noch das Kuchenessen ausgemacht haben. Wir gingen erstmal wieder ins Lehrerzimmer, weil irgendwelche fremden Madres ja für uns gekocht haben. Sogar extra ohne Fleisch, weil sie ja wussten das Anika und Joana keines Essen. Es gab Kartoffeln mit irgend einem grünen Gemüse wo ich leider den Namen vergaß, und es schmeckte richtig gut! Allerdings häuften sie uns einen rießigen Berg auf den Teller, so das wir das beim besten Willen nicht Essen konnten. Ein kleiner, armer Hund lief immer um uns rum, der so abgemagert war, dass man alle Rippen zählen konnte. Er tat uns so leid, das er von uns alle Reste des Essens abbekam. Wir hatten zwar ein schlechtes Gewissen, weil das alles ja extra für uns war, aber wir hätten es eh nicht gepackt und der Hund hatte es um einiges mehr nötig als wir. Außerdem konnten wir so leergegessene Teller präsentieren und was die Madre nicht weis macht die Madre nicht heiß! Gut. Später setzten wir uns wieder nach draußen und warteten auf das Kuchenessen. Währenddessen kamen immer mal wieder Kinder vorbei und wollten unbedingt unserer Säcke, die wir fürs Sackhüpfen verwendet haben, von uns geschenkt. Das ging natürlich nicht, da wir sie ja nochmal brauchten. Endlich, um 3 Uhr tauchten die ersten Strick-Madres auf. Mit einem Kochtopf! Oh nein, bitte, die kochen doch jetzt nicht auch noch für uns? Und der Kuchen? Nach ca. 1 Stunde stellte sich heraus, dass die Frauen tatsächlich für uns kochten und zwar Kartoffeln und Chocho, unser Lieblingsgericht, wie sie wussten. Wie süß! Obwohl wir immer noch proppenvoll waren, konnten wir sie natürlich nicht enttäuschen. Wir bekamen also wieder rießenhafte Portionen ausgehändigt und konnten uns diesmal leider nicht mehr im Lehrerzimmer zum heimlichen Hundefüttern verstecken. Zu unserem einen Hund haben sich mittlerweile schon 4 verhungerte Kameraden und eine Katze dazugesellt, die herzerweichend Miaute. Irgendwie schafften wir es, immer mal wieder eine Kartoffel fallen zu lassen, die die schlauen Viecher unauffällig fraßen. Danach gab es dann natürlich noch den Kuchen, den wir auch noch essen mussten, um den Madres zu zeigen, dass es in Ordnung ist ihn jetzt zu essen. Puh. Nach längeren Verabschiedungen und der Einladung jederzeit wieder nach Jahua kommen zu können, verließen wir schließlich die Schule und kugelten nach Jangas runter. Was für ein Tag!
jjj
28.03.09 Größere Campeonata und größeres Chaos
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Heute war also der ganz, ganz große Tag! Die Campeonata in Jangas. Nachdem es ja jetzt nicht so der Brüller in Jahua gewesen ist, war ich ziemlich aufgeregt. Aber sie sollte ja erst um halb zwölf beginnen und ich hatte an diesem Tag noch was anderes vor, nämlich nach Lima fahren und meine Freundin Kathi am Flughafen abholen, weil sie mit uns in den nächsten 2 Monaten rumreißen wollte. Also hätte ich gerade mal eine Stunde bei der Campeonata, da der Bus um 1 in Huaraz losfuhr. Da ich ja dann fehlte, sollten Carla und Reiyna mithelfen. Ich saß gerade am Frühstückstisch, als es um 8 Uhr an der Tür klopfte. Reyna machte auf, kam wieder und fragte wann denn die Campeonata losginge. Warum? „Es stehen 5 Mädchen aus Mataquita vor der Tür, die wegen der Campeonata gekommen sind“. Was? Na prima. Ich glaubte mich zu erinnern das wir dir Uhrzeit sogar extra an die Tafel geschrieben haben, damit es auch jeder mitkriegt. Ich ging also nach draußen. Vor mir standen unsere Lieblingsschülerin Yulie und 4 weitere Mädels. „Warum sind denn noch keine anderen da, wir sind wegen der Campeonata runtergekommen“. Mein Einwurf, es würde erst um halb zwölf losgehen wurde überhört. Naja, kann ja mal vorkommen, 5 Mädels sind ja leicht in den Griff zu kriegen. Ich marschierte mit der Truppe rüber zu den Vergaras, wo Anika, Joana und Flo wohnen. Diese schliefen noch friedlich und ahnten nichts. Als sie verschlafen vor mir standen war die Freude groß. Wir hatten nämlich noch nichts vorbereitet, geschweige denn wussten wir was wir nun mit den Kindern so lang anstellen sollen. Und Duschen, Zähneputzen usw? Hm. Wir holten die Kinder in den Garten, plazierten den Fernseher und den DVD-Player auf eine Bank draußen und legten einen Film ein. Nicht gerade pädagogisch wertvoll, aber wir wussten uns im Moment nicht weiter zu helfen.
Da warens noch ein paar Kinder weniger
öö
Anika und ich wollten schnell eine Limo kaufen gehen. Als wir zurück kamen, wartete die nächste Überraschung: Auf uns liefen 2 Klassen aus Cahuish zu. „Wir sind da wegen der Campeonata!!“ Das kann doch nicht wahr sein.. Diesmal war ich mir 100% sicher, dass wir 11.30 gesagt haben, sogar zur Lehrerin. Tja, jetzt waren sie schon da, also, rein in den Garten und vor den Fernseher. Der Platz war nun schon ein wenig eng. Die andern gingen schnell Frühstücken und ich blieb kurz mit den Kindern allein. Thomas konnten wir nicht erreichen. Als ich so mit ihnen den Film anschaute, sah ich auf einmal ein Ärmchen durch das Gitter am Eingangstor winken. Oh, oh. Ich ahnte schlimmes. Ich ging runter, öffnete die Tür, und... 10 weitere Kinder standen da. Haha. Prima. Vor dem Fernseher war mittlerweile leider kein Platz mehr. Irgendwie bekamen wir die Kinder dann noch irgendwie unter und ich ging schnell nach Hause um Reyna zu sagen dass wir schon etwas früher mit der Campeonata anfangen. Als ich zurückkam liefen mir bereits einige Kinder wieder entgegen, nach draussen. „Wo wollt ihr denn hin?“ „Wir kommen zurück“. Aha. Tja, ich wusste jetzt leider auch nicht,inwiefern wir nun für die Kinder verantwortlich waren, oder nicht. Jedenfalls warteten andere Kinder noch auf der Treppe. Allein. Toll. Von Flo erfuhr ich dann, dass Anika und Joana gerade heimlich die Preise verpacken. Wo er hinging weis ich nicht mehr, jedenfalls stand ich schon wieder allein mit den Kindern da. Und die hatten mittlerweile das Interesse an dem Film verloren. Sie rannten durch den Garten , setzten sich zu 3. in unsere Hängematten oder verschwanden auf der Straße. Oh mann! Ich sah schon Platzwunden und Gehirnerschütterungen vor mir, weil 12 Kinder aus 4 Hängematten fallen oder beim Treppengeländer runterrutschen unsaft aufkommen. Aaaahhhh! Ich holte die andern, wir mussten jetzt irgendwas machen. Am besten gleich auf den Fußballplatz. Aber es fehlten ja immernoch die Kinder aus Huanja. Wegen denen war das ganze Theater ja eigentlich in Jangas.. Es half nix. Wir schickten Flo nach oben um Thomas in seinem Haus abzuholen und gingen los. Das heist, Anika und ich gingen los und Joana blieb um auf Flo zu warten, damit der weis wo er hin muss. Auf dem Fußballplatz fingen wir an Gruppen zu bilden. Die Kinder aus Huanja sind mittlerweile auch eingetroffen, ganze 5 Stück. Der Rest, der unbedingt bei der Campeonata mitmachen wollte ist schon wieder heim. Heieiei, unsere Kinder verstanden es wirklich uns nach all der Zeit den Abschied um einiges leichter zu machen... naja, es waren ja mittlerweile auch schon genug Kinder da, was solls. Die paar Huanja-Kinder steckten wir also nach Mataquita und wir machten 4 Gruppen, 2 Cahuish-Gruppen mit Kindern von 7 – 9 und von 10 – 12 Jahren und das selbe mit Mataquita/Huanja. Bei der Namenserfassung gabs dann leider schon Probleme, einige sagten ihre Namen gar nicht, andere sagten ihn doppelt, es ging schon wieder lustig zu. Als wir es dann doch geschafft hatten, einigten wir uns darauf, einfach 2 Gruppen gegeneinander antreten zu lassen und nur das erste Spiel – Eierlauf – zu spielen, um das Chaos zu vermeiden. Die anderen 2 Gruppen sollten derweil zuschauen und anfeuern. Auf den Zuschauerrängen konnten wir mittlerweile einige Leher und Eltern vernehmen. Jetzt hieß es eine gute Campeonata absolvieren, damit es nicht peinlich wird. Wir hatten also diesmal eine viel bessere Organisation als das letzte Mal. Zwei von uns (Joana und ich) hatten je eine Stoppuhr um je ein Kind zu messen, Anika und Flo passten noch dazu auf und Thomas stand hinten an der Ziellinie um zu beobachten ob die Kinder auch brav drüber gingen. Am Anfang gings ganz gut, nur dass sich die Kinder aus Mataquita weitaus besser anstellten als die Kinder in Cahuish, die, wenn z.B. ihr Ball runterfiel das Rennen abbrachen und wieder zurück an den Start gingen. Irgendwann wurde es den kleinen Zuschauern dann jedoch langweilig und anstatt anzufeuern, schupften sie lieber die Gegenspieler, oder wenns gar nicht anders ging, auch die Kinder aus ihrer eigenen Mannschafft, damit deren Ball runterfiel. Jedes Mal nach einer neuen Runde musste ich die Kinder wieder hinter die Linie schaffen, weil sie immer wieder ins Spielfeld liefen. Die anderen fingen mittlerweile an auf die beiden Fußballtore zu klettern, die aufgestellt waren. Da der Platz aus Beton war, fanden wir das natürlich nicht so klasse. Erst als uns die Leher zur Hand gingen konnten wir wieder alle auf den Boden holen.. Oh, wei. Mittlerweile sollte dann auch mal jemand von uns losgehen und die Brotzeit für die Kinder holen. Leider hatte ich keine Zeit mehr, weil ich mich jetzt wirklich auf den Weg nach Lima machen musste. Nicht gaaaaanz so traurig verlies ich den Ort des Geschehens.
