jdjdjdjdj
Milton konnte uns heute wieder nicht begleiten. Er muss jetzt immer Arbeiten und wir gehen halt dann allein, ist ja kein Problem. Also, auf gings nach Cahuish. Wir wollten auch wieder die Mutstunde halten. Als wir ankamen, fragten die Kinder, wo denn „Professor Milton“ sei. Tja, der kommt nicht mehr. Dafür entschied sich dann die Lehrerin in Cahuish unserem Unterricht beizuwohnen. Da bin ich ja mal gespannt. Wir fragten sie, wo wir hingehen können, mann muss rennen koennen und braucht Platz. Sie wusste ein Feld, irgendwo Bergauf. Oh wei. Als sie aus der Tür kam, um mit uns dort hin zu gehen, hatte sie einen Stahlwasserschlauch, wie bei Wasserhähnen dabei. Als wir sie fragten, was sie damit vorhat, sagte sie, dass sei ihre „Peitsche“. Haha, sehr witzig. Wir stapften also los, ca. 50° Steigung, über Stock und Stein. Das „Feld“ war eine Wiese, mit Schatten, wie wir es wollten, da wir bestimmt 30°C hatten, aber leider war es total steil und man konnte sich gar nicht richtig hinsetzen. Die Kinder wollten auch gar nicht, sie waren total aufgeregt, weil die Lehrerin da war. Als sie sich dann ewig nicht setzen und richtig mitmachen wollten, haute sie den Kindern tatsächlich eins mit dem Schlauch drauf. Ich hab gedacht ich seh nicht recht. Oh mein Gott. Die Kinder schien das allerdings nicht groß zu beeindrucken, sie lachten bloß, scheinbar sind sie es gewohnt.
***
Wir spielten wieder, „mein rechter Platz ist frei“. Aber es klappte gar nicht. Die Kinder die dran waren sagten nichts, nachdem ihnen die Lehrerin dann diese Aufgabe abgenommen hat, wollte das Kind, dass als Tier auf den rechten Platz sollte, immer nie dort hin gehen und wenn es, nach einem Klaps mit dem Wasserschlauch dann doch da hin ging, dann ganz normal und nicht als Tier. Wir schauten uns das eine Weile an und waren ziemlich genervt. Irgendwann sagten wir der Lehrerin, dass es ja eben genau der Sinn der Sache ist, dass die Kinder ihre Sätze selbst sagen und dass sie eben auch den Mut haben sollen, sich zwischen andere Kinder (Mädchen zwischen Jungs, usw.) zu setzen und ein Tier vorzuspielen. Das sah sie sogar ein. Irgendwann hat es dann tatsächlich mehr oder weniger geklappt, juchu. Nur manchmal wollte eines der Mädchen sich partout nicht zwischen die Jungs, oder auch nur neben einen Jungen setzen. Heieiei. Einige Tierwünsche waren auch sehr ausgefallen, viele wollten Cobra oder einen andere Schlange, die man halt nicht gescheit machen kann. Wenigstens hats funktioniert. Bei der Runde, bei der jedes Kind aufstehen und sagen muss, wovor es Angst hat, kam leider hier auch nur wenig gescheites raus. Das mit dem Schulterklopfen und klatschen hat hier gar nicht gut funktioniert. Einer unserer 12 – jährigen Schüler, Eliseo, sagte dann, er habe Angst davor „Sex zu machen“. Das zu sagen war wohl so eine Art Mutprobe und es war leider offensichtlich, dass er das ganze nicht so Ernst nimmt. Wir sind dann bald wieder in Richtung Schule gegangen. Während dem Rückweg hat eine unserer Schülerinnen, Sonia, die eh immer recht anhänglich ist, meine Hand genommen und wir haben den ganzen Weg zu zweit „mein Rechter Platz ist frei“ gespielt, wo wir immer abwechselnd den Satz gesagt haben und dann irgend ein Tier nachgemacht haben. Das war süß und hat mich auch wieder versöhnt mit den Kindern. In Cahuish ist es echt schwer, manchmal sind sie die süßesten die es gibt, aber die meiste Zeit sind sie echt fürchterliche, freche Fratzen, es ist die Schule, zu der ich am wenigsten gern gehe. Denen, zumindest den Jungs, mangelt es auch nicht an Selbstvertrauen, sondern am guten Benehmen. Aber die Mädels brauchen uns schon und wir haben ja dort auch noch Computation.
***
Nachdem wir auf dem Bolzplatz noch den „Blindlauf“, mit dem rennen ohne dass man was sieht, gemacht haben und auch dass nicht richtig funktioniert hat, da die Kinder angefangen haben, sich gegenseitig mit kleinen Steinen zu bewerfen, sind wir in Computacion gegangen. Wir wollten heute was besonderes machen: Eine Art Lebenslauf, mit Namen, Alter, Hobby und Namen der Eltern und Geschwister. Das hat ganz gut funktioniert, und wenn ein Kind mal nicht so wollte, oder Mist gebaut hat, konnten wir zusammen das wieder richten. Wenn man nur zu zweit mit einem Kind arbeitet, dann ist es wieder was ganz anderes. Dann sind sie wieder total lieb und man fühlt sich ihnen viel verbundener. Schwierig, schwierig. Naja, jedenfalls haben diese Aufgabe alle toll erledigt und zum Schluss bekam dann jedes Kind sein Foto, das wir für das Schülermemory gebraucht haben, noch im Blatt eingefügt. Bis zum nächsten Mal wollen wir das bei uns ausdrucken und das fanden sie richtig toll.
***
Am Nachmittag hatten wir wieder Spanischunterricht. Yanina hat uns ein riesiges Märchenbuch mitgebracht, aus dem wir eine Geschichte lesen sollten: „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“. Ich verstand die Geschichte richtig gut, aber ich kannte das Märchen ja auch schon. Trotzdem war ich ein bisschen stolz. Danach hatte sie zwei kleinere Bücher für uns, mit der selben Geschichte drin. Wir sollten uns in Zweiergruppen aufteilen und sie würde am Schluss fragen stellen. Wer am meisten beantworten könne, hat gewonnen. Ich war ganz aufgeregt, ist doch klar, dass wir gewinnen. Haha. Wir fingen an zu lesen. Ich verstand so ungefähr gar nix. Die anderen zum Glück auch nicht. Nach 3 Seiten war dann das Kapitel zuende und ich dachte, wir können aufhören. Aber nix, Yanina wollte dass wir die ganze Geschichte lesen, 23 Seiten. Stöhn, das macht ja mal gar keinen Spaß wenn man nix versteht. Es ging irgendwie um einen Hahn, der plötzlich tot war, danach aber beim Hahnenkampf mitmachte und dann starb. Auf jeden Fall habe ich das so verstanden, aber das kann ja dann doch nicht sein. Wir sagten ihr, dass sie keine Fragen zu stellen braucht, weil wir alle 0 verstanden haben. So was blödes. Yanina meinte, sie könne uns die Bücher da lassen, damit wir die Geschichte bis Mittwoch in aller Ruhe lesen und vorbereiten können. OK, guter Deal. Heute haben wir dann nur noch Rumpelstilzchen gelesen, der hier irgendwie „komischer Zwerg“ heißt. Das wars. Abends gab uns Milton nur noch bescheid, dass Angel mal wieder keine Zeit hat um morgen nach Yahua zu gehen. Hmpf. Dafür machten wir dann aber aus, das Milton uns morgen nach Huaraz begleitet, um mit uns die typische peruanische Landestracht zu kaufen. Wir meinten es wäre besser wenn er uns begleitet, da er keine touristenpreise bezahlen muss, so wie wir und wir schauen wollten, ob wir die Sachen dann nicht billiger kriegen. Bin schon voll gespannt, freu mich total auf die Tracht.
