Donnerstag, 22. Januar 2009

13.01. - 18.01.09 Zusammenfassung

13.01.09 Klassenmarathon und Kuhfrisur
Als ich heute früh aufwachte, war ich ganz überrascht. So gut hab ich schon ewig nicht mehr geschlafen. Der Wechsel von Stroh- auf normale Matratze hat sich doch ganz gut rentiert. Langsam zog ich mich im dunklen Zimmer um. Dunkel, weil ich kein richtiges Fenster habe, sondern ein Loch in der Wand, das durch einen blauen Plastikmüllsack verdeckt wird, durch den natürlich kein Licht dringt. Die Tür muss ich ja bekannterweise zu lassen, damit mich die Leute nicht nackt sehen. Ich war ein bisschen genervt, weil Milton mir ans Herz gelegt hat, nicht gleich alle meine Sachen mit ins neue Zimmer zu nehmen und nun hatte ich keinen Spiegel und auch keine feuchten Tücher. So was blödes. Auf meiner Komode lag noch das Kuscheltier von Renzo, den er gestern bei mir vergessen hat. Ich ging nach unten mit „Barney“ im Arm. Als ich ihm Renzo geben wollte, mit dem Satz, er habe ihn vergessen, meinte er, dass er ihn für mich dagelassen hat, damit ich nicht alleine schlafen muss. Wie süß! Ich bin jetzt schon über beide Ohren in diesen Jungen verliebt. Mal sehen wies mit dem Rest der Familie so läuft. Carla war schon in der Küche und sagte mir, dass sie meinen Tee holt. Ich verstand aber erstmal gar nix. Herrje, ist mein Spanisch echt noch so schlecht? Als ich noch mit den anderen zusammen war, kam ich mir immer super toll vor. Aber jetzt, so auf mich allein gestellt, krieg ich gar nix mehr auf die Reihe. Es ist wie am Anfang. Naja, Carla kam auf jeden Fall mit meinem Tee und ich bekam mein Frühstück. Eine trockene Semmel. Hm. Tja, Milton hat mich gewarnt, dass es hier nicht so luxuriös zugeht, wie bei ihnen, also, nicht meckern Sabine. Ich mampfte meine Semmel und starrte in den kleinen Fernseher, auf dem ununterbrochen Telenovelas laufen. Als ich mir die Zähne putzen wollte, ging ich aufs Klo, das mit der halben Wand die offen zur Straße ist. Zuerst musste ich erstmal die Klobrille, die offensichtlich nicht mehr fest ist, aus dem Waschbecken fischen. Gut. Wasser auf – geht nicht. Mensch, wo zum Henker soll ich mir denn jetzt die Zähne putzen, wenn nicht im einzigen Bad des Hauses? Ich schlurfte raus und fragte nach. Vor der Küche, mitten im Hof steht so ein Waschbecken wie die Vergaras auch haben. Allerdings benutzen wir das dort nur zum Wäschewaschen. Hier wird es aber für alles benutzt, Wäschewaschen, Abspülen und – richtig – Zähneputzen. Renzo, der mir beim Frühstück noch erklärt hat, dass er sich nie die Zähne putzt (weswegen er leider als obere Schneidezähne auch nur zwei verfaulte Stummel hat) schloss sich mir an und putzte mit meiner Zahnpasta seine Zähne, indem er auf das Waschbecken stieg (und manchmal auch hinein). Der einzige Spiegel des Hauses hängt ebenfalls draussen im Hof und in dem konnte ich nur sehen, dass ich schrecklich ausseh. Aber ich hatte absolut keine Lust, mir mitten im Hof Haarspray draufzuhauen und den anderen Kram, den man so vor dem Spiegel macht zu veranstalten, deswegen packte ich mein Zeug und schaute, dass ich so schnell wie möglich rüber zu Milton komme.