bei der Preisverleihung
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Die Reise nach Lima und zurück verlief relativ ruhig und nun war Kathi auch in unserem Bunde. Eigentlich waren wir ziemlich müde und wollten nur noch ins Bett, als wir nachts um 9 in Huaraz ankamen. Als wir die Türe zu Reynas Hof öffneten, stand Renzo vor uns und begrüßte mich recht muffelig, was ziemlich untypisch war. Nanu? In der Küche wartete dann eine weitere Überraschung: Carla hatte ein Schild gebastelt, auf dem „Bienvenida Kathi“ (Herzlich Willkommen Kathi) stand. Wie süß. Reyna wollte unbedingt dass wir unser Gepäck gleich nach oben bringen, deswegen schleppten wir unsere Rucksäcke eben hoch. Als ich die Tür öffnete, fiel mir auf, dass irgendwas komisches am Boden liegt. Seltsam. Irgendwann hab ich festgestellt dass es Luftballons sind, es war ja dunkel. Als wir das Licht anmachten, sahen wir auf einmal die anderen: „Überraschung!“ Sie hatten alle Luftballons die noch vom nichtmehr praktiziertem Luftballonzertreten übrig waren aufgeblasen und sich in unserem Zimmer versteckt. Zusammen mit ca. 100 Luftballons. Da das Zimmer ziemlich klein ist, konnte man wirklich sagen dass wir von Luftballons umringt waren. Am tollsten fand das natürlich Renzo. Auf einmal war er gar nicht mehr muffelig, sondern stürzte sich auf die Luftballons und tobte, dass man Angst haben musste er erstickt jetzt dann bald, weil er keine Zeit mehr zum Atmen findet. Der Grund für seine schlechte Laune war auch, dass er gesehen hat, dass jemand in mein Zimmer geht und Reyna ihn eben nicht nach oben lies. „Sag mir die Wahrheit!!!“ rief er, als sie meinte niemand wäre oben und „Mentirossa!!“ (Lügnerin). Heieiei. Nach ca. einer Stunde toben hatten wir dann aber echt genug und wollten endlich schlafen. Jetzt hatten wir noch genau zwei Tage bis wir auf unsere Rundreise gehen wollten und uns verabschieden mussten.
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30.03.09 Abendessen un Abschiedsparty
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Heute war ein ziemlich stressiger Tag. Am Vormittag haben wir gepackt und Mittags waren wir denn zu Omar, dem Bruder von Reyna zum Essen eingeladen, weil dieser Geburtstag hatte. Kathi und ich waren alleine und ich musste mich erst daran gewöhnen, immer für sie zu übersetzen. Die meisten konnten es gar nicht glauben, dass sie nur zum Urlaub machen in Peru war und dachten sie wäre nun unsere Nachfolgerin. Die Suppe und der Hauptgang schmeckten ihr nicht so recht. Kein Wunder, an meinem ersten Tag hätte ich das Zeug auch noch nicht angerührt, mittlerweile aß ich aber sowieso fast alles. Nach ca. 10 Gläschen Wein, die uns noch aufs Auge gedrückt wurden sind wir dann auf nach Huaraz. Wir hatten nämlich noch etwas zu besorgen. Heute Abend sollte eine kleine Party steigen, die wir organisieren mussten. Eingeladen waren unsere Familien, weitere 10 Familien die wir kennen gelernt hatten und natürlich unsere Freunde. Wir besorgten 2 Kisten Bier und 2 Kuchen und hofften das möge reichen. Zuerst waren wir aber zu Thomas Gastfamilie zum Abendessen eingeladen. Es gab Papa Rellena, eines unserer Lieblingsgerichte und wir saßen alle draußen am großen Familientisch. Thomas und Anika sind ja jetzt Taufpaten von Oliver, dem Sohn von Thomas Gastschwester und der war natürlich auch da und völlig begeistert von so viel Besuch. Der Gastvater, Jushti ist immer ein wenig emotional und stimmte auch gleich eine Rede auf uns an. Das er hoffe dass wir uns wiedersehen und dass wir immer in ihren Herzen weiterleben werden. Er schaffte es uns alle zum Heulen zu bringen und so war das Essen eine relativ ruhige Sache. Langsam wurde auch die Zeit knapp, die Party stand bevor. Wir verabschiedeten uns von Jushti und dem Rest der Familie, nicht ohne noch ca. 50 Fotos zu schiessen und liefen nach unten. Die Party sollte im Hof der Vergaras stattfinden, wohin wir nun auch das Bier schleppten. Wir mussten auch noch die Bänke aufstellen und Musik herbeischaffen. Als schließlich alle Familien da waren, waren wir ca. 40 Leute. Ganz schön viel. Der Kuchen reichte genau aus und als wir alles verteilt hatten, musste Thomas noch schnell eine kleine Rede halten. Dann gings los ans Tanzen. Reyna schaffte mir an, mir einen Mann aufzufordern, der mit mir Tanzen sollte. Einer von den Vätern der Famillien. Na toll. Ich lief zu dem nettesten Vater der mir einfiel und forderte ihn zum Tanzen auf. Und.. er sagte doch tatsächlich NEIN. Was? Das geht nicht, ich sagte ihm: „das geht nicht, sie müssen Tanzen“ und wollte ihn auf die Tanzfläche ziehen, da wurde er ganz verlegen und erklärte mir, dass sein Vater vor kurzem gestorben sei und er nicht tanzen dürfe. Ups. Peinlich. Sein Sitznachbar hatte Mitleid und ging stattdessen mit mir Tanzen. Die anderen hatten sich Kinder geholt, Feiglinge. Als das Lied dann aus war, sollte ich schon wieder einen Vater auffordern. Ich sah aber nicht ein immer als einzige für die tanzenden Gäste verantwortlich zu sein und überredete die anderen sich gefälligst auch einen Vater zu schnappen.
Der Abend zog sich so dahin und es war wirklich sehr nett. Nach und nach gingen die Familien dann wieder nach Hause und übrig blieb noch die jüngere Generation, Angel, Juan, Milton, Thomas Gastgeschwister Jamisch und Meira und Milbia, die Tochter von Omar. Nun wurde die Party natürlich etwas wilder, es wurde gut getrunken und vor allem Milton hatte ziemlich einen hinter der Binde. Er wollte ständig tanzen und war sehr anhänglich. Juan, der ja seit neuestem in Anika verliebt ist, tanzte am Anfang mit jeder nur nicht mit mir, je später es jedoch wurde, desto öfter wurde ich dann auch mal von ihm aufgefordert. Der wird mir auch immer ein Rätsel bleiben. Um 3 Uhr machten wir irgendwann mal die Musik aus, weil wir wirklich Hundemüde waren. Ich ging dann auch Heim. Zum Glück. Die anderen tranken nämlich noch ziemlich viel Rum, wie ich am nächsten Tag gehört und an den Gesichtern auch sehen konnte.
Zu später Stunde
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31.03.09 Der letzte Tag
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Jetzt war es also so weit: Unser letzter Tag in Jangas stand bevor. Der Vormittag lief noch ziemlich normal ab, wir packten noch die letzten Sachen zusammen und aßen ganz normal mit Reyna und Renzo zu Mittag. Zum Abendessen wollten Kathi und ich eigentlich Krautkrapfen kochen, weswegen wir uns auf den Weg machten und einen Kohl, als Krautersatz kaufen wollten. Das war natürlich wieder mal leichter gesagt als getan. Ich war an einem einzigen Tag noch nie in so vielen Läden wie an diesem. Aber in jedem bekamen wir das gleiche zu hören: Kohl? Gibt es nicht. Im ca. 300. Laden, wir wollten schon aufgeben, hatten wir dann doch tatsächlich Glück. Wir bekamen einen nicht mehr ganz so frischen Kohl ab und machten uns voller Tatendrang auf den Weg nach Hause. Aber... ich hatte leider etwas vergessen. Den Schlüssel für das Vorhängeschloss an unserer Hoftür hatte ich schon heute Vormittag abgegeben. Und nun war es versperrt. Und niemand weit und breit in Sicht. Na gut, normalerweise ist Reyna in so einem Fall immer kurz beim Einkaufen und kommt sofort wieder. Wir setzten uns also vor das Tor und warteten. Nach 15 Minuten fing es zu tröpfeln an. Na, toll. Also machten wir uns auf den Weg zu den Vergaras. Weitere 10 Minuten später fing es an zu schütten wie aus Eimern. Mir war mittlerweile auch kalt, da meine Klamotten schon durchnässt waren und ich im 10 Minutenabstand immer mal wieder nach Hause lief, um zu sehen ob sie denn schon da wäre. Aber jedesmal stand ich wieder vor dem verschlossenen Tor. Das Problem war, das die Zeit langsam knapp wurde, da wir kochen mussten und unser Bus um halb elf fahren sollte, das heisst wir mussten um halb zehn nach Huaraz und uns davor noch von allen verabschieden. Irgendwann griffen wir zur Notlösung und schickten Flo, der ziemlich lang ist, über die Mauer in Reynas Hof, damit er in die nicht abgeschlossene Küche eintreten kann und den Schlüssel rausholt. Als der erstmal drin war gaben wir ihm unsere Einkäufe, damit er sie schonmal verstauen kann. Aber da hatten wir schon das nächste Problem: Die Küchentür ging nicht auf! Na so was, die ist doch normal nie zugesperrt. „Doch, die geht nicht auf“, Flo war felsenfest davon überzeugt. Mist. Ok, dann musste er eben über die Mauer wieder zurück, die auf der Hofseite jedoch um einiges Höher war. Und jetzt? Wir konnten nichts anderes tun als abwarten. Nach ca. 2 Stunden und weiteren 15 minütlichen Nachschauaktionen war das Schloss endlich offen. Leider war es jetzt auch schon halb sieben. Reyna ist wegen des Regens nicht heimgegangen und hatte ganz vergessen, dass ich keinen Schlüssel mehr habe. Tja. Das wars dann mit den Krautkrapfen. Zum Glück hatten wir aber noch die Weißwürste in der Dose, die mir meine Eltern geschickt haben. Dann sollte es wenigstens die geben, als allerletztes Abendessen. Leider merkte ich schon beim öffnen, dass da was nicht stimmen kann. Die Würste rochen als hätten sie schon kleine Bewohner. Ich schaute auf das Ablaufdatum: genau der heutige Tag. Tja. Ich denke die 2 Monate Zoll haben ihnen vieleicht auch nicht so gut getan. Dann freuten sich wenigstens unser Hund Pulga und die Katze Blanca darüber. Reyna verschwand wieder, um mit Hühnchen und Pommes zurückzukommen. Soviel zu unserer tollen Kocherei. Nun wurde es auch langsam Zeit. Wir packten unsere Rucksäcke und gingen zusammen mit Reyna, Carla und Renzo rüber zu den Vergaras. Dort waren auch schon Thomas mit Begleitung und natürlich Anika, Joana und Flo mit den Vergaras und Angel. Jetzt ging alles sehr schnell. Mit Milton wollten wir nach Huaraz fahren. Wir verabschiedeten uns nacheinander von allen. Natürlich war das wieder seht Tränenreich. Auch Milton-Oma war dabei und sich von ihr zu verabschieden war irgendwie am traurigsten, weil wir sie ziemlich sicher nie wieder sehen werden, auch wenn wir in ein paar Jahren mal wieder zu Besuch kommen. Dann stiegen wir alle ins Auto. Winkten noch einmal und das wars dann. Ciao Jangas, bis irgendwann mal!