25.11.08 Tracht und Todescolectivo
gkkggkgk
Heute ging es zum Trachtkaufen, juchu, juchu. Außerdem sollte Joana endlich die Fensterscheibe für ihr Zimmer bekommen, die schon seit Jahren fehlt. Dazu hat Milton das Fenster erst noch ausmessen müssen. Natürlich nach Peruanerart. Dies geschah folgendermaßen: so was umständliches wie einen Meterstab, oder ein Maßband benutzt Milton selbstverständlich nicht. Nein, er nimmt eine Zeitung und schneidet mit einer Schere die Umrisse des Fensters aus dem Zeitungspapier aus. Was solls, wenn es ein bischen krumm ist, das wird schon passen. Gespannt fuhren wir nach Huaraz. Zuerst sind wir auf den Markt, weil es da an jedem 6. Stand Trachten für Frauen gibt. Zuerst wollten wir die Schuhe kaufen, Jankis, das sind Sandalen, die aus alten Autoreifen hergestellt werden. Der erste Stand hatte nur viel zu große und viel zu kleine Größen. Die Verkäufer sitzen an ihren Marktständen und machen derweil neue Schuhe, indem sie die Reifen zerschneiden und alle notwendigen Utensilien, alles nur aus Reifengummi, hintackern. Ich glaube die Größen schreiben sie einfach auf Gut Glück drauf, weil auch hier natürlich kein Maßband oder ähnliches Verwendet wird. Anika und ich fanden dann doch recht bald welche, aber Joana, deren Fuß sehr dünn ist, waren sie entweder zu weit, oder der große Zeh stand vorne raus. Sogar Thomas fand bald sein Paar Schuhe, nur für Joana gab es keins. Am 5. Stand, der aus einer Plastikplane am Boden, mit haufenweisen Schuhen drauf und einem uralten, zahnlosen Mann bestand, der dahinter Schuhe schnitzte, probierten wir es wieder. Ob er denn Größe 38 habe. Er muss mal nachschauen. Sprachs und spukte aus, praktischerweise genau auf die Schuhe. Ja Pfui deibel. Nein, genau die hat er nicht. Schade. Joana war glaub ich ziemlich froh, weil so Spuckschuhe hätt ich auch nicht wollen. Irgendwann haben wir es aber dann doch geschafft, bei einer ziemlich zwiederen Dame das letzte paar Schuhe zu kaufen.
***
Weiter gehts, zu den Röcken. Noch während Joana Schuhe anprobierte, sah ich mir am Nachbarstand zum Zeitvertreib einen Rock an. Sofort kam eine sehr alte Frau auf mich zugewatschelt, packte mich am Arm und sagte „Mamasita, kauf nicht bei dieser, kauf bei der alten Frau, kauf bei mir“. Hilfe, ich wollte doch blos schauen und jetzt hatte mich die alte fest im Griff und wollte mich zu ihrem Stand schleifen. Ich vertröstete sie auf später, wohlwissend, dass ich nicht mehr zurückkommen werde. Weiter gings. Milton musste immer ein paar Meter vorrausgehen, damit die Verkäufer denken, er will den Rock kaufen und nicht wir. Er ging aber so schnell, dass wir kaum nachgekommen sind und ihm auf den völlig zugestopften Markt dauernd aus den Augen verloren. Irgendwann fanden wir ihn dann an einem Stand, wo er einen recht guten Preis erzielt hat. Zuerst war die Verkäuferin nicht sehr angetan, als sie sah, für wen die Röcke denn eigentlich sind. Aber, nachdem wir jeder 2 Paar kauften, weil wir uns bei den vielen schönen Farben einfach nicht entscheiden konnten, ging sie sogar noch ein bisschen mit dem Preis runter. Super. Fehlten noch Strumpfhosen, Bluse und Strickjacke (Chompas). Milton raßte wieder vorraus, wir schupften alle Peruaner aus dem Weg um hinterherzukommen und ich hätte beinahe ein Schwein über den Haufen gerannt. Nach sehr, sehr langem hin – und her fanden wir dann doch einen Stand der Milton gefiel, obwohl ich keinen Unterschied zu den anderen Ständen feststellen konnte und wir konnten uns noch mit dem Rest eindecken. Als wir fertig waren, fiel mir ein was noch fehlte: Der Sombrero, der Hut also. Mist. Die sind bestimmt nicht so billig. Im selben Laden gab es auch Hüte und ich fing an, sie zu probieren. Ein Stapel stand auf den Boden und diese Hüte gefielen mir am besten, auch wenn sie ein bisschen verschlagen aussahen. Ich wollte einen aufsetzen und schaute erst mal blöde: Die Hüte waren viel zu eng. So ein Teil könnte ich nie den ganzen Tag tragen, ich krieg ihn ja nicht mal auf den Kopf. Joana ging es Gottseidank genau so, ich dachte schon, ich hätte einen zu großen Schädel. Auch alle andern Hüte, die wir probierten, passten nicht. Irgendwann, ich zerrte wieder an dem Hut vom Boden-Stapel rum, kam Milton zu mir und flüsterte mir zu, das diese Hüte nicht zu verkaufen wären, sondern nur zur Reparatur da wären. Ja iih, drum sahen die so wild aus. Bäh. Als wir nach dem Preis der anderen, zu kleinen Hüte fragten, staunten wir nicht schlecht. Sie waren nämlich ganz schön teuer. Ne danke, dann doch lieber ohne.
***
Wir gingen weiter, schließlich fehlte ja noch Thomas. Männer tragen eigentlich nichts weiter, als eine schwarze Hose aus Wolle, eine Weste aus gleichem Material und ein weises Hemd. Und natürlich auch einen Hut. Kann ja nicht so schwierig sein – dachten WIR. Irgendwann, nachdem wir einfach keinen Stand fanden, der dies führt und uns alle, die wir fragten nur entgeistert ansahen, mussten wir feststellen, dass es wohl doch nicht so einfach ist, so etwas zu finden. Bei den Frauen ist es einfach, weil nahezu alle Bäuerinnen, und davon gibt es hier unmengen, immer und zu jeder Gelegenheit in Tracht rumlaufen. Die Männer aber, tragen ganz normale Kleidung. Und deswegen gibt es keine Tracht. Auf der verzweifelten Suche nach einem Ausweg fanden Joana und ich dann sogar noch Hüte, die passten und billig waren. Anika passte leider keiner und Thomas ging, bis auf die Schuhe, ganz leer aus.
***
Wir wollten Milton zum Dank zum Mittagessen einladen und gingen mit ihm wieder in das Restaurant, in dem wir schon 2x waren. Mit dem verplanten Jungen, der Bedient und uns die Spaghettisose, der falschen Spaghetti über den Rucksack gekippt hat. Diesmal würde aber doch bestimmt alles passen, nachdem ihm so ein übles Missgeschick passiert ist. Wir gingen also freudig in das Restaurant und ich freute mich wahnsinnig über die Spaghetti Primavera, die ich ja das letzte Mal nicht gekriegt hab, weil er verplanterweise Napoli gebracht hat. Als er die Bestellung aufnahm, zeigte ich ihm die Karte, sagte „Primavera“, fragte ob das ok sei und freute mich. Das Essen kam auch bald - das der anderen. Nach und nach waren alle am mampfen und ich hatte noch nichts, aber ich dachte mir, das ist bestimmt, weil sie für die Primavera erst noch das Gemüse schneiden müssen. Die andern bekamen auch alle das was sie bestellt hatten und ich wartete gern auf diese superleckeren Nudeln. Irgendwann, waren Thomas und Anika dann schon fertig. Ich nicht, ich wartete nämlich immer noch auf die Spaghetti. Ich fragte ihn was los sei. „Nichts, die Spaghetti kommen gleich“.Ok. Joana und Milton wurden fertig. Ich wartete immer noch. Milton fragte diesmal was mit meinem Essen sei und der Junge sagte wieder „alles in Ordnung“. Nachdem Milton ihn dass dritte Mal gefragt hat (die Teller der anderen waren inzwischen abgeräumt), brachte er tatsächlich mein Essen. Und es waren: Spathetti NAPOLI. Aaaargh. Ich wusste gar nicht was ich machen soll, dass kann doch nicht wahr sein. Wie kann man nur so verplant sein? Sogar ich bin noch eine bessere Bedienung als er und ich bin schon eine ziemliche Niete. Ich nahm also die Spaghetti Napoli, weil ich nicht nochmal eine dreiviertel Stunde warten wollte. Sie waren auch lecker, aber ich hab mich schon so wahnsinnig auf die Primavera gefreut, dass ich echt traurig war. Der Junge war auch ein bissl geknickt, weil mein Gesichtsausdruck nicht gerade der freudigste war, als er mir schon wieder das falsche brachte und er gemerkt hat, dass ich nicht unbedingt „amused“ war.