fff

Mein neues Zimmer, das rechte mit Blick auf und von der Strasse

jjj

Ich sagte noch schnell bescheid, dass ich vorraussichtilich um 13 Uhr heimkomme und verschwand. So ganz überzeugt war ich von dem ganzen noch nicht. Es war anstrengend, die ganze Zeit spanisch zu reden und der Comfort lies wirklich stark zu wünschen übrig. Aber andererseits... Comfort hab ich daheim wieder mehr als genug und nur durch üben kann ich mein Spanisch verbessern. Ausserdem ist Renzo wirklich süß und mit den beiden Damen des Hauses komm ich ja auch ganz gut aus. Bei den Vergaras ging ich dann mit meinem Zeug erstmal ins Bad. Dann erfuhr ich, dass wir heute erst um 17 Uhr nach Hause kommen. Mann, ich Dödel. Also flitzte ich nochmal zurück um bescheid zu geben, dass ich doch nicht beim Mittagessen dabei sein werde. Zum Glück wohnen wir so nah beieinander.
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Als wir zum Taxistand kamen und nach einem Taxi nach Hajua fragten, erlebten wir erstmal eine böse Überraschung: Der Taxista wollte fast das doppelte vom üblichen Fahrpreis. Wir diskutierten natürlich, aber es war nichts zu machen. Er erklärte uns, dass alle Taxifahrer bei einer Reunion beschlossen haben, dass jetzt jeder nur noch zum selben Preis irgendwo hin fährt und das die Preise gleichzeitig steigen. Die anderen Taxifahrer nickten zustimmend. Ja super. Zuerst streikten wir, aber irgendwann mussten wir ja doch einsteigen, hilft ja nix. Dafür war die Freude dann in Hajua um so größer, weil wirklich viele Kinder da waren. Wir hatten mit dem Bürgermeister ausgemacht, dass wir einen Schlüssel für einen der Klassenräume erhalten. Als wir diesen Raum aufsperrten, drängten sich alle 40 Kinder mit einem rießen Geschrei zur Tür herein, und stiessen uns erstmal weg. Hilfe, so müde wie ich grad noch war, fehlte mir ein Haufen wildgewordener Chicos grad noch. Wir beschlossen, die Schar erstmal in Gruppen aufzuteilen. „Alle Kinder von 5 – 8 Jahren bitte die Hand heben“. Ein Kind hob die Hand. Kann nicht sein, da gibts mehr. Wir wiederholten das Spiel solange, bis wir irgendwann meinten, dass alle Kinder die 5 sind in die Mitte kommen sollen (es klappt, einige kamen), dann alle die 6 sind (juchu, es funktioniert), dann alle die 7 sind und alles mit 8. So machten wir weiter, bis wir 3 Gruppen hatten, von 5 – 8, von 9 – 12 und von 13 – 20. Gut. Jetzt zum schwierigen Teil. Uhrzeit ausmachen und hoffen dass die Kinder es sich merken. Alle von 5 – 8 haben jetzt (das ist am einfachsten) und von 9 – 12 ab elf Uhr. Capito? Die älteren dann von 14 Uhr bis 15 Uhr. Das war ihnen allerdings zu früh. Gut, dann eben ab 15 Uhr. Und am Schluss, von 16 bis 17 Uhr dann noch die Mütter. Mann o mann, da haben wir ja ganz schön zu tun. Gut. Mit den 5 – 8 jährigen wollten wir was einfaches machen. Masken mit Hilfe von Luftballons. Also, erstmal jeder nen Luftballon. Gut. Nun aufblasen. Da hatten wir schon die ersten Probleme. Einige konnten nicht, manche wollten nicht, wir bliesen auf jeden Fall am Schluss die meisten, oft angesabberten auf. Dazu muss ich sagen, dass mir sowas überhaupt nichts mehr aus macht. Hier trinken sehr oft viele Leute aus nur einem Glas, man küsst sich ständig und auch das Besteck wird geteilt. Daheim bin ich ziemlich anfällig für Lippenbläschen, hier kann ich alles machen, ohne Probleme. Und ekeln tuts mich auch nicht mehr. Man gewöhnt sich dran. Nun gut, zurück zu unseren Masken. Wir setzten uns auf den Boden, verteilten Pinsel und Leim und Zeitungspapier. Nun sollte jedes Kind seine Zeitung in kleine Fetzen reisen. Klappte auch nicht bei jedem, ist aber schnell gemacht. Nun zum schwierigen Teil. Leim auftragen und Zeitungspapier aufkleben, aber nur auf eine Hälfte des Luftballons. Ich setzte mich zu einer Gruppe von 4 Mädchen. Dummerweise hatten wir nur 3 Pinsel, weswegen die kleinste gleich mal auf der Strecke blieb. Ich gab einem anderen Mädchen meinen Pinsel und fing an, das ganze mit der Hand aufzutragen. Da die Pinsel eh alle schon bockehart waren, machten es mir bald alle Mädels mit der Hand nach. Was solls, wir sind hier eh alle ständig schmutzig. Irgendwann gab ich meinen Luftballon einem Mädchen, dass seinen völlig vermurkst hat und half der kleinsten bei ihrem. Es war anstrengend, weil sie es nicht richtig kapierten, aber es hat auch total viel Spaß gemacht und die Mädels waren so putzig. Dann, nach eineinhalb Stunden, dabei hatten wir nur eine Stunde Zeit, mussten wir aufhören. Niemand war fertig. Wir machten aus, dass sie ihre Luftballons mit nach Hause nehmen und das nächste mal wieder bringen sollen und entliesen sie. Bin ja gespannt, was da das nächste Mal noch heil ankommt. So. Der Raum sah mittlerweile aus wie bei Hempels unterm Sofa, weil überall Zeitungspapier rumlag und der Leim bei so ziemlich jedem umgestossen wurde und wir mussten erstmal sauber machen, während die ungeduldigen Kinder schon an der Tür klopften und rüttelten um reinzukommen. Nun war Gruppe 2 an der Reihe. Projekt: Traumfänger. Erstes Problem: was heist Traumfänger eigentlich auf Spanisch? Egal. Wir schickten die Kinder los um biegsame Äste zu suchen. Als sie zurück kamen, hatten 4 einen unbiegsamen Ast, der Rest Tannenzweige oder gar nichts. Oh wei, oh wei. Also, nochmal erklärt, nochmal losgeschickt. Irgendwann kamen sie wieder mit unmengen von Eukalyptuszweigen. Na gut, besser als nichts. Blätter ab und los gehts. Alle mussten eine Kreis mit ihren Zweigen bilden und wir banden sie zusammen. Das allein hat schon eine halbe Stunde gedauert. Heieiei. Ich bastelte derweil ein ziemlich hässliches Schaubeispiel, wobei ich aber Stolz war, dass das Netz in der Mitte aussah wie ein Spinnennetz. Nun die Kinder. Jeder bekam einen Faden, eine Feder und 6 Perlen. Auf gehts. Blöderweise war der Faden ein bissl zu dick für die Perlen. Ich mit meinen Leimfingern konnte da eh nicht viel helfen und brauchte immer ca. 5 Minuten, bis mal ne Perle eingefädelt war. Dummerweise probierten nun auch noch alle Kinder mein Spinnennetz nachzumachen, was natürlich so gut wie keinem gelang. Mist, daran hab ich nicht gedacht. Anika bastelte schnell ein einfacheres und trotzdem schöneres Model und nun gings aufwärts. Die meisten schafften es ihren Traumfänger noch vor Ablauf der nun 2 Stunden zu beenden und als dann alle draussen waren, gings erst mal wieder ans aufräumen. So. Fehlte noch der Englischunterricht für die großen und wir mussten die Wolle für die Erwachsenenstunde noch aufwickeln. Aber zuerst musste ich was zu Essen und zu Trinken für mich kaufen und ausserdem aufs Klo. Thomas, der zuerst einen Laden gesucht hat, kam zurück mit der schlechten Nachricht, das die Besitzer des einzigen Ladens nicht da seien und das Schulklo verschlossen. Neeeiiin. Oh mann, was nun. Anika und ich beschlossen doch noch mal selber zu suchen. Wir gingen nach draußen und trafen auf eine Gruppe cooler Jugendlicher, die Musik hörten. Auf der Frage nach einem weiteren Laden zeigten sie nach oben. Ok, weiter den Berg rauf gibt es wohl noch einen Laden. Als wir grad so nach oben stapfen, pfeifte es auf einmal. Einer der Jungs. Ich deutete auf das Haus direkt neben uns. Er nickte. Nun gut, das ist dann wohl der Laden. Wir klopften und die Senora kam. Das einzige Essbar im ganzen Laden waren Tunfischdosen und Kekse. Ich entschied mich für Kekse und ein Wasser und wir konnten wieder gehen. Vorher fragten wir die Frau noch hoffnungsvoll, wo wir denn hier aufs Klo gehen könnten, weil das Schulklo zu habe. Das weis sie leider auch nicht. Mist, und wir dachten schon, sie lässt uns vieleicht auf ihr Klo gehen. Nun gut, dann eben Freiluft. Nur wo? Das Problem in Peru ist, dass überall, aber auch wirklich überall Leute sind. Und wenig Wald. Wir liefen also raus aus dem Dorf und wollten ein Stück bergab. Kaum über die Kuppe gelinst, registrierten wir, das wir Pech hatten. Bergab waren Frauen, die ihre Schafe hüteten. Wir gingen also vorbei, grüßten freundlich und liefen noch weiter Bergab. Schon halb in Jangas konnten wir in einer Kurve endlich unser vorhaben verrichten. Heieiei. Ich beschloss, mein Wasser lieber doch nicht anzurühren.
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Wieder zurück, begannen wir die Wolle aufzuwickeln. In dem Laden, in dem wir die Wolle immer kaufen, gibt es sie nämlich nicht als Knäuel, sonder nur zusammengelegt. Leider erwischten wir bei unserem Kauf ein besonders verwurschteltes Stück. Ei der Blitz, das war fast unmöglich, das Ding zu einem schönen Knäuel zu formen. Am Fenster standen Einheimische und lachten uns aus. Prima, das fehlte noch. Eine Frau rief ständig, ob sie uns helfen könne. Na gut, wenn sie meint. Sie kam rein und setzte sich auf den Boden. Sie entwirre, ich solle aufrollen, teilte sie mir mit. Und tatsächlich, die Frau wusste was sie tut. Während wir die Wolle so aufrollten, erzählte sie uns, das sie 8 Kinder hat und der älteste schon 24 ist. So alt sah sie aber jetzt noch nicht aus. Dann lernten wir noch ein paar Quechuawörter (die ich alle schon wieder vergessen hab). Als wir den Eukalyptus zusammenfegten half sie auch noch mit und auch beim Stühleaufstellen war sie dabei. Sie war echt nett und es freut mich immer, wenn wir solche Leute kennen lernen. Ok, jetzt wurde es Zeit für den Englischunterricht. Die Jugendlichen enterten den Klassenraum. Wir fingen an mit unserem guten, alten „My name is“ Spiel. Es waren auch einige richtige Checker-Jungs dabei, die sich für unglaublich cool hielten. Meint man. Als sie aber ihren Satz sagen sollten, trauten sie sich nicht mehr. Es ist echt schlimm, je höher das Caserio liegt, desto schüchterner sind die Leute da. Einer wollte rein gar nichts sagen. Wir redeten auf ihn ein, bis endlich mal einer seiner Kumpels erklärte, dass der Junge taubstumm sei. Ups, wie peinlich. Als wir fertig waren, nahmen wir noch die Zahlen durch. Einige konnten auch schon was und einer war sogar ziemlich gut. Als sie ihren Hefteintrag machen mussten, half ich einem Jungen, der wohl Legasteniker ist, jedenfalls tat er sich sehr schwer mit dem schreiben. Die Jugendlichen waren eigentlich alle sehr lieb und man merkte auch, das sie wirklich was lernen wollen. Hoffen wir, dass es so bleibt. Ok, jetzt fehlten nur noch die Mütter. Eine, die die uns geholfen hat, war bisher da. Tja, dann fangen wir mal an. Ich machte wieder meine Mützen mit Hilfe der Ring-Nagel-Taktik und brachte es einigen Kindern bei, da die Eltern ja eh nicht da waren. Als ich irgendwann aber mal wieder von meiner Arbeit aufsah, war der halbe Saal voll, mit Strickenden Indigenas. Hui, na also. Die Frauen wissen übrigens natürlich alle viel, viel besser als wir wie man strickt, aber ich glaube, sie wollen sich einfach treffen und etwas zusammen machen (und vieleicht ein bissl Wolle gratis abstauben). Mittlerweile wurde es aber leider schon wieder dunkel und wir mussten dann bald gehen, weil das Licht nicht funktionierte. Ausserdem wollte ich nicht zu spät nach Hause kommen, da Anika, Joana und ich noch ausgemacht haben, dass wir heute Milton-Mamas Laden aufmachen für zwei Stunden, weil diese ja nicht da war.
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Daheim erzählte ich im Schnelldurchlauf was wir so gemacht haben und fragte im selben Atemzug, ob ich mithelfen darf im Laden. Klar, das hängt von mir ab, meinte meine Gastmutter. Wann ich heim kommen soll? Hängt auch von mir ab, um 19 Uhr gibt es Abendessen. Hm, das lohnt sich dann natürlich nicht mehr. Ich fragte ob es ok ist, wenn ich heut ausnahmsweise mal nicht daheim iss und sie sagte wieder ok. Aber es sah nicht so aus als ob sie es auch so meinte. Hm. Trotzdem, ich wollte in den Laden. Also Ciao. Im Laden allerdings plagte mich das schlechte Gewissen. Da hab ich jetzt schon eine Familie und häng trotzdem nur mit den anderen rum. Ausserdem wollte so spät eh kein Mensch mehr irgendwas kaufen und wenn mal einer kam, sprang sofort Milton-Papa an und bediente lieber selber. Ne danke, um viertel nach sieben verschwand ich wieder zurück nach Hause. Dort waren sie noch beim Essen, ich sagte dann aber doch, dass ich schon gegessen hatte, weil ich nicht ständig ein hin- und her provozieren wollte. Ich dachte mir es wäre vieleicht an der Zeit für die Gastgeschenke und Fotos von daheim. Also ging ich schnell auf mein Zimmer und holte für Renzo ein Spielzeugauto, für Carla einen schwarzen Seidenschal von H&M und für die Mutter eine absolut kitschige kleine Kukusuhr, die ich mal auf dem Flohmarkt gekauft hab. Ausserdem noch zwei Kerzen mit Engeln drauf, ebenfalls vom Flohmarkt. Und für Renzo noch ein paar Socken, die mir Joana gab. Ihre Oma hat die gestrickt. Ich war ein bisschen aufgeregt, ob es ihnen wohl gefällt. Zuerst Renzo. Er war ganz begeistert von den Socken und zog sie gleich an. „So schön warm“ meinte er. Na also. Carla freute sich wirklich sehr über den Schal, worüber ich sehr froh war und unerwarteterweise war meine Kukusuhr das tollste für alle. Puh, Glück gehabt. Nur leider ist sie im Laufe der Zeit hier irgendwie kaputt gegangen und lässt sich nicht mehr aufziehen. Mist. Ich versprach sie in Huaraz richten zu lassen. Trotzdem war ich total erleichert, dass sie meine Geschenke mochten. Und es gab noch eine Überraschung: Sie hatten auch was für mich. Einen kleinen Elefanten aus Marmor. Meine Gastmutter klärte mich auf, das ein Elefant Glück bringt. Es ist also ein Glückselefant. Cool. Nun gings ans Fotoanschauen. Alle fanden unsere Tracht so schön. Renzo fiel auf, das sein Spielzeugauto genauso aussieht wie das Auto meiner Mutter, weswegen wir ihm versicherten, es SEI das Auto meiner Mutter. Als auch das vorbei war, schauten wir ein Video von Renzos „Promotion“ aus dem Kindergarten. Total komisch, alle Kinder müssen Anzug und Kleid tragen und bekommen so eine Art Diplom. Aber das Video war witzig. Die Kinder bekamen ihr Diplom, später gabs Cuy und Renzo war der einzige, dem ständig seine Krawatte verrutschte. Dann kam ein Clown und die Kinder mussten tanzen und so schmarrn machen. Dort war Renzo der einzige, dem das Hemd aus der Hose hin, das übrigens zur Hälfte aufgeknöpft war und die Krawatte war eh schon lang weg. Auch beim Tanzen machte er immer eine Extrawurst und als er einmal mit seiner Lehrerin tanzen sollte, verwechselte er sie mit seiner anderen Lehrerin. Es war einfach total süß und er ist einfach etwas besonderes. Später, als das Video vorbei war,wollte er mich noch frisieren. Er kämte mir die Haare und sagte ständig: „Besser du schneidest sie ab“. Dann machte er mir zwei nach oben stehende Zöpfe und kommentierte das mit „Muh“. Es war einfach zum totlachen und langsam fühlte ich mich auch schon viel wohler in der Familie. Auch, weil mich die Gastmama ab und zu mal in den Arm nahm. Schön. Nachdem ich wieder Barney gekriegt hab um nicht so allein sein zu müssen, ging ich ins Bett. Diesmal schon viel zufriedener als gestern.

