Dienstag, 30. September 2008

nochmal zu meinem Blog

Hallo Leute, hab hier ganz viele neue Eintraege fuer euch!
Leider kann man hier die Posts nicht nach dem Datum ordnen, um die Posts zu lesen (in der richtigen Reihenfolge), dann schaut einfach nebenan im Blogarchiv und pickt euch das richtige Datum raus.

Bis bald :)
Bine

29.09.08 Lehrer und Luftballons

Heute war also unser erster Tag als Lehrer in der kleinen Schule in Cahuish. Ich war am Anfang schon ein bisschen aufgeregt, schliesslich ist unser Spanisch noch lange nicht perfekt und ich hatte keine Ahnung wie die Kinder sich verhalten, wenn wir da vorne stehen und irgendwas rumbrabbeln und ob sie ueberhaupt etwas davon verstehen. Zuerst haben wir Tonpapier rumgegeben, auf das die Kinder ihre Namen schreiben sollten. Blöderweise hatte ich (natuerlich) meine Brille nicht dabei und konnte deswegen die Namen ganz hinten ueberhaupt nicht mehr lesen. Na gut. Ich hab die Kinder hinten halt dann „y tu“ also „und du“ genannt. Zwar nicht gerade pädagogisch korrekt, aber das nächste mal wirds besser, versprochen.




Unsere Klasse in Cahuish



Wir haben dann unsere kleine Show abgezogen,viel ueber Deutschland und seine Einwohner erzählt, Fotos und Euromuenzen rumgezeigt und ihnen erklärt, dass es in den Städten Häuser gibt mit mehr als 10 Stockwerken. Die Kinder waren sehr aufmerksam und auch ziemlich fasziniert von den ganzen Sachen (in den kleinen Städten und in den Dörfern gibt es meistens höchstens 2 Stockwerke). Danach haben wir unsere Fragen gestellt und die Chicos haben wirklich toll mitgemacht und auch richtig geantwortet. Dann gabs die Stifte und als Schmankerl noch Luftballons, die uns die Raiffeisenbank u. A. gespendet hat. An dieser Stelle danke dafuer, die Kinder waren ganz verrueckt danach.




Die Kinder scharren sich um die Stifte und die Luftballons




Danach ging es wieder an den 2-Stunden Abstieg. Ich muss sagen, wenn das Wetter so bleibt, dann macht mir der Weg, quer durch die schöne Berglandschaft in Peru sogar Spaß. Es gibt viele schöne Pflanzen zu sehen, Schäfer und Bauern und kleine Gebirgswasserfälle. Mir gefällt es hier wirklich sehr gut. Es ist landschaftlich irgendwie genau das was ich schon immer haben wollte, bei meinem Wunsch mal eine Weile im Ausland zu bleiben. Und auch die Leute sind sehr nett und aufgeschlossen. Und je mehr spanisch wir können, desto besser wirds. Was mir hier besonders gut gefällt, ist die Begruessung. Frau und Frau und auch Mann und Frau geben sich zur Begruessung immer einen angedeuteten Kuss auf die Wange. Was ich daheim bestimmt nicht bei jedem ueber mich gebracht hätte, mach ich hier ganz automatisch und ich finde es auch wirklich schön. Es ist so viel herzlicher und man fuehlt sich den Leuten irgenwie viel näher. Natuerlich hängt die Kussstärke vom jeweiligem Gegenueber ab. Nicht so saubere Leute kriegen einen Backentatscher von mir, Leute die mir auf Anhieb sympatisch sind, können auch mal ein richtiges Kuesschen kriegen (z.B. Fredy, aber nicht schimpfen, seiner Frau hab ich dafuer auch eins gegeben, obwohl die mir eher weniger sympatisch ist). Ich finde eh, dass Freundschaften hier wohl viel eher geschlossen werden können. Aber vieleicht kommt mir das in meiner Momentanen Euphorie auch nur so vor.
Als wir wieder in Jangas waren, erwartete uns in der Garage von Milton mal wieder eine freudige UEberraschung. 4 kleine sueße Meerschweinchen und ein total verängstigtes Kanninchen lagen in einem Sack (!) auf dem Boden. Es sind „Reste“ von dem großen Fest, Geschenke die die Captains gekriegt haben und die sie wiederrum auf die Dorfbewohner aufteilen. Als Tierschuetzer hat man es hier wirklich nicht sehr leicht, aber so ist es nunmal. Hinzu kommt noch, das das nächste Meerschweinchen-Mahl dann wohl nicht mehr lange auf sich warten lässt. Ich denke ich täusche dann eine Magenverstimmung, bwz. eine spontane Konvertation zum Vegetarismus vor.
Heut Abend gabs zum Glueck nur Brot mit Honig. Es war wieder sehr lustig, wir haben noch 3 Runden Memory gespielt, bei denen ich eine neue Betruegertaktik ausprobiert hab, die leider nicht geklappt hat. Jetzt sollte ich noch ein bisschen Spanisch lernen, weil ich das im Moment leider ein bisschen vernachlässige.