***
Milton verabschiedete sich nach dem Essen um die Scheibe für Joana zu kaufen. Wir gingen ins Internet. Zuerst sind wir aber noch an der Post vorbei, wo ein Päckchen für mich wartete, ein Geburtstagsgeschenk von meinem Kumpel Max, Juchu! Frau Post baute mich wieder ein bisschen auf und als wir dann schließlich ins Internetcafe gingen, war ich schon wieder besser gelaunt. Allerdings nicht für lang. Wir wollten nämlich dieses Mal ein anderes Internetcafe probieren, weil das Internetcafe unseres Vertrauens, doch nicht sooo der Hit ist. Einer hat immer die A...-Karte, da ein PC kein Word hat, der andere meinen Stick nicht liest, der nächste ständig abstürzt und der letzte nicht richtig funktioniert beim Skypen. Also sind wir in eines, das sich hinter einem Treckingtourladen befindet. Wir waren entzückt, denn jede Maschine hatte eine Webcam. Allerdings war dieser Laden auch fast 3x so teuer, wie die üblichen Internetcafes. Wir probierten es trotzdem. Und bereuten es bald wieder. Das Internet war hier so langsam, dass es wirklich 4 – 5 Minuten brauchte, bis sich eine Seite geöffnet hat. Oh Gott, da bringt die Webcam aber auch nix, da man schon lang aufgelegt hat, bis das Bild übertragen wird. Wir zahlten (ziemlich viel für die 15 Minuten) und gingen in eins, gleich nebenan. Unten fragten wir den Typ, der dafür Werbung machte, ob das Internet denn schnell sei. Hm, ja, er würde sagen, ja. Ok, warum sollte er denn lügen? Wir gingen also in einen winzigen und mit Computern vollgestopften Raum, bei denen aber ebenfalls jede Maschine eine Webcam hatte. Schön. Man kam kaum an seinen Platz, weil der Durchgang viel zu eng war, aber als ich dann doch irgendwann mal angekommen bin, wollte ich meinen PC anschalten. Es ging nicht. Ich probierte es nochmal. Ca 6x. Irgendwann kämpfte ich mich den ganzen Weg zum Besitzer und sagte ihm, es geht nicht. Er kämpfte sich mit mir zurück und drückte auf den Startknopf, meine Erklärung, das hätte ich schon gemacht, gut ignorierend. Dann verschwand er wieder. Toll, jetzt ging natürlich ALLES ganz wunderbar. Nämlich gar nix. Ich kämpfte mich, nachdem ich noch 3 Minuten vergeblich wartete, ob er sich nicht doch nochmal zurückschlägt, eben wieder nach vorne, um ihn zu fragen, ob ich den PC wechseln dürfe. „Wenns sein muss“. Danke. Ich kämpfte mich also zu dem anderen, letzten freien PC und setzte mich. Und, oh Wunder, er funktionierte. Endlich konnte ich daheim anrufen. Ich hörte es auch klingeln und verstand meine Eltern gut. Nur, dass sie leider mich nicht hörten. Mist. Ich steckte also das Headset von hinten auf vorne um und probierte es wieder. Nichts. Ok, dann tausch ichs eben aus. Nichts. Steckte dieses um. Nichts. Ich hörte nur dauernd meine Eltern wurschteln, konnte ihnen aber selber nichts sagen. Bei den anderen war es das gleiche. Also, dann gehen wir eben wieder ins Internetcafe unseres Vertrauens. Da funktioniert es wenigstens bei fast allen.
***
Als wir ankamen, konnte ich auch tatsächlich mit meinen Eltern telefonieren, welch Freude. Danach wollte ich noch an meinem Blog arbeiten. Da das Internet hier, wie man ja leicht rauslesen kann, recht langsam ist, braucht es auch ewig, bis mal die Bilder hochgeladen sind. Ich hatte ungefähr 28 Bilder und machte mich ans Werk. Nach der Hälfte (ich hatte, schlau wie ich bin die Bilder die ich schon hatte natürlich wieder nicht abgespeichert) funktionierte - ich habs ja schon vermisst – auf einmal wieder das Internet nicht mehr. Alles weg. Prima. Heute war echt kein sehr toller Tag. Thomas und Joana sind schon mal zum einkaufen gegangen, während Anika und ich immer noch ewig vor unserer Maschine saßen. Irgendwann, wieder mal nach 4 Stunden, waren wir dann aber doch fertig. Thomas und Anika hatten dann noch irgendwas geheimes zu tun, während Joana und ich die üblichen Sachen im Kitschmarkt besorgten. Endlich konnten wir nach Hause fahren.
***
Im Colectivo war es dann sehr seltsam. Gleich nachdem wir losgefahren sind, wären wir beinahe, ohne jeglichen Grund gegen eine Hausmauer gekracht. Hilfe. Als wir weiterfuhren, bemerkten wir, wie der Fahrer immer wieder etwas zu weit nach Links oder nach Rechts fuhr, was bei der breiten Straße zum Glück jetzt aber nicht sooo schlimm war. Eine junge Frau, die mir gegenüber saß, war bevor wir losfuhren noch total fröhlich und lächelte ständig. Plötzlich bekreuzigte diese sich aber und wurde ganz still und starrte auf den Boden. Eine andere, die zuerst auf den Platz dieser Frau saß, stieg schon bevor wir losfuhren wieder aus. Auf einmal bekamen wir es mit der Angst zu tun. Es deutete alles darauf hin, das der Fahrer boracho, also besoffen wäre. Oh oh. Wir beschlossen, lieber auszusteigen. Als Joana dem Colectivojungen, der immer das Geld einsammelt, sagte, dass wir sofort aussteigen wollen, schaute er uns nur ungläubig an: „Hier? Spinnt ihr? Es ist ziemlich gefährlich hier auszusteigen“. Da hatte er Recht. Wir befanden uns mittlerweile schon ein bisschen außerhalb vom Zentrum, in einem ziemlich gefährlichen, unbelebten Stadtviertel und das war auch noch einer der letzten Colectivos, da wir mittlerweile schon Nacht hatten. Wir sollten also lieber drin bleiben und hoffen, das der Kerl doch nicht besoffen ist. Verdammt. Dazu fuhr er auch noch in einem Affenzahn, das alles zu spät war. Was war denn heute nur für ein bescheuerter Tag? In einem Dorf zwischen Jangas und Huaraz stieg dann ein junger Kerl ein. Während wir fuhren, drehte er sich die ganze Zeit zum Fahrer um, der direkt hinter ihm saß. Auch er sagte, er wolle in der nächsten Ortschaft sofort aussteigen. Die Junge Frau mir gegenüber, starrte weiterhin die ganze Zeit verängstigt vor sich hin. Oh mann, oh mann, in welche Situation sind wir denn hier geraten? Hoffentlich geht alles gut. Als ich aus dem Fenster sah, bemerkte ich, wie der Kerl gerade am Ortsschild von Jangas vorbeiraste. Gottseidank. Ich war noch nie so froh, aus einem Colectivo zu steigen und die anderen genauso. Verflucht. Wir müssen wirklich anfangen ganz genau zu beobachten, bei wem wir einsteigen und bei wem nicht.
***
Abends zogen wir dann natürlich gleich unsere neuen Trachten an. Thomas war schon ziemlich enttäuscht, dass es für ihn keine gab, aber Milton versprach, nochmal mit ihm zu schauen. Wir machten zur Sicherheit auch nochmal mit ihm aus, dass er seiner Mutter sagt sie solle am Donnerstag nicht kochen, weil wir ja da, anläßlich meines Geburtstages, Mittags Kässpatzen für die ganze Familie machen wollten. Ja, ja, er habe es schon gesagt. Na gut.
kkkk
Eigentlich wollten wir heute nach Atupa schon in unserer neuen Tracht gehen, um die Kinder zu überraschen. Aber da Thomas ja noch keine hatte und Anika unvollständig war (Hut), verschoben wir es auf ein ander mal. Milton war wieder nicht dabei und wir hatten uns heute für die Schüler die Rechte der Kinder vorgenommen, die wir ihnen zuerst erläutern wollten und danach sollten die Kinder sie malen. Dazu mussten wir leider im Klassenzimmer bleiben, weil man auf dem Bolzplatz ja schlecht malen kann. Leider war auch hier die Lehrerin ausnahmsweise gewillt, unserem Unterricht beizuwohnen. Sobald Milton nicht dabei ist, meinen Wohl alle, sie müssten aufpassen. Es war echt nervig mit ihr, da sie ständig reinbrabbelte, die Kinder immer wieder dazu aufforderte, dass sie reden sollen und ihnen sagte, wie verklemmt sie doch wären. Sie schüchterte sie alle total ein, weil sie ohne die Lehrerin normalerweise viel munterer waren. Als es ans Malen ging, wurde es noch schlimmer. Wir bildeten 3 Gruppen, mit je nur 3 Schülern, weil leider wieder so viele fehlten. Zuerst war sie mit den Gruppen nicht einverstanden. Bei einer Gruppe, die aus der kleinen Lisbeth (8 Jahre), Maribel (12) und Romario (ca. 14) bestand, meinte sie, man solle tauschen, weil sie alle 3 Geschwister wären und deswegen können sie nicht zusammen malen, weil sie nicht miteinander Reden können. So ein Schmarrn. Genau das ist das Problem, den Kindern wird schon so ein Blödsinn eingetrichtert, dass sie es gar nicht besser wissen, bzw. lernen können. Wir beliesen die Gruppe so und meinten, wir würden es ausprobieren. Dann gings los.
