Donnerstag, 30. Oktober 2008
Hallo
hab nochmal am Blog rumgeschraubt, er war leider unvollstaendig, da das letzte mal als ich im Internet war der Strom ausgefallen ist.
Hab jetzt auch ein unbegrenztes Fotoalbum, in das ich demnaechst alle Bilder reinladen werde die ich habe:
https://fotoalbum.web.de/gast/americalatina/Bilder_meiner_Reise
PS: freu mich, wenn mir mal wieder jemand Kommentare schreibt
Bis bald
Dienstag, 28. Oktober 2008
21. - 27.10.08 Zusammenfassung
Heute waren wir in Vicos, um die Schule von Miltons Schwester Marie zu besuchen. Um dort hinzukommen sind wir ca. eine halbe Stunde durch die Pampa gefahren. Das Dorf lag wirklich am Ende der Welt und es ist ziemlich klein und eher schäbig. Viele Häuser sind baufällig, oder gar nicht erst fertig gebaut worden. Die Schule sah auch nicht viel besser aus, wobei der etwas abgetrennte Bereich für die 1. und 2. Klasse dann doch ganz putzig war, mit einer kleinen Brücke und viel Wiese. Marie unterrichtet die 2. Klasse, bei der wir uns dann vorstellten. Die Kleinen waren total aufgeregt, das Besuch aus dem Ausland kommt und Marie hat mit ihnen unsere Namen geübt, damit sie uns gleich richtig begrüßen können. Als wir dann aber vor ihnen standen, haben sie die Namen dann doch wieder vergessen, oder sie trauten sich einfach nicht sie laut zu sagen. Trotzdem waren sie total süß. Wir machten unsere übliche Vorstellungsrunde und danach sangen uns die Kinder noch ein Lied. Später musste dann jedes Kind einmal kurz aufstehen und seinen Namen und sein Alter nennen, wofür es dann zur Belohnung einen Globo bekam.
Wieder Zuhause, hab ich erstmal angefangen mit unserem neu erstandenen Putzlappen endlich mal unser Bad zu Putzen. Das „Regal“ hab ich mit zwei Ziegelsteinen mittlerweile auch erweitert, schliesslich sind wir ja ab übermorgen zu viert. Die Oma von Milton ist leider krank geworden und nun für eine Weile in Huaraz. Ich hoffe sie erholt sich wieder, hab die süße alte Frau mittlerweile schon ins Herz geschlossen (ausserdem versteh ich sie langsam ein bischen besser). Da Thomas sich mittlerweile schon zum zweiten Mal ausgeschlossen hat (den Schlüssel konnten wir aber leicht erreichen, er lag auf dem Schreibtisch und Thomas Fenster ist nicht ganz einbruchssicher), haben wir auch gleich noch unsere Schlüssel nachmachen lassen (das geht in Huaraz ratz fatz) und jetzt hat jeder auch einen Schlüssel für das Zimmer des anderen. Ich bin mir nämlich sicher, das wir uns sonst noch sehr, sehr oft ausgesperrt hätten.
22.10.08
Heute hatten wir unsere zweite Stunde in Atupa. Auf dem Hinweg wollte ich unbedingt ein paar Fotos machen. Wir liefen also den etwas unsicheren Weg runter zur Schule und ich knipste was mir vor die Linse kam. Einmal hab ich kurz überlegt, dass es vieleicht nicht ganz so geschickt ist, denn rutschigen Weg mit meinen Chucks zu gehen und währenddessen die Kamera in der Hand zu halten. Ich hab den Gedanken gerade zuende gedacht und wollte die Kamera wegstecken, da lag ich auch schon auf dem Rücken. Das erste was ich registrierte war, das mein Hintern verdammt weh tut und ich mir die Hände aufgeschürft hab. Das zweite war, das die Kamera nicht mehr funktioniert. Na prima, hab ich es jetzt also doch endlich mal geschafft mit ihr hinzufallen und sie kaputt zu machen, Zeit wurde es ja. Tja, das wars dann. Ich durfte noch ungefähr 5 Minuten fluchen und zwieder sein, dann standen wir auch schon vor der Schule und ich musste mich wieder in die allzeit fröhliche Profesora Sabine verwandeln. Es gelang mir sogar ganz gut, denn diese Schule ist mir bis jetzt am liebsten. Die Kinder sind nämlich ausgesprochen höflich, noch viel mehr als in Cahuish und Mataquita und sie passen richtig auf und interessieren sich auch für das was wir sagen.
4 von 5 Jungs in unserer Schule in Atupa
Und es waren tatsächlich alle Kinder da. Die Schüler sind sehr arm und es gibt für alle Kinder, von 6 bis 15 Jahren nur eine einzige Lehrerin und auch nur ein Klassenzimmer!! Viele Kinder die in Atupa wohnen, gehen in Jangas auf die bessere Schule, aber die Kinder die in Atupa bleiben, sind so arm, das die Eltern sich nicht mal die 4 Soles (1 Euro) täglich für den Schulweg per Colectivo leisten können. Wir hielten also wieder eine Stunde über Bayern und sie waren in der Lage alle Fragen am Schluss zu beantworten. Es hat richtig Spaß gemacht. Danach sind wir auf den Bolzplatz, wo Milton noch eine Legende aus Peru vorgelesen.
Dann spielten wir wieder Fußball. Ich wurde sogar nicht als letztes gewählt, Juchu. Hab mich dann dafür auch sehr angestrengt, aber das bald darauf wieder bereut. Bereits nachdem ich nur ein paar mal schnell dem Ball hinterhergerannt bin, musste ich keuchen wie ein altes Weib. Ich bereute in diesem Moment jede einzelne Zigarette die ich je in meinem Leben geraucht hab. Es hat sich angefühlt als ob meine Lunge jeden Moment explodiert. Es ist der Wahnsinn. Daheim kann ich mich über eine Stunde so bewegen, wie ich es hier gerade mal 5 Minuten schaffe, ohne nach Luft zu schnappen. Tor hab ich diesmal auch keins geschossen, dafür aber Thomas mal wieder gefowlt, war aber ein versehen, ich schwörs.
Der Heimweg gestaltete sich mal wieder lang, es fuhr nämlich irgendwie kein einziges Colectivo und irgendwann machte ich den Vorschlag zu laufen. Ich hab mir eingebildet, das wir den Weg von Atupa schon mal gelaufen wären, das stellte sich aber als Täuschung raus. Wir liefen und liefen und liefen. Dafür war die Landschaft aber mal wieder wunderschön und ich konnte (mit Thomas seiner Kamera) viele Fotos machen.
Das Mittagessen fiel heute mal wieder unter die Kategorie „gemischte Gefühle“. Nachdem es in der Früh schon gebratene Forelle (samt Kopf und äußerst wiederlichen Augen) gab, wurden Mittags, neben leckerem Reis und Kartoffeln, Schweinespeckschwarten serviert. Ja,Iih. Immer wenn sich Mama Milton dann weggedreht hat, hab ich blitzschnell die Speckdinger gepackt und in Klopapier gewickelt (die Vergaras benutzen immer eine Rolle Klopapier als Servietten). Diese Päckchen hab ich dann in die Hosentasche gestopft und später die freudige Dolly damit versorgt.
Am Nachmittag gings dann mal wieder zur Castellano Stunde, zum letzten Mal hoffentlich in die blöde Hospedaje. Da unsere Bude ja schon wieder weitervermietet wurde, sind wir jetzt immer drausen und die beiden Hunde der Senora mögen uns besonders gern, weil wir wahrscheinlich die einzigen Menschen sind, die nicht nach ihnen werfen. Dafür nerven uns die Hunde aber gewaltig. Sie kommen zu uns hin und sobald wir sitzen versuchen sie auf unseren Schoß zu klettern. Es sind aber keine kleinen Hunde, sondern schon schwer genug um auf dem Boden bleiben zu müssen. Gestern wars besonders schlimm, wahrscheinlich weil ich noch nach den Speckdingern von Mittags gerochen hab, die Viecher haben mich so genervt, dass ich mich am Ende auf einen Tisch gesetzt hab und sogar da wollte einer von ihnen dann noch mit rauf. Ich hab mich dann mit umgedrehten Stühlen verrammelt, weil ich, obwohl ich absoluter Tier- und vor allem Hundefreund bin, einfach keinen Bock mehr auf diese zwei Nervensägen hatte. Die Profesora erzählte währenddessen wieder irgendwas das ich gar nicht verstand und ich war Gottsfroh als die Stunde dann endlich vorbei war. Abends gabs zum Glück dann nur normales Brot und Nutella. Lecker.
23.10.08
Nur noch ein Tag, dann sind wir endlich zu viert. Ich freu mich schon so! Heute mussten wir zwei Stunden früher aufstehen, weil wir in Mataquita schon viel zeitiger anfangen mit Unterrichten. Milton hat uns dann trotzdem zu spät geholt und wir haben unseren Colectivo verpasst. Zum Glück kamen dann aber bald noch ein paar Leute die auch nach Mataquita wollten und wir sind dann doch noch ziemlich schnell losgefahren (gestern mussten wir z.B. eine Stunde im Colectivo sitzend warten, bis genug Leute da waren, die mitfahren wollten). Als wir so die Straße hochfuhren, fuhr noch ein Piratentaxi (nicht registriertes Taxi) vor uns, das ebenfalls in Jangas gestartet war. Der Fahrer dieses Taxis fuhr total schrecklich und unregelmäßig und er ist in den Kurven immer erst in letzter Sekunde abgebogen, bevor er gegen die Wand gefahren wäre. Ich fing an, mir über die Straße so meine Gedanken zu machen, es ist schon gefährlich diesen Weg zu laufen (sind wir ja gestern auch), weil manche Fahrer echt nicht gut aufpassen ob da jemand läuft oder nicht. Atupa liegt auf dem selben Weg wie Mataquita, nur ist Mataquita noch viel weiter oben. In Atupa stieg dann auch eine Frau aus (Gottseidank, es war nämlich unglaublich eng) und zwei Minuten später wollte dann eine Frau die im Kofferraum saß zu uns nach vorne (Mist, schon wieder eng). So sind wir also ein paar mal stehen geblieben und waren wieder allein auf der Straße.
Als wir dann um die nächste Kurve bogen, bot sich meinen kurzsichtigen Augen ein komisches Bild: 3 – 4 Leute standen in der Kurve um ein etwas größeres Auto, vermutlich einen Kleinbus herum. Wohl eine Panne, dachte ich, als Milton und unser Taxifahrer schon „Mein Gott“ riefen. Als wir etwas näher ranfuhren, sah ich erst was los war: Das Auto war kein Kleinbus, sondern das Piratentaxi von vorher lag total zerstört auf dem Dach. Was ich für das Heck einen Kleinbusses hielt, war der umgedrehte Kofferraum, bei dem die Klappe offen stand. Als wir hielten, zogen sie geraden eine Frau aus dem Autowrack heraus. Zwei kleine Kinder standen weinend daneben. Das Auto sah so schrecklich aus, das ich zuerst nicht glauben konnte, das da noch jemand lebend rausgeholt werden konnte. Wie durch ein Wunder, blieben die Insassen zum Glück jedoch unverletzt. Eine Frau hatte, soweit ich das verstand, was am Bein, es war aber scheinbar nichts furchtbar ernstes.
Im Taxi saßen außer dem Fahrer „nur“ eben diese Frau mit ihrem kleinen Jungen und eine andere Frau mit ihrer kleinen Tochter und noch ein Mann. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das Taxi nicht zufällig normal gefüllt, sondern so vollgestopft gewesen wäre, wie es normalerweise immer der Fall ist. Wenn jemand im Kofferraum gesessen hätte, wäre es für ihn wahrscheinlich ganz schlimm ausgegangen. Als ich da so drüber nachdachte, wurde mir ganz mulmig. Würde Milton nicht aus Prinzip darauf achten, mit registrierten Taxis zu fahren, dann wären wir wahrscheinlich auch in diesem Auto gesessen, womöglich auch noch im Kofferraum. Von Milton erfuhren wir dann, das der jugendliche Fahrer ein „Borracho“ wäre, also ein Säufer. Er sei sofort abgehauen, weil er sich vor der Selbstjustitz, die hier oft durchgeführt wird, fürchtet. Ohne nachzuschauen wie es seinen Passagieren geht ist er einfach davongelaufen und hat die armen Frauen ihrem Schicksal überlassen. Ich konnte mich gar nicht beruhigen, was meint der Typ denn, wie es mit der Selbstjustiz aussieht, wenn er danach irgendwann mal wieder zu seinem Haus zurückkehrt?
Zum Glück waren gleich nach dem Unfall Anwohner zur Stelle, die sich um die Insassen kümmerten. Ich konnte nämlich leider nicht mehr sagen als „ya esta bien“ (ist schon gut) und war schon froh, das sich alle gut um die Leute kümmerten. Milton rief noch die Ambulanz und die Polizei an, dann sind wir wieder weitergefahren.
Heute hatten wir drei Klassen. Nachdem wir wieder ewig vor dem verschlossenen Tor standen, bevor mich mein Knutsch-Schulleiter wieder stürmisch begrüsst hatte, gingen wir zu unserer ersten Klasse, ich glaub es war eine 9. Klasse. Ganze vier Schüler erwarteten uns. Mehr sind nicht in dieser Jahrgangsstufe. Da wir durch den Unfall zu spät kamen, hatten wir eh nur noch 10 Minuten. Wir erzählten also im Schnelldurchlauf unsere Infos über Deutschland allgemein, verschenkten ein paar Stifte, die in dem Alter allerdings nicht mehr allzu große Freude auslösten und das wars auch schon wieder. Dann gingen wir raus und – ganz was neues – warteten. Eine halbe Stunde später, um 10 Uhr sollten wir dann in der 8. Klasse unterrichten. Diese waren um 10 aber noch im Werkraum und hatten wohl nicht so viel Lust. Jedenfalls warteten wir also bis halb elf, als dann – nochmal was neues – wieder vier Schüler erschienen. Es sollten aber eigentlich 10 Schüler sein. Kam aber niemand mehr. Also fingen wir wieder an, nochmal die ganze Deutschlandgeschichte zu erzählen. Ganz zum Schluss, gerade als es Stifte gab, kam dann noch ein fünfter dazu, die anderen blieben verschollen. Dann gingen wir wieder raus und Milton eröffnete uns, das wir mal wieder warten müssen, eine Stunde, bis wir die 5. Klasse unterrichten können. Na toll. Er machte uns den Vorschlag, das wir ein bisschen durch Mataquita laufen könnten in der Zeit, was wir dann auch taten. Als wir wieder zurückkamen war das Schultor mal wieder verschlossen. Und irgendwie kam keiner um uns aufzumachen. Nach 5 Minuten warten, schickte uns eine Lehrerin auf die andere Seite, dieses Tor sei offen. Wars aber nicht. Also warteten wir an diesem Tor auf die selbe Profesora, damit sie uns öffnete. Sie kam nicht. Irgendwann kam sie dann doch zufällig vorbeigeschlendert und sagte „oh, nicht offen? Dann geht auf die andere Seite“. Gesagt, getan. Es kam wieder niemand. Obwol Mataquita die einzige Schule mit Schulleiter ist, ist sie absolut schlecht organisiert. Jedesmal müssen wir uns wieder bei den Lehrern vorstellen und sagen was wir machen und das mit dem Tor ist auch immer so eine Sache. Irgendwann kam dann mein Freund der Schulleiter und entschuldigte sich 1000x während er aufsperrte.
Dann konnten wir endlich unseren Unterricht halten, da wir in dieser Klasse schon letzte Woche waren, hielten wir hier über Bayern. Die Kinder waren nicht ganz so ruhig und einige hatten überhaupt kein Interesse mitzumachen. Sobald sie aber die Fotos anschauen können, werden sie dann doch total lieb, vor allem weil auf einem Trachtenfoto ich mit meiner Familie zu sehen bin und sie das ganz toll finden, solche privaten Fotos anzusehen. Wenn sie dann Fragen stellen und alles interessiert anschauen, macht es auch gleich wieder viel mehr Spaß.
Beim Heimfahren kamen wir wieder am Unfallort vorbei. Um das Auto herum saßen schon ein paar Männer, wahrscheinlich warteten sie darauf das der Fahrer zurückkam.
Nachmittags wollten wir eigentlich nach Huaraz fahren, weil wir noch ein paar Sachen besorgen wollten und ich zur Post wollte. Aber Thomas gings nicht gut und dann hats auch noch geregnet als wärs der letzte Tag. Also sind wir zuhause geblieben. Ich hatte schon Angst das wir nicht nach Lima fahren können, weil Thomas krank war und deswegen war auch die ganze Familie Vergara in hellem Aufruhr. Also hat Mama Milton ein Magengebräu zusammengebraut und Milton und ich sind zur Dorfapotheke um irgendwelche Tabletten zu kaufen. Es ging ihm dann scheinbar auch wieder besser und ich war auch beruhigt.
24.10.08
Heute gings also los nach Lima. Ich war schon ganz aufgeregt und bin voll früh aufgewacht. Wir sind dann zwei Stunden früher nach Huaraz gefahren, weil wir ja noch unsere Besorgungen erledigen wollten, die wir gestern nicht geschafft haben. Ich wollte unter anderem eine neue Kamera kaufen, weil ich meine ja kaputt gemacht hab. Also sind wir schnell ins Kodak-Geschäft und ich hab mir die billigste rausgesucht. Kostet genauso viel wie in Deutschland, hmpf! Als wir dann zum Cruz del Sur Busbahnhof gegangen sind, mussten wir dann trotzdem noch warten. Dann gabs erstmal eine Sicherheitskontrolle und danach wurden wir auch noch gefilmt, wie wir einsteigen und wo wir sitzen. Voll krass. Die Busfahrt war mal wieder super entspannend und bequem und sogar das Essen war diesmal voll lecker.
Das einzige was genervt hat, war das die riesen Klimaanlage des Busses die ganze Zeit hinter uns gebrummt hat und es deswegen auch ziemlich kalt war. Als gegen Ende der Busfahrt noch Bingo gespielt wurde, hatte Thomas leider schlechtere Chancen, da er wegen der lauten Klimaanlage die Zahlen nicht richtig verstanden hat. Er hat sich dann nicht ganz getraut den Zettel abzugeben, als er eine Reihe voll hatte, wer weis was die Peruaner hier mit den Gringos machen, die einfach im Bingo bescheissen. Wir malten uns aus, wie er den Bus mitten in der Pampa unter den „Buh“-Rufen der anderen, ehrlichen Mitfahrer verlassen musste und lebenslanges Cruz del Sur Hausverbot bekommt.
Strecke nach Lima
Als wir in Lima angekommen sind, sind wir noch eineinhalb Stunden durch Lima gefahren, so riesig ist die Stadt. Am Cruz del Sur Bahnhof in Lima haben wir uns dann ein Taxi geholt und sind nochmal eine Stunde bis zum Flughafen durch die Stadt.
Armenviertel in Lima, die Haeuser haben meist nicht mal ein Dach
Der Taxifahrer war sehr nervös und hat tüchtig aufs Gas gedrückt. Es ist schon ein bischen beunruhigend, wenn sogar die eigenen Einwohner so viel Angst vor ihrer Stadt haben.
Besenverkaeufer in Lima
Am Flughagen angekommen, hatten wir dann 3 Stunden Zeit. Wir sind erstmal zum McDonalds gegangen. Voll lecker, nach 6 Wochen mal wieder. Dann haben wir uns noch in ein Cafe gesetzt, wo wir den nächsten Unterricht vorbereiten wollten und dort hab ich dann auch noch mein erstes Eis seit 6 Wochen gegessen. Es war ein richtiger Premiere-Tag.
Irgendwann wars dann so weit und der Flug von Joana und Anika sollte landen. Wir sind also mit unserem wunderschönen selbstgebastelten Namensschild zu den ganzen Taxifahrern dazugestosen, die die Leute abholen. Nach eineinhalb Stunden standen wir immer noch da. Unsere Arme waren mittlerweile schon 3x eingeschlafen, vor lauter Schild hochhalten. Ich Blindfisch hab dann auch immer Ausschau nach dem Fahrer von unserem Hotel gehalten, der uns auch abholen sollte. Hab ihn natürlich nicht ausmachen können. Irgendwann, als die meisten schon wieder weg waren, sah ich einen ziemlich einsamen Fahrer mit einem winzigen Schild auf dem tatsächlich „Anika“ stand. Juchu, ich dachte schon wir hätten die beiden verpasst. Wir gesellten uns zu ihm und hielten schließlich beide unser Schild hoch. Irgendwann war es dann endlich so weit und die beiden bogen mit unglaublich viel Gepäck ums Eck. Juchu. Die Freude war groß und wir konnten endlich in die Hospedaje fahren.
Diese entpuppte sich als einfaches Familienhaus mit zwei Gästezimmern, was uns sehr gut gefallen hat. Auch die Dame des Hauses war super nett und sehr besorgt, weil wir am nächsten Tag wieder bis zum Cruz del Sur rausmussten. Echt, mir wärs lieber gewesen, wenn nicht alle immer Kreidebleich werden, wenn man sagt dass man durch Lima fahren muss. Sie haben dann ein Taxi für uns besorgt, weil der Herr des Hauses, der uns vom Flughafen geholt hat, sich nicht getraut hat uns zum Cruz del Sur zu fahren. Ein freiwilliger Taxifahrer fand sich allerdings auch nicht so leicht.
Verkehr in Lima
Irgendwann hat sie dann aber doch einen organisiert und wir konnten ins unglaublich gemütliche Bett fallen, das sogar eine richtig bequeme Matratze hatte. Herrlich!
25.10.08
Als wir heute aufstanden, bin ich erstmal unter die Dusche. Es war eine ganz normale und keine Elektrodusche. Das Wasser war richtig heiß! Ich wär am liebsten nie wieder rausgegangen, man war das gut. Dann gabs noch ein richtig leckeres Frühstück und das alles für 12,50 Euro pro Nase. Ich war total begeistert und falls wir mal wieder nach Lima stoßen sollten will ich da unbedingt wieder hin. Der Taxifahrer war mal wieder unglaublich nervös und ist mit einem Affenzahn zum Cruz del Sur gerast. Thomas Fenster war weit geöffnet und er wollte es zur Sicherheit natürlich schließen. Das dumme war nur, dass das Fenster ohne Kurbel war. Als er sich dann etwas Ratlos umblickte, hielt ihm der Taxifahrer das gute Stück unter die Nase.
Taxifahren ist sehr abenteurlich in Lima
Überhaupt war das Taxi mal wieder eine Klasse für sich. Thomas fehlte neben der Fensterkurbel auch der Hebel für die Tür und hinten rechts (da wo ich übrigens saß) hörte man immer ein Geräusch, das dezent auf die baldige Verabschiedung des Hinterrades hinwies. Ständig wechselte der Taxifahrer zwischen den 5 Fahrspuren die es dort gibt hin und her, aber immer sorgfältig darauf bedacht, nicht auf die äußeren Spuren zu kommen, wegen den Räubern. Er hatte außerdem eine ziemliche Schaltphobie und schaltete meisten erst wenn das Auto schon fast stand vom 4. in den 3. Gang. Dann ist er noch zur Tankstelle gehetzt und hat die arme Tankstellenfrau ca. 8x angehupt, damit sie im den Tank vollmacht (bei laufendem Motor übrigens).
Diesmal haben wir einen Platz in der oberen Etage des Doppeldeckerbusses gebucht und nicht unten wie sonst immer. Leider war es oben nicht halb so geil wie unten, sondern um einiges unbequemer, da es sich um die 2. Klasse handelt. Ich war gleich richtig enttäuscht. Bis mir dann klar geworden ist, das es nichtmal in Deutschland so geile Bussessel gibt wie hier im Cruz del Sur und nur weil es kein Bett sondern ein normaler Sessel ist, sollte man sich nicht gleich beschweren. Ich bin schon absolut verwöhnt was die Busreise angeht. Furchtbar. Dafür war die Aussicht aus dem Bus natürlich viel viel schöner. Das Essen war mittelmaß, aber es gab viel zu sehen und auserdem liefen 4 Filme während der Fahrt. Zurück in Huaraz kam dann ein Cruz del Sur Mitarbeiter und erklärte mir, dass er sich noch an mich erinnert. OK. Ich wusste nicht wer er ist, aber gut.
Danach bin ich erstmal zur Post und es war tatsächlich ein Päckchen für mich da. Die Angestellte war genauso aufgeregt wie ich. Das Päckchen rieche nach Schokolade, vertraute sie mir an. Da sie mittlerweile schon meinen Namen kennt und mich sogar Sabinita nennt, hab ich ihr versprochen, dass sie vieleicht beim nächsten Mal ein Stück Schokolade abkriegt. Super, endlich war mein Päckchen da! Wir haben dann Milton angerufen und er wollte kommen und mit uns heimfahren. Als wir so warteten kam ein anderer Peruaner und erzählte mir, er kenne mich, ich war vor ein paar Tagen schon in Huaraz. Ja, stimmt. Langsam wird mir das schon unheimlich, es war glaub ich schon der 5. der sich an mich erinnerte, dabei gibt es in Huaraz genug Gringos. Der wollte uns dann unbedingt zeigen wo die Collectivos sind und war ganz beleidigt, als wir da gar nicht hinwollten. Endlich kam Milton und wir konnten uns in ein Taxi quetschen. Anika und Joana fanden es komisch zu 4. auf der Rückbank zu sitzen. Na, die werden sich noch wundern :-)
Abends haben wir nicht mehr viel gemacht. Die beiden Mädels haben zwei super Zimmer gekriegt und als Einzugsgeschenk von uns je eine Kitsch-Tasse und einen Kloschüssel. Herzlich Willkommen in Jangas!
26.10.08
Gestern Abend haben die Mädels Miltonmama noch aufgeklärt, dass beide Vegetarier seien, wobei Milton Mama sagte dass sei kein Problem. Heute Früh gabs dann lustigerweise zum ersten mal seit 4 Wochen wieder Wurst und zwar gleich 2 Packungen, weil wir ja jetzt zwei mehr sind! Für die Mädels gabs dann halt nur Trockenbrot. Danach sind wir ein bisschen durch Jangas spaziert und haben den Mädels den Ausichtspunkt von Jangas gezeigt. Milton erzählte und dann noch einige peruanische Legenden, die wir auch voll gut verstanden. Bin schon total stolz, wir sind schon beinahe so gut wie Anika und Joana und die hatten 5 Jahre Spanisch in der Schule.
Mittags gabs dann zum Leid aller Vergara Kinder ein vegetarisches Mal und danach wollte Milton mit uns nach Huaraz. Also haben wir uns in ein leeres(!) Colectivo gesetzt und sind dorthin gefahren, ohne zu wissen was er mit uns dort überhaupt vorhat. In Huaraz angekommen ist Milton so schnell gegangen, das wir ihn beinahe 2x verloren hätten. Anika und Joana konnten gar nichts anschauen und dann fings auch noch übelst zu Regnen an. Irgendwann bogen wir im Eiltempo um das 10 Eck und standen plötzlich vor Miltons Bruder und dessen Auto. Das war also der Grund für unseren Ausflug. Das Auto wollte Milton holen um mit uns zur Hospedaje zu fahren und die Tafel abzuholen, die wir immer für den Castellano-Unterricht benutzen. Weil die Tafel in der Hospedaje ist, müssen wir auch immer dorthin fahren (Peruaner-Logik). Da die Tafel aber nicht in den Colectivo passt, müssen wir diese mit dem Auto holen, deswegen haben wir das Auto ja auch in Huaraz gekauft.
Also sind wir wieder durch Jangas durch, auf der anderen Seite raus und Richtung Hospedaje gefahren. Als wir schließlich ankamen fuhren wir aber einfach dran vorbei, was Milton mit der Begründung „es regnet zu stark um die Tafel zu holen (?)“ komentierte und wieder umdrehte um zurück nach Jangas zu fahren. Aha. Nun gut, waren wir wenigstens 1,5 Stunden beschäftigt, auch wenns total umsonst war. Die Fahrt allerdings war sehr lustig, da wir eine CD entdeckten, die lauter alte Disko-Hits enthielt. Nur, das diese CD mal wieder eine Raubkopie war und der Peruaner der das Cover entwickelte die Namen der Lieder einfach auf Gehör erraten hat. Deswegen sangen die BeeGees auch vom „Nigtht feer“ und „Ring my bell“ wurde zu „Ring my gell“. Mein Favorit war allerdings „Thats toe wheo“ (Thats the way), aber YMCA von den „People“ war auch nicht schlecht. Einige Lieder standen ohne Interpret auf dem Cover, da wussten die Raubkopierer wohl einfach nicht wer da die Hits vor sich hin trällert. Abends haben wir unseren Neuankömmlingen den besten Tütenwein in ganz Huaraz vorgeführt und ein Willkommens-Memory gespielt.
27.10.08
Heute gings nach Cahuish. Wir wollten ein bischen was über das deutsche Schulsystem erzählen und Anika und Joana mussten sich ja noch vorstellen. Heut waren die Kinder allerdings ziemlich unruhig und verstanden haben sies wohl auch nicht so ganz. Das beste war, als Anika und Joana die Kinder gefragt haben ob sie schon was über Deutschland wissen und diese dann knallhart „Nein“ gesagt haben. Als die Profesora dann aber noch mal nachgefragt hat, haben sie dann doch ein paar Sachen gesagt. Gibts ja gar nicht, solche Fratzen :-)
Danach haben wir was neues gemacht. Und zwar bekam jedes Kind von uns einen Fragebogen mit Fragen wie „die 2 Sachen die ich am liebsten mag, sind...“, oder „ich fürchte mich, wenn...“. Es waren so Blätter für den Selbstvertrauen-Unterricht. Milton will die Blätter mit uns auswerten und wenn ein Kind irgendwie auffällig ist, sollen wir die Familien besuchen und mit den Eltern reden. Es war total komisch, die Kinder sind 12, 13 Jahre alt und haben viele Fragen nicht verstanden, dabei waren sie total Kindgerecht gestellt. Einfache Fragen wie „eine Vorstellung von der ich mir wünsche das sie Wirklichkeit wird“ haben ihnen totale Probleme bereitet und einige haben über 45 Minuten für diese 15 Fragen gebraucht. Noch schlimmer war allerdings die Auswertung dieser Blätter. Bei der Fragen, vor was sie am meisten Angst hätten, haben einige geschrieben, das ihre Eltern sie schlagen. Andere müssen Geld erbetteln oder wünschen sich Freunde zum Spielen, weil sie immer so einsam sind. Ein Junge hat auch total oft geschrieben, dass er sich wünscht, er könnte immer saubere Kleidung tragen und das es ihn stört, dass er immer so schmutzig ist und ein anderer wünscht sich, dass er noch besser schreiben lernt und er wäre so gerne einmal Anwalt. Das schlimme ist echt, das viele Kinder Angst vor ihrem Vater haben, oder sich zumindest von ihm gestört fühlen. Wir erfahren jedesmal ein bischen mehr über die schlimme Situation der Kinder und sie tun mir total leid. Ich glaube zwar nicht, das wir viel verändern, wenn wir mit den Eltern reden, aber versuchen muss man es wenigstens.
Während wir Computerunterricht hielten, kam eine Frau vom „Gesundheitsladen“ um die Kinder zu impfen. Sie ist einfach durch die Kinderhorde gegangen und hat den Kindern die Nadel reingesteckt. Das Desinfektionsmittel trug sie in einer Babytrinkflasche mit sich und es sah aus wie einfaches Spülmittel. So was hab ich auch noch nie gesehen. Diego, der Junge der letzte Woche gar nichts schreiben wollte, hat auch heute wieder keine Lust gehabt. Als ich ihm aber gesagt hab, er sei der beste in Deutschkunde und er solle sich doch auch in Computation so toll anstrengen, hat er tatsächlich geschrieben. Je mehr die Kinder gelobt werden, desto mehr machen sie und es macht wieder richtig Spaß mit ihnen zu Arbeiten. Vor allem wenn man weis, wie schlecht es ihnen eigentlich geht, wird man um einiges Geduldiger.
Den Heimweg wollten wir eigentlich zu Fuß antreten, aber der Taxifahrer, Miltons Kumpel, hat scheinbar extra auf uns gewartet und dann sind wir eben doch eingestiegen. Joana und ich wollten unbedingt in den Kofferraum, aber die Lehrer, die auch mitgefahren sind, wollten uns nicht lassen. Wir sollen auf die bequemen Sitze. Auch der Taxifahrer bestand darauf, diese seien extra für uns. Na gut, wieder kein Kofferraum :-( Irgend so eine Tussi ist auch mitgefahren und hat sich mit auf den Beifahrersitz gequetscht. Dann hat sie die ganze Zeit mit dem Taxifahrer rumgescherzt und hat ihn voll abgelenkt. Einmal waren wir schon kurz davor ein bischen zu weit über den Abgrund der doch recht schmalen und rutschigen Straße zu fahren. Ich war mal wieder sehr nervös und war schon kurz davor zu der Tussi irgendwas zu sagen, weil sie den Fahrer ständig geschlagen hat, wenn er ihr irgendwass neckisches gesagt hat und er jedesmal das Lenkrad rumgerissen hat. Seit dem einen Unfall letzte Woche bin ich eh nicht mehr so leichtfüßig, was das Colectivo-Fahren angeht. Aber man kann nichts machen. Zum Glück fährt eben dieser Taxifahrer normalerweise sehr gut und ich hoffe diese dumme Nuss fährt nicht mehr so oft mit. Ich glaub eh die steht auf den und fährt nur mit ihm hoch und runter, damit sie mit ihm flirten kann, weil die nämlich in Mataquita nix zu tun hat und auch schon mit ihm hochgekommen ist. Na prima. Das nächste mal wenn sie mitfährt setz ich mich lieber selber auf den Beifahrersitz, damit sie ihn nicht mehr ständig hauen kann.
Dienstag, 14. Oktober 2008
14. - 20.10.08 Zusammenfassung
Hier gibt es mal wieder ein paar Berichte fuer euch.
Ich wollte an dieser Stelle nur mal noch schnell was klar stellen. Auch wenn sich die Berichte lustig anhoeren (sollen sie ja auch) und es Thomas und mir richtig gut geht, weil wir bei einer fuer Peru verhaeltnismaessig reichen Familie wohnen, moechte ich nicht das der Eindruck entsteht, hier wuerde es allen Leuten so gut gehen, weil das nicht der Fall ist.
Gerade in den Schulen, in denen wir arbeiten, sind die aermsten der armen Kinder. Viele haben gerade mal 2 verschiedene Kleidungsstuecke zum wechseln und sind auf das Essen der Schule angewiesen, das vom Staat gespendet wird. Auch die Computer, mit denen wir in der Schule arbeiten, sind ausschliesslich Spenden vom Staat um den Kindern eine bessere Zukunft zu ermoeglichen. Die Schulen selbst koennten sich so etwas natuerlich niemals leisten.
Die Kinder denen wir Unterricht geben, sind alles Bauernkinder. Sie haben Glueck das sie ueberhaupt die Schule besuchen duerfen und nicht auf dem Feld arbeiten muessen. Die Leute hier haben keine Toiletten, sondern nur ein Loch im Boden mit einer Art Schuppen drumrum, welcher ebenfalls gespendet wird. Deswegen sind die Kinder auch nicht allzu sauber und manchmal auch krank. Viele haben auch nur noch ein Elternteil, weil das andere entweder abgehauen ist oder Tot. Wenn wir mit Luftballons oder Stiften kommen, dann ist die Freude immer gross und die Kinder reissen sich foermlich darum. Deswegen sind auch die Spenden so wichtig.
MIt dem Geld das mir gespendet wird, finanzieren wir in erster Linie den Anbau der Gemuesegaerten in Cahuish und Jangas. Das ist sehr wichtig, weil die Kinder sehr einseitig ernaehrt werden. Ausserdem besorgen wir Kostueme fuer unsere Theatergruppen. Wir finanzieren auch einige Ausfluege mit den Kindern, damit sie die wichtigen Punkte in ihrer Umgebung kennenlernen, weil sie sich die Fahrt und die Eintritte niemals leisten koennten. Ganz wichtig sind auch die Anschaffungen von Tageslichtprojektoren, Heften und Tafeln.
Naechste Woche werde ich noch ein paar Bilder mehr von den Schulen und den dazugehoerigen Doerfern reinstellen.
Bis dann und viel Spass beim Lesen
eure Bine
14.10.08 Fernbedienung und falsche Geburtstagskinder
Heute gings mal wieder nach Huaraz. Nach dem Reinfall vom Samstag, wollten wir diesmal gleich nach dem Frühstück fahren und zuerst einkaufen und erst am Schluss ins Internet gehen. Gesagt, getan. Es war das erstemal das wir bei richtig gutem Wetter durch die Stadt gelaufen sind. Je früher der Tag, desto besser das Wetter. Wir enterten also den Markt. Ich war noch keine 2 Schritte gegangen, da kam schon eine Indigena und rief „Gringita“ und strich mir über die Haare. Schwupps, was sie schon wieder weg. OK. Mittlerweile bin ichs ja gewohnt, deswegen hab ich mir dabei auch nix großes mehr gedacht. Eingekauft haben wir nicht viel, da wir mittlerweile alles haben, was man so braucht. Da uns die Vergaras beim Waschmaschinenausprobieren das Waschmittel gemopst haben, haben wir unser neues Waschmittel zur Strafe auf dem Markt gekauft und nicht wie sonst immer in Milton-Mamas Laden. Zum Schluss hab ich doch tatsächlich noch das unmögliche geschafft: Eine Fernbedinung für meinen DVD-Player zu ergattern!! Und zwar keine Universalfernbedienung, von der es in ganz Huaraz nur das eine Model gibt, das bei mir nicht funktioniert, sondern eine richtige LG-DVD-Player Fernbedienung. Juchu. Gleichzeitig hab ich das erstemal richtig erfolgreich gehandelt, nämlich auf fast die Hälfte runter. Bin richtig stolz, bisher musste Thomas immer für mich Handeln. Tja, jetzt bin ich eben schon groß. Dann, um zwölf sind wir in eine Pizzaria gegangen. Endlich mal wieder Pizza. Ich konnt mich gar nicht entscheiden. Für umgerechnet 2,75 Euro hab ich mir eine Pizza mit Schinken, Käse, Pilzen und Ei (das war irgendwie fast überall drauf) bestellt und es war soooo geil! Nachdem ich seit einem Monat jeden Tag Reis esse (worüber ich mich hier nicht beschweren will, der schmeckt nämlich auch super) gab es jetzt doch endlich mal wieder was total anders. Und Schinken! Ich, als absoluter Schinkenfan hatte schon beinahe Entzugserscheinungen. Wow! Ich hätte gleich nochmal eine Essen können, aber ich war leider schon zu satt. Dann waren wir noch auf der Post. Die Damen hinter dem Schalter waren ganz angetan von uns und richtig aus dem Häusschen, das wir über ein halbes Jahr hier bleiben. Dann haben sie Thomas noch gefragt ob ich seine Freundin bin (no, somos amigos de escuela) und eine hat gemeint ich hab so tolle Augen. Die andere hat ihr dann zugetuschelt, das ich bestimmt blos farbige Kontaktlinsen trage. Tja, ätsch liebe Angestellte, ich versteh mittlerweile was über mich geredet wird. Ich konnte also verneinen und schon sagen dass das meine natürliche Augenfarbe ist. Ha! Ansonsten waren sie aber wirklich sehr nett. Die werden uns eh noch oft genug zu Gesicht bekommen. Nachdem wir im Minimarkt noch die letzten Kekse einpackten die wir noch nicht probiert und bewertet haben (Karamel, Cocos, Kaffee und Vanille) sind wir in ein neues Internetcafe, weil ich vom alten genug hatte (das ist das wo immer der Strom ausfällt). Und was soll ich sagen? Wir haben endlich Skype entdeckt. Zwar nur auf Thomas Computer, aber immerhin. Werds nächsten Dienstag mal ausprobieren. So wie jedes mal, bin ich wieder vor dem Internet nicht aufs Klo gegangen. Und so wie jedesmal muss ich dann genau dann aufs Klo, sobald ich mich vor den PC setze. Ist aber ungünstig, schließlich zahlt man ja pro halbe Stunde und das will ich ja auch ausnutzen. Heute machte ich auch noch den Fehler währenddessen auch noch was zu trinken. Als wir dann endlich fertig waren, war es wirklich schlimm. Ich musste so dringend aufs Klo, das ich fast nicht mehr laufen konnte. Wie eine Ente bin ich an dem armen Internetcafetypen vorbeigewatschelt, hab ihm die drei Soles hingeknallt und nur noch geschaut das ich raus komm und aufs Klo. Es war schrecklich. Gleichzeitig musste ich aber auch noch so sehr über mich selber lachen, dass ich es fast nicht mehr aushielt. Endlich hab ich das öffentliche Klo erreicht, bei dem man für 50 centimos Eintritt auch noch einen Fetzen Klopapier erhält (hört sich nicht so luxuriös an, ist es hier aber, normalerweise gibt es nämlich kein Klopapier und Basta). Als ich ankam, war aber kein Kassierer da. Ich habe genau eine halbe Sekunde überlegt, bevor es mir wurscht war und ich endlich aufs Klo humpeln konnte. Gottseidank. Durch die Tür hörte ich dann die völlig aufgeregte Kassiererin, die inzwischen angerannt kam, zu Thomas sagen: „aber sie hat doch gar kein Papier“. Sie war total schokiert. Thomas erklärte ihr es sei sehr dringend gewesen und sie reichte mir mein (von Thomas bezahltes) Papier unter der Tür durch. Meine Güte, das war vieleicht peinlich. Der einzige Grund, warum ich das hier schreibe ist, weil ich weis das Thomas eh drüber schreiben wird und es deswegen so oder so zugeben muss. Und es ist ja nochmal gut gegangen. Auf jeden Fall war mir das eine Lehre. Vor dem Internetcafe wird jetzt immer brav das Häuschen besucht. Zuhause angekommen, wollten wir dem Geburtstagskind Marie unser Geschenk überreichen (ein Armband, das ich eigentlich als Gastgeschenk noch in Deutschland gekauft habe). Blöderweise waren heut alle 3 Vergara-Schwestern zugegen und die eine Schwester (Tania) sieht für unsere europäischen Augen genauso aus wie Marie. Wär natürlich peinlich, wenn wir jetzt der falschen Schwester das Geschenk geben. Als wir schließlich samt Geschenk in die Küche kamen war zum Glück keine der Mädels da, sondern nur Milton. Also war ich ganz schlau und hab gesagt er solle doch mal Marie holen, wir hätten ein Geschenk. Super, klappt ja wie am Schnürchen. Er ging also raus – und kam mit allen 3 Schwestern wieder zurück. Mist. Jetzt blieb nur noch der mutige Griff ins blaue. Ich schaute eine der beiden an und fragte ganz blöd: Du hast doch heut Geburtstag, oder? Sie schaute etwas verdattert, ich dachte schon „oh,oh“, da sagte sie „Ja“. Puh, Glück gehabt. Nachdem das Armband gebührend bewundert wurde, natürlich nicht ohne das wir erwähnt haben es sei aus Alemania, obwohl es solche Armbänder hier auch zuhauf gibt, gings dann auch schon wieder ins Bett. Zum Glück ohne noch was vom Geburtstagscuy abzubekommen.
15.10.08 Fußballspielen und Fußballschauen
Heute waren wir mal wieder in Atupa. Und es waren tatsächlich Kinder da!! Obwohl heute schon wieder ein Fest war, wohlgemerkt! Bis auf zwei waren sogar alle da. Es waren aber keine 30, wie Milton uns gesagt hat, sondern nur 10. Die gesamte Schule hat nämlich nur 12 Kinder im Alter von 6 – 15 Jahren. Das ist ja süß. Wir haben dann draußen Unterricht gehalten, was leider ein bisschen ungünstig war, da wir ja eigentlich eine Tafel brauchen. Also haben wir mal wieder die alte Leier von unserer langen Reise ausgepackt, die ich mittlerweile auch schon auswendig kann. Fragen gabs keine, da wir ja nichts angeschrieben hatten. Deswegen hat unsere „Stunde“ auch ungefähr nur 20 Minuten gedauert. Die Kinder waren aber ausgesprochen höflich und haben es sich überhaupt nicht anmerken lassen, wenn wir mal Müll erzählt haben. Danach durften sie noch die 2 Collagen über Berlin anschauen und auf unseren Hinweis hin, das es dort Häuser gibt mit über 10 Stockwerken haben sich alle um ein Bild gescharrt und mussten erstmal nachzählen.
Die Kinder scharren sich um unsere Berlincolagen
Na also, wars wenigstens ein bischen spannend. Milton war dann ein wenig enttäuscht, das wir nicht mehr vorbereitet haben (haben wir ja, ging halt nicht ohne Tafel), darum wollte er, dass wir noch ein bischen über das deutsche Schulsystem plaudern. Aha. Aus dem Stegreif hab ich dann versucht die Hauptschule und das Gymnasium zu erklären, Thomas durfte die Realschule machen. Weis nicht ob das alles verständlich war, was wir da so daher brabbelten. Trotzdem bin ich ein bissl stolz, das erstemal ganz ohne abschauen. Danach hatten wir die Ehre mit den Kindern Fußball zu spielen. Ich (mit meiner Ballphobie) und Fußball! In 3000 Metern Höhe. Super. Bei der Teamzusammenstellung wurde ich dann auch noch als letztes gewählt. Toll. Wahrscheinlich haben die Kinder schon geahnt, das man mit mir keinen Blumentopf gewinnen kann. Wie recht sie doch hatten. Alle Kinder haben gespielt wie der Teufel, ich, wenn ich mal den Ball erwischt hab, hab ihn immer mindestens 3 m von meinem eigentlich angestrebten Ziel entfernt irgendwohin ins Aus gepfeffert. Aber 2x hab ich doch ein Tor geschossen, einmal als ich Thomas (der Torwart bei der gegnerischen Mannschaft war) faulte und er auf dem Boden lag (besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen) und einmal als ich über so nen Zwerg drübergeschossen hab. Wir spielten ca. eine dreiviertel Stunde. Mir kams vor wie 5 Stunden, weil es in dieser Höhe echt wahnsinnig anstrengend ist. Ich konnte meine rote Birne quasi aus den Augenwinkeln leuchten sehen. Wer gewann weis ich gar nicht, ich glaube aber wir.
Freude ueber die neuen Stifte in Atupa
Für die nächste Stunde hat sich Milton dann was besonderes ausgedacht: wir sollen unseren Unterricht das nächste Mal spielen. Die Geschichte irgend einer besonderen deutschen Person. Hm. Ich muss zugeben, dass ich in Geschichte die absolute Niete war und noch immer bin. Über Hitler wollen wir auch nicht spielen, das hat Milton nämlich zuerst vorgeschlagen. Also fiel mir nix blöderes ein, als Sankt Martin vorzuschlagen. Der ist noch nicht mal deutsch, aber wir feiern ja immer seinen Namenstag, ausserdem wird bei uns am Sankt-Martinstag auch immer was vorgespielt, dann müssen wir uns nicht so viel überlegen. Da bin ich ja mal gespannt. Am Nachmittag gings wieder zur Castellano-Stunde. Wieder zur Hospedaje, obwohl immer noch Fiesta in Hungar war und unsere Hospedaje inzwischen weitervermietet wurde (wir zahlen übrigens noch bis zum 19.10. dafür). Tja, haben wir halt wieder draußen „gelernt“. Diesmal wars ganz übel. Die Profesora hat irgendwas erklärt was ich einfach nicht geckeckt hab und Thomas genauso wenig. Ich weis immer noch nicht was das sein sollte. Dann ging auch nor der blöde Böller-Krach wieder los. Oh, mann. Nach ewig langen eineinhalb Stunden haben wir endlich aufgegeben. Dann wollten wir zurück mit dem Collectivo und es kam eine halbe Stunde kein einziger vorbei. Scheinbar waren alle Fußball schauen. (Das Spiel Paraguay – Peru fing nämlich um 16.15 Uhr Ortszeit an und es war bereits 16.30 Uhr.) Wir wollten das Spiel natürlich auch sehen und mussten ewig blöd in Hungar rumstehen. Tja, selber Schuld Milton, er will ja unbedingt immer noch in die doofe Hospedaje fahren für den Unterricht. Als wir endlich da waren, war bereits Halbzeit. Ich muss leider sagen, das sogar ich Ober-Leie erkennen musste, das die Peruanische Fußballmannschaft grottenschlecht ist. Da haben die Kinder heute ja besser gespielt. Die Mannschaft hat ungefähr so gespielt wie ich heut. Puh. Nach einer 0:1 Niederlage war der Spuk auch schon wieder vorbei. Abends hat Milton mit uns nochmal unser Theater besprochen. Ich hab versucht ihm die Sankt Martin geschichte zu eklären, was mir aber glaub ich nicht so recht gelang. Ich muss mal wieder ein bissl mehr Spanisch lernen, lass ganz schön nach in letzter Zeit. Heute sind wir übrigens seit 4 Wochen in Peru. Die Zeit vergeht echt wie im Flug. Nächste Woche Freitag fahren wir nach Lima um Anika und Joana abzuholen. Freu mich schon.
16.10.08 Küsse und Karibik
Heute waren wir mal wieder in Mataquita. Ich war ja gespannt wie ein Flitzebogen, ob wir jetzt endlich mal Unterrichten oder doch nicht. An der Schule angekommen, standen wir erstmal vor dem verschlossenen Zaun. Die sperren doch tatsächlich ihre Kinder ein. Na so was. Da kam auch schon flugs der (Con(?))-Rektor angerannt um uns zu öffnen. Er war ganz aus dem Häuschen das wir wieder kommen. Ist doch klar, was hat der denn gedacht. Schwupps hat er mir den (normalerweise angedeuteten) Begrüßungskuss aufgedrückt und zwar in vollem Außmaß (von wegen angedeutet) und auch noch halb auf den Mund, den ich zu allem Überfluss auch noch halb geöffnet hatte, da ich gerade dabei war „Buenos Dias“ zu sagen. Ja Pfui Deibel. Ich hab daraufhin zu Thomas gesagt, er solle mich jetzt bei ihm immer dran erinnern, das ich meinen Kopf mehr zur Seite dreh. Buah. So ein Sauhund. Nun gut. Dann hab ich ihn noch fragen müssen, wo denn hier die Toilette ist. Irgendwie muss ich immer an den ungünstigsten Orten aufs Klo. Er erklärte sich bereit mich dort hin zu führen. Na Prima. Also sind wir los getrottet, in die hintersten Winkel der Schule. Als es Bergab ging, wollte er mir auch noch seine Hand geben. Ne, danke. Wieder zurück, war er dann verschwunden. Gut, ich dachte schon er wartet vor dem Klo auf mich. Tja. Dann kam irgend ein anderer Lehrer der uns dann in den Werkraum führte und uns irgendwelche, mit der Laubsäge ausgesägten und gebastelten Figuren von Löwen und Hähnen zeigte. Nach vielen „Ahs“ und „Ohs“ und „in Deutschland sind die Sachen natürlich nicht sooo toll“ gings dann wieder raus und zu irgendwelchen anderen Lehrern. Wir wurden mal wieder vorgestellt und dann kam schon wieder mein neuer Freund der Rektor oder Conrektor oder was auch immer. Ganz eifrig schenkte er mir ein Brot, das letzte das noch da war, wie er betonte. Wie nett. Tja. Dann saßen wir da. Eine Stunde. Nix passierte. Ich dachte schon, wir arbeiten heut wieder nicht und könnten ja dann bald gehen, da eröffnete Milton uns, das wir heute in der 5en Klasse (12 Schüler) Deutschkunde halten sollen. Also doch. Während wir noch so warteten, erklärte er uns, das wir doch demnächst mal in Huaraz auf den Hehlermarkt gehen sollen, um dort ein Kabel für den Drucker im Jangas-Computerraum zu besorgen, dieses sei nämlich geklaut worden. Ähm, wie bitte? Auf den Hehlermarkt? „Ja, das ist doch viel billiger“. OK. Das ist hier ganz normal und auserdem ist unser Kabel ja auch geklaut worden, dann ist das also nur fair. Er erzählte noch etwas mehr über den Hehlermarkt. Ob er jetzt illegal ist oder nicht hab ich nicht so ganz kapiert. Aber eigentlich sollen Thomas und ich da eh nicht allein hingehen, weil die nicht „nett“ zu Gringos sind. Aha. Ehrlich gesagt bin ich da jetzt auch nicht unbedigt scharf drauf, aber wenn Milton da unbedingt sein blödes Kabel kaufen will, kann er das meinetwegen gern tun. Ohne mich allerdings. Dann gings los in ein ziemlich dusteres Klassenzimmer zu Deutschkunde. Wir laberten mittlerweile schon zum 5x unser übliches Bla bla (so viele Stunden Reise, Deutschland ist so und so groß.....) und die Kinder hörten brav zu.
In Mataquita tragen sie Schuluniformen
Dann gabs wieder ne Runde Fotos anschauen und Bleistifte als Geschenke und das wars dann auch schon wieder. Anders als in Cahuish, haben wir diesmal keine Fragen gestellt. Der Grund war, dass der Lehrer während unserer Stunde immer wieder reingelabert hat und selber schon die Fragen gestellt hat. Nachdem mein Freund, der (Con-)Rektor noch angehastet kam und mir einen fetten Schmatzer (diesmal zum Glück nur auf die Wange, Danke Thomas fürs erinnern) aufgedrückt hat, gings wieder nach Hause. Als wir den Berg zur Straße hochkraxelten, eröffnetet Milton uns, das er morgen nach Lima fährt und zwar – ach was – um dort den Hehlermarkt zu besuchen, der noch viel besser ist als der in Huaraz. Wie bitte? Und dafür nimmt er 16 Stunden Fahrt in Kauf? Na, das muss sich ja lohnen. Da wir morgen ohne ihn in Cahuish mit den Winzlingen die nur Quechua sprechen ziemlich aufgeschmissen wären, haben wir frei! Jippieh! Das heisst wir können nach Huaraz fahren. An der Straße angekommen mussten wir auf einen Colectivo warten. Eine dreiviertel Stunde lang. In dieses Nest verirrt sich echt niemand. Unser Gespräch währenddessen, drehte sich mal wieder um Rassisten. Welches Land in Europa hat am meisten Rassisten, will Milton wissen. Oh mann, was soll man denn darauf antworten? Wir haben wieder die gute, alte, diplomatische Antwort gegeben, das jedes Land so seine schwarzen Schafe hat. Dann erzählte er uns noch, das Fredy in den USA ein ganz schweres Leben hat, weil ihn in den Läden manche Leute nicht bedienen wollen und so Zeug. Und er ist jetzt übrigens wieder zurück in den USA, bei seinem Mauerblümchen. Diese ist übrigens halbe Chinesin. Na gut, besser die als Ariane. Die mag ich zwar echt ganz gern, aber – Hey – ich hab ihn zuerst gesehen. Dann kam endlich ein Colectivo. Eine Indigena ist sogar ausgestiegen und hat sich in den Kofferraum gesetzt, damit ich auf den Rücksitz kann. Das war mir fast ein bischen peinlich, aber ich wollte mit ihr dann nicht auf offenem Feldweg darüber diskutieren, das es mir nichts ausmacht mich in den Kofferraum zu setzen. Also hab ich mich brav bedankt und bin eingestiegen. Mir fällt eh immer mehr auf, das die Leute immer freundlicher werden. Jetzt, da wir uns ein bischen mit den Angewohnheiten und der Sprache auskennen, können wir das erst so richtig erkennen. Die Leute sind hier fast alle wahnsinnig zuvorkommend und geizen nicht mit unglaublich netten Komplimenten. Meistens sind sie total aufgeregt, wenn sie erfahren das wir aus Alemania kommen. Wenn wir dann noch sagen, dass wir Freiwillige sind und als Lehrer arbeiten, sind sie vollends begeistert. Das macht Spaß! Nach dem Mittagessen (ich habe heute nur die halbe „Sopita“ gegessen, es hilft nix, selbst wenn ich zu Mama Milton sag ich will nur „un pocito“, macht sie mir den Teller bis über den Rand voll. Naja, Dolly freut sich) hatten wir Siesta. Ich hatte die Super Idee, den Fernseher vor meine Zimmertür zu rutschen und so von der Hängematte aus „Fluch der Karibik“ anzusehen. So waren wir bei dem schönen Wetter draußen, konnten trotzdem Fernsehen und haben gleichzeitig Spanisch gelernt, da der Film in dieser Sprache lief. 3 Fliegen mit einer Klappe, muss sagen, ich habs echt drauf ;-) Die suessesten Schweinchen gibts in Mataquita
17.10.08 Muttermilch und Marktbesuch
Uiuiui, heute ist unser „einmonatiges“ in Peru. Zu allem überfluss haben wir heute auch noch frei und können nach Huaraz fahren. Es wär zwar eigentlich gar nicht so nötig gewesen, weil wir ja in letzter Zeit recht oft waren, aber wir wollten mal wieder zur Post. Außerdem wollte Milton ja, das wir ein Kabel für den Drucker kaufen gehen und dazu noch eine Patrone. Wenn er funktioniert dürfen wir ihn haben, und das lass ich mir natürlich nicht 2x sagen, da es doch ziemlich umständlich ist, die Blätter für die Kinder immer im Internetcafe ausdrucken zu lassen und danach zum Copyshop zu gehen. Also sind wir gleich nach dem Frühstück reingefahren. Zuerst sind wir dann doch wieder ins Internet, immerhin muss man ja auf dem laufenden bleiben. Heute schauten wir allerdings, dass wir schnell wieder rauskommen, da der Internetcafetyp eine uralte Roxette-CD aufgelegt hat und jedes einzelne Lied in ziemlich falschem Englisch mitträllern musste. Wunderschön. Nach dem dritten Mal „Listen to your heart“ bin ich dann wieder abgedampft und hab draußen auf Thomas gewartet. Dann gings auf den Markt. Ich wollte an meine Familie schon mal ein paar Weihnachtsgeschenke schicken, ist zwar noch etwas früh, aber so ein Paket dauert 4 Wochen und ich wollte jetzt endlich auch mal was schicken, Thomas ist ja schon die ganze Zeit dabei. Was genau ich jetzt gekauft hab, will ich nicht verraten, weil es Überraschungen sein sollen, aber ich muss sagen, ich habe sehr gut gehandelt. Habs mittlerweile echt drauf :-) Dann gings zur Post. Die nettere Frau von den beiden war heut leider nicht da, nur die, die behauptet hat, meine Augen wären nicht echt. Pah. Nachdem wir unsere kopierten Pässe abgegeben haben und Fingerabdruck und was weis ich noch alles, waren wir nach ca. 40 Minuten endlich fertig mit den zwei Paketen. Hinter uns warteten schon 3 andere Leute. Dann sind wir Pizzaessen gegangen. Es war voll lustig, weil meine Pizza ziemlich lang gedauert hat und der arme Kellner sich ca. 100x entschuldigte. Dabei dauert hier alles lang, wenn er sich nicht entschuldigt hätte, wär es mir gar nicht aufgefallen. Da Klo in dieser Pizzeria war übrigens auch wieder ein sehr hübsches. Klingt jetzt zwar doof, aber ich zähle hier die schönen Toiletten, weil die meisten wirklich unglaublich wiederlich sind. Ein Restaurant mit schönem Klo hat also das absolute Recht hier erwähnt zu werden. Ich weis zwar nicht mehr genau wie es hieß, aber ich glaube „Encuentro“. Nur für den Fall, dass einer von euch sich mal nach Huaraz verirren sollte :-)
Hab versucht Jangas auf der Karte zu zeigen, der rote Kringel ist unser Haus
Nach dem Essen hatten wir nicht mehr viel zu tun. Zuerst sind wir noch zur Geschäftsstelle vom Busunternehmen „Cruz del sur“, weil wir gleich 2 Fahrkarten für nächsten Freitag kaufen wollten, um nach Lima zu fahren und Anika und Joana abzuholen. Dazu mussten wir mal wieder unseren Pass zeigen, den ich natürlich nicht dabei hatte und die Kopie hab ich vorher ja schon schlauerweise in der Post abgegeben. Ich hab dann einfach irgend eine Nummer die auf irgend einem kopierten Passzettel von mir stand, aufgeschrieben und das hat scheinbar gereicht. Na gut. Die Verkäuferin war aber sehr nett und fand es ganz toll, das wir hier als Lehrer arbeiten. Während sie so unsere Fahrkarten ausfüllte und mit uns plauderte, kam ein kleiner Junge (ca. 2 Jahre) und setzte sich auf ihren Schoß. Sie nahm ihn in den Arm – und packte doch tatsächlich ihre Brust aus und lies den kleinen(?) doch glatt vor ihren Kunden (uns) an ihrer Brust saugen, als wär da überhaupt nichts dabei. Im Grunde ist ja auch nicht viel dabei, aber am Anfang war ich schon ein bisschen Perplex und wusste gar nicht wo ich hinschauen soll, schließlich wird man bei uns in Deutschland in so Geschäften ja eher selten von Frauen bedient, die wärenddessen mal flugs ein bischen Muttermilch verteilen. Aber naja, hier ist das eben ganz normal, also haben wir auch so getan, als wär es auch für uns ganz normal. Wird bestimmt noch öfter vorkommen, dann sind wir es ja schon gewöhnt. Wir haben noch ein paar DVDs gekauft (es ist hier wohl üblich Raubkopien zu verkaufen und scheinbar ist das noch nichtmal verboten, es gibt auf jeden Fall sehr, sehr viele Läden) und wollten noch auf einen anderen Markt gehen, der überdacht ist und ziemlich vollgestopft mit allerlei Kitsch und Blödsinn (und einer riesen Essensabteilung, wo sämtliche Innereien von Schweinen, Kühen, Göckeln und Meerschweinchen einfach so rumhängen, bzw. liegen. Es ist absolut eklig und ganz bestimmt nicht hygienisch, aber das Geschäft boomt.) Hier hatten wir vor, nach einem neuen Hand-Handtuch für das Bad zu suchen. Wir gehen für solche Sachen jetzt immer extra auf den Kitschmarkt, da wir seit neuestem immer nur die hässlichsten und kitschigsten Sachen kaufen. Das Hand-Handtuch das wir schließlich kauften ist also pink und hat einen quitschbunten Marienkäferaufdruck. Die Verkäuferin hatt uns ziemlich blöde angeschaut, weil wir ihre schönen Handtücher verschmähten und unbedingt den Marienkäfer wollten, aber nachdem wir drauf bestanden haben, hat sie ihn uns dann doch ausgehändigt. Mittlerweile sind wir stolze Besitzer von 4 bunten Herztassen, mit der Aufschrift „Te quiero Mama“ (sind aber alle 4 verschieden), 2 Plastiktellern mit Oma-Blumenmotiv, 2 Hand-Handtüchern,
eines mit Marienkäfern und eines mit U-Boot und Fischen und einer Winni-Poh-Nachttischlampe, die Thomas unbedingt haben wollte (ich bleib dann doch lieber bei meiner Stirnlampe).
Bei meinem Streifzug durch die Stadt und durch den Markt entdeckte ich ca. 20 Wasserkocher und 40 Fernbedienungen. Es ist zum Verrücktwerden: Immer wenn wir etwas dringend brauchen, laufen wir durch ganz Huaraz und fragen in jedem Geschäft nach, das irgendwie so aussieht als gäbe es das gewünschte Objekt dort. Gibt es aber nie. Ganz zum Schluss, wenn wir dann wirklich keinen Bock mehr haben, finden wir es dann doch. Froh darüber, bezahlen wir schnell und meistens zu viel und nehmen das Ding glücklich mit. Kaum erstanden, sehen wir die Sachen dann plötzlich überall. Es ist echt wie verhext. Die ganze Zeit sucht man verzweifelt nach etwas und wenn man es dann endlich hat, liegt es an jeder Ecke rum! Es ist als ob die Stadt einen verarschen will. Naja, auch egal. Nachdem ich mir noch ca. 4 kg Obst aufgeladen hatte, wollten wir gehen. Aber irgendetwas war noch nicht erledigt. Nur was? Ach, stimmt ja, das blöde Druckerkabel und die Patrone. Tja, was soll ich sagen? Nachdem wir sonst immer an 100 Computergeschäften vorbeilaufen, haben wir diesmal natürlich wieder kein einziges gefunden und wenn doch, gabs dort kein Kabel. Geschäft Nr. 6 hatte dann wenigstens eine Patrone für uns und schickte uns auch noch freundlicherweise zu Geschäft Nr. 7, das doch tatsächlich ein Kabel hatte. Es war ein ziemlich dubioser Laden und es würde mich kaum wundern, wenn dort einiges verkauft würde, das vom Laster gefallen ist. Der Typ hat sich dann auch noch halb kaputt gelacht, das wir 10 Soles (2,50 Euro) für dieses blöde Kabel gezahlt haben. Wie auch immer, hauptsache wir haben es. Beim Weg zum Colectivo haben wir dann auch noch zufällig Milton getroffen. Ich glaube er war in Huaraz um dort den Englischunterricht zu besuchen, bin mir aber nicht sicher, ob ich das alles richtig verstanden hab. Jedenfalls hatte er ein Englischlehrbuch dabei und es mir stolz gezeigt. Zuhause angekommen, holten wir den Drucker. Wir öffneten die Klappe für das Papierfach und was lag da wohl? Das „geklaute“ Kabel! Na Prima. Die ganze Sucherei war also umsonst. Milton fands lustig. Wir dann auch, mehr oder weniger. Leider funktioniert der Drucker trotzdem nicht, da er nicht auf dem PC installiert ist, oder wie das heisst, ich kenn mich da genausowenig aus wie Milton. Thomas dafür schon und jetzt müssen wir halt noch einen Treiber beschaffen. Da bin ich ja gespannt. Wird bestimmt wieder ganz einfach
:-)
18.10.08 Mistwetter und Musikgeschmack
Heute war unser zweiter freier Tag, da Milton jetzt doch nach Lima gefahren ist. Schon in der Früh ging das muntere Feuerwerksgeballere los, die Leute in Jangas haben sich das also wohl doch nicht so zu Herzen genommen, wie erhofft. Naja, ist halt eine „Gewohnheit“, wie so manches hier, das nicht ganz ok ist. Eigentlich wollte ich die freie Zeit heute nutzen, um mal einen schönen Spaziergang in die Berge ringsrum zu machen. Immerhin sind wir hier an einigen schönen Gebirgswegen und fahren jeden Tag blos blöde mim Colectivo durch die Gegend. Leider war genau heute mal den ganzen Tag schlechtes Wetter. Mist. Also haben wir eben viel für unseren Unterricht getan, ich hab ein paar Märchen für die kleinen Abgetippt, die diese wiederum im Computerunterricht abtippen sollen und Thomas hat die nächste Deutsch-Kunde-Stunde vorbereitet, Sport in Deutschland. Ich glaube das war alles was wir an diesem Tag gemacht haben. Ich hab nur noch ein bisschen Gitarre geübt. Wird Zeit das ich mal besser spielen kann, damit wir mal zusammen ein bisschen Musik machen können. Ich möchte den Kindern und auch Milton mal ein paar Lieder zeigen, die halt bei uns so mit Gitarre gesungen werden (Da Capo Stoff meinetwegen). Es scheint mir nämlich so, dass das einzige das die hier anhören „Gumbia“ ist, so eine rhytmische Musikart mit Latinogesang. Ist ganz gut zum Tanzen und hört sich auch nicht schlecht an, aber, wie gesagt, es ist wirklich fast das einzige. Dazu kommt, das die hier scheinbar nur eine Band dafür haben, nämlich „Grupo 5“. Egal, ob wir Radio hören, im Auto ein CD läuft, wir einkaufen sind oder im Colectivo mitfahren, es läuft Grupo 5 und zwar nur. Es ist der Wahnsinn. Auch wenn eine fiesta ist und eine Band spielt, sie spielen fast ausschliesslich Grupo 5. Ich kann mittlerweile die Lieder schon fast auswendig. Das klingt jetzt vieleicht übertrieben, ist es aber nicht. Es ist wirklich so. Perus Musikwelt besteht aus Grupo 5. Ich weis echt nicht was die machen, wenn diese Band sich mal auflöst. Werden sie aber wahrscheinlich nicht, die müssen ja Millionen machen. Naja. Ich werd mir auf jeden Fall auch eine CD besorgen, bevor ich wieder Heim nach Deutschland flieg, wahrscheinlich krieg ich Entzugserscheinungen wenn ich die nach einem halben Jahr plötzlich nicht mehr jeden Tag hör. Abends kam dann Milton auch schon wieder zurück von Lima. Mit seinen Eltern, die irgendwie auch mitgekommen sind. Wir haben dann noch ein bisschen über Brotaufstriche geredet (weis auch nicht mehr wie wir darauf gekommen sind) und morgen in Huaraz wollen wir ein Glas Nutella kaufen, weil die Vergaras das gar nicht kennen. Freu mich schon. Nach einem Monat jeden Tag Erdbeermarmelade (die ich in Deutschland übrigens überhaupt nicht esse, weil ich das Zeug eigentlich hasse) endlich mal wieder was anderes. Njam!
19.10.08 Stromausfall und Stirnlampen
Heut waren wir mal wieder in Huaraz. Eigentlich sind wir nur dorthin gefahren um nach einem Treiber für den Drucker zu suchen. Wir mussten nicht mal den Colectivo nehmen, weil Nino, Miltons jüngerer Bruder auch nach Huaraz wollte, mit seinem neuen(!) Auto. Nicht schlecht. Naja, ich war froh, ist doch ein bissl entspannter, in so einem neuen und bequemen Auto zu sitzen, statt im klapperigen, überfüllten VW-Bus. Das Auto hatte sogar hinten Anschnaller. Eine wahre Luxuskarrose also. Ich wollte mir nur vorher schnell ein Bettlaken kaufen, weil meins viel zu klein ist für die Matrazte und das Bett eh aussieht wie zusammengeklaut. Zuerst kommt eine Strohmatratze, ohne Bezug, dann eine Schaumstoffmatratze, die in der Mitte ungefähr die Hälfte so dick ist wie an den Seiten, darüber der viel zu kleine Überzug und darüber ca. 5 Wolldecken. Ich schlaf allerdings im Schlafsack. OK, also sind wir erstmal auf den Hühnermarkt. Das ist der Markt, wo sie das ganze Fleisch offen verkaufen.
Ansicht des Marktes, auf dem oberen Bild liegen gehaeutete Meerschweinchen
Der Geruch da drin ist echt unbeschreiblich, aber man bekommt so ziemlich alles was man will. Nur leider kein Bettlaken. Dafür haben wir ein Glas Nutella entdeckt. Das kostet hier 18 Soles (4, 50 Euro). Ich hab echt lang überlegt ob ichs nehm, immerhin ist es das erste Produkt das ich hier gesehen hab, das mehr kostet als in Deutschland. Aber wir habens den Vergaras ja versprochen, also haben wir es eben gekauft. War eh der einzige Stand in ganz Huaraz wo es das überhaupt gab. Ist wohl nicht sehr weit verbreitet hier und deswegen so teuer. Fein. Für mein Bett hab ich mir dann eben eine riesige Touristendecke gekauft, die echt voll schön ist und die ich dann auch mit Heim nehm. Hab sie sogar um 10 Soles runtergehandelt. Wollte zwar noch mehr handeln, aber irgendwann hatte ich keinen Bock mehr und der Typ war echt knallhart. Nach einem kurzen Internet-Intermezzo sind wir dann auch schon wieder heim, ich konnte es kaum erwarten mein Bett zu „beziehen“ und einen unserer neu erstandenen DVDs anzuschauen. Daheim erwartete uns aber eine ungünstige Nachricht: Es gab keinen Strom. Zuerst war das kein Problem, es war ja noch Hell und ich wollte ja eh zuerst mein Bett umgestalten. Als ich damit fertig war, hab ich auch gleich noch mein Zimmer umgestellt, weil hinter meiner Strohmatratze zwei Steckdosen verliefen und ich der Sache einfach nicht so ganz trauen kann, hier. Kaum war ich fertig, wars auch schon halb sieben Uhr abends und Punkt halb sieben wirds hier dunkel. Zack, das dauert ca. 10 Minuten, dann ist es Stockduster. Also haben Thomas und ich unsere tollen Stirnlampen ausgepackt, die wir ja extra für solche Fälle zuhause in Deutschland gekauft haben und haben Uno gespielt. Das muss echt lustig ausgesehen haben, denn als Milton-Mama uns geholt hat zum Abendessen hat sie sich halb kaputt gelacht. Milton-Papa war dafür total begeistert von diesen Dingern. Ob die mit Batterie funktionieren und wie das geht und wo es so was gibt und und und. Der wollte sie fast gar nicht mehr hergeben. Nach dem Essen haben wir uns noch eine Kerze geschnorrt (so was hab ich natürlich vergessen) und Streichhölzer (ebenfalls vergessen) und sind wieder abgedampft.
Stromausfall hat was romantisches..
Milton Papa hat noch erzählt, das der Strom normalerweise höchstens eine halbe Stunde nicht geht und es total komisch ist, das er, wie heute 5 Stunden oder mehr ausfällt. Naja, wir fandens lustig, immerhin haben wir uns unser Leben in Peru ja auch ein bisschen mehr so vorgestellt. Milton-Oma war von den Lampen übrigens auch sehr angetan, ich hab ihr meine geliehen als sie im kohlrabischwarzen Zimmer abspülen wollte. Leider wollte sie sich die Lampe nicht umschnallen, das wär noch ein Foto wert gewesen. Ich glaub ich weis jetzt auch was die Vergaras zu Weihnachten von uns kriegen, Milton hat nämlich dann auch noch für 5 Minuten die Stirnlampe bewundert. Prima. Schon mal ein Problem gelöst.
So ab 21 Uhr ging der Strom aber dann wieder und wir konnten endlich „Kill Bil“ anschauen, was ich schon kaum noch erwarten konnte. Irgendwie schon blöd, das ich sogar hier total abhängig bin vom Strom. So ein Stromausfall ist vieleicht mal ganz gut.
20.10.08 Trotzige Kinder und Todesabstieg
Heut war mal wieder Cahuish angesagt. Das letzte mal zu zweit. Kanns kaum noch erwarten endlich mit Anika und Joana zusammenzuarbeiten und so weiter. Wir haben über Sport in Deutschland erzählt, hauptsache über Fußball. Die Kinder waren schon brav, aber so richtig interessiert waren sie jetzt auch nicht. Naja, das wars jetzt dann eh bald mit Deutschkunde und dann geht der Ernährungskundeunterricht los. Da können wir dann eh viel besseren Unterricht halten, auch mit Spielen und so. Danach gings wieder zur Computerstunde. Ein Junge, Diego, hatte heut keinen Bock und ist einfach raus gegangen. Ich musste erstmal mit Milton reden, wie wichtig das doch ist, damit er Diego holt und ihm erzählt wie wichtig das doch ist. Der wollte aber trotzdem nicht und war zwar anwesend, hat mit seinem Kumpel aber nur Blödsinn gemacht. Das war echt das erstemal das es mich richtig genervt hat, aber ich hab versucht ruhig zu bleiben und es ging dann später auch. Danach hat mir Milton erzählt, das der Vater von Diego abgehauen ist und die Mutter mit ihm und seinen 4 Geschwistern allein gelassen hat. Sein Bruder musste daraufhin nach der 6.(!) Klasse die Schule abbrechen und auf dem Feld arbeiten. Und er ist da leider kein Einzelfall. Auch von anderen Kindern hab ich heut traurige Geschichten gehört. Ein 9-jähriges Mädchen lebt bei seiner Tante, weil beide Eltern bei einem Unfall gestorben sind. Bei vielen anderen sind die Väter abgehauen und viele größere Brüder oder Schwestern mussten die Schule abbrechen und Zuhause helfen. Es gibt Mädechen, die müssen das ganze Jahr Schafe hüten. Sie gehen nicht in die Schule, haben nie Ferien oder einen freien Tag, sondern sitzen jeden Tag alleine bei ihren Schafen. So was will ich mir gar nicht vorstellen. Die armen. Da fällt mir erst mal wieder ein wie gut wir es alle haben. Später kam dann noch die Professora und hat uns gesagt, dass die Kinder sehr zufrieden mit uns sind. Das hat mich sehr gefreut, weil ich manchmal denke was wir machen ist eh total umsonst. Aber auch Milton meint, vor allem den Computerunterricht machen wir gut. Ich hoffe trotzdem wir verbessern uns noch ein bisschen.
Dann gings an den Abstieg, heute mal wieder zu Fuß. Milton fragte uns, ob wir den normalen Weg laufen wollen, den auch die Taxis fahren, oder ob wie die Abkürzung nehmen, die ist aber ein bischen gefährlicher. Weil er uns jedesmal nach der Abkürzung fragt, haben wir diesmal zugestimmt. Am Anfang wars auch noch ganz nett. Wir sind über ein paar Felder gelaufen, die waren zwar ziemlich steil (40° Steigung oder mehr), aber es ging ganz gut.
wunderschoene Aussicht vom Horrorpfad
Dann sind wir noch an hübschen kleinen Bächchen vorbei, auf einem kleinen Trampelpfad und ich fing gerade an es zu geniesen und wollte schon vorschlagen das wir den Weg ab jetzt immer nehmen, da blieb Milton auf einmal stehen. Irgendwie hat er den Weg nicht mehr genau gewusst und der einzige Trampelpfad der noch begehbar war, führte zurück nach Cahuish. A ja. Und jetzt. Wir standen direkt vor einem ziemlich steilen Abgrund. „Ja, wir müssen da runter, dann kommen wir auf der anderen Seite des Tales wieder auf den normalen Weg“. OK. Und wie? Milton ging vorraus und der Camino de muerte begann. Es war schrecklich. Der „Pfad“ war unglaublich steil und halt gab es so gut wie keinen. Zum Glück wuchsen überall so komische Gräßer, an denen man sich festhalten konnte, sonst wär ich bestimmt ca. 7x auf dem Hintern runtergerutscht. Leider durfte man aber nicht alle Pflanzen anfassen, einige waren nämlich giftig. Super. Manchmal musste man auch aufpassen, dass man nicht in einen Kaktus greift, diese wuchsen nämlich prächtig auf diesem Hang. Ich wollte eh lieber nicht darüber nachdenken, was hier noch für Viecher (Schlangen z.B.) rumwuseln, die man in die Finger kriegen konnte. Der Abstieg dauerte ewig. Bestimmt 20 Minuten oder mehr. Ich hatte zu allem überfluss diesmal auch noch meine Mütze vergessen und blos die Umhängetasche an, die mich ständig von einer Seite zur anderen Schleuderte. Teilweise war die Steigung ungelogen bei ca. 70°.
Dazu wars heiß wie in der Wüste und irgendwann fingen Fliegen und so kleine Mücken an uns zu umkreisen. Nachdem es mich auch noch auf den Hintern gelassen hat, wollt ich nur noch unten ankommen.
Ich haeng in den Seilen..
Als es endlich so weit war, war die ganze Tortur aber auch schon vergessen, weil wir an einem wunderschönen Bach standen, der von Steinen gesäumt war, so das man ihn gut überqueren konnte. Außerdem war ich auch ein bischen Stolz und es war auch mal was anderes. Und die Landschaft war wirklich der Hammer. Ab jetzt ging es nur noch ein bisschen Bergab und es war wirklich schön zu gehen. Nach eineinhalb Stunden waren wir endlich da, aber ich war so fertig, das ich gleich nach dem Mittagessen 1 Stunde in der Hängematte gepennt hab. Trotzdem überleg ich, ob ich Milton nicht Frage ob wir den Weg mal nochmal gehen können. Vieleicht findet sich ja eine Lösung, diesen Mörderabstieg zu umgehen.
So steil wars...
01. und 02.10 und 07. - 13.10.08 Zusammenfassung
Ich werde es jetzt auch immer so machen, das ich für die gesamte Woche nur einen extra Eintrag mache, das ist einfacher mit den Fotos und man hat das geschriebene gleich in der richtigen Reihenfolge.
Ach so, weil manche mir geschrieben haben, weil sie keine Kommentare schreiben koennen: ihr muesst nur bei „waehlen sie eine Identitaet aus“ auf „anonym“ klicken. Und natuerlich beim Kommentar euren Namen drunter schreiben. Und dann auf „Veroffentlichen“ klicken. Das ist alles :-)
Viel Spaß und bis bald
01.10.08 Cuy- und Collectivofreuden
Leider hab ich meine Einträge vom 01.10.08 versehentlich gelöscht. Nur so viel: Wir waren mal wieder in Atupa (zur Erinnerung: Das war die Schule in der beim ersten Mal keine Kinder da waren, wegen der Festwoche). Tja. Diesmal waren Kinder da. Und zwar sage und schreibe vier Stück! Der Grund war – Überraschung – ein Fest. Und zwar unserer mittlerweile wohlbekannten Virgen de las Mercedes. Wir haben extra 30 Buntsifte eingepackt und befürchteten sogar es seien zu wenig. Haha. Die paar Kinderlein mitsamt Lehrerin standen ziemlich ratlos auf dem Acker vor der Schule rum und haben auf uns gewartet. Als wir ankamen, sagte dann eine Eingeborene auch noch vor mir zu den Kindern „Da ist die Gringa. Schaut euch die Gringa an“ und zeigte mit dem Finger auf mich. In solchen Momenten bin ich dann doch immer sehr froh nicht allein zu sein, sondern Thomas dabei zu haben. Ich weis zwar das es nicht unbedingt böse gemeint ist und das wir vieleicht wirklich die ersten Hellhäutigen Leute sind, die diese Frau persönlich gesehen hat, aber trotzdem kommt man sich dabei nicht sehr toll vor. Nun gut. Rumheulen hilft da jetzt auch nichts. Also, rein in die Klasse, unser übliches Vorstellprogramm durchgezogen („Wir sind Thomas und Sabine und kommen aus Deutschland. Wir sind soundsoviel Stunden mit dem Flugzeug geflogen und Unterrichten die und die Fächer. Wir freuen uns mit euch zu Arbeiten“), 4 Stifte verteilt und eine Schere + Radiergummi für die Lehrerin und zurück nach Jangas. Unterwegs verkündete Milton uns auch noch, das es am Mittag mal wieder Cuy zum Essen gibt. Nein, bitte nicht schon wieder! Würg! Also, gute Miene zum Bösen Spiel machen und ab in die Höhle-des-Löwen-Küche. Ich muss sagen, dieses mal war es nur halb so wiederlich wie das letztemal. Und zwar lag das an einer unglaublich fetten und dickflüssigen Soße, die so dunkel war, das sie das ganze Grauen vor uns auf dem Teller verbarg. Nur die Meerschweinchenkralle lugte noch fröhlich heraus. Die Soße schmeckte allerdings sehr gut und sie eignete sich auch gut zum Hautrunterwürgen. Meinen Fantatrick konnte ich diesmal leider nicht durchführen, weil es nur komische selbstgemachte Limonade gab, die selber nicht so der Hit war. Der Reis und die Kartoffeln dazu waren allerdings wie immer erste Sahne.
Danach gings mal wieder zur Castellano-Stunde. Es war verplant wie immer. Die „Professora“ erklärte irgendwas, das wir nicht kapierten oder ohnehin schon wussten und wir fragten irgendwas, was sie nicht verstand, worauf sie wiederum irgendwas planloses erklärte. Ein Teufelskreis der Missverstehens.
02.10.08 Schüchterne Schüler und Schokosucht
Heute ging es wieder in eine neue Schule. Nach Mataquita. Das ist ungefähr genau so weit weg wie Cahuish und auch genauso hoch gelegen (3100 Meter). Die Schule ist aber im Gegensatz zu Cahuish und Atupo richtig groß, sogar zweistöckig und die Schüler tragen Uniform. Es gab sogar einen Schulleiter! Er führte uns gleich in sein kleines Büro und dann besprach er 20 Minuten lang mit Milton, wer wir sind, was wir hier wollen und was wir Unterrichten sollen. Und zwar Deutsch-Kunde, ich glaube Computer und „Selbstvertrauen“. Zuerst war ich ein bischen beunruhigt, weil Selbstvertrauen ja doch noch eine Stufe schwieriger ist als irgendwas über Deutschland zu erzählen. Aber Milton meint, wir machen das mit den Jugendlichen aus Jangas gemeinsam. Na gut. Hat wahrscheinlich auch mehr Wert, als wenn wir mit unserem Anfängerspanisch irgendwas stammeln, das sich für die dann ungefähr so anhört: „Koine Sorge, du können wirst werden Ingenieur mehr später mal, wenn willst du nur und fleissig ein wenig bist“. (Ich würde im spanisch synchronisierten StarWars sicher einen sehr guten Meister Yoda abgeben.) Ausserdem sollen wir zusammen mit den Kindern später noch Theater spielen. Darauf freu ich mich am meisten. Ich liebe Theater spielen. Dann ging es in die erste der beiden Klassen, die wir unterrichten. Nach den vier Kindern von gestern erwartete uns diesmal schon eine Steigerung: Es waren 5! Und zwar nicht nur an Festtagen, sondern immer. Nach unserem Vorstellungsprogramm (wir sind aus Deuschland, bla bla bla so viele Stunden mit dem Flugzeug, wir freuen uns, blubb) und eine Runde Stifte für alle, gingen wir über den Pausenhof zur nächsten Klasse. Vom ersten Stockwerk schauten ein paar ca. 14 -jährige Jungs aus dem „Fenster“ (ohne Scheiben) der Schule und Pfiffen mir hinterher, als ich vorbei ging. Lustig, denn als wir eine halbe Minute später vor ihnen standen, trauten sie sich nicht mal mehr uns anzuschauen. Die Kinder hier haben „Selbstvertrauen“ wirklich sehr nötig, je älter sie werden, desto schüchterner werden sie Fremden gegenüber. Es gab mal wieder eine neue Vorstellrunde (bla, aus Deutschland, laber, laber mit dem Flugzeug, Rhabarbar, Rhabarber, freuen uns). Dann gings wieder Bergab. Also eigentlich erst Bergauf, weil die Schule ein bischen Unterhalb der Straße liegt. Ich war ganz schön aus der Puste, bei der Hitze und der Höhe ist schon ein Mini-Anstieg total anstrengend.
Dafür gabs bei Vergaras wieder mal richtig gutes Essen. Hm, ich liebe die Küche von Milton-Mama (außer es gibt Cuy oder Innereien-Suppe). Eigentlich wollten wir Nachmittags nach Carhuaz fahren, um irgend einen Tanz irgendwelcher Kinder anzuschauen. Leider hat es dann aber angefangen wie aus Eimern zu Regnen. Da ich nicht mal eine Regenjacke mein eigen nenne, sind wir nicht gefahren. Also hab ich eben in meinem Zimmer ein bissl gechillt. Dann, um Punkt 16 Uhr, hatte ich nur noch einen Gedanken im Kopf: Schokolade! Nachdem ich, seit ich Deutschland verlies, keinen Bissen Schokolade mehr gegessen hab und es mich eigentlich auch nicht groß gestört hat, wollte ich jetzt nur noch Schokolade! Keine Orangen, keine Nimm2 und auch sonst nichts, nur das eine und das war Schoki. Also, Thomas geschnappt und voller kindlicher Freude in den Laden von Mama-Milton gestürmt. Doch was mussten wir sehen? Es gab keine Schokolade! Da wohnt man schon in einem Haus mit Laden und dann gibt es keine Schokolade. Ich konnte unser Pech kaum fassen. Zum Trost wollte ich mir wenigstens eine dieser göttlichen Orangen kaufen, von denen ich am Tag mindestens 2 in mich reinstopf. Gab es auch nicht!!! AAAAAH, ein Albtraum. Ich kaufte also ein Wasser und wir trotteten wieder in unsere Zimmer. Es half aber nichts. Unser Schokoverlangen war unbezwingbar. Also schmiedeten wir einen Plan: wir mussten uns am Laden der Milton-Mama vorbei zum Zwieder-Laden schleichen. Zwieder-Laden, weil die Senora hinter dem Tresen unglaublich zwieder ist und uns, aus mir unerfindlichen Gründen, vermutlich hasst. Schleichen, weil Milton-Mama natürlich will das wir bei ihr kaufen und nicht in einem der anderen 500 Läden in diesem 3000 Einwohnerkaff. Wollten wir ja auch, ging ja nich. Naja. Haben ja zum Glück eine extra Tür auf die Straße. Kaum sorgfältig lautlos geöffnet, stolperten wir schon über Milton-Oma. Sie saß, trotz Regen, auf dem Gehsteig vor der Türe. Klasse. Schnell das obligatorische „Buenas Tardes, Senora“ gerufen und möglichst alltäglich vorbeischlendern. „Wo wollt ihr denn hin bei dem Regen?“ Mist. „Ähm, öh, wer wir? Ach, nur ne Prepaidkarte kaufen“ (wohl wissend, dass Milton-Mama keine Prepaidkarten führt, super Ausrede, muss schon sagen), „Ihr habt doch gestern schon eine gekauft“ wundert sich Milton-Oma. Mensch, warum sind die alten Leute immer so neugierig. „Ja – ähm, schon, aber nur eine, jetzt brauchen wir noch mal eine, sind ja zu zweit (dreiste Lüge)“. Milton-Oma: „Ich glaube die Mutter von Milton verkauft auch Prepaidkarten“ (die gibt aber auch gleich gar nicht auf). „Nö, LEIDER nicht. Wir gehen schnell, ist ja nicht weit, hehe“. Das hat sie dann geschluckt. Oder auch nicht und sie hat sich einfach nur gedacht „Die spinnen, die Deutschen“. Wie auch immer. Endlich freie Bahn und auf zum Zwiederladen. Zwei ziemlich grimmige, uns verfolgende Hunde später, enterten wir endlich den Laden. Die Verkäuferin, heute besonders zwieder, erkundigte sich was wir wünschen. Nun, erstmal Schokolade. Sie deutete auf ein kleines Regal. Mein Wunsch, eine ganz normale Tafel, wurde leider nicht erfüllt. Dafür gab es unmengen an Schokoriegeln. Da wir uns nicht entscheiden konnten, nahmen wir einfach von jeder Sorte je eine. Dann hatten wir noch einen besonderen Wunsch: Wein! Es gab genau zwei Sorten. Wir nahmen beide. Schnell in den großen Rucksack gepackt, schlichen wir wieder nach Hause, begeistert wie früher, wenn man sich heimlich aus dem Haus geschlichen hat um irgendwas zu machen das die Eltern nicht erlauben, hihi. Wein hätte es zwar auch bei der Milton-Mama gegeben, aber sie soll nicht denken das wir Alkohol trinken. Tun wir ja auch nicht (kicher). Schnell an Milton-Oma vorbeigedrückt und ungesehen in unsere Zimmer verschwunden. Freu. Jetzt ging das Fest los. Wir rissen jede Packung auf und führten, damit wir beim nächsten Schokokauf wissen was wir nehmen sollen, genau Buch über Geschmack und Menge. Auf einer Skala von eins bis zehn bekam ein Riegel, Schoko-Soda um genau zu sein, die Spitzennote 8,5. Das ist bisher der klare Favorit. Die Anderen schwankten so zwischen 6 und 3 Geschmackspunkten. Nun gut. Nach beiden Flaschen Wein (einmal 5 und einmal 6 Punkte) mampften wir dann den gesamten Vorat auf. Das lustige am Wein ist, das man auf dieser Höhe nach ungefähr dem halben normalen Pensum betrunken ist. Haben die zweite Flasche deswegen auch nur zum Probieren geöffnet, ganz ehrlich.
07.10.08 Gitarre und Geschenke auspacken
Heute bin ich ganz entgegen meiner Gewohnheiten schon beim ersten Weckerklingeln aufgestanden. Erstens, weil wir endlich wieder nach Huaraz fahren konnten und ich mich die ganze Woche schon darauf gefreut hab, endlich wieder ins Internet zu können und mal daheim anzurufen. Auserdem hatte ich noch was besonderes vor: Die Oma von Milton erwischen, wenn sie ihren allmorgendlichen Rundschlurf macht und sie endlich fragen, ob ich ihre Gitarre, die unbenutzt in ihrem Wohnzimmer rumsteht, spielen darf. Als sie gerade vorbeiging hab ich mir mein bestes Spanisch zusammengeklaubt und hab sie gefragt, ob ich mir die Gitarre leihen darf. Und sie hat zugestimmt, juchu! Die Gitarre ist noch wie neu, ich glaube die hat noch nie ein Mensch gespielt. So wie ich das verstanden hab, hat die Oma sie mal gewonnen, oder so. Auf jeden Fall kann sie nicht spielen und auch sonst keiner.
08.10.08 Waschmaschine und Wunschessen
Heute hab ich mal wieder verpennt. Ich wollte dann eigentlich das Duschen vor dem Frühstück ausfallen lassen, aber Thomas meinte, es gäbe mal wieder warmes Wasser. Also gut, ganz schnell noch unter die Dusche. Und was war? Richtig, für die Sabine war das Wasser mal wieder kalt. Arrgh! Ich komm mir langsam vor, als wär ich in so einem schlechten Zeichentrickfilm, in dem so einem Idioten in jeder Folge der selbe blöde Scheiß passiert. Wie bei RoadRunner, wenn der Coyote den RoadRunner immer mit einem Ambos erschlagen will und der Ambos jedes Mal auf den Kopf des Coyoten knallt. In diesem Fall bin der Coyote ich und der Ambos ist das kalte Wasser, das bei Thomas nie kommt, bei mir aber immer. Egal ob ich zuerst dusch, oder danach, oder ob der Warmwasser-Schalter zweimal umgelegt wird oder nicht. Naja. Danach gings zum Frühstück. Wir haben Milton grad noch gefragt, ob wir mit dem Taxi nach Atupa fahren oder zu Fuß gehen, da sagt er, wir haben heute keinen Unterricht in Atupa. Ähm, wie jetzt? Schon wieder keinen Unterricht? Ist mal wieder Fiesta und alle Kinder daheim? Kein Wunder, dass die Bildung in diesem Dorf nicht gerade die beste ist, wenn kein einziges Kind in die Schule geht. Milton sagte nur: Feriado. Wie Feriado? Sind wir heut in Feriado? Noch eine Schule? Es stellte sich dann aber heraus, das Feriado „Feiertag“ bedeutet. Ach so. Heute ist Feiertag. In ganz Peru. Na gut. Auch nicht schlecht. Da wir heute auch noch Castellano-Unterricht hatten und wir mal wieder keine Hausaufgaben gemacht haben, kam mir das gerade Recht. Ausserdem wollte ich dann gleich meine neue Hängematte ausprobieren. Ich habe also gerade mein Spanischheft ausgegraben, da kamen Milton uns Sonia. Dann ging wieder das große Frage- und Antwortspiel los, das sie so gerne machen. Wie alt sind eure Eltern (ich glaub wir habens ihnen schon 4x gesagt), haben eure Eltern irgendwelche Krankheiten (hä?), was heisst Das und Das und Das auf Deutsch? Dann wollten sie die Fussballtrikots sehen, die wir für die Kinder mitgebracht haben. Das Ende vom Lied war dann, das sich Milton mittlerweile das dritte 60er Trikot geschnappt hat (für sich natürlich, aber was solls, für die Kinder ist es eh zu groß und er füllt mit seinem Bäuchlein wenigstens das Trikot aus) und Sonia sich auch gleich zwei Trikots gekrallt hat, mit der Ausrede, das seien eh zu wenig Trikots für alle Kinder und nur ein paar können wir nicht beschenken, weil dann jeder eins will. Damit hat sie zwar nicht so unrecht, ihr Verhalten was Geschenke angeht, erinnert mich aber doch ein wenig an die Globo-Kinder. Ich glaube ich sollte bei den beiden auch mal meine „Nur wenn du brav bist, bekommst du eine Belohnung“-Sätze, die ich mir eigentlich für die Kinder eingeprägt habe, auspacken. Dann wollten wir die Gunst der Stunde nutzen, und das Vormittägliche gute Wetter, um unsere Klamotten zu Waschen. Zu zweit. In Ruhe. War nur leider nix! Sonia machte uns auf die neu erstandene Waschmaschine der Familie Vergara aufmerksam, bei der natürlich keiner der besagten Familie wusste, wie sie funktioniert, da es die bis Dato erste Waschmaschine überhaupt ist, die sie stolz ihr eigen nennen. Da wir eine Waschmaschine daheim in Deutschland haben, müssen wir natürlich auch wissen, wie man das Ding anschliesst und bedient. Dass das aber auch noch eine amerikanische Waschmaschine ist und ich nicht mal unsere Waschmaschine daheim richtig bedienen kann, wurde gekonnt überhört. Na, fein. Also, mit unserer ganzen Wäsche in die Garage getappt (da steht das Prachtstück nämlich) und zu sechst blöd gekuckt. Die Gebrauchsanweisung, in Spanisch und daher für Thomas und mich unverständlich, wurde von den anderen unbeachtet in die Ecke gepfeffert. Als ich kurz in mein Zimmer bin um Waschmittel zu holen, beschlossen die Vergaras die Waschmaschine in den Hof zu stellen. Ich habe keine Ahnung wieso, da die Maschine in der Garage wenigstens gleich neben einem Wasserhahn stand, aber nun gut. Also haben 5 Leute die Maschine gehoben, wobei der Styroporboden, auf dem sie zuerst stand, abfiel, und sie in den Hof getragen. Dort angekommen, hatte ich die Ehrenvolle Aufgabe, den Styroporboden wieder drunterzuschieben. Mein Einwand, die Maschine stehe bestimmt besser ohne Styroporboden, wurde als unwichtig erachtet. Also hab ich den Styroporboden wieder drunter geschoben. Hm, jetzt standen die Füße der Maschine aber nicht richtig in den Löchern des Styropors. Also, einmal hochlupfen und Styropor drehen. Immer noch nicht richtig. Nochmal hoch, nochmal drehen. Natürlich wieder nicht richtig. Also nochmal. Das hat den Vergaras aber wieder nicht gefallen. Also wollten sies nochmal drehen. Ich gab zu bedenken, dass wir es dann einmal ganz rumgedreh haben. Ach so, stimmt ja. Also haben wir die Maschine mit ein bisschen Kraft und Spucke in die richtige Styroporversenkung gedrückt und es konnte losgehen. Theoretisch. Praktisch leider nicht, denn der Schlauch der Maschine war jetzt natürlich zu kurz, für den Wasseranschluss, der am Ende des Hofes war. Milton wusste Abhilfe zu schaffen, indem er einen Gartenschlauch anschleppte. Leider ohnen Aufsatz, weswegen man diesen Schlauch nicht mit dem Schlauch der Maschine verbinden konnte. Dann kam die 2. große Idee des Tages zum Einsatz. Sonia holte eine Kerze und wollte den Schlauch um den Wasseranschluss der Waschmaschine schmelzen. Blöderweise kam aus dem Schlauch auch immer mal wieder Wasser, so dass die Kerze ständig wieder ausging. Als es auch nach dem 10. Versuch nicht klappte, brachte Milton noch einen Schlauch. Diesmal mit Metallklemmen dran, so dass wir tatsächlich den Garten- mit dem Waschmaschinenschlauch verbinden konnten. Sehr gut. Der Abflussschlauch der Waschmaschine wurde mit Hilfe eine Nagels und einer Schnur in die Luft gehängt, so dass das herausfliesende Wasser im hohen Bogen in den Ausguß befördert werden konnte. Eigentlich hätte ich ein Foto machen sollen, weil das einfach zu gut aussah. Dann gings also los. Klamotten rein, Waschmittel dazu und... Nichts! Was für eine Überraschung! Nachdem wir 15x planlos auf alle Knöpfe gedrückt haben (muss ich erwähnen, das die Gebrauchsanweisung nicht aufgeschlagen wurde?) fing Milton auf einmal an, die Waschmaschine mit Hilfe eines Bottichs von Hand zu füllen, schließlich braucht sie ja Wasser. Ich fand die Idee allerdings nicht so gut, weil ich nicht wusste ob sie sich nicht doch noch von selber füllt und dann evtl. Überläuft. Da fiel Milton ein, das der Wasserhahn, an dem unser Schlauch-Wunder dranhing, ja noch gar nicht aufgedreht wurde. Gut. Gesagt, getan. Das Wasser kam - und spritze erstmal volles Karacho aus der Schlauch-Verbindungs-Stelle. Na so was. Milton-Mama wusste das Problem zu beheben, indem sie eine Plastikmülltüte um die Verbindung band. Das Wasser spritzte zwar weiterhin, nun aber weiter unten und wir gaben uns zufrieden. Irgendwann war die Maschine dann voll Wasser und zeigte auf ihrer Anzeige den Waschvorgang an. Es passierte aber – wer hätts gedacht? – Nichts. Es gab nur immer ein komisches Gebrummel. Was tun? Na klar! Knöpfe drücken. Biep, biep, Maschine ein, Maschine aus, nichts tut sich. Na toll. Wir beschlossen aufzugeben. Mittlerweile waren unsere Klamotten wenigstens schon eine gute halbe Stunde im Waschwasser und somit genug eingeweicht für die Handwäsche. Wir machten erstmal Mittagspause. Nach leckerem Reis mit Huhn und dem obligatorischen „Süppchen“ fingen wir an, unsere Klamotten aus der Maschine zu fischen. Als die Hälfte drausen war, wollten wir es noch einmal Probieren, da wir dachten, alle Klamotten wären vieleicht zu schwer. Also wieder angemacht, wieder nix passiert. Da passierte das Unglaubliche: Sonia schlug die Gebrauchsanweisung auf! Und siehe da: Schon auf der ersten Seite stand in Großbuchstaben und in Fettdruck, das man die Maschine bei der Benutzung NICHT auf das Styropor stellen soll, da sich sonst die Trommel nicht dreht! Halleluja! Das Problem war gelöst. Da sich alle Männer, außer Thomas, zum Fussbalspielen verdrückt haben, stemmten die 3 Vergara-Frauen mit Thomas die Maschine hoch und ich hatte wieder meinen Styroporjob auszuführen. Nach dem 8. Versuch war das Styropor dann auch endlich weg. Voller Aufregung ging wieder die Knopfdrückparade los. Und es funktionerte! Das Ding lebt! Die Anzeige teilte uns mit, das der Vorgang ca. eine Stunde dauert. Also, die Maschine kann das ja allein, darum wollten wir jetzt endlich Lernen. Aber nix da. Nach 15 Minuten kam eine völlig alamierte Milton-Mama zu uns gerannt und rief „Sabina (ja, so heiß ich hier), se sale agua, se sale agua!!“. Weil sie gar so aufgeregt war, bin ich schnell hinterhergedackelt. Aus dem Abflussschlauch der Maschine kam im hohen Bogen ein Riesenschwall Wasser. Aha. Dann auf einmal gabs Mordskarracho. Der Schleudergang ging los. Die Vergaras kannten sich gar nicht mehr aus. Danach war Ruhe. Ich, die Waschmaschinenexpertin schlechthin, gab auf gut Glück den Befehl, die Wasserzufuhr, die Aufgrund unkontrolliertem Rumspritzens abgedreht wurde, wieder aufzudrehen. Glücklicherweise war das die richtige Entscheidung, die Maschine füllte sich wieder. Dann gings erstmal wieder in den gewohnten Gang, bis Milton-Mama entschied das sei nun genug Wasser. Sie drehte es wieder ab. Die Maschine schwieg. Also, nochmal aufgedreht, die Maschine füllte sich weiter und – juchu – die Trommel begann sich wieder zu drehen. Nachdem wir das ganze Spiel noch 2x wiederholt haben, stellte Milton-Mama fest, dass das Zeug mit der Hand zu waschen viel weniger Aufwand bedeutet als mit dieser Maschine. Wir versuchten ihr zu erklären, dass man bei einer Waschmaschine normalerweise nicht die ganze Zeit davorsitzen und ständig das Wasser an- und ausdrehen muss. Ich glaube wir konnten sie aber trotzdem nicht überzeugen. Naja. Unsere Wäsche war sauber, wir waren zufrieden. Kaum alles aufgehängt, fing es (natürlich) an zu regnen, obwohl es während des gesamten Waschvorgangs knalleheiß war. Soviel zu unserem Glück am heutigen Tag. Naja, nicht weiter schlimm, jetzt wird ersteinmal gelernt und die Hausaufgabe gemacht. Ich schlug also mein Buch auf und.. Milton kam. Er war fertig mit Fussball und wollte unterhalten werden. Also gut. Eine Stunde später ging es dann los, zur geliebten Hospedaje, Castellano-Unterricht. Dieses Mal hatten wir Glück. Ich sagte, so wie jedes Mal: „Hoffentlich kommt die Profesora nicht“, wohlwissend, das sie aber kommt. Tja. Heute kam sie nicht. Hats wohl vergessen, oder sie dachte (völlig zurecht) am Feiertag is nix. Cool. Milton verhandelte dann noch ne Weile mit der Señora der Hospedaje über den Preis der gemopsten Matratze (immer noch 300 Soles) und dann gingen wir zu Fuß zurück ins 3km entfernte Jangas. Unterwegs fiel mir erstmal auf, was alles so am Straßenrand dranhängt. Schafe, Esel, Schweine, süße kleine Ferkel. Alles wird direkt auf dem Müll, der überall rumliegt, angebunden und sich selbst überlassen. In den Bergen, auf dem Weg nach Cahuish z.B. find ich das auch ganz ok uns sogar mittlerweile schon ganz normal, das alle 5 Meter irgendwo Tiere angebunden sind oder frei rumlaufen.
Daheim angekommen machte ich mich sofort daran, Gitarre zu spielen. Es klingt zwar noch etwas schräg, bin aber recht zufrieden mit mir, war ja doch wieder das erstemal seit 4 Monaten. Beim Abendessen hatte Milton eine tolle Nachricht für mich parat: An meinem Geburtstag gibt es zu meinen Ehren Cuy, also Meerschweinchen. Juchu, ich konnte meine Freude kaum verbergen. Dann fragte er mich auch noch: „Das schmeckt dir schon, oder?“ und schaute unglaublich enttäuscht. Mehr als ein „ähem – räusper – si?“ brachte ich jedoch leider nicht raus. Dafür macht Thomas mir dann auch noch Kässpatzen, ist ja auch nicht schlecht. Naja, ist ja eh noch fast 2 Monate hin.
Der wohl haesslichste Hund in ganz Peru, zuhause bei den Vergaras. Ich nenne ihn Draco, wegen den Zaehnen
09.10.08 Kindertanz und Kamera
Heute sollten wir also das erstemal Unterricht in Mataquita halten. Da wir das ganze Zeug noch von Gestern in unseren Taschen übrig hatten (es fiel ja in Atupa bereits zum 3. Mal der Unterricht aus) waren wir super vorbereitet und gewillt zu Unterrichten. Also, auf zum Colectivo. Da es hier mit den Taxis so gehandhabt wird, das ein Auto mit nur 5 Personen noch als Taxi gilt und man deswegen mehr bezahlen muss um nach oben zu kommen, wollten wir noch warten, bis noch eine Person des Weges kommt um mitzufahren, was aus dem Taxi ein Colectivo und unsere Fahrt somit billiger machen würde. Tja. Es kam aber niemand. Der Taxifahrer genehmigte sich derweil ein Frühstück und wir saßen blöde hinten drin und warteten. 30 Minuten. Dann kam, jippih, eine Frau die nach Atupo wollte, was auf dem selben Weg liegt. Endlich gings los. In Mataquita angekommen liefen wir erstmal wieder 5 Minuten durch die wunderschöne Landschaft bis zur Schule. Kaum ums Eck gebogen, ging schon wieder das Gepfeife los. Aber wenn wir den Jungs dann die Hand geben, bringen sie kaum ihren Namen raus und schauen auf den Boden. Dann haben wir den Schulleiter gesucht. Nicht da. Die Kinder spielten im Pausenhof Fußball und irgendwie war kein einziger Lehrer da. Dann kam auf einmal einer. Der wusste noch gar nichts von uns. Aus irgend einem Grund sollten wir heute auf jeden Fall nicht unterrichten, erfuhren wir dann. Hm. Dann kam noch ein Lehrer und endlich der Schulleiter und Milton stellte uns und die ganze Organisation mal wieder vor. Dann durfte ich noch mein Vorstellungssätzchen runterleiern und Thomas durfte auch noch seinen Senf dazu geben. Wunderbar. Um uns standen ca. 40 erwartungsvolle Kinder und Jugendliche. Es stellte sich heraus, das die eine Hälfte zur Theatergruppe und die andere Hälfte zur Tanzgruppe gehörte. Ok. Milton versprach den Tanz- und Theaterkindern dann, das wir ihnen Buntstifte schenken. Äh, nicht gut! Wir hatten nämlich diesmal nur Luftballons dabei, weil die, zumindest in Cahuish, immer viel besser ankommen als die Buntstifte. In Mataquita ernteten wir dafür lange Gesichter, weil die meisten Jugendlichen leider doch zu alt waren für Luftballons. Tja, hilft ja nix. Mit dem Versprechen, dass es beim nächsten Mal wirklich Buntstifte gibt (ich hoffe die reichen noch), bekam jedes Kind seinen Luftballon und wir sollten uns setzen. Dann fingen die Kinder an uns einen Tanz vorzuführen, der die Bauern darstellt wie sie Weizen ernten und verarbeiten. Es war wirklich schön anzuschauen und hat mir gut gefallen.
10.10.08 Tanz und taube Finger
Heute war der große Kindertanzwettbewerb. Wir sind extra eine Stunde früher aufgestanden, weil er ja schon um 8 Uhr losgehen sollte und ich auf keinen Fall etwas verpassen wollte. Nach einer sehr erfrischenden Dusche (kalt, übrigens), haben wir uns heute nicht von Milton zum Frühstück abholen lassen, sondern sind selber zu Milton-Mama in die Küche gekommen. Die war ganz überrascht, das wir schon da sind und musste in Windeseile unsere Frühstückseier zubereiten, während wir recht belämmert da saßen. Dann kam endlich Milton um wir gingen los, zur Plaza de Armas in Jangas, wo dann ein großer Festzug zum Veranstaltungsort starten sollte. Da waren sie dann auch, hunderte Kinder in den schönsten Kostümen. Dann standen wir da erstmal. Von jeder unserer drei Schulen kamen dann die Lehrer angestürmt und zerrten uns zu ihren Kindern und wir müssen ja sie anfeuern. Zu guter letzt blieben wir dann aber bei den Kindern in Cahuish hängen, ist ja auch bisher die einzige Schule in der wir auch wirklich schon unterrichtet haben. Muss sagen, die Jungs sahen süß aus, in ihren Vor-Inka-Zeit-Kriegeranzügen, die Mädchen wollten leider nicht tanzen.
Unsere Jungs aus Cahuish
Ich war irgendwie schon ein bisschen stolz auf „meine“ Klasse, obwohl ich ja mit dem ganzen Tanz-Zeug gar nichts zu schaffen hatte. Dann standen wir erst mal rum. Bis 9 Uhr 20. Na toll, da hätt ich ja noch 4x ausschlafen können. Das ist etwas, an das ich mich noch gewöhnen muss. Das hier NIE was um die Uhrzeit anfängt, zu der es angekündigt wird, sondern grundsätzlich mindestens 1 Stunde später. Als Profesores der Schule durften wir dann sogar das Transparent der Schule tragen. Jeder bekam noch eine Trillerpfeife und einen Zettel mit Anfeuerungsrufen (un, dos, tres, Cahuish otra vez!!) und dann sollte es eigentlich bald los gehen. Zuvor kamen dann aber noch die Veranstalter, als Cowboy verkleidet und eine, besonders stark geschminkte Frau musste sich unbedingt noch mit mir Fotografieren lassen. Das passiert uns hier öfter. Am krassesten war es mal auf einem unserer Ausflüge, als wir an einem See auf ein Boot gewartet haben und ca. 8 Mütter mit ca. 40 Kindern aus Lima auf uns zugestürmt kamen und sich selbst mit ihren sämtlichen Kindern auf ein Bild mit uns zu quetschen versuchten. Die haben uns gar nicht mehr weggelassen, so wild waren die darauf. Total krass. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, das die, gerade in Lima, so selten auf Gringos treffen, das sie gleich über Leichen gehen um sich mit uns ablichten zu lassen. Aber scheinbar ist es wirklich so. Milton kann sich auch nicht vorstellen, das es Leute gibt mit helleren Haaren als ich sie hab. Dabei sind meine Haare gar nicht soo hell.
Ich mit Tigger, dem Maskottchen von Cahuish. Der kleine hinter uns versuchte staendig Tigger am Schwanz zu ziehen
Nun gut, zurück zum Thema. Als wir so warteten, sah ich Ariane in Richtung ihres Hauses vorbeirauschen. Sie telefonierte und sah ziemlich gestresst aus. Kurze Zeit später sah ich Fredy. Er fuhr mit seinem Motorrad – richtig – in Richtung ihres Hauses. Argh! Da ist doch was faul. Naja, wenn er Ariane so toll findet kann ich ihm auch nicht helfen. Dafür durfte ich bei dem tollen Umzug mitlaufen und sie nicht. Ätsch! Irgendwann gings dann also doch los und wir trotteten mit unserem Transparent nach Tarika, dem Nachbardorf von Jangas. In der großen Turnhalle war dann ein rießen Tumult. Was total verrueckt war, war das alle Schulen ein Maskottchen hatten. Und zwar irgendwelche Kinder, die sie in riesige Kostueme gesteckt hatten. Es gab Tweety, komische Schafs- und Fuchskostueme und ein Kind das aussah wie eine schwarz-weisse Kuh, aber eigentlich einen Hund darstellen sollte. Sehr beliebt waren Disney-Figuren (es gab auch eine Minni Maus) und der absolute Renner war Tigger, von Poo der Baer. Es gab insgesamt 3 Tiggers auf dem Event, einer davon war aus Cahuish. Am veruecktesten war aber das Maskottchen von Mataquita. Das war naemlich ein Computer! Die haben so einem armen Kind einen riesen Karton uebergestuelpt und von Kopf bis Fuss silber angemalt. Es sah zum schiessen aus. Das Kind hatte sogar eine Tastatur und eine Maus. Wer aber dachte es ging nun endlich los, der irrt. Zuerst gab es einige Ansprachen, da leider der Strom ausgefallen war, musste die Rednerin durch ein Megaphon schreien. Hat trotzdem niemand gehört was sie sagen will. Dann war der Strom wieder da. Die Rednerin hat also ihre ganze Rede wiederholt. Danach gab es einen Auftritt eines Mädchens, das ca. 10 Minuten ein recht schräges Liedchen trällerte. Dann gings endlich los. Es war wirklich nett anzuschauen. Es gab einige Kinder, die ihre Tänze nicht so gut einstudiert hatten und ständig falsch tanzten, was aber nichts gemacht hat, weil sie einfach zu süß waren. Einige haben aber wirklich super getanzt. Endlich kam Mataquita an die Reihe, eine unserer Schulen, die uns ihren Tanz schon gestern gezeigt haben. Die waren meine Favoriten und von ihnen ist auch das Video, das ich hier noch reinzustellen versuche. Cahuish fand ich jetzt nicht ganz so toll, was aber eher an der Art des Tanzes lag und es waren ja leider keine Mädels dabei. Atupa hab ich leider verpasst, weil meine Eltern da gerade angerufen haben. Macht aber nix, da ich schon ewig auf diesen Anruf gewartet habe.
Unsere Kinder aus Atupa
Nach dem Mittagessen (übrigens wieder mal sehr lecker) hab ich dann den ganzen Tag Gitarre geübt. Kann schon zwei Lieder von den Ärzten fast auswendig und versuche mir meine Noten fürs Zupfen, die ich daheim gelassen hab, über Gehör nachzuspielen und aufzuschreiben. Es klappt sogar. Mich hat voll der Ehrgeiz gepackt, was Gitarrespielen angeht. Meine Finger sind schon wieder so gereizt, das sie sich jetzt bei Tastaturschreiben total komisch und taub anfühlen. Dann hatten wir wieder unsere geliebte Castellano-Stunde. Diesmal wars sogar recht sinnvoll. Am Abend wollte Milton dann nochmal die Dusche reparieren. Natürlich kam da dann wieder warmes Wasser. Er hat trotzdem ein bischen rumgeschraubt und als Thomas ihm gesagt hat, das man immer Stromschläge kriegt, wenn man den Duschknopf anfasst, hat er kurzerhand den Duschknopf mit Isolierband umwickelt (er ist übrigens Elektriker). Blöderweise hat er ihn damit gleichzeitig auch festgeklebt, so dass man ihn nicht mehr drehen konnte. Also haben wir ihn wieder aufgeschnitten. Das wars dann. Bin also schon mal gespannt, wie das Wasser morgen sein wird. Ich tippe jetzt einfach mal frischweg auf Kalt. Ansonsten war heut leider nix aufregendes mehr. Da wir heute vor Ende des Wettbewerbes gegangen sind, wissen wir leider nicht wer gewonnen hat. Ich hoffe Mataquita (was die Profesora von Cahuish aber nie erfahren darf, ich habe hoch und heilig versprochen für sie zu stimmen). Am Montag werden wir es erfahren. Bin ja schon mal gespannt!
11.10.08 Schauer und schlechte Laune
Heut war irgendwie kein so toller Tag. In der Früh war noch super Wetter. Thomas sollte eigentlich heute das erste Mal sein Können im Fußball unter Beweis stellen. Ich wollte derweil ein bischen chillen und Spanisch lernen. Wir wollten extra wegen dem Fußball später nach Huaraz fahren, so um eins, nach dem Mittagessen. Aber irgendwie war Milton nicht da und niemand holte Thomas ab. Also sind wir eben bis zum Mittagessen rumgesessen und haben gewartet. Beim Essen kam Milton dann schliesslich. Er musste auf dem Feld der Familie mitarbeiten und konnte deswegen nicht Fußball spielen. Danach sind wir dann endlich nach Huaraz. Eigentlich wollte ich da dann meine Videos ins Internet stellen und viele Fotos hochladen. Aber der PC hat an diesem Tag echt ewig gebraucht. Als das Hochladen dann endlich beinahe beendet war, war – wumms – der Strom weg. Alles umsonst. Also, hab ich den Computer wieder hochgefahren und wieder hochgeladen. Das hat dann ungefähr eine halbe Stunde gedauert. Ich war beinahe Fertig und – richtig – der Strom war wieder weg. Das reicht. Ich hatte keinen Bock mehr und war ziemlich angefressen. So was blödes. Entweder, die Internetverbindung geht auf einmal nicht mehr, oder es passiert irgendwas anderes. Das ist eine weitere Lektion die ich, neben mehr Geduld, hier lernen muss: dass hier eben nicht alles immer so glatt läuft wie Daheim. Wahrscheinlich bin ich zurück in Deutschland dann der ausgeglichenste Mensch überhaupt. Wenns dann auf einmal wieder den ganzen Tag Wasser aus der Leitung gibt und man immer warm duschen kann, ohne Stromschläge befürchten zu müssen. Trotzdem gehts uns immer noch sau gut hier. Eine bekannte, die gerade in Bolivien Entwicklungshilfe betreibt, hat es zum Beispiel nicht so gut wie wir. Und im Moment auch noch Flöhe. Naja. Das war mir in dem Moment aber leider ziemlich egal. Ich war sauer. Dann hats auch noch geregnet als würde die Welt untergehen. Die Straßen standen unter Wasser und ich hatte natürlich nur meine Chucks an. Diesmal wollte ich nicht so viel Einkaufen wir die letzten Male. Ich wollte nur eine neue Universalfernbedienung, weil die eine ja nicht funktioniert und ohne Fernbedienung hat der ganze DVD-Player leider wenig Wert. Und ein noch stärkeres Haarspray. Da die Peruanerinen fast alle so schöne, kräftige Haare haben, ist starkes Haarspray hier Mangelware. Es gibt nur so windige Sprays, die bei meinen Schnittlauchhaaren nicht die geringste Wirkung zeigen. Ich hab schon zwei davon gekauft, bei denen mir die Verkäuferinnen hoch und heilig versprachen, dass sie ganz, ganz stark wären. Pustekuchen. Also liefen wir los. Ich suchte zuerst die Fernbedienung. Ich fand keine. In jedem Geschäft, das nur entfernt nach Elektro aussah hab ich gefragt. Meistens erntete ich nur einen total verwunderten Blick der Verkäufer. Scheinbar ist es hier nicht so üblich Fernbedienungen zu kaufen. Nach dem 25. Geschäft (ja, wirklich) hatte ich keine Lust mehr. Ich wollte in den einzigen Laden weit und breit, der Hygieneartikel wie bei uns in der Drogerie, in ganz normalen Regalen verkauft. Ansonsten bekommt man die Sachen nur in mordsaufwendigen Apotheken, wo man, nachdem man eine Weile ansteht, bei der Verkäuferin am Tresen sein gewünschtes Produkt ordert, dann einen Zettel in die Hand bekommt und an der Kasse anstehen und zahlen muss und dann eine Quittung kriegt, mit der man (nach dem Anstehen) endlich sein Produkt entgegennehmen kann. Als wir dann endlich an meinem angestrebten Laden ankamen, hatte er – na klar – geschlossen. Meine Laune sank ins Bodenlose. Prima. Also sind wir noch ein bissl planlos rumgelatscht, haben unmengen Obst, Schokolade, Wein und einen Coca-Tee zum probieren gekauft (schmeckt übrigens nicht besonders) und sind wieder Heim gefahren. Als wir in Jangas ankamen war es schon dunkel und Mama Vergara und Sonia haben uns erzählt das sie sich um uns gesorgt haben. Das find ich voll süß. Dann kam der Vater und hat beim Abendessen mal wieder gezeigt, das hier die Ekelgrenze was Essen angeht, etwas höher liegt. Nach dem aufgequollenen Hühnerfuß vom letztenmal, hat er heute Fischköpfe verspeist. Mit allem drum und dran, auch mit den Augen und den Zähnen. Bäääääh! Ansonsten war nix großartiges mehr los. Außer das ich gestern erfahren habe, das ich jetzt also doch für das Landsberger Tagblatt schreiben darf. Ich soll wöchentlich einen Bericht schicken. Zwar können sie nicht versprechen es regelmäßig zu Drucken und es soll auch nicht mehr als eine halbe Seite im Word sein, trotzdem freu ich mich voll, dass das jetzt doch klappt. Hab schon was vorbereitet, Dienstag schick ichs weg (wenn das Internet funktioniert).
12.10.08 Raser und Regal (selbstgebaut)
Heute sind wir schon um acht Uhr früh mit dem Collectivo nach Carhuaz gefahren, um einige Pflanzen für unseren Biohuerto, den Gemüsegarten auf dem Markt zu kaufen. Ich hab mich voll gefreut, weil vorne neben dem Fahrer noch 2 Plätze frei waren und man durch die Windschutzscheibe natürlich viel mehr von der Landschaft sehen kann. Heute war das allerdings ein grober Fehler. Erstens, ging mein Anschnaller nicht zu, oder besser gesagt, das Ding zum Reinstecken war gar nicht da. Fand ich jetzt nicht so schlimm, weil ich es ja mittlerweile gewohnt bin, dass man sich hier nie anschnallt. Ich fands dann erst ein bischen beunruhigend als wir losgefahren sind. Der Fahrer fuhr nähmlich wie ein Bekloppter. Mit den Verkehrsregeln haben dies hier ja eh alle nicht so, aber der war bisher wirklich der schlimmste. Er hat überholt wo es nur ging, Bergauf, in der Kurve, auf der total engen Straße im Dorf.. Irgendwann hab ich dann meinen Anschnallgurt genommen und um Thomas seinen einen Knoten gemacht, damit ich wenigstens nicht bei der nächsten Vollbremsung, die 100%ig kommt, im hohen Bogen durch die Luft flieg. Ich hatte echt totale Angst, manchmal sind wir nur ganz knapp einem entgegenkommenden Fahrzeug, das natürlich nicht minder rasant fuhr, ausgewichen. Und das war auch eher Glückssache. Ich hab auf Deutsch geflucht was das Zeug hielt. So ein Irrer! Ich bin mittlerweile schon einiges gewohnt, aber der war bisher echt der schlimmste. Als wir dann endlich da waren, hab ich dann auch noch meinen blöden Knoten nicht mehr aufgekriegt. Am liebsten hätte ich den Typen gar nicht bezahlt. Konnt ich natürlich auch nicht machen. Also hat er sein Geld gekriegt, aber kein „Gracias“. Der hat nämlich genau gemerkt das ich tausend Tode sterbe. Dann waren wir auf dem großen Markt, der hier jeden Sonntag und Mittwoch stattfindet. Das war echt ein rieße Tumult. Und hier gibt es alles! Schade dass ich keine Kamera dabei hatte, aber wenn ich das nächste Mal dort bin, hol ich es nach Fotos zu machen. Dann haben wir unsere Pflanzen gekauft. Als wir danach weiter gelaufen sind, kamen wir an den Ständen vorbei, wo der Käse verkauft wird, den ich hier so gern Esse. Da habe ich gesehen, das er ohne jegliche Verpackung einfach in der Sonne auf dem Stand rumliegt und die Frauen die einkaufen auch gerne mal mit dem Finger die Konsistenz testen. Ja, Pfui Spinne, vielen Dank auch. Weis nicht, ob ich den Käse jetzt mit Hilfe der Hirnausschalttechnik weiterhin essen werde, oder nicht. Muss ich noch überlegen.
Zurück in Jangas kam der Handwerker in mir zum Vorschein. Ich hab erstmal unser Bad geputzt und dann hat es mich auf einmal furchtbar gestört, dass das ganze Zeug so planlos im Bad rumsteht, weil wir kein Regal haben. Also bin ich durch den Vergara-Garten gelaufen und hab mir irgendwelches Zeug für ein provisorisches Regal zusammengeklaubt. Meine Ausbeute: 2 Ziegelsteine und irgend ein komisches Blech, das da so rumlag. Perfekt. Dann hab ich noch mit Hilfe einiger Kabelbinder (diese Dinger sind Gold wert) eine Wäscheleinestrecke gelegt, damit wir unsere Handtücher gleich im Bad zum trocknen aufhängen können. Ich war stolz wie Bolle! Mein erstes eigenes Bad. Ach ja, die Dusche war heut übrigens wieder kalt.
Abends gings dann wie so oft zur Zeit um das Thema Fußball. Langweilig, weil ich da überhaupt nicht mitreden kann. Dafür kann Thomas glänzen. Der hat echt Ahnung von dem ganzen Zeug. Außerdem durften wir bereits zum 7. Mal erklären, das wir in Deutschland im Norden eine Küste haben und im Süden die Alpen. Und das wir keinen Reis anbauen und aber Kartoffeln haben. Ich weis nicht, ob die sich das nicht so gut merken können, oder ob sie einfach nicht zuhören. Naja, wir üben das Spanischreden, ist ja auch nicht schlecht. Und erfahren im Gegenzug auch interessante Sachen über Peru. Es gibt zum Beispiel ein Dorf, indem sie kein Cuy essen. Dafür aber Kater. Gott, da haben wir ja noch direkt Glück gehabt :-)
13.10.08 Kinder und Krach
Heute sollten wir in Cahuish, nachdem wir unsere 2 Stunden Unterricht gehalten haben, den Gemüsegarten anpflanzen. Aber zuerst hieß es: Deutschkunde. Unsere Themen: katholische Feiertage und Deutschland im Winter. Ich durfte die Feiertage erklären, Thomas hatte den Winterjob. Los gings. Die Kinder haben heute sogar mitgeschrieben (zumindest die meisten) und ich laberte und laberte, aber oft haben sie es nicht verstanden. Das find ich immer noch ein bischen frustrierend, weil wir unseren Unterricht immer ziemlich lange daheim vorbereiten und eigentlich alles kindgerecht formulieren. Wahrscheinlich ist unsere Aussprache unter aller Sau, ich weis es nicht. Die Lehrerin hat dann immer alles wiederholt und ich konnte mich wenigstens darüber freuen, das ich alles verstand was die Lehrerin gesagt hat. Nun gut.
Dann kam Thomas an die Reihe. Er hat über den Winter und den Schnee erzählt und ich hatte die ehrenvolle Aufgabe einen Schneemann, einen Schlittschuh und einen Skifahrer zu malen. Als ich neben mein Kunstwerk die Namen der Bestandteile des Schneemanns schrieb, lachten sich die Kinder halb kaputt. Zuerst verstand ich nicht, aber dann fiel es mir auf. Ich wollte neben die Kohlenaugen „carbon“, also Kohle, schreiben und schrieb aber versehentlich „cabron“, was im besten Fall „Ziegenbock“ im schlimmsten Fall aber so viel heisst wie „Arschloch“. Ups. Gut gemacht, Frau angehende Pädagogin :-) Danach ging es wieder auf zur lustigen Fragerunde. Die Kinder machen normalerweise gerne mit, denn wer was weis, bekommt eine Belohnung. Da die Kinder ja heute mitgeschrieben haben, hab ich meine Feiertagsnotizen von der Tafel gelöscht und es standen nur noch die Wintersachen von Thomas dran. Meine erste Frage lautete: Welches Tier bringt zu Ostern die Geschenke? Die Kinder: „Der Weihnachtsmann“, „bunte Eier und Orangen“... Ähm, nein? Ein Tier sollte es sein. Welches TIER bringt die Geschenke? Ein Kind: „ein Fisch“ (ich habe vorher erklärt, das man am Karfreitag kein Fleisch, sondern nur Fisch isst). Irgendwann erlöste uns ein Junge und rief, nachdem Thomas sich zwei Finger hinter den Kopf gehalten hat: „Conejo“. Hase. Na endlich. Nächste Frage: Wie heißt der Tag, an dem die Kinder ihre erste Kommunion erhalten? Kinder: „Karfreitag!“ Ein Kind rief dann tatsächlich auch noch „Weihnachten“. Oh wei, oh wei. Wer bringt in Deutschland an Weihnachten die Geschenke? „Sankt Martin!“ Das kann doch nicht wahr sein. In dieser Sekunde hab ich mit mir selbst ausgemacht, das wir den Kindern jetzt ab sofort immer Blätter austeilen. Das hat ja sonst gar keinen Wert. Trotzdem macht mir das Unterrichten ziemlichen Spaß. Die Kinder werden immer zutraulicher. Die Jungs wollen jetzt immer schon Begrüssungsküsschen von mir, weil sie sehen, das ich den Lehrern welche gebe. Bisher gabs das aber noch nicht, mal schauen wies sich entwickelt. Dann gab es noch eine Stunde Computerunterricht. Wir haben extra Blätter drucken lassen, auf denen die Menüleiste des Computers aufgemalt ist und wir die ganzen Funktionen erklären. Ausserdem gab es für jedes Kind noch ein Blatt mit einer Geschichte zum Abtippen und einigen Aufgaben dazu, z.B. „Ändere die Farbe von allen Wörtern mit dem Anfangsbuchstaben F“. Leider hat es nicht so geklappt wie wir uns das vorgestellt haben. Auf den Kopf jedes Blattes hab ich geschrieben, das die Kinder auf die Groß- und Kleinschreibung achten und Satzzeichen verwenden sollen. Die Kinder haben diese Anweisungen jedoch nur abgeschrieben, natürlich nur in Kleinbuchstaben. Ein schweres Unterfangen. Trotzdem haben sie sich richtig Mühe gegeben und mir gefällt es immer gut, wenn sie ein Problem haben und nach der „Professora Sabine“ rufen. Nach dem Unterricht gabs dann wieder für jeden ein Bonbon und dann wollten wir eigentlich den Gemüsegarten anpflanzen. Es waren aber keine Eltern da. Super. Die Lehrerin erklärte uns dann, das die Eltern zu Früh kamen, als wir noch gar nicht mit den Pflanzen da waren und dann sind sie eben wieder gegangen. Darum werde sie jetzt mit den Kindern pflanzen. Dann berichtete sie uns noch stolz, das tatsächlich Cahuish bei dem Tanzwettbewerb gewonnen hat. Na so was. Als Preis haben sie blau – weiße Fußballtrikots gewonnen. Nicht schlecht. War schon ein bischen stolz auf meine Jungs. Obwohl ich ja damit wirklich überhaupt nichts zu tun hab.
Am Nachmittag hatten wir Spanischunterricht. Wir sind zu unserer Hospedaje gefahren, konnten aber nicht rein, weil ein anderer armer Wurm gestern darin schlafen musste. Also haben wir uns dann draußen hingesetzt. Blöderweise war in Hungar, dem Dorf, in dem die Hospedaje steht, ein Fest und zwar – richtig – zu Ehren unserer wohlbekannten Virgen de las Mercedes. Als wir Unterricht hatten, war gerade Stierkampf angesagt und die Hungaraner schossen Feuerwerk hoch, was das Zeug hielt. Das ist hier an den Fiestas das Größte für die Leute. Rumballern. Das Feuerwerk ist noch nicht mal Bunt oder irgendwie besonders. Es ist nur ein Böller, der mit einem Mordskrach und einem winzigen Lichtblitzchen im Himmel explodiert. Ich hasse diese Dinger. Als die Fiesta in Jangas war, haben sie ca. alle 2 Minuten so ein Ding hochgehen lassen und es nervt fürchterlich. Nun, das war noch gar nichts, wie ich heute feststellen musste. Alle 5 Sekunden sind in Hungar diese Dinger losgegangen, manchmal hat es länger gedauert bis mal wieder eins hochgeschossen wird, in dieser Zeit haben sie aber dafür so ein „Gartentürchen“ gezündet, das sind ca. 80 solcher Dinger zu Bündeln vereinigt die nichtmal in den Himmel schiessen, dafür aber noch lauter und nerviger sind. Als ich das das erstemal gehört habe, hab ich echt gedacht, eine Gerölllawine kommt den Berg runter, so einen Mordsradau hat es gegeben. Wir haben ca. 15 Minuten lang versucht gegen den Krach anzuschreien, dann haben wir uns alle 3 darauf geeinigt, das Unterricht so einfach unmöglich ist. Machte mir auch nix aus, konnten wir wieder abhauen. Aus dem Haus der Hospedajen-Senora kam dann auf einmal mein alter Kumpel, der Torerro. Er trug mal wieder sein hübsches rosa-violettes Ensemble und übte gerade sein rotes Tuch zu schwingen. Gelang ihm aber nich so recht, es fiel ihm ständig runter. Eieiei. Der wird heute auch wieder nur 2 Minuten in der Arena geblieben sein, bevor er sich wieder hinter seiner Bretterwand versteckt. Dann sind wir wieder zurück gefahren. Am Abend waren heute alle drei Vergara Schwestern plus Mutter und Milton versammelt. Es war sehr lustig. Marie hat Morgen Geburtstag und wir haben darüber geredet, dass außer ihrer Mutter nur noch sie gut kochen kann. Morgen kocht sie aber nicht, da es in Peru üblich ist, an seinem Geburtstag gar nichts zu machen. Ich hab dann gemeint, Sonia könnte ja dann für sie kochen, aber alle haben abgewinkt und gesagt, Sonias Essen schmeckt nur Haushund Dolly. Also haben wir beschlossen, das Sonia dann eben an Dollys Geburtstag kocht. Die Vergaras nehmen sich eh ständig gegenseitig auf den Arm und es macht Spaß dabei mitzublödeln. Ausserdem ist es total einfach geworden, wir sind mittlerweile schon ziemlich gut in Spanisch geworden. Einkaufen z.B. ist überhaupt kein Problem mehr. Wenn ich dran denk, wie ich nach einem Jahr Französischunterricht beim Einkaufen in Frankreich rumgestottert hab und hier war es schon nach 3 Wochen total einfach. Es ist einfach super. Ich freu mich darauf noch mehr Spanisch zu lernen. Es ist vom Klang her meine Lieblingssprache und man kann sie in so vielen Ländern gebrauchen. Und wir merken die Fortschritte die wir machen wirklich gut. Unser Wörterbuch brauchen wir nur noch in seltenen Fällen. Morgen gibt es übrigens Cuy. Aber wir sind zum Glück nicht da, sondern in Huaraz und werden dort Pizza essen (oh mein Gott, ich freu mich so wahnsinnig auf eine leckere Pizza). Aber die Vergaras waren schon ein bischen Enttäuscht das wir nicht dabei sind und ich kann mir gut vorstellen, das die nette Milton-Mama uns extra 2 Stücke Cuy aufhebt fürs Abendessen.
