Dienstag, 30. September 2008
nochmal zu meinem Blog
Leider kann man hier die Posts nicht nach dem Datum ordnen, um die Posts zu lesen (in der richtigen Reihenfolge), dann schaut einfach nebenan im Blogarchiv und pickt euch das richtige Datum raus.
Bis bald :)
Bine
29.09.08 Lehrer und Luftballons
Unsere Klasse in Cahuish
Wir haben dann unsere kleine Show abgezogen,viel ueber Deutschland und seine Einwohner erzählt, Fotos und Euromuenzen rumgezeigt und ihnen erklärt, dass es in den Städten Häuser gibt mit mehr als 10 Stockwerken. Die Kinder waren sehr aufmerksam und auch ziemlich fasziniert von den ganzen Sachen (in den kleinen Städten und in den Dörfern gibt es meistens höchstens 2 Stockwerke). Danach haben wir unsere Fragen gestellt und die Chicos haben wirklich toll mitgemacht und auch richtig geantwortet. Dann gabs die Stifte und als Schmankerl noch Luftballons, die uns die Raiffeisenbank u. A. gespendet hat.
Die Kinder scharren sich um die Stifte und die Luftballons
Danach ging es wieder an den 2-Stunden Abstieg. Ich muss sagen, wenn das Wetter so bleibt, dann macht mir der Weg, quer durch die schöne Berglandschaft in Peru sogar Spaß. Es gibt viele schöne Pflanzen zu sehen, Schäfer und Bauern und kleine Gebirgswasserfälle. Mir gefällt es hier wirklich sehr gut. Es ist landschaftlich irgendwie genau das was ich schon immer haben wollte, bei meinem Wunsch mal eine Weile im Ausland zu bleiben. Und auch die Leute sind sehr nett und aufgeschlossen. Und je mehr spanisch wir können, desto besser wirds. Was mir hier besonders gut gefällt, ist die Begruessung. Frau und Frau und auch Mann und Frau geben sich zur Begruessung immer einen angedeuteten Kuss auf die Wange. Was ich daheim bestimmt nicht bei jedem ueber mich gebracht hätte, mach ich hier ganz automatisch und ich finde es auch wirklich schön. Es ist so viel herzlicher und man fuehlt sich den Leuten irgenwie viel näher. Natuerlich hängt die Kussstärke vom jeweiligem Gegenueber ab. Nicht so saubere Leute kriegen einen Backentatscher von mir, Leute die mir auf Anhieb sympatisch sind, können auch mal ein richtiges Kuesschen kriegen (z.B. Fredy, aber nicht schimpfen, seiner Frau hab ich dafuer auch eins gegeben, obwohl die mir eher weniger sympatisch ist). Ich finde eh, dass Freundschaften hier wohl viel eher geschlossen werden können. Aber vieleicht kommt mir das in meiner Momentanen Euphorie auch nur so vor.
Als wir wieder in Jangas waren, erwartete uns in der Garage von Milton mal wieder eine freudige UEberraschung. 4 kleine sueße Meerschweinchen und ein total verängstigtes Kanninchen lagen in einem Sack (!) auf dem Boden. Es sind „Reste“ von dem großen Fest, Geschenke die die Captains gekriegt haben und die sie wiederrum auf die Dorfbewohner aufteilen. Als Tierschuetzer hat man es hier wirklich nicht sehr leicht, aber so ist es nunmal. Hinzu kommt noch, das das nächste Meerschweinchen-Mahl dann wohl nicht mehr lange auf sich warten lässt. Ich denke ich täusche dann eine Magenverstimmung, bwz. eine spontane Konvertation zum Vegetarismus vor.
Heut Abend gabs zum Glueck nur Brot mit Honig. Es war wieder sehr lustig, wir haben noch 3 Runden Memory gespielt, bei denen ich eine neue Betruegertaktik ausprobiert hab, die leider nicht geklappt hat. Jetzt sollte ich noch ein bisschen Spanisch lernen, weil ich das im Moment leider ein bisschen vernachlässige.