kkk
14.01.09 Gastgeschwister und Geschenksuche

kkk
Als ich heute aufstand, hatte ich wenigstens schon mal alle Sachen im Zimmer die ich brauchte, einschliesslich Spiegel. Ich war also schon deutlich besser gelaunt als gestern. Zum Frühstück gabs diesmal sogar ein Spiegelei und ich verstand auch schon ein bischen mehr, juchu. Renzo und ich putzten uns wieder die Zähne zusammen und als ich erzählte, dass ich heute nach Atupa geh, meinte er, er will mitkommen. Hm, warum eigentlich nicht? In Atupa gibt es einige Kinder in seinem Alter und einer ging sogar mit ihm in den Kindergarten, Antoni, ein auch sehr süßer Junge. Also gut, wir fragten die Mama (ich werde sie in den weiteren Berichten einfach nur noch Mama nennen, ich hoffe das macht dir, echte Mama aus Oberdiessen nichts auch :-)) und sie sagte ja. Schön. Weil Clara jetzt alleine zu Hause bleiben müsste, weil Mama nach Huaraz fahren wollte um Clara fürs neue Schuljahr anzumelden, fragte ich sie ob sie auch mit will. Sie freute sich und ich mich auch, weil ich was mit meinen neuen Geschwistern machen konnte. Also machten wir uns auf den Weg zu den Vergaras. Dort mussten wir erstmal noch Pfannenkuchen essen, den Anika und Joana für die Vergaras zum Frühstück gemacht hatten. Seit wir getrennt sind, gehts wirklich besser mit sämtlichen Familienkontakten. 4 Deutsche auf einmal sind wohl einfach doch zu viel. Dann fuhren wir auf nach Atupa. Da Carla und Renzo sich das Taxi dahin natürlich nicht einfach so leisten können, wollte ich es zahlen. Der Taxifahrer war aber tatsächlich so nett und hat die beiden einfach umsonst mitfahren lassen. Als wir an der Schule ankamen, waren sogar ziemlich viele Kinder da (in Atupa-Maßstäben, also 9) und sogar Antoni, Renzos kleiner Freund. Angel hatte unser Trikot an, was uns total freute. Bien. Wir gingen auf den Bolzplatz und wollten auch hier Traumfänger machen. Renzo, der Wirbelwind war als erstes fertig und dann wurde es ihm langweilig. Er ist ein bisschen Hyperaktiv (Mama meinte mit ihm habe sie 10 Söhne auf einmal) und tobte und rannte wild umher. Ich war einfach nur Gottsfroh Carla dabei zu haben, damit ich nicht ganz die Schuld habe wenn er sich ein Auge aussticht oder sich umbringt. Als Antoni dann fertig war mit seinem Traumfänger wurde es noch schlimmer. Die zwei rauften und machten lauter blödsinn und ich mir unendlich viele Sorgen. So ist das also, wenn man einen kleinen Bruder hat. Die anderen, braven Atupakinder, wurschtelten alle noch an ihrem Traumfänger rum. Ich beschloss Thomas bei der Bastelhilfe abzulösen und ihn dafür mit den Jungs spielen zu lassen, weil er dafür immer noch am besten geeignet ist. Als endlich alle fertig waren spielten wir noch „Komm mit – lauf weg“ und es hat wieder viel spaß gemacht. Am putzigsten waren die beiden kleinsten, 5 jährigen Mädchen, die sich immer im Schneckentempo verfolgt haben und jedesmal sich selbst wählten. Aber auch Antoni und Renzo waren süß, weil die sich immer mit voller Wucht aufeinander schmissen. Ich war froh, dass Renzo so oft rennen musste, weil er dann vieleicht irgendwann mal müde wird. Um 12 mussten wir gehen. Wir luden Edith, Angel und Raul, alles Geschwister, ein mit uns im Colectivo mit nach unten zu fahren, weil sie nicht in Atupa selbst, sondern in Chaqueqyaqu, einem Dorf weiter unten wohnen. Normalerweise müssen sie laufen, weil sie sich die 50 centimos (= 12,5 cent (!)) für den Colectivo nicht leisten können. Ich glaube eh dass Raul, der älteste von ihnen, sich ein bisschen in Clara verguckt hat, weil er sie die ganze Zeit anschaute. Süß. Wieder zurück, war leider noch keiner Zuhause. Und weil wir keinen Schlüssel hatten, mussten wir vor dem Haus warten. Renzo hat mittlerweile schon unmengen an Geschenken von mir gekriegt (ich weis, ich verzieh ihn, aber ich hab ihn nur noch 4 Tage bevor er bis März nach Lima geht und ausserdem hab ich so viel Kram und die Familie ist so arm) und spielte mit allem möglichen. Carla und ich saßen rum. Ich wusste leider nicht genau was ich mit ihr reden soll, vom Thema her schon nicht so und dann kamen ja auch noch die Sprachprobleme. Deswegen war ich froh das Renzo da war, auch wenn er mich immer wieder aus versehen „Anika“ nannte. Irgendwann meinte ich, dass ich in einer halben Stunde nach Huaraz fahren muss. Daraufhin schlug sie vor Chocho kaufen zu gehen, ein Maisgericht. Hm, lecker. Wir gingen los, allerdings nur 3 Häuser weiter, zum Haus ihrer Tante, die auch einen Laden besitzt. Dort fragte sie, ob sie Chocho hat. Sie hatte eine kleine Schüssel voll. Die stellten sie mir hin. Ich fragte die beiden, ob sie nicht auch was wollen, worauf ich noch einen Löffel kriegte, um mit zwei Löffeln zu teilen. Zu dritt aßen wir aus der Schüssel, immer die Löffel abwechselnd. Dann stellten sie mir auf einmal noch einen Teller mit Reis und Kartoffeln vor die Nase. Oh gott, wie lieb. Ich gab Carla die Gabel, weil ich mich echt ein bisschen mies fühlte und aß selber mit dem kleinen Chocho-Löffel. Das hat mir total gut gefallen, mit meiner „Schwester“ das Essen teilen. Ich wollte schon immer jüngere Geschwister und jetzt hatte ich sie! Die Tante versprach, bald mal Ceviche für mich z u machen. Die sind alle so nett, das ist echt der Wahnsinn. Als wir grad fertig waren kam Mama und meinte, dass wir jetzt Essen gehen. Uff, ich hatte ja eigentlich schon genug, wollte aber nix sagen. Wir gingen in eine kleine Kneipe in Jangas und ich überlegte mir, nur einen Salat zu bestellen. Nix da, Mama bestellte 3 Menüs für uns. Ok, ok. Es gab also eine riesen Suppe, die ich brav aufaß und dann noch Lomo Saltado, Rindfleisch auf gebratenen Gemüse mit Reis, das so lecker war dass ich es einfach essen musste. Poah, jetzt war ich aber wirklich zum Platzen voll. Ich verabschiedete mich und ging zu den Vergaras um mit den anderen nach Huaraz zu fahren.
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Zuerst mussten wir aber noch Dolly waschen, weil das Mädchen ziemlich viele Flöhe hat. Die arme, ihr war furchtbar kalt und sie hat gezittert wie Espenlaub. Dann fuhren wir mit dem langsamsten Colectivo der Welt nach Huaraz. Nach ca. 100 Jahren wollten wir ins Internetcafe unseres Vertrauens. Zu. Was ist denn da nur los? Wahrscheinlich mussten sie schliessen, weil das Modem, dass eh schon immer nicht richtig funktionierte, nun ganz kaputt war. OK, suchen wir eben ein anderes. Nachdem wir ca. 4 schäbige Internetcafes besichtigt haben, gingen wir wieder in das, das uns Milton ganz am Anfang mal gezeigt hat. Ich telefonierte mit meiner Freundin, die Geburtstag hatte, weswegen 1000 Leute bei ihr waren, die alle mal in die Kamera gelinst haben (was mich sehr gefreut hat) und stellte meinen Blog online. Dann regnete es furchtbar und wir wollten wieder nach Hause. Allerdings mussten wir noch Papier (100 Blatt) und das in 5 x 8 cm große Stücke schneiden lassen, weil Mama heute anfangen wollte uns zu zeigen, wie man einen Schwan bastelt. Also, auf zum langsamsten Papierschneider der Welt. Er schnitt so gut wie jedes Blatt einzeln und Thomas und ich mussten tatsächlich früher fahren um nicht viel zu spät zu unseren Familien zu kommen. Daheim machte ich die Tür auf und wurde von Renzo begrüßt, der stürmisch in meine Arme spran und freudig „Anika“ rief. Zwar nicht ganz richtig, aber trotzdem total süß! Und ich fand ich Besuch vor, nämlich einen 12-jährigen Cousin und eine 5-jährige Cousine von Carla, beide unglaublich süß und freundlich. Dann kam noch die Tante mit Onkel und der Onkel erzählte, er habe mal mit Belgiern und Franzosen zusammengearbeitet, weil er irgendein Ingenieur ist, der die Natur studiert. Ziemlich interessante Leute. Als sie weg waren, kamen bald Anika und Joana, samt geschnittenem Papier zur Bastelstunde. 3 Stunden lang falteten wir die Papierstücke zu komischen Dreiecken und waren noch lang nicht fertig. Währenddessen schauten wir noch ein Viedeo von Carlas Promotion der Primaria an (wieder mit Kleid und Anzug) und Renzo war total neidisch und wollte immer, das wir das Video zu seiner Taufe anschauen. Ich muss sagen, Carla war echt die hübscheste und seriöseste von all den Mädels und ich war schon ein bischen stolz auf meine kleine Schwester. Dann lud uns Mama noch zur Silberhochzeit ihres Bruders am Samstag ein und ich war froh, das Anika und Joana auch kommen dürfen, weil ich alleine dann doch etwas unsicher wäre, wenn doch wieder alle schon ab 12 Uhr Mittags trinken und mit der Gringa tanzen wollen. So freu ich mich aber wahnsinnig auf die Fiesta, endlich wieder tanzen.