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Am Busbahnhof hielt Milton dann noch eine Rede. Das wir die besten Freiwilligen wären, die je in Jangas gearbeitet hätten (na das hörten die vom Cuerpo de Paz aus den USA bestimmt gern) und wir seien ja alle eine große Familie und jederzeit Wilkommen. Dann umarmte er uns nochmal und war weg! Das wars dann. Alles vorbei. Wir standen zunächst ein wenig bedröppelt rum,bevor wir uns dann aber auch wieder freuten. Auf daheim und vor allem auf die 2 Monate Rundreise durch Peru, die uns noch bevorstand. Auf in ein neues Abenteuter!

Freitag, 27. März 2009

Händler und Hefte

Hy, da ich leider immer noch nicht geschafft hab, mal wieder zu schreiben, stell ich einfach meinen letzten Zeitungsbericht rein. Deswegen ist dieser Eintrag auch recht kurz und etwas geschwollen formuliert. Ich versprech aber, das ich jetzt zum Ende von unserer Zeit hier noch einen großen Blogeintrag reinstell, ok? Ich weis nur noch nicht wann.....



Bis bald eure Bine







Da die Sommerferien hier in Peru jetzt gerade vorbei sind, steht für die Familien allerhand zu erledigen an: Die Kinder brauchen neue Schulsachen. Zur Bewältigung dieser Aufgabe stellt jede Schule eine Liste für die Familien aus, auf der das gesamte benötigte Material für das ganze Schuljahr aufgeschrieben steht. Da es sich viele Familien aber nicht leisten können, das alles im Geschäft einzukaufen, fahren die meisten auf den Wochenmarkt in Carhuaz, um ihre Besorgungen zu erledigen. Zufälligerweise gehört ein Marktstand für Schulsachen einer Schwägerin von meiner Gastmutter Regina. Unsere Chance einmal auf einem peruanischem Markt zu verkaufen, natürlich wollten wir dabei helfen. Das alles hatte aber auch einen gewaltigen Nachteil: wir mussten um 04:30 in der Früh aufstehen. Als mein Wecker klingelte, hatte ich nur einen Gedanken: „Nein“. Aber nun war es zu spät, wir hatten schon versprochen dass wir helfen, da mussten wir jetzt durch. Nachdem ich meine Freundinnen Joana und Anika geholt habe, sollte es los nach Carhuaz gehen. Aber wie? Vor uns stand ein kleiner Ford Jetta, der bereits mit unseren 2 Nachbarn und deren kleinen Sohn besetzt war. Einsteigen mussten noch Regina, meine Geschwister Raul und Clara, Joana, Anika und ich. Nach ca. 5 Minuten schmerzhaften hin- und herbeigen befanden wir uns dann tatsächlich alle im Wagen und machten uns auf in das 30 Minuten entfernte Carhuaz. Zu dieser frühen Stunde war dort schon die Hölle los. Von Regina erfuhren wir, dass viele Verkäufer von den Caserios hoch oben in den Anden kommen und schon um halb drei Uhr morgens losmaschieren. Da konnten wir ja noch direkt froh sein. An unserem Stand angekommen, mussten wir erstmal sortieren. Es gab große und kleine Hefte in 4 verschiedenen Qualitäten, die es zu unterscheiden galt, dann natürlich noch kariert, liniert und spezielle linierte und karierte für Schreibanfänger. Und dann noch alles weitere für den Schulalltag, Buntstifte, Lineale, Radiergummi, Kleber, Zeichenblöcke und etwas seltsame Sachen, wie etwa Stoffbälle oder Riesenpapier. Zunächst lief alles ganz ruhig ab, bis wir etwa 9.00 Uhr hatten. Dann kamen auf einmal Scharen von Familien an und wollten ihre ganze Liste abgearbeitet haben. Zuerst wollten die Kunden sich lieber von Regina oder anderen Peruanern die noch mithalfen bedienen lassen, weil sie es uns Gringas nicht zutrauten, dass wir das auch könnten. Womit sie nicht ganz unrecht hatten, da wir die meisten spanischen Begriffe für die ganzen Sachen einfach noch nicht kannten. Aber mit der Zeit hatten wir den Dreh raus und erledigten dann auch alleine die Listen, was aber nicht immer so einfach war. Bei den Zeichenblöcken konnte man beispielsweise nicht einfach irgendeinen hergeben, sondern mann musste die Eltern beraten, ob das Motiv auf dem Cover nun für Jungen oder Mädchen sei. Ein „neutral“ wurde gar nicht erst akzeptiert. Ein Vater drückte mir seine Liste in die Hand, auf der nicht stand ob die Hefte kariert oder liniert sein müssen, sondern für welches Fach diese Hefte sein. Da die meisten Fächer mir nichts sagten, wusste ich auch nicht welchen Hefttyp ich dem Herren einpacken sollte, der nicht unbedingt hilfreich war und mir nur ständig erklärte, dass „con reyes“ liniert heisst, was ich schon wusste, das aber wie gesagt gar nicht auf der Liste stand. Meine Kollegen am Verkaufsstand sagten auch alle was anderes und so brauchte ich für 6 Hefte ca. 10 Minuten. Aber all das nervige hatte auch lustige Seiten. Einige, ca. 18-jährige Jungs kamen 5x an unseren Stand, nur um sich von uns Gringas bedienen zu lassen. Überhaupt waren wir wohl ein ziemlicher Publikumsmagnet, zumindest sagte uns das die Chefin des Standes und dankte uns auch noch gleichzeitig dafür. Um halb sechs Uhr Abends wars dann auch wieder vorbei und wir fuhren müde, diesmal im Colectivo nach Hause. Alles in allem war es ein sehr interessanter Tag und wer kann schon von sich behaupten einmal peruanische Marktfrau gewesen zu sein?

Mittwoch, 11. März 2009

Hochzeit und Horror

Da Milton uns ja nahe gelegt hatte, das wir auf den diversen Fiestas lieber mit Zurückhaltung glänzen und weder trinken noch tanzen sollten, beschlossen wir eine anstehende Hochzeit einfach auszulassen und nicht aufzukreuzen. Die Hochzeit seiner Cousine nämlich! Diese Hochzeit war auch noch eine Hochzeit im ganz großen Stil. Von Reyna erfuhr ich, das über 1000 Mittagessen vorbereitet wurden. Außerdem erfuhr ich, dass das alles im Hof von Miltons Haus gekocht wird, also dort wo Anika und Joana wohnen. Ob Anika wohl schon von ihrem Glück wusste? Sie war ja im Moment allein, da Joana mit ihrem Freund Flo, der gerade zu Besuch ist in Mancora Urlaub machte. Reyna, die kein großer Fan von Milton ist, bot an, dass Anika in der Zeit bei uns bleiben soll, weil es beim Kochen wohl ziemlich abgeht und auch am Tag der Hochzeit und am Tag danach noch in ihrem Hof gefeiert werden soll. Tatsächlich wusste Anika nichts davon und als wir Milton darauf ansprachen meinte er nur „Was? Hier soll gefeiert werden? Blödsinn.“ Komisch nur, dass die Tür zu seinem Haus schon abgesperrt war, damit niemand von den Fremden dort rein kann. Tja, Schade, soviel zum Vertrauen-können. Wir beschlossen an diesem Tag nach Huaraz zu fahren und wollten schön entspannt ins Internet gehen und ein bisschen Einkaufen. Allerdings war Thomas da anderer Meinung, er wollte nämlich gern noch auf die Hochzeit gehen. Nach einigem hin und her sind wir dann also schon ein bisschen früher zurück gefahren. Ich hatte nicht die geringste Lust auf die Fiesta und Anika genauso wenig. Wir gingen erstmal zu ihr und beschlossen bei etwas Rum darüber nachzudenken. Nach dem ersten Glas hatte ich immer noch keine große Lust, deswegen brauchte ich noch ein zweites um darüber nachzudenken. Da sah die Welt dann schon ein bisschen anders aus. Nach dem dritten wars klar, logisch gehen wir auf die Fiesta, so etwas kann man sich doch nicht entgehen lassen, ha! Also, Schuhe an und los gings. Reyna war eh nicht zuhause, keine Ahnung wo die sich rumtrieb.