***
Zuerst mussten wir jedem erklären, was sie eigentlich machen müssen. Wir hatten 3 Rechte die sie malen sollten, das Recht auf Liebe, auf Gleichheit und auf Bildung. Das einzige Recht, das sie sofort verstanden, war das Recht auf Liebe. Mit Gleichheit und sogar mit Schulbildung konnten sie rein gar nichts anfangen. Heieiei. Wir erklärten ihnen also lang und breit, was Gleichheit bedeutet und sagten ihnen, sie sollen malen, was ihnen dazu einfällt. Wir haben aber eines nicht bedacht: So läuft das hier nicht. Auf einmal zog jedes Kind sein Schulbuch raus und suchte fieberhaft nach einem Bild, das zu dem Thema passt. Wir meinten, sie sollen sich doch einfach ein Bild ausdenken, aber dafür ernteten wir nur verständnislose Blicke. Als sie dann doch endlich mal anfingen, lief die Lehrerin dauernd durch die Reihen und sagte den Kindern mal wieder, dass sie sich nicht so anstellen sollen, das sie das und das falsch malen und wie sie richtig zu malen hätten. Jedes Kind, das sich jetzt endlich getraut hatte zu malen, hörte sofort wieder auf damit. Arrgh, das ist ja schrecklich.
Verdammt, da fiel mir ein, dass wir ja die Geschichte vom Montag noch lesen sollen, mit dem komischen Hahn. Oh wei, ob wir das noch schaffen ist fraglich. Wir wollten nämlich auch noch kurz ins Internet gehen, das es in Jangas seit neuestem gibt, und es ausprobieren.
***
Daheim angekommen fing es während dem Mittagessen fürchterlich zu Regnen an. So stark regnet es bei uns selten, höchstens wenn es schon 5 Tage furchtbar schwül war. Milton-Mama erfreute uns mit der Nachricht, dass es jetzt bis April so bleiben soll. Juchu, das hört man doch gern. Wie auf Kommando fiel dann auch noch der Strom aus. Ok, das wars dann mit Internet. Mir wars recht, dann konnte ich wenigstens die komische Hahnengeschichte noch lesen. Ich quälte mich also durch die Erzählung. Draußen donnerte es teilweise so heftig, dass die Fensterscheiben wackelten. Wenn ich langsam und konzentriert laß und nur einige wenige Wörter nachschlug, konnte ich die Geschichte echt gut verstehen. Das Hauptproblem sind bei mir die Vergangenheitsformen, die sich noch nicht so eingeprägt haben und deswegen kenne ich auch die Wörter nicht, weil sie in der Vergangenheit stehen und ich sie nur in der Gegenwart gelernt habe. Aber wenn ich mich anstrenge und dann die Form erkenne, dann kann ich doch schon einiges verstehen. Das hat mich ziemlich stolz gemacht. Endlich verstand ichauch den Sinn. Der Hahn starb nicht plötzlich (weswegen die Familie traurig war) und machte später beim Kampf mit, sondern die Familie war nur traurig, weil er beim Kampf mitmachen sollte. Ah. Als Yanina kam, fehlten noch 2 Seiten. Ich las sie noch während des Unterrichts und kam mir vor wie früher in der Schule. Ich konnte dann dafür aber auch alle Fragen richtig beantworten und war mächtig stolz. Danach laßen wir noch ein weiteres Märchen aus dem Märchenbuch, das ich noch nicht kannte. Und ich verstand fast alles! Super, vieleicht ist es jetzt dann doch bald mal so weit, dass es noch „Klick“ macht und wir zumindest fließend Spanisch verstehen. Ich befürchtete schon das wird nichts werden, weil wir 4 Deutschen ja meistens zusammen sind und dann natürlich nur Deutsch sprechen. Aber der Unterricht, den wir halten, hilft uns da natürlich schon auch ein bissl weiter.
***
Abends wollten wir natürlich in meinen Geburtstag reinfeiern. Wir beschlossen Spiele zu spielen, damit wir nicht zu schnell Müde werden, weil wir hier alle Weicheier geworden sind, die schon voll früh ins Bett gehen. Am Dienstag habe ich noch Zutaten für eine Bowle gekauft und mit ein bisschen Sekt wollten wir natürlich um Mitternacht schon anstoßen. Der Abend war sehr lustig, aber irgendwie zog er sich auch ganz schön hin. Kurz vor 24 Uhr spielten wir noch Schülermemory, wo immer Thomas gewann, obwohl ich immer am lautesten ca. 4 verschiedene Namen schrie. Muss wohl noch ein bischen üben. Als es dann endlich Mitternacht war, sangen die anderen Happy Birthday und ich machte den Sekt auf (der einen Kronkorken hatte). Komisch, er roch irgendwie wie Bier. Ich goss ein, hab ich mir bestimmt eingebildet. Als wir den ersten Schluck nahmen, prustete jeder gleich wieder aus. Es schmeckte auch wie Bier. Wie abartig ist das denn? Was hat der Biergeschmack im Sekt verloren? Das Gebräu schäumte auch ziemlich und es bestand kein Zweifel: Das was dort in der eindeutigen Sektflasche rumschwamm, war tatsächlich Bier. Ja, Pfui Deibel. Nicht dass ich was gegen Bier hab, aber wenn man Sekt erwartet... Und außerdem das ist doch total seltsam. Ich schüttete den Rest vom „Sekt“ weg und wir gingen dann auch bald ins Bett. Zum Glück haben wir das ganze nochmal probiert, in der Bowle wär das Gesöff wohl nicht so gut angekommen.
27.11.08 GEBURTSTAG
öööööö
Endlich war es soweit. Mein Geburtstag, auf den ich schon so gespannt war, ist heute! Ich freute mich so auf die Kässpatzen, die wir kochen wollten und auf die Fiesta in Anta, die heute Abend auch sein sollte. Zunächst mussten wir aber erstmal nach Mataquita. Ich habe Milton noch extra scharf darauf hingewiesen, das er dem Knutschrektor auf gar keinen Fall sagen soll, dass ich heute Geburtstag habe. Nicht das der dann noch eine Extrabehandlung für mich hat, so von wegen Einladung zum Kaffee im Lehrerkämmerchen. Buah. Aber Milton konnte gar nichts erzählen, da er nämlich wieder nicht mit kam. Ok, auch gut. Der Hanswurst hätte meinen Geburtstag, von dem wir alle schon seit 3 Wochen ununterbrochen reden, eh beinahe vergessen. In der Früh holte er uns alle zum Frühstück und sagte zu mir nichts außer „Buenos Dias“. Ich dachte mir, „ok“ und wollte gerade umdrehen und in mein Zimmer zurück um den Frischkäse zu holen, da packte er mich noch schnell von hinten und sagte „oh, feliz cumpleanos“. Hm, na gut, gerade nochmal durchgekommen. Das Frühstück verlief normal und wir machten uns dann gleich auf den Weg. Taxi-Roy kutschierte uns nach Mataquita und sagte uns, er wäre heute auch in Anta. Er fuhr uns sogar runter bis zur Schule, was er mit Milton sonst nie macht. So ein Service. An der Schule angekommen, warteten wir dafür ewig vor dem Schultor. Es war kein Lehrer zu sehen und die Schüler hatten einfach keinen Bock jemanden zu holen, der uns aufschliesst. Super, wie nett. Ein mal ist Co-Rektorchen in der Ferne vorbeigelaufen und wir winkten ihm, damit er uns aufmacht. Er winkte aber nur nett zurück. Meine Güte. Irgendwann kam dann doch mal Knutschi und begrüßte uns natürlich herzlich. Diesmal war es aber fast eine normale Begrüßung bei mir und ich glaube, es hat ihm wirklich nicht gefallen, dass ich so strikt „nein“ gesagt habe, als er letzte Woche gefragt hat, ob ich ihn Peru bleiben will. Na gut, ich bin froh drum.