jj

meine Familie

ffff
15.01.09 Hefte und Hexerei
Heute gings nach Mataquita. Renzo lies ich lieber Zuhause, weil unsere etwas schwierigen Mataquita-Kinder keine anderen in ihrem Unterricht wollen. Zuvor ging ich aber noch schnell bei den Vergaras duschen, wobei ich mich aber dann doch fragen musste was schlimmer ist, mit einem Babywännchen „duschen“, wobei halb Jangas dich beobachten kann, oder bei den Vergaras in der Elektrodusche stehen, bei der der Schalter mittlerweile immer glüht und den sich niemand mehr traut anzufassen und umzulegen. Dieses mal entschied ich mich noch für Elektro. In Mataquita trafen wir zuerst nur auf unsere Lieblingsschülerin Yuli und ihre zwei Freundinnen. Dann stiessen aber doch noch ein paar dazu und wir fingen an mit den Mädchen Armbänder zu knüpfen und den drei Jungs die da waren Traumfänger zu machen. Schlechte Idee, denn die Traumfänger waren schon fertig, als an die Mädchen noch die Fäden verteilt wurden. Also, sollte ich mit den Jungs die selben Armbänder machen, die wir auch in Cahuish gemacht haben, nur nicht mit Plastikbändern, sondern mit Garn. Na prima. Es haute überhaupt nicht hin und die Jungs hatten auch nicht so viel Lust auf Armbänder. Irgendwann lies ich sie einfach murksen und ging auch zu den Mädels. Dann meinten alle, sie wollen das nächste mal Deutsch lernen. Au ja, das wird bestimmt lustig. Um 12 mussten wir gehen, weil ich gesagt hab, dass ich um 1 daheim bin. Man ist das umständlich, wenn man jetzt auf einmal immer um irgendwelche Uhrzeiten da sein soll. Die arme Yuli war ganz enttäuscht, sie hat zu ihren Eltern gesagt, dass sie erst um 14 uhr nach Hause kommt, weil sie dachte, der Unterricht gehe so lang. Wir wunderten uns noch kurz, dass Hernando und Edison, zwei die sonst eigentlich immer da sind, nicht kamen und gingen dann. Wieder daheim (Cousin und Cousine waren wieder da, sie heißen Roy und Daniela) erzählte mir Mama dann was schlimmes: Aus Mataquita ist ein 13-Jähriger Junge gestorben. Er ist in einen Teich gefallen, als er Stecken für das Ferienprogramm suchen sollte. Den Namen wusste sie allerdings nicht. Oh Gott, 13 Jahre ist genau das Alter unserer Schüler. Hoffentlich war es keiner von denen. Hernando oder Edison, die doch sonst immer da sind... ich war ziemlich beunruhigt. Nach dem Essen (es gab Reis mit Huhn und extra Tomaten und Gurken für mich) wollte ich Abspülen. Das geht hier allerdings anders, unter fliessendem Wasser mit so nem komischen Mittel das so rutschig war, dass mir beinahe alle Sachen immer aus der Hand flogen. Ich stellte mich ziemlich blöde an. Danach setzte ich mich zu Renzo, Daniela und Roy in die Küche, wo wir Pink Panther anschauten. Ich sollte immer das Englisch gesprochene übersetzen, verstand aber selbst nicht so viel, weil der Ton total komisch war und dachte mir dann immer einfach irgendwas aus. Es hat Spaß gemacht. Danach bastelte ich mit Mama noch einige Sachen für die Hochzeit, darunter ein Stern aus Geschenkpapier, worauf ich sehr stolz bin, weil ich es selber gemacht hab. Währenddessen erzählte sie mir, dass Carla sehr darunter leidet, dass ihr Vater sie nicht sehen will und sie seit 12 Jahren auch nicht mehr gesehen hat. Er zahlt auch nicht für sie, was Renzos Vater wenigstens Gottseidank macht. Als ich sie fragte, ob es Carla denn nicht stört, dass ich ja eigentlich in ihrem Zimmer schlafe, meinte sie, dass es ihr nichts ausmacht, weil sie die Miete brauchen, um für Carlas Schulsachen zu sorgen. Oh Gott, ich hätte nicht gedacht dass sie SO arm sind. Ich versprach mal bei den Vergaras nachzuschauen, wass wir noch übrig haben von den Weihnachtsgeschenken für Mataquita, wo einige doch nicht kamen. Immerhin waren da noch ziemlich viele Hefte übrig. Ausserdem hab ich noch ein Spanisch-Englisch Wörterbuch und Stifte. Mama dankte mir. Es ist so krass wie schnell man vergisst, das es den Leuten hier einfach nicht so rosig geht was das Geld angeht. Irgendwie ist es so, dass hier einfach alle arm sind und man gewöhnt sich voll schnell daran, dass alle immer das gleiche anhaben und einfaches Essen essen und so weiter. Ich schäm mich manchmal, weil ich so viel Zeug hab. Und trotzdem bin ich dann wieder unzufrieden. Drüben bei den Vergaras hab ich dann tatsächlich noch 13 Hefte gefunden, genau die Zahl die Carla braucht und hab noch ein paar Sachen mehr in die Tüte geschmissen.
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Wir machten uns ausserdem noch an die Unterrichtvorbereitung von morgen. Englisch in Huanja. Das hat auch Spaß gemacht. Für die kleinsten wollen wir die Begrüßung machen und die Tiere. Dazu haben wir im Zwiederladen Tierfotos kopieren lassen und einen Lückentext „Old McDonald had a farm“ gemacht, indem sie die Tiernamen dann immer einsetzen müssen. Die älteren sollen einen Stammbaum machen und die Körperteile an die Entsprechende Stelle an einem aufgemalten Menschen benennen. Bin ja gespannt wies klappt. Ich hoffe Carla kann uns morgen wieder begleiten, weil sie auch Englisch lernt. Wieder zurück in der Familie, sprang mir Renzo wieder in die Arme und diesmal sogar mit „Sabine“. Sie wollten sie gerade Daniela und Roy nach Hause bringen. Ich ging mit, in der Annahme dass sie gleich nebenan wohnen. Nix da, die beiden wohnen im Nachbarort in den wir uns jetzt aufmachten. Trotzdem war es total lustig. Wir liefen über die Brücke, die über den Rio Santa führt und rannten immer wenn ein Auto kam. Im Haus angekommen mussten wir noch warten, bis die Eltern der beiden aus Huaraz zurück kommen. Roy zeigte mir derweil ein paar Zaubertricks. Er konnte das echt gut und es hat total viel Spaß gemacht. Ich verstand auch schon viele Sachen besser. Es war echt lustig. Mama sagte dann ständig, das ich jetzt zu einer Familie aus lauter Zauberern gehöre. Als dann noch Tante und Onkel kamen (Onkel hatte übrigens einen Sitzen) machten sie mir noch Kaffee und ich bekam mein Abendessen dort. Sie waren auch total nett und luden mich und Anika und Joana ein zu kommen, wenn meine Familie in Lima ist. Das fand ich voll cool. Als ich meinte, dass ich morgen noch Fotos von allen machen müsste, um sie meinen richtigen Eltern zu schicken, bevor sie alle nach Lima gehen und Renzo da bleibt, meinte Mama, das wir dann aber ganz früh aufstehen müssen, um nach Tarica zu fahren und dort auch Fotos von Onkel, Tante und Cousins zu machen. Kurzerhand entschlossen wir, mit Anika und Joana zusammen dort zu frühstücken. Total cool. Es war wirklich eine gute Idee in eine andere Familie zu ziehen. Nix gegen die Vergaras, die ich nach wie vor mag, aber nun gehts endlich richtig ab! Ich freu mich schon total drauf und fühl mich mittlerweile auch so richtig wohl. Dann mussten wir aber zurück, weil wir heut ja eigentlich wieder zum Basteln verabredet waren. Auf dem Rückweg hakte sich Clara bei mir unter. Renzo rannte wie immer vorneweg. Anika und Joana warteten schon, weil eigentlich 8 Uhr ausgemacht war, wir aber erst um 9 kamen. Sie haben für die Kinder Filme mitgebracht, die wir mal für uns gekauft haben. Renzo war beim „Kung-Fu-Panda“ schauen ausnahmsweise mal richtig ruhig und wir fingen endlich mit unserem Schwan an. Es war wieder ein sehr lustiger Abend und ich find meine Familie immer toller. Juchu, Peru du bist einfach das beste Land der Welt!