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Als wir ankamen, war ich erstmal ziemlich überrascht. Obwohl es schon halb 8 Uhr Abends war, war immer noch die Hölle los! Das mit den über 800 Gästen war wohl doch nicht übertrieben gewesen. Der erste dem wir begegneten war Jushty, Thomas Gastvater. Er gab uns allen erstmal eine dicken Schmatzer und erzählte uns im Abstand von 90 Sekunden, dass Thomas sein „Hijo“ (Sohn) sei und dass wir jederzeit in seinem Hause willkommen wären. Nett, aber irgenwann machte ich die Biege, weil ich wissen wollte wer sonst noch so da ist. Also, rein ins tanzende Getümmel. Der erste, der mich am Arm packte war.... Bruno! Das-achte-Weltwunder-Bruno. Wow, den hab ich ja schon total vergessen, wo steckte der denn? Die Antwort kam gleich: in Lima. Oder genauer gesagt: „ich war in Lima und habe die ganze Zeit nur daran gedacht wie es ist dich wieder zu sehen. (Mhm)Und dann komme ich zurück und höre diese schreckliche Nachricht: Du willst mich nicht!!(Nein, nicht doch)Mein Herz ist gebrochen.(der ärmste) Aber... du hast ja noch deine eine Freundin.... Anika. (oh Gott, nein) Sie kennt mich ja noch nicht, aber...“ Zum Glück klopfte mir in diesem Moment jemand auf die Schulter: Reyna. Nanu? Ich dachte sie will nicht auf diese Hochzeit. Naja, ich war jedenfalls froh sie zu sehen. Kurz darauf kam Juan ums Eck. Aber der steht ja jetzt auch schon auf Anika. Tja, die Glückliche. Ich ging erstmal aufs Klo, zusammen mit Anika. Leider stand vor der einzigen verwendbaren Toilette schon eine riesen Schlange schick angezogener und ziemlich beschwippster Frauen. Wir stellten uns dazu und lächelten brav. Der Boden war ein wenig feucht und siffig und ich sagte noch zu Anika im Spaß, dass ich gar nicht wissen wolle, auf was wir da alles stehen als just in dem Moment die Tür nach draussen auf ging und die Brautmutter hereingetorkelt kam. Sie lallte irgendwas und... zog sich vor uns allen ihre Strumpfhose samt Höschen aus und pinkelte auf den Boden. Aaahh. Ich kannte mich gar nicht mehr aus, um Gottes Willen, wie peinlich. Nachdem ich ca. 3x „iihhh“ geschrien hab, mich auf die Zehenspitzen stellte (zum Glück hatte ich Chucks an und eine Hose die mir viel zu lang war, damit ich sie ja auf den Boden schleife und sie sich vollsaugt) musste ich so lachen wie schon lang nicht mehr. Gott war die Besoffen, das es ihr nicht mal mehr was ausmacht wenn sie vor versammelter Mannschaft auf den Boden pinkelt. Die anderen Frauen machten mit und eine legte den Finger an die Lippen und machte „shhh“ wobei sie uns zuzwinkerte. Puh. Ich musste noch lachen als wir schon wieder draussen waren und erzählte Thomas hysterisch was vorgefallen war. Kaum war ich fertig kam ein älterer Herr mit Cowboyhut und bat zum Tanz. Na gut, was solls. Wir tanzten ein bisschen rum und als das Lied dann aus war geleitete er mich zu einem etwas jüngerem mit Krawatte. „Ich stell dir meine Freunde vor, das hier ist mein Cousing“ und schwupps befand ich mich im Tanz mit Mr. Krawatte. Es begann das selbe Lied wie immer: Zuerst wird noch schön gegenüber vor sich hingetanzt. Dann die erste Frage: „Wie heisst du?“, danach kommt „welches Land?“ und danach „was machst du hier?“ und danach das obligatorische „deine Augen sind sehr schön“. Nachdem wir das durch haben wird versucht meine Hände beim Tanzen zu halten. Ich will das aber nicht und zieh sie wieder weg. Macht aber nix, wirds eben nochmal versucht. Also zieh ich meine Hand eben wieder weg. Normalerweise ist nach dem 3. Versuch dann klar dass es nicht klappt. Nicht so bei Mr. Krawatte. Er setzte noch einen drauf und versuchte mich an sich zu ziehen, damit ich mich an seine recht üppige Brust schmiegen kann. Nein Danke. Letzte Chance, wenn er jetzt noch einmal was macht bin ich weg. Auf einmal wurden links und rechts von mir die Leute aus dem Weg geschubst und eine Frau kam angetorkelt. Frau Bodenpinkel-Brautmutter. Sie sah mich an, erkannte mich nach 5 Sekunden, nahm mein Gesicht in ihre beiden Hände und busselte mich ab als ob sie mich schon ewig kennt. Dann verschwand sie wieder, ohne einen Ton zu sagen. Dafür sagte Mr. Krawatte etwas: „Gib mir deine E-Mail-Adresse“ (an-sich-ran-drück). Jetzt reichts. „Tut mir leid, ich habe keinen Computer“, diese Worte sprach ich indem ich ihn wegschupfte. Ich wollte gehen aber er packte mich schon wieder. Zum Glück haben Thomas und Anika, die auch tanzten meine Not erkannt. Thomas, dank seiner Größe kein leichtes Hindernis, schmiss sich zwischen uns. Aber Krawatti lies sich nicht aufhalten, machte einen Bogen und kam wieder. Thomas schmiss sich also mit Anika nochmal rein. Meine Chance. So schnell ich konnte verschwand ich von der Tanzfläche und versteckte mich hinter Juan. Der war mir dann doch noch lieber. „Was ist passiert?“ wollte er wissen. Nix, ist schon gut. „Komm, wir tanzen.“ Hm, was war jetzt da mit Anika?
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Nach einem recht entspannendem Tanz mit Juan wollte ich erstmal Pause machen und mich setzen. Aber nix da. Bruno packte mich und bat mich um ein Wort in der Küche. Meinetwegen, muss ich wenigstens nicht tanzen. Also, was gibts? Er wurde ganz vertraulich: „Ach, ich bin so traurig, dass das mit uns nichts wird. Mein Herz ist gebrochen, bla bla.“ Oh nein, jetzt bitte nicht. „Aber, kannst du mir einen Gefallen tun? Kannst du bei Anika ein gutes Wort für mich einlegen? (spinnt er jetzt?) sie ist ja auch sehr schön. Aber du gefällst mir besser (na prima). Ich heirate sie dann und du kannst bei uns wohnen.“ Oh Gott, und das meinte er auch noch tatsächlich ernst. Ich musste mir wirklich das lachen verkneifen und versprach hoch und heilig mal mit Anika „über seine Chancen zu reden“. Wieder draussen wollte ich mal wieder aufs Klo. Anika begleitete mich und wir warteten mal wieder in einer Schlange. Die Schwester der Braut und eine mir unbekannte Frau kamen rein, sahen die Schlange, sagten irgendwas wie „wir sind alles Frauen und sind alle gleich nicht?“ ich bejahte. „Oder seht ihr da unten irgendwie anders aus?“ Ääähhmm, nein. Während ich mich über dieses Gespräch wunderte, was passierte da wohl? Richtig, die Ladys zogen ihre Höschen runter und pinkelten fröhlich auf den Boden. Das darf doch nicht wahr sein. Oh Gott, das gibts doch nicht. Sie hatten auch noch Sandalen an und die eine pinkelte der anderen wahrhaftig über die Füße. Buah. Diesmal fand ichs nicht mehr so lustig und ging ein wenig geschockt zurück zu den anderen. Thomas tanzte mit mir, weil Mr. Cowboyhut schon wieder angeschlichen kam. Als wir wieder zurück gingen, sahen wir Miltons Oma, wie sie ganz allein auf einem Bänkchen saß. Wir wollten zu ihr gehen. Thomas war als erstes bei ihr und klopfte ihr auf die Schulter. Thomas: „Hallo“, sie: „Deja me en paz, borracho!“ auf Deutsch „Lass mich in Frieden, Säufer“. Autsch. Erst als sie länger hinsah erkannte sie zu wem sie das gerade gesagt hat. Danach freute sie sich total dass wir da sind und wir setzten uns zu ihr. Mr. Cowboyhut nutzte die Chance das ich so nah bei ihm saß um zu versuchen mich zu begrapschen. Der erste Versuch traf meine Schulter was ich dabei belies indem ich ihn ignorierte. Aber ein echter Cowboy gibt so schnell nicht auf. Also nochmal, dismal wars schon der Rücken. Ich haute ihm auf die Finger und verschwand. Langsam begann die Party mich zu nerven. Ich setzte mich auf die andere Seite der Oma, um den nächsten Überraschungsgast zu begrüssen. Und zwar ich-möchte-dass-ihr-euch-wie-Vorbilder-verhaltet-so-wie-ich-Milton. Nur das er ganz vorbildlich der betrunkenste Gast von allen war und kaum noch stehen konnte. Wie war das mit „ich bleibe nur bis zum Essen und gehen dann wieder heim“. Oh Gott, ich war schon wieder stinksauer. Das beste kam aber noch: er sagte doch tatsächlich zu Anika: „ihr geht jetzt besser nach Hause, ihr seid besoffen“. Das ist ja wohl die Höhe. Nachdem Anika ihm erklärte wer von uns hier besoffen war und wer nicht wurde er nicht gerade freundlicher. Irgendwann überlegte er sich dann eine andere Taktik, schnappte sich Anika und zog sie auf die Tanzfläche. Thomas und ich hinterher um sie zu retten und Juan kam auch noch mit. Thomas zog Anika zu sich um mit ihr zu tanzen, während Juan mit mir Tanzte. Allerdings nicht lang, da Anika ja nun sein neuer Schwarm ist und er einen Partnertausch veranlasste. Irgendwann tanzten wir dann zu fünft zusammen, nachdem die kleine Tochter der Restaurantbesitzerin auch noch mitmachen durfte und wir uns alle an den Händen namen. Da nun auch gerade super Lieder liefen, machte das ziemlich Spaß. Leider sah dass auch Milton und es passte ihm wohl gar nicht, dass wir uns ohne ihn so gut amüsierten. Er schwankte immer wieder in unseren Kreis und wollte eine von uns Mädels rausziehen. Das ging so lange bis wir aufgaben und uns wieder setzten. Leider verspürte ich auch schon wieder ein Verlangen. Ich musste aufs Klo. Oh nein. Ich ging allein und als ich die Tür öffnete war ich wirklich froh, dass sich niemand darin befand. Schnell in die Kabine und so schnell wie möglich wieder raus. Leider bekam ich die Tür der Kabine nicht ganz auf. Warum? Richtig, als ich gehen wollte stand eine fröhlich grinsende Frau vor mir und pinkelte auf den Boden. Neeeeiiiinnn. Ich werd verrückt, nie wieder geh ich hier auf die Toilette, wäh. Ich flüchtete so schnell wies geht wieder auf die Tanzfläche um zu vergessen, das meine Hose und auch meine Chucks schon ziemlich feucht waren und ich nicht 100%ig sagen konnte das dies vom Regen kam. Ungefähr bei der Hälfte des Liedes gab es auf einmal einen rießen Tumult. Der Bräutigam war gerade dabei sich zu prügeln und sämtliche Cousins, Brüder und Kumpels schlossen sich an. Zeit für uns zu gehen.
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Als wir Anika bei den Vergaras absetzten war dort noch einiges los. Irgendwelche Leute standen im Hof und wollten in den anderen Zimmern übernachten. Allerdings gab es nur noch ein freies Zimmer mit Bett, nämlich das alte von Thomas. Es stellte sich heraus, dass die Leute die Schwester der Braut samt Familie waren, auch alle sehr gut dabei. Da Anika ihren Schlüssel nicht hergeben wollte, aus Angst vor nächtlichem Besuch in ihrem Zimmer, schlief die gesamte Mannschaft dann eben bei der Oma im Bett. Na dann, gute Nacht. Ich zog erstmal meine Sachen aus, schmiss Hose, Socken und Schuhe für 2 Tage in eine, mit tonnenweise Waschpulver gefüllte Wanne und ging ins Bett, ohne zu wissen was ich genau von diesem Tag halten sollte.

Mittwoch, 11. Februar 2009

19.01. - 23.01 Zusammenfassung


Pequenas Hundebabys

19.01.09 Meerschweinchenfrau und Moralapostel
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Aaah, heut wollt ich erstmal ausschlafen. Montag arbeiten wir immer nur Nachmittags und bei mir Zuhause ist ja keiner – Perfekt! Ich wachte natürlich trotzdem um 8 Uhr früh auf, weil Pulga, unser Hund, vor meiner Türe jaulte. Tja, der hatte Hunger. Ok, ich auch, also erstmal Frühstück holen gehen. Zum Glück wohnt Angel ja gleich gegenüber, dort könnt ich dann ja gleich mal Semmeln besorgen. Ich zog mich schnell in meinem Zimmer um, gut darauf bedacht, dass keiner reinschauen kann und schlappte auf die Straße. Mist. Angel-Bäckerei hatte wohl heute nicht auf. Zumindest war die Tür verschlossen. Der einzige andere Bäcker den ich in Jangas noch kenne, ist der Bräutigam der Silberhochzeit und dorthin wollte ich heute wirklich nicht gehen, da ich mir ziemlich sicher war, dass sie mich gleich zum Frühstücken einladen würden und ich wollte ja eigentlich nur wieder ins Bett. Also bin ich einfach mal planlos die Straße entlanggelaufen und überlegte mir wo ich noch Brot oder anderes Frühstückstaugliches herbekommen kann. Ichkonnte leider auch kein Spiegelei oder keinen Brei machen, weil ich noch kein Gas gekauft hab und deswegen mit meinem Ofen nichts anfangen konnte. Mist. Im nächsten Laden der offen hatte versuchte ich mein Glück. Dort gab es zwar kein Brot, dafür aber Obst. Also kaufte ich ca. 5 Kg Obst, zwei riesen Flaschen Wasser (kann das Leitungswasser ohne Gas ja nicht abkochen), Marmelade, Kaffee und ein Experiment für meine Tiere: Tunfisch. Die Frau im Laden fragte mich, ob ich in die Berge reise. „Nein, ich wohne nur für zwei Wochen alleine“, kam meine stolze Antwort. „2 Wochen? Du hast für 4 Wochen eingekauft“. Ups. Naja, jetzt übertreibt se aber. Ich packte meine 2 Tonnenschweren Tüten und wollte noch Brot suchen. Es gab keins. Auf dem Weg zurück zum Haus, sah ich jemanden vor der Vergara-Tür rumstehen. Sonia. Oh nein, wenn die sieht was ich alles gekauft habe lästert sie entweder über mich (und vermutet am Ende noch Juan bei mir, der mit Frühstückt) oder über Reyna, weil sie einfach abhaut und mich allein lässt. Also drehte ich wieder um und machte einen ewigen Umweg zu meinem Haus. So, geschafft. Tja, werd ich mich heute eben mit Obst vollstopfen. Zuerst öffnete ich aber den Tunfisch. War ja gespannt wie der ankommt. Das Ergebnis war Überwältigend. Pulga hat sein Schüsselchen so schnell leergefuttert und auch schon alle Krümel auf dem Boden gesucht und gemampft, bevor ich es überhaupt der Katze hinstellen konnte. Die Miaute schon wie verrückt. Natürlich hatte sie ihre Portion kaum vor sich, da kam schon Pulga angerannt und wollte alles selber futtern. So gehts natürlich nicht, das Katzenviech sieht eh total krank und abgemagert aus. Ich öffnete schnell die nächste Dose, die wieder in Null komma nix weg war. Schön. Nun zu mir. Ich machte mir einen riesen großen Obstsalat, der mich wirklich vollstopfte und schlurrfte wieder ins Bett. Es war erst neun, eine Stunde könnt ich schon noch schlafen. Die Tür lies ich ein bisschen offen und legte mich ins Bett. Kaum eingedöst hörrte ich nur „Rumms. REYNA!!!“ Oh nein, wer ist denn das jetzt. Wahrscheinlich die Frau die immer die Meerschweinchen füttert, von der sie mir erzählt haben. Ich machte die Tür auf. „ist Reyna nicht da?“ „Nein, die ist in Lima. Sind sie die Meerschweinchenfrau?“ „Nein, ich bin hier um den Aji zu waschen“. Aha. Na gut, ich lies sie waschen was auch immer sie wollte und ging wieder ins Bett. Als sie weg war, hatte ich ca. 30 Min. Ruhe. Dann: „Rumms, rumms, SENORITA“. Ah, das musste Frau Meerschwein sein, immerhin wusste die, das ich allein bin. Ich lies sie rein. „Hab ich dich geweckt?“ „Hmm, jaaaaa, aber....“ „Ja, ist ja eh schon Zeit, nicht?“ Klaro. Ich gab auf. Leider konnte ich aber nicht arg viel mit meinem Tag anfangen, weil es total ekliges Regenwetter war und das Wasser das aus der Leitung kam war irgendwie komisch braun und roch faulig. Ich wollte weder Geschirr spülen noch Wäsche waschen. Also beschloss ich rüber zu den anderen zu gehen. Als ich ankam, begrüsste Anika mich schon mit den Worten „das Wasser ist verseucht und wir haben es gestern getrunken. Wir haben Bauchschmerzen“. Puh, dacht ich mir doch dass mit dem Wasser was nicht stimmt. Zum Glück hab ich davon nichts getrunken. Zur Mittagszeit ging ich nochmal heim, um meine Viecher zu füttern. Um zwei sollte es ja nach Cahuish gehen. Als ich wieder zu den Vergaras ging, erwartete mich eine schlechte Nachricht: Anika und Joana kommen nicht mit, weil sie Bauchschmerzen haben. Also müssen Thomas und ich allein ran. Traumfänger basteln. Oh mann. Das Wetter war wirklich mehr als ekelhaft und ich wäre am liebsten auch daheim geblieben, weil wir den Unterricht draussen halten mussten. Außerdem haben wir ja keinen Unterricht vorbereitet und es waren immer noch Anika und Joana die am besten Spanisch sprechen. Tja, hilft aber nix, die Kinder warten ja. Also schlappten wir zu den Taxis, ich ziemlich Miesgelaunt. Dort gab es erstmal wieder geteilte Meinungen wegen des Fahrpreises. Mann, wie mich das wieder nervte.Wir fahren jeden Tag in ein Caserio und zwar immer mit den selben Taxifahrern. Sie wissen dass wir die Kinder hier freiwillig unterrichten und eigentlich helfen wollen. Troztdem wollen sie uns jedesmal wieder abzocken. Nachdem wir den Preis mühsam runtergehandelt haben, gings ab nach oben. Bäh,dort wardas Wetter natürlich noch schlechter. Zuerst sahen wir auch nur 2 Kinder die da waren. Na Prima, mit denen machen wir jetzt Ratzfatz zwei Traumfänger und dann können wir wieder gehen. Als ich grad erklärte, wie das vor sich geht, kamen einige Mädchen an. Nun ist in Cahuish das Problem, das dort überwiegend Quechua gesprochen wird und die Kinder spanisch erst in der Schule lernen. Wir sind uns bei den kleineren immer nie sicher,ob sie uns überhaupt verstehen. Aussedem reden sie nicht gern mit uns, weil sie schüchterner und verschlossener sind als die Kinder in den anderen Caserios. Deswegen brachte ich auch kein einziges Kind dazu, die erforderlichen Stecken für die Traumfänger zu suchen. Na schön. Musste ich eben selbst ran. Im Regen. Super. Gott, war ich schlecht drauf. Dazu taugten dann auch alle Stecken nix, weil sie ständig auseinanderbrachen. Als ich endlich genügend gefunden hab, kamen noch mehr Kinder. Aaah. Normalerweise freut uns das, aber heute war ich schlecht drau und schlicht und einfach überfordert. Als ich endlich wieder alle Stecken hatte, alle bei den Kindern zu einem Kreis zusammengebunden waren und alle Fäden ausgeteilt, waren einige Kinder schon wieder fertig, obwohl die Perlen noch gar nicht ausgeteilt waren. Andere verstanden es auch beim 10x erklären nicht und vermurksten ständig immer alles. Und es kamen immer neue Kinder. Wir versuchten es so gut wie möglich wieder hinzubiegen, aber die meisten Traumfänger waren leider für die Katz. Als dann endlich, endlich alle fertig waren, rief ich bei Taxi-Roy an, damit er uns abholt. Ja, ok, in 20 Minuten ist er da. Fein. Kaum aufgelegt, klingelte mein Handy wieder. Taxi-Roy. Er nuschelte irgendwas, von wegen wir müssen sicher warten wenn er kommt und anderes Auto. Ich verstand gar nix. Will er mit einem anderen Auto kommen? Kommt er überhaupt? Ich versprach zu warten und hoffte dass er jetzt dann bald kommt. 2 Minuten später wusste ich was er wollte. Ein anderes Taxi kam vorbei. Das war also das andere Auto und er wollte fragen, ob wir mit dem fahren oder mit ihm, wobei wir aber dann sicher warten müssten. Na toll, weil ich wieder nix verstanden hab, müssen wir jetzt länger warten und auch noch mehr zahlen, weil er extra wegen uns nach oben kommt. Mann, ich will heim. Nach endlosen 20 Minuten, in denen wir in der Kälte warteten und die Kinder uns irgendwas auf Quechua erzählten und sich deswegen totlachten, kam er endlich. So, nix wie runter.