***
Wir hatten zuerst Unterricht in der 4. und 5. Klasse der secundaria, also bei den 17 – 19 jährigen. Es war mal wieder ein rießen Geschieß bis mal alle im Klassenzimmer waren. Leider waren es aber noch nicht mal alle, weil einige sich dafür entschieden, lieber draußen Volleyball zu spielen. Na vielen Dank. Wir fingen also an, über Mut zu reden. Auch sie verstanden angeblich das Wort nicht. Nach einigen Erklärungen von uns, sollte jeder an die Tafel und was zum Thema Mut anschreiben. Die meisten schrieben was falsches hin. Dann ging es um Leichtsinn, das gleiche nochmal. Nein, dieses Wort kennen sie auch nicht, hihi. Über unsere Erklärungen lachten sie auch blos und als einer zugab, er wisse was Leichtsinn bedeutet, gab er auch zu, dass er keine Lust hätte, es den anderen zu erklären. Also gut, so nicht. Wir fragten sie, ob wir mit dem Unterricht aufhören sollen, wenn es sie so wenig interessiert. Keiner sagte etwas. Gut, wer will denn, das wir nicht aufhören? Keiner sagte was, Überraschung. Wir versicherten auch, das es kein Problem sei, wenn sie nicht wollen, nur müssen wir es wissen. Also, was ist nun. Keiner sagte etwas. Ok, wir verkündeten, dass wir ab jetzt keine Selbstvertrauensstunde mehr mit den großen machen werden. Was sie denn sonst gerne machen würden. Zu unserem Erstaunen, gaben einige an, Deutschunterricht von uns zu wollen. Nach einigem hin und her, beschlossen wir es zu versuchen und eine Stunde vorzubereiten. Bin ja gespannt. Es war schon ganz schön enttäuschend, dass sie so gar keinen Bock hatten. Frustriert freuten wir uns auf die 5 + 6. Klasse der Primaria, die eigentlich gerne bei unserem Unterricht mitmachen. 2 Mädels daraus kamen auch schon in der Pause zu uns und fragten wann wir anfangen. Als es dann aber so weit war und endlich mal alle dieser Kinder eintrudelten, fehlten genau diese zwei Mädels. Sie hätten keinen Bock, sagten die andern. Oh mann, was für ein toller Tag. Zum Glück war der Rest der Klasse jedoch aufmerksam und hörte sich die zugegeben recht langweilige Theorie über die Kinderrechte an. Als es ums malen ging, merkte man mal so richtig den Unterschied zu Atupa. Die Kinder schnappten sich die Stifte und malten einfach drauf los. Es machte richtig Spaß zuzuschauen und es ging auch viel schneller. Um 12 waren wir fertig und konnten gehen. Sogar Taxi-Roy stand schon am Schultor und ich war froh, wir wollten doch die Kässpatzen noch kochen.
***
Als wir aber zuhause ankamen, erwartete uns eine Überraschung: Milton Mama hatte gekocht, auch für uns und sie erwähnte auch mit keinem Wort meinen Geburtstag. Sie hat ihn vergessen. Und Milton, diese Pflaume, hat wohl auch die Kässpatzen nicht erwähnt. Na Prima. Ich meinte zu den andern sie sollen nichts sagen und futterte Milton Mamas Essen brav auf. Dann fragten wir blos noch, ob wir nachmittags in die Küche dürften, um für das Abendessen Kässpatzen zu kochen, was sie ohne weitere Reaktion bejate. Hm. Naja, wenigstens gab es dann auch kein Meerschweinchen, wie Milton schon angedroht hat. Eigentlich sollte es Abends ja Pizza von Angel geben, das hat er mir versprochen, aber Milton hat gemeint, der vergisst das bestimmt wieder. Schade. Ich wollte dann noch schnell zum Zwiederladen, richtigen Sekt kaufen. Aber die andern hatten dann erstmal keine Zeit und Thomas hatte wohl keine rechte Lust und auf einmal war ich dann doch ein wenig enttäuscht. Ich wusste zwar dass es blöd ist, aber trotzdem war ich ein bissl traurig und bildete mir ein, dass wohl auch keiner mehr bei mir anrufen würde und alle mich vergessen. Diese Melancholieselbstmitleidsphase dauerte allerdings nicht lang, denn Anika und Joana wollten nur schnell duschen und danach mit mir zum Zwiederladen.
***
Als ich danach endlich richtigen Sekt hatte, braute ich sofort meine Bowle zusammen und sie schmeckte wirklich super. Blöd war nur, das wir nach jedem Glas die Becher wechseln mussten, weil das Wetter sehr schön war und die Fliegen sich auf das pappsüße Getränk stürzten. Wir beschlossen irgend ein Kindergeburtstagsspiel zu spielen und unsere Trachten anzuziehen. Auf einmal waren Joana und Anika weg. Und zwar ewig. Thomas und ich saßen draußen und weil mir nichts blöderes Einfiel und ich nicht wusste was los ist, trank ich eben eine leckere Bowle nach der anderen. Irgendwann, ich war schon recht gut drauf, kamen die beiden dann endlich wieder und verbanden mir die Augen. Ich sollte mit einem Stock auf irgend so ein Kartonteil, das an der Wäscheleine hing, schlagen, wie bei einem richtigen Kindergeburtstag eben.
***
Wurde eh Zeit, die Kässpatzen zu machen. Als wir anfingen zu kochen, kamen Tania und Milton-Mama. Tania kam gleich zu mir her und gra
***
Kaum haben wir uns hingesetzt und zum 1500x „El condor pasa“ auf der rießen Anlage laufen, kam auf einmal Angel an, mit 2 Blechen Pizza, wie süß! Sie war, nach dem vergeigten Kischpatz-Essen natürlich schneller weg als ich schauen konnte, aber auch verdammt lecker. Danach, spielten wir nochmal das Schokoladen-Spiel, diesmal alle zusammen.
***
Wir gingen dann bald vor die Tür, um nach Anta zu fahren. Jetzt stellte sich nur eine Frage: Wer fährt? Miltons Antwort kam schnell und unüberlegt: Taxi-Roy. Da mussten wir ihn leider enttäuschen, Taxi-Roy ist nämlich selbst in Anta und wird bestimmt nicht freiwillig mit uns rumkurven. Dann saßen wir eben da. Und warteten. Mal sollte Nino fahren, dann wieder der Mann von Mari. Wir sagten, wir fahren entweder beim Mari-Mann mit oder gar nicht, weil alle anderen nämlich gut bis sehr gut getrunken haben. Die anderen lachten nur. Da war er dann wieder. Der Leichtsinn von dem wir heute noch gepredigt hatten. Die sind manchmal echt lebensmüde. Irgendwann, wir glaubten schon nicht mehr daran, kam dann endlich Mari-Mann und wir düsten los. Auf der Party angekommen, war es allerdings leider ziemlich enttäusschend. Die Bühne war so doof auf dem Plaza de Armas aufgestellt, das dauernd Blumeneimer, Palmen und Büsche im Weg waren und die Leute viel zu weit auseinander standen. Dementsprechend tanzte auch fast keiner. Ich wollte allerdings schon tanzen, da ich in Partystimmung war.
***
Auf dem Heimweg packten wir noch Angel ein, der sich schon mal auf den, zu Fuß eineinhalbstündigen Weg gemacht hat. Wir beschlossen morgen nicht in die neue Schule zu gehen, da es wenig Sinn hätte, da jetzt dann bald Ferien sind und wir dann gleich mit dem Ferienprogramm anfangen wollen. Na hoffentlich klappt das dann. Als wir dann daheim waren, sah es aus wie bei den Hottentotten. Trotzdem war ich total happy. Es war echt ein super Geburtstag.
28.11.08 Serpostabenteuer und Strohmatratze
lll
Als ich heute aufwachte, fühlte ich mich schon ein bissl platt. So viel zu trinken war ich irgendwie auch nicht mehr gewohnt. Als ich nach draußen bin, stolperte ich erstmal über eine Bank. Sie stand direkt vor meiner Tür. Der Rest dazu sah auch nicht besser aus: Auf dem Tisch standen unmengen Abfall, Brausetüten, Servietten, leere, schmutzige Gläser und Becher und die Schüssel der „Kischpatz“, die total eingetrocknet war, rum. Pfui Deibel. Thomas war schon am aufräumen und ich schloss mich an. Es ging allerdings total schnell, denn Teller gabs ja nicht und die meisten haben aus den Plastikbechern getrunken.
***
Wir wollten so um 11 Uhr nach Huaraz fahren, weil Thomas sein Paket nach Hause schicken und ich nach meinen Geburtstagsgeschenken per Post sehen wollte. Also, auf gings. Wir erwischten einen Colectivo, der nicht mehr ganz der neueste Schrei war. Weil er schon recht vollgestopft war, mussten wir uns auseinandersetzen und ich saß ganz hinten, auf der Achse, quasi. Ein Fehler. Denn dieses Gefährt hat die ganze Zeit komische Geräusche von sich gegeben und ich rechnete fest damit, dass bald die Achse bricht und ich den Boden küsse. Es ist aber dann doch nichts passiert und wir konnten losstarten. Zuerst hatte ich einen kleinen Rekord: Ich bin schon das 3x hinterreinander aus dem Colectivo gestiegen, ohne mir den Kopf zu stoßen. Das hab ich noch nie geschafft! Super.
***
Zuerst wollte Thomas noch ein paar Fotos entwickeln lassen, die er mitschicken wollte. Wir sind also in den Fotoladen unseres Vertrauens und warteten auf die Ausdrucke. Im Fotoladen selber haben sie jetzt schon einen rießen Plastiktannenbaum stehen, natürlich mit bunt blinkender Lichterkette und allem drum und dran. Noch schlimmer war allerdings die Lichterkette, die an der Wand hing, weil diese in einer Tour „Rudolf the red nose reindeer, Jingle Bells, stille Nacht heilige Nacht“ und noch zwei Lieder im quitschigen Piepston dudelte. Um das Bild zu vervollständigen, setzte ein besonders engagierter Mitarbeiter auch noch der Holzfigur, die einen Fotographen zeigt, eine Nikolausmütze auf. Es war haargenau der Weihnachtskitsch, den ich hier auch erwartet habe. Trotzdem ist es total komisch, weil es hier, wenn es nicht gerade regnet, wirklich warm bis heiß ist und das ganze Tannenbaum-Kunstschnee-Zeugsel da einfach nicht dazu passt. Kann immer noch nicht ganz glauben das bald Weihnachten ist, genauso wie es mir an meinem Geburtstag irgendwie komisch vorkam, weil es ja so warm war. Tja. Trotzdem wollte ich schon immer mal Weihnachten im warmen feiern und bin schon voll gespannt. Jetzt aber erstmal auf zum Geburtstagsgeschenk holen.
***
In der Post angekommen, war ich schon ein bissl aufgeregt. Und wer saß da? Frau Alle-Pakete-öffnen-wegen-Drogen. Oh nein. Bei der dauert wieder alles noch ewiger als bei den anderen. Trotzdem setzte ich mein bestes Lächeln auf und schritt an den Schalter. „Sabine, ein Paket für dich“ schallte es mir gleich entgegen. Que bien! Ich sah es auch schon auf der Ablage, auf der die Damen alle Pakete so hinstellen, dass man sie schon beim reinkommen sieht. Zuerst musste ich aber etwas komisches unterschreiben. „Es un paquete grande“ (ein großes Paket) informierte sie mich, als ich sie fragend ansah. Naja, so rießig sah es jetzt auch nicht aus, so wie immer halt. Dann nuschelte sie noch irgendwas, von wegen ich soll irgendwo hingehen. Ich dachte, sie meint wieder hinter den Schalter und verstand nicht ganz. Sie kann mir das Paket doch rüberreichen. Also blieb ich sicherheitshalber erst mal blöd stehen. Sie kümmerte sich derweil um Thomas, der mit Packen beschäftigt war. Als sie dann irgendwann merkte, dass ich immer noch blöde rumstand, sagte sie wieder, ich soll hinter gehen. Ok, ich stellte mich also hinter den Schalter. „Nein“, ich solle in diese komische Halle gehen, aus der immer die Postfrauen kommen. Da ist das Paket, es ist groß. Hä? Aber mein Päckchen steht doch da oben. Na gut, geh ich halt und schau was passiert, wenn sie meint ich hätte ein Paket in der Halle. Oh Gott, oh Gott, wie soll ich das denn finden, Hilfe! Ich wagte mich also durch die großen Türen und schaute wieder mal recht blöde aus der Wäsche. In der Halle standen keine Pakete. Und nun? Auf einmal lief jemand an mir vorbei. Die nette Frau Post, die ich viel lieber mag, als Frau Auspacken. Sie rief gleich: „Sabine, wie schön“. Mehr aber leider auch nicht und dann stempelte sie ihre Karte. Ich stellte mich einfach mal zu ihr, weil ich dachte, sie weiß was Sache ist. Irgendwann sagte sie: „Was brauchst du“. Aha, sie wusste es nicht. Auf meine Erklärung, ich solle irgendwo ein Paket holen, schickte sie mich in ein kleines Büro, in dem 3 weitere Postfrauen saßen. Heieiei, so viele gibt es gleich von denen. Ich ging an den erstbesten Schreibtisch und fragte nach meinem Paket. „Ah, ja“, meinte die Dame und fing an zu kruschteln. Da ich wusste, dass das wie immer dauert, blickte ich mich ein wenig im Büro um. In einer Ecke stand ein Computer, der glaub ich 1990 schon alt war. Hei der Blitz. Ob der überhaupt noch geht? „Unterschreiben“ unterbrach mich Frau Büro-Post. „Hier und hier und hier“. Ich unterschrieb brav. „Datum auch!“. Fein, wenns denn sein muss. „Passkopie zeigen und Passnummer eintragen“. Wie gut, dass ich immer eine Kopie mit mir rumtrage, sonst wärs ganz schön ärgerlich gewesen. Ham wirs jetzt? Nein, Frau Büro-Post musste noch kruschteln. Endlich holte sie irgend einen Zettel raus, teilte mir mit, dass sie die Passkopie behält und ging mit mir zu einem Schrank, den sie öffnete. Im inneren offenbarten sich drei ziemlich ramponierte Päckchen und noch ein paar besser aussehende. Ich hoffte inständig, dass meins bei den besseren dabei war. „Erkennst du deins?“ fragte sie, während sie ein besonders zerknautschtes Paket unter die Lupe nahm. Zum Glück sah ich gleich welches meins war und es war auch noch das größte, Juchu. Ich durfte es dann gleich ohne weiteres Tamtam mitnehmen und watschelte wieder nach draußen. Dort ging ich wieder zum Schalter, ich hab doch da noch das andere Päckchen stehen. Hinter dem Schalter standen nun Frau nette Post und Frau Auspacken. „Hast du dein Päckchen?“ fragte Frau Auspacken. Ja. „Du hast aber noch eins, Sabinita“, schrie Frau nette Post aber sogleich dazwischen, noch bevor ich fragen konnte. Stimmt, also her damit. „Du bekommst aber viele Pakete“, bemerkte Frau Auspacken mit kritischem Blick. Sollte ich? Oder lieber doch nicht? Na gut, ich lass jetzt die Katze aus dem Sack, wohlwissend, dass es gleich ein Gefühlsfeuerwerk geben würde. „Naja, ich hatte halt gestern Geburtstag und so“. Kaum zuende gesagt, ging das gekreische auch schon los. Frau nette Post rief „Nein, aaah, Sabine, Geburtstag, FELIZ CUMPLEANOS; FELIZ CUMPLEANOS, que bien, que lindo“ und streckte mir ihre Hände durch das kleine Fenster der Sicherheitsscheibe durch (die übrigens totaler Blödsinn ist, da man einfach an der Seite hinter den Schalter gehen kann). Ich glaube, sie wollte mich umarmen, aber da ich schon ihre Hände hatte, wusste ich nicht, ob ich jetzt nochmal hinter kommen soll. Frau Auspacken quetschte auch noch ein dann doch recht freundliches „alles Gute“ raus, was aber in den Freudensstürmen von Frau nette Post sowieso total unterging. Ok. Weil Frau nette Post grad so nett war und Frau Auspacken gerade in der Postfrauenhalle verschwunden ist, wurde es Zeit, Frau nette Post das zu überreichen, worauf sie schon seit meinem ersten Paket wartet: Schokolade. Wir haben auf die Tafel auch noch ein Foto draufgepackt, das Frau Post mit Thomas zeigt, der immer hinter den Schalter kommen muss, um seine Daten am Computer einzutragen, weil er laut Frau nette Post so eine Sauklaue hat. Kaum hab ich es ihr gegeben, ist sie erst recht ausgeflippt. „Oh, wie toll, wie toll, mit Foto“. Sie versprach, das Foto in ihrem Schlafzimmer aufzuhängen, direkt neben dem Bett und wenn jemand fragt, wer der junge Mann ist, sagt sie „Thomas“. Na dann bin ich ja mal gespannt, was Herr nette Post wohl dazu sagt. Wenigstens hat es sie gefreut. Hoffe Frau Auspacken wird jetzt nicht neidisch.
***
Thomas war derweil immer noch am einpacken und ich schleppte meine beiden Pakete zu Anika und Joana, die schon ewig auf einer Bank warteten. Wie sollte ich die beiden Pakete jetzt den ganzen Tag durch Huaraz tragen? Joana meinte, ich solle halt gleich auspacken und wir verteilen dann alles auf unsere Rucksäcke. Gesagt, getan. Es kamen sehr tolle Sachen zum Vorschein, die mir meine Eltern geschickt haben, ein Kissen, Bettwäsche, Bücher (juchu), ein schöner Rucksack von meiner Oma, viel Schokolade und sogar ein Einweck-Kuchen mit Kerzen und Puderzucker. Leider hat der Zoll dieses Päckchen geöffnet und es war alles durcheinander. Aber der Kuchen war wohl noch zu. Sehr schön. Wir stopften alles in unsere Taschen und Thomas war mittlerweile auch fertig. Also, weiter gings. Wir beschlossen, die Sachen die wir den ganzen Kindern zu Weihnachten kaufen wollten (unter anderem einen Packen Stifte für alle, Hefte, Spielzeug und Süßigkeiten) am nächsten Tag zu kaufen, da wir ja schon alle Taschen voll hatten. Also gab es nicht mehr viel zu tun und wir sind ins Internetcafe unseres Vertrauens. Dort musste ich erstmal 53 Geburtstagsemails beantworten und war schon fast mit einer ewig langen Mail an meine Eltern fertig, als Joana aus Versehen an den Stecker meines PCs stieß (der wirklich hervorragend positioniert ist) und alles weg war. Hmpf. Ich fuhr wieder hoch und schrieb den ganzen Käs nochmal. Dann wollte ich noch ein paar Fotos dazu hochladen und dafür den Konfort-Upload im Web.de installieren. Leider hing der PC dann erstmal ewig lang. Als es dann endlich fertig war, war die Mail schon wieder weg. Heieiei. Ich schrieb es also das dritte mal, diesmal gleich auf Word, um es dann nur noch reinzukopieren, falls wieder etwas sein sollte. Diesmal hat es sogar geklappt, jippieh.
***
Nach 3 Stunden Internet wollten wir Essen gehen, in ein Lokal dass im Reiseführer sehr gelobt wird, und dass ein Schweizer mitbetreibt. Dort angekommen, gefiel es uns sehr gut. Der Raum war groß, schön hergerichtet und mit Glasüberdachung, so dass es schön hell war. Eine2-Mann Band aus den USA probte gerade, da sie am Abend einen Auftritt hatten. Das war sehr, sehr laut, so dass wir uns gar nicht mehr unterhalten konnten, wir waren aber auch die einzigen Gäste und wahrscheinlich einfach zu früh dran (es war erst halb fünf am Nachmittag). Die Essenskarte war voll von so viel tollen Sachen, dass ich mich gar nicht entscheiden konnte. Ich bestellte also einen Salat, ist immer gut. Auf einmal bekam ich furchtbare Bauchschmerzen. Am Anfang war es noch ganz leicht, aber als mein Essen dann da war, war es schon fast unerträglich. Ich saß dran wie so ein Trottel, weil es dann ein bisschen besser war, aber nicht mal die Ibuprofen von Joana konnten es besser machen. Dabei hab ich noch gar nichts gegessen, seit dem Frühstück und ich konnte mir wirklich nicht erklären, woher ich jetzt auf einmal so schlimm Bauchweh gekriegt hab. Ich dachte mir, vielleicht lags an gestern, weil ich schon so lang nicht mehr so viel fettes und zuckriges und alkoholhaltiges zu mir genommen habe. Der Salat war total lecker, aber geniessen konnte ich das alles nicht und war froh, als wir endlich wieder gingen. Wir sind dann auch gleich zu den Colectivos und ich krümmte mich auf den Depperlesitz, weil es der einzige freie Platz war. So eine Überraschung, es war der gleiche klapperige Colectivo wie bei der Fahrt nach Huaraz rein. Diesmal war mir die Quitscheachse allerdings völlig wurscht. Ich wollte nur schnell heim.
***
Als wir endlich da waren, musste ich trotz allem erst mal meine Bettwäsche aufziehen. Leider geht das nicht im eigentlichen Sinne, da ich nur mit Schlafsack schlafe, aber ich konnte meine Matratze ja wenigstens mit dem Spannbettlaken beziehen, das tut eh schon lang mal Not. Da mein Bett, bzw. meine Matratze aber leider völlig unnormal und abartig ist, passte das Spannbettuch nicht drüber. Och mensch. Eher zum Spaß versuchte ich dann, den Bezug für die Decke drüberzuziehen und es klappte sogar. Auch gut. Die Matratze drehte ich bei dieser Gelegenheit dann noch schnell um, da sie eine etwas ungesunde Form hat: Vorne und Hinten ist die Schaumstoffmatratze noch genauso dick wie früher. In der Mitte aber, beträgt sie ungefähr noch ein Drittel, wobei aber die linke Seite noch weiter unten ist als die rechte, so dass ich immer in einem Loch schlafe und dabei auch noch gegen die Wand gequetscht werde,da ich von rechts nach links rutsche. Ich hab schon seit ewigkeiten Kreuzschmerzen und wollte nun mal schauen, ob es andersrum besser klappt. Es war noch schlimmer. Verdammt. Am liebsten würd ich das Ding wegschmeissen. Als ich wieder umdrehen wollte (Joana half mir immer) kam mir eine andere Idee: Ich hatte unter dem Schaumstoffmonster noch eine alte Strohmatratze, die Milton Mama wohl nur druntergelegt hatte, damit ich mit dem Schaumstoffteil nicht durch den viel zu weiten Gitterrost krache. Ich legte mich also einfach nur auf die Strohmatratze. Sie war zwar etwas härter, aber.. Sie ist gerade wie ein Brett. Also, Bettbezug wieder vom Schaumstoffmonster runter und nun zu dritt, auch noch mit Hilfe von Thomas, weil das Strohding echt Tonnen wiegt, den Bezug über eben dieses gezogen. Passte sogar noch besser. Und durch die verschliessbaren Knöpfe bin ich auch noch bestens von den Flöhen und was sich sonst noch so im Stroh tummelt, geschützt. Ich konnte es gar nicht erwarten, endlich mal eine Nacht zu schlafen und zu schauen, wie es so ist. Mein Bauchweh war auf einmal auch wie weggeblasen. Prima.
29.11.08 verzweifelte Suche und ...
Heute früh wachte ich auf und – alles wunderbar. Kein Kreuzweh, nichts. Das ich da nicht schon früher darauf gekommen bin. Naja, wenigstens ist es jetzt viiieeel besser. Beim Frühstück erklärte uns Milton, das wir am Sontag jetzt doch nach Chavin fahren, wo wir ja eigentlich schon am Tag der Taufe hinwollten. Jippieh, voll cool . Da wir heute Samstag und somit wieder frei hatten (eigentlich sollten wir zu einem alten Ehepaar, dem wir im Haushalt helfen sollen, das ging aber nicht, weil in Angels Familie schon wieder Party war. Heute allerdings ging es um den einjährigen Todestag seines Opas, wo nach der Messe, genauso wie bei der Taufe, eine Mordsparty mit Essen, Alkohol und Tanz gefeiert wird. Das ist hier wirklich so!), wollten wir nochmal nach Huaraz, endlich mal die Geschenke für die Kinder kaufen. Da Joana heute dran war mit Bauchschmerzen, blieb sie hier und wir 3 anderen fuhren los. Zuerst sind wir in den Kitschmarkt um 10 Puppen und 10 Autos für die Klasse in Mataquita zu kaufen, wo uns der Lehrer letzte Woche gefragt hat, ob wir ihnen nicht was schenken könnten, da er zu wenig Geld hat um für alle etwas zu kaufen.
***
Dann wollten wir endlich für Thomas nach einer Tracht schauen. Milton konnte leider nicht mit, wegen der Todestagsparty. Also sind wir allein durch den richtigen Markt (nicht Kitschmarkt) in Huaraz gelaufen, wo wir unsere Tracht ja auch gekauft haben. Wo wir auch fragten und schauten, es gab keine Tracht für Männer. Die meisten schauten uns einfach nur völlig entgeistert an, weil so eine Tracht scheinbar kein Mensch mehr kauft. Hm, nicht gut. Wir kamen auch an dem „Stand“ von dem uralten Mann vom Dienstag vorbei, wo man sich die Reifenschuhe kaufen konnte, die er davor noch bespuckt hat. So ein Glück, der weiß doch bestimmt, wo es so etwas gibt. Wir fragten ihn, wo es denn solch eine Tracht für Männer gebe. „Größe 42 ist die größte Größé“ meinte er. Ähm, wie bitte? Wie Größe 42? Wir fragten nochmal nach wo es eine Tracht für Männer gibt. „ 5 Soles, größer als 42 gibt es leider nicht“. Ach so, der wollte uns seine Schuhe andrehen. Nein, die haben wir doch schon, wir suchen nach dem Rest der Tracht, ob er weiß wo es das gibt. „Ich hab die nicht, aber Schuhe bis Größe 42“. Ok, das war wohl aussichtslos. Wir trotteten also weiter. Als der Markt dann irgendwann aus war, sind wir in eine Schneiderei. Wir fragten, wie viel es wohl kostet, wenn man sich die Tracht schneidern lassen will. Es war auf jeden Fall zu viel. Oh ja, sieht wohl schlecht aus. Ich schlug vor, doch mal im Kitschmarkt zu schauen, die haben schließlich alles. Und tatsächlich, ausgerechnet in der Ladenstraße in der Frau Mützenklau residiert, gab es, fast daneben, einen Stand mit einer Frau drin, die die gesamte Tracht für Thomas für weniger als ein fünftel vom Schneiderladen anfertigt. Mittwoch soll sie fertig sein. Juchu, na also, doch alles gut. Dann können wir ja wieder heimfahren. Wir gingen noch schnell zu dem nervösen Kerl, der uns die 50 Packen Stifte verkaufte und fragten diesmal nach Heften für die Kinder. Er war schon wieder ganz aus dem Häuschen und zitterte uns die Hefte runter. Waren natürlich wieder nicht genug, da diesmal jedes Kind 2 Hefte kriegen soll. Er wollte schon wieder loshetzen um den Rest irgendwo zusammenzukaufen, aber wir meinten, es reicht wenn er alles bis Dienstag beschafft. Gut.
lllll
Heute sollte es ja eigentlich nach Chavin gehen. Deswegen standen wir auch schon sehr früh auf und warteten darauf, das Milton uns zum Frühstück holt. Wie beinahe schon erwartet, kam er aber nicht um halb acht, sondern erst um halb neun und überbrachte uns die Nachricht, dass wir nicht nach Chavin fahren, dacht ichs mir doch. Er versprach uns aber dafür, morgen zu fahren. Aber morgen ist doch Montag? „Nein, kein Problem, hab mir der Lehrerin von Cahuish gesprochen, sind ja eh die letzten Tage vor den Ferien, wir können fahren“. Hm, fein. Dafür hatte er heute noch etwas anderes mit uns vor. Nach Honkapampa zu fahren. Ah ja. Noch nie davon gehört. Na gut, wird schon so ein netter kleiner Ausflug werden. Während wir noch frühstückten, rannte er schon die ganze Zeit hin und her und organisierte irgendwas. Als wir dann fertig waren kam er schon ganz aufgeregt angerannt und fragte ob wir jetzt denn endlich fertig seien. Wir fahren nicht alleine, sondern mit Chicos und Chicas aus Jangas. Ja klar, so wie immer, wenn wir mit einigen Chicas und Chicos fahren und dann doch nur Angel und höchstens noch jemand anderes dabei ist. Kaum traten wir aus der Tür, stand Angel auch schon da. Aber nicht nur er, sondern mit ihm ein ganzer Colectivo voll mit Chicos und Chicas. Na so was, unser erster richtiger Ausflug mit den Jugendlichen hier. Die meisten hab ich noch nie gesehen und sie kannten uns auch nicht. Als wir uns reinsetzten gab es schon einen rießen Lärm. „Gut drauf“ war bei dieser Meute sehr untertrieben, sie kreischten und schrien und lachten, als ob es der erste Ausflug in ihrem Leben wäre. Für unterwegs kaufte Milton eine Flasche Wein und nachdem sie ihn sich zu 20. geteilt hatten, meinten sie sowieso, sie wären schon so besoffen. Mit dem klapprigen Colectivo fuhren wir steil Bergauf. Ich schickte mal wieder einige Stoßgebete zum Himmel, dass auch alles gut geht. Nach ca. 45 Minuten wilder Fahrt, kamen wir an eine Absperrung. Über die Straße war eine Kette gespannt und auf ein Haus stand gepinselt: Eintritt: Kinder 1,50 Soles; Erwachsene 3 Soles; Ausländer 5 Soles. Na prima, wie nett. Ich machte mir allerdings keine Sorgen, da wir ja nicht wie die anderen ausländischen Touris rumgefahren sind, sondern mit jeder Menge Peruanern in dem Colectivo hockten. Milton stieg aus, um mit der Dame der Absperrung zu verhandeln. Plötzlich kam sie an, schaute in den Bus und sagte „Aber die vier Gringos zahlen mehr!“. Ich hab gedacht ich hör nicht recht. Das ist ja schon beinahe Diskriminierung. Blöde Gans. Es ging dann irgendwie ewig hin und her und zuerst hieß es, es müssen alle wegen uns die 5 Soles zahlen und irgendwie haben sie es dann doch geschafft, dass die andern 1,50 und wir 3 Soles zahlen müssen. Trotzdem waren wir ziemlich sauer, weil es auch irgendwie unverschämt war. Aber was nützts.
***
Nach weiterem geholper konnten wir endlich aussteigen. Ich hatte meine Wanderschuhe nicht an, dachte mir aber dann, dass das nicht so schlimm sein kann, da alle Mädels die mitgefahren sind, nur so komische hohe Schuhe, die 100%ig nicht zum Wandern geeignet sind, anhatten. Und fast jede von denen war schon mal hier, die müssten es also wissen. Also machten wir uns auf den Weg. Zuerst ging es noch über eine wunderbare grüne Wiese, mit vielen Steinen. Das Bild erinnerte mich total an Irland, die Landschaft, sowie das Wetter stimmten genau mit dem Irland überein, das ich auf meiner Abifahrt erlebt habe. Nur, dass in Irland nicht so krasse Berge drumrum sind. Trotzdem war ich total begeistert, weil Irland mein Lieblingsland ist. Irgendwann war ich aber dann doch eher beunruhigt, weil es auf einmal einen sehr dünnen Pfad steil Bergauf ging. Milton und die Stöckelschuhmädels gingen strammen Schrittes voran, während ich befürchtete mit meinen Turnschuhen bald auf dem nassen Weg auszurutschen. Es ging immer steiler Bergauf und neben uns tat sich teilweise ein schöner Abgrund auf. Es war auch Mordsmäßig anstrengend und obwohl es ziemlich kalt war, schwitzte ich wie schon lang nicht mehr. Heieiei. Der Weg allerdings war die ganze Mühe wert, weil die Landschaft einfach unbeschreiblich schön war. Irgendwann kamen wir in die Nähe eines rießen Wasserfalles. Einen Weg konnte man kaum noch erkennen und um zum Wasserfall zu kommen, musste man über rießige Felsen, die schon in der Erde versunken waren, kraxeln. Dann passierte es: Eine von den Stöckelschuhladys hat es erwischt und sie rutschte aus. Nachdem sie wieder aufstand, rutschte sie wieder aus. Beim dritten mal das gleiche, nur dass ihr Handy nun auch noch im hohen Bogen in eine Spalte segelte. Mei, mei, mei Mädel, das muss man doch wissen, dass man mit solchen Schuhen keine Wanderung macht. Nachdem zwei der Jungs sie fast hochgetragen haben, waren wir endlich am ersten Etappenziel. Der Wasserfall.
***
Irgendwann gings dann auch wieder weiter. Alle Peruanermädels entschieden sich dafür, wieder abzusteigen, weil sie keinen Bock mehr hatten. Wir wollten natürlich weiter und die Jungs kamen fast alle mit. Der Weg wurde noch schöner, aber auch anstrengender und teilweise auch ein bisschen gefährlich. Milton rannte mal wieder voran und auch die anderen hatten einen guten Zahn drauf. Nur wir vier deutschen Flachlandeier, hatten in der Höhe wirklich Probleme und ausserdem war es uns auch zu schnell. Wir baten um eine Pause. Sie wurde uns gewährt. Als wir so da saßen, mussten sie natürlich alle auf irgendwelche Bäume direkt über dem Abgrund, oder an Felswänden hochklettern. Die sind echt alle net ganz bachen. Wir überlegten schon, ob wir unsere Mut-stunde, in der es auch um Leichtsinn geht, mit ihnen halten sollten. Auf unseren Tadel hin, meinte Milton nur: „wir sind Peruaner“. Ach so, ja das erklärt alles. Irgendwann war der Weg dann aus und wir konnten wieder nach unten. Nun haben sie sich aber eine andere Strecke überlegt und es wurde diesmal richtig gefährlich. Teilweise gingen wir viel zu Nah an der Schlucht entlang, oder es bestand einfach abrutschgefahr, weil alles so steil und Nass war.
***
Endlich, nachdem er zustimmte, dass es nur ganz klein ist, gings weiter. Zur Abwechslung wurde es mal wieder gefährlich. Und zwar richtig. Es gab nämlich keinen Weg mehr. Nur noch Felsen auf der einen Seite und Abgrund mit Wasserfall auf der anderen. Wir balancierten auf einem ca. 1 Meter breiten Pfad dazwischen, was ja noch ok war. Nur, dass der Pfad auf einmal unterbrochen wurde und zwar von einem 2 Meter breiten Abgