Freitag, 28. November 2008

24.11. - 30.11.08 Zusammenfassung

24.11.08 Haue und Hahnenkampf
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Milton konnte uns heute wieder nicht begleiten. Er muss jetzt immer Arbeiten und wir gehen halt dann allein, ist ja kein Problem. Also, auf gings nach Cahuish. Wir wollten auch wieder die Mutstunde halten. Als wir ankamen, fragten die Kinder, wo denn „Professor Milton“ sei. Tja, der kommt nicht mehr. Dafür entschied sich dann die Lehrerin in Cahuish unserem Unterricht beizuwohnen. Da bin ich ja mal gespannt. Wir fragten sie, wo wir hingehen können, mann muss rennen koennen und braucht Platz. Sie wusste ein Feld, irgendwo Bergauf. Oh wei. Als sie aus der Tür kam, um mit uns dort hin zu gehen, hatte sie einen Stahlwasserschlauch, wie bei Wasserhähnen dabei. Als wir sie fragten, was sie damit vorhat, sagte sie, dass sei ihre „Peitsche“. Haha, sehr witzig. Wir stapften also los, ca. 50° Steigung, über Stock und Stein. Das „Feld“ war eine Wiese, mit Schatten, wie wir es wollten, da wir bestimmt 30°C hatten, aber leider war es total steil und man konnte sich gar nicht richtig hinsetzen. Die Kinder wollten auch gar nicht, sie waren total aufgeregt, weil die Lehrerin da war. Als sie sich dann ewig nicht setzen und richtig mitmachen wollten, haute sie den Kindern tatsächlich eins mit dem Schlauch drauf. Ich hab gedacht ich seh nicht recht. Oh mein Gott. Die Kinder schien das allerdings nicht groß zu beeindrucken, sie lachten bloß, scheinbar sind sie es gewohnt.
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Wir spielten wieder, „mein rechter Platz ist frei“. Aber es klappte gar nicht. Die Kinder die dran waren sagten nichts, nachdem ihnen die Lehrerin dann diese Aufgabe abgenommen hat, wollte das Kind, dass als Tier auf den rechten Platz sollte, immer nie dort hin gehen und wenn es, nach einem Klaps mit dem Wasserschlauch dann doch da hin ging, dann ganz normal und nicht als Tier. Wir schauten uns das eine Weile an und waren ziemlich genervt. Irgendwann sagten wir der Lehrerin, dass es ja eben genau der Sinn der Sache ist, dass die Kinder ihre Sätze selbst sagen und dass sie eben auch den Mut haben sollen, sich zwischen andere Kinder (Mädchen zwischen Jungs, usw.) zu setzen und ein Tier vorzuspielen. Das sah sie sogar ein. Irgendwann hat es dann tatsächlich mehr oder weniger geklappt, juchu. Nur manchmal wollte eines der Mädchen sich partout nicht zwischen die Jungs, oder auch nur neben einen Jungen setzen. Heieiei. Einige Tierwünsche waren auch sehr ausgefallen, viele wollten Cobra oder einen andere Schlange, die man halt nicht gescheit machen kann. Wenigstens hats funktioniert. Bei der Runde, bei der jedes Kind aufstehen und sagen muss, wovor es Angst hat, kam leider hier auch nur wenig gescheites raus. Das mit dem Schulterklopfen und klatschen hat hier gar nicht gut funktioniert. Einer unserer 12 – jährigen Schüler, Eliseo, sagte dann, er habe Angst davor „Sex zu machen“. Das zu sagen war wohl so eine Art Mutprobe und es war leider offensichtlich, dass er das ganze nicht so Ernst nimmt. Wir sind dann bald wieder in Richtung Schule gegangen. Während dem Rückweg hat eine unserer Schülerinnen, Sonia, die eh immer recht anhänglich ist, meine Hand genommen und wir haben den ganzen Weg zu zweit „mein Rechter Platz ist frei“ gespielt, wo wir immer abwechselnd den Satz gesagt haben und dann irgend ein Tier nachgemacht haben. Das war süß und hat mich auch wieder versöhnt mit den Kindern. In Cahuish ist es echt schwer, manchmal sind sie die süßesten die es gibt, aber die meiste Zeit sind sie echt fürchterliche, freche Fratzen, es ist die Schule, zu der ich am wenigsten gern gehe. Denen, zumindest den Jungs, mangelt es auch nicht an Selbstvertrauen, sondern am guten Benehmen. Aber die Mädels brauchen uns schon und wir haben ja dort auch noch Computation.
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Nachdem wir auf dem Bolzplatz noch den „Blindlauf“, mit dem rennen ohne dass man was sieht, gemacht haben und auch dass nicht richtig funktioniert hat, da die Kinder angefangen haben, sich gegenseitig mit kleinen Steinen zu bewerfen, sind wir in Computacion gegangen. Wir wollten heute was besonderes machen: Eine Art Lebenslauf, mit Namen, Alter, Hobby und Namen der Eltern und Geschwister. Das hat ganz gut funktioniert, und wenn ein Kind mal nicht so wollte, oder Mist gebaut hat, konnten wir zusammen das wieder richten. Wenn man nur zu zweit mit einem Kind arbeitet, dann ist es wieder was ganz anderes. Dann sind sie wieder total lieb und man fühlt sich ihnen viel verbundener. Schwierig, schwierig. Naja, jedenfalls haben diese Aufgabe alle toll erledigt und zum Schluss bekam dann jedes Kind sein Foto, das wir für das Schülermemory gebraucht haben, noch im Blatt eingefügt. Bis zum nächsten Mal wollen wir das bei uns ausdrucken und das fanden sie richtig toll.
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Am Nachmittag hatten wir wieder Spanischunterricht. Yanina hat uns ein riesiges Märchenbuch mitgebracht, aus dem wir eine Geschichte lesen sollten: „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“. Ich verstand die Geschichte richtig gut, aber ich kannte das Märchen ja auch schon. Trotzdem war ich ein bisschen stolz. Danach hatte sie zwei kleinere Bücher für uns, mit der selben Geschichte drin. Wir sollten uns in Zweiergruppen aufteilen und sie würde am Schluss fragen stellen. Wer am meisten beantworten könne, hat gewonnen. Ich war ganz aufgeregt, ist doch klar, dass wir gewinnen. Haha. Wir fingen an zu lesen. Ich verstand so ungefähr gar nix. Die anderen zum Glück auch nicht. Nach 3 Seiten war dann das Kapitel zuende und ich dachte, wir können aufhören. Aber nix, Yanina wollte dass wir die ganze Geschichte lesen, 23 Seiten. Stöhn, das macht ja mal gar keinen Spaß wenn man nix versteht. Es ging irgendwie um einen Hahn, der plötzlich tot war, danach aber beim Hahnenkampf mitmachte und dann starb. Auf jeden Fall habe ich das so verstanden, aber das kann ja dann doch nicht sein. Wir sagten ihr, dass sie keine Fragen zu stellen braucht, weil wir alle 0 verstanden haben. So was blödes. Yanina meinte, sie könne uns die Bücher da lassen, damit wir die Geschichte bis Mittwoch in aller Ruhe lesen und vorbereiten können. OK, guter Deal. Heute haben wir dann nur noch Rumpelstilzchen gelesen, der hier irgendwie „komischer Zwerg“ heißt. Das wars. Abends gab uns Milton nur noch bescheid, dass Angel mal wieder keine Zeit hat um morgen nach Yahua zu gehen. Hmpf. Dafür machten wir dann aber aus, das Milton uns morgen nach Huaraz begleitet, um mit uns die typische peruanische Landestracht zu kaufen. Wir meinten es wäre besser wenn er uns begleitet, da er keine touristenpreise bezahlen muss, so wie wir und wir schauen wollten, ob wir die Sachen dann nicht billiger kriegen. Bin schon voll gespannt, freu mich total auf die Tracht.

















In Cahuish ist es manchmal ein bisschen schwieriger

25.11.08 Tracht und Todescolectivo
gkkggkgk
Heute ging es zum Trachtkaufen, juchu, juchu. Außerdem sollte Joana endlich die Fensterscheibe für ihr Zimmer bekommen, die schon seit Jahren fehlt. Dazu hat Milton das Fenster erst noch ausmessen müssen. Natürlich nach Peruanerart. Dies geschah folgendermaßen: so was umständliches wie einen Meterstab, oder ein Maßband benutzt Milton selbstverständlich nicht. Nein, er nimmt eine Zeitung und schneidet mit einer Schere die Umrisse des Fensters aus dem Zeitungspapier aus. Was solls, wenn es ein bischen krumm ist, das wird schon passen. Gespannt fuhren wir nach Huaraz. Zuerst sind wir auf den Markt, weil es da an jedem 6. Stand Trachten für Frauen gibt. Zuerst wollten wir die Schuhe kaufen, Jankis, das sind Sandalen, die aus alten Autoreifen hergestellt werden. Der erste Stand hatte nur viel zu große und viel zu kleine Größen. Die Verkäufer sitzen an ihren Marktständen und machen derweil neue Schuhe, indem sie die Reifen zerschneiden und alle notwendigen Utensilien, alles nur aus Reifengummi, hintackern. Ich glaube die Größen schreiben sie einfach auf Gut Glück drauf, weil auch hier natürlich kein Maßband oder ähnliches Verwendet wird. Anika und ich fanden dann doch recht bald welche, aber Joana, deren Fuß sehr dünn ist, waren sie entweder zu weit, oder der große Zeh stand vorne raus. Sogar Thomas fand bald sein Paar Schuhe, nur für Joana gab es keins. Am 5. Stand, der aus einer Plastikplane am Boden, mit haufenweisen Schuhen drauf und einem uralten, zahnlosen Mann bestand, der dahinter Schuhe schnitzte, probierten wir es wieder. Ob er denn Größe 38 habe. Er muss mal nachschauen. Sprachs und spukte aus, praktischerweise genau auf die Schuhe. Ja Pfui deibel. Nein, genau die hat er nicht. Schade. Joana war glaub ich ziemlich froh, weil so Spuckschuhe hätt ich auch nicht wollen. Irgendwann haben wir es aber dann doch geschafft, bei einer ziemlich zwiederen Dame das letzte paar Schuhe zu kaufen.
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Weiter gehts, zu den Röcken. Noch während Joana Schuhe anprobierte, sah ich mir am Nachbarstand zum Zeitvertreib einen Rock an. Sofort kam eine sehr alte Frau auf mich zugewatschelt, packte mich am Arm und sagte „Mamasita, kauf nicht bei dieser, kauf bei der alten Frau, kauf bei mir“. Hilfe, ich wollte doch blos schauen und jetzt hatte mich die alte fest im Griff und wollte mich zu ihrem Stand schleifen. Ich vertröstete sie auf später, wohlwissend, dass ich nicht mehr zurückkommen werde. Weiter gings. Milton musste immer ein paar Meter vorrausgehen, damit die Verkäufer denken, er will den Rock kaufen und nicht wir. Er ging aber so schnell, dass wir kaum nachgekommen sind und ihm auf den völlig zugestopften Markt dauernd aus den Augen verloren. Irgendwann fanden wir ihn dann an einem Stand, wo er einen recht guten Preis erzielt hat. Zuerst war die Verkäuferin nicht sehr angetan, als sie sah, für wen die Röcke denn eigentlich sind. Aber, nachdem wir jeder 2 Paar kauften, weil wir uns bei den vielen schönen Farben einfach nicht entscheiden konnten, ging sie sogar noch ein bisschen mit dem Preis runter. Super. Fehlten noch Strumpfhosen, Bluse und Strickjacke (Chompas). Milton raßte wieder vorraus, wir schupften alle Peruaner aus dem Weg um hinterherzukommen und ich hätte beinahe ein Schwein über den Haufen gerannt. Nach sehr, sehr langem hin – und her fanden wir dann doch einen Stand der Milton gefiel, obwohl ich keinen Unterschied zu den anderen Ständen feststellen konnte und wir konnten uns noch mit dem Rest eindecken. Als wir fertig waren, fiel mir ein was noch fehlte: Der Sombrero, der Hut also. Mist. Die sind bestimmt nicht so billig. Im selben Laden gab es auch Hüte und ich fing an, sie zu probieren. Ein Stapel stand auf den Boden und diese Hüte gefielen mir am besten, auch wenn sie ein bisschen verschlagen aussahen. Ich wollte einen aufsetzen und schaute erst mal blöde: Die Hüte waren viel zu eng. So ein Teil könnte ich nie den ganzen Tag tragen, ich krieg ihn ja nicht mal auf den Kopf. Joana ging es Gottseidank genau so, ich dachte schon, ich hätte einen zu großen Schädel. Auch alle andern Hüte, die wir probierten, passten nicht. Irgendwann, ich zerrte wieder an dem Hut vom Boden-Stapel rum, kam Milton zu mir und flüsterte mir zu, das diese Hüte nicht zu verkaufen wären, sondern nur zur Reparatur da wären. Ja iih, drum sahen die so wild aus. Bäh. Als wir nach dem Preis der anderen, zu kleinen Hüte fragten, staunten wir nicht schlecht. Sie waren nämlich ganz schön teuer. Ne danke, dann doch lieber ohne.
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Wir gingen weiter, schließlich fehlte ja noch Thomas. Männer tragen eigentlich nichts weiter, als eine schwarze Hose aus Wolle, eine Weste aus gleichem Material und ein weises Hemd. Und natürlich auch einen Hut. Kann ja nicht so schwierig sein – dachten WIR. Irgendwann, nachdem wir einfach keinen Stand fanden, der dies führt und uns alle, die wir fragten nur entgeistert ansahen, mussten wir feststellen, dass es wohl doch nicht so einfach ist, so etwas zu finden. Bei den Frauen ist es einfach, weil nahezu alle Bäuerinnen, und davon gibt es hier unmengen, immer und zu jeder Gelegenheit in Tracht rumlaufen. Die Männer aber, tragen ganz normale Kleidung. Und deswegen gibt es keine Tracht. Auf der verzweifelten Suche nach einem Ausweg fanden Joana und ich dann sogar noch Hüte, die passten und billig waren. Anika passte leider keiner und Thomas ging, bis auf die Schuhe, ganz leer aus.
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Wir wollten Milton zum Dank zum Mittagessen einladen und gingen mit ihm wieder in das Restaurant, in dem wir schon 2x waren. Mit dem verplanten Jungen, der Bedient und uns die Spaghettisose, der falschen Spaghetti über den Rucksack gekippt hat. Diesmal würde aber doch bestimmt alles passen, nachdem ihm so ein übles Missgeschick passiert ist. Wir gingen also freudig in das Restaurant und ich freute mich wahnsinnig über die Spaghetti Primavera, die ich ja das letzte Mal nicht gekriegt hab, weil er verplanterweise Napoli gebracht hat. Als er die Bestellung aufnahm, zeigte ich ihm die Karte, sagte „Primavera“, fragte ob das ok sei und freute mich. Das Essen kam auch bald - das der anderen. Nach und nach waren alle am mampfen und ich hatte noch nichts, aber ich dachte mir, das ist bestimmt, weil sie für die Primavera erst noch das Gemüse schneiden müssen. Die andern bekamen auch alle das was sie bestellt hatten und ich wartete gern auf diese superleckeren Nudeln. Irgendwann, waren Thomas und Anika dann schon fertig. Ich nicht, ich wartete nämlich immer noch auf die Spaghetti. Ich fragte ihn was los sei. „Nichts, die Spaghetti kommen gleich“.Ok. Joana und Milton wurden fertig. Ich wartete immer noch. Milton fragte diesmal was mit meinem Essen sei und der Junge sagte wieder „alles in Ordnung“. Nachdem Milton ihn dass dritte Mal gefragt hat (die Teller der anderen waren inzwischen abgeräumt), brachte er tatsächlich mein Essen. Und es waren: Spathetti NAPOLI. Aaaargh. Ich wusste gar nicht was ich machen soll, dass kann doch nicht wahr sein. Wie kann man nur so verplant sein? Sogar ich bin noch eine bessere Bedienung als er und ich bin schon eine ziemliche Niete. Ich nahm also die Spaghetti Napoli, weil ich nicht nochmal eine dreiviertel Stunde warten wollte. Sie waren auch lecker, aber ich hab mich schon so wahnsinnig auf die Primavera gefreut, dass ich echt traurig war. Der Junge war auch ein bissl geknickt, weil mein Gesichtsausdruck nicht gerade der freudigste war, als er mir schon wieder das falsche brachte und er gemerkt hat, dass ich nicht unbedingt „amused“ war.
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Milton verabschiedete sich nach dem Essen um die Scheibe für Joana zu kaufen. Wir gingen ins Internet. Zuerst sind wir aber noch an der Post vorbei, wo ein Päckchen für mich wartete, ein Geburtstagsgeschenk von meinem Kumpel Max, Juchu! Frau Post baute mich wieder ein bisschen auf und als wir dann schließlich ins Internetcafe gingen, war ich schon wieder besser gelaunt. Allerdings nicht für lang. Wir wollten nämlich dieses Mal ein anderes Internetcafe probieren, weil das Internetcafe unseres Vertrauens, doch nicht sooo der Hit ist. Einer hat immer die A...-Karte, da ein PC kein Word hat, der andere meinen Stick nicht liest, der nächste ständig abstürzt und der letzte nicht richtig funktioniert beim Skypen. Also sind wir in eines, das sich hinter einem Treckingtourladen befindet. Wir waren entzückt, denn jede Maschine hatte eine Webcam. Allerdings war dieser Laden auch fast 3x so teuer, wie die üblichen Internetcafes. Wir probierten es trotzdem. Und bereuten es bald wieder. Das Internet war hier so langsam, dass es wirklich 4 – 5 Minuten brauchte, bis sich eine Seite geöffnet hat. Oh Gott, da bringt die Webcam aber auch nix, da man schon lang aufgelegt hat, bis das Bild übertragen wird. Wir zahlten (ziemlich viel für die 15 Minuten) und gingen in eins, gleich nebenan. Unten fragten wir den Typ, der dafür Werbung machte, ob das Internet denn schnell sei. Hm, ja, er würde sagen, ja. Ok, warum sollte er denn lügen? Wir gingen also in einen winzigen und mit Computern vollgestopften Raum, bei denen aber ebenfalls jede Maschine eine Webcam hatte. Schön. Man kam kaum an seinen Platz, weil der Durchgang viel zu eng war, aber als ich dann doch irgendwann mal angekommen bin, wollte ich meinen PC anschalten. Es ging nicht. Ich probierte es nochmal. Ca 6x. Irgendwann kämpfte ich mich den ganzen Weg zum Besitzer und sagte ihm, es geht nicht. Er kämpfte sich mit mir zurück und drückte auf den Startknopf, meine Erklärung, das hätte ich schon gemacht, gut ignorierend. Dann verschwand er wieder. Toll, jetzt ging natürlich ALLES ganz wunderbar. Nämlich gar nix. Ich kämpfte mich, nachdem ich noch 3 Minuten vergeblich wartete, ob er sich nicht doch nochmal zurückschlägt, eben wieder nach vorne, um ihn zu fragen, ob ich den PC wechseln dürfe. „Wenns sein muss“. Danke. Ich kämpfte mich also zu dem anderen, letzten freien PC und setzte mich. Und, oh Wunder, er funktionierte. Endlich konnte ich daheim anrufen. Ich hörte es auch klingeln und verstand meine Eltern gut. Nur, dass sie leider mich nicht hörten. Mist. Ich steckte also das Headset von hinten auf vorne um und probierte es wieder. Nichts. Ok, dann tausch ichs eben aus. Nichts. Steckte dieses um. Nichts. Ich hörte nur dauernd meine Eltern wurschteln, konnte ihnen aber selber nichts sagen. Bei den anderen war es das gleiche. Also, dann gehen wir eben wieder ins Internetcafe unseres Vertrauens. Da funktioniert es wenigstens bei fast allen.
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Als wir ankamen, konnte ich auch tatsächlich mit meinen Eltern telefonieren, welch Freude. Danach wollte ich noch an meinem Blog arbeiten. Da das Internet hier, wie man ja leicht rauslesen kann, recht langsam ist, braucht es auch ewig, bis mal die Bilder hochgeladen sind. Ich hatte ungefähr 28 Bilder und machte mich ans Werk. Nach der Hälfte (ich hatte, schlau wie ich bin die Bilder die ich schon hatte natürlich wieder nicht abgespeichert) funktionierte - ich habs ja schon vermisst – auf einmal wieder das Internet nicht mehr. Alles weg. Prima. Heute war echt kein sehr toller Tag. Thomas und Joana sind schon mal zum einkaufen gegangen, während Anika und ich immer noch ewig vor unserer Maschine saßen. Irgendwann, wieder mal nach 4 Stunden, waren wir dann aber doch fertig. Thomas und Anika hatten dann noch irgendwas geheimes zu tun, während Joana und ich die üblichen Sachen im Kitschmarkt besorgten. Endlich konnten wir nach Hause fahren.
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Im Colectivo war es dann sehr seltsam. Gleich nachdem wir losgefahren sind, wären wir beinahe, ohne jeglichen Grund gegen eine Hausmauer gekracht. Hilfe. Als wir weiterfuhren, bemerkten wir, wie der Fahrer immer wieder etwas zu weit nach Links oder nach Rechts fuhr, was bei der breiten Straße zum Glück jetzt aber nicht sooo schlimm war. Eine junge Frau, die mir gegenüber saß, war bevor wir losfuhren noch total fröhlich und lächelte ständig. Plötzlich bekreuzigte diese sich aber und wurde ganz still und starrte auf den Boden. Eine andere, die zuerst auf den Platz dieser Frau saß, stieg schon bevor wir losfuhren wieder aus. Auf einmal bekamen wir es mit der Angst zu tun. Es deutete alles darauf hin, das der Fahrer boracho, also besoffen wäre. Oh oh. Wir beschlossen, lieber auszusteigen. Als Joana dem Colectivojungen, der immer das Geld einsammelt, sagte, dass wir sofort aussteigen wollen, schaute er uns nur ungläubig an: „Hier? Spinnt ihr? Es ist ziemlich gefährlich hier auszusteigen“. Da hatte er Recht. Wir befanden uns mittlerweile schon ein bisschen außerhalb vom Zentrum, in einem ziemlich gefährlichen, unbelebten Stadtviertel und das war auch noch einer der letzten Colectivos, da wir mittlerweile schon Nacht hatten. Wir sollten also lieber drin bleiben und hoffen, das der Kerl doch nicht besoffen ist. Verdammt. Dazu fuhr er auch noch in einem Affenzahn, das alles zu spät war. Was war denn heute nur für ein bescheuerter Tag? In einem Dorf zwischen Jangas und Huaraz stieg dann ein junger Kerl ein. Während wir fuhren, drehte er sich die ganze Zeit zum Fahrer um, der direkt hinter ihm saß. Auch er sagte, er wolle in der nächsten Ortschaft sofort aussteigen. Die Junge Frau mir gegenüber, starrte weiterhin die ganze Zeit verängstigt vor sich hin. Oh mann, oh mann, in welche Situation sind wir denn hier geraten? Hoffentlich geht alles gut. Als ich aus dem Fenster sah, bemerkte ich, wie der Kerl gerade am Ortsschild von Jangas vorbeiraste. Gottseidank. Ich war noch nie so froh, aus einem Colectivo zu steigen und die anderen genauso. Verflucht. Wir müssen wirklich anfangen ganz genau zu beobachten, bei wem wir einsteigen und bei wem nicht.
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Abends zogen wir dann natürlich gleich unsere neuen Trachten an. Thomas war schon ziemlich enttäuscht, dass es für ihn keine gab, aber Milton versprach, nochmal mit ihm zu schauen. Wir machten zur Sicherheit auch nochmal mit ihm aus, dass er seiner Mutter sagt sie solle am Donnerstag nicht kochen, weil wir ja da, anläßlich meines Geburtstages, Mittags Kässpatzen für die ganze Familie machen wollten. Ja, ja, er habe es schon gesagt. Na gut.












26.11.08 Bilderstunde und Biersekt
kkkk
Eigentlich wollten wir heute nach Atupa schon in unserer neuen Tracht gehen, um die Kinder zu überraschen. Aber da Thomas ja noch keine hatte und Anika unvollständig war (Hut), verschoben wir es auf ein ander mal. Milton war wieder nicht dabei und wir hatten uns heute für die Schüler die Rechte der Kinder vorgenommen, die wir ihnen zuerst erläutern wollten und danach sollten die Kinder sie malen. Dazu mussten wir leider im Klassenzimmer bleiben, weil man auf dem Bolzplatz ja schlecht malen kann. Leider war auch hier die Lehrerin ausnahmsweise gewillt, unserem Unterricht beizuwohnen. Sobald Milton nicht dabei ist, meinen Wohl alle, sie müssten aufpassen. Es war echt nervig mit ihr, da sie ständig reinbrabbelte, die Kinder immer wieder dazu aufforderte, dass sie reden sollen und ihnen sagte, wie verklemmt sie doch wären. Sie schüchterte sie alle total ein, weil sie ohne die Lehrerin normalerweise viel munterer waren. Als es ans Malen ging, wurde es noch schlimmer. Wir bildeten 3 Gruppen, mit je nur 3 Schülern, weil leider wieder so viele fehlten. Zuerst war sie mit den Gruppen nicht einverstanden. Bei einer Gruppe, die aus der kleinen Lisbeth (8 Jahre), Maribel (12) und Romario (ca. 14) bestand, meinte sie, man solle tauschen, weil sie alle 3 Geschwister wären und deswegen können sie nicht zusammen malen, weil sie nicht miteinander Reden können. So ein Schmarrn. Genau das ist das Problem, den Kindern wird schon so ein Blödsinn eingetrichtert, dass sie es gar nicht besser wissen, bzw. lernen können. Wir beliesen die Gruppe so und meinten, wir würden es ausprobieren. Dann gings los.
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Zuerst mussten wir jedem erklären, was sie eigentlich machen müssen. Wir hatten 3 Rechte die sie malen sollten, das Recht auf Liebe, auf Gleichheit und auf Bildung. Das einzige Recht, das sie sofort verstanden, war das Recht auf Liebe. Mit Gleichheit und sogar mit Schulbildung konnten sie rein gar nichts anfangen. Heieiei. Wir erklärten ihnen also lang und breit, was Gleichheit bedeutet und sagten ihnen, sie sollen malen, was ihnen dazu einfällt. Wir haben aber eines nicht bedacht: So läuft das hier nicht. Auf einmal zog jedes Kind sein Schulbuch raus und suchte fieberhaft nach einem Bild, das zu dem Thema passt. Wir meinten, sie sollen sich doch einfach ein Bild ausdenken, aber dafür ernteten wir nur verständnislose Blicke. Als sie dann doch endlich mal anfingen, lief die Lehrerin dauernd durch die Reihen und sagte den Kindern mal wieder, dass sie sich nicht so anstellen sollen, das sie das und das falsch malen und wie sie richtig zu malen hätten. Jedes Kind, das sich jetzt endlich getraut hatte zu malen, hörte sofort wieder auf damit. Arrgh, das ist ja schrecklich.
Wir redeten daraufhin den Kindern wieder ein, dass sie ganz toll malen und das es egal ist, ob der Baum jetzt gerade oder krumm ist. Die meisten zeichneten etwas (und sie können wirklich gut zeichen, bei uns würden solche Bilder ganz anders aussehen) und radierten es daraufhin wieder weg, weil es nicht perfekt genug war. Zum Glück ging die Lehrerin irgendwann mal raus und wir hatten zumindest für eine Zeit unsere Ruhe. In der lehrerinfreien Zeit malten dann auch alle und mit viel mehr Freude. Nach ca. eineinhalb Stunden waren die Bilder dann endlich gemalt.




Die Lehrerin stoerte staendig








Anika und ich gingen in der Zwischenzeit mal in den kleinen traurigen Laden Cola für die Kinder kaufen. Normalerweise bringen wir ihnen immer frisches Obst mit, aber dieses Mal haben wir es in der früh nicht mehr geschafft. Und im winzigen Laden in Atupa gibt es so etwas nicht. Also, dann eben Cola. Als wir vor dem Laden standen und die Verkäuferin irgendwo anders war, kamen auf einmal lauter rießige Hunde angetrottet. In Deutschland hätte mich das 0 gejuckt, aber hier habe ich, aufgrund der letzten Ereignisse echt angefangen, mich vor den Hunden zu fürchten. Einer kam immer näher auf uns zu. Er knurrte nicht und bellte nicht mal, aber der Hund, der Milton biss, hat das auch nicht getan, das ist ja das tückische. Wir hatten echt Angst. Dann fing er auf einmal doch zu bellen an, ganz komisch und tief, WUFF, WUFF, WUFF. Als ein paar Einwohner von Atupa vorbeigingen und sahen wie wir dem Hund aus dem Weg gehen, lachten sie uns aus. Pah, mir egal,ich hab auf jeden Fall keine Lust, mich von so nem Vieh beisen zu lassen. Endlich machte die Frau den Laden auf. Heute war der Laden sogar noch trauriger: Es gab nur 2 Flaschen Cola und ca. 10 Dosen Tunfisch, das wars. Mehr war nicht im Angebot. Wir kauften also eine Flasche und gingen auf den Bolzplatz, wo die Kinder schon warteten, weil sie mittlerweile fertig waren. Ausserdem weideten noch 30 Schafe auf dem Fußballplatz. Praktisch. Wir spielten noch eine kurze Runde Oma und Bär und machten uns dann bald vom Acker, weil das malen recht lang gebraucht hat und wir am Nachmittag noch Spanisch hatten.
Verdammt, da fiel mir ein, dass wir ja die Geschichte vom Montag noch lesen sollen, mit dem komischen Hahn. Oh wei, ob wir das noch schaffen ist fraglich. Wir wollten nämlich auch noch kurz ins Internet gehen, das es in Jangas seit neuestem gibt, und es ausprobieren.
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Daheim angekommen fing es während dem Mittagessen fürchterlich zu Regnen an. So stark regnet es bei uns selten, höchstens wenn es schon 5 Tage furchtbar schwül war. Milton-Mama erfreute uns mit der Nachricht, dass es jetzt bis April so bleiben soll. Juchu, das hört man doch gern. Wie auf Kommando fiel dann auch noch der Strom aus. Ok, das wars dann mit Internet. Mir wars recht, dann konnte ich wenigstens die komische Hahnengeschichte noch lesen. Ich quälte mich also durch die Erzählung. Draußen donnerte es teilweise so heftig, dass die Fensterscheiben wackelten. Wenn ich langsam und konzentriert laß und nur einige wenige Wörter nachschlug, konnte ich die Geschichte echt gut verstehen. Das Hauptproblem sind bei mir die Vergangenheitsformen, die sich noch nicht so eingeprägt haben und deswegen kenne ich auch die Wörter nicht, weil sie in der Vergangenheit stehen und ich sie nur in der Gegenwart gelernt habe. Aber wenn ich mich anstrenge und dann die Form erkenne, dann kann ich doch schon einiges verstehen. Das hat mich ziemlich stolz gemacht. Endlich verstand ichauch den Sinn. Der Hahn starb nicht plötzlich (weswegen die Familie traurig war) und machte später beim Kampf mit, sondern die Familie war nur traurig, weil er beim Kampf mitmachen sollte. Ah. Als Yanina kam, fehlten noch 2 Seiten. Ich las sie noch während des Unterrichts und kam mir vor wie früher in der Schule. Ich konnte dann dafür aber auch alle Fragen richtig beantworten und war mächtig stolz. Danach laßen wir noch ein weiteres Märchen aus dem Märchenbuch, das ich noch nicht kannte. Und ich verstand fast alles! Super, vieleicht ist es jetzt dann doch bald mal so weit, dass es noch „Klick“ macht und wir zumindest fließend Spanisch verstehen. Ich befürchtete schon das wird nichts werden, weil wir 4 Deutschen ja meistens zusammen sind und dann natürlich nur Deutsch sprechen. Aber der Unterricht, den wir halten, hilft uns da natürlich schon auch ein bissl weiter.
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Abends wollten wir natürlich in meinen Geburtstag reinfeiern. Wir beschlossen Spiele zu spielen, damit wir nicht zu schnell Müde werden, weil wir hier alle Weicheier geworden sind, die schon voll früh ins Bett gehen. Am Dienstag habe ich noch Zutaten für eine Bowle gekauft und mit ein bisschen Sekt wollten wir natürlich um Mitternacht schon anstoßen. Der Abend war sehr lustig, aber irgendwie zog er sich auch ganz schön hin. Kurz vor 24 Uhr spielten wir noch Schülermemory, wo immer Thomas gewann, obwohl ich immer am lautesten ca. 4 verschiedene Namen schrie. Muss wohl noch ein bischen üben. Als es dann endlich Mitternacht war, sangen die anderen Happy Birthday und ich machte den Sekt auf (der einen Kronkorken hatte). Komisch, er roch irgendwie wie Bier. Ich goss ein, hab ich mir bestimmt eingebildet. Als wir den ersten Schluck nahmen, prustete jeder gleich wieder aus. Es schmeckte auch wie Bier. Wie abartig ist das denn? Was hat der Biergeschmack im Sekt verloren? Das Gebräu schäumte auch ziemlich und es bestand kein Zweifel: Das was dort in der eindeutigen Sektflasche rumschwamm, war tatsächlich Bier. Ja, Pfui Deibel. Nicht dass ich was gegen Bier hab, aber wenn man Sekt erwartet... Und außerdem das ist doch total seltsam. Ich schüttete den Rest vom „Sekt“ weg und wir gingen dann auch bald ins Bett. Zum Glück haben wir das ganze nochmal probiert, in der Bowle wär das Gesöff wohl nicht so gut angekommen.








Die Colagen als sie letztendlich fertig waren




fff jfdklsjfd




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27.11.08 GEBURTSTAG

öööööö
Endlich war es soweit. Mein Geburtstag, auf den ich schon so gespannt war, ist heute! Ich freute mich so auf die Kässpatzen, die wir kochen wollten und auf die Fiesta in Anta, die heute Abend auch sein sollte. Zunächst mussten wir aber erstmal nach Mataquita. Ich habe Milton noch extra scharf darauf hingewiesen, das er dem Knutschrektor auf gar keinen Fall sagen soll, dass ich heute Geburtstag habe. Nicht das der dann noch eine Extrabehandlung für mich hat, so von wegen Einladung zum Kaffee im Lehrerkämmerchen. Buah. Aber Milton konnte gar nichts erzählen, da er nämlich wieder nicht mit kam. Ok, auch gut. Der Hanswurst hätte meinen Geburtstag, von dem wir alle schon seit 3 Wochen ununterbrochen reden, eh beinahe vergessen. In der Früh holte er uns alle zum Frühstück und sagte zu mir nichts außer „Buenos Dias“. Ich dachte mir, „ok“ und wollte gerade umdrehen und in mein Zimmer zurück um den Frischkäse zu holen, da packte er mich noch schnell von hinten und sagte „oh, feliz cumpleanos“. Hm, na gut, gerade nochmal durchgekommen. Das Frühstück verlief normal und wir machten uns dann gleich auf den Weg. Taxi-Roy kutschierte uns nach Mataquita und sagte uns, er wäre heute auch in Anta. Er fuhr uns sogar runter bis zur Schule, was er mit Milton sonst nie macht. So ein Service. An der Schule angekommen, warteten wir dafür ewig vor dem Schultor. Es war kein Lehrer zu sehen und die Schüler hatten einfach keinen Bock jemanden zu holen, der uns aufschliesst. Super, wie nett. Ein mal ist Co-Rektorchen in der Ferne vorbeigelaufen und wir winkten ihm, damit er uns aufmacht. Er winkte aber nur nett zurück. Meine Güte. Irgendwann kam dann doch mal Knutschi und begrüßte uns natürlich herzlich. Diesmal war es aber fast eine normale Begrüßung bei mir und ich glaube, es hat ihm wirklich nicht gefallen, dass ich so strikt „nein“ gesagt habe, als er letzte Woche gefragt hat, ob ich ihn Peru bleiben will. Na gut, ich bin froh drum.
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Wir hatten zuerst Unterricht in der 4. und 5. Klasse der secundaria, also bei den 17 – 19 jährigen. Es war mal wieder ein rießen Geschieß bis mal alle im Klassenzimmer waren. Leider waren es aber noch nicht mal alle, weil einige sich dafür entschieden, lieber draußen Volleyball zu spielen. Na vielen Dank. Wir fingen also an, über Mut zu reden. Auch sie verstanden angeblich das Wort nicht. Nach einigen Erklärungen von uns, sollte jeder an die Tafel und was zum Thema Mut anschreiben. Die meisten schrieben was falsches hin. Dann ging es um Leichtsinn, das gleiche nochmal. Nein, dieses Wort kennen sie auch nicht, hihi. Über unsere Erklärungen lachten sie auch blos und als einer zugab, er wisse was Leichtsinn bedeutet, gab er auch zu, dass er keine Lust hätte, es den anderen zu erklären. Also gut, so nicht. Wir fragten sie, ob wir mit dem Unterricht aufhören sollen, wenn es sie so wenig interessiert. Keiner sagte etwas. Gut, wer will denn, das wir nicht aufhören? Keiner sagte was, Überraschung. Wir versicherten auch, das es kein Problem sei, wenn sie nicht wollen, nur müssen wir es wissen. Also, was ist nun. Keiner sagte etwas. Ok, wir verkündeten, dass wir ab jetzt keine Selbstvertrauensstunde mehr mit den großen machen werden. Was sie denn sonst gerne machen würden. Zu unserem Erstaunen, gaben einige an, Deutschunterricht von uns zu wollen. Nach einigem hin und her, beschlossen wir es zu versuchen und eine Stunde vorzubereiten. Bin ja gespannt. Es war schon ganz schön enttäuschend, dass sie so gar keinen Bock hatten. Frustriert freuten wir uns auf die 5 + 6. Klasse der Primaria, die eigentlich gerne bei unserem Unterricht mitmachen. 2 Mädels daraus kamen auch schon in der Pause zu uns und fragten wann wir anfangen. Als es dann aber so weit war und endlich mal alle dieser Kinder eintrudelten, fehlten genau diese zwei Mädels. Sie hätten keinen Bock, sagten die andern. Oh mann, was für ein toller Tag. Zum Glück war der Rest der Klasse jedoch aufmerksam und hörte sich die zugegeben recht langweilige Theorie über die Kinderrechte an. Als es ums malen ging, merkte man mal so richtig den Unterschied zu Atupa. Die Kinder schnappten sich die Stifte und malten einfach drauf los. Es machte richtig Spaß zuzuschauen und es ging auch viel schneller. Um 12 waren wir fertig und konnten gehen. Sogar Taxi-Roy stand schon am Schultor und ich war froh, wir wollten doch die Kässpatzen noch kochen.
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Als wir aber zuhause ankamen, erwartete uns eine Überraschung: Milton Mama hatte gekocht, auch für uns und sie erwähnte auch mit keinem Wort meinen Geburtstag. Sie hat ihn vergessen. Und Milton, diese Pflaume, hat wohl auch die Kässpatzen nicht erwähnt. Na Prima. Ich meinte zu den andern sie sollen nichts sagen und futterte Milton Mamas Essen brav auf. Dann fragten wir blos noch, ob wir nachmittags in die Küche dürften, um für das Abendessen Kässpatzen zu kochen, was sie ohne weitere Reaktion bejate. Hm. Naja, wenigstens gab es dann auch kein Meerschweinchen, wie Milton schon angedroht hat. Eigentlich sollte es Abends ja Pizza von Angel geben, das hat er mir versprochen, aber Milton hat gemeint, der vergisst das bestimmt wieder. Schade. Ich wollte dann noch schnell zum Zwiederladen, richtigen Sekt kaufen. Aber die andern hatten dann erstmal keine Zeit und Thomas hatte wohl keine rechte Lust und auf einmal war ich dann doch ein wenig enttäuscht. Ich wusste zwar dass es blöd ist, aber trotzdem war ich ein bissl traurig und bildete mir ein, dass wohl auch keiner mehr bei mir anrufen würde und alle mich vergessen. Diese Melancholieselbstmitleidsphase dauerte allerdings nicht lang, denn Anika und Joana wollten nur schnell duschen und danach mit mir zum Zwiederladen.
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Als ich danach endlich richtigen Sekt hatte, braute ich sofort meine Bowle zusammen und sie schmeckte wirklich super. Blöd war nur, das wir nach jedem Glas die Becher wechseln mussten, weil das Wetter sehr schön war und die Fliegen sich auf das pappsüße Getränk stürzten. Wir beschlossen irgend ein Kindergeburtstagsspiel zu spielen und unsere Trachten anzuziehen. Auf einmal waren Joana und Anika weg. Und zwar ewig. Thomas und ich saßen draußen und weil mir nichts blöderes Einfiel und ich nicht wusste was los ist, trank ich eben eine leckere Bowle nach der anderen. Irgendwann, ich war schon recht gut drauf, kamen die beiden dann endlich wieder und verbanden mir die Augen. Ich sollte mit einem Stock auf irgend so ein Kartonteil, das an der Wäscheleine hing, schlagen, wie bei einem richtigen Kindergeburtstag eben.
Das haben sie extra vorbereitet und ich fand das total lieb und war wieder mit allem versöhnt. Nachdem ich das Teil zwar nicht auf, sondern von der Leine geschlagen hab, spielten wir noch Topfschlagen und beschlossen, Milton noch dazu zu holen, weil ihm das Spiel bestimmt auch gefällt. Er stand aber gerade unter der Dusche und deswegen wollten wir schon mal das Mehl für die Kässpatzen besorgen. In unseren Trachten gingen wir in den Nachbarladen (Milton Mama war nicht da) und die alte Frau war ganz begeistert von uns und dachte, wir seien Mädchen aus Cahuish. Dann gingen wir noch zur Bäckerei von Angels Eltern, weil ich mir eine Semmel kaufen wollte. Als wir dann aber drin waren, entschieden wir uns doch für Kuchen. Angel selber war nicht da und ich dachte mir, dass es wohl wirklich keine Pizza gibt. Schade. Wieder zurück, war Milton gerade dabei, seine rießenhafte Musikanlage auf meinem kleinen Tischchen aufzubauen. Als er damit fertig war, schmiss er irgend eine peruanische CD ein, mit traditionellen Liedern. Dazu spielten wir dann Topfschlagen. Irgendwie war jedes 3. Lied davon immer „El condor pasa“ und zwar in einer ziemlich schiefen Version. Heieiei. Spaß hatten wir trotzdem, während wir, wie die bekloppten, mit einer Stricknadel klopfend nach dem Topf suchten. So lange, bis Thomas sich die Stricknadel, ziemlich weit in die Hand rammte. Autsch. Aufgrund akuten Gefahrenpegels, entschieden wir uns für ein anderes Spiel: Schokoladenauspack – und Schalundmützeanziehspiel, bei dem man immer würfeln muss und bei jeder 6 die man hat, Schal und Mütze und Handschuhe anziehen muss, um mit Messer und Gabel die Schokolade zu essen, bis jemand anderer eine 6 würfelt. Wir legten los und es machte viel Spaß, bis Milton sich mit einem Haps die gesamte halbe Tafel Schokolade in den Mund schob. Tja, ok, das wars dann auch schon wieder.
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Wurde eh Zeit, die Kässpatzen zu machen. Als wir anfingen zu kochen, kamen Tania und Milton-Mama. Tania kam gleich zu mir her und gratulierte mir zum Geburtstag und man konnte Milton-Mama richtig ansehen, wie sie erschrak und wie peinlich ihr das war, das sie es vergessen hat. Total lieb kam sie dann zu mir her und gratulierte mir noch. Dann kamen auch noch Sonia und Mari und wir wurden kritisch und mit viel Interesse dabei beäugt, wie wir die „Kischbatz“, oder auch „Sixpacks“ zubereiteten. Wir konnten das Wort noch so oft wiederholen, etwas besseres als „Kischpatz“ kam aus den Vergaras nicht heraus. Als wir fast fertig waren und gerade alle Teller abgezählt hatten, kam Milton an, mit unserer Spanischlehrerin Yanina im Schlepptau (ich glaube ja, da läuft was) und einer rießigen Torte, auf der „F. Dia Sabine“ (glücklicher Tag, Sabine) stand. Ui, wie süß, mit sowas habe ich nicht gerechnet. Alle setzten sich und wir servierten stolz unsere Kässpatzen, die wirklich fantastisch schmeckten. Uns. Den Peruanern leider überhaupt nicht. Ich habe noch nie so viele Leute auf einmal so hoch kauen sehen. Yanina sah aus, als müsste sie sich gleich übergeben, aß aber tapfer weiter, andere, weniger höfliche Leute wie Sonia, sagten gleich es schmeckt nicht und hörten auf zu essen. Auch Nino kam und schnappte sich einen Teller und nahm ihn mit nach oben. Ca. 1 Minute später kam er wieder und alle Vergaras forderten ihn auf, sich auch eine Portion „Schickspack“ zu nehme. Er meinte nur, sehr überzeugend und viel zu schnell: „Oh, ich hab schon gegessen, sehr lecker“, was ich nicht ganz glauben kann, da er ja schon viel zu schnell fertig war, damit. Mari stand einfach auf und kippte ihren Teller wieder in den Topf. „Für Papa“, wie sie erklärte. Tania entschied sich, ihrem Vater auch was beizusteuern, selbstlos, selbstlos, kann ich da nur sagen. Wir fandens lustig und aßen einfach die Portionen von den anderen mit. Milton, ganz Gentleman, war der einzige der aufaß und dann heimlich (heimlich nach Milton Art, was bedeutet, ziemich auffällig) mit Yanina, die zu schüchtern und zu höflich war um einfach nicht weiterzuessen, Teller tauschte um auch ihre Portion zu essen. Danach holte ich meine Bowle raus.



¡¡¡Feliz cumpleaños!!!




ddd




Ich versprach ihnen, das sie besser sei, als die Kischbats und schenkte jedem ein. Sie kam auch wirklich besser an, als unser Essen. Nur Milton-Mama sprang nach dem ersten Schluck von ihrer Bank auf, schupfte Mari fast runter und rannte zum Waschbecken, um alles auszuspucken und ihr Glas wegzuschütten. Milton beschloss daraufhin, das wir besser raus zu uns in den Garten gehen.
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Kaum haben wir uns hingesetzt und zum 1500x „El condor pasa“ auf der rießen Anlage laufen, kam auf einmal Angel an, mit 2 Blechen Pizza, wie süß! Sie war, nach dem vergeigten Kischpatz-Essen natürlich schneller weg als ich schauen konnte, aber auch verdammt lecker. Danach, spielten wir nochmal das Schokoladen-Spiel, diesmal alle zusammen.



Mama Milton kam oft zum Zug




fff




Es ging drunter und drüber, genau wie ichs mir vorgestellt hab. Ich hab, wie schon am Nachmittag, überhaupt nichts von der Schokolade abbekommen, aber das war auch nicht so schlimm, gab schließlich wirklich genug zu Futtern. Es wartete ja noch die Torte auf uns. Dann war es so weit: Ich schnitt die Torte an und alle sangen „Cumpleanos feliz“, bzw. „Zum Geburtstag viel Glück“ . Da ich leider kein Tortenschneidmeister bin, lag in der Mitte vom Kuchenblech bald ein riesiger Scheiterhaufen. Dazu hatten wir auch keine Teller und ich hab die Stücke jedem auf einer Serviertte serviert, wo die bappsüßen Zuckermasseteile der sehr sahnigen und reichhaltigen Torte natürlich bestens kleben blieben. Trotzdem war ich total happy. Danach machten wir noch ein kleines Tänzchen und Milton Mama und die Mädels verabschiedeten sich, um ins Bett zu gehen, bzw. sich für die Fiesta herzurichten. Blieben noch Milton, Angel, Heladio (Freund von Milton) und wir vier deutschen. Zeit für Wodka-Brause. Mit der Ankündigung eines weiteren Spiels und einem dreckigen Lachen verschwand ich und kramte die Wodkaflasche raus. Meine unschuldigen Peruaner kannten das ganze natürlich nicht. Und los gings. Nach dem ersten mal schauten schon alle ein wenig komisch, was sie aber nicht davon abhielt, noch ein zweites Mal zuzulangen. Danach war die Flasche zum Glück leer, weil schon einiges davon in der Bowle war. Ich sage „zum Glück“, weil Milton auf einmal ohne etwas zu sagen verschwand. Kurze Zeit später kam er wieder, schwitzend und sich mit Klopapier das Gesicht und ein wenig den Mund abwischend.



Milton, kurz nach dem Wodka




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Ohoh. Als wir ihn fragten, ob es ihm gut geht, meinte er nur, „jaja, gibts noch Wodka?“. Angel und Heladio waren auf einmal auch ganz still und sahen nicht unbedingt gesund aus. Ach du scheiße, was haben wir denn jetzt angerichtet? Ich dachte die Vertragen mehr, die trinken doch sonst auch ununterbrochen bei jedem Anlass. Mist. Anika kramte ihr letztes Wasser aus und wir drängten die Armen es auszutrinken und viele Chips zu essen. Milton war schon wieder guter Dinge und schrieb mit Edding auf den Holztisch seiner Oma: „Feliz cumpleanos en Peru Sabine“. Na, die wird sich freuen.
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Wir gingen dann bald vor die Tür, um nach Anta zu fahren. Jetzt stellte sich nur eine Frage: Wer fährt? Miltons Antwort kam schnell und unüberlegt: Taxi-Roy. Da mussten wir ihn leider enttäuschen, Taxi-Roy ist nämlich selbst in Anta und wird bestimmt nicht freiwillig mit uns rumkurven. Dann saßen wir eben da. Und warteten. Mal sollte Nino fahren, dann wieder der Mann von Mari. Wir sagten, wir fahren entweder beim Mari-Mann mit oder gar nicht, weil alle anderen nämlich gut bis sehr gut getrunken haben. Die anderen lachten nur. Da war er dann wieder. Der Leichtsinn von dem wir heute noch gepredigt hatten. Die sind manchmal echt lebensmüde. Irgendwann, wir glaubten schon nicht mehr daran, kam dann endlich Mari-Mann und wir düsten los. Auf der Party angekommen, war es allerdings leider ziemlich enttäusschend. Die Bühne war so doof auf dem Plaza de Armas aufgestellt, das dauernd Blumeneimer, Palmen und Büsche im Weg waren und die Leute viel zu weit auseinander standen. Dementsprechend tanzte auch fast keiner. Ich wollte allerdings schon tanzen, da ich in Partystimmung war.



Die Gruppe Kaliente mit ihren Arschwackeltaenzerinnen




fff




Leider war ich die einzige, die so dachte. Alle anderen von uns 12 Leuten, standen oder saßen missmutig rum und wollten nicht tanzen. Nur Thomas war noch einigermaßen gut drauf und natürlich Milton, der um Yanina rumschwanzelte, die mit Tanzen allerdings so viel am Hut hat, wie mit unseren „Kischpatz“. Mir war das egal und auch ob die Leute, die allein tanzen als verrückt gelten, ich hatte Geburtstag und ich darf tanzen, auch allein. Nur einmal kamen irgendwelche Jungs, die schon dauernd zu uns hersahen und einer wollte mich auffordern. Die sahen mir allerdings schon wieder zu boracho aus und ich hängte mich an Thomas, mit der Begründung, er möge es nicht, wenn ich mit anderen tanze. Blöderweise forderte mich danach Milton auf und ich wollte ja, also tanzte ich mit ihm und Borracho-Junge schaute ein wenig beleidigt. Machte aber nix, weil er ca. 20 Minuten später auf einem Mäuerchen lag und pennte. Irgendwann kümmerte Milton sich wieder um Yanina und ich spackte wieder allein rum. Es war mittlerweile halb drei und ich tanzte auch eher nur noch um mich wach und warm zu halten. Da kam auf einmal ein Mädchen und packte mich und stellte mich zu ihrem Kumpel. Wir tanzten dann zu 3. und das Mädchen drehte mich ab und zu. Es war zwar lustig, aber auch komisch, weil die wahrscheinlich nur unbedingt mal mit einer Gringa tanzen wollten und nicht dem Mut dazu hatten, wo dann die Freundin von ihnen einspringen musste. Nach dem Tanz setzte ich mich dann auch zu den andern. Ein weiteres Angebot des Mädchens, mit einem anderen Kumpel lehnte ich ab und wollte jetzt auch endlich heim. Alle anderen zogen auch schon ein Gesicht und Mari-Mann ist einfach abgehauen mit Mari. Nino, unser Fahrer jetzt, saß nur die ganze Zeit mit seiner Freundin (sie war doch kein Scherz, es gibt sie wirklich, oh, ich hoffe dass sie wirklich im Januar heiraten, peruanische Hochzeit und wir mittendrin, wie geil ist das denn?) und man konnte ihm ansehen, dass er nach Hause will um besseres zu tun. Nur Milton wollte, aus welchem Grund auch immer, ums verrecken bleiben und komischerweise richteten sich alle nach ihm. Als wir dann alle drei Mädels ganz oft protestierten, sah er endlich ein, dass es keinen Sinn mehr hat. Auch Yanina sah nicht so aus, als hätte sie noch Lust zu bleiben und wir konnten endlich gehen.
***
Auf dem Heimweg packten wir noch Angel ein, der sich schon mal auf den, zu Fuß eineinhalbstündigen Weg gemacht hat. Wir beschlossen morgen nicht in die neue Schule zu gehen, da es wenig Sinn hätte, da jetzt dann bald Ferien sind und wir dann gleich mit dem Ferienprogramm anfangen wollen. Na hoffentlich klappt das dann. Als wir dann daheim waren, sah es aus wie bei den Hottentotten. Trotzdem war ich total happy. Es war echt ein super Geburtstag.



















Dolly hilft auch





Aufregung beim Kischpatz kochen
lachende Koechin


auch beim Abtrocknen























28.11.08 Serpostabenteuer und Strohmatratze
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Als ich heute aufwachte, fühlte ich mich schon ein bissl platt. So viel zu trinken war ich irgendwie auch nicht mehr gewohnt. Als ich nach draußen bin, stolperte ich erstmal über eine Bank. Sie stand direkt vor meiner Tür. Der Rest dazu sah auch nicht besser aus: Auf dem Tisch standen unmengen Abfall, Brausetüten, Servietten, leere, schmutzige Gläser und Becher und die Schüssel der „Kischpatz“, die total eingetrocknet war, rum. Pfui Deibel. Thomas war schon am aufräumen und ich schloss mich an. Es ging allerdings total schnell, denn Teller gabs ja nicht und die meisten haben aus den Plastikbechern getrunken.
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Wir wollten so um 11 Uhr nach Huaraz fahren, weil Thomas sein Paket nach Hause schicken und ich nach meinen Geburtstagsgeschenken per Post sehen wollte. Also, auf gings. Wir erwischten einen Colectivo, der nicht mehr ganz der neueste Schrei war. Weil er schon recht vollgestopft war, mussten wir uns auseinandersetzen und ich saß ganz hinten, auf der Achse, quasi. Ein Fehler. Denn dieses Gefährt hat die ganze Zeit komische Geräusche von sich gegeben und ich rechnete fest damit, dass bald die Achse bricht und ich den Boden küsse. Es ist aber dann doch nichts passiert und wir konnten losstarten. Zuerst hatte ich einen kleinen Rekord: Ich bin schon das 3x hinterreinander aus dem Colectivo gestiegen, ohne mir den Kopf zu stoßen. Das hab ich noch nie geschafft! Super.
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Zuerst wollte Thomas noch ein paar Fotos entwickeln lassen, die er mitschicken wollte. Wir sind also in den Fotoladen unseres Vertrauens und warteten auf die Ausdrucke. Im Fotoladen selber haben sie jetzt schon einen rießen Plastiktannenbaum stehen, natürlich mit bunt blinkender Lichterkette und allem drum und dran. Noch schlimmer war allerdings die Lichterkette, die an der Wand hing, weil diese in einer Tour „Rudolf the red nose reindeer, Jingle Bells, stille Nacht heilige Nacht“ und noch zwei Lieder im quitschigen Piepston dudelte. Um das Bild zu vervollständigen, setzte ein besonders engagierter Mitarbeiter auch noch der Holzfigur, die einen Fotographen zeigt, eine Nikolausmütze auf. Es war haargenau der Weihnachtskitsch, den ich hier auch erwartet habe. Trotzdem ist es total komisch, weil es hier, wenn es nicht gerade regnet, wirklich warm bis heiß ist und das ganze Tannenbaum-Kunstschnee-Zeugsel da einfach nicht dazu passt. Kann immer noch nicht ganz glauben das bald Weihnachten ist, genauso wie es mir an meinem Geburtstag irgendwie komisch vorkam, weil es ja so warm war. Tja. Trotzdem wollte ich schon immer mal Weihnachten im warmen feiern und bin schon voll gespannt. Jetzt aber erstmal auf zum Geburtstagsgeschenk holen.
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In der Post angekommen, war ich schon ein bissl aufgeregt. Und wer saß da? Frau Alle-Pakete-öffnen-wegen-Drogen. Oh nein. Bei der dauert wieder alles noch ewiger als bei den anderen. Trotzdem setzte ich mein bestes Lächeln auf und schritt an den Schalter. „Sabine, ein Paket für dich“ schallte es mir gleich entgegen. Que bien! Ich sah es auch schon auf der Ablage, auf der die Damen alle Pakete so hinstellen, dass man sie schon beim reinkommen sieht. Zuerst musste ich aber etwas komisches unterschreiben. „Es un paquete grande“ (ein großes Paket) informierte sie mich, als ich sie fragend ansah. Naja, so rießig sah es jetzt auch nicht aus, so wie immer halt. Dann nuschelte sie noch irgendwas, von wegen ich soll irgendwo hingehen. Ich dachte, sie meint wieder hinter den Schalter und verstand nicht ganz. Sie kann mir das Paket doch rüberreichen. Also blieb ich sicherheitshalber erst mal blöd stehen. Sie kümmerte sich derweil um Thomas, der mit Packen beschäftigt war. Als sie dann irgendwann merkte, dass ich immer noch blöde rumstand, sagte sie wieder, ich soll hinter gehen. Ok, ich stellte mich also hinter den Schalter. „Nein“, ich solle in diese komische Halle gehen, aus der immer die Postfrauen kommen. Da ist das Paket, es ist groß. Hä? Aber mein Päckchen steht doch da oben. Na gut, geh ich halt und schau was passiert, wenn sie meint ich hätte ein Paket in der Halle. Oh Gott, oh Gott, wie soll ich das denn finden, Hilfe! Ich wagte mich also durch die großen Türen und schaute wieder mal recht blöde aus der Wäsche. In der Halle standen keine Pakete. Und nun? Auf einmal lief jemand an mir vorbei. Die nette Frau Post, die ich viel lieber mag, als Frau Auspacken. Sie rief gleich: „Sabine, wie schön“. Mehr aber leider auch nicht und dann stempelte sie ihre Karte. Ich stellte mich einfach mal zu ihr, weil ich dachte, sie weiß was Sache ist. Irgendwann sagte sie: „Was brauchst du“. Aha, sie wusste es nicht. Auf meine Erklärung, ich solle irgendwo ein Paket holen, schickte sie mich in ein kleines Büro, in dem 3 weitere Postfrauen saßen. Heieiei, so viele gibt es gleich von denen. Ich ging an den erstbesten Schreibtisch und fragte nach meinem Paket. „Ah, ja“, meinte die Dame und fing an zu kruschteln. Da ich wusste, dass das wie immer dauert, blickte ich mich ein wenig im Büro um. In einer Ecke stand ein Computer, der glaub ich 1990 schon alt war. Hei der Blitz. Ob der überhaupt noch geht? „Unterschreiben“ unterbrach mich Frau Büro-Post. „Hier und hier und hier“. Ich unterschrieb brav. „Datum auch!“. Fein, wenns denn sein muss. „Passkopie zeigen und Passnummer eintragen“. Wie gut, dass ich immer eine Kopie mit mir rumtrage, sonst wärs ganz schön ärgerlich gewesen. Ham wirs jetzt? Nein, Frau Büro-Post musste noch kruschteln. Endlich holte sie irgend einen Zettel raus, teilte mir mit, dass sie die Passkopie behält und ging mit mir zu einem Schrank, den sie öffnete. Im inneren offenbarten sich drei ziemlich ramponierte Päckchen und noch ein paar besser aussehende. Ich hoffte inständig, dass meins bei den besseren dabei war. „Erkennst du deins?“ fragte sie, während sie ein besonders zerknautschtes Paket unter die Lupe nahm. Zum Glück sah ich gleich welches meins war und es war auch noch das größte, Juchu. Ich durfte es dann gleich ohne weiteres Tamtam mitnehmen und watschelte wieder nach draußen. Dort ging ich wieder zum Schalter, ich hab doch da noch das andere Päckchen stehen. Hinter dem Schalter standen nun Frau nette Post und Frau Auspacken. „Hast du dein Päckchen?“ fragte Frau Auspacken. Ja. „Du hast aber noch eins, Sabinita“, schrie Frau nette Post aber sogleich dazwischen, noch bevor ich fragen konnte. Stimmt, also her damit. „Du bekommst aber viele Pakete“, bemerkte Frau Auspacken mit kritischem Blick. Sollte ich? Oder lieber doch nicht? Na gut, ich lass jetzt die Katze aus dem Sack, wohlwissend, dass es gleich ein Gefühlsfeuerwerk geben würde. „Naja, ich hatte halt gestern Geburtstag und so“. Kaum zuende gesagt, ging das gekreische auch schon los. Frau nette Post rief „Nein, aaah, Sabine, Geburtstag, FELIZ CUMPLEANOS; FELIZ CUMPLEANOS, que bien, que lindo“ und streckte mir ihre Hände durch das kleine Fenster der Sicherheitsscheibe durch (die übrigens totaler Blödsinn ist, da man einfach an der Seite hinter den Schalter gehen kann). Ich glaube, sie wollte mich umarmen, aber da ich schon ihre Hände hatte, wusste ich nicht, ob ich jetzt nochmal hinter kommen soll. Frau Auspacken quetschte auch noch ein dann doch recht freundliches „alles Gute“ raus, was aber in den Freudensstürmen von Frau nette Post sowieso total unterging. Ok. Weil Frau nette Post grad so nett war und Frau Auspacken gerade in der Postfrauenhalle verschwunden ist, wurde es Zeit, Frau nette Post das zu überreichen, worauf sie schon seit meinem ersten Paket wartet: Schokolade. Wir haben auf die Tafel auch noch ein Foto draufgepackt, das Frau Post mit Thomas zeigt, der immer hinter den Schalter kommen muss, um seine Daten am Computer einzutragen, weil er laut Frau nette Post so eine Sauklaue hat. Kaum hab ich es ihr gegeben, ist sie erst recht ausgeflippt. „Oh, wie toll, wie toll, mit Foto“. Sie versprach, das Foto in ihrem Schlafzimmer aufzuhängen, direkt neben dem Bett und wenn jemand fragt, wer der junge Mann ist, sagt sie „Thomas“. Na dann bin ich ja mal gespannt, was Herr nette Post wohl dazu sagt. Wenigstens hat es sie gefreut. Hoffe Frau Auspacken wird jetzt nicht neidisch.
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Thomas war derweil immer noch am einpacken und ich schleppte meine beiden Pakete zu Anika und Joana, die schon ewig auf einer Bank warteten. Wie sollte ich die beiden Pakete jetzt den ganzen Tag durch Huaraz tragen? Joana meinte, ich solle halt gleich auspacken und wir verteilen dann alles auf unsere Rucksäcke. Gesagt, getan. Es kamen sehr tolle Sachen zum Vorschein, die mir meine Eltern geschickt haben, ein Kissen, Bettwäsche, Bücher (juchu), ein schöner Rucksack von meiner Oma, viel Schokolade und sogar ein Einweck-Kuchen mit Kerzen und Puderzucker. Leider hat der Zoll dieses Päckchen geöffnet und es war alles durcheinander. Aber der Kuchen war wohl noch zu. Sehr schön. Wir stopften alles in unsere Taschen und Thomas war mittlerweile auch fertig. Also, weiter gings. Wir beschlossen, die Sachen die wir den ganzen Kindern zu Weihnachten kaufen wollten (unter anderem einen Packen Stifte für alle, Hefte, Spielzeug und Süßigkeiten) am nächsten Tag zu kaufen, da wir ja schon alle Taschen voll hatten. Also gab es nicht mehr viel zu tun und wir sind ins Internetcafe unseres Vertrauens. Dort musste ich erstmal 53 Geburtstagsemails beantworten und war schon fast mit einer ewig langen Mail an meine Eltern fertig, als Joana aus Versehen an den Stecker meines PCs stieß (der wirklich hervorragend positioniert ist) und alles weg war. Hmpf. Ich fuhr wieder hoch und schrieb den ganzen Käs nochmal. Dann wollte ich noch ein paar Fotos dazu hochladen und dafür den Konfort-Upload im Web.de installieren. Leider hing der PC dann erstmal ewig lang. Als es dann endlich fertig war, war die Mail schon wieder weg. Heieiei. Ich schrieb es also das dritte mal, diesmal gleich auf Word, um es dann nur noch reinzukopieren, falls wieder etwas sein sollte. Diesmal hat es sogar geklappt, jippieh.
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Nach 3 Stunden Internet wollten wir Essen gehen, in ein Lokal dass im Reiseführer sehr gelobt wird, und dass ein Schweizer mitbetreibt. Dort angekommen, gefiel es uns sehr gut. Der Raum war groß, schön hergerichtet und mit Glasüberdachung, so dass es schön hell war. Eine2-Mann Band aus den USA probte gerade, da sie am Abend einen Auftritt hatten. Das war sehr, sehr laut, so dass wir uns gar nicht mehr unterhalten konnten, wir waren aber auch die einzigen Gäste und wahrscheinlich einfach zu früh dran (es war erst halb fünf am Nachmittag). Die Essenskarte war voll von so viel tollen Sachen, dass ich mich gar nicht entscheiden konnte. Ich bestellte also einen Salat, ist immer gut. Auf einmal bekam ich furchtbare Bauchschmerzen. Am Anfang war es noch ganz leicht, aber als mein Essen dann da war, war es schon fast unerträglich. Ich saß dran wie so ein Trottel, weil es dann ein bisschen besser war, aber nicht mal die Ibuprofen von Joana konnten es besser machen. Dabei hab ich noch gar nichts gegessen, seit dem Frühstück und ich konnte mir wirklich nicht erklären, woher ich jetzt auf einmal so schlimm Bauchweh gekriegt hab. Ich dachte mir, vielleicht lags an gestern, weil ich schon so lang nicht mehr so viel fettes und zuckriges und alkoholhaltiges zu mir genommen habe. Der Salat war total lecker, aber geniessen konnte ich das alles nicht und war froh, als wir endlich wieder gingen. Wir sind dann auch gleich zu den Colectivos und ich krümmte mich auf den Depperlesitz, weil es der einzige freie Platz war. So eine Überraschung, es war der gleiche klapperige Colectivo wie bei der Fahrt nach Huaraz rein. Diesmal war mir die Quitscheachse allerdings völlig wurscht. Ich wollte nur schnell heim.
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Als wir endlich da waren, musste ich trotz allem erst mal meine Bettwäsche aufziehen. Leider geht das nicht im eigentlichen Sinne, da ich nur mit Schlafsack schlafe, aber ich konnte meine Matratze ja wenigstens mit dem Spannbettlaken beziehen, das tut eh schon lang mal Not. Da mein Bett, bzw. meine Matratze aber leider völlig unnormal und abartig ist, passte das Spannbettuch nicht drüber. Och mensch. Eher zum Spaß versuchte ich dann, den Bezug für die Decke drüberzuziehen und es klappte sogar. Auch gut. Die Matratze drehte ich bei dieser Gelegenheit dann noch schnell um, da sie eine etwas ungesunde Form hat: Vorne und Hinten ist die Schaumstoffmatratze noch genauso dick wie früher. In der Mitte aber, beträgt sie ungefähr noch ein Drittel, wobei aber die linke Seite noch weiter unten ist als die rechte, so dass ich immer in einem Loch schlafe und dabei auch noch gegen die Wand gequetscht werde,da ich von rechts nach links rutsche. Ich hab schon seit ewigkeiten Kreuzschmerzen und wollte nun mal schauen, ob es andersrum besser klappt. Es war noch schlimmer. Verdammt. Am liebsten würd ich das Ding wegschmeissen. Als ich wieder umdrehen wollte (Joana half mir immer) kam mir eine andere Idee: Ich hatte unter dem Schaumstoffmonster noch eine alte Strohmatratze, die Milton Mama wohl nur druntergelegt hatte, damit ich mit dem Schaumstoffteil nicht durch den viel zu weiten Gitterrost krache. Ich legte mich also einfach nur auf die Strohmatratze. Sie war zwar etwas härter, aber.. Sie ist gerade wie ein Brett. Also, Bettbezug wieder vom Schaumstoffmonster runter und nun zu dritt, auch noch mit Hilfe von Thomas, weil das Strohding echt Tonnen wiegt, den Bezug über eben dieses gezogen. Passte sogar noch besser. Und durch die verschliessbaren Knöpfe bin ich auch noch bestens von den Flöhen und was sich sonst noch so im Stroh tummelt, geschützt. Ich konnte es gar nicht erwarten, endlich mal eine Nacht zu schlafen und zu schauen, wie es so ist. Mein Bauchweh war auf einmal auch wie weggeblasen. Prima.



29.11.08 verzweifelte Suche und ...




ggg
Heute früh wachte ich auf und – alles wunderbar. Kein Kreuzweh, nichts. Das ich da nicht schon früher darauf gekommen bin. Naja, wenigstens ist es jetzt viiieeel besser. Beim Frühstück erklärte uns Milton, das wir am Sontag jetzt doch nach Chavin fahren, wo wir ja eigentlich schon am Tag der Taufe hinwollten. Jippieh, voll cool . Da wir heute Samstag und somit wieder frei hatten (eigentlich sollten wir zu einem alten Ehepaar, dem wir im Haushalt helfen sollen, das ging aber nicht, weil in Angels Familie schon wieder Party war. Heute allerdings ging es um den einjährigen Todestag seines Opas, wo nach der Messe, genauso wie bei der Taufe, eine Mordsparty mit Essen, Alkohol und Tanz gefeiert wird. Das ist hier wirklich so!), wollten wir nochmal nach Huaraz, endlich mal die Geschenke für die Kinder kaufen. Da Joana heute dran war mit Bauchschmerzen, blieb sie hier und wir 3 anderen fuhren los. Zuerst sind wir in den Kitschmarkt um 10 Puppen und 10 Autos für die Klasse in Mataquita zu kaufen, wo uns der Lehrer letzte Woche gefragt hat, ob wir ihnen nicht was schenken könnten, da er zu wenig Geld hat um für alle etwas zu kaufen.
***
Dann wollten wir endlich für Thomas nach einer Tracht schauen. Milton konnte leider nicht mit, wegen der Todestagsparty. Also sind wir allein durch den richtigen Markt (nicht Kitschmarkt) in Huaraz gelaufen, wo wir unsere Tracht ja auch gekauft haben. Wo wir auch fragten und schauten, es gab keine Tracht für Männer. Die meisten schauten uns einfach nur völlig entgeistert an, weil so eine Tracht scheinbar kein Mensch mehr kauft. Hm, nicht gut. Wir kamen auch an dem „Stand“ von dem uralten Mann vom Dienstag vorbei, wo man sich die Reifenschuhe kaufen konnte, die er davor noch bespuckt hat. So ein Glück, der weiß doch bestimmt, wo es so etwas gibt. Wir fragten ihn, wo es denn solch eine Tracht für Männer gebe. „Größe 42 ist die größte Größé“ meinte er. Ähm, wie bitte? Wie Größe 42? Wir fragten nochmal nach wo es eine Tracht für Männer gibt. „ 5 Soles, größer als 42 gibt es leider nicht“. Ach so, der wollte uns seine Schuhe andrehen. Nein, die haben wir doch schon, wir suchen nach dem Rest der Tracht, ob er weiß wo es das gibt. „Ich hab die nicht, aber Schuhe bis Größe 42“. Ok, das war wohl aussichtslos. Wir trotteten also weiter. Als der Markt dann irgendwann aus war, sind wir in eine Schneiderei. Wir fragten, wie viel es wohl kostet, wenn man sich die Tracht schneidern lassen will. Es war auf jeden Fall zu viel. Oh ja, sieht wohl schlecht aus. Ich schlug vor, doch mal im Kitschmarkt zu schauen, die haben schließlich alles. Und tatsächlich, ausgerechnet in der Ladenstraße in der Frau Mützenklau residiert, gab es, fast daneben, einen Stand mit einer Frau drin, die die gesamte Tracht für Thomas für weniger als ein fünftel vom Schneiderladen anfertigt. Mittwoch soll sie fertig sein. Juchu, na also, doch alles gut. Dann können wir ja wieder heimfahren. Wir gingen noch schnell zu dem nervösen Kerl, der uns die 50 Packen Stifte verkaufte und fragten diesmal nach Heften für die Kinder. Er war schon wieder ganz aus dem Häuschen und zitterte uns die Hefte runter. Waren natürlich wieder nicht genug, da diesmal jedes Kind 2 Hefte kriegen soll. Er wollte schon wieder loshetzen um den Rest irgendwo zusammenzukaufen, aber wir meinten, es reicht wenn er alles bis Dienstag beschafft. Gut.








Hab leider schon wieder was weggeschnitten, werd es noch nachfuegen









30.11.08 Leichtsinn und laaaaangsaaaaames Internet
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Heute sollte es ja eigentlich nach Chavin gehen. Deswegen standen wir auch schon sehr früh auf und warteten darauf, das Milton uns zum Frühstück holt. Wie beinahe schon erwartet, kam er aber nicht um halb acht, sondern erst um halb neun und überbrachte uns die Nachricht, dass wir nicht nach Chavin fahren, dacht ichs mir doch. Er versprach uns aber dafür, morgen zu fahren. Aber morgen ist doch Montag? „Nein, kein Problem, hab mir der Lehrerin von Cahuish gesprochen, sind ja eh die letzten Tage vor den Ferien, wir können fahren“. Hm, fein. Dafür hatte er heute noch etwas anderes mit uns vor. Nach Honkapampa zu fahren. Ah ja. Noch nie davon gehört. Na gut, wird schon so ein netter kleiner Ausflug werden. Während wir noch frühstückten, rannte er schon die ganze Zeit hin und her und organisierte irgendwas. Als wir dann fertig waren kam er schon ganz aufgeregt angerannt und fragte ob wir jetzt denn endlich fertig seien. Wir fahren nicht alleine, sondern mit Chicos und Chicas aus Jangas. Ja klar, so wie immer, wenn wir mit einigen Chicas und Chicos fahren und dann doch nur Angel und höchstens noch jemand anderes dabei ist. Kaum traten wir aus der Tür, stand Angel auch schon da. Aber nicht nur er, sondern mit ihm ein ganzer Colectivo voll mit Chicos und Chicas. Na so was, unser erster richtiger Ausflug mit den Jugendlichen hier. Die meisten hab ich noch nie gesehen und sie kannten uns auch nicht. Als wir uns reinsetzten gab es schon einen rießen Lärm. „Gut drauf“ war bei dieser Meute sehr untertrieben, sie kreischten und schrien und lachten, als ob es der erste Ausflug in ihrem Leben wäre. Für unterwegs kaufte Milton eine Flasche Wein und nachdem sie ihn sich zu 20. geteilt hatten, meinten sie sowieso, sie wären schon so besoffen. Mit dem klapprigen Colectivo fuhren wir steil Bergauf. Ich schickte mal wieder einige Stoßgebete zum Himmel, dass auch alles gut geht. Nach ca. 45 Minuten wilder Fahrt, kamen wir an eine Absperrung. Über die Straße war eine Kette gespannt und auf ein Haus stand gepinselt: Eintritt: Kinder 1,50 Soles; Erwachsene 3 Soles; Ausländer 5 Soles. Na prima, wie nett. Ich machte mir allerdings keine Sorgen, da wir ja nicht wie die anderen ausländischen Touris rumgefahren sind, sondern mit jeder Menge Peruanern in dem Colectivo hockten. Milton stieg aus, um mit der Dame der Absperrung zu verhandeln. Plötzlich kam sie an, schaute in den Bus und sagte „Aber die vier Gringos zahlen mehr!“. Ich hab gedacht ich hör nicht recht. Das ist ja schon beinahe Diskriminierung. Blöde Gans. Es ging dann irgendwie ewig hin und her und zuerst hieß es, es müssen alle wegen uns die 5 Soles zahlen und irgendwie haben sie es dann doch geschafft, dass die andern 1,50 und wir 3 Soles zahlen müssen. Trotzdem waren wir ziemlich sauer, weil es auch irgendwie unverschämt war. Aber was nützts.
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Nach weiterem geholper konnten wir endlich aussteigen. Ich hatte meine Wanderschuhe nicht an, dachte mir aber dann, dass das nicht so schlimm sein kann, da alle Mädels die mitgefahren sind, nur so komische hohe Schuhe, die 100%ig nicht zum Wandern geeignet sind, anhatten. Und fast jede von denen war schon mal hier, die müssten es also wissen. Also machten wir uns auf den Weg. Zuerst ging es noch über eine wunderbare grüne Wiese, mit vielen Steinen. Das Bild erinnerte mich total an Irland, die Landschaft, sowie das Wetter stimmten genau mit dem Irland überein, das ich auf meiner Abifahrt erlebt habe. Nur, dass in Irland nicht so krasse Berge drumrum sind. Trotzdem war ich total begeistert, weil Irland mein Lieblingsland ist. Irgendwann war ich aber dann doch eher beunruhigt, weil es auf einmal einen sehr dünnen Pfad steil Bergauf ging. Milton und die Stöckelschuhmädels gingen strammen Schrittes voran, während ich befürchtete mit meinen Turnschuhen bald auf dem nassen Weg auszurutschen. Es ging immer steiler Bergauf und neben uns tat sich teilweise ein schöner Abgrund auf. Es war auch Mordsmäßig anstrengend und obwohl es ziemlich kalt war, schwitzte ich wie schon lang nicht mehr. Heieiei. Der Weg allerdings war die ganze Mühe wert, weil die Landschaft einfach unbeschreiblich schön war. Irgendwann kamen wir in die Nähe eines rießen Wasserfalles. Einen Weg konnte man kaum noch erkennen und um zum Wasserfall zu kommen, musste man über rießige Felsen, die schon in der Erde versunken waren, kraxeln. Dann passierte es: Eine von den Stöckelschuhladys hat es erwischt und sie rutschte aus. Nachdem sie wieder aufstand, rutschte sie wieder aus. Beim dritten mal das gleiche, nur dass ihr Handy nun auch noch im hohen Bogen in eine Spalte segelte. Mei, mei, mei Mädel, das muss man doch wissen, dass man mit solchen Schuhen keine Wanderung macht. Nachdem zwei der Jungs sie fast hochgetragen haben, waren wir endlich am ersten Etappenziel. Der Wasserfall.




Am Wasserfall




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Nun ging die Party erst richtig los, alle Kerle (außer Thomas, der doch noch sehr vernünftig ist, im Gegensatz zum Leichtfußvolk der Peruaner) sprangen über den reißenden Bach und mussten sich unbedingt unter den Wasserfall stellen. Einer ging gleich ganz ins Wasser. Nein, nein, ist ja nicht kalt. Die Mädels waren da auch eher besonnener.
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Irgendwann gings dann auch wieder weiter. Alle Peruanermädels entschieden sich dafür, wieder abzusteigen, weil sie keinen Bock mehr hatten. Wir wollten natürlich weiter und die Jungs kamen fast alle mit. Der Weg wurde noch schöner, aber auch anstrengender und teilweise auch ein bisschen gefährlich. Milton rannte mal wieder voran und auch die anderen hatten einen guten Zahn drauf. Nur wir vier deutschen Flachlandeier, hatten in der Höhe wirklich Probleme und ausserdem war es uns auch zu schnell. Wir baten um eine Pause. Sie wurde uns gewährt. Als wir so da saßen, mussten sie natürlich alle auf irgendwelche Bäume direkt über dem Abgrund, oder an Felswänden hochklettern. Die sind echt alle net ganz bachen. Wir überlegten schon, ob wir unsere Mut-stunde, in der es auch um Leichtsinn geht, mit ihnen halten sollten. Auf unseren Tadel hin, meinte Milton nur: „wir sind Peruaner“. Ach so, ja das erklärt alles. Irgendwann war der Weg dann aus und wir konnten wieder nach unten. Nun haben sie sich aber eine andere Strecke überlegt und es wurde diesmal richtig gefährlich. Teilweise gingen wir viel zu Nah an der Schlucht entlang, oder es bestand einfach abrutschgefahr, weil alles so steil und Nass war.
Absturzgefahr
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Die Jungs erwiesen sich als sehr hilfsbereit und ich hegte manchmal den Verdacht, dass sie die Strecke vieleicht mit Absicht gewählt hatten, um uns zu helfen und an der Hand zu nehmen, bzw. hochzulupfen. Einer war besonders hilfreich und er stellte sich als „Jésus“ vor. Na der Name hat wirklich gepasst. Er war aber auch sehr nett und ist immer hinter uns her gegangen um aufzupassen. Einmal, als es mal wieder über Felsen ging, rutschte ich dann auch endlich aus und ich hatte zum Glück Angel an der Hand, der mich ein bisschen hielt (so viel das Krischperle halt halten kann) und einen Kaktus im Weg, gegen den ich glücklicherweise rutschte. Beim Aufstehen hielt ich mich dann natürlich auch noch am Kaktus fest, was mir einen Stachel im Finger bescherrte. Sofort kam Jésus angerannt und fragte: „Alles ok? was? du hast die gepieckt? Wo, lass sehen!“ und er begutachtete meinen Finger, wo man die winzige Wunde kaum sehen konnte haargenau. War mir fast ein bissl peinlich und ich meinte immer nur „ist nur ganz klein, nur ganz klein“.
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Endlich, nachdem er zustimmte, dass es nur ganz klein ist, gings weiter. Zur Abwechslung wurde es mal wieder gefährlich. Und zwar richtig. Es gab nämlich keinen Weg mehr. Nur noch Felsen auf der einen Seite und Abgrund mit Wasserfall auf der anderen. Wir balancierten auf einem ca. 1 Meter breiten Pfad dazwischen, was ja noch ok war. Nur, dass der Pfad auf einmal unterbrochen wurde und zwar von einem 2 Meter breiten Abgrund. Um auf die andere Seite zu gelangen, musste man sich an der Wand entlang drücken, auf einem kleinen Vorsprung, der vieleicht 30 – 40 cm breit war. Ja Pfiati Gott. Ok, jetzt hatte ich auch Angst. Nicht aber unsere starken Männer. Angel schaffte es irgendwie rüber, packte mich und ich wollte schon losbalancieren, da kam auch schon Jésus angesprungen, rief „No!!“ und nahm mich an der anderen Hand. Auf der anderen Seite hatte ich nun Angels Hand und so sollte ich da rüberkommen. Ich schaffte es bis zur Hälfte, mit den Rücken zum Abgrund. Dann kippte ich nach hinten. Für einen kurzen Moment dachte ich, jetzt gehts abwärts. Aber dann war ich schon wieder fest im Griff und kam irgendwie heil auf die andere Seite. Puh. Wies den andern erging weis ich leider nicht, aber wir sind auf jeden Fall alle heile angekommen. Mann, mann, mann. Milton lachte nur und meinte: Abenteuer auf Peruanisch.




Gefaehrliche Ueberquerung




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Recht hat er. Aber gefallen hat es mir irgendwie auch, weil ich schon ewig von solchen Abenteuern träume. Ausserdem schweißte es auch irgendwie zusammen, da man sich gegenseitig helfen muss. Der Rest war dann aber eher unspektakulär und anstrengend. Irgendwann fing Joana dann an, die Plastikflaschen, die hier überall rumlagen und die Landschaft verschandelten, aufzusammeln und mitzunehmen. Anika machte mit und ich irgendwann auch. Als Milton das spitz kriegte, war er total begeistert und fing sogar selber auch an, den Müll aufzusammeln. Das hätte ich ja nie erwartet. So ging es dann den gesamten Weg weiter, alle halfen mit, sogar die anderen Jungs und wer Abfall erspähte nahm ihn mit und irgendwann konnten wir ihn gar nicht mehr gescheit tragen. Dann kamen wir endlich mal wieder unten an.
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Nachdem wir noch eine abenteuerliche Flussüberquerung hinter uns hatten (dort war die einzige Gefahr allerdings nass zu werden) kamen wir bei den Ruinen an. Die andern Jungs interessierte das gar nicht und so gingen nur Milton, Angel, wir vier deutschen und so ein Knabe, dessen Namen ich gar nicht wusste dort hin.




Ich liebe Ruinen




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Ich war total fasziniert und fand es superspannend, in die uralten Häusschen reinzugehen und im dunkeln blöde rumzuschauen. Milton packte seine Cola aus und es war an der Zeit, meine Überraschung rauszuholen: Den Kuchen den mir meine Eltern geschickt haben und den ich mir extra für Chavin(jetzt halt Honkapampa) aufgehoben hab, um ihn mit den anderen dort zu teilen. Für den gesamten Colectivo wäre der Kuchen allerdings zu wenig gewesen und so war ich froh, dass wir hier bei den Ruinen unter uns waren und ihn aufteilen konnten. Zuerst waren Angel und Milton etwas skeptisch und erzählten, das Lebensmittel normalerweise nie ankommen, wegen dem Zoll, weil die denken, dort wären Drogen drin. Aber, wer bitte schickt von Deutschland aus ins Coca-Land Drogen? Naja. Ich steckte schnell meine mitgeschickten Sabine-Kerzen drauf (anzünden konnte ich sie leider nicht, zu viel Wind) und tat sie wieder runter, um ihn aufzuschneiden. Leider hab ich vergessen ein Foto zu machen, aber es sah sehr schön aus. Nun schnitt ich den Kuchen auf, haute den mitgeschickten Puderzucker drüber und verteilte ihn. Und er war super lecker. Sogar die beiden Peruaner mochten ihn und Milton meinte: „Tolle Sache aus Deutschland. Besser als die Kischpatz“. Am meisten waren sie von dem Puderzucker begeistert, den es hier scheinbar nicht gibt. Da wir grad beim Thema Drogen waren, erzählten sie, das die früheren Freiwilligen der US-amerikanischen Organisation Cuerpo de Paz, in der auch Ariane ist, ständig am Kiffen waren und nie richtig gearbeitet haben. Auch Amanda (Fredys Frau, oder besser gesagt Mauerblümchen, die ja auch Freiwillige war) war total faul und Angel meinte, sie ist immer nur im Gesundheitszentrum (ihr Arbeitsplatz) gesessen, hat nie geredet, noch weniger gearbeitet und hat drauf gewartet dass Freitag wird und sie bis Montag in die Disco gehen kann. Heieiei. Klingt ja nicht sehr gut. Naja, ich finds toll, dass keiner sie mag. Frag mich immer noch, wie sie sich diesen Kerl holen konnte. Naja, wie auch immer. Jedenfalls wären wir ganz anders und viel, viel toller. Na, ist ja auch nicht schwer, wenn man sich das so anhört.
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Irgendwann fing es dann zu regnen an und wir gingen zum Colectivo. Die Heimfahrt war noch lauter und wilder. Alle Insassen in dem Bus waren mindestens 21 Jahre alt, es ging jedoch zu, als wäre eine 5. Klasse unterwegs. Einer fand es besonders witzig immer wie ein Hahn zu krähen, während die anderen immer jedem die Mütze vom Kopf zogen und sie rumschmissen. Thomas saß vorne auf dem Beifahrersitz, zusammen mit einem Mädel und die haben sie dann auch die ganze Zeit verarscht, weil sie neben einem Kerl sitzt. Huh. Irgenwann wurfen sie dann auch noch mit Socken rum und der Colectivofahrer warf sie dann, als sie auf ihm landeten, ganz cool aus dem Fenster. Naja, es war vieleicht etwas zu krass, wie die sich alle aufführten, aber lustig war es auch und sie waren ja alle auch sehr nett.




Alle zusammen




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Als wir daheim ankamen, wollten die andern noch in die Disco (Nachmittags um 4), aber wir hatten keine Lust mehr und waren außerdem Klitschnass, deswegen gingen wir nach Hause.
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Später wollten wir das hochgepriesene neue Internet in Jangas ausprobieren. Wir wollten wegen unserer Reise nach Trujillo, die wir am Freitag beginnen, noch eine Mail an eine Hospedaje schicken, sonst nichts. Als wir starteten, baute sich die Startseit recht schnell auf und wir waren schon happy, weil es hieß, dass es sehr langsam wäre. Dann wollte ich mich bei Web.de einloggen. Während die Seite sich aufbaute, schaffte ich 2 Runden Solitair am PC. Als es endlich so weit war, hieß es, Fehler auf der Seite, kann nicht angezeigt werden. Toll. Beim nächsten Versuch, schrieben Anika und ich schon mal die Mail in Word, um sie dann nur noch reinkopieren zu müssen. Auf Web.de zeigte es dann auch tatsächlich die Startseite des E-mailaccounts an, als ich jedoch auf „E-Mail schreiben“ geklickt hab, konnte ich in der Zwischenzeit nochmal eine schöne Runde Solitair spielen. Nach 15 Minuten kam dann wieder die Meldung „Fehler auf der Seite“. Me-h-ensch, dann eben nicht. Wir beschlossen aufzugeben. Noch schlimmer waren allerdings Thomas und Joana dran. Sie wollten Bilder vom Hotel anschauen und während wir wenigstens 3x fast so weit gewesen wären, brauchten sie länger als wir, um die Fehlermeldung nur einmal zu kriegen. Tja, war wohl nix mit dem Internetsegen hier. Warten ist ja noch ok,aber wenns dann eh nicht funktioniert, dann hat es ja doch eher wenig Sinn.
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Daheim wollten wir noch DVD Abend machen. Wir waren aber von unserem Ausflug alle so fertig, dass wir vor dem Fernseher einpennten. Morgen sollte es ja nach Chavin gehen, weswegen wir eh früher aufstehen mussten. Also, ab ins Bett.

























Dienstag, 25. November 2008

17. - 23.11.08 Zusammenfassung

17.11.08 „Bär und Oma“ und Backstreet Boys
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Heute ging es nach Cahuish. Und zwar allein, weil Milton sich mit seinem Chef treffen musste, zum Mittagessen. Hab mich eh schon gewundert, ob er überhaupt noch arbeit hat, weil er seit wir hier sind (2 Monate) nie wieder in der Arbeit war. Na gut, das werden wir schon allein schaffen! Als wir in Cahuish ankamen, staunten wir nicht schlecht: Direkt neben der Schule brannte es. Es hat wohl mal wieder jemand lustig die Buesche und Baeume angezuendet! Wie gut, dass es seit 3 Tagen nicht geregnet hat und alles Staubtrocken war. Ich war nicht ganz so aufgeregt, weil ich mich mittlerweile an diese bloeden Brände gewoehnt habe. Aber trotzdem ist es total gefährlich, ein falscher Wind und es könnte sich überall hin ausbreiten. Wir gingen irgendwann trotzdem in unsere Klasse, da es hier oben nämlich kein Wasser gibt, schon gar nicht so viel um so einen Brand zu löschen.






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Unsere Kinder waren heute leider ziemlich aufgedreht. Wir sind raus auf den Fussballplatz, um unseren Unterricht, der sich, wie in Atupa und Mataquita um Vertrauen handelt, dort zu halten. Zuerst wollten wir wieder den Conejo spielen, der ja das letzte mal so gut geklappt hat. Es war eine Katastrophe! Die Kinder haben nicht richtig mitgemacht, sich dauernd geaergert und geschlagen, oder sind einfach aufgestanden und haben sich weggesetzt. Das ging so lange, bis wir damit aufhoerten und anfingen ueber Vertrauen zu reden. Auch dabei, hoerten sie nicht zu und machten staendig bloedsinn. Bis Joana der Kragen platzte und ihnen sagte, wenn sie nicht aufhoeren, wuerden wir gehen und nie mehr wieder kommen. Das saß. Zumindest ne Weile. Als wir das “blinde Schlange” Spiel machen wollten, haben die meisten Kinder geschummelt und einfach gegukt. Das war aber auch ihr Glueck, denn der Hintermann, der die Blinden dirigieren sollte, hat immer nie was gesagt und ansonsten waeren die Kinder ueber die Treppe gestolpert. Es machte ueberhaupt keinen Spass und wir hoerten bald auf mit den Spielen und redeten weiterhin ueber Vertrauen.






Die Blinde Schlange hat heute leider nicht geklappt

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Als sie da wieder nicht richtig mitmachten, haben wir aufgehoert und wollten nach 5 Minuten Computerunterricht halten. Ploetzlich fragten uns die Kinder, warum wir nicht weiter spielen. Darauf gab es dann eine kleine Standpauke und die hat dann richtig gesessen. Im Computersaal setzten sich dann auf einmal alle ganz brav auf ihre Plaetze und oeffneten sogar von sich aus das Word, ein Rekord. Irgendwann bemerkten wir aber, das 3 Schueler fehlen. Als ich raus sah, saßen sie etwas abseits auf dem Schulfeld und wollten nicht in Computation gehen, obwohl einer von ihnen, Elmar, vorhin sogar danach gefragt hat. Anika und ich sind hingegangen um mit ihnen zu reden. Sie erklaerten uns, dass sie nicht kommen wollen, weil sie sich so schlecht verhalten haetten, in der Stunde davor. Aha. Wir fragten sie nach dem richtigen Grund, weil das ja irgendwie keinen Sinn ergibt. Nein, sagten sie, sie kommen nicht, weil sie frech waren. Wir wollten aber das sie kommen und fragten warum ihnen Computacion nicht gefaellt. Darauf sagten sie wieder, sie kommen nicht und dann erklaerten sie irgendwas, von wegen ihre Lehrerin haette zu ihnen gesagt, sie sollen nicht in Computacion gehen, weil sie frech waren. Was soll denn der Bloedsinn? Wir wollten das nicht glauben, weil das ja der absolute Schmarrn war. Also sind wir zur Lehrerin gelaufen. Sie sagte uns, dass es stimmt, was die Kinder gesagt haben. Häh? Und Wieso? Scheinbar haetten die Kinder gesagt, sie wollten sich mit dieser Aktion selbst bestrafen. Also, entweder, das ist hier wirklich so und die Kinder meinten es aufrichtig, dann tun sie mir leid. Oder sie haben die Profesora, der es wohl auch wurscht ist, einfach nur verarscht und freuten sich über die freie Stunde. Keine Ahnung, jedenfalls ist diese Art von Bestrafung bestimmt nicht die richtige und ich finde es schade, dass die Profesora zugestimmt hat, als die Kinder gesagt haben, sie wollen nicht zu Computation. Aber vieleicht ist es hier ja wirklich so. Naja. Wenigstens waren die anderen Kinder daraufhin wirklich wie die Lämmchen und jeder hat brav seine Sätze abgeschrieben. Die Stunde verging schnell, jeder bekam sein Caramelo und dann ging es nochmal auf den Fußballplatz, weil wir versprachen, das wir noch ein Spiel machen, wenn die Kinder nun richtig mitarbeiten. Dieses Versprechen mussten wir jetzt auch natürlich einhalten. Wir entschieden uns für ein Spiel, das wir auf dem YAP-Seminar gelernt haben. Es heisst Oma und Bär, oder so ähnlich und funktioniert so: Es gibt 2 Gruppen (bei uns natürlich Jungen gegen Mädchen, weil die Jungs nieeee mit den Mädchen zusammen spielen würden und andersrum) und 3 Figuren, Oma, Bär und Jäger. Die Teams beraten sich heimlich untereinander, welche Figur sie als nächstes machen werden. Bei Drei machen dann alle die dazu gehörende Bewegung zu ihrer gewählten Figur (die Oma hat einen Imaginären Stock, usw.) und los gehts. Wenn eine Gruppe Oma ist und die andere Bär, dann müssen die Bären die Oma jagen und fangen. Falls es Jäger und Bär gibt, jagt der Jäger natürlich den Bär und die Oma macht den Jäger platt. Thomas und ich beschlossen mitzuspielen, Thomas bei den Jungs ich bei den Mädchen. Und es kam total gut an. Wir berieten uns immer wie bei einem hochwichtigen Ereignis und die Kinder waren richtig begeistert von dem Spiel. Und und hat es auch wieder ein bisschen mehr mit den Kindern zusammengebracht, zumindest sind die Mädels und ich jetzt ganz dicke, immerhin haben wir schon gemeinsam Bären gejagt. Als wir dann schliesslich gingen, spielten die Kinder (Mädchen UND Jungen) dann sogar ohne uns weiter. So was ist selten der Fall und ich war richtig Stolz. Wieder versöhnt machten wir uns auf den Heimweg, zu Fuß. Das Wetter war super, es war richtig heiß und die Aussicht auf die Gipfel der Cordillera Blanca war gigantisch. Ich nervte schon alle, weil ich die ganze Zeit stehen bleiben musste, um Fotos zu schiessen. Aber wenn man schon mal so ne schöne Sicht hat, muss man die auch nutzen. Wir waren sogar trotzdem richtig schnell und nach eineinhalb Stunden daheim. Milton hat uns, kurz vor dem Ziel schon angerufen, weil er sich sorgen gemacht hat. Er hat auch nicht gedacht, dass wir so fleissig sind und zu Fuß nach unten gehen, sondern er dachte wir fahren mit dem Taxi.
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Am Nachmittag hatten wir Spanischunterricht. Heute war es mal ganz anders. Yanina, unsere “Lehrerin”, wollte dass wir ab jetzt mehr reden und lies uns alle eine Vorstellrunde machen. Sie fing an. Dabei erfuhren wir, dass sie erst 19 ist (ich dachte sie wäre 20) und dass ihr größter Wunsch ist, dass sie einmal ganz viel reisen kann. Sie ist bisher leider noch nie im Urlaub gewesen, weil ihr Vater irgendwo ganz weit weg arbeitet und deswegen nur einmal im Monat (!) nach Hause kommt. Und zwar zu Fuß! Total krass. Was ich auch hart find, ist dass sie seit 2 Jahren Englisch STUDIERT und trotzdem in Englisch so weit ist wie ein 6. Klässler bei uns. Und das ist leider bei den meisten hier so. Milton hatte auch mal Englisch in der Schule und seine Schwester war sogar mal eine Zeit lang in den USA. Sie können aber nicht mehr als: „Hello, my name is...“ und sogar das sprechen sie total falsch aus. Das ist total schade und da muss sich noch einiges ändern in diesem Land. Auch unsere Abschlussklasse in Mataquita hat Englischunterricht. Allerdings lernen sie jetzt, in der 11. Klasse gerade die Verwandschaftsverhältnisse. Das ist viel zu wenig und reicht niemals aus, um mit Englisch durchzukommen. Schade, dass wir kein Englisch unterrichten können. Aber sehr viel würde es wohl ohnehin nicht bringen.
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Nachdem wir anderen uns auch noch vorgestellt haben, sollten wir unsere Zimmer beschreiben, mit Skizze. Das war total süß, da Yanina alles in 3D gezeichnet hat und jedes kleine Detail ihres Zimmers beschrieben hat, auch alle Bilder an der Wand und die Sachen auf ihrem Schrank. Sie zeichnete auch ein Poster auf, von einer Gruppe aus den USA, wie sie zugab. Als wir sie fragten welche Gruppe, weil wir sie vielleicht kennen, hat sie erst total rumgedruckst und dann hat sie gemeint,sie glaubt nicht, dass die so bekannt sind. Dann schrieb sie den Namen auf das Poster: Backstreet Boys. Ich halte ja eher weniger von den Backstreet Boys, aber Yanina hat das irgendwie total sympatisch gemacht, ich weis auch nicht warum. Die anderen dachten genau so und wir beschlossen mit ihr mal Pisco sour trinken zu gehen. Nachdem wir dann auch alle unsere Zimmer beschrieben und ich mich 3x vermalt hab, weil ich schon ein kleines bischen vergessen habe, wie mein Zimmer daheim so richtig aussieht war die Stunde auch bald rum. Ich war froh, denn ich habe seit heute ein neues Hobby: Mützen stricken. Anika hat mir eine Technik gezeigt, mit der sogar ich Handarbeitsvolldepp ziemlich schnell ein hübsche Mütze ganz nach belieben selber stricken kann. Seitdem bin ich voll dabei und es macht mit unglaublicherweise richtig Spaß. Mittlerweile bin ich bei meiner 3. Mütze. Bald kann ich auch nen Stand aufmachen und das Zeug verkaufen.
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18.11.08 Geburtstagsküsse und gestohlene Dolly
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Heute hätte es mal wieder nach Jahua gehen sollen. Unerwarteterweise hatte nie-Zeit-Angel aber mal wieder keine Zeit. Schade. Doch zunächst hatten wir noch ein ganz anderes Problem: Dolly war weg! Unsere geliebte Dolly begrüßte uns nicht wie üblich, wenn wir in der Früh aus unsern Zimmern kamen, sondern war einfach nicht da. Als wir nachfragten, sagte Mama-Milton nur, Dolly hätte genervt (dabei war sie immer nur bei uns und die Vergaras haben von ihr gar nichts mehr mitbekommen) und ausserdem würde sie immer die Strohbänke (die vor unseren Zimmern stehen) kaputt machen. Hmpf. Das ist keine Entschuldigung. Wir wollen Dolly wieder. Zur Not würden wir Überwürfe für die Bänke besorgen.
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Wir beschlossen zu diesem Zweck gleich nach Huaraz zu fahren und ausserdem mal damit anzufangen ein paar Sachen für die Kinder zu kaufen, die wir in die großen Weihnachtsgeschenkpäckchen packen wollten und natürlich ins Internet zu gehen. Als wir in einem kleinen Schreibwarenladen nach 15 Päckchen Farbstifte fragten, war der arme Verkäufer ganz aus dem Häusschen. Wir wollten zuerst nur die Sachen für Atupa besorgen. Mr. Schreibwarenhändler kramte mit Müh und Not 12 Päckchen hervor. Das hätte auch genügt, wir hätten dann eben noch in anderen Geschäften geschaut. Aber er wollte uns nicht entwischen lassen. Schnell sollten wir ihm aufschreiben, wie viele Stifte wir noch brauchen und er würde sie bestellen. Zumindest hab ich das so verstanden.Ok. Wir beschlossen daraufhin, gleich 50 Päckchen zu besorgen, leider wissen wir ja noch nicht wie viele Kinder wir in Jahua und Huanka haben, deswegen liesen wir diese noch aus, bei unseren Käufen und den größeren Jugendlichen der 4. und 5. Klasse in der Oberstufe in Mataquita wollen wir was anderes besorgen als Buntstifte, weil das für die verständlicherweise nicht mehr so der Knüller ist. Also 50 Packen mit je 12 Stiften. Auf einmal kam unser aufgeregte Verkäufer hinter seiner Theke raus und sagte uns, er sei gleich zurück. Weg war er. Das meinte er also mit „bestellen“. Wir warteten. Nach ca. 20 Minuten kam er wieder angehetzt, mit einer riesen Tüte voller Stifteverpackungen. Der arme muss durch ganz Huaraz gerannt sein, um die Stifte zu besorgen. Naja, für ihn hat es sich gelohnt. Er wird noch mehr zu tun bekommen, schliesslich brauchen wir ja auch noch Hefte, Kleber, Lineale und, und, und.
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Als es Mittag wurde, wollten wir mal wieder zum Essen gehen. Nachdem die letzten beiden Male ja ziemlich unerfreulich verliefen, war ich ziemlich gespannt, was wohl heute auf uns zukommt. Wir sind dann auch noch so einen schmierigen Treppenaufgang, mitten im belebten Zentrum hochgestiegen, der gar nicht einladend aussah. Aber, wir haben uns getäuscht. Der Raum, in den wir schliesslich gelangten, war nett hergerichtet und das beste, es saßen Einheimische, vermutlich in der Mittagspause, an den Tischen, das bedeutet, es kann gar nicht so schlecht sein. Als wir dann die Karte hatten, konnte ich mich gar nicht entscheiden. Es gab sehr viel leckeres zur Auswahl und ich nahm diesmal keinen Salat mehr, sondern Nudeln mit Gemüße. Thomas entschied sich für irgendwas mit Fleisch und einen Liter Inca-Cola. Bäh. Als das Essen kam, war ich mehr als zufrieden. Ein rießen Teller Spaghetti mit sehr viel unterschiedlichem Gemüse, total lecker. Und ganz ohne Made oder zu viel Basilikum. So was gabs ja schon lang nicht mehr.
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Total zufrieden sind wir dann ins Internet. Und heute war mein Glückstag. Das Telefonieren mit Skype klappte total gut (wenn nicht gerade ein Auto draussen vorbeifuhr, dann rauschte es immer) und ich konnte sogar mal fast problemlos Fotos auf meinen Blog laden. Leider hatte ich ziemlich viel zu tun und hab ewig gebraucht. Dann fing auf einmal mein PC an, doch nicht mehr so zu wollen wie ich. Wäre ja auch zu schön gewesen. Ich hatte gerade, nach ewigen Zeiten einige Bilder hochgeladen und – natürlich, man lernt ja nicht aus seinen Fehlern – nicht abgespeichert. Auf einmal stockte alles. Nein!! Wie von der Tarantel gestochen, sprang ich auf und bin zum PC von Joana, die mich netterweise schnell auf meine Blogseite lies, um schnell abzuspeichern, bevor meine Kiste ganz den Geist aufgibt. Nach einem Neustart gings dann erst mal wieder ganz gut. Ich wurschtelte vor mich hin, bis alle andern fertig waren und Joana und Anika schon mal zum Kitschmarkt vor sind. Thomas blieb noch, aber irgendwann war auch er fertig, nur ich brauchte echt immer noch ewig. Als ich dann fast fertig war, stürzte – Überraschung – mein Computer wieder ab. Ich möchte echt mal einen Tag erleben, an dem das nicht passiert. Thomas lies mich an seinen, da er fertig war. Fröhlich setzte ich mich. Kaum berührte mein Hintern den Stuhl, wurde der Bildschirm schwarz. Der PC von Thomas ist ohne irgend einen Grund, einfach so abgestürzt als ich mich vor ihn setzte. Ein Omen? Ich fuhr wieder hoch, weil ich mein Zeug jetzt endlich fertig machen wollte, man oh man. Joana und Anika waren mittlerweile schon wieder zurück. Als der Computer wieder lief, fiel mir auch wieder ein, das es derjenige war, der meinen Stick nicht lesen will. Buhu, das kann doch nicht wahr sein, auf dem Stick hab ich doch alles, was ich ganz dringend brauch für den Blog. An dem anderen PC saß mittlerweile wieder jemand. Zum Glück fiel mir dann wieder ein, das ich mein Zeug auch bei Thomas auf dem Stick gespeichert hab. Na also, doch noch Glück gehabt, diesen liest er nämlich. Nach fast 4 Stunden waren wir (bzw. Ich) dann doch mal fertig und es war leider schon zu spät noch groß was in der Stadt zu unternehmen und es war auch schon Dunkel.
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Auf dem Weg zum Colectivo, wurde Anika auf einmal von hinten gepackt. Wer stand da? Der Knutschrektor, oh nein. An seiner Seite hatte er eine deutlich jüngere Frau, die er uns nicht vorstellte, die aber anscheinend auch nicht soooo wichtig war, da er uns in alter Knutschrektormanier ungeniert abbusselte, so wie immer halt. „Hola Senoritas“ und SCHMATZ. Wohin wir gehen, wollte er wissen. Naja, Heim halt. Und wann wir wieder kommen, in seine Schule, morgen? Nein, am Donnerstag, so wie immer. Und dass weis er eigentlich auch, er fragt nur, damit er einen Grund hat und an den Schultern zu packen und ziemlich nah von Gesicht zu Gesicht zu sprechen. Nachdem seine Begleitung langsam ungeduldig wurde, musste er sich leider von uns trennen. Mit großem Geschmatze verabschiedete er sich und sagte „Bis morgen“. Na gut.
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Wir trotteten weiter. Und schon wieder wurde Anika gepackt. Oh nein, bitte nicht wieder Knutschi. Aber wir hatten Glück, es war nur Nino, Miltons Bruder. Er ist extra aus seinem Auto gestiegen um uns Hallo zu sagen. Das Auto lies er natürlich mitten auf der Fahrbahn stehen. Wir freuten uns schon, weil wir dachten er kann uns mit Heim nehmen, aber er erklärte uns, dass einer seiner Kumpels heute Geburtstag hat und sie noch feiern gehen. Sie hätten auch schon ein ganz klein bisschen was getrunken. Als ich zu seinem Auto sah, sass da auch ein ziemlich verstrubbelter Typ im Muskelshirt hinten drin, der ganz aufgeregt rausglotzte. Auf einmal sprang er aus dem Auto und auf uns zu, packte Anika (die hatte es heut schwer) und begrüßte sie, mit Kuss natürlich. Uns andere allerdings nicht. Nino rannte derweil zum Auto, weil es ja nun offen und verlassen mitten auf der Straße stand. Mr. Muskelshirt fragte uns derweil, ob wir mitkommen wollen, in die Disko. Ich wollte gerne, aber wir hatten ja die ganzen Sachen noch bei uns, die wir gekauft haben und ausserdem waren wir auch ganz schön fertig. Nino erklärte uns daraufhin, das Mr. Muskelshirt heute besagtes Geburtstagskind sei. Ich streckte ihm die Hand hin, um „Feliz Cumpleanos“ zu sagen, da packte er mich auch schon und drückte mich an seine Muskelshirtbepackte (und etwas feuchte) Brust. Heieiei. Darauf noch ein feuchtes Bussi. Joana ereilte das gleiche Schicksal. Nur Thomas blieb komischerweise verschont. Da Nino nun doch endlich mal sein Auto wieder weiterbewegen musste, gab es nun auch noch einmal eine Kussreiche Verabschiedung. Unser Jubilar (er wurde übrigens 23) kam heute ganz schön auf seine Kosten. Jetzt aber nichts wie ab in den Colectivo. Kaum sassen wir, setzte sich auf einmal Sonia, Miltons Schwester uns gegenüber. Ei, der Blitz, die Welt ist aber auch ein Kaff. Hätte mich nicht gewundert, wenn wir jetzt auch noch Frau Zwiederladen getroffen hätten. Diese Begegnung blieb aber leider aus.
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Abends besprachen wir noch unsere neue Unterrichtsstunde über Mut, die wir am nächsten Tag in Atupa halten wollten. Eigentlich wollte Milton auch kommen, er blieb aber verschollen. Wahrscheinlich war der auch in Huaraz, so wie scheinbar ganz Jangas.




19.11. 08 Suchaktion und Schaftaxi
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Heute früh, warteten wir wie immer darauf, dass Milton uns zum Frühstück abholt. Er kam aber nicht, stattdessen holte uns Milton-Mama zum Essen. Als wir fragten, ob er noch schlafe, sagte sie, er sei nicht da und wahrscheinlich gar nicht heimgekommen von Huaraz. Na so was. Milton ist eigentlich einer der wenigen Leute hier, der seine Pflicht und vor allem die Pünktlichkeit sehr ernst nimmt und zu dem das gar nicht passt, dass er einfach nicht heimkommt, wenn wir doch Unterricht haben. Auch als wir auf sein Handy anriefen, ging er nicht hin. Milton-Mama und Tanja liessen sich nichts anmerken, aber wir machten uns schon Sorgen. Huaraz ist vor allem in der Nacht, auch nicht immer der sicherste Flecken Erde und es kann auch Einheimischen passieren, dass sie überfallen und beraubt werden. Nachdem Milton-Mama und Tanja noch 2x versuchten bei ihm anzurufen, sind sie scheinbar das erste mal auf die Idee gekommen, in seinem Zimmer nachzuschauen. Und da lag er dann tatsächlich und schlief. Ich musste schon wieder lachen, da sie lieber 3x anrufen, bevor sie überhaupt mal nachsehen, war aber auch sehr froh, dass nichts passiert ist. Wir beschlossen wieder allein zu fahren, scheinbar war die Nacht für ihn doch länger gewesen.
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Am Colectivoparkplatz angekommen, wartete mal wieder Taxi-Roy auf uns. Hach, auf diesen Mann kann man sich einfach verlassen. Das Auto war allerdings schon recht voll und wir wollten uns in den Kofferraum schmeissen. Doch als wir die Klappe öffnen wollten, war Roy ganz auser sich und ich erschrak erst mal: Im Kofferraum lagen ein Schaf und ein kleines Schwein, das aufgeregt grunzte .
Aha, so transportiert man die Tiere also heutzutage. Auch nicht schlecht. Anika und Joana quetschten sich also dann eben auf den Rücksitz, zu den 3 kichernden Bäuerinnen und Thomas und ich teilten uns den Beifahrersitz. Ich wäre lieber beim Schaf gesessen, denn wir hatten überhaupt keinen Platz auf dem kleinen Sitz und ich saß mit halber Arschbacke auf der Fensterkurbel und musst mich durchs geöffnete Fenster am Autodach festhalten, dass ich nicht runterrutschte. Schaf und Schwein rochen jetzt auch nicht ganz so gut und deswegen war ich in zweierlei Hinsicht froh um das offene Fenster. Die Fahrt kam mir ewig vor. Die Bäuerinnen + Schaf und Schwein, das Roy, ganz Tierfreund, an einem Bein aus dem Wagen hob, stiegen mit uns in Atupa aus. Sie wohnen in dem Haus, in dem auch der Hund lebt, der Milton damals ins Bein gebissen hat. Dieser kam auch gerade ganz freudig auf uns zugerannt. Wir machten einen großen Bogen und begannen den Abstieg zur Schule.
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Dort ging es auch wieder mal drunter und drüber. Die Lehrerin saß draussen auf einem Stuhl und las ein Buch, während die Kinder allein im Computersaal saßen und irgendetwas am Computer rumspielten. Leider dürfen wir in Atupa keinen Computerunterricht geben, weil die Lehrerin das selber machen will. Aber weit ist sie scheinbar noch nicht gekommen. Einer der Schüler wusste noch nicht mal, wie man den PC herunterfährt. Es tut mir so leid für die Kinder, die so gerne mehr lernen würden, aber leider die schlechteste Schule, die ich je gesehen habe, besuchen müssen. Die 15-jährigen sind immer noch in der 6. Klasse (in Mataquita sind sie in diesem Alter ca. in der 9. oder 10.) und das ist auch die letzte Jahrgangsstufe die sie je machen werden, zusammen mit den Kindern der unteren Jahrgangsstufe in einem Raum mit einer Lehrerin, die sich leider, so nett sie auch ist, nicht besonders viel um ihre Schüler kümmert. Wenigstens eins haben diese Kinder den Schülern in Mataquita und Cahuish aber vorraus: Sie sind viel kameradschaftlicher, offener und haben weniger Probleme mit dem anderen Geschlecht. Deswegen mag ich diese Schüler auch am liebsten, weil der Unterricht hier wirklich Spaß macht und wir schon so ein bisschen wie Freunde geworden sind. Ohne zu Murren setzten sie sich alle zu uns in den Kreis auf dem Bolzplatz. Den großen Ast, der schon seit Wochen in der Mitte rumlag, haben sie mittlerweile weggeschafft. Wir fingen mit unserer Stunde an und erzählten über Mut, in unserem Spanischwörterbuch „Animo“ genannt. Die Kinder schauten uns mit großen Augen an. „Kennt ihr denn das Wort animo?“, fragte Anika. Kopfschütteln. Ok, macht nix, wir haben ja noch ein spanisches Wort für Mut in petto. „Valor“ sage ich stolz. Nichts. Oh, oh, auch dieses Wort kennen sie nicht und jetzt wird es dann doch ein bisschen schwer darüber zu reden. Mist. Auf einmal kam, na so was, die Lehrerin dazu. Wir fragten sie, ob es noch ein anderes Wort für Mut gibt. Sie kannte die beiden Wörter selber nicht. Eieiei. Sie verstand trotzdem und erklärte den Kindern daraufhin irgendwas, von wegen sie reden zu wenig und das sei kein Mut. Diese Worte begleitete sie damit, dass sie den Kindern ihr Heft ganz leicht auf den Kopf schlug. Ah ja, ok. Nun setzte sie sich dazu und die Kinder sagten daraufhin gar nichts mehr. Nur einer, Raul, sagte dreimal, Mut ist, wenn man keine Angst hat zu reden, genau das gleiche, das die Lehrerin gesagt hat. Oh man, die Kinder hatten wirklich Angst davor, vor ihrer Lehrerin im Unterricht mitzumachen, sie waren wie ausgewechselt. Zum Glück wurde es ihr bald langweilig und sie ging wieder. Sofort waren auch die Schüler wieder munterer. Die nächste Aufgabe bestand darin, das jeder aufstehen muss und eine Sache sagen muss, vor der er sich fürchtet. Die Personen links und rechts davon, sollten dann demjenigen auf die Schulter klopfen und ihm somit Mut machen und alle anderen ihm Kreis sollten klatschen. Es lief wie geschmiert. Die Kinder standen auf, ohne sich zu zieren, jeder sagte wovor er Angst hat und die anderen klopften brav auf die Schulter, bzw. klatschten. Falls doch mal einer ins stocken geriet, redeten ihm die anderen gut zu. Ich war stolz wie Oscar und hätte sie alle knutschen können.
Die Kinder beim Schulterklopfspiel

kdkdkdkd

Wenn ich da an unsere erste Selbstvertrauen-Stunde denke, in der sie manchmal 2 Minuten gebraucht haben, nur ihren Namen laut in der Runde zu sagen und jetzt das! Als nächstes spielten wir „mein rechter, rechter Platz ist frei“. Auch das lief super und die Kinder machen fast alle ohne Zögern die Tiere, die sie spielen sollten. Sogar Clara, die schüchternste von allen, lachte die ganze Zeit und gab eine super Ente ab. Auch wenn sie nicht wussten, wie sie ein Tier genau machen sollten, halfen sie sich wieder gegenseitig. Genau wie wir uns das vorgestellt hatten. Danke, Atupa-Kinder. Zur Belohnung gab es wieder eine Runde Fußball.
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Diesmal war ich wieder ein ziemlicher Looser und stellte mich irgendwann ins Tor, was ich als alter Ball-Angsthase jedoch lieber nicht getan hätte. Kurz gesagt: Es war schrecklich, aber wir haben trotzdem gewonnen. Bevor wir gingen, gaben wir den Kindern noch Orangen, die wir vor der Schule für jeden gekauft haben. Der kleinen Edith ist während dem Fußballspiel ein Milchzahn ausgefallen und sie spülte sich den Mund die ganze Zeit mit Wasser, das irgendwie aus einer Art Abflussrohr kam. Oh Gott, ich krieg schon Ausschschlag wenn ich das nur seh. Aber hier ist das normal und es macht ihnen scheinbar auch nichts aus. Es ist eben doch eine andere Welt.
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Nachdem Taxi-Roy uns sicher nach Hause gebracht hat, trafen wir Milton am Mittagstisch. Er bestreitet, dass er gestern Nacht auch nur einen Tropfen Alkohol getrunken hat, allerdings stand ihm der Kater aber ins Gesicht geschrieben. So, so, Mr. Disziplin hat sich also gehen lassen. Aber das macht nichts, wir kommen mittlerweile auch echt ganz gut ohne ihn klar und er muss ja auch irgendwann mal wieder regelmäßig in die Arbeit (glaube ich zumindest).
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Nachmittags kam wieder Yanina und sie hatte Bücher für uns dabei, da wir heute mit Texten arbeiten wollten. Sie gab uns ein Buch, das lauter Baumgeschichten und –sagen enthielt. Die Bilder waren zwar sehr schön, aber von den Geschichten hab ich leider wenig verstanden. Nicht weil ich die Wörter nicht kannte, das ging eigentlich, aber er musste immer einer Vorlesen und die anderen konnten dabei den Text nicht sehen und das war einfach noch zu schnell für mich, und für die andern zum Glück auch. Im Grunde hat es leider nicht viel gebracht und nach der 6. nicht verstandenen Baumgeschichte hatten wir auch keine Lust mehr. Zum Glück kam gerade Milton ums Eck und der macht sowieso immer Quatsch, also schlossen wir uns an, Quatsch zu machen. Wir fragten Yanina noch, ob sie Lust hat, mit uns in ihr Nachbardorf zur Fiesta zu gehen, die nächste Woche stattfindet. Aber sie hat scheinbar keine Lust, weil sie eh nicht so gern weg geht. Schade. Milton begann, Joanas Digitalcamera zu durchforsten und leider haben wir vergessen, dass wir einmal an einem etwas Weinseligen Abend, tolle Draco-Fotos mit falschen Chipszähnen gemacht haben (den Draco-Doppelgängerwettbewerb von vor 2 oder 3 Wochen) und dass auch noch das Foto mit der Tafel und meiner Entführung durch Draco da drauf war. Da er keine Ahnung von Dracos dunklen Machenschaften hat, verstand er die Fotos auch nicht und wir mussten alle so lachen, weil das ganze so blöd und peinlich war. Yanina konnten wir mit unserer Spinnerei leider nicht so begeistern und sie ging dann bald. Als Milton mich später noch fragte, was ich mir zum Geburtstag wünsche, lag die Antwort auf der Hand: Dolly! Und zwar für immer, oder zumindest so lange wir hier sind. Aber Milton lacht nur und sagt, wir sollen doch auf dem Placa de Armas protestieren und mit Plakaten einige Runden drehen. Haha. Der wird schon noch sehen. Vielleicht machen wir das ja wirklich.
jfjfjf
20.11.08 unmoralisches Angebot und unbeliebte Passagiere
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Heute sind wir nach Mataquita. Das Wetter war wieder mal super, total heiss und mit wunderschöner Sicht auf die 6000er. Als wir zur Schule runtergelaufen sind, merkte ich, wie ich immer weniger Lust habe, durch das „Schultor“ zu gehen, weil mich die Knutschtiraden von meinem lieben Rektorchen mittlerweile ganz schön nerven. Noch schlimmer ist, dass er nach jedem mal Knutschen immer meinen Kopf festhält und mich mit 3 cm Gesicht zu Gesicht-Abstand (wir sind gleich groß) fragt wies mir geht. Aber es hilft nichts, wir müssen da durch. Ich hatte sogar Glück und er fragte mich nach dem Knutscher ohne Gesichterkontakt nach meinem Befinden. Ich war schon total erleichtert, da fing er auf einmal an, mich zu fragen, ob ich für immer hierbleiben wolle. Ich war so erschrocken über diese Frage, dass ich voller Inbrunst und ein bisschen zu entschlossen und fest „No“ sagte. Da hat er aber geguckt, das hat er wohl gar nicht erwartet. Ich schob noch schnell hinterher, dass mir Peru wirklich sehr gut gefällt, aber das ich halt meine Freunde und Familie ähhh... (das Wort „vermissen“ kann ich mir leider einfach nicht merken). Aber es war zu spät. Ich glaube ich bin als potenzielle Senora Knutschrektor ausgeschieden. Tja, schade aber auch. Nun wendete er sich Joana und Anika zu. Ob sie denn bleiben möchten. Sie sagten beide aber nur „mal sehen“ oder „vielleicht“, was ihn zwar nicht ganz zufrieden stellte, aber schon besser war als meine Antwort. Nun zählte er auf und erklärte es noch irgend einem anderen Lehrer, der so daneben stand: „diese sagt vieleicht und diese auch, aber sie (ich) sagt Nein, auf keinen Fall“. Heieiei. Ich erklärte noch mal lang und breit die Umstände, dass ich meine Familie und meine Freunde in Deutschland auf keinen Fall verlassen würde, so schön Peru auch ist. Aber ich habe bei ihm schon eingebüßt. Naja, gibt trotzdem sicher schlimmeres. Dann verwendete er einen ganz besonderen Trick: Er fragte Joana, wen sie denn am meisten in Deutschland vermisse: ihre Eltern, oder ihre Oma oder ihre Freunde, oder ... Joana schaltete schnell und sagte, das sie ihren Freund am meisten vermisse. „Ach, du hast einen Freund?“ (wusst ichs doch, dass er darauf hinaus will). Dann fragte er Anika und mich auch noch ob wir einen Freund haben, was wir beide natürlich bejaten. Milton schaute ein bischen dumm, weil er weis das Anika und ich eben keinen Freund haben, aber er hielt die Klappe, was ich ihm hoch anrechne. Gut, wendete Knutschi sich eben wieder Joana zu. Er habe eine Cousin, der 22 ist und eine Freundin sucht. Er wohne in der Nähe von Yungay und habe sehr viele Felder. Oh nein! Man konnte Joana direkt ansehen, dass sie diesen Vorschlag alles andere als gut findet, trotz der vielen Felder. Knutschi merkte es auch und tröstete sie mit den Worten: „mach dir keine Sorgen, ich kann das regeln, auch mit deinen Eltern“. Es war zum Totlachen. Unverständlicherweise lehnte Joana das verlockende Angebot dennoch ab. Und das, obwohl sie sich den Cousin noch nicht mal angesehen hat. Er kann bestimmt gut knutschen. Zu allem Überfluss kam jetzt auch noch Co-Rektor angelatscht. Knutschrektor klärte ihn auch gleich auf, dass Joana und Anika zweifeln, ich jedoch sofort nein gesagt hätte, als er gefragt hat, ob wir für immer in Peru bleiben wollen. Ich erklärte also nochmal, dass mir meine Freunde und Familie eben wichtiger sind als alles andere. Co-Rektor hatte eine einfache Lösung parat: Sie sollten dann eben auch alle herziehen. Na klar, dass ich darauf nicht gekommen bin :-) Ich musste ihm leider klarmachen, dass das nicht ganz so einfach ist. Das sah er dann doch ein. Ich fing an übers Wetter zu reden, da mir nichts anderes einfiel um das Thema zu wechseln. Da fragte ihn Joana doch glatt, wie die Schul-Party (auf der wir uns vom Tanzen drückten) denn noch gewesen sei. Nein!!! Jetzt hat sie ihn wieder erinnert. Und schon gings los. Die Party war so toll, warum wir so früh gegangen sind und wir haben doch gar nicht getanzt, obwohl es doch versprochen war und wie wir nur gehen konnten, ohne überhaupt zu tanzen. Prima. Wir schoben also wieder unsere unvorhersehbare Besprechung als Alibi ein, weis aber nicht ob er uns das abgekauft hat.
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Zum Glück fing dann unsere erste Stunde an, diesmal sollten wir die 5. und 4. Klasse der Secundaria (also sozusagen dann die 10. und 11. Klasse) gemeinsam unterrichten, weil in der 5. Klasse nur vier Schüler sind. Wir fingen an, über Vertrauen zu reden. Es klappte alles relativ gut und so beschlossen wir bald, mit den Spielen anzufangen. Zuerst wollten wir den „blinden Kreis“ machen, das Spiel, in dem einer mit verbundenen Augen in der Mitte steht, während zwei andere einen Kreis um ihn bilden und sich an den Händen fassen. Dann wird die Person in der Mitte sanft (man beachte bitte das Wort „sanft“) hin- und hergestoßen und gleichzeitig von den armen der anderen beiden zwei wieder aufgefangen. Und los gings. Zuerst zierten sie sich wieder alle furchtbar und es dauerte ewig bis wir mal anfangen konnten. Dann waren sie dafür aber ziemlich rabiat und schmissen sich gegenseitig durch die Klasse, dass die Hölle los war. Oh Gott, oh gott, wir waren froh als alle durch waren und wir das nächste Spiel anfangen konnten, die „blinde Schlange“. Das war das Spiel in dem alle eine Schlange bilden und die Augen verschlossen haben, nur der letzte in der Reihe konnte sehen und sollte die anderen dirigieren. Weil es jetzt doch recht viele Schüler waren, machten wir 2 Schlangen. Schlange eins fing an und spazierte fröhlich aus dem Klassenzimmer heraus. Der Kopf der Schlange, der meiner Meinung nach eindeutig blinzelte, hatte kein Problem mit dem unfallfreien Vorrausgehen, aber ein Junge mittendrin lief 2x gegen die Wand. Oh jemine. Schlange 2 machte es besser und wir waren daraufhin so mutig, dass wir die beiden Schlangen zu einer vereinigten und sie auf dem Bolzplatz rumlaufen liessen. Das haben sie dann wirklich gut gemacht und wir waren mal wieder Stolz.
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In der Pause kam ein etwas älterer Lehrer zu uns und fragte uns ganz aufgeregt, ob wir ihm einen Gefallen tun könnten. Er sei nämlich nur noch dieses Jahr hier (im Dezember endet das Schuljahr) und würde seiner Klasse so gerne Geschenke zu Weihnachten und zum Abschied machen, kann sich das aber nicht leisten. Deswegen wollte er uns bitten, ob nicht wir ein paar kleine Geschenke kaufen könnten für die Kinder. Das machen wir natürlich gern. Zum Dank war er so aus dem Häuschen, das er uns unbedingt in den kleinen Laden neben der Schule zu Keksen einladen wollte. Wir mussten uns setzten und er besorgte uns Kekse und Minibananen und wollte auch noch Erfrischungsgetränkke kaufen, aber das wollten wir dann doch nicht mehr. Es war total süß wie aufgeregt er war und als dann ein paar Kinder aus seiner Klasse auftauchten, erzählte er es ihnen gleich und sie sollten uns dafür die Hand schütteln und sich bedanken. Total lieb.
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Kaum haben wir genüßlich gegessen, kam schon Milton und eröffnete uns, das wir jetzt gegen die Lehrer von Mataquita Volleyball spielen würden. Oh nein. Ich Ballloser, muss hier echt oft ran. Also gut, dann mal auf zum Bolzplatz. Dort haben sie schon ein Netz aufgespannt und ungefähr die gesamte Schule versammelte sich um das Feld. Hab ich schon erwähnt, dass ich eine absolute Niete in Ballsportarten bin? Wenigstens Thomas und Joana waren nicht ganz so schlecht, aber wir spielten trotzdem wie die Dummbeutel. Ich schaffte es, glaub ich, einmal den Ball übers Netz zu kriegen, ohne dass er im Aus landete. Wir spielten so schlecht, dass die Lehrer anfingen sich zu langweilen und zu schimpfen. Toll. Ich fing also an mich ins Zeug zu legen. Einmal rannte ich todesmutig auf den Ball zu und wollte ihn gekonnt übers Netz schlagen. Leider schlug ich ihn nur übers Schulgebäude, den Abgrund hinunter. Ups. Ein Schüler musste ihn dann auch noch holen und mir wars dann langsam ein bisschen peinlich. Ich hoffte sogar ein kleines bisschen, das der Ball futsch war und wir nicht mehr spielen können. Aber nix da, irgendwann tauchte der Junge samt Ball tatsächlich wieder auf. Halleluja! Also, weiter gings. Was soll ich noch sagen? Wir haben natürlich Haushoch verloren und ich war froh, das es nun an der Zeit war, mit der 5. und 6. Klasse Primaria Unterricht zu halten.
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Diesmal über das Thema Mut, genauso wie in Atupa gestern. Wir setzten uns auf ein Feld und sprachen wieder darüber. Auch hier kannten nur ein paar Kinder die Worte „animo“ und „valor“. Seltsam. Auch hier klappte die Runde, in der jeder sagen sollte, wovor er sich fürchtet, erstaunlich gut. Einer von ihnen, Hernando, sagte sogar, er habe Angst vor seinen Eltern, wobei mich diese Offenheit dann doch Überraschte. Als nächstes spielten wir wieder „mein rechter Platz ist frei“. Bis auf ein Mädchen, dass immer ein bisschen rumzickte, haben wirklich alle toll mitgemacht. Was ich ein bisschen schade find, ist das in Mataquita und in Cahuish die Geschlechtertrennung so stark ist, d. H. die Mädchen wollen rein gar nichts mit den Jungs zusammen machen und andersrum. Als ein Mädchen sich zwischen zwei Jungs in den Kreis setzen sollte, hat sie gestreikt. Sie wollte einfach nicht.








In Mataquita machten wir auch Pantomime - hier sollten wir Voegel sein

In Cahuish ist es das gleiche. Nur in Atupa sind alle Kinder ein bisschen offener, was wohl am altersunterschied liegt. Deswegen ist es auch meine Liebligsschule hier. Aber dafür machen wir ja auch diesen Unterricht, damit wir dieses Problem zumindest ein bisschen beheben. Wir waren trotzdem ganz zufrieden mit unserer Klasse heute und mussten uns dann bald auf den Heimweg machen, was einige Kinder sogar schade fanden *freu*.
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Am Nachmittag sind wir dann nach Huaraz gefahren. Ich wollte schon mal das erste Weihnachtspäckchen nach Hause schicken und nahm ein paar der Geschenke mit. In Huaraz angekommen gingen wir dann zuerst auf den Kitschmarkt, wo ich eine Weihnachtsmann, oder besser gesagt, Papa Noél Mütze kaufen wollten. Nachdem das erledigt war, gingen wir auf den Placa de Armas. Dort wurden wir Zeuge eines spektakulären Auftritts: Irgend ein junger Mann im grünen Hemd drehte gerade ein Musivideo. Er stand lässig am Treppengeländer gelehnt und wackelte mit der Hüfte, während er seinen Mund so bewegte, als würde er singen. Der Kameramann dazu filmte sogar Thomas, wie er ein Foto von mir schoss, was aber auch so aussehen könnte, als würde er den Typen fotografieren. Jetzt bekommt er wahrscheinlich auch einen Auftritt in dem Video, als Gringo-Fan des begnadeten Jungen. Schade dass ich nicht weis wie der Sänger heisst, sonst hätte ich mir das Video irgendwie besorgt. Als wir dann schliesslich zur Post gingen, gab es schon das erste Problem: keine Kartons zum Verschicken. Frau Post freute sich wahnsinnig uns zu sehen, teilte mir mit, das kein Päckchen für mich angekommen sei und schickte uns zum Karton suchen in die Stadt. Wie auf Kommando fing es auch noch zu regnen an, als wir aus der Post traten. Nachdem wir in ca. 100 Läden gefragt haben, konnte ich endlich in einer Apotheke einen großen Karton erlangen. Ich beschloss ihn mit Heim zu nehmen und mein gesamtes Päckchen auf einmal zu schicken.
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Nun hatten wir nicht mehr viel zu tun. Wir beschlossen spontan, Milton-Mama einen kleinen Rosenstock zu kaufen, den ich dann in meinem tollen Karton transportierte. Als nächstes sind wir in das Maden-Fast-Food-Restaurant, das die tierische Beilage im Salat mitservierte und kauften uns jeder eine Tüte Pommes. Dann sind wir noch schnell in den Fress-Markt, der einzige supermarktähnliche Laden in ganz Huaraz um Ketchup für die Pommes, Chips und Kekse usw. zu kaufen. Ich, mit meinem Riesenkarton, schubste ca. 10 Leute um, als ich durch die engen Ladengänge trampelte. Ich dachte schon ich kriege ärger, als ich vor einem Fress-Markt Mitarbeiter meine Cola in den Karton stellte, aber er lachte nur und fand es ganz toll, dass so ein bescheuerter Touri (ich) mit einer rießen Schachtel durch die Gegend läuft.Dazu fiel dann auch noch ständig der Rosenstock um und mir auf die Hand. Ich beschloss wieder rauszuflüchten. Dann gingen wir zum Glück zum Colectivostand. Als Anika und ich mit unserem rießen Paket ankamen, sahen uns die Colectivomänner schon komisch an, wir durften mit den sperrigen Dingern jedoch hinein, wo ich dann sofort den Weg versperrte. Mir kam dann die tolle Idee, den Karton einfach unter mich zu stellen und meine Füße reinzustellen, was dann auch klappte. Dann rissen wir unsere Pommes auf und stürzten uns darauf. Ich glaube der ganze Bus hat nach Fett gestunken und wir waren ziemlich laut, so dass viele Leute gar nicht angetan waren. Ein Peruaner, der vor uns stand, drehte sich die ganze Zeit offensichtlich genervt von uns, zur anderen Seite. Tja, da müssen sie jetzt durch. Die Pommes waren eh so viele, dass wir nach der halben Tüte aufhören mussten.
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Endlich daheim angekommen, erfuhren wir von Milton, der uns mit Angel in unserem Garten besuchen kam, eine Nachricht, die unser ganzes Weltbild erschütterte: Draco ist ein Mädchen! Und noch schlimmer: Er/Sie ist die SCHWESTER von Dolly. Oh Gott. Das erklärt auch, warum irgendwie alle Dollyformathunde hier so komische Zähne haben. Sie ist nämlich gleichzeitig auch noch die Mutter von den anderen beiden Hunden die zu Besuch sind, Pequena und Memo, den wir Fettmond nennen, weil er so rießig ist. Und dieses große Vieh soll der Sohn von Dolly sein? Heieiei. Völlig schokiert, schauten wir auf dem PC Bilder an, die Angel gehören und die er vor 2 – 3 Jahren gemacht hat. Es war sehr lustig, weil sie damals alle noch total anders aussahen als jetzt. Angel lud uns dann noch zu einer Taufe am nächsten Sonntag ein, von seinem Cousin. Cool, eine peruanische Taufe. Bin ja schon mal gespannt.
jfjfjf


21.11.08 Kameraprobleme und Klogefängnis
jjfjffj
Da Angel überraschenderweise heute wieder keine Zeit hatte, hatten wir heute frei. Wir wollten einen rumgammeltag machen. In dem Wissen, dass wir uns heute nicht so stressen müssen, wollte ich mir beim Duschen schön lange Zeit lassen. Ich stand also grad so schön drunter - das Wasser war gut heiss - und nahm extra viel Schampoo, weil meine Haare von gestern noch voll eklig waren. Auf einmal wurde das Wasser kalt... und wurde immer weniger ... oh,oh. Ich stellte mich sofort unter die größten Tropfen, die noch rauskamen. Ca. 10 Sekunden, dann war das Wasser weg. Mist. Das war genau das, was ich immer befürchtet hab, wenn ich unter dieser Dusche stand. Ich befreite meine Haare so gut es eben ging mit dem Handtuch vom Schaum und zog mich an. Eigentlich wollte ich den heissen und freien Tag ja nutzen, um meine Wäsche zu waschen und mal ein bisschen zu putzen und Geschirr zu spülen.War wohl nix. Dann machte ich eben an meiner Mütze weiter.
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Es war wirklich unglaublich heiss und es war richtig schön, so in der Sonne zu brüten. Irgendwann kam Nino, Miltons Bruder dann mal vorbei und wollte mit uns ins Schwimmbad, wir entschieden uns jedoch dagegen, weil ich mich noch gut an diese Dreckbrühe erinnere und mir geschworen habe, dort nie wieder hinzugehen. Wir sagten ihm, wir würden nach Huaraz fahren und er bat uns daraufhin, dass wir seinen Laptop mitnehmen um ihn reparieren zu lassen, weil er nicht mehr funktioniert. OK. Geht ja schnell, ausserdem wollte Thomas noch Fotos ausdrucken lassen. Gesagt, getan, wir sind also nach Huaraz gefahren. Während der Fahrt mussten wir einmal umsteigen, weil sie den Colectivo, in dem wir sassen aus dem Verkerhr gezogen haben. Der neue, war allerdings auch in keinem besseren Zustand und mein Sitz war gar nicht mehr richtig ferst, so dass ich immer nach vorne geflogen bin.
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Zum Glück waren wir bald da und machten uns auf zum Kitschmarkt, um nach Weihnachtstüten für unsere Kinder zu schauen. Ich ging zu dem Stand, an dem ich gestern die Weihnachtsmann-Mütze gekauft habe, weil ich mir dachte, die hat bestimmt welche. Als ich sie fragte, ob sie solche Tüten habe, schüttelte die Frau den Kopf und fing auf einmal an, von der Mütze zu reden. Ich verstand gar nicht, was sie wollte und sagte ich hätte doch schon eine. Nein, meint sie, die andere Mütze die sie mir gezeigt hat, bla bla bla (irgendwas unverständliches). Ich sagte also wieder, das eine Mütze doch genug sei. Irgendwann, nach dem 5. Versuch verstand ich endlich was sie wollte: Ihre andere Mütze die sie mir gezeigt hat, war weg und sie dachte, dass ich sie geklaut habe! Ich sagte dass wäre doch Blödsinn und das sie sie bestimmt verlegt habe (zum Verständnis: alles Stände im Kitschmarkt sind vollgestopft und unaufgeräumt, es ist ein leichtes, dort was zu verlieren). Sie blieb aber Stur und bestand darauf, dass ich die Mütze hätte. Irgendwann ging mir echt der Hut hoch und ich sagte ihr, dass ich es bestimmt nicht nötig habe so eine blöde Mütze zu klauen, weil ich mir das grad noch leisten kann. Mann, mich hat es so geärgert, dass mein Spanisch nicht ausgereicht hat, um mich in dieser hinsicht besser zu verständing. Ich muss unbedingt mal wieder mehr Vokabeln lernen. Ziemlich sauer bin ich dann weitergerauscht, Thomas hinterher. Ich hoffe sie findet ihre blöde Mütze noch, damit sie weis, dass ich sie nicht hab. War ja klar, dass gleich die Gringa der Bösewicht ist. Mann war ich sauer.
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Wir sind dann erstmal zum Fotoladen um Thomas seine Bilder auszudrucken. Es waren auch ein paar Klassenfotos dabei, die wir gerne doppelt wollten. Der Junge, der uns bediente, hatte dafür ein besonderes System: Zuerst schrieb er unter jedes Foto, dass wir doppelt wollten: 2 Fotos. Da das aber nicht funktioniert, weil man ja nicht 2 Fotos gleichzeitig den selben Namen geben kann, nannte der die anderen 2 Fotods, 2 Fo, usw. OK. Dann, schob er nochmal alle Fotos in einen anderen Ordner, wobei er die 2 Fotods-Fotos jedoch nicht von den anderen trennte, sonder mit ins Gewühl nahm (es waren ca. 100 Fotos die wir drucken lassen wollten). Ich ahnte schon, dass das nicht gut gehen kann, wollte aber abwarten. In der Zwischenzeit, wollten wir den Laptop abgeben und gingen in einen Elektroladen, der ein bisschen kleiner war. Scheinbar war hier schon länger kein Kunde mehr erschienen, weil die Leute die hier arbeiteten alle ganz aufgeregt waren und sich von ihrer Telenovela losrissen, die lautstark durch den Laden brüllte. Ich gab einem Herrn den Laptop. Er drückte rum. Und drückte rum. Und drückte rum. Im Hintergrund die Telenovela, in der ständig ein Mann „soy libre, soy libre“ in voller Lautstärke brüllte. Hm. Irgendwann fragte ich ihn, ob wir ihn hierlassen und später wieder kommen sollen. Er war so vertieft, dass er gar nicht hörte. Nach dem 2. Mal fragen, sagte er dann schließlich, ja, ja, er weis wo das Problem liegt. Wunderbar.
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Also sind wir wieder zum Foto-Laden um unsere Bilder abzuholen. Als wir sie ansahen, fehlten sonderbarerweise die Kopien von 3 Klassenfotos, na so was. Wir beschlossen es gut sein zu lassen, weil wir die Fotos ja jederzeit wieder machen lassen können. Nach einem kurzen Besuch im Fressmarkt und im Internet, gingen wir wieder in den Elektroladen. Als wir kamen sassen wieder alle vor der Telenovela und der Laptop lag abseits. Der Typ erschrak richtig, als er uns sah und sagte dann irgendwas viel zu schnell auf spanisch, so dass wir ihn nicht verstanden. Als wir ihn baten langsamer zu reden, dachte er sich, es wäre wohl gescheiter auf Englisch weiterzureden. Also zog er ein ziemlich angestrengtes Gesicht und sagte: „un... un.. une.. äh, one... one ti, one ti“. Leider wusste ich überhaupt nicht worauf er hinaus will. Ich: „Ähm, wie bitte?“. Er : „One ti, one ti“. Auf unseren recht blöden Gesichtsausdruck hin, schwenkte er dann doch auf spanisch und sagte „una hora“, eine Stunde. Na also. Er gab den Laptop dem „Computer-Experten“ in unserem Laden, der sich gleich mit ihm hinsetzte und anfing, ihn umzudrehen uns auf den Garantieschein zu starren und mit einem Gesicht, bei dem man ihm genau ansah, dass er keine Ahnung hat, was er tut, auf den Power-Knopf zu drücken. Ich fragte, ob er auch wirklich weis, was das Problem wäre. „Ähm, si, si“. Wir nahmen ihn dann doch wieder mit, weil er halt leider nicht so aussah, als ob er Ahnung hat und wir nicht eine Stunde umsonst rumlaufen wollten und sagte ihm, wir kämen Morgen wieder. Das hatten wir allerdings nicht vor, sondern wir wollten in einen anderen, größeren Laden. Dort, wurde uns das Gerät freudig entnommen und wir sollten nochmal eine halbe Stunde rausgehen.
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Na gut, wir beschlossen, schnell in eine Filiale von Maden-Fast-Food zu gehen, weil Thomas Pommes wollte. Ich beschloss einen Salat zu Essen. Wir setzten uns und ich rief schnell Anika und Joana an, dass es noch ein bisschen dauert und sie sich keine Sorgen machen müssen. Als ich noch telefonierte, kam die Bedienung zu Thomas und sagte ihm, es gäbe nur Hähnchen. Thomas wollte aber Pommes und das bestellte er dann auch. Bedienung: „halbes oder vierteltes Hähnchen?“ Thomas: „nein, nur Pommes“, Bedienung: „es gibt nur halbe oder viertelte“, Thomas: „nein ich möchte nur Pommes“. Resigniert gab Mr. Bedienung auf und wendete sich mir zu. Ich habe gerade aufgelegt und war mim Kopf noch gar nicht im Restaurant, als er mich fragte: „halbes oder vierteltes Hähnchen“. Ich sagte: „Salat“, er sagte: „mit halben oder viertelten Hähnchen“. Ich: „nein, nur Salat, ohne Fleisch“. Er: „nur Salat, ohne Kartoffeln?“ Ich (die schlauerweise dachte, Kartoffeln wären Kartoffeln) sagte: „doch, mit Kartoffeln aber ohne Fleisch“. Aha. Er, zu Thomas: „möchtest du das selbe wie sie?“ Thomas: „nein, nur Pommes“. OK. Das verwirrte ihn scheinbar so sehr, das er ganz vergaß nach unseren Getränken zu fragen. Ich rief ihm noch schnell hinterher, dass ich ein Wasser möchte, Thomas bestellte Inca Cola. Dieses kam dann auch sofort, aber mein Wasser dafür nicht. Kurz darauf sah ich auch warum: Die Bedienung musste erst auf die andere Straßenseite zu der Hauptfiliale von Maden-Fast-Food laufen um mein Wasser zu holen. Als dann unser Essen kam, hatte ich Pommes und Salat, dabei hatte ich ja eigentlich nur Salat bestellt. Aber ich Idiot war so verwirrt, das ich gesagt hab „mit Kartoffeln“ was bedeutet „mit Pommes“. Ok, was solls, die Pommes sind ja dafür auch richtig lecker. Als wir fertig waren, wollte ich noch schnell aufs Klo, bevor wir wieder losstarten. Ich ging also zu einer Trennwand, auf der „Bano“ stand, also Klo. Dahinter befand sich eine Tür zum Klo. Ich trat ein und bemerkte erstmal, dass die Klotür nicht abschliessbar ist, sie hatte noch nicht mal einen Türgriff, sondern bestand einfach aus glattem Holz. Gut, ich machte sie eben so fest wie es ging zu und hielt sie auch zu, während ich auf dem Klo war. Als ich mich umdrehte, sah ich bereits wieder ein altbekanntes Bild: Das Klo-Fenster hatte keine Scheiben, sondern war einfach ein Loch nach draussen. Wie schön. Schnell wollte ich mir die Hände waschen und wieder raus, aber: Das Waschbecken, das schon schief in den Angeln hing, hatte keinen Wasserhahn! Oh mann. Schlimmer konnte es ja kaum kommen. Es kam schlimmer. Ich wollte die Tür öffnen, was aber leider nicht ging, da es ja nur glattes Holz ist und ich sie fest in den Rahmen gedrückt hab. Mist, wie komm ich denn jetzt wieder raus? Ich hatte noch nicht mal mein Handy dabei, um Thomas anzurufen, dass er mich befreien soll. Alles rumzupfen und klopfen half nichts, ich hatte mich im Klo eingeschlossen. Verdammt. Als ich mich nochmal verzweifelt umsah, sah ich die rettende Lösung: Die Tür hatte über dem Rahmen noch ein Fenster, ebenfalls ohne Glas. Ich stieg also auf die Kloschüssel, die beinahe runtergekracht wäre und konnte mich, wenn ich auf einem Bein stand und mich nach vorne streckte, mit der Hand gerade über den Rahmen und von aussen gegen die Tür drücken. Nachdem ich einmal abgerutscht und runtergefallen bin (zum Glück auf die äußere Seite der Kloschüssel) gelang es mir tatsächlich die Tür zu öffnen. Glück gehabt.
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Wir zahlten und verschwanden. Zurück im Elektroladen, stand der Laptop auf einem Tisch rum und kein Mensch machte auch nur den Eindruck, er hätte etwas mit damit zu tun. Unser Verkäufer, der uns eine halbe Stunde weggeschickt hat, war verschwunden. Die anderen, die noch so im Laden rumlungerten, saßen entweder gelangweilt rum, oder tanzten, zu Grupo 5, das aus den Lautsprechern des Ladens ertönte. Als ich längere Zeit zu einer Gruppe von 3 fröhlichen Verkäufern hinsah, namen die beiden Damen den Mann der noch bei ihnen stand, links und rechts am Arm und trugen ihn zu uns hin. Dieser drehte aber gleich wieder um und ging wieder. Jaja, hier ist der Kunde eben noch König. Kurze Zeit später, erspähten wir jedoch unseren Verkäufer. Er rannte auf uns zu, in seiner Hand eine Art Döner und kam einen halben Meter schlitternd vor uns zum stehen. Der Laptop sei fertig, meinte er, alles super. Ich musste ihn die ganze Zeit blöd angrinsen, weil er noch voll die Essensreste im Gesicht hatte und ausserdem nach Knoblauch stank. Na also, dann konnten wir uns doch endlich auf den Weg nach Hause machen. Aus unserer „Stunde“ in Huaraz, wurden dann doch wieder mal vier Stunden. Hauptsache der Laptop ist jetzt wieder funktionstüchtig.
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Im Colectivo saßen wir neben einer Frau, die total aus dem Häusschen war, weil sie uns erkannte. Sie meinte wir seien damals auch auf der Fiesta in Jangas gewesen (an dem Tag, wo es das erste mal Cuy gab). Und dann sagte sie zu ihrer Freundin, wir waren total besoffen. Was absoluter Blödsinn war, weil wir an dem Tag gerade mal 2 Schlücke Bier gekostet haben. Die Frau beharrte aber darauf. Thomas hat sich ein bisschen aufgeregt, ich denke halt, sie wollte sich wichtig machen und hat deswegen einfach irgendwas erzählt. Aber ein bisschen ärgerlich war es schon, weil wir ihr gesagt haben, wir verstehen was sie sagt, und sie aber trotzdem über uns voll den Schmarrn verzapft hat, und so tat als würden wir das eh nicht merken. Egal, soll sie sich über ihren Triumpf etwas über uns erzählen zu können, freuen, mir solls recht sein.
ggg
22.11.08 Stromausfall und Spaghettidusche
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Heute waren wir – wär hätts gedacht – wieder mal in Huaraz. Wir haben extra jeder nur ein halbes Brot zum Frühstück gegessen, weil wir schnell zur Post wollten um unsere Weihnachtsgeschenkpakete für daheim abzugeben und danach schön Frühstücken wollten. Im Colectivo musse ich mich ganz hinten reinsetzen, weil er schon total vollgestopft war. Neben mir saß ein recht komischer Typ und auf der anderen Seite eine alte Oma. Auf einmal, fing es bei dem Typen zu quitschen an. Ich dachte zuerst es wär das Auto, aber dann quitschte es immer öfter, so wie ein Tier. Naja, kann ja sein, das der Typ eine Ratte besitzt und mitschleppt, komisch genug sah er ja aus. Aber ich konnte nirgends eine Ratte sehen, so sehr ich ihn auch heimlich aus den Augenwinkeln beobachtete. Als ich mein Bein bewegte, sties ich gegen etwas untetr meinem Sitz. Heieiei, was ist denn heut los? Ich dachte es wäre das Bein der Oma und beschloss besser aufzupassen. Aber auf der anderen Seite, stiess ich auch wieder gegen etwas. Das quiken wurde auch immer mehr und ganz aufgeregt. Ich schaute also einfach mal unter meinem Sitz nach, was sich da alles so tummelt. Die Antwort kam prompt: Meerschweinchen! Und zwar ein ganzer Sack voll. Arme Viecher. Daneben war ein Sack mit Hühnern. Die taten mir voll leid. Doch damit nicht genug. Als ich auf den Boden sah, bemerkte ich ein Loch im Colectivoboden. Ich konnte auf die Straße unter uns sehen. Wie schön, öfter mal was neues. Ich wartete schon darauf, dass er demnächst ausnanderkracht. Aber es ging nochmal alles gut. Der Colectivo hielt an und Mr. Seltsam stieg aus. Aus dem „Kofferraum“, der direkt unter meinen Sitz führte, holte er die beiden Tiersäcke. Aha, Mr. Seltsam ist also Meerschweinchenhändler. Na, das passt.
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Als wir endlich ausstiegen, hat sich gleich ein Mann unsere Pakete geschnappt und in so ein Frachtfahrrad gepackt. Wir holten sie wieder raus, mit der Erklärung, wir wollten sie selber tragen. Ich glaube da war er gleich ein bisschen beleidigt, aber ich lass doch meine Sachen nicht bei irgendwem auf dem Fahrrad. Wir verschwanden schnell und wollten noch schnell unseren Pass kopieren lassen, weil wir das für die Post brauchen. Aber, als wir in einen Copyshop gingen, gab es eine schlechte Nachricht: in Huaraz ist der Strom ausgefallen. Als wir nachfragten, ob dies in ganz Huaraz der Fall wäre, wurde es bejaht. Tja, das ist jetzt natürlich ungünstig. Wie liefen weiter Richtung Post und 2 Blöcke weiter hinten, gab es dann wohl doch wieder Strom. Glück gehabt. Ich verarbeitete mein Päckchen, während die anderen ihr Zeug kopieren liessen, nochmal gründlich mit braunen Klebeband, das wir kurz davor noch schnell gekauft haben. Die Damen in der Post sind nämlich sehr gemächig und wir wollten ja bald frühstücken, deswegen hab ich schon alles vorbereitet und war sehr stolz drauf.
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In der Post angekommen, machte ich mich freudestrahlend auf dem Weg zum Schalter. Frau Post (diesmal eine andere), sagte zu mir, sie müsse den Inhalt des Pakets sehen. Wie bitte? Die andern hat das auch immer nie interessiert und kaum mach ich mal alles zu, will sie es auf einmal sehen. Ich sagte, dass schon alles in Geschenkspapier eingewickelt ist und das ich es nicht aufmachen will, es sind wirklich und ganz ehrlich nur Geschenke drin, großes Ehrenwort. Gut. Sie spielte ihren zweiten Trumpf aus: Braunes Klebeband darf man nicht verwenden. Häh? Wie bitte, was soll denn der Müll jetzt. Ich war schon restlos genervt, als sie mir sagte, ich soll hinter den Schalter kommen. Gut, bin ich eben dahintergedackelt. Dann sagte sie irgendwas von wegen kontrollieren und fing an die Kundin nach mir zu bedienen, eine Finnin, die 6 Pakete hatte. Na Prima. Ich stand derweil blöde hinter dem Schalter rum und goschte ein bisschen. Frau Post wiegte in aller Ruhe Paket Nr. Eins der Finnin und fing dann an, die gesamte Zieladresse gemächlich mit 1 Finger-Suchsystem in den PC zu tippen. Ich wartete darauf, dass sie etwas zu mir sagt, tat sie aber nicht. Fein. Ich fing an, ein bisschen am Klebeband rumzuziehen, weil ich dachte, sie sagt dann was dazu, so von wegen „Aufmachen, bitte“. Sie beachtete mich nicht, sonder wog schön gemütlich Paket Nr. 2 der Finnin und tippte wieder Schildkrötenartig die Zieladresse. Oh Gott, wir hatten schon alle so Hunger und wollten jetzt unbedingt Frühstücken. Ich fing an, das Klebeband so gut es ging zu entfernen, weil ich leider keine Schere noch sonst etwas zum Öffnen hatte. Frau Post kümmerte sich gerade um Paket Nr. 3. Ich fing an zu reissen und zu zerren, weil ich das Paket wirklich gut verschlossen habe. So was blödes. Als ich es fast offen hatte, war Frau Post bei Paket 4 angelangt. Na, kann sich ja nur noch um Stunden handeln. Ich zerriss vor lauter ungeschicktheit auch noch das Paket ein bisschen und mit dem letzten Reiser, hatte ich das Paket endlich offen. Alles klebte irgendwo und überall lag Klebeband rum. Frau Post war nun auch fertig. Sie drehte sich um und sagte: „Oh, jetzt hast dus aufgemacht. Hättest du aber nicht müssen (Grrrr, wieso holt sie mich dann hinter die Theke?) Ach, sind ja wirklich Geschenke. Tja, man weis ja nie, hätten ja auch Drogen sein können“. Klar, ich verschick mal eben 3 Kilo Cocablätter mit der Post. Dann wollte sie irgendwie noch, dass ich das Paket kleiner mach und fin an mit dem Messer rumzuschneiden. Ich versuchte mir einzureden, dass sie es ja nur gut meint und half ihr und machte irgendwelche blöden Witze, damit ich wieder freundlichen rüberkomm. Wir verstanden uns dann doch noch recht gut, als wir zusammen mein Paket zusammenquetschten. Danach beschwerte sie sich jedoch, das sie mit uns schon viel Arbeit hätte. Tja, hätte sie mein Paket in Ruhe gelassen, hätte sie gar keine Arbeit gehabt, aber gut. Bei Joanan fragte sie auch noch mal Skeptisch nach Drogen, öffnen musste sie es jedoch nicht und bei Anika war es ihr dann wohl schon egal, da machte sie gar nichts mehr. Gut.
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Als wir fertig waren, war es halb zwölf. Ade, Frühstück. Wir beschlossen noch schnell zum Busunternehmen Movil-Tours zu gehen, um unsere Fahrkarten für die Fahrt nach Trujillo, zum Visumverlängern in zwei Wochen zu kaufen. Als wir da waren, konnte der Busmann aber leider nichts machen, weil in diesem Teil der Stadt der Strom immer noch ausgefallen war. Ok, sind wir eben wieder zurückgelaufen. Auch in die Geschäfte konnten wir nicht gehen, weil alle Häuser so eng gebaut sind, dass es kaum Fenster gibt und alles zappenduster war. Wir beschlossen wieder in das Restaurant zu gehen, in dem wir das letzte mal schon so gut gegessen hatten. Gesagt, getan. Die Bedienung, ein vielleicht 16-jähriger Junge, der schon das letzte Mal mein Wasser verplant hat, war auch heute wieder nervös. Als wir unsere Bestellung abgaben, (Thomas wollte Spaghetti Bolognese, Joana und ich Spaghetti Primavera, mit ganz viel leckerem Gemüse und Anika Tortelini) hat er schon ein paar mal nachfragen müssen. Als er dann schliesslich mit dem Essen kam, stellte er Thomas Bolognese vor die Nase und mir Spaghetti Napoli. Als ich zu ihm sagte, ich wollte aber Primavera, meinte er, „si Primavera“. Mhm. Na gut, ich konnte auch Napoli essen, was solls. Ich wollte die Spaghetti gerade nehmen, da fiel dem Jungen das Tablett runter. Mit einer Schüssel voller Spaghetti Napoli. Und zwar auf meinen Rucksack. Oh, oh. Zum Glück hat er nicht mich getroffen, das wäre nämlich eine ganz schöne sauerei geworden. Der arme war ganz unglücklich und wusste gar nicht was er machen soll. Ich glaube er hätte beinahe geheult. Dann hat er Kehrschaufel und Besen geholt und so gut wies ging sauber gemacht. Ich säuberte meinen Rucksack mit Servietten. Nun war er erst recht verplant und traute sich auch gar nicht mehr zu uns. Irgendwann kam dann der Chef des Hauses und brachte unser Essen (schon wieder Spaghetti Napoli) und entschuldigte sich nochmal. Wir versicherten ihm, dass es nicht so schlimm sei, weil wie befürchteten, dass er den Jungen bestraft. Anika bekam dann auch Spaghetti Napoli, die sie Joana gab, weil wir dachten, er hätte einfach Primavera mit Napoli vertauscht. Anika musste dann am längsten warten und bekam: Unsere Primavera. Toll. Als sie sie dann aß, war es für mich fast schlimm, weil ich mich so sehr auf diese Primavera gefreut habe und sie dann nicht haben konnte. Aber Anika lies mich dann ein bischen mitessen weil die Portion echt rießig war. Wir gönnten uns noch eine Nachspeise (und unser kleiner Bedienungsverplaner konnte gar nicht glauben dass wir bei ihm tatsächlich noch was bestellen) und gaben dann, weil wir Angst hatten, dass er die Portion die er runtergeschmissen hat von seinem eigenen Geld zahlen muss, viermal so viel Trinkgeld wie normal, womit die Portion abgedeckt war und er trotzdem noch ein bisschen Trinkgeld übrig hatte. Es ist eben bisher das beste Restaurant das wir gesehen haben und das muss auch belohnt werden.
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Im Internetcafe funktionierte diesmal alles, was wirklich ein Wunder war. Das erstemal überhaupt, dass keiner Probleme hatte. Als wir zurück zum Colectivostand gingen, bemerkten wir, das morgen ein Bus nach Chavin (Touristenort) fahren würde und wir beschlossen, wenn Milton keine Zeit hatte uns die Aussicht von Huaraz zu zeigen, was er eigentlich vorhatte, dorthin zu fahren. Cool, wir freuten uns schon wie die Schnitzel.
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Beim Abendessen erzählten wir Milton davon. Er war dann ziemlich kurz angebunden und sagte nur immer „wenn ihr es wünscht, dann könnt ihr da schon hinfahren“. Da wir ursprünglich mal zusammen fahren wollten, fragten wir ihn, ob er mit will. Nein, er könne nicht, weil er schon was vorhat. Wir fragten ob wir es verschieben und dann zusammen fahren sollen. Nein, wenn wir es wünschen, geht das schon. Auch als wir fragten ob es ihm irgendwie was ausmacht, sagte er zwar Nein, wirkte aber so, als würde es wohl was ausmachen. Aber gut, wenn er sagt es geht, dann machen wir es auch. Abgemacht. Joana fragte den ungesprächigen Milton daraufhin, was er denn morgen mache. „Ach“, druckste er rum, „ ich geh morgen auf so eine Taufe“. Taufe? Da war doch was.... Scheiße, die Taufe, auf die Angel uns eingeladen hat. Da sollten wir natürlich schon hin. Das haben wir total vergessen. Drum war er so komisch. Oh Mann. Wir sagten ihm, dass wir natürlich schon zur Taufe kommen würden. Aber Milton war schon wieder zu höflich, nein, nein, wenn wir lieber nach Chavin wollen, können wir da schon hin. Wir: „nein, wir gehen zur Taufe“, Er: „nein, wenn ihr das machen wollt, geht nach Chavin“. Nach ungelogen 15x hin- und her glaubte er uns endlich, das wir zur Taufe gehen wollen und war schon wieder ein kleines bischen besser drauf. Puh, gut das Joana ihn zufällig gefragt hat, was er macht, sonst wäre es ganz schön peinlich geworden, auch Angel gegenüber. Als er immer noch ein bisschen beleidigt war, lästerten wir einfach ein bischen über Ariane, was ihn mächtig aufbaute. Wir waren schon total gespannt. Eine peruanische Taufe. Wir überlegten sogar kurz, uns noch Röcke zu kaufen, schliesslich muss man sich da doch schick machen. Milton meinte aber, es geht auch so. Na gut. Dann bin ich ja mal gespannt.

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23.11.08 Barrick und Borrachos
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Heute war also die Taufe. Um 11 sollte die Messe losgehen und ich war schon ganz gespannt. Zuerst musste ich aber meine Wäsche waschen, weil es in letzter Zeit immer gerade dann kein Wasser gab, wenn ich mal Zeit gehabt hätte zum Waschen. Ich packte also alle meine Klamotten, ausser die, die ich anhatte, in einen Bottich und begab mich in Dracos (oder besser Dracinas) Reich. Das Waschen dauerte ewig. Als ich endlich fertig war, musste ich noch abspülen und letztendlich duschen. Endlich gab es mal genug Wasser für all diese Sauberkeitsaktionen. Gleich nach dem Duschen kam Milton um uns zum Frühstücken zu holen. Ich beschloss meine Haare später zu fönen und hab mich auch sonst nicht mehr hübsch gemacht, weil wir ja nur frühstücken. Nach dem Essen, teilte Milton uns mit, dass auf dem Placa de Armas eine Parade stattfinden sollte und wenn wir die sehen wollten, müssen wir jetzt dann gleich gehen. Oh nein, ich war doch noch gar nicht ausgehfertig. Schnell packte ich mir meine volle Kaffeetasse und hastete in mein Zimmer, um mir wenigstens die Haare zu fönen. Ich war grad fertig, da mussten wir auch schon los.
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Noch schnell den Kaffee auf dem Weg zum Hoftor ausgetrunken und ab nach draussen. Heute war mal wieder super Wetter, ich tippe auf 29 Grad. Wir setzten uns vors Rathaus und dann ging die Parade auch ziemlich schnell los. Zuerst mussten sich einige Schüler der größeren Schulen rund um Jangas (Tarica, Paltay, Jangas und nochmal die Privatschule von Tarica) auf den Platz stellen und die Fahnen zeigen. Dazu viel Gelaber von irgendwelchen wichtigen Leuten. Danach mussten sie sich an den Anfang der Straße stellen und nacheinander auf die andere Seite marschieren. Der Marsch war sehr komisch, weil sie nicht wie bei uns, einfach die Beine heben, sondern die Schritte mit weit nach vorne gestreckten Beinen machen und dazu jeweils den gegenüberliegenden Arm auch nach vorne Strecken. Ich konnte mir nicht helfen, ich fand sie sahen aus wie Hampelmänner, aber sie nahmen es sehr ernst und in ihren Schuluniformen und mit den Fahnen, machte das Bild schon was her. Danach wurden auf dem Placa de Armas die Fahnen von Peru und von Jangas gehisst und es wurde die Nationalhymne gesungen. Schön. Ich dachte wir könnten dann gehen, weil es schon halb elf war und ich mich noch umziehen und ein bisschen frisch machen wollte. Aber Milton wollte noch bleiben, weil es noch irgend eine Parade mit den typischen Trachten geben sollte. Na fein. Die Parade begann. Es war wirklich ganz interessant anzuschaen, weil sie auch Festwagen gebastelt haben. Im Grunde war aber alles nur eine riesen Propagande für Barrik, die Miene hier, mit der irgendwelche Kanadier viel Geld machen und die Peruaner natürlich vernachlässigt werden. Milton erklärte uns auch, dass alle die in der Parade mitgehen bezahlt werden, weil sonst nämlich keiner mitgemacht hätte.
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Als die Parade dann vorbei war, war es schon fünf nach elf. Wir hasteten nach Hause und ich zog mein noch nicht ganz trockenes T-Shirt an und machte mich fertig. Dann gings ab in die Messe. Wir fühlten uns ein wenig unwohl, weil wir ja eigentlich mitten in die Messe platzen. Als wir aber da waren, merkten wir, dass es kein Problem ist, da in der Messe ein ständiges kommen und gehen war. Es waren eh zu viele Leute für die paar Kirchenbänke da und die Kinder, aber auch ein paar Erwachsene gingen mal wieder raus und rein, oder liefen vor und zurück. Ansonsten war aber alles ungefähr so wie bei uns, zumindest der Ablauf. Nur, dass der Gesang hier viel schöner ist. Es war zwar ohne Orgel, aber irgendwie können die hier alle gut singen. Es war richtig schön zuzuhören und die Lieder sind viel melodiöser und fröhlicher als bei uns. Als die Messe aus war, ging dann die Taufe erst los. Das war ein bisschen anders, weil es nur ein Kind mit ca. einem halben Jahr gab und die anderen beiden Kinder schon 7 waren. Ein Mädchen,das aussah als hätte sie Komunion in ihrem weisen Kleid und ein Junge, der Cousin von Angel, der einen Anzug anhatte. Der Pfarrer war ganz cool und die ganze Zeremonie war ruckzuck vorbei.
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Danach gings nach draussen. Dort standen wir erstmal 10 Minuten rum, Milton, Angel und wir vier deutschen. Alle anderen standen vor einem Haus rum und tranken Bier (es war 12 Uhr Mittags). Irgendwann gingen wir dann doch, natürlich nicht ohne am Zwiederladen vorbeizukommen und dort einen Kasten Bier für den Vater des Kindes zu kaufen (wir hatten übrigens nichts für das Kind). Dann gingen wir in eine Gaststätte in Jangas, die einen wunderschönen Garten hatte, wo die Feier stattfand. Angel wurde gleich eingezogen zum helfen und wir anderen pflanzten uns unter einem Avocadobaum um einen Tisch herum. Bald brachte Angel uns was zum Essen, zum Glück keine Hühnerkrallensuppe, sondern lecker Reis mit Zwiebeln, Kartoffeln und nur ein bischen ekliges Schweinefleisch und Schafsfleisch. Vom Fleisch aß ich nur wenig, da hier einfach alles mitgegessen wird, was so drin steckt und ich viel Fett und Fasern hatte. Trotzdem war es lecker und es gab total gutes Brot dazu, das Angel gebacken hat (er ist übrigens Bäcker in der Panaderia seiner Eltern). Fein. Danach kam der Vater des Kindes, der schon gut einen im Tee hatte und gab uns eine Runde Pisco zum trinken. Da ich das Nationalgetränk noch nicht probiert hatte, war ich besonders gespannt. Es schmeckt wie weisser Tequila, den ich leider nicht mag, aber er war trotzdem gut für unseren vollgestopften Bauch. Jetzt hätte nur noch eine Nachspeise gefehlt. Das ist aber leider nicht üblich. Wir schimpften Angel, da er doch Bäcker ist und ein kleiner Kuchen genau richtig gewesen wäre. Tja, Pech gehabt. Joana und ich gingen schnell in einen der 1000 Läden von Jangas und kauften Kekse und so eine Art Milka Tender. Fein, alle Bedürfnisse befriedigt.
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Es gab übrigens Freibier und hier trinkt man immer aus kleinen Bechern oder Gläsern. Das ist schlecht, denn man trinkt unwillkürlich schneller und mehr als aus der Flasche. Die Flaschen sind auch ein bisschen größer als bei uns, nämlich 0,65 Liter. Naja, was soll ich sagen, wir tranken alle fleissig und wurden immer lustiger. Hinter unserem Tisch war ein Truthahn angebunden, der ständig die Farbe seines Halses von Weiß auf Rot wechselte (und umgekehrt) was wir super lustig fanden.






Mr. Truthahn






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Irgendwann ging dann das getanze los. Mama-Milton war auch da, mit Nino, Miltons Bruder und er tanzte die ganze Zeit mir ihr, was ich total lieb von ihm fand. Ich wollte auch gern tanzen, weil es mir hier total Spaß macht, die andern drei wollten aber nicht. Nun, es konnte nicht mehr lang dauern bis wir aufgefordert werden, ein paar besoffene ältere Männer vom Nebentisch riefen schon dauernd nach uns. Wir beschlossen Heim zu gehen, es war schon halb fünf und deswegen eine gute Zeit zum verschwinden. Auf dem Heimweg plagte mich das schlechte Gewissen. Irgendwie ist es schade, dass wir immer früher gehen und nie etwas bis zum Schluss durchziehen. Vielleicht sollten wir das einfach mal machen um uns beliebter zu machen (was nicht heisst, das uns keiner mag, aber die Peruaner lieben Partys und wir wollen doch auch geliebt werden).
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Schön angedüdelt kamen wir daheim an und fingen gleich an, unseren Wein zu öffnen. Irgendwie brachte auch jeder Schokolade und Chips an und wir tranken und mampften alles durcheinander und viel zu viel. Der Wein war bald leer und wir öffneten den nächsten. Ich ass dazu auch noch einen ganzen Ranken Weintrauben und danach machten wir uns noch Nudelsuppe. Exakt nach dem letzten Löffel Suppe fing es mir an schlecht zu werden. Oh, oh. Wir beschlossen aber trotzdem nochmal zur Fiesta zu gehen, damit wir nicht als Langweiler dastehen. Also, auf gings. Mittlerweile war es schon dunkel (19 Uhr) und keiner von uns hatte mehr irgendwelche Hemmungen. Nur, das mir schlecht war und ich gleichzeitig dazu auch noch Magenschmerzen hatte. Priml.
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Auf der Party angekommen, wurden wir mit grossem Hallo begrüßt. Es steppte der Bär und alle tanzten. Wir setzten uns und bekamen gleich einen Becher Bier in die Hand. Oh nein. „Sabine, bitte trink, trink wie ein Peruaner (Becher auf Ex)“. Na gut, bevor ich mich schlagen lass. Dann gings los, Milton forderte zum Tanz. Dieser Einladung kam ich trotz allem gerne nach und es machte Spaß. Danach ging es mir noch schlechter, aber ich musste der Ehre wegen, natürlich noch mal wie ein Peruaner trinken. Nächste Tanzrunde. Milton fragte Joana, Nino schnappte sich Anika und Thomas tanzte mit Milton-Mama. Ich dachte mir, „fein, jetzt frägt mich gleich Angel“, der schon so halb auf demWeg war und mich ansah. Kurz bevor er seine Hand hob, sprang auf einmal ein etwas seltsam aussehender Kerl auf mich zu. Ich konnte nicht mal sein Alter einschätzen, keine Ahnung. Gut, tanz ich halt mit ihm. Ich habe gedacht ich muss sterben. In meinem Magen feierten die Trauben eine wilde Party und Mr. Schwereinschätzbar wirbelte mich rum und wurde immr schneller. Ich glaube auch er war ziemlich borracho (besoffen) und er hatte Warzen an den Händen, mit denen er meine umklammerte. Das Lied wollte und wollte nicht enden (die meisten Lieder dauern hier 7 – 10 Minuten) und mir gings immer beschissener. Oh je, oh je. Endlich war es vorbei. Borracho Nr. 1 wollte mich Arm in Arm zu den Stühlen zurück führen, da kamm auch schon Milton, unser Hero und packte mich um mich von ihm weg zu bringen. Anika hatte weniger Glück, zu ihr kam ein noch besoffenerer Kerl (ich nenne ihn mal Borracho Nr. 2) der ihr sagte, sie sei so schön und solle doch mit ihm kommen. Mann war ich froh, dass ich nur Borracho light erwischt habe. Ich entschied, besser mal aufs Klo zu gehen und es war eine gute Entscheidung. Als ich nämlich keine Trauben mehr intus hatte, war ich wieder fit wie ein Turnschuh. Nächste Tanzrunde. Joana hatte die Ehre mit Mr. Borrracho, Nino, der sich wohl ein bisschen verknallt hat, holte sich wieder Anika und ich saß da, da Milton und Angel mit irgend welchen Peruanerinnen tanzten (ich glaube eine war die Cousine von Milton, die uns damals auf der Fiesta mit „Heil Hitler“ begrüsst hatte). Ich saß also auf meinem Stuhl und dachte mir „Toll, jetzt muss ich das ganze Lied rumsitzen“. Aber weit gefehlt: Auf einmal tauchte Borracho Nr. 2 auf und wollte mit mir tanzen. Da ich keinen Bock hatte allein rumzusitzen nahm ich an und dachte mir, so schlimm wird es schon nicht sein. Haha. Borracho Nr. 2 war des englischen mächtig, dem Tanzen leider nicht mehr so sehr. Das erste was er mir, mich unryhtmisch hin und herschiebend, sagte, war „I like your friend“. Ich deutete auf Anika. „Yes, how is her name?“. Ich sagte ihm Anika. Aha, gut. Kurze Zeit später sagte er „I like you“, oh wie schön. Wie ich denn heise. Sabine. Salino? Nein, Sabine. Aha. Deine Augen sind so schön. Ich weis, ich weis. Er wurde immer anhänglicher und ich sendete hilfesuchende Blicke aus. Joana, die mittlerweile mit Thomas tanzte, verstand und machte eine flotte Drehung genau zwischen uns, mit der sie mich da raus zog. Wie gut, jetzt tanzten wir wenigstens ohne Körperkontakt. Aber Borracho 2 gab nicht so schnell auf. „Wo wohnst du?“ kam er an, mit einer Fahne die 100 Meter weit reichte und einer festen Umarmung. Hilfe. Thomas übernahm den Part des Retters und warf sich mit voller Wucht zwischenrein. Zum Glück war das Lied schon fast aus und Milton kam und packte mich auf einen Stuhl. Borracho 2 rief mir noch schnell „I love you“ hinterher und ich musste erst mal lachen. Kaum saß ich zwei Sekunden, mit den anderen beiden Mädels schön eingekreist in einer Schutzmauer von Milton und seinen Freunden, kämpfte sich Borracho 2 zu uns durch und stammelte irgendwas von „sorry und stotter, stotter, stotter, lall“ und ich konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Gottseidank kamen dann von links und rechts Angel und Milton und schafften ihn weg. Die Schutzmauer wurde noch enger und ich konnte schon wieder ganz gut Bier trinken.
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Nächstes Lied. Ich wartete immer noch auf Angel, der noch ausstand, da kam ein Kerl zu mir, der sich vorher mit Thomas unterhalten hatte. Er schien nüchtern und ich nahm gern an. Er hieß Juan und tanzte ganz pasabel. Er konnte sich sogar meinen Namen merken und lies den „schöne Augen“-Spruch los. Als der Tanz zuende war, steckte mir Thomas, das Juan ihm vorher gesagt hat „die Sabine, die täte mir gefallen“ und das er wissen wollte, was „hübsches Mädchen“ auf Deutsch heisst. Aha, so läuft der Hase. Kaum zuendegesprochen, kam er auch schon wieder und forderte mich nochmal auf. Na gut, warum nicht, bin ich wenigstens vor den Borrachos sicher. Nach dem Tanz ging er wieder zu Thomas und sagte wieder etwas über mich, zumindest verstand ich meinen Namen. Heieiei. Anika wurde derweil von Nino belagert, der, laut Milton eine Freundin hat (die wir aber noch nie gesehen haben) und angeblich im Januar heiraten soll (wir wissen aber nicht, ob er uns nur veräppeln will). Das nächste Lied ging los. Ich wollte so gern noch mit Angel tanzen, weil ich einfach noch einen anderen Tanzpartner wollte, ausserdem wollte ich Juan nicht irgendwie Hoffnungen machen, weil er zwar sehr nett, aber keinesfalls mein Typ ist. Das Lied begann und es würde nur noch 5 Sekunden dauern, bis Juan mich wieder fragt, er schaute schon her. Angel fragte derweil Miltons Cousine. Na gut, dann noch mal Juan. Die „Heil Hitler“ Cousine wollte aber nicht und auf einmal packte Milton Angel und schleppte ihn zu mir. Wieso dass denn? Ich war ja eigentlich gut versorgt. Aber na gut, er fragte mich, Milton tanzte mit Joana und Anika und Thomas und Juan blieben sitzen, weil Nino sich jemand anderen geholt hat. Später erzählte mir Thomas, dass Juan total enttäuscht war und dann sagte, er wolle jetzt auch Tanzen. Er hätte dann kurz Anika angesehen und dann gesagt „Nein, nur mit Sabine“. Der letzte Tanz war auch sehr witzig, nachdem es Bier gab, während wir tanzten und Angel meine Hände loslassen musste, konnte ich rumwirbeln wie ich wollte und es wurde richtig wild. Dann kam noch ein anderes Lied, bei dem wir uns alle zusammen an den Händen nahmen (Juan natürlich neben mir) und im Kreis tanzten, was ich total toll fand, weil es fast schon wie unter richtigen Freunden war. Ich war mal wieder überaus verliebt in Peru und fand alles toll.
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Dann war die Fiesta leider aus. Milton schleppte noch das arme Taufkind an, dessen Eltern mittlerweile beide Megabesoffen waren und er musste uns küssen, obwohl er das wohl noch sehr doof fand. Wir gingen heim. Milton wollte noch Nino mitnehmen, aber dieser wehrte sich. Vor unserer Tür gab es noch Verabschiedung von Milton und Angel, die noch irgendwas „privates“ besprechen wollten und wir wankten in unseren Garten. Es war 9 Uhr abends und mir kams vor wie Nachts um 3. Natürlich kann man da noch nicht ins Bett gehen und wir tranken den Rest Wein und redeten. Ca. eine Stunde später, kam jemand unseren Gang hochgewankt. Nino. Er war so besoffen, dass er nicht mal die Treppen richtig hochkam, stellte sich vor uns und hat übelst gelallt. Irgendwie wollte er noch etwas mit uns trinken und deswegen verschwand er wieder, um Bier zu holen. Auf dem Weg nach unten, hätte er sich beinahe noch in einer unserer Hängematten verfangen, die an der Seite hängen, aber er schaffte es dann doch noch heil die Treppen runterzukommen. Eieiei. Wir beschlossen Anika, die schon ins Bett ist, zu wecken, weil sie das einfach nicht verpassen durfte.
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Kurze Zeit später kam er wieder, mit 4 Flaschen Bier. Er setzte sich zu uns und wollte unbedingt, dass wir das Licht ausmachen und eine Kerze anzünden. Als gerade ein Lied auf Thomas Boxen lief und Joana sagte „mach mal lauter“ sagte Nino: „si, ocho, eight, ocho, give me ocho“ und er versuchte mit Thomas einzuschlagen, verfehlte ihn aber. Ich hab mich fast tot gelacht. Nachdem er noch 10x nach einer Kerze fragte, machten wir halt das Licht aus und zündeten die Kerze an. Er erklärte uns, das er es dunkel haben will, weil er Angst hat, das seine Freunde sehen, dass er bei uns sitzt und die dann auch kommen wollen. Aha. Dann wurde es komisch. Er wollte auf einmal irgendwie mit uns ins Maisfeld gehen und uns uns gegenseitig erschrecken lassen, oder irgendwie so in der Art. Das wollten wir natürlich nicht, aber er war ganz begeistert von der Idee. Auf einmal fing er an, uns von irgend einem Horrorfilm zu erzählen, in dem Kinder aus dem Mais kommen. Sehr seltsam. Wir vermuteten, das vieleicht doch ein Kumpel von ihm hier sei, der sich im Mais versteckt um uns zu erschrecken.
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Auf einmal wollte er, dass wir alle die Augen schliessen. Mir war es egal, ich fühlte mich sicher und ich schloss sie auch. Die anderen wussten nicht so recht, Thomas hat die Augen glaub ich aufgelassen. Auf einmal fing er an zu erzählen. Wir sollen uns vorstellen, das wir Kilometerweit gehen. Dann kam irgendwas unverständliches und auf einmal redete er, als ob er nur zu einer Person redet, in der Du-Form. Ich verstand „ich denke immer an dich, du bist in mir, wohin ich auch gehe bist du bei mir, ich fühle für dich“ und so kram. Ich dachte zuerst, er will Anika jetzt eine Liebeserklärung machen, aber es war total seltsam, weil wir ja alle drumrum saßen und alle die Augen schliessen sollten und als ich blinzelte, sah ich, dass er seine Hände verschränkt hatte und nicht etwa ihre Hand genommen hat, oder ähnliches. Dann ging es auf einmal wieder um uns alle vier und um Peru. Das es ein sehr armes Land sei, und die Leute nicht reisen können und das niemand Jangas kennt. Und wir könnten etwas daran ändern, indem wir uns immer an Jangas erinnern und davon erzählen und so weiter. Dann erzählte er irgendwie wieder, wie arm doch alle hier sind und das er so ungerecht bezahlt wird und nur ein viertel vom normalen Lohn kriegt, obwohl er weis, dass es ihm besser geht als anderen. Und das das Leben in Peru schlimm sei. Auf einmal fing er dann zu Weinen an. Ich habe mittlerweile die Augen aufgemacht und ihn angesehen. Er hat mir total leid getan und es war irgendwie total rührend. Irgendwann endete er damit, dass er sich bedankt hat, dass wir ihm zuhören und das eine Kerze Hoffnung bedeutet. Der ganze Vortrag hat ca. 15 Minuten gedauert und es war, als ob er ihn irgendwie auswendig gelernt hat, so total komisch.
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Plötzlich bellte Dolly total laut los und Thomas und Joana sahen wie jemand bei uns im Garten stand. Auf einmal war dieser jemand weg. Wir fragten Nino, wer das gewesen sei, ob es einer seiner Freunde war, der sich im Mais versteckt hat. Er sagte nein und meinte er schaut mal nach. Dann war er ewig verschwungen und auf einmal kam er wieder, mit Dolly auf dem Arm und einem total komischen Lächeln. „Es war mein Hund“, sagte er. Wir meinten, wir hätten aber einen Mensch gesehen. „nein, oder es war meine Mutter, die nach mir sehen wollte“. Aha, die Mutter. Na, klar. Mir machte das jetzt nicht so viel aus, weil ich mir dachte, es ist halt doch nur ein Kumpel, der uns erschrecken will, aber die andern waren schon mehr oder weniger alamiert. Dannfing Nino schon wieder an, über diesen Maishorrorfilm zu reden. Es passierte dann aber nichts mehr und wir setzten uns wieder. Und scheinbar war es wirklich seine Mutter, die nach ihm sah. Auf einmal war er wieder ganz fröhlich und es ging irgendwie mal wieder um Ariane. Ich saß neben ihm und als ich mich hinsetzte, streichelte er mir über den Rücken. Dann sollten Anika und ich aufstehen, weil er schauen wollte, ob wir so dick sind wie Ariane (hab nicht ich gesagt). Wir mussten uns einmal drehen und er befand uns für schlank. Dann sagte er noch „ich habe 2 Königinnen neben mir“. Danke :-)
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Auf einmal kam doch eine Person unseren Gang hinaufgewankt. Milton. Er kam ebenfalls die Treppe kaum hoch und lies sich dann in Thomas seine Hängematte plumpsen. Ich weis leider nicht mehr genau, was er alles gelallt hat, es war schon 1 Uhr nachts und wir wollten ins Bett. Ausserdem war der Abend dann doch irgendwie komisch. Er sagte uns nur noch, dass wir allein nach Cahuish gehen sollten. Ein gutes Stichwort, das wir verwendeten um zu erklären, dass wir langsam ins Bett müssten. Nach ca. 5 Minuten gut zureden, und nachdem wir Nino klarmachten, dass er nicht bei uns im Bett übernachten könne, durften wir dann endlich gehen. Ich war echt ein bisschen verwirrt über das ganze, aber da erinnert man sich mal wieder, dass hier doch nicht immer alles so toll ist, wie es scheint.
fff
Taufgaeste:
ggg

Joana
fff
Thomas
ggg

Anika


Angel


Milton





und meine Wenigkeit