***
Zurück in Jangas hätte ich alles für eine Suppe gegeben, aber Joana,die meine Herdplatte hatte, schlief. Also blieb ich miesgelaunt. Dann klarte es allerdings ein bisschen auf und wir beschlossen mit Dolly und auch Pulga, wenns klappt, Gassi zu gehen. Dolly lief natürlich brav mit, aber Pulga hatte total viel Angst vor der Leine, weswegen wir ihn hier liesen. Unterwegs kamen wir an der Angel-Bäckerei vorbei. Und es gab ganz ganz frische Hörnchen. Mhh, die rochen bis zu uns rüber. Ich kaufte gleich 6 Stück, für den nächsten Morgen gleich mit und wir liefen ein Stückchen mit unserer Dolly, die wieder mal alle Rüden verrückt machte. Natürlich fing es dann auch wieder zu regnen an und wir eilten zurück. Wir trafen nur eine einzige Person auf dem ganzen Weg: Juan. Als wir ihn grüßten schaute er nur mir in die Augen. Ich fragte mich, ob die Leute zu ihm jetzt auch ständig so einen Blödsinn sagen und was er wohl davon hält. Ich hoffe er denkt nicht selber auch, das aus uns doch noch was werden könnte. Schnell weiter. Wieder daheim machten wir einen weiteren Mädelsabend, diesmal jedoch bei Joana, weil Milton mit uns reden wollte. Der holte weit aus. Irgendwo in der nächsten Stadt seien andere Freiwillige aus Corea, die uns unbedingt treffen wollen. Dann gings noch um ein Fußballspiel zwischen unseren Schulen, das wir organisieren sollen. Und dann druckste er rum. Es geht darum, dass die Freiwilligen hier sind, auch etwas präsentieren sollen. Wir sind sozusagen öffentliche Personen. Ach ja? Davon hab ich aber noch nicht viel mitgekriegt, die meisten Leute hier wissen noch nicht mal das wir Freiwillige sind. Die meinen tatsächlich wir sind Touris, denen es hier halt sehr lang gefällt. Das stimmt, ich hab schon mit vielen Leuten darüber gesprochen. Milton sieht das anders. Er meint wir sollen gut aufpassen was wir machen. Ohoh, worauf will er hinaus? Zum Beispiel mit den Fiestas (wusst ichs doch). Es ist besser, wenn wir, falls wir eingeladen sind, nur zum Essen und noch ganz kurz danach bleiben und dann nach Hause gehen. Ähm, wie bitte? Das ist ja wohl total bescheuert. Erstens ist es ja wohl mehr als unhöflich, das Essen reinzumampfen und danach zu verschwinden und ausserdem war er es doch immer, der meinte wie schön es ist, dass wir so am Dorfleben teilnehmen. An der Taufe fand er es noch ganz toll, das wir nochmal gekommen sind und nun das? „Ja, und das mit dem Tanzen. Dann meint jeder, dass ihr immer nur trinkt und tanzt auf den Fiestas“. Aha. Nun, was anderes macht man da auch nicht. Ich verstand gar nix mehr. Das Tanzen ist super. Auf der Silberhochzeit waren alle total begeistert. Ich hab ja nicht umsonst ca. 20 Einladungen von den Familien zum Mittagessen gekriegt. Und Milton selbst hat ja schon 100x mit uns getanzt. Ich befürchtete, das ich Schuld daran bin, dass er aufeinmal so anders denkt und fragte ob „wir“ auf der Silberhochzeit irgendwas falsch gemacht haben, nicht ohne zu erwähnen, dass wir ja immerhin geholfen haben beim Essen und Trinken austeilen. „Nein, nein, ich mein ja nur“. Ja klar. Weiter gings: in so einem kleinen Dorf wird oft gelästert und es werden viele Gerüchte weitergereicht. Wir müssen da aufpassen. Mann, ich wurde langsam ein bissl sauer. Immerhin hat er ja die „Sabine hat Juan geküsst“- Story auf den Markt gebracht, auch wenn er es nicht zugeben will und das ist ja das oberfalsche Gerücht überhaupt. Wir blieben dabei. Seit wir auf die Fiestas gehen, kennen wir wenigstens ein paar mehr Leute. Außerdem kommt es ja wohl blöder, wenns dann wieder heisst, das die Gringos immer nur zusammen sind und sich gleich wieder nach Hause verziehen. Wir wollen ins Dorf integriert werden und Freunde finden und nicht irgendwelche besonderen, „öffentlichen“ Personen sein. Außerdem trinken wir nicht halb so viel wie alle anderen Leute hier. Wir verblieben dann auch so. Milton war nicht sehr zufrieden, aber es ist ja wohl unsere eigene Sache. Am 31.01. ist wieder eine Taufe und zwar von Daniela, meiner Cousine. Ich beschloss an diesem Tag einfach kein einziges Glas Bier zu trinken, auch wenn sie es mir mit aller Gewalt unter die Nase halten und auch sonst ganz brav zu sein. Tanzen werde ich trotzdem, nur nicht mit Juan. Gottseidank war der Tag heute dann bald vorbei.
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20.01.09 Pommes und Pulgas (Flöhe)
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Heute gings nach Jahua, wieder bis um 17 Uhr Nachmittag. Deswegen machte ich mir in der Früh noch ein Sandwich. Kurz bevor wir nach oben fuhren, kauften wir uns auch noch Chocho, das wir Mittags essen wollten. Als wir oben ankamen, waren wieder haufenweise Kinder da. Wir wollten diesmal mit den ganz kleinen Traumfänger basteln und mit den Mittleren jetzt auch Englisch machen. Zuerst mussten wir dafür jedoch wieder Stecken suchen. Wir folgten also den Kindern nach draussen, weil sie uns zeigen wollten, wo man diese am besten finden kann. Wir kletterten über ein Mäuerchen und standen – mitten auf dem Friedhof. Mh, wie schön. Hier läuft man jedoch immer ganz ungeniert zwischen den „Gräbern“ hin und her, deswegen störte es auch keinen. Als wir genügend Stecken hatten, konnte es los gehen. Hier lief es um einiges besser als gestern in Cahuish. Ich war sowieso wie ausgewechselt, weil das Wetter endlich wieder besser war und die Kinder in Jahua einfach super lieb. Auch hier waren einige Traumfänger am Ende ziemlich verhauen, aber die meisten sahen gut aus und den Kindern hat es Spaß gemacht. Der Englischunterricht mit den mittleren lief auch gut. Wir stellten uns auf Englisch vor und machten die Zahlen bis zehn. Danach hatten wir Mittag und zwar 3 Stunden lang. Wir setzten uns in die Sonne und ich aß mein Sandwich und mein Chocho und fühlte mich voll bis zum platzen. Außerdem mussten Joana und ich aufs Klo. Wir versuchten unser Glück bei der öffentlichen Toilette im Ort, die leider wieder mal zu war. Also gingen wir in den einzigen Laden den es hier gibt und fragten die Frau, ob wir bei ihr mal aufs Klo dürfen. Sie zögerte, sagte aber dann doch ja. Sie führte uns in eine Art überdachtem Hinterhof, in dem neben einem großen Waschbecken und einer Feuerstelle auch das Klo zu finden war, ein Stehklo, mitten in dem Hinterhof, mit 3 Wänden und einer Seite offen. Wenn man sich an die Feuerstelle stellt, konnte man Wunderbar ins Klo hineinsehen. Das war wohl auch der Grund, warum sie zuerst so zögerte. Während ich auf Joana wartete, ging die Frau zu ihrer Feuerstelle. „ich habe gerade gekocht. Habt ihr schon gegessen?“ Ich bejahte. „Ach, bisschen was geht schon“, sagte sie und schaufelte mir einen rießen Teller voll mit Pommes. Cool, ich war zwar schon super satt, aber die Pommes waren echt lecker. Joana und ich setzten uns zu ihr und sie erzählte uns, dass sie einmal in der Woche runter nach Huaraz fahren muss, um die Sachen für ihren Laden zu besorgen. Und wir erfuhren auch, dass sie und alle anderen nur 7 Soles fürs Taxi zahlt und nicht 10, wie es für jeden sein soll, laut den Taxifahrern. War ja klar. Während sie uns noch erzählte, dass ein Cuy 15 Soles kostet, ein Hühnchen nur 7 und ein großes Schwein 400 Soles, schaufelte sie uns noch eine Portion Pommes auf, obwohl wir wirklich nichts mehr wollten. Wir trauten uns aber nicht es stehen zu lassen und auch nicht die anderen zu holen, weil wir nicht wussten, ob sie das unhöflich findet. Dazu gabs dann in einer Tasse noch irgend ne Weizensuppe. Die war zwar echt lecker, aber ich musste mir am Schluss dann schon alles runterwürgen. Als wir schließlich wieder zurückgingen, dachte ich, ich muss sterben. So viel auf einmal hab ich, glaub ich, noch nie in meinem Leben gegessen. Puh. Während wir noch auf die nächste Stunde warteten, schrieben wir uns ein paar Quechua-wörter auf. Um 15 Uhr gings dann weiter mit den größeren zum Englischunterricht. Wir wiederholten die Zahlen und machten noch die Farben. Einige wissen schon ziemlich viel und es macht Spaß mit ihnen zu arbeiten. Nun kam noch die Stunde mit den Müttern dran. Wir dachten eigentlich, dass sie kommen und das Strickzeug vom letzten Mal wieder mitbringen. Allerdings waren alle schon fertig mit Stricken und beschwerten sich nur, dass unsere Wolle nur für ganz kleine Sachen gereicht hätte. Na toll. Diesmal hatten wir keine dabei, weil wir es uns nicht ganz leisten können, jedesmal für 30 sehr Strickfreudige Frauen, die alle Pullover stricken wollen Wolle mitzubringen. Das nächste Mal sollte es erst wieder was geben. Hm, und nun? Wir fragten sie, ob sie uns ein bisschen Quechua beibringen möchten. Also setzten wir uns zusammen und fragten nach Wörtern. Nur war das leider nicht so einfach wie gedacht. Entweder sie verstanden uns nicht, wenn wir fragten, oder wir verstanden sie nicht. Schreiben kann dort fast keine und wir schrieben alle Wörter bestimmt total falsch auf. Oft gab es das Wort, dass wir suchten in Quechua auch gar nicht, oder sie haben es vergessen. Wir füllten mühsam 2 Blätter und dann war die Stunde auch schon wieder aus. Trotzdem war es ganz lustig und wir versprachen auch, das nächste Mal wieder mehr Wolle mitzubringen.
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Abends waren wir wieder bei Joana. Sie und Anika haben seit einiger Zeit immer Stiche am ganzen Körper, die schrecklich jucken und wir vermuten deswegen Flöhe, die von Dolly kommen. Als wir so darüber redeten, klingelte mein Handy. Ich vermutete Reyna, die schon ewig mal anrufen wollte und war überrascht, als eine Männerstimme dran war: Juan. Oh Gott, das der mich tatsächlich noch anruft hätt ich ja nie erwartet. Er fragte, ob wir denn jetzt ins Thermalbad gehen. Ich verstand ihn leider so schlecht, dass wir die ganze Zeit aneinander vorbei redeten. Wir machten dann unter Ach und Krach aus, dass er sich mit mir und vor allem auch mit den anderen morgen um 8 Uhr abends trifft, damit wir darüber reden können. Hm, ich habs ihm ja versprochen, aber ob das wirklich so schlau wär? Naja, mal morgen abwarten, da können wir dann wenigstens gescheit reden.
jjj
21.01.09 Masken und Meisterbäcker
kkk
Juchu, heute gings wieder nach Atupa, unsere Lieblingsschule. Zuerst hatte ich aber um 8 Uhr morgens noch ein Treffen mit Milton, weil er mir helfen wollte, Gas zu kaufen und anzuschliessen. Das war gar nicht so einfach, weil der komische Aufsatz zu klein war. Es strömte beim Versuch des anschliessens ziemlich viel Gas aus und die ganze Küche stank. Milton trollte sich wieder und brachte irgend einen anderen Aufsatz. Der passte. Dann erklärte er mir, wie man das alles richtig bedient. So wie sich das anhörte, ist es ziemlich gefährlich mit Gas zu kochen und ich trau mich fast gar nicht, das Ding auf zu machen. Trotzdem freute ich mich auch, weil ich jetzt endlich wieder Wasser abkochen und mir vor allem was zu Essen machen kann. Nun aber erstmal nach Atupa. Wir wollten die Luftballonmasken machen, die wir schon in Jahua probiert haben. Leider waren diesmal nur 3 Schüler da, aber das störte uns nicht weiter. Auf dem Campo packten wir unsere Utensilien aus und begannen mit dem bekleben des Luftballons. Edith war heute total aufgedreht und machte die ganze Zeit blödsinn. Als unsere Ballons trocknen sollten, spielten wir „Jägerball“, ein Spiel, bei dem einer der Jäger ist und mit dem Ball die anderen abschiessen muss. Wer getroffen ist, wird selbst zum Jäger. Ich rannte genau 30 Sekunden, dann war ich so fertig, dass ich dachte ich werd nicht mehr froh. Wow. Man gewöhnt sich wohl nie an die Höhe, das ist ja der Wahnsinn. Zum Glück wurde es bald Zeit die Ballons zu bemalen. Als wir sie gerade holten, kam noch ein anderer Junge, den wir aufforderten zu uns zu kommen. Leider hatte er ja nun keinen Ballon. Ich gab ihm meinen und während die anderen ihre Masken bemalten, malte ich einfach eine Blumenwiese auf einen normalen Ballon. Dann wurde es Zeit die Ballons aufzuschneiden. Zum Glück hat es bei jedem geklappt. Nur setzten sich alle die Masken lieber auf den Kopf, als vor das Gesicht, so dass sie aussahen wie Calimeros. Lustig war es aber schon. Als wir um 12 gehen wollten, liefen wir an einigen Eltern vorbei, die Mittag aßen. Sie riefen uns zu sich her und servierten uns noch bevor wir wussten was los war, einen rießen Teller irgend einer Pampe. Es schmeckte ganz gut, allerdings war die Menge in dem Teller bestimmt 2,5 Liter. Wir sagten zwar wir wollten zusammen nur einen, bekamen aber dann doch 3. Zum Glück gingen die Schüsseln aus, sonst hätten wir 4 bekommen. Wir aßen und aßen und es stopfte und stopfte und wurde nicht weniger. Puh. Als wir endlich fertig waren, bekamen wir auch noch 2 Schüsseln sehr fettiger Suppe. Auch die war lecker, aber mal wieder viel zu viel. Wir trauen uns aber immer nie nicht aufzuessen. Noch dazu erzählten uns die Frauen die ganze Zeit, wie arm sie wären. Also aßen wir brav alles auf, wenn sie uns schon von ihrem Essen abgeben und lobten ihre freundlichen Kinder.
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Jetzt aber nach Hause. Ich war schon wieder kurz vorm platzen und war froh, dass es bei uns kein Mittagessen gibt, weil ich ja allein bin. Nachmittags sollten wir uns eigentlich mit dem Bürgermeister treffen, deswegen fuhren wir extra nicht nach Huaraz. Allerdings hatte er keine Zeit und wir beschlossen spontan Kuchen zu Backen, mit meinem neuen Herd. Wir kauften alles was wir brauchten und freuten uns auf einen Apfel-Schlupf-Kuchen. Mhh. Leider vergasen wir dabei, dass wir hier ja kein Rührgerät haben. Also, alles mit der Hand zammrühren. Der Teig sah deswegen auch sehr komisch aus, die Eier hatten Klumpen und ich hatte wenig Appetit auf dieses Gemisch. Nachdem Joana ca. 50 Minuten gerührt hat, sah das ganze aber schon besser aus. Todesmutig feuerten wir den Herd an und stellten das gute Stück hinein. Es sollte 40 Minuten backen – wir brauchten 2 Stunden. Währenddessen warteten wir die ganze Zeit darauf, das die Angel-Bäckerei frische Hörnchen hat. Die gabs aber auch nicht. Wir liefen 4x rüber, aber 4x wurden wir enttäuscht. Als der Kuchen dann fertig war, war er leider unten schon ein bisschen verbrannt. Trotzdem roch er super gut. Wir holten ihn recht mühselig aus der Form und deponierten ihn in Stücken auf einen Teller. Nun noch einmal zur Angel-Bäckerei. Wir packten noch ein Stück für seine Mutter ein und gingen los. Sie sah uns schon und fragte, ob wir die alten Hörnchen von heut morgen, oder die frischen, warmen wollten. Was für eine Frage. Als wir ihr unseren Kuchen schenkten, freute sie sich wie ein Kind und gab uns im Gegenzug dafür noch 2 Semmel umsonst. Schön. Freudig gingen wir zurück und – überraschten unseren Hund Pulga, wie er auf dem Tisch saß und Kuchen stibitzte. Ich hab gedacht ich seh nicht recht! Allerdings ist Pulga so süß, dass wir nicht lang sauer waren. Der Kuchen war echt lecker und wir packten die restlichen Stücke, um sie zu den Vergaras zu bringen. Sonia saß draussen mit irgend einem Kerl und sie bekam das erste Stück. Ich hoffte sie würde bald verschwinden, denn wenn sie sehen sollte, dass ich mich mit Juan treffe, aus welchem Grund auch immer, spinnt sie sich wieder irgendwas krankes aus. Diese Frau kann mich schon ziemlich nerven. Als wir in unseren Hof gingen, waren dort 3 fremde Kinder, die sich in unsere Hängematten schmissen. Wahrscheinlich wieder irgendwelche Cousins und Cousinen. Die Oma war mit den Eltern der Kinder hinten im Waschof und diskutierte irgendwas. Irgendwann kamen sie dann nach vorne und eine, mir unbekannte Frau sagte „Hola Sabine“ und legte mir die Hand auf die Schulter. Eine etwas jüngere Frau erkannte ich als eine Cousine von Milton. Sie fragte: „Welches Zimmer war das von Thomas?“ und als wir auf sein altes Zimmer zeigten, sperrte sie die Tür auf und stifelte hinein. Seltsam. Kurze Zeit später trollten sie sich. Was war das denn nun? Die Oma kam zu uns und meinte, das diese Leute bei uns (oder eher bei Joana und Anika) einziehen wollten und dass sie jetzt nicht mehr das große Bad benutzen dürften, sondern hinten ins Oma-Klo umziehen sollten. Ähm, wie bitte? Was soll dass denn und vor allem, Anika und Joana zahlen ja Miete, die kann man doch dann nicht einfach aus dem Bad schmeissen. Die Oma fing zu weinen an und erzählte, dass sie nicht will, dass irgendwelche Leute hier einziehen, weil sie sonst Angst habe. Wir beschlossen erstmal mit Milton zu reden, weil es uns schon ziemlich spanisch vorkam, dass von heut auf morgen einfach irgendwelche Leute einziehen. Ich ging wieder nach Hause. Um 8 sollt ich mich doch mit Juan treffen. Oder wars um 7? Verdammt, ich wusste es nicht mehr. Und Sonia saß auch noch draussen rum. 7 Uhr ging vorbei, ohne dass jemand kam. Also, entweder wars doch um 8, oder er war schon da und hat sich wieder verzogen. Als es dann 8 Uhr wurde, bin ich mit Anika und Joana nach draussen. Und da saß er dann. Mit DVDs. Ach Gott, das wollte er also machen. Als er fragte wann wir ins Thermalbad können erzählten wir ihm, dass wir am Samstag nach Pastoruri, einem Gletscher hier in der Nähe gehen wollten und fragten ob er mit will. Er könnte uns ja ein bisschen rumführen, wenn er dort schon mal war. Er stimmte zu und wollte auch noch Angel fragen, Prima. Ich freute mich, denn obwohl es mich nervt, dass mir jeder mit ihm was anhängt, find ichs cool, wenn wir endlich mal ein paar neue Freunde finden und nicht immer nur mit Milton rumhängen, sondern auch mal mit anderen. Wir luden ihn noch kurz zu uns ein und gingen dann um neun wieder zu Milton, weil er uns ja noch erklären sollte, was das mit den neuen Mietern in unserem Haus auf sich hat. Um 11 Uhr abends kam er dann endlich. Er erzählte, dass hier niemand reinkommt und dass die sowieso nicht einziehen wollten, weil die Küche fehlt. Aha. Und wer hat die dann angeschleppt? Egal, so lang niemand fremdes einzieht ist alles ok.
jjj
22.01.09 Blumen und Blödsinn
jjj
In der Früh brachte Milton uns noch Holz, weil wir heute in Mataquita mit den Mädchen sticken und mit den Jungs Holzarbeiten machen wollten. Also, auf gings. Leider waren zwar viele Mädels, aber nur 2 Jungs da. Wir teilten uns trotzdem auf und Anika und ich stickten zusammen mit den Mädels, während Joana und Thomas Kisten aus Holz aussägen und bauen wollten. Für meine Stickerei zeichnete ich eine mehr oder weniger gelungene Hawaii-Blume auf Papier um diese dann auf mein Tuch abzupausen. Einige Mädels wollten auch meine Blume, aber wir sagten ihnen, sie sollen sich selbst ein Motiv aufzeichnen. Ich war trotdem ein bisschen stolz, dass meine Blume ankam. Bis ich die Blumen der Mädels sah. Die waren so perfekt und schön gezeichnet, dass ich sie ihnen sofort abgekauft hätte. Naja, ich wollte erstmal zum Sticken anfangen und dann kucken wies aussieht. Die Mädels sind ja grad mal 10, da werden wir ungefähr gleichauf sein. Ich stümperte also so vor mich hin und war ganz zufrieden mit mir und meiner Blume. Nach ca. einer Stunde, ich war immer noch am Blütenblattsticken, zeigten uns die Mädels ihre bisherigen Erfolge. Aaaaahhh, ich dachte ich seh nicht recht. Mit irgend einer, hochkompliziert aussehenden Technik, hatten sie Murksfrei und in Windeseile ihren Blütentraum auf das Tuch gezaubert. Wenn ich da meines so ansah... Mir war das gleich richtig peinlich. Ich versteckte es so gut es ging und war froh als es endlich 12 Uhr war und wir aufhören mussten, um noch eine Stunde Deutschunterricht zu geben. Das hat Spaß gemacht. Und es war wirklich das erste Mal, dass unser Sorgendorf Mataquita mit Begeisterung bei der Sache war. Wir begannen mit „Hallo, ich heisse....“ und „Wie heisst du?“, reihum, so wie wir es sonst immer im Englischunterricht machen. Dann lernten wir noch die Zahlen von 1 – 5 und weil es so gut klappte, auch noch von 6 – 10. Als wir zurück zur Straße gingen, trafen wir auf Hernando, der seltsamerweise die letzten beiden Male nicht gekommen ist, obwohl er immer unser Musterschüler war. Die Mädels haben uns beim letzten Mal erzählt, dass er, Lindo und Edison, der auch nicht mehr kommt, ihren Ball geklaut hätten, den wir den Mädels geschenkt haben. Das ist schade, denn die Jungs haben alle ihren eigenen gekriegt und die Mädels nur einen für alle und den haben die Jungs jetzt auch noch geklaut. Lindo ist cool und lässt sich nicht verunsichern, aber Edison und Hernando kommen nicht mehr in den Unterricht, weil sie wissen, dass wir sie schimpfen, wegen dem Ball. Tja, Pech für Hernando, dass er uns jetzt über den Weg lief, mit einer Henne im Arm. Anika schoss gleich los: „Wo ist der Ball der Mädels“. „ich hab ihn nicht, Edison hat ihn“. „Dann sag Edison, er soll ihn bringen“. „Ich treff ihn nicht mehr, der ist in Huaraz und kommt nicht mehr“, sagt er doch knallhart und grinst dabei. Anika war ziemlich sauer, sagte er soll nicht Lügen und den Ball beim nächsten Mal bringen, sonst krachts. Als Hernando ging fragte ich ihn, ob er zur nächsten Stunde kommt. „Nein, bestimmt nicht“, sagte er und ging. Wow. Schade, ihn mochte ich immer am liebsten, gerade weil er so brav war und jetzt das. Mataquita ist einfach seltsam. Ich bin froh, dass wir noch andere Schulen haben. Den Ball sehen die Mädels wohl auch nie wieder. Tja.
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Zuhause sind wir ziemlich bald nach Huaraz gefahren. Wir wollten auch in die Agency von Chavin-Tours, die auch Ausflüge zu Pastoruri anbietet, aber die Dame erklärte uns, dass man dort im Moment nicht hinkann, weil es zu stark regnet. Schade. Also, kein Ausflug. Anika und ich sind noch woanders hin, nämlich zu einem Karate-Meister. Wir wollen in den beiden Monaten in denen wir noch hier sind, Karate machen. Der Mann war sehr nett und ich bin voll gespannt, wie das so wird. Ist auch voll billig, kostet für 2 Monate 100 Soles und ist 2x die Woche. Ausserdem wirds Zeit, dass ich mal wieder Sport mach. Ansonsten war nicht mehr viel los heut. Ich wollte noch ein Hühnchen mit Sonia rupfen, weil sie Nino und seiner Freundin erzählt hat, ich hätte hier jetzt einen Liebhaber, Juan, mit dem ich Händchen gehalten und den ich geküsst hätte. Jetzt reichts, sie kann von mir aus mich aufziehen und Anika und Joana blöde Fragen darüber stellen, aber dann anderen Leuten diesen Blödsinn verzapfen geht einfach zu weit. Die hat doch gar keine Ahnung und ich hab ihr schon 20x gesagt, dass das nicht stimmt und trotzdem macht sie das. Wie kann man nur so furchtbar sein? Ich war ziemlich stinkig. Zu ihrem Glück war Madame aber nicht da. Tja, dann eben das nächste Mal.
öö
23.01.09 Singen und Schreibunterricht
kk
Freitag – Huanja-Tag. Nachdem wir uns wieder ca. 10 Minuten am Taxistand über den Preis streiten und ärgern mussten, gings endlich hoch in eine unserer Lieblingsschulen. Heut wollten wir mit den kleinen das Alphabet durchnehmen und mit den großen die letzte Stunde wiederholen und Old McDonald singen. Diesmal kamen leider schon ein paar Kinder weniger, aber es war auch irgend ein besonderer Tag, weil der Gesundheitsladen heute aufhatte und das ist nicht alle Tage. Gut. Wir schrieben das ABC in Großbuchstaben an die Tafel und liesen es die Kinder in ihr Heft abschreiben. Einige konnten es schon ganz gut, andere haben es noch nie gesehen. Mein Liebling Teddy war noch der beste. Wir teilten uns auf und Joana hatte Teddy und einen anderen Jungen, bei denen es ganz gut klappte. Ich hatte 3 Mädels, bei denen eine noch nicht viel konnte und war gut beschäftigt. Anika hatte dann alle, die noch nie geschrieben hatten. Es machte Spaß mit den Kindern das schreiben zu üben. Als alle meine Mädels das ABC 2x abgeschrieben haben, sollten sie ihren Namen schreiben. Da diese ja immer aus vier Teilen bestehen, dauerte das auch seine Zeit und die Stunde war in Null-komma-nix rum.

Sorryyy, ich muss zugeben, da ich schon so lang nicht mehr geschrieben hab, weis ich auch nicht mehr genau was passiert ist an diesem und an einigen anderen Tagen. Ich überspringe jetzt einfach mal ganz frech den Rest und mach weiter mit ein paar eindrucksvolleren Erlebnissen, weil die Tage ja mittlerweile eh alle ziemlich ähnlich ablaufen.
Was passierte noch?
Meine Tage als alleinhausende verbrachte ich recht gut. Ich stand jeden Tag schon um halb acht auf, weil Pulga vor meiner Tür stand, kratzte und heulte. Vor lauter schlechtem Gewissen um mein Hündchen konnte ich nicht einfach so weiterschlafen. Ausserdem kam ja Frau Meerschwein auch immer recht Zeitig und erbat sich natürlich Einlass. Das störte mich aber nicht weiter, ich machte mir immer ein schönes Frühstück und genoss die Sonne, die in der Früh einfach immer am besten ist. Ansonsten hab ich viel mit den Mädels gemacht, wir haben drei Kuchen gebacken, nachdem ich mich endlich getraut habe den Gasofen zu benutzen und sie an die Leute im Dorf verteilt, bei denen es sich lohnt sich einzuschleimen. Juan wollte sich übrigens noch öfter mit mir treffen, einmal erfuhr ich, dass er mit Nino trinken war und ihn dann in der Nacht bat bei mir anzurufen, weil er mich jetzt gern sehen würde. Nino war zum Glück noch so schlau zu sagen, dass das nicht geht, weil ich bestimmt schon schlaf. Ein andermal wollte er mit uns DVD schauen, ist aber dann nicht aufgetaucht. Komischer Kauz. Naja, mir solls recht sein. Am Freitag dieser Woche wollte ich dann schließlich das ganze Haus aufräumen und putzen und einen Willkommenskuchen für Reyna und Carla backen. Aber nix da. Sie kamen nämlich schon am Donnerstag. Dummerweise war ich da auch noch in Huaraz und das Problem war, dass ich für die Küche ein neues Vorhängeschloss gekauft habe (ja, wir verschliessen alles mit Vorhängeschlössern), weil das alte klemmte. Und alle 3 Schlüssel für dieses Schloss hatte ich an meinem Schlüsselbund. Sie konnten also nicht rein in die Küche und mich auch nicht anrufen. Ich kam dann ca. 4 Stunden später und war froh, dass sie nicht sauer waren. Natürlich sah es jetzt im Haus auch noch aus wie bei den Hotten-Totten. Tja, Mist. Sie sind früher zurückgekommen, weil doch die Taufe von Daniela, meiner Cousine hier, am Samstag ist. Hätt ich auch mal dran denken können. Tja, so kanns gehen.
Am Freitag hatten wir dann auch noch was großes vor: Wir wollten in die Disco! Das erstemal seit wir hier sind gehen wir wirklich nach Huaraz in die Disco. Juchu. Nur wir drei Mädels wollten gehen, Thomas blieb daheim. Wir enterten die Disco „13 Buhos“ und bestellten uns erstmal Pisco Sour. Es waren auch noch ein paar Leute da, die wir kannten und es wurde noch sehr, sehr lustig. Das Ende vom Lied: Wir sind erst um 4 Uhr früh schlafen gegangen und am nächsten Tag sollte doch die Taufe sein. Verdammt. Um halb 10 halfen wir Reyna beim Schmücken des Restaurants. Mir war schlecht und ich war so Hundemüde. Die andern beiden übrigens auch. Wir schwänzten die Kirche und beschlossen erst um 14 Uhr zur Fiesta zu gehen, bei der wir wieder helfen wollten. Diesmal war die Essensausgabe zum Glück etwas besser organisiert und es ging alles Ratz-Fatz. Während wir so in unserer Schlange standen und das Essen weiterreichten, hörten wir den Sänger der Musikkapelle immer wieder „Alemania“ sagen. Er erzählte den Leuten wie toll es doch sei, dass die Deutschen hier bei der Fiesta mithelfen und das er noch nie so schöne Bedienungen gesehen hat usw. Das war irgendwie komisch, weil wir mitten auf der Tanzfläche standen beim arbeiten und alle uns ansahen und wir uns vorkamen wie auf einem Präsentierteller. Aber auf der anderen Seite war es ja auch nett und es freut uns, wenn es den Leuten gefällt, dass wir mithelfen. Als wir endlich fertig waren mit Helfen, wollten wir uns verzupfen. Tja, Anika und Joana durften auch. Ich nicht. „Du bleibst“, meinte Reyna, „es ist deine Familie“. Neeiiiinnn. Ich erbettelte mir um 17 gehen zu dürfen und sie begann mit der großen Vorstellrunde in der Familie. Sie packte mich an der Hand und ab gings auf die Tanz-Sitzfläche. Das hier ist mein Onkel, Cousin, Bruder, Schwipp-schwipp-schwipp-Schwager usw. Natürlich durfte ich mit jedem männlichen Familienmitglied erstmal ein Tänzchen wagen. Normalerweise find ich das lustig. Heute nicht. Es war grauenvoll. Ich wollte heim und war so müde dass ich beinahe während des Tanzens weggepennt wär. Da ich jetzt mal wieder die einzige Gringa war, stand ich auch noch unter großer Beobachtung. Ich stolperte einen, meiner Meinung nach sehr schwierigen Traditionellen Tanz mit irgend einem Onkel und alle sahen zu und nickten gönnerhaft. Hilfe. Das dumme ist, dass die Lieder hier auch noch ca. 15 Minuten dauern. Man meint immer man hätte es geschafft, aber nix da, es geht weiter. Ich beschloss nach dem 5. Tanz mal wieder zu Thomas zu flüchten, schauen was der so macht. Verdammt, er stand bei Juan und natürlich war wieder reichlich Bier am fliessen. Was tun? Wenn ich mich dazu stell, dann muss ich trinken (und ihr werdet es nicht glauben, ich wollte wirklich nicht) und mich Juan stellen und wenn nicht, dann muss ich weiter Tanzen. Ich entschied mich fürs Trinken. Thomas war in ein Gespräch mit jemandem vertieft und ich stand allein da mit Juan und seinem Kumpel. „Willst du Tanzen?“ Juan. Das fragte er auch noch bei einem Lied das sich für mich nicht tanzbar anhörte. Also wagte ich das unaussprechliche: Ich sagte Nein. Natürlich mit der Begründung, dass ich einfach zu Müde sei und nur nach Hause will usw. Aber ich sagte Nein, was man einfach nicht macht. Man, war ich mutig. Half aber nicht viel. Ein Lied später fragte er mich nämlich wieder. Also gut, was solls. Es lief Salsa. Juan schwang gekonnt seine Hüften, ich gähnte stocksteif hinterher. „Bist du irgendwie sauer?“ Oh nein, zieh ich so ein Gesicht? „Nein, nur Müde, du weist doch“. 2 ewig lange Stunden mit ca. 10 Bechern Bier und 5 steifen Tänzen war es endlich 17 Uhr. Ich schaute dass ich so schnell wie möglich heim in mein Bett komm. Bien. Am nächsten Tag erfuhr ich von Thomas, das Juan mich aufgegeben hat, nachdem er ihm auch nochmal gesagt hat, dass er keine Chance hätte. Er war kurz traurig und fragte dann nach Anika. Tja, soviel zur immerwährenden Liebe. Mir solls recht sein. Viel Spaß Anika :-)