28.09.09 Schwimmbad und Schreibarbeit
Nach dem Essen hab ich das erstemal seit 10 Tagen (bis auf die Melone nach dem Cuy-Ereignis) mal wieder Obst gegessen. Eine Banane. Mann, war die lecker. Wir haben echt ein riesen Glueck, das Miltons Mama einen Laden hat. Danach, haben wir den ganzen Abend noch unseren Unterricht vorbereitet, den wir morgen halten sollen, in Cauhish. Ich habe eine Suedamerikakarte gebastelt (auf die ich sehr stolz bin) und eine Peru Karte und wir haben aus unseren Fotos Collagen gemacht, immer nach Themen sortiert, wie Berlin, bayerische Traditionen, Feuerwehr, Sport usw. Dann haben wir uns noch Fragen ausgedacht, etwa „wie heissen die Berge in Deutschland“ und fuer jedes Kind einen Buntstift und einen Luftballon eingepackt. Leider duerfen wir den Kindern nicht gleich alle Geschenke auf einmal geben. Und auch nicht nur ein Spiel mitbringen, weil es dann sofort Streit gibt. Ausserdem sind wir ja jetzt in mehr Schulen als erwartet. Ich danke hier schon mal Faber-Castell, die mir wirklich haufenweise Stifte gespendet haben. Die Kinder lieben sie. Sie sind ganz verrueckt auf die Geschenke. Im Gegensatz zu den Bewohnern von Jangas, sind die Leute in den Dörfern in denen wir Unterrichten wirklich sehr arm.
27.09.08 McGyver und Memory
Kaum aus dem Bad raus, stand Thomas vor mir. Er hat sich ausgesperrt. Der Schluessel lag auf einer Kommode am Ende seines Zimmers. Die gute Nachricht: Das Fenster war offen. Die schlechte Nachricht: Es ist vergittert! Also suchten wir nach einer Möglichkeit, den Schluessel zu erreichen. Ich bin sehr, sehr Stolz, wuerde es eine McGyver Urkunde geben, wir hätten sie verdient! Da während des Festes ununterbrochen scheisslaute Feuerwerkskörper abgeschossen wurden, lagen im Garten zwei Bambusstäbe, Reste von den FW-Körpern, rum. Mit Kabelbindern (Danke Papa) haben wir sie zu einem Riesenstock verbunden und noch einen rostigen Draht, der ebenfalls rumlag, daran befestigt. Was soll ich sagen? Es gelang mir tatsächlich den Schluessel aus ueber 2 m Entfernung zu angeln! Ich war stolz wie Oskar, Thomas schenkte mir zum Dank haufenweise Nimm2 und der Stecken bleibt jetzt erstmal so, fuer den Fall, dass sowas wieder passiert.
26.09.08 Meerschweinchen und Magenschmerzen
Die Familie Vergana und wir
Dann gab es 3 Personen die haufenweise Schärpen umhatten, einer avon war Fredy, ein Jangas-Bewohner, der nach Amerika gezogen ist (ich muss zugegen, ich steh ein bisschen auf ihn, leider wohnt er in Amerika weil seine Frau dort lebt). Er konnte mir auf Englisch erklären, dass die Kitsch-Geschenke fuer die „Captains“ sind, eben die Leute mit den Schärpen. Das sind die Leute, die das Fest ausrichten. Auch der Stierkampf war ein Geschenk. Jedes Jahr gibt es andere Captains. Und dieses Jahr ist Fredy einer davon (schmelz).
Die Parade dauerte ewig. Danach sind wir in die Kirche, weil Milton die Ehre hatte, die Statue der Virgen mit einem sehr prunkvollem Gewand, das er gekauft hat, einzukleiden. Danach gabs schon wieder Essen. Eine Milchsuppe, diesmal mit echten Nudeln. Sie war sehr lecker, leider war es mal wieder ein Fehler sie zu Essen. Ich bekam furchtbare Bauchschmerzen. Da ich ca. 200 Durchfalltabletten geschluckt hatte, konnte ich nichtmal aufs Klo. Sonya hat mir dann irgend ein Gebräu zubereitet, das angeblich helfen sollte. Es half nicht! Na toll, und ich hab versprochen mit zum Tanzen zu kommen. Es half nichts, um 22 Uhr 30 gings ab zum Festplatz. Ich hatte ueberhaupt keinen Bock, machte aber gute Miene zum bösen Spiel. Nachdem Milton mich ein wenig rumgewirbelt hat, tanzte (juchu, juchu) Fredy mit mir. Netterweise hat Thomas sich dessen Frau geschnappt (sie ist uebrigens ein ganz schönes Mauerbluemchen, ich weis das klingt böse, aber es stimmt! (Thomas sagt das auch :-))) Danach war der Ofen aber leider aus. Mir gings so schlecht, ich hab mit zusammengebissenen Zähnen noch alle Leute begruesst die mir Fredy vorstellte (das wars mir noch wert), trank noch ca. 50 ml Bier und verschwand. Eigentlich schade, die Musik hat mir gut gefallen und es war ein riesiger Turm aus Bambus aufgebaut, der verbrannt werden sollte und das wollte ich unbedingt sehen. Milton sagte der Turm wird um 24 Uhr angezuendet (also um 2 Uhr), aber so lange hätte ich es nie im Leben mehr ausgehalten. Also ging ich Heim. Im Zimmer musste ich dann erstmal eine Riesen-Spinne entfernen, Thomas ueberbrachte mir die Nachricht, dass das Wasser mal wieder nicht geht und mir war kalt und ich hatte Bauchkrämpfe! Es war also alles doof. Zum Glueck schlief ich ziemlich bald ein, weil ich es mittlerweile gewohnt war um 22 Uhr ins Bett zu gehen.
25.09.08 Fiesta und Ferien
Später dann, hab ich etwas gemacht, wofuer ich mich ehrlich gesagt, selbst ein bisschen verachte. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich je auf einem Stierkampf wiederfinden wuerde – ich fand mich! Um ehrlich zu sein, verabscheue ich dieses „Vergnuegen“ zutiefst, es ist eine sinnlose, furchtbare Tierquälerei und sollte mit allen Mitteln bekämpft werden. Nun stand ich aber vor der Entscheidung: In Jangas ist gerade Festwoche und heute war grosser „Corrido de Torro“ angesagt. Da ich gestern beim fröhlichen plaudern zuerst nicht aufgepasst habe, zu welcher Einladung ich „si, si“ gesagt habe und später, als ich erfuhr was ein Corrido überhaupt ist, die Wahl hatte, ob ich meine Prinzipien ueber Bord werfen und mit der gesamten Familie dorthin zu gehen, oder standhaft zu bleiben und jetzt, in dieser heiklen Annäherungsphase als launische Gringa abgestempelt zu werden, entschied ich mich schweren Herzens für den Stierkampf. Ich weis, das ist keine Entschuldigung, aber verhindern hätte ich ihn sowieso nicht können.
Leute mit einem Plumps niederliessen. In Deutschland hätte jede Sicherheitsbehörde laut aufgeheult. Die Stierkampfarena selbst, war durch einige windige Bretter abgetrennt. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn die Bretter nicht hielten, was sie (mehr oder weniger) versprachen.
Es herrschte Volksfeststimmung. Unzählige Verkäufer liefen durch die Reihen und wollten Popkorn, Inka-Kola, Zuckerwatte, Bier und Spielzeug für die Kinder an den Mann bringen. Nach einer Parade durch die Arena, kamen dann die „Helden“ des Events. Der Torrero (in seinem komischen flieder und rosafarbigem Anzug erweckte er leicht en Eindruck als sei er vom anderen Ufer) und die 3 „Locos“, Clowns, die ebenfalls mit den Tieren „spielen“. Dann ging es los, 5 Stiere, die jeweils nacheinander aus ihrem Wagen gezerrt wurden um schliesslich aufs übelste getriezt zu werden. Ehrlich gesagt hab ich ich immer heimlich gefreut, wenn einer von den Möchtegern-Helden und besonders der Torrero eins mit den Hörnern abbekommen haben. Nach ca. Einer Stunde war der Spass dann auch schon zu Ende und zum Glück war es ein unblutiger Stierkampf, wo die Tiere „nur“ geärgert und nicht erstochen werden. Die Leute hatten viel Spass und ich will ihnen keinen Vorwurf machen, weil sie es nicht anders kennen. Vielleicht, wenn wir uns später mal etwas besser kennen, kann ich ja mal mit ihnen darüber reden. Aber das ist wohl nur ein Tropfen auf den heissen Stein.
Danach war noch Tanz auf den Strassen, was mir hier sehr gut gefällt. Ich hatte auch das Vergnügen, nachdem ich von einem Señor aufgefordert wurde und keine Spielverderberin sein wollte. Morgen soll es sogar noch wilder zugehen. Ich bin ja schon mal gespannt. Zum Glück hab ich schon am Anfang gesagt, dass ich überhaupt keinen Alkohol trinke (ja, hab ich wirklich!). So kann mir das Abgefüllt-werden nicht passieren, was hier scheinbar den Gringos blüht, sollten sie sich hierher verirren. Ich freu mich schon auf Morgen. Wegen der Festwoche haben alle Kinder Ferien und unsere Arbeit beginnt erst am Montag.
22- 25. 09. 08 Umzug und Unterricht
Thomas muss leider noch in der anderen Unterkunft bleiben, warum versteht keiner so genau. Aber ich habs jetzt auf jeden Fall sehr gut, das Zimmer ist sicher, es ist ruhig und das Bad (das wir dann später zu 4 nutzen) ist riesig! Leider geht die Dusche noch nicht, aber Milton sagt, am Freitag ist das erledigt (also dann am Montag :)). Bis dahin muss ich eben noch bei Thomas duschen. Ich freu mich schon auf die andern beiden Freiwilligen, wir werden dann in einer richtig coolen WG wohnen. Ich weis zwar leider nicht, wieso wir jetzt nicht in eine Familie können (Milton sagt zwar „später“, nur er sagt oft etwas, was dann doch nicht eintritt), aber ehrlich gesagt find ich das mit der WG eh besser.
Mein Zimmer!!
Eine andere Freiwillige, die in Bolivien ist, hat uns letztens eine Rundmail geschrieben. Sie muss sich in einer Familie das Bett mit einem anderen Mädchen teilen und hat es auch sonst sehr unruhig und einen Eimer als Dusche. Da haben wir es wirklich sehr, sehr gut getroffen. Uns geht es wirklich super gut, es fehlt uns an nichts. Aber wir muessen dafuer auch ca. 70 Euro im Monat zahlen und nicht wie zuerst gedacht, nichts.
Ich glaube Milton will, das wir langsam in die peruanische „Gesellschaft“ eingefuehrt werden, bevor wir in eine Familie kommen. Wir werden sehen.
Unsere Riesen-Dusche
Nachdem wir am Montag in Cahuish waren, einem Dörfchen nahe Jangas, noch weiter oben gelegen, ca. 3500 m, wo wir mit der 5ten und 6ten Klasse „Deutsch-Kunde“ und Ernährungsunterricht machen (und ich glaube auch Computerunterricht, bin mir aber nicht sicher), waren wir heute in Atupo, um die Klasse zu besuchen, die die selben Fächer von uns gelehrt kriegen soll. Leider waren keine Kinder zu finden, da die Lehrer nur ca. 3x die Woche kommen und eben heute leider kein Tag war, an dem sie dazu Lust hatten. Also sind wir eben wieder runtergestapft nach Jangas (hab ich schon erwähnt, dass wir von unseren Schulen zu Fuss nach Jangas zurueck und manchmal auch hinlaufen muessen? – Nach Cahuish sinds uebrigens läppische 2 Stunden durchgehend Bergauf). Wenn wir Glueck haben, dann können wir mit den sogenannten Colectivos zu unseren Schulen fahren – das sind „Taxis“, bei denen man sehr schnell sein muss, da die Peruaner das Spiel „wieviel Clowns passen in ein Auto“ neu definiert haben. Wer am schnellsten ist, kommt auf den Beifahrersitz. Danach ist die Rueckbank dran: Tueren auf – wumms – 5 Leute passen mit Glueck hinten rein. Aber das ist noch nicht alles – es gibt ja noch den Kofferraum! Also, rein mit Omi, Opi und dem Sack voller Coca-Blätter. Wer dann noch uebrig ist, darf sich noch mit auf den Beifahrersitz quetschen und ab geht die Post. Dass das Auto in Deutschland noch nicht einmal TUEV hätte muss ich wohl nicht noch erwähnen. Die Abhänge sind mal wieder steil, die Straßen kurvig und der Fahrer gedanklich auf der Rennbahn, aber es macht Spaß! Das Leben hier ist so viel unkomplizierter und lustiger, man muss sich einfach nur drauf einlassen. Und die Gefahren am besten ausblenden, mann kann ja eh nix machen. Einfach leben!
Am Mittwoch werden wir jetzt also in Atupo arbeiten, am Donnerstag in Jangas Computer- und Ernährungsunterricht geben und am Freitag in einem Bergdörfchen Namens Tara, das gleiche wieder. Am Samstag machen wir mit den Jugendlichen in Jangas Theater und Tanz. Und wir werden noch mit den Muettern der Kinder in Cahuish, Atupo und Jangas ebenfalls Ernährungskunde machen und drei oder vier Gemuesegärten anpflanzen, dass ist noch nicht ganz klar. Es wird also bestimmt nicht langweilig werden.
Ach uebrigens: Hier ist es heiss!! Die tiefsten Temperaturen sind ca. 5 -6 Grad, es stimmt also gar nicht, dass es hier kalt sein soll. Die Mutter von Milton hat sogar gesagt, dass es Weihnachten sehr heiss sein soll. Im Moment haben wir gerade Fruehling. Und Schnee gibt es hier nie. Nur oben, auf der gigantischen Cordillera blanca, der grossen Gebirgskette, ragen die atemberaubenden schneebedeckten Gipfel der 6000er empor. Ich vermisse meine Heimat, Familie und Freunde schon sehr. Aber ich bin auch wahnsinnig gluecklich hier sein zu duerfen!
Neues aus Peru
Ich wollte hier an diesem Punkt nur mal schnell was erklären, wie ich das mit diesem Webblog hier handhabe. Ich schreibe fast jeden Tag Tagebuch und tippe die ganzen Einträge dann an dem Tag, an dem wir mal wieder ins Internet kommen ab. Das was drin steht ist also genau das, was ich an diesem Tag denke oder erlebe.
Ach so, es ist ein bissl bloed das mit den Bildern hier zu Koordinieren, drum mach ich das so, dass die blau geschriebenen Stellen immer die Bildunterschriften sind, auch wenn sie nicht immer direkt unter dem Bild stehen.
Bis naechsten Dienstag dann, viel Spass beim Lesen
Eure Sabine
weitere Fotos: https://fotoalbum.web.de/gast/americalatina/weitere_Bilder und unter meinem Fotoalbum bei Lokalisten
Dienstag, 23. September 2008
Die erste Woche in Jangas
Das ist Jangas, ein wunderschoenes Staedtchen
Peru ist wirklich wunderbar. Es gibt sehr viele Gegensaetze. Neben einem hochmodernem Haus, angemalt in den schoensten Farben, steht ein Haus das nicht mal verputzt ist. Dahinter ist ein "Haus" das schon lang verlassen wurde, oder noch nie fertiggestellt, das ist nicht yu erkennen. Dieses Haus hat weder Fenster, noch Tuer, noch Bewohner. Meistens wachsen schon Pflanzen daraus. Auch die menschen sind unterschiedlich. Es gibt unzaehlige Frauen die ganz modern angezogen sind, die Jugendlichen meist in ihrer Schuluniform (Trainingsanzug) die aelteren mal im Minirock, meistens in Jeans und langem Pullover, trotz der Hitze.
Dennoch sind die meisten aelteren Frauen in ihren alten Trachten zu sehen, die typischen Huete und weiten Roecke. Fast jede dieser Frauen hat ein Tuch ueber den Ruecken, indem sie wahlweise Pflanzen oder Babys transportieren. Und es ist immer etwas los, ueberall, auf jeder Strasse, spielen Kinder, Spazieren die Leute, machen Einkaeufe, oder sitzen einfach nur da und schauen. In Peru erfaehrt man einfach die geballte Ladung Leben! Es gibt unzaehlige kleine Tiendas (Laeden), mir schein manchmal mehr als es Wohnhaeuser gibt. Dafuer sucht man vergeblich nach einem Supermarkt. Auch die Landschaft in Ancash ist der Hammer. Die Berge sind gigantisch, so geeindruckend, dass ihnen kein Foto der Welt je gerecht werden koennte. Leider gibt es eine schlechte "costumbre", eine Angewohnheit der Jugendlichen, naemlich die trockene Landschaft anzuzuenden. Wenn man durch die Strassen faehrt, sieht man hier und da immer mal wieder Buschwerk oder Graesser brennen. Als ich Milton gefragt habe ob das nicht gefaehrlich sei, immerhin wurden die Feuer weitgehend ignoriert, zuckte er nur mit den Schultern und meinte: ja. Aber es ist nun mal eine Gewohnheit der Jugendlichen." Das wars. Thema erledigt. Das Essen hier ist sehr ueppig. So gut wie alles was ich bisher gegessen hab, war frittiert. Dazu gibt es immer Limonade. Vom Wasser trinken halten die Peruaner wenig. Wenigstens vertrag ich bisher alles sehr gut. 
Ich auf einem Alpaca
Gestern waren wir dass erstemal an unserem Arbeitsplatz, eine kleine Schule in einem Ureinwohnerdorf. Wir sollen dort - haha- Ernaehrungskunde unterrichten. Leider hab ich null Ahnung von Ernaehrungskunde und leider koennen die Kinder kaum Spanisch, genauso wie wir, na gut, ein bisschen besser. Ich hab keine Ahnung wie wir das auf die Reihe kriegen sollen, aber kommt Zeit kommt Rat, oder wie die Peruaner gern sagen, es geht alles "Poco a poco". Es ist eh vieles anders als Beschrieben. Irgendwie ist dass alles ein grosses durcheinander. Mit Englisch und Computerunterrichten sieht es schlecht aus, das macht naemlich schon Ariane. Dann eben Ernaehrung und Theater. Ich bin ja mal gespannt!

Die Schule in dem kleinen Doerfchen, in der wir unterrichten.
So, dass wars fuers erste. Ich haette noch viel mehr zum Schreiben, aber leider keine Zeit mehr.
Ich werde mich bald wieder melden. Freu mich uebrigens ueber Kommentare von euch :-)
Viele liebe Gruesse y con un abrazo
Sabine
Lima
Meine ersten Zweifel an der ganzen Unternehmung kamen schneller als erwartet. Nachdem ich waehrend unseres Fluges mit der Lufthansa noch voller Euphorie war, dachte ich mir das erstemal, gleich nach dem einchecken im Flughafen von Caracas, Venezuela, waehrend wir durch die "Sicherheitskontrolle" zu unserem Anschlussflug mussten - durchgefuehrt von drei Halbwuechsigen, die es wahnsinnig witzig fanden, dass ich auch meine Jacke aufs Gepaeckband legte (in Deutschland uebrigens Vorschrift) und sich aber auch rein gar nicht um den Inhalt unseres Gepaecks scherrten - : "Was zum Henker mach ich hier eigentlich?" Als unser Flug dann auch noch von einem anderen Gate startete und wir dass eher nur zuffaellig erfuhren, bei dem ich leider auch feststellen musste das wir gar nichts, aber auch wirklich gar nichts verstehen, war ich dann sogar richtig froh mich endlich in einer Suedamerikanischen Ruettelkiste wiederzufinden, hauptsache es war die richtige. Leider fing es dann innerhalb von 5 Minuten auch noch schrecklich zu Regnen an und der Flug hatte dann auch noch verzoegerung. Ich sah uns schon um 24 uhr in Lima landen, eine Stadt vor der ich Dank unzaehligen Warnungen im Reisefuehrer eh schon unzaehligen Respekt hatte. Nach einem etwas turbulentem Flug landeten wir dann doch "schon" um ca. halb elf in Lima (meine Uhr hatte ich schlauerweise im Handgepaeckbehaelter im Frankfurter Flughaben liegen lassen). Nachdem bei so viel Glueck trotzdem unser ganzes Gepaeck unbeschadet ankam, hatte ich meinen ersten, zugegeben sehr intimen Kontakt mit einem Einheimischen beim Auschecken am Flughafen. Meine "Handtasche" die ungefaehr 6 kg wog, hatte ich um den Griff meines Trolleys gehaengt. Als ich nach meinem Pass kruschtelte und den Trolley dafuer loslies, flog dieser natuerlich um - direkt in den Schritt eines hinter mir stehenden Peruaners! Vor lauter Schreck vergass ich natuerlich den spanischen Ausdruck fuer "Tut mir leid" (lo siento), gleichzeitig musste ich aber auch so lachen, dass es mich wunderte, dass er nicht sauer geworden ist.
Der zweite Kontakt mit Einheimischen war weniger lustig und zwar fand er am Bankautomaten statt, als ein kleiner Junge sich "ganz zufaellig" neben uns stellte, um unsere Geheimnummer nachzuschauen. Da ich nicht wusste was "hau ab" heisst, musste ich ihn etwas unsanft wegschupfen, das hat mir schon ein bisschen leid getan, aber dass ist es ja dann doch nicht wert. Wir uebernachteten daraufhin in einem nahegelegenen, etwas besserem Hotel, da wir zu viel Schiss hatten um elf uhr Nachts noch eine Jugendherberge zu suchen.
Am naechsten Tag brachte uns ein Taxi zur Busstation von Cruz del Sur, ein erste Klasse Busunternehmen, dass uns nach Huaraz bringen sollte. Schon die Fahrt dahin war unvergesslich. Lima ist eine wahnsinnsstadt. Riesige Werbetafeln und Leuchtreklamen wechseln sich ab mit den Baracken der Armen, den sogennanten "Pueblos Jovenes", planlos zusammengewuerfelte und aufeinander gestapelte Huetten, bei denen die meisten nicht einmal ein Dach haben. Als ich mir fuer Peru einen internationalen Fuehrerschein beantragt habe, wurde ich davor gewarnt in Peru Auto zu Fahren. Jetzt weis ich auch warum: Ruecksicht und Autofahren koennen fuer die Peruaner nicht zusammen in einem Satz vorkommen. Ihr liebstes Werkzeug ist nach dem Gaspedal die Hupe. Bevor gebremst wird, seis fuer andere Autos oder Menschen, wird erstmal gehupt. Wenn die Bahn dann noch nicht frei ist, dann wird eben nochmal gehupt - ohne den Fuss vom Gas zu nehmen, versteht sich - erst beim dritten mal wird gebremst. Seltsamerweise funktioniert das aber sehr gut. Waehrend der Fahrt zum Busbahnhof haben wir einiges auf der Strasse entdeckt. Zeitungsverkaeufer, die einen direkt ins Auto beliefern, voellig vollgestopfte Huehnerbusse, auch eine Radkappe, die im Getummel friedlich vor sich hinrollte. Wenn mein Spanisch etwas besser ist, muss ich unbedingt nochmal nach Lima. Es una ciudad magnifica!

Samstag, 20. September 2008
Hola mis Amigos
Bis bald y con un abrazo
Montag, 15. September 2008
Fotos
Viel Spaß und bis bald
https://fotoalbum.web.de/gast/americalatina/Bilder_meiner_Reise
Donnerstag, 11. September 2008
noch 6 Tage
Ich kanns zwar immer noch kaum erwarten, aber ein bischen mulmig wird mir bei dem Gedanken schon. Gerade jetzt, wo ich mich jeden Tag immer wieder mit Leuten treffe, um mich zu verabschieden wird mir erst so richtig bewusst, dass die Reise nicht mehr "irgendwann später" ist, sondern dass es jetzt langsam ernst wird. Umso mehr will ich hier nochmal all meinen Freunden danken, die sich so viele liebe und lustige Geschenke und Glücksbringer für mich ausgedacht haben, oft wenn ich es gar nicht erwartet hab. Und ich liieeebe Überaschungen!! :)
Also, danke nochmal, ihr seid echt super, werd euch auch alle ganz schrecklich vermissen, aber 9 Monate sind ja auch gleich wieder rum und dann gibts erst mal wieder ne Party :)
http://www.maplandia.com/peru/ancash/carhuaz/jangas/
Sabine Marsch