28.09.09 Schwimmbad und Schreibarbeit

Heute waren wir mit Milton im Schwimmbad. Davor war natuerlich noch Memory-Zeit. Ich hab währenddessen auch nochmal ein neues Wort gelernt „Trampa“, was glaub ich so viel heißt wie „Betrueger“. Dann gings ab in den Colectivo und mit Bleifuss nach Marcara, ins Schwimmbad. Ich war mir noch ein bisschen Unsicher, da ich nämlich nur einen Bikini dabei hatte, unsere Organisation uns aber einen Badeanzug empfohlen hat. Vor dem Schwimmbad standen dann ewig viele Stände und ich hab noch schnell fuer 10 Soles (2,50 Euro) einen Badeanzug fuer mich gekauft. Als wir dann eintraten, bekam ich schon beim bloßen Anblick wieder Magenprobleme. Das Wasser des Bades war so braun und veralgt und natuerlich ohne irgendwelche Reinigungsprozesse, das ich mal wieder auf die gute, alte Hirnabschalttechnik vertrauen musste. In den „Umkleiden“ hab ich mir dann meinen neuen Badeanzug angezogen und musste erschrocken feststellen, dass Bein und Brust deutlich weiter ausgeschnitten waren als bei deutschen Modellen. Also hab ich eben den Bikini noch mit drunter gezogen, was ein wirklich schönes Bild abgab. Im ganzen Schwimmbad waren vieleicht noch 4 andere Frauen und die hatten kurze Hose und T-Shirt an. Ich kam mir also in meinem Essemble mehr als verrucht vor. Zum Glueck war das Wasser so schmutzig, dass man meinen Körper nicht sehen konnte und es war warm, ca. 40 Grad oder mehr. Ein wahres Schlaraffenland also fuer so allerlei Getier. Dank Hirnausschalttechnik bin ich dann auch hineingesprungen und hab natuerlich sogleich Wasser geschluckt (sehr gute Leistung, Sabine). Naja, ab da wars dann eh schon wurscht, Herzlich Wilkommen Amöben-Ruhr.. Milton wollte immer unbedingt Wettschwimmen mit uns veranstalten. Da die meisten Peruaner aber nicht schwimmen lernen und es sich wenn dann selber beibringen, kommt dabei meist nur ein zappeliges geplantsche heraus. Milton war also immer letzter. Beim Wetttauchen hab dann sogar ich gewohnen. Danach sind wir noch in die sogenannten Cuevas, das sind so Naturhöhlen im Berg, in denen es aus irgend einem Grund natuerlich warm ist. Eine Natursauna quasi. In die kleinen Höhlen durfte man immer nur zu zweit, fuer zehn Minuten. Ich bin also mit Thomas rein. Gute Wahl, denn in der Höhle war ueberhaupt kein Licht und in so einem winzigem Vorraum war die einzige Dusche und das war ja dann auch gleich die Umkleidekabine. Es musste sich also immer einer Umdrehen, während der andere sich umzog. Alles in allem war es ganz nett, wobei es die Durchfallerkrankung die ich jetzt natuerlich habe, leider nicht wert war. Naja, Pech gehabt. Was nicht tötet härtet schliesslich ab.
Nach dem Essen hab ich das erstemal seit 10 Tagen (bis auf die Melone nach dem Cuy-Ereignis) mal wieder Obst gegessen. Eine Banane. Mann, war die lecker. Wir haben echt ein riesen Glueck, das Miltons Mama einen Laden hat. Danach, haben wir den ganzen Abend noch unseren Unterricht vorbereitet, den wir morgen halten sollen, in Cauhish. Ich habe eine Suedamerikakarte gebastelt (auf die ich sehr stolz bin) und eine Peru Karte und wir haben aus unseren Fotos Collagen gemacht, immer nach Themen sortiert, wie Berlin, bayerische Traditionen, Feuerwehr, Sport usw. Dann haben wir uns noch Fragen ausgedacht, etwa „wie heissen die Berge in Deutschland“ und fuer jedes Kind einen Buntstift und einen Luftballon eingepackt. Leider duerfen wir den Kindern nicht gleich alle Geschenke auf einmal geben. Und auch nicht nur ein Spiel mitbringen, weil es dann sofort Streit gibt. Ausserdem sind wir ja jetzt in mehr Schulen als erwartet. Ich danke hier schon mal Faber-Castell, die mir wirklich haufenweise Stifte gespendet haben. Die Kinder lieben sie. Sie sind ganz verrueckt auf die Geschenke. Im Gegensatz zu den Bewohnern von Jangas, sind die Leute in den Dörfern in denen wir Unterrichten wirklich sehr arm.

27.09.08 McGyver und Memory

Heut frueh ging es mir zum Glueck besser, ich hatte aber leichte Kopfschmerzen (wegen 50 ml Bier?). Todesmutig beschloss ich die Dusche auszuprobieren. Als ich, während das Wasser lief, den Duschknopf beruehrte, durfte ich feststellen das er unter Strom stand. Hm, blöd, war nämlich schon eingeseift. Also: weitderduschen, zur Sicherheit mit Gummi-Flipflops. Naja, ich lebe noch, aber ich glaube ich muss nochmal mit Milton reden! Trotz allem, es ist einfach ein faszinierendes Land, wenn sogar das Duschen zum Abenteuer wird :-)
Kaum aus dem Bad raus, stand Thomas vor mir. Er hat sich ausgesperrt. Der Schluessel lag auf einer Kommode am Ende seines Zimmers. Die gute Nachricht: Das Fenster war offen. Die schlechte Nachricht: Es ist vergittert! Also suchten wir nach einer Möglichkeit, den Schluessel zu erreichen. Ich bin sehr, sehr Stolz, wuerde es eine McGyver Urkunde geben, wir hätten sie verdient! Da während des Festes ununterbrochen scheisslaute Feuerwerkskörper abgeschossen wurden, lagen im Garten zwei Bambusstäbe, Reste von den FW-Körpern, rum. Mit Kabelbindern (Danke Papa) haben wir sie zu einem Riesenstock verbunden und noch einen rostigen Draht, der ebenfalls rumlag, daran befestigt. Was soll ich sagen? Es gelang mir tatsächlich den Schluessel aus ueber 2 m Entfernung zu angeln! Ich war stolz wie Oskar, Thomas schenkte mir zum Dank haufenweise Nimm2 und der Stecken bleibt jetzt erstmal so, fuer den Fall, dass sowas wieder passiert.
Auf diesem Bild angele ich gerade den Schluessel
Nach dem Mittagessen (Gottseidank Huhn), wollte ich unbedingt wieder zum Fest (aber natuerlich kein bisschen, um Fredy zu treffen :-p). Leider ging das aber nicht, da wir zu unserer ersten Spanischunterrichtsstunde mussten, gehalten von einer Professora, die Englisch kann. Ich stellte mir also eine stämmige, gut englischsprechende Professora vor und wir trafen ein Mädchen, 18 Jahre alt, sehr schuechtern und mit schlechteren Englischkentnissen als unser Castellano ist. Die Stunde stellte sich als sehr schwierig raus, da sie immer nie verstand was wir eigentlich wissen wollten und wir nie verstanden was sie uns erklärte, wir die ganze Zeit aneinander vorbei redeten und das auch noch in Spanisch. Weil sie aber sehr nett ist, werden die Stunden aber erstmal weiter gehalten. Thomas und ich machen einfach UEbungen aus unserem Lehrbuch und sie kann sie ja dann korrigieren. Ich musste nur Milton ein bisschen runterschrauben, da er wollte das wir jeden Tag Unterricht haben und das wäre wirklich absoluter Blödsinn. Jetzt haben wir zweimal in der Woche, vielleicht reduzier ich es noch auf einmal. Dann sind wir noch nach Carhuaz, was trinken (hmpf, kein Besuch auf dem Fest mehr) und es hat das erstemal in diesem Jahr geregnet. Jetzt fängt leider langsam die Regenzeit an. Davor warens immer um die 25 Grad. In unserer Freizeit danach, kam Thomas und mir die Idee, doch mal das Memory-Spiel auszuprobieren, das Thomas fuer die Kinder gekauft hat. Da es ein Tierbaby-Memory ist, kam uns die tolle Eingebung, doch unter jedes Bild den Namen des jeweiligen Tieres zu schreiben, damit wir die endlich mal lernen. Als wir bei der zweiten Runde angelangt sind, kam Milton ums Eck, samt Sonya. Wir sind dann mit dem Spiel in die Kueche um mit der ganzen Familie zu spielen (Es sind uebrigens 6 Geschwister, Milton, zwei Brueder, Sonya, Tanya und Marilin). Es war sehr lustig! Sie sind alle ueber 20, aber beim Spiel gings ab, als ob wir mit Kindern spielen. Die Verganas (so ist der Nachnahme der Familie) bescheissen und machen so viel Quatsch, das es wirklich eine absolute Freude war mit ihnen zu spielen. Wir haben voll viel gelacht und Spass gemacht. Das Spiel wird jetzt jeden Tag gespielt und die Namen der Tiere hab ich mittlerweile dadurch gelernt (und die Namen in Quechua, der Ureiwohnersprache, gleich mit :-)) Auch so haben wir mittlerweile sehr viel Spass. Thomas und ich machen ziemlich viele sehr witzige Sprachfehler. Zum Beispiel wollte ich heute „dar“, das Wort fuer „geben“ in die Vergangenheit setzen und sagte fälschlicherweise „darado“ und zeigte dabei auf Milton. Es stellte sich heraus dass das „Dummkopf“ heisst! Kurz darauf wollte Thomas Milton, der unbedingt Deutsch lernen will, erklären, dass man das deutsche B wie in „Brot“ ausspricht. Milton und Sonya verstanden aber „Bruto“, statt Brot, was soviel heisst – UEberraschung – „Dummkopf“. Es war wirklich zum Kaputtlachen. Und Situationen wie diese gibt es immer öfter. Zuerst waren Thomas und ich enttäuscht, dass wir nicht in eine Familie gekommen sind. Aber das stimmt nicht. Wir haben eine Familie und zwar die Vergaras! Die Mutter kocht fuer uns, wir essen zusammen und gehen zusammen auf die Fiestas. Nicht zu vergessen das Memory-Spiel! Die Mutter hat Praktischerweise auch noch einen eigenen kleinen Laden, in dem wir fast alles finden, was man so braucht (vor allem Klopapier, was man bei jedem Gang selbst mitbringen muss und das nicht ins Klo geworfen werden darf, sondern in einen Abfallbehälter daneben – bäh!) Was soll ich noch sagen? Uns gehts gut und bisher bereu ich noch kein bisschen, das ich diesen Schritt gegangen bin. Am Montag geht unsere Arbeit los. Mal sehen wies dann aussieht.

26.09.08 Meerschweinchen und Magenschmerzen

Heute ist Thomas bei „uns“ eingezogen. Er hat jetzt das Zimmer neben mir und wir freuen uns schon voll auf die anderen 2 Freiwilligen. Dann haben wir angefangen für die Kinder Collagen mit Fotos aus Deutschland zu basteln. Ehrlich gesagt, hab ich wirklich keine Ahnung wie wir unterrichten sollen. „Deutschlandkunde“ schön und gut, aber Ernährung? Wenn ich wenigstens mal ins Internet könnte, dann könnt ich mal Infomaterial besorgen. Aber das geht erst nächsten Dienstag. Nun gut, mit unserem spärlichen Spanisch reicht auch erstmal Deutschkunde. Da heute ein wichtiges Fest war (hat irgendwas mit der Schutzheiligen „Virgen de las Mercedes“ zu tun, Namenstag?) gab es auch ein Festessen. Das heisst, heut kam zum erstenmal Cuy, Meerschweinchen auf uns zu. Zugegeben, ich fand die Vorstellung ein Meerschweinchen zu essen jetzt nicht unbedingt so schlimm, wie manch andere. Aber als es dann auf meinem Teller lag, ein „Meerschweinchenbein“ samt Kralle, war das schon ein bisschen eklig. Besonders weil das Vieh nur aus sehr zäher, fettiger, leedriger Hauf und Knochen bestand, und an der Haut auch noch ein paar Haare dranwaren. Bäh!! Ich habe also tapfer die 3 Brocken Fleisch rausgepult, war gar nicht so leicht war, weil die so fest dranhingen (schmecken uebrigens nach gar nix) und habe unzerkaut ein Stueck Haut mit Haaren runtergewuergt (mit Hilfe von viel, viel Fanta). Als ich die Delikatesse einmal wendete, um evtl. Noch in paar Stuecke Fleisch zu finden, ist mir das erste Mal richtig schlecht geworden. Auf der anderen Seite hingen noch die Nieren dran. Wuerg, Pfui Deibel!! Ich hab mir noch einen Alibi-Brocken Fleisch rausgefischt (bei diesem Vorgang fielen die Nieren dann endgueltig ab, direkt auf meine Kartoffeln – oh mein Gott, war das wiederlich) und ab mit dem Vieh auf den Abfall-Teller. Kann sein, dass die Mutter mir eines der besten Stuecke serviert hat. Wahrscheinlich sind die Nieren ein ganz besonderes Schmankerl. Mir egal! Danach gabs Suppe. Fuer die ganz Schadenfrohen unter euch: Freut euch, es wird noch schlimmer. Ich wähnte mich schon in Sicherheit – ein grober Fehler! In der Suppe schwamm so allerlei Zeug. Komische Boppeln, die – wie mir erklärt wurde – Mais sein sollten und unter anderem ein langes, graues Ding, das ich fuer eine Art Nudel hielt. Ich – naiv bis zum geht nicht mehr – probiere also die „Nudel“, nur um beim ersten Bissen festzustellen, dass das Ding weit davon entfernt war, eine Nudel zu sein. Es half nur eins: Hirn ausschalten, bloss nicht Nachdenken und um Gottes Willen nicht kauen und ein grosses Glas Fanta mitsamt dem Ding runterspuelen! Als ich gerade mit mir selbst vereinbart habe, dass ich einfach nicht Nachfrage was das fuer Zeug ist und einfach Heldenhaft (Gott, warum bin ich nur so höflich?) mit Hilfe der Fanta-Strategie die Suppe aufesse, fragt Thomas, mit einem besonders ekligem Stueck Fleisch auf dem Löffel, ob das Fisch sei. „Nein“, kam es von Miltons Bruder, „das ist der Pansen von (Name irgendeines Vieches, den ich nicht verstand)“. Schnell zischelte ich Thomas zu, er soll blos nicht Nachfragen was das andere Zeugsel ist. Mir war eh schon so unglaublich schlecht, als der Bruder dann Gottseidank sagte, wir sollen das nicht essen, es sei nur fuer den Geschmack. Boah, ich war noch nie so froh, wie in diesem Moment. Also ass ich noch einen Brocken Mais, lobte die gute Suppe und weg mit dem Zeug, zur Seite. Zufällig hab ich dann noch mit angesehen, wie die Oma des Hauses die Innereien mit viel Geschmatze und con mucho gusto verspeiste. Das wars! Mein Magen rebellierte. Die Nachspeise, eine unglaublich leckere Melone, half da auch nicht mehr viel. Zu allem UEberfluss gab es dann auch noch eine Stunde kein Wasser und ich konnte weder aufs Klo (wo ich sehr dringend hin musste), noch mir die Cuy-Reste von den Fingern waschen. Schnell schluckte ich 2 Kohle-Tabletten und ein Nimm2 (um den Ding-Geschmack zu verdrängen) und legte mich ins Bett. Mir gings nicht gut. Als es grad wieder besser war, haben wir Milton deutsche AHOI-Brause vorgefuehrt und da hab ich Dödel natuerlich wieder mitgemacht. Gleich darauf (mir gings noch gut) sind wir rausgegangen um eine Prozession anzuschauen. Das war vieleicht seltsam. Die ganze Familie versammelte sich vor dem Haus und hatte irgendwelche unglaublich kitschigen Bilder dabei, von dieser Mercedes Virgen. Wir machten dann ein Foto mit uns und dem Zeug und schon kam die Parade mit viel Tamtam vorbei und wir wurden sogar gefilmt und schliesslich mitgenommen. Die Parade verstand ich ueberhaupt nicht, alle Leute trugen diese Bilder, als Geschenk verpackt und die Kinder trugen diese bunten, typischen Decken ueber Bambusstäbe gehängt.


Die Familie Vergana und wir

Dann gab es 3 Personen die haufenweise Schärpen umhatten, einer avon war Fredy, ein Jangas-Bewohner, der nach Amerika gezogen ist (ich muss zugegen, ich steh ein bisschen auf ihn, leider wohnt er in Amerika weil seine Frau dort lebt). Er konnte mir auf Englisch erklären, dass die Kitsch-Geschenke fuer die „Captains“ sind, eben die Leute mit den Schärpen. Das sind die Leute, die das Fest ausrichten. Auch der Stierkampf war ein Geschenk. Jedes Jahr gibt es andere Captains. Und dieses Jahr ist Fredy einer davon (schmelz).
Die Parade dauerte ewig. Danach sind wir in die Kirche, weil Milton die Ehre hatte, die Statue der Virgen mit einem sehr prunkvollem Gewand, das er gekauft hat, einzukleiden. Danach gabs schon wieder Essen. Eine Milchsuppe, diesmal mit echten Nudeln. Sie war sehr lecker, leider war es mal wieder ein Fehler sie zu Essen. Ich bekam furchtbare Bauchschmerzen. Da ich ca. 200 Durchfalltabletten geschluckt hatte, konnte ich nichtmal aufs Klo. Sonya hat mir dann irgend ein Gebräu zubereitet, das angeblich helfen sollte. Es half nicht! Na toll, und ich hab versprochen mit zum Tanzen zu kommen. Es half nichts, um 22 Uhr 30 gings ab zum Festplatz. Ich hatte ueberhaupt keinen Bock, machte aber gute Miene zum bösen Spiel. Nachdem Milton mich ein wenig rumgewirbelt hat, tanzte (juchu, juchu) Fredy mit mir. Netterweise hat Thomas sich dessen Frau geschnappt (sie ist uebrigens ein ganz schönes Mauerbluemchen, ich weis das klingt böse, aber es stimmt! (Thomas sagt das auch :-))) Danach war der Ofen aber leider aus. Mir gings so schlecht, ich hab mit zusammengebissenen Zähnen noch alle Leute begruesst die mir Fredy vorstellte (das wars mir noch wert), trank noch ca. 50 ml Bier und verschwand. Eigentlich schade, die Musik hat mir gut gefallen und es war ein riesiger Turm aus Bambus aufgebaut, der verbrannt werden sollte und das wollte ich unbedingt sehen. Milton sagte der Turm wird um 24 Uhr angezuendet (also um 2 Uhr), aber so lange hätte ich es nie im Leben mehr ausgehalten. Also ging ich Heim. Im Zimmer musste ich dann erstmal eine Riesen-Spinne entfernen, Thomas ueberbrachte mir die Nachricht, dass das Wasser mal wieder nicht geht und mir war kalt und ich hatte Bauchkrämpfe! Es war also alles doof. Zum Glueck schlief ich ziemlich bald ein, weil ich es mittlerweile gewohnt war um 22 Uhr ins Bett zu gehen.

25.09.08 Fiesta und Ferien

Heute war ein Tag, an dem ich nicht so recht wusste, was ich von ihm halten soll... Zuerst haben Thomas und ich Wäsche gewaschen. Im Hinterhof, in 3 Waschbottichen, mit Hand, natuerlich. Es war sehr lustig. Währenddessen haben wir ueberlegt, wie wir Milton klarmachen, das Thomas auch gleich hier einziehen will und nicht noch 3 Wochen in der Hospedaje, die 4 km weit weg, mitten in der Pampa ist, bleiben. Wir haben ewig ueberlegt. Als es dann so weit war und wir Milton nach ewiger Texter- und UEbersetzerei darauf ansprachen, sagte er aber dann: „Ja, morgen kannst du dein Zeug bringen und einziehen“, obwohl es zuerst noch 3 Wochen und nach unserer ersten Konfrontation noch 1 Woche dauern sollte. Na gut, umso besser. Später kamen dann noch Miltons Bruder (den Namen kann ich mir leider einfach nicht merken) und seine Schwester Sonya, um sich mit uns zu unterhalten und es klappte sogar sehr gut. Wir haben wirklich fortschritte in Castellano (Spanisch in Suedamerika) gemacht und auch die Familie bestätigt uns das. Auf einmal macht es richtig Spass mit den Leuten zu reden. Die Peruaner sind sehr interessiert, stellen viele Fragen ueber unsere Gewohnheiten und erzählen uns viel ueber die Geschichte der Inka (na gut, das versteh ich noch nicht alles) und ihre Politik. Eine wichtige Aufgabe die wir haben, ist den Leuten hier verständlich zu machen, dass in Deutschland nicht nur Rassisten leben und das wir Hitler nicht verehren und auch keine Statuen von ihm in den Städten stehen haben! Das ist das einzige von uns, dass wirklich jeder hier „weis“. Es ist sehr interessant, dass die Peruaner viel ueber die deutsche (und europäische) Wirtschaft wissen, aber z.B. nicht, ob wir an der Kueste leben, oder nicht. Auf jeden Fall ist es sehr schön sich mit ihnen auszutauschen und dabei selbst noch was zu lernen. Ach uebrigens: Das Oktoberfest kennt hier keiner!
Später dann, hab ich etwas gemacht, wofuer ich mich ehrlich gesagt, selbst ein bisschen verachte. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich je auf einem Stierkampf wiederfinden wuerde – ich fand mich! Um ehrlich zu sein, verabscheue ich dieses „Vergnuegen“ zutiefst, es ist eine sinnlose, furchtbare Tierquälerei und sollte mit allen Mitteln bekämpft werden. Nun stand ich aber vor der Entscheidung: In Jangas ist gerade Festwoche und heute war grosser „Corrido de Torro“ angesagt. Da ich gestern beim fröhlichen plaudern zuerst nicht aufgepasst habe, zu welcher Einladung ich „si, si“ gesagt habe und später, als ich erfuhr was ein Corrido überhaupt ist, die Wahl hatte, ob ich meine Prinzipien ueber Bord werfen und mit der gesamten Familie dorthin zu gehen, oder standhaft zu bleiben und jetzt, in dieser heiklen Annäherungsphase als launische Gringa abgestempelt zu werden, entschied ich mich schweren Herzens für den Stierkampf. Ich weis, das ist keine Entschuldigung, aber verhindern hätte ich ihn sowieso nicht können. Also gingen wir hin. Allein die „Arena“ war schon wieder eine Klasse für sich. Die Tribüne bestand aus, auf Stangen aufgelegten, losen Brettern, auf denen sich (in gut 3 Metern Höhe) zahlreiche wohlbeleibte Bilder vom Stierkampf

Leute mit einem Plumps niederliessen. In Deutschland hätte jede Sicherheitsbehörde laut aufgeheult. Die Stierkampfarena selbst, war durch einige windige Bretter abgetrennt. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn die Bretter nicht hielten, was sie (mehr oder weniger) versprachen.




Es herrschte Volksfeststimmung. Unzählige Verkäufer liefen durch die Reihen und wollten Popkorn, Inka-Kola, Zuckerwatte, Bier und Spielzeug für die Kinder an den Mann bringen. Nach einer Parade durch die Arena, kamen dann die „Helden“ des Events. Der Torrero (in seinem komischen flieder und rosafarbigem Anzug erweckte er leicht en Eindruck als sei er vom anderen Ufer) und die 3 „Locos“, Clowns, die ebenfalls mit den Tieren „spielen“. Dann ging es los, 5 Stiere, die jeweils nacheinander aus ihrem Wagen gezerrt wurden um schliesslich aufs übelste getriezt zu werden. Ehrlich gesagt hab ich ich immer heimlich gefreut, wenn einer von den Möchtegern-Helden und besonders der Torrero eins mit den Hörnern abbekommen haben. Nach ca. Einer Stunde war der Spass dann auch schon zu Ende und zum Glück war es ein unblutiger Stierkampf, wo die Tiere „nur“ geärgert und nicht erstochen werden. Die Leute hatten viel Spass und ich will ihnen keinen Vorwurf machen, weil sie es nicht anders kennen. Vielleicht, wenn wir uns später mal etwas besser kennen, kann ich ja mal mit ihnen darüber reden. Aber das ist wohl nur ein Tropfen auf den heissen Stein.
Danach war noch Tanz auf den Strassen, was mir hier sehr gut gefällt. Ich hatte auch das Vergnügen, nachdem ich von einem Señor aufgefordert wurde und keine Spielverderberin sein wollte. Morgen soll es sogar noch wilder zugehen. Ich bin ja schon mal gespannt. Zum Glück hab ich schon am Anfang gesagt, dass ich überhaupt keinen Alkohol trinke (ja, hab ich wirklich!). So kann mir das Abgefüllt-werden nicht passieren, was hier scheinbar den Gringos blüht, sollten sie sich hierher verirren. Ich freu mich schon auf Morgen. Wegen der Festwoche haben alle Kinder Ferien und unsere Arbeit beginnt erst am Montag.

22- 25. 09. 08 Umzug und Unterricht

Nachdem ich mit Thomas zusammen in einem winzigen Zimmer bleiben musste – zuerst hiess es wir bleiben da einen Monat – und wir absolut keine Privatsphäre hatten, da z.B. Dusche und WC nur durch eine Holztuer vom Rest des Zimmers getrennt waren und es eigentlich schon beinahe egal war, ob die Tueren auf oder zu waren, da man einfach alles mitbekam, nicht zu vergessen, dass das einzige Möbelstueck in dem Zimmer ein Bett (fuer uns beide natuerlich) war, beklagte ich mich bei Arianne. Als sie erfuhr, dass wir beide gar kein Paar sind, war sie sehr peinlich beruehrt. Unsere Organisation hat den Leuten in Jangas nämlich mitgeteilt, dass wir zusammen wären, deswegen haben Sie uns zusammen in die Hospedaje gesteckt (und ich hab mich schon gewundert, da es ja gerade in Suedamerikanischen Ländern nicht unbedingt ueblich ist, einfach Männchen und Weibchen in ein Zimmer zu stecken). Milton war das ganze auch mehr als peinlich und er versprach, dass es bis zum Abend geregelt sei. 3 Tage später hatte ich dann auch wirklich das neue Zimmer. Und es ist super!!!! Ich wohne gleich neben Miltons Haus, bei dem wir nach wie vor Essen. Es sind vier Zimmer, um einen Garten herum angelegt und wenn die beiden anderen Freiwilligen, dann im Oktober kommen, ziehen die hier auch mit ein.

Der Garten mit unseren Zimmern

Thomas muss leider noch in der anderen Unterkunft bleiben, warum versteht keiner so genau. Aber ich habs jetzt auf jeden Fall sehr gut, das Zimmer ist sicher, es ist ruhig und das Bad (das wir dann später zu 4 nutzen) ist riesig! Leider geht die Dusche noch nicht, aber Milton sagt, am Freitag ist das erledigt (also dann am Montag :)). Bis dahin muss ich eben noch bei Thomas duschen. Ich freu mich schon auf die andern beiden Freiwilligen, wir werden dann in einer richtig coolen WG wohnen. Ich weis zwar leider nicht, wieso wir jetzt nicht in eine Familie können (Milton sagt zwar „später“, nur er sagt oft etwas, was dann doch nicht eintritt), aber ehrlich gesagt find ich das mit der WG eh besser. Da wir auch den Unterricht zusammen halten werden, können wir uns so auch besser absprechen und uns Methoden ausdenken.

Mein Zimmer!!

Eine andere Freiwillige, die in Bolivien ist, hat uns letztens eine Rundmail geschrieben. Sie muss sich in einer Familie das Bett mit einem anderen Mädchen teilen und hat es auch sonst sehr unruhig und einen Eimer als Dusche. Da haben wir es wirklich sehr, sehr gut getroffen. Uns geht es wirklich super gut, es fehlt uns an nichts. Aber wir muessen dafuer auch ca. 70 Euro im Monat zahlen und nicht wie zuerst gedacht, nichts.
Ich glaube Milton will, das wir langsam in die peruanische „Gesellschaft“ eingefuehrt werden, bevor wir in eine Familie kommen. Wir werden sehen.

Unsere Riesen-Dusche


Nachdem wir am Montag in Cahuish waren, einem Dörfchen nahe Jangas, noch weiter oben gelegen, ca. 3500 m, wo wir mit der 5ten und 6ten Klasse „Deutsch-Kunde“ und Ernährungsunterricht machen (und ich glaube auch Computerunterricht, bin mir aber nicht sicher), waren wir heute in Atupo, um die Klasse zu besuchen, die die selben Fächer von uns gelehrt kriegen soll. Leider waren keine Kinder zu finden, da die Lehrer nur ca. 3x die Woche kommen und eben heute leider kein Tag war, an dem sie dazu Lust hatten. Also sind wir eben wieder runtergestapft nach Jangas (hab ich schon erwähnt, dass wir von unseren Schulen zu Fuss nach Jangas zurueck und manchmal auch hinlaufen muessen? – Nach Cahuish sinds uebrigens läppische 2 Stunden durchgehend Bergauf). Wenn wir Glueck haben, dann können wir mit den sogenannten Colectivos zu unseren Schulen fahren – das sind „Taxis“, bei denen man sehr schnell sein muss, da die Peruaner das Spiel „wieviel Clowns passen in ein Auto“ neu definiert haben. Wer am schnellsten ist, kommt auf den Beifahrersitz. Danach ist die Rueckbank dran: Tueren auf – wumms – 5 Leute passen mit Glueck hinten rein. Aber das ist noch nicht alles – es gibt ja noch den Kofferraum! Also, rein mit Omi, Opi und dem Sack voller Coca-Blätter. Wer dann noch uebrig ist, darf sich noch mit auf den Beifahrersitz quetschen und ab geht die Post. Dass das Auto in Deutschland noch nicht einmal TUEV hätte muss ich wohl nicht noch erwähnen. Die Abhänge sind mal wieder steil, die Straßen kurvig und der Fahrer gedanklich auf der Rennbahn, aber es macht Spaß! Das Leben hier ist so viel unkomplizierter und lustiger, man muss sich einfach nur drauf einlassen. Und die Gefahren am besten ausblenden, mann kann ja eh nix machen. Einfach leben!
Am Mittwoch werden wir jetzt also in Atupo arbeiten, am Donnerstag in Jangas Computer- und Ernährungsunterricht geben und am Freitag in einem Bergdörfchen Namens Tara, das gleiche wieder. Am Samstag machen wir mit den Jugendlichen in Jangas Theater und Tanz. Und wir werden noch mit den Muettern der Kinder in Cahuish, Atupo und Jangas ebenfalls Ernährungskunde machen und drei oder vier Gemuesegärten anpflanzen, dass ist noch nicht ganz klar. Es wird also bestimmt nicht langweilig werden.
Ach uebrigens: Hier ist es heiss!! Die tiefsten Temperaturen sind ca. 5 -6 Grad, es stimmt also gar nicht, dass es hier kalt sein soll. Die Mutter von Milton hat sogar gesagt, dass es Weihnachten sehr heiss sein soll. Im Moment haben wir gerade Fruehling. Und Schnee gibt es hier nie. Nur oben, auf der gigantischen Cordillera blanca, der grossen Gebirgskette, ragen die atemberaubenden schneebedeckten Gipfel der 6000er empor. Ich vermisse meine Heimat, Familie und Freunde schon sehr. Aber ich bin auch wahnsinnig gluecklich hier sein zu duerfen!

Neues aus Peru

Hallo Leute, danke fuer eure Kommentare, hoffe ich habe auch weiterhin so viele fleissige Leser :-)
Ich wollte hier an diesem Punkt nur mal schnell was erklären, wie ich das mit diesem Webblog hier handhabe. Ich schreibe fast jeden Tag Tagebuch und tippe die ganzen Einträge dann an dem Tag, an dem wir mal wieder ins Internet kommen ab. Das was drin steht ist also genau das, was ich an diesem Tag denke oder erlebe.

Ach so, es ist ein bissl bloed das mit den Bildern hier zu Koordinieren, drum mach ich das so, dass die blau geschriebenen Stellen immer die Bildunterschriften sind, auch wenn sie nicht immer direkt unter dem Bild stehen.

Bis naechsten Dienstag dann, viel Spass beim Lesen

Eure Sabine

weitere Fotos: https://fotoalbum.web.de/gast/americalatina/weitere_Bilder und unter meinem Fotoalbum bei Lokalisten

Dienstag, 23. September 2008

Die erste Woche in Jangas

Die Fahrt mit dem "Cruz del Sur" hat meine Erwartungen uebertroffen. Ich weis gar nicht ob es solch super Busse in Deutschland ueberhaupt gibt. Die Sitze sind wie Schlafsessel! Jeder Passagier bekommt eine sehr kuschelige Decke und kann seinen Sity in die horiyontal bringen, wenn erwuenscht. Es war so bequem, dass ich mier wuenschte, die çreise wuerde noch etwas laenger dauern (davon abgesehen, dass die Stra'en yiemlich schmal und kurvig waren, die Abgruende dafuer sehr steil und meist ungeschuetzt, der Fahrer aber Gas gab als waeren wir auf dem Highway. In Huaraz angekommen, riefen wir Milton an, der uns ineinem sehr grossen und modernen Landrover abholte (nur dass es fuer den Ruecksitz keine Anschnaller gibt, aber - he - wer bracht die schon? Endlich in Jangas angekommen, verstanden wir erstmal gar nix. Milton erzaehlte und erzaehlte ueber das Projekt, aber ich verstand nur Bahnhof und wurde langsam etwas verzweifelt. Dann eroeffnete er uns auch noch, dass wir erstmal nicht bei Gastfamilien wohnwn sondern in einer "Hospedaje", einer, naja, sagen wir "Unterkunft". Warum dass unbedingt so sein muss hab ich bis heut nicht verstanden, aber wir koennen uns ja schlecht einfach eine Familie krallen. Danach lernten wir Arianne kennen, eine Amerikanierin, die auch Entwicklungshilfe in Jangas betreibt. Ich wahr so unglaublich froh sie zu treffen, weil wir uns mit ihr in Englisch verstaendigen konnten und sie uns ein bischen uebersetzen konnte. Am naechsten Tag waren wir mit grossem Trara beim Buergermeister zu Gast. Leider erfuhren wir erst kurz davor davon, waren nicht vorbereitet und konnten nicht viel mit ihm Reden. Nicht mal ein Foto haben wir gemacht (vergessen) und ich glaube im nachhinein er war etwas enttaeuscht. Naja, vielleicht koennen wirs wieder gut machen. Dann gings los, Rundfahrt durch halb Ancash (die Region in der wir sind). Wir haben viele tolle Aussichten genossen und Fotos gemacht (siehe Album).

Das ist Jangas, ein wunderschoenes Staedtchen

Peru ist wirklich wunderbar. Es gibt sehr viele Gegensaetze. Neben einem hochmodernem Haus, angemalt in den schoensten Farben, steht ein Haus das nicht mal verputzt ist. Dahinter ist ein "Haus" das schon lang verlassen wurde, oder noch nie fertiggestellt, das ist nicht yu erkennen. Dieses Haus hat weder Fenster, noch Tuer, noch Bewohner. Meistens wachsen schon Pflanzen daraus. Auch die menschen sind unterschiedlich. Es gibt unzaehlige Frauen die ganz modern angezogen sind, die Jugendlichen meist in ihrer Schuluniform (Trainingsanzug) die aelteren mal im Minirock, meistens in Jeans und langem Pullover, trotz der Hitze. Dennoch sind die meisten aelteren Frauen in ihren alten Trachten zu sehen, die typischen Huete und weiten Roecke. Fast jede dieser Frauen hat ein Tuch ueber den Ruecken, indem sie wahlweise Pflanzen oder Babys transportieren. Und es ist immer etwas los, ueberall, auf jeder Strasse, spielen Kinder, Spazieren die Leute, machen Einkaeufe, oder sitzen einfach nur da und schauen. In Peru erfaehrt man einfach die geballte Ladung Leben! Es gibt unzaehlige kleine Tiendas (Laeden), mir schein manchmal mehr als es Wohnhaeuser gibt. Dafuer sucht man vergeblich nach einem Supermarkt. Auch die Landschaft in Ancash ist der Hammer. Die Berge sind gigantisch, so geeindruckend, dass ihnen kein Foto der Welt je gerecht werden koennte. Leider gibt es eine schlechte "costumbre", eine Angewohnheit der Jugendlichen, naemlich die trockene Landschaft anzuzuenden. Wenn man durch die Strassen faehrt, sieht man hier und da immer mal wieder Buschwerk oder Graesser brennen. Als ich Milton gefragt habe ob das nicht gefaehrlich sei, immerhin wurden die Feuer weitgehend ignoriert, zuckte er nur mit den Schultern und meinte: ja. Aber es ist nun mal eine Gewohnheit der Jugendlichen." Das wars. Thema erledigt. Das Essen hier ist sehr ueppig. So gut wie alles was ich bisher gegessen hab, war frittiert. Dazu gibt es immer Limonade. Vom Wasser trinken halten die Peruaner wenig. Wenigstens vertrag ich bisher alles sehr gut.



Ich auf einem Alpaca

Wir haben schon so viele Sachen angesehen und besucht, ich kann leider gar nicht alles aufschreiben, bin schon seit zwei Stunden im Internet.

Gestern waren wir dass erstemal an unserem Arbeitsplatz, eine kleine Schule in einem Ureinwohnerdorf. Wir sollen dort - haha- Ernaehrungskunde unterrichten. Leider hab ich null Ahnung von Ernaehrungskunde und leider koennen die Kinder kaum Spanisch, genauso wie wir, na gut, ein bisschen besser. Ich hab keine Ahnung wie wir das auf die Reihe kriegen sollen, aber kommt Zeit kommt Rat, oder wie die Peruaner gern sagen, es geht alles "Poco a poco". Es ist eh vieles anders als Beschrieben. Irgendwie ist dass alles ein grosses durcheinander. Mit Englisch und Computerunterrichten sieht es schlecht aus, das macht naemlich schon Ariane. Dann eben Ernaehrung und Theater. Ich bin ja mal gespannt!








Die Schule in dem kleinen Doerfchen, in der wir unterrichten.

So, dass wars fuers erste. Ich haette noch viel mehr zum Schreiben, aber leider keine Zeit mehr.
Ich werde mich bald wieder melden. Freu mich uebrigens ueber Kommentare von euch :-)

Viele liebe Gruesse y con un abrazo

Sabine

Lima

Hallo meine lieben Freunde, hier ist jetzt erstmal mein erster Bericht, nach meiner ersten Woche:
Meine ersten Zweifel an der ganzen Unternehmung kamen schneller als erwartet. Nachdem ich waehrend unseres Fluges mit der Lufthansa noch voller Euphorie war, dachte ich mir das erstemal, gleich nach dem einchecken im Flughafen von Caracas, Venezuela, waehrend wir durch die "Sicherheitskontrolle" zu unserem Anschlussflug mussten - durchgefuehrt von drei Halbwuechsigen, die es wahnsinnig witzig fanden, dass ich auch meine Jacke aufs Gepaeckband legte (in Deutschland uebrigens Vorschrift) und sich aber auch rein gar nicht um den Inhalt unseres Gepaecks scherrten - : "Was zum Henker mach ich hier eigentlich?" Als unser Flug dann auch noch von einem anderen Gate startete und wir dass eher nur zuffaellig erfuhren, bei dem ich leider auch feststellen musste das wir gar nichts, aber auch wirklich gar nichts verstehen, war ich dann sogar richtig froh mich endlich in einer Suedamerikanischen Ruettelkiste wiederzufinden, hauptsache es war die richtige. Leider fing es dann innerhalb von 5 Minuten auch noch schrecklich zu Regnen an und der Flug hatte dann auch noch verzoegerung. Ich sah uns schon um 24 uhr in Lima landen, eine Stadt vor der ich Dank unzaehligen Warnungen im Reisefuehrer eh schon unzaehligen Respekt hatte. Nach einem etwas turbulentem Flug landeten wir dann doch "schon" um ca. halb elf in Lima (meine Uhr hatte ich schlauerweise im Handgepaeckbehaelter im Frankfurter Flughaben liegen lassen). Nachdem bei so viel Glueck trotzdem unser ganzes Gepaeck unbeschadet ankam, hatte ich meinen ersten, zugegeben sehr intimen Kontakt mit einem Einheimischen beim Auschecken am Flughafen. Meine "Handtasche" die ungefaehr 6 kg wog, hatte ich um den Griff meines Trolleys gehaengt. Als ich nach meinem Pass kruschtelte und den Trolley dafuer loslies, flog dieser natuerlich um - direkt in den Schritt eines hinter mir stehenden Peruaners! Vor lauter Schreck vergass ich natuerlich den spanischen Ausdruck fuer "Tut mir leid" (lo siento), gleichzeitig musste ich aber auch so lachen, dass es mich wunderte, dass er nicht sauer geworden ist.
Der zweite Kontakt mit Einheimischen war weniger lustig und zwar fand er am Bankautomaten statt, als ein kleiner Junge sich "ganz zufaellig" neben uns stellte, um unsere Geheimnummer nachzuschauen. Da ich nicht wusste was "hau ab" heisst, musste ich ihn etwas unsanft wegschupfen, das hat mir schon ein bisschen leid getan, aber dass ist es ja dann doch nicht wert. Wir uebernachteten daraufhin in einem nahegelegenen, etwas besserem Hotel, da wir zu viel Schiss hatten um elf uhr Nachts noch eine Jugendherberge zu suchen.
Am naechsten Tag brachte uns ein Taxi zur Busstation von Cruz del Sur, ein erste Klasse Busunternehmen, dass uns nach Huaraz bringen sollte. Schon die Fahrt dahin war unvergesslich. Lima ist eine wahnsinnsstadt. Riesige Werbetafeln und Leuchtreklamen wechseln sich ab mit den Baracken der Armen, den sogennanten "Pueblos Jovenes", planlos zusammengewuerfelte und aufeinander gestapelte Huetten, bei denen die meisten nicht einmal ein Dach haben. Als ich mir fuer Peru einen internationalen Fuehrerschein beantragt habe, wurde ich davor gewarnt in Peru Auto zu Fahren. Jetzt weis ich auch warum: Ruecksicht und Autofahren koennen fuer die Peruaner nicht zusammen in einem Satz vorkommen. Ihr liebstes Werkzeug ist nach dem Gaspedal die Hupe. Bevor gebremst wird, seis fuer andere Autos oder Menschen, wird erstmal gehupt. Wenn die Bahn dann noch nicht frei ist, dann wird eben nochmal gehupt - ohne den Fuss vom Gas zu nehmen, versteht sich - erst beim dritten mal wird gebremst. Seltsamerweise funktioniert das aber sehr gut. Waehrend der Fahrt zum Busbahnhof haben wir einiges auf der Strasse entdeckt. Zeitungsverkaeufer, die einen direkt ins Auto beliefern, voellig vollgestopfte Huehnerbusse, auch eine Radkappe, die im Getummel friedlich vor sich hinrollte. Wenn mein Spanisch etwas besser ist, muss ich unbedingt nochmal nach Lima. Es una ciudad magnifica!
Lima bei Nacht

Samstag, 20. September 2008

Hola mis Amigos

Hallo ihr am anderen Ende des Atlantiks, hab heute leider wenig Zeit zu schreiben, wollte nur mal kurz bescheid geben, dass ich gut angekommen bin und dass es mir bisher auch ganz gut geht. Ich hoffe ich kann bald etwas laenger ins Internet, es gibt naemlich schon wahnsinnig viel zu erzaehlen!!

Bis bald y con un abrazo

Montag, 15. September 2008

Fotos

Wenn ihr die neuesten Fotos meiner Reise sehen wollt, dann klickt einfach auf folgenden Link.

Viel Spaß und bis bald

https://fotoalbum.web.de/gast/americalatina/Bilder_meiner_Reise

Donnerstag, 11. September 2008

noch 6 Tage

Oh oh, nächste Woche um diese Zeit sitz ich gerade im Flieger und bin meiner neuen Heimat schon viel näher als meiner alten...
Ich kanns zwar immer noch kaum erwarten, aber ein bischen mulmig wird mir bei dem Gedanken schon. Gerade jetzt, wo ich mich jeden Tag immer wieder mit Leuten treffe, um mich zu verabschieden wird mir erst so richtig bewusst, dass die Reise nicht mehr "irgendwann später" ist, sondern dass es jetzt langsam ernst wird. Umso mehr will ich hier nochmal all meinen Freunden danken, die sich so viele liebe und lustige Geschenke und Glücksbringer für mich ausgedacht haben, oft wenn ich es gar nicht erwartet hab. Und ich liieeebe Überaschungen!! :)
Also, danke nochmal, ihr seid echt super, werd euch auch alle ganz schrecklich vermissen, aber 9 Monate sind ja auch gleich wieder rum und dann gibts erst mal wieder ne Party :)



http://www.maplandia.com/peru/ancash/carhuaz/jangas/

Sabine Marsch