mein Zimmer




16.01.09 Old McDonald und Onkel Nr. 2
kkk
Heute musste ich früh aufstehen, weil wir ja zum Frühstücken zu Onkel und Tante eingeladen wurden. Joana konnte leider nicht mit, weil sie krank war. Wir fischten Renzo aus dem Bett, der noch gar nicht ganz geradeaus schauen konnte und marschierten zusammen mit Anika los. Renzo nahm meine Hand um mir irgendwas zu zeigen, was ich nicht verstand. Er lief mit mir zum Straßenrand und sagte mir, das ich nach unten schauen sollte. Zuerst erkannte ich gar nicht was das sein soll. Dann nahm das Bild in meinem Kopf langsam gestalt an: Ich sah einen Hund mit glasigen Augen, heraushängender Zunge und herauschschauenden Rippen. Das Tier war nur halb und schon ziemlich verwest. Igitt. Ich packte Renzo und kitzelte ihn. Pfui Deibel. Finds aber trotzdem lustig, wie hier so ein Viech einfach so im Straßengraben vor sich hinverwesen kann. Das wär in Deutschland wirklich unmöglich. Wir gingen weiter. Am Haus angekommen, wurden wir schon erwartet. Es gab Kaffee aus der Maschine (von dem ich dann gleich 2 Tassen trank), Brot und Marmelade. Nach 2 Tagen Trockenbrot als Frühstück lern ich die Marmelade echt wieder schätzen. Wir versuchten auch dann gleich Anika von unseren Zauberkünsten zu überzeugen, was manchmal klappte und manchmal auch nicht. Ich schrieb Thomas noch schnell eine SMS, dass er uns in Tarica, wo wir waren, einfach mit dem Taxi abholen sollte, mit welchem wir dann bis nach Huanja hochfahren. Als es dann schliesslich kurz vor neun war und wir wirklich losmussten, rief ich Thomas sicherheitshalber nochmal an. „Was, ihr wollt schon fahren? Wie spät ist es denn eigentlich?“ Oh nein, er hat verschlafen. Tja, hilft nix, dann müssen wir eben noch ein bisschen warten. Da meine Mutter mit Renzo und Carla nach Hause musste, warteten wir mit der Tante vor dem Haus, um das Taxi nicht zu verpassen. Es kam dann auch relativ schnell und wir fuhren nach Huanja hoch. Ich war total gespannt wie der Unterricht verlaufen würde. Wir haben für die Kinder einige Blätter vorbereitet, mit denen sie Englisch lernen sollten. Zuerst waren die Kleinen dran, von 6 – 10 Jahren. Sie kamen mit viel gelärm nach oben in unseren „Klassenraum“ gerannt und plumpsten auf die Plastikstühle. Allerdings waren sie nicht die einzigen, denn die Großen waren auch schon dabei, obwohl ihr Unterricht erst um 11 beginnen sollte. Dementsprechend ging es dann auch zu. Zuerst versuchten wir den Unterricht trotzdem zu halten, indem sich die älteren eben an die Seite setzten. Aber da sie schon ein paar Brocken Englisch können, haben sie die ganze Zeit reingeschrien und gestört. Also mussten wir sie rauswerfen. Leider ging das nicht so leicht, das wir keine Tür hatten. Nachdem Anika ein paar Mal lautstark durchgegriffen hat, war endlich Ruhe. Die Stunde konnte beginnen. Wir fingen an Blätter auszuteilen, auf die wir Tierbilder kopiert hatten, mit den Englischen Namen darunter. Die mussten jetzt erstmal geübt werden. Deswegen fingen wir an: „Horse“. Kinder: „Osch“. Wir: „Cow“, Kinder: „Cuy“. Wir: „Guineua Pig“ (Meerschweinchen), Kinder: „Häh?“. Uiuiui, das konnte ja heiter werden. Wir übten also die Aussprache der Tiernamen ca. 20 Minuten, wobei die Kinder aber wirklich brav mitgemacht haben und einfach nur süß waren. Nun zum eigentlichen Teil: Wir hatten den Text von Old McDonald auf das Blatt gedruckt, mit Lücken für die Tiernamen, die die Kinder dann einsetzen sollen. Auch die Geräusche dazu mussten sie selbst machen. Kennt einer von euch das Lied „Old McDonald?“ Betretenes Schweigen. Wohl nicht. Ok, dann lesen wir den Text jetzt erstmal zusammen durch: Also los: „Old – Mäck – Donäld – hääd – a – ffarrm....“ Die einzigen die Lasen waren wir. Wir forderten die Kinder nochmal dazu auf mitzumachen. „Sie können noch nicht lesen“ informierte uns daraufhin ein etwas älteres Mädchen. Na, toll. Und jetzt? Wie sollen die sich denn die Englischen Begriffe merken können, wenn sie sie Zuhause nicht nachlesen können? Ok, dann singen wir jetzt einfach das Lied, zeigen auf das gewünschte Tier und die Kinder sollen einfach nur die Geräusche machen. Also Los: „Old McDonald [...] and on the farm he had some COWS (Kühe) heeeaaaheeeaaahoooo. And a … (eigentlich sollte nun „Mooh, mooh“ kommen, die Kinder machten allerdings „Quik, quik“, weil sie Cow für Cuy hielten, also Meerschweinchen. Nun gut. Nachdem wir noch mal alle Tiergeräusche geübt haben und uns darauf einigten, dass die Kinder sobald ihr Stichwort kommt einfach nur die Geräusche brüllen sollen, ohne auf den weiteren Text und Melody zu achten, hat es dann doch noch geklappt und auch Spaß gemacht. Einige strengten sich auch richtig an und schrien die Tiergeräusche mit voller Brust und hochkonzentriertem Gesichtsausdruck hinaus „BÄÄÄÄH; BÄÄÄÄH BÄÄÄÄÄÄÄHHHH!!!!!“ (Schaf). Als unser Liedchen zuende war, machten wir nochmal Fotos von allen um uns die Namen besser merken zu können. Danach formten wir noch einen Kreis und machten wieder das Mützenspiel mit „Hello, how are you?“ (Mütze jemand zuwerfen) „Im fine“ (sagt der mit der Mütze“ Das klappte erstaunlich gut und wir konnten die Stunde beenden. So, nun auf zu den Großen. Da diese schon ein bisschen Englisch können, wollten wir hier die Familie machen, Körperteile und Schulsachen. Zunächst sollten sie einen Stammbaum zeichen. Da das hier allerdings bis ins Bodenlose gehen kann, weil die Familien nicht eben klein sind, sollten sie nur Großeltern, Tanten und Onkel und Eltern + eigene Geschwister machen. Blos keine Cousins und Cousinen, sonst bräuchten wir für jeden ein DIN-A-3 Blatt. Joana malte erstmal einen Stammbaum an der Tafel vor, weil nicht alle wussten was das ist. Nun gings los. Als ich nach 2 Minuten so durch die Reihen ging, saß ein Junge da, der noch gar nichts auf dem Blatt stehen hatte. Nanu, was ist denn hier los? „ich weis nicht wie ichs machen soll“. Ok, also auf gehts. Wie heisst deine Oma? Ein Ellenlanger Name folgte. Ok, schreib einfach ihre Vornamen dort hin. Und die ist auf Englisch deine „Grandmother“. „Nein, sie heisst (ellenlanger Name)“. Ja, stimmt, aber Oma auf Englisch heisst „Grandmother“. Ok, nachdem wir noch die 3 weiteren Oma und Opas aufs Blatt gebracht haben, waren seine Eltern an der Reihe. Geht doch. Dummerweise hatte die Mutter so viele Geschwister, das wir die Brüder seines Vaters eine Reihe weiter unten hinzeichnen mussten. Es gab schon mal ein kleines Chaos. Als wir es dann doch geschafft hatten, zeichnete ich einen ziemlich langen krummen Strich nach unten und meinte, dort solle er nun sich und seine Geschwister hinschreiben. „Wie viele Geschwister hast du denn?“ „2“. Ui, das ist aber wenig. „Nein, er hat drei“, piepst da der Nachbarjunge, „du hast mich vergessen“. „Ach, stimmt ja“. Heieiei. Als wir dann alle gemerkten und vergessenen Geschwister draufhatten, waren wir endlich fertig. „Da fehlt aber noch jemand“. „Wer?“ „mein Omilein“ Häh, wir haben die Großeltern doch schon. Der Junge ließ sich nicht beirren und schrieb nochmal zwei ewig lange Namen direkt neben seine Geschwister. Und wer ist das jetzt? Meine Omi und mein Opi. Und wer sind die andern da oben. Omi und Opi. Wie jetzt, was, ich check gar nix mehr. Nach langer Befragung stellte sich heraus, das er seine Urgroßeltern meinte, die jetzt schön neben seinen Geschwistern prangten. Ich zeichnete also nochmal einen Strich, diesmal nach oben und überlegt was „Uroma“ überhaupt auf Englisch heißt. Hoffe ich hab keinen Schmarrn verzapft.
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Als wir damit endlich fertig waren, gings auf zum zweiten Teil: Körper. Sie bekamen ein Blatt mit allen wichtigen Körperteilen auf Englisch und sollten, immer wenn wir eines auf Englisch aufrufen, mit der Hand dort hin klatschen. „Knee“ (Knie). Ein Kind haute auf sein Knie, andere auf ihre Augen oder Ohren. Oh bitte, ihr müsst es doch nur Ablesen. Die meisten Male klappte es aber doch und es war total süß den Kindern dabei zuzusehen, wie sie sich ständig irgendwo hin klatschten. Nur die Nase machte irgendwie Probleme, die konnten sie sich einfach nicht merken. Nun gut, wir gaben als Hausaufgabe auf, die Wörter zu lernen. Als letztes kamen die Schulsachen dran. Dazu hatten wir wieder ein Blatt, mit all den Bildern und Wörtern und die Kinder bekamen ein Rätsel, das sie ausfüllen müssen. Und das hat mal wirklich gut geklappt. Ich war total stolz, weil sie eigenständig arbeiteten und das auch noch gut. Juchu. Die Kinder in Huanja sind echt spitze und nach Atupa nun auf Platz 2 meiner Lieblingsschulen gelandet. Mit den kleineren lassen wir das Englisch jetzt erst mal und üben das Alphabet. Trotzdem, so viele aufmerksame Schüler auf einen Haufen hatten wir glaub ich noch nie. Nach dem Fotoshooting kamen auf einmal alle Kinder mit ihren Englischblättern auf uns zu und wollten, dass wir sie signieren. Das ist ja süß. Es gab einen regelrechten Kampf auf unsere Unterschriften. Putzig. Nun mussten wir uns aber wieder trollen, das Mittagessen stand noch bevor.
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Als ich zuhause ankam, war die Tür verschlossen. Zum Glück hatte ich ja nun meinen eigenen Schlüssel, aber gewundert hab ich mich trotzdem. Kaum war ich in meinem Zimmer, kam Carla um mir zu sagen, dass wir heute beim Onkel essen. Schon wieder? Nein, ein anderer Onkel, der, der morgen die Silberhochzeit hat. Ah, ja. Wir latschten zu einer Bäckerein am Ende von Jangas. Dort öffnete mir eine ziemlich unbegeisterte Cousine die Tür. Na herzlich Willkommen. Die anderen waren zum Glück netter. Ich sollte mich gleich setzen und bekam mein Mal vor die Nase. Reis, Bohnen und irgend ein Stück Fleisch, das nicht nach keiner Innerei aussah. Oh nein. In meinem Kopf trafen sich Engelchen und Teufelchen. „Los“, meinte Teufelchen, „das Zeug isst du nicht! Stells weg, du hast dir geschworen hier nichts ekliges aus reiner Höflichkeit mehr zu Essen“. „Nein, nein, nein“ (Engelchen) „du bist neu in der Familie, alle schauen auf dich und wenn du dich beliebt machen willst, meckerst du gefälligst nicht am Essen rum. Den anderen schmeckts doch auch“. Verdammt, Engelchen hatte einfach die besseren Argumente und ich stopfte mir das komische Fleisch rein. Es schmeckte sogar noch nicht mal so scheiße. Ich lobte genau bei diesem Gedanken das Essen mit „que rico“ wie lecker und machte den Fehler zu fragen was es sei. Irgendwas aus dem Hals vom Schwein. Na gut, weg wars eh schon. Der Onkel fragte mich allerlei aus Deutschland und zwang mich dazu sein Brot zu essen, das angeblich nicht Dick macht. Naja, so sah er allerdings nicht aus. Ich wurde dann nach dem Essen mit Carla zurückgeschickt, um die Wäsche abzunehmen. Danach wollten wir nach Huaraz. Als wir wieder zurückkamen am Abend, trafen wir uns, um unsere Handarbeiten, die wir gerade jeden Abend machen, weiterzuführen. Es fehlte nicht mehr viel, dann wären wir fertig. Juchu! Wir gingen allerdings recht früh ins Bett, weil wir ja wegen der Silberhochzeit morgen sehr früh aufstehen sollten.


mein Schwan, den ich gefaltet habe








ggg


17.01.09 gutes Mädchen und Geständnisse
Boah, als heute der Wecker klingelte, dachte ich mir nur: „Nein“. Verdammt, ich wollte nicht aufstehen. Die anderen hörte ich schon draussen rumwursteln. Ja, ich sollte wirklich schauen, dass ich auch aufsteh, um halb sieben sollte ich helfen die Kirche zu schmücken. Bäh. Als ich nach unten ging, waren die anderen schon nicht mehr da. Gut das die Kirche gleich nebenan ist. Ich schlurfte also rüber. Die einzige die da war, war Reyna (so heisst meine Mutter) selber und stellte irgendwelche Blumen in irgendwelche Vasen. Sie gab mir gleich irgendwelche Anweisungen, aber ich war noch sehr Müde und verstand sie deswegen ziemlich schlecht. Irgendwann kamen dann Carla und eine Cousine und wir füllten Wasser in die Vasen. Als ich die Gefäse in den Raum schleppte, in dem sich das Waschbecken befindet, entdeckte ich auch ein Klo. Dieses befand sich am Kopf der Kirche, direkt hinter dem Hochaltar. Es hatte auch kein Dach, sondern ging offen in die Kirche über. Total verrückt. Weis nicht ob das Klo jemand benutzt, aber ich fand das schon sehr lustig. Schade, dass ich kein Foto gemacht hab. Nach ca. 1 Stunde, in der wir Blumen und Schleifen an den Kirchenbänken angebracht
und gekehrt haben, sind wir in die Gaststätte, in der die Feier stattfindet, um diese zu schmücken. Das ging schnell und danach sind wir noch in das Haus des Brautpaares, wo wir gleich zum Frühstück eingeladen wurden. Ich holte noch schnell Renzo, der immer noch pennte und wir freuten uns auf ein leckeres Essen. Es gab Semmeln, irgendetwas Salatartiges und das komische Zeug das es gestern zu Mittag gab, nur nochmal fritiert und nicht sehr unappetitlich aussehend. Engelchen kam wieder und meinte, ein Stück von den seltsamen Fleischteilen könnte ich schon probieren. Fehler. Ich griff mir eines, das noch am ehesten nach einem normalen Muskelfleischstück aussah. Als ich es aber umdrehte, sah es ganz anders aus. Irgendwie wie ein Stück Ohr oder gleich das Ringeschwänzchen. Jedenfalls wars eklig und dagegen konnte selbst Engelchen nichts mehr ausrichten, ich legte es anstatt auf mein Brot einfach auf den Tisch. Pfui Deifi. Später gingen wir wieder nach Hause, um uns umzuziehen. Um elf sollte die Messe losgehen. Ich überlegte noch, ob ich einen Rock oder einfach eine saubere Hose anziehen soll. Aufgrund des Wetters entschied ich mich dann doch für Hose. Als ich dann mit Carla wieder zum Brautpaarhaus ging, fühlte ich mich dann schon ein bischen Assi. Sie hatte ein grünes Ballkleid und Stöckelschuhe an und ich latschte mit der Hose und Ballerinas nebenher, wie das hässliche Kindermädchen. Alle Leute drehten sich nach ihr um. Heieiei. Auf dem Weg kam uns Renzo entgegengerannt, er wollte noch schnell seinen Anzug anziehen. Süß. Im Brautpaarhaus war derweil die Hölle los. 1000 Leute waren da und wünschten Glück und Pi Pa Po und ich half dabei, die Geschenke reinzutragen, die riesig waren. Dann schnappten sich die Töchter des Bräutigams, die ebenfalls alle Ballkleid trugen, ihren Vater und gingen hoch zum festlich geschmückten Brautauto. Ich schaute, dass ich nicht mitgefilmt wurde, bei dieser Prozedur und auf einmal waren alle weg und ich stand da wie bedröppelt. Prima, und was soll ich jetzt tun? Ich beschloss zur Kirche zu latschen, war ja eh schon fast elf. Gottseidank saßen Joana und Anika auf einer Bank davor und Thomas kam auch grad, deswegen konnten wir uns auch reinsetzen. Leider war die Messe heute nicht ganz so schön wie sonst. Der Pfarrer wirkte irgendwie unkonzentriert oder krank und es gab auch keine Orgel, weswegen der Gesang nicht ganz so schön war wie sonst. Irgendwann kam dann Renzo reinspaziert, total putzig in seinem Anzug und setzte sich zu uns Gringos. Jaaa, das ist mein Junge. Nach einer dreiviertelstunde war alles wieder rum und wir gingen zusammen in die Wirtschaft. Wir haben versprochen zu helfen und ich war schon mächtig gespannt. Um eins sollte es Essen geben und ich hatte auch schon Hunger. Zuerst wurden wir in die Küche geschickt, die riesig, aber total düster und auch etwas schmutzig war. Wir hatten die Ehre, ca. 100 Becherchen mit Sekt zu füllen, die wir beim Einzug des Brautpaares überreichen sollten. So, alles war fertig, nur... Kein Brautpaar war da. Also gingen wir nochmal nach draußen. Dort wurde ich ca. 10 weiteren Verwandten von Reyna vorgestellt und eine Frau, die glaub ich auch Messnerin ist und die bei unserem ersten zusammentreffen ziemlich kühl war, umarmte mich gleich und setzte sich „an meine Seite“ um mit mir zu reden. Wow, wieso sind wir auf einmal so beliebt? Naja, mir gefiels. Renzo lief mit einem Eis rum und wir durften alle mal schlecken. Oh Gott, ich bin so verliebt in ihn. Wir warteten Ewig. Das Brautpaar sollte nämlich mit Musik einziehen. Nur das die Band noch nicht da war. So was. Die Leute wurden langsam ungeduldig und ich auch. Ich hatte voll den Hunger. Irgendwann, um viertel vor zwei, setzte dann endlich die Musik ein. Juchu, Zeit wurde es ja. Das Brautpaar zog ein ich dachte „jetzt kommt der Sektausschank“, aber nein, wir sollten noch warten. Der Bräutigam hielt seine Rede, ich dachte es wäre Zeit für den Sekt, aber nein, wir sollten noch warten. Das Brautpaar tanzte den Hochzeits-“walzer“, ich wollte den Sekt holen, aber – richtig – wir sollten warten. Das Brautpaar tanzte mit sämtlichen Töchtern und Söhnen (6 an der Zahl) ich dachte nun wäre der Zeitpunkt gekommen, irrte mich aber wieder. Als sie dann mit allen anderen Verwandten tanzten (richtig, noch kein Sekt), wusste ich auch nicht mehr weiter. Grad hatte ich mich hingesetzt kam das Zeichen: SEKT. Ok, ok, nur kein Stress. Wir liefen mit den Tabletts durch die aufgestuhlte Menge.Ja, das war eine Schau, das 4 Gringos bei einer Hochzeit mithelfen. Die Leute waren ganz aus dem Häuschen. Nach der 2. Runde wollte ich mich grad wieder hinsetzen, als ich geschickt wurde, die leeren Becher wieder einzusammeln. Hei. Danach kamen die Besteckpäckchen zum Zug. Als diese ausgeteilt waren, hätte eigentlich das Essen folgen sollen. Aber... Es waren noch nicht alle Styroporteller mit Salat und Schweinefleisch belegt. Und die Oberchefin der Küche befahl, dass erst jedes einzelne belegt sein muss, bevor es ans austeilen geht. Warum auch immer, weil eh nicht alle aufs Tablett passen. Dummerweise war dann auch noch das Schwein aus und man musste erst noch das nächste holen. Wir warteten also geduldig. Auf einmal holte uns Reyna und bedeutete uns, dass wir uns mitten in den Saal auf die Tanzfläche stellen sollen. Was ist denn das schon wieder, will sie uns vorstellen? Nein, wohl nicht, wir sollten uns total komisch hinstellen, total wirr. Reyna machte irgendwelche seltsamen andeutungen,die ich auch nicht verstand. Irgendwann kapierte ich es dann, nämlich genau dann, als der erste Teller gereicht wurde. Wir sollten das Essen nicht etwa bringen, sondern es wurde von Helfer zu Helfer weitergereicht, bis es letztendlich von der ältesten Tochter an die Gäste übergeben wurde. Zuerst fand ich das bescheuert, vor allem weil die Pappteller toal lapprig waren und man die ganze Zeit aufpassen musste, das beim weiterreichen nix runterrutscht. Aber als wir uns dann ein bisschen eingespielt hatten, machte es total viel Spaß. Und es ging. Schnell. Ich musste die ganze Zeit lachen, weil wir bestimmt komisch aussahen. Als alle Gäste versorgt waren, bekamen wir unsere Portion in der Küche. Kaum fertig, gings auch schon weiter, es gab ja noch Suppe, ebenfalls im Styroporteller. Diese war heiß und es schwappte beim weitergeben oft über, was nicht gerade für beste Stimmung sorgte. Als auch das endlich geschafft war, hatten wir eigentlich so gut wie Feierabend. Jetzt war erstmal große Geschenkübergabe angesagt. Anika und Joana sollten sich noch ans Ende der Schlange, die alle bildeten stellen, um die Geschenke wegzuräumen. Thomas machte irgendwas anderes und ich durfte mich mit unserem Geschenk (eine sehr, sehr kitschige Kukuksuhr, die wir noch in Huaraz einen Tag vor der Hochzeit aufgabelten und bei der der Kukuk mit Geschrei und Bachgeräuschen singt) in die Schlange stellen. Zuerst kam man an allen Söhnen und Töchtern vorbei, die auch alle Küsschen kriegten um dann das Geschenk an den Bräutigam zu überreichen, der mich Tränennass umarmt. Die Braut schien eher weniger gerührt und zog ein ziemliches Gesicht. Aber ich glaube, sie sieht einfach nur so aus und ist im Grunde auch Glücklich. Ich hoffe es jedenfalls. Danach trollten wir uns wieder in unsere Küche. Renzo fand eine Rose und hatte die Wahl zwischen uns drei Mädels wem er sie schenken wollte. Er kam schnurrstracks auf mich zu. Das fand ich so süß, das ich schon beinahe wieder gequietscht hätte. Reyna kam und packte mich, wir sollten jetzt tanzen. Sie stellte mich zu irgend einem Onkel. Nein, es war gar nicht irgendein Onkel, sondern der Bräutigam höchstpersönlich. Ui. Es lief ein Lied, das mir überhaupt nicht gefiel und Mr. Onkel stieg mir ständig auf den Fuß. Prima. Dann kam aber ein neues Lied. Cumbia, das man eigentlich eh ohne Handanfassen tanzt. Und dazu noch mein absolutes Lieblingslied „El embrujo“. Ich gab voll Gas und sang alles mit, was Mr. Onkel gut gefiel, also wurde er auch schwungvoller. Ich muss sagen, wir rockten die Tanzfläche und es hat richtig Spaß gemacht. Als das Lied fertig war, umarmte er mich sogar stürmisch. Fein, nun aber zurück in die sichere Küche. Ich hatte gerade sehr viel Lust auf Bier. Kaum hingesetzt, kamen Renzo und sein Cousin Gary (das war übrigens das Kind, bei dem wir damals auf der Taufe waren) und wollten mit uns Tanzen. Putzig.
mit meinem Liebling Renzo, der Gesichtsausdruck taeuscht, er laechelt oft so
jjj
Also gings wieder auf die Tanzfläche und wir tanzten alle zusammen, indem wir uns an den Händen fassten, je einer von uns Deutschen, abwechselnd mit einem Kind. Neben Gary und Renzo tanzten nämlich auch Renzos Cousine Daniela mit und irgend ein fremdes kleines Mädchen. Ich fands total lustig und es kam wohl auch gut bei den anderen Leuten an. Fein, das ist ja nie verkehrt. Als wir fertig waren, gingen wir wieder in die Küche. Jetzt endlich was trinken. Juan, der, der mit mir an der Taufe schon so viel getanzt hat und mich angeblich so toll fand, wartete schon. Nach der ersten Bierrunde kam Reyna und wollte schon wieder tanzen. Also gut, ich dackelte brav mit. Sie stellte mich ungefähr hundert Leuten vor, alle Verwandt und ich musste mit jedem einzelnen Onkel tanzen. Am Anfang fand ichs noch lustig, aber irgendwann hats mich total genervt. Das lies ich mir allerdings zum Glück nicht anmerken ich tanzte und lachte und alle Leute, die um die Tanzfläche rumsaßen nickten mir zu oder streckten den Daumen nach oben. Na also, perfekt in die Gesellschaft eingeführt, die neue Tochter.
einige von vielen Cousins und Cousinen. Man beachte Renzos Gesichtsausdruck, hab ichs doch gesagt
jjj
Außerdem wurde ich in ungefähr 20 Familien zum Mittaggessen eingeladen, nur dass ich mir nicht merken konnte wie die alle heissen, geschweige denn wo die wohnen. Ich sagte trotzdem zu jedem dass ich kommen werde, haha. Nach einem besonders ekligem, besoffenem Onkel und einem Zu-Hilfe-Eil-Tanz zusammen mit Reyna flüchtete ich wieder in die Küche. Da Joana ein bissl Krank war, ging sie mit Anika nach Hause. Ich musste natürlich bleiben, war ja meine Familie und war froh das Thomas noch da war. Wir machten aus, das wir uns betrinken, ist ja hier so üblich. Außerdem hatte ich keine Lust mehr zu Tanzen, die einzige Gringa, nein Danke. Zum Glück war Juan auch noch da und irgend ein Typ, dessen Namen ich nicht verstanden hab. Und natürlich Renzo, mein Liebling. Wir tranken vieleicht zu viert vier Flaschen Bier, aber ich vertrag hier in der Höhe auch so gut wie nix. Jedenfalls war ich schnell sehr lustig. Thomas warnte mich noch, das ich bald mit Juan tanzen müsse und schon stand ich auf der Tanzfläche. Naja, er ist mir zehnmal lieber als irgend so ein Onkel, die schauten eh schon dauernd. Nach einem weiteren Tänzchen mit Renzo gings wieder in die Küche. Es gab Hochzeitstorte, die echt super war. Dann lief ein weiteres Lieblingslied von Grupo 5 und ich schnappte mir wieder Juan, weil ich jetzt tanzen WOLLTE. Die Leute schöpften schon verdacht. Zweimal mit dem selben Jungen tanzen? Na so was. Schnell wieder zurück in die Küche, bevor hier falsche Eindrücke, bzw. Versprechungen geschehen. Thomas war mittlerweile verschwunden. Na prima. Ich saß also mit Juan und dem anderen in der Küche und trank Bier und hoffte inständig, dass niemand reinkommen und einen falschen Eindruck bekommen würde, was weis ich denn, ob man hier einfach so mit zwei Jungs was trinken darf. Auf meine Nachfrage diesbezüglich, beruhigten mich die beiden. Na wunderbar. Irgendwann kam dann aber zum Glück wieder Thomas und ich fühlte mich schon wieder wohler. Allerdings ging er mit anderen Jungs weiter ins Eck, während ich mich mit Juan unterhielt, der immer näher rutschte und mich fragte ob ich mal mit ihm ins Thermalbad nach Monterrey will. Aber na klar, was ist denn schon dabei? Darf ich deine Handynummer haben? Logo, hier ist sie. Haha, Doof-Sabine schnallt aber auch die offensichtlichste Anmache nicht. Wenigstens fragte ich noch, ob meine Freundinnen auch mit können. „Jaaaahh, wenn sie wollen, ähm“. Ok, supi. Langsam wurde es auch schon dunkel und ich hatte mittlerweile mächtig Durst. Aber, so einfach ist das nicht, einfach etwas zu trinken. Immerhin sind wir auf einer Fiesta und da gibt es Bier. Und zwar nur Bier. Kein Wasser oder so, nein, nein. Ich fragte Juan, wo ich denn jetzt noch Wasser herkrieg. „Ich begleite dich“, meinte er, packte mich an der Hand und ab nach draußen. Kaum ums Eck hörte ich nur „uh, Sabine, wo wollt ihr denn hin?“ Verdammt, Sonia, Miltons Schwester, Frau Lästerin in Person. „Wasser kaufen“. Schnell weg. Ich muss jetzt hier zu meiner Verteidigung sagen, es stimmt, ich wollte wirklich nur Wasser kaufen und war froh dass Juan, ein Junge dem ich vertrau und der sehr nett ist, mich begleitet, am Tag einer Fiesta, wo überall nur besoffene und nicht sehr angenehme Leute rumlaufen. Hah! Kaum waren wir in der nächsten Straße blieb er stehen und zack, Bussi auf die Backe. Oh nein! „Warte, das geht nicht, außerdem hab ich einen Freund“ Sehr originell. „Glaub ich dir nicht, du willst mich nur nicht küssen“ (geknickte Miene). Hm, stimmt. „Nein, ich hab wirklich einen Freund. Lass uns zurückgehen“. Ich ging vorraus, hinter mir: „Wieso willst du mich nicht?“. „Ich hab nen FREUND!“ Herrgott. Wie soll ich ihm denn erklären, dass ich mich einfach nicht auf einen Peruaner einlassen kann, auch wenn er noch so nett und lieb und freundlich ist. „Aber du gefällst mir“. Ach so, ja das ändert natürlich alles. „Ich bin total verliebt in dich, schon seit ich dich das erstmal gesehen hab.“ Oh Mann. Das schlimme ist, er sagt das nicht um mich rumzukriegen, sondern es stimmt ja sogar, er erzählt es Thomas nämlich so ziemlich jedes mal wenn er ihn trifft und ich habs ja auch gewusst und dachte trotzdem, er wird sich jetzt schon nix dabei denken, wenn wir zusammen Wasser kaufen. Haha, ich war echt schon mal schlauer. Ok, ich blieb stehen, er tat mir leid. „Was willst du denn mit mir? Du kennst mich kaum und in zwei Monaten bin ich eh wieder weg und wir sehen uns nie wieder“. „Du kannst doch in Peru bleiben, du hast doch gesagt dass es dir hier so gut gefällt“. Na, wenns nur so einfach wär. Nein, nix zu machen. Ich wollte zurück, es regnete, es war kalt und ich wusste nicht, was ich noch sagen sollt. Ich wollt nur nicht mit ihm streiten, weil er wirklich ein total netter Junge ist und nicht so ein Dödel, wie es sie hier auch zuhauf gibt. „Ich will dich als Kumpel, bitte. Sei einfach mein Kumpel, davon hab ich hier viel zu wenig“. Er war ziemlich aufgeregt und ich umarmte ihn. Genau da passierte es. Milton lief vorbei und sah wie ich Juan irgendwo draußen auf der Straße umarme. Verdammt, wir müssen jetzt echt zurück, auf gehts.
***
Ich kam in die Küche und wollte meine Tasche holen. Sie war weg. Aaaahhhh, was ist denn das jetzt wieder? Ich lief durch die Küche und war voller Panik. Das gibts doch nicht. Juan war trotz allem immer noch Gentleman und ging raus auf die Tanzfläche um nach meiner Tasche zu fragen. Ich verstand nur,das irgend eine Senora Soundso sie mithat und irgendetwas mit meiner Kamera und ich soll Carla fragen, aber die ist nicht da. Häh? Hilfe, oh nein, ich kannte hier niemanden mehr, wusste nicht wer Senora Soundso ist und was ist bitte mit meiner Kamera? Ich verstand so gut wie gar nix mehr und war total fertig. „Ich weis wo sie ist, komm mit“. Juan. Oh nein, neuer Knutschversuch? Aber ich hab mich getäuscht. Er führte mich souverän zum Haus irgend einer Frau, die ich vieleicht 3x gesehen hab und holte meine Tasche raus. Die Frau war ganz aufgelöst und fragte mich, ob meine Kamera noch da wär und das sie glaubte, sie wäre geklaut worden. Oh Gott, bitte nicht. Ich griff in meine Tasche. Sie war da. Ich stand noch ziemlich verwirrt rum, weil ich überhaupt nix mehr kapierte, da klingelte mein Handy. Milton. Ich drehte mich um: Milton kam die Straße lang, mit Joana, Thomas und Anika im Schlepptau. „Du“, rief Thomas, „du!!!“. Was ist denn nur los? Joana: Ach da bist du. Wir haben grad nen Film angeschaut, da kam Marci (Milton-Mama) ganz aufgeregt und hätte gemeint, du wärst mit einem Jungen verschwunden und dass wir dich unbedingt suchen müssen, sie war ganz auser sich vor Sorge. Oh oh. Jetzt hab ichs doch geschafft. Ok, besser ich lass mich gleich dort blicken. Ich verabschiedete mich von Senora Sounsdo und von Juan, der auch noch nicht ganz bei sich war und mich und Joana überstürzt zum Abschied auf die Wange küsste, Anika jedoch vergaß, bedankte mich brav und trottete Schuldbewusst nach Hause. Joana: Was hast du denn gemacht? Milton hat gesehen, wie du Juan geküsst hast. NEEEEIIIINNN! Oh bitte nicht. Und außerdem hab ich ihn nicht geküsst. So ein Sch...! Wir gingen in die Vergara Küche, wo ich auch gleich einen Teller fürs Abendessen vorgesetzt bekam. „Sabine, was hast du mit Juan gemacht?“ Sonia. „Wo seid ihr hingegangen?“ Ich erzählte die ganze Wassergeschichte, lies aber die Liebeserklärung sowie die Knutschversuche weg. „Was hat er dir erzählt, damit du mit ihm mitgehst?“ Nix, ich hab ihn doch gefragt ob er mitkommt. Herrgott, ich bin 24, ich werd doch wohl mit so nem 22-jährigem Bubi fertig werden, der sogar noch ein bisschen kleiner und auf jeden Fall schmächtiger ist wie ich, wieso machen die denn so ein Theater. Ist es hier wirklich so streng? Ich dachte in Jangas wären sie schon ein bisschen aufgeschlossener, was das angeht. Tja, getäuscht. Und jetzt hab ich meinen Salat. Sonia, die größte Klatschtante überhaupt hat sich in den Kopf gesetzt, dass ich mich heimlich mit Juan treffe und mit ihm rumknutsche und nichts wird sie vom Gegenteil überzeugen. Tja, diese Lektion musste ich wohl lernen. Ich war klitschnass und müde und wollte meine Ruhe, deswegen ging ich nach Hause. Auf dem Weg traf ich noch die Oma, die mir sagte, dass sie nicht verstehen kann, wieso ich ausgezogen bin und sie mich so vermisse und zu Weinen anfing. Oh je, heute ist aber auch ein total verwirrter Tag. Zuhause bei Reyna waren sie weniger besorgt. Reyna fragte lediglich ob ich getrunken habe und als ich sagte „ja“, lachte sie nur und meinte, sie auch. Carla erzählte mir, dass meine Tasche offen rumgelegen wäre und Senora Soundso sie deswegen mithätte. Aber meine Kamera sei nicht mehr da, ob sie geklaut worden wäre? Nein, sie war noch da, halt in der Kameratasche. „Da hast du Glück gehabt. Nimm NIE, NIE wieder solche Sachen mit auf eine Fiesta und lass die Tasche dann offen liegen“. Ok. Heute war der Naivitätspegel mal wieder sehr hoch, es tut mir leid. Wird nie wieder vorkommen. Auch Marci hab ich versprochen, dass ich nie wieder mit irgend nem Kerl Wasser oder Sonstwas holen geh, Ehrenwort. Ich glaube, das liegt einfach daran, dass ich mich hier mittlerweile einfach wie Zuhause fühl und mich dementsprechend auch so verhalte. Ich denk einfach nicht mehr so sehr daran, dass es in Peru nunmal anders zugeht. Ich werds wieder ändern. Das jetzt irgendwelche Gerüchte 100%ig rumgehen, war mir eine Lehre. Ich hoffe sie sprechen wenigstens den armen Juan nicht darauf an. So, jetzt wollt ich aber nur noch ins Bett. Ein letztes Mal mit meinem geliebten Renzo Zähneputzen, bevor morgen alle nach Lima abdüsen und er erst wieder mitte März zurückkommt (Schluchz) und ab in die Falle, einfach schlafen und alles vergessen. Vieleicht vergessen es die andern ja auch.
ffffffff
18.01.09 böses Mädchen und Ballspiele
fffffffff
Nachdem ich um 7 Uhr früh meine Familie nach Lima verabschiedet habe und noch ein bissl traurig wieder zurück ins Bett bin, um um 9 Uhr von irgend einer Frau geweckt zu weden, die ab jetzt immer die Meerschweinchen füttert, hab ich später gelernt, dass hier nichts so schnell vergessen wird. „Sabine, hast du heute keine Kopfschmerzen?“ Nein. „Und was ist mit Juan, triffst du ihn heut, hihi. Weisst du dass sein Spitzname ,der Hexer´ bedeutet? Das passt doch super, er ist ein Hexer und du eine Hexe (rote Haare), hihihihihi“. Oh mann, Sonia kann einen ziemlich nerven. Ich bestand auf die Wassergeschichte. Es ist nun so, dass nicht automatisch alle denken, ich würde des Nachts mit irgendwem rumknutschen. Aber Sonia ist, wie gesagt eine Klatschtante, sie liebt es irgendwelchen Mist von sich zu geben und macht es auch dementsprechend oft. Das war nun also ein gefundenes Fressen für sie. Und das ist mein Problem. Tja. Irgendwann wirds schon langweilig werden. Wir verabschiedeten uns erstmal, weil heute Fußball angesagt war und Thomas sollte auch mitspielen. Und Milton und Angel. Am Fußballplatz war großes Hallo und es waren ca. 7 Chocho-Wagen aufgestellt, wo wir uns gleich eine rießen Portion kauften. Es spielten die verschiedenen Stadtteile gegeneinander. Unseres war übrigens total schlecht. Als Milton und Angel nach der ersten Halbzeit aufhörten zu spielen, setzen wir uns zu ihnen aufs Spielerbänkchen, bzw. auf den Spielerboden. Auf einmal kam noch jemand anderes angerannt. Juan. Oh,oh, der ist bestimmt noch total beleidigt. Man sah ihm an, wie er ca. 1 sec. haderte, dann begrüsste er Joana mit Küsschen und auch mich. Und sogar Anika, diesmal. Na wunderbar. Trotzdem hoffte ich, er verschwinde wieder aufs Spielfeld, bevor uns irgendwer „zusammen“ sieht und sich wieder irgendwas krankes ausdenkt. Er blieb, machte aber nix mehr und war freundlich wie immer. Nachdem wir haushoch verloren hatten, gingen wir zum Mittagessen. Ich bekam auch was ab, obwohl ich ja eigentlich gar nicht mehr da wohn. Dafür durfte ich mir aber wieder den selben Mist von Sonia anhören, die mich zusammen mit Marci nur nach „la chica mala“ nennt, also das böse Mädchen. Suhuper. Es ist zwar nur Spaß, aber es wurmt mich schon trotzdem. Ob Juan denn jetzt mein Freund sei. Nein, wir haben doch nur Wasser zusammen gekauft. Chancenlos. Was solls, ich weis ja was Sache ist und seh Juan so gut wie nie, irgendwann vergessen dies schon wieder, wenn sie merken, dass ich nicht mit ihm rumhäng. Ich ging nach Hause, mit meinen Eltern telefonieren. Abends wollten die Mädels vorbeikommen, Mädelsabend machen, wenn ich schon mal sturmfrei hatte. Als sie kamen erzählte Joana mir, das Sonia gemutmasst hatte, ich wäre nicht allein in meinem neuen Haus, sondern mit Juan dort, hahahahahaha. Bäh, oh Nein, das wird noch ewig so gehen. Sonia versteht es Witze so lang zu machen, bis sie wirklich schon einen meterlangen Bart haben. Tja, da muss die Chica mala nun durch. Ich hab jedenfalls ein reines Gewissen, deswegen stör ich mich jetzt auch nicht weiter dran. Ansonsten war der Mädelsabend sehr lustig und ich fühlte mich wieder super. Mein eigenes Haus in Peru. Mehr oder weniger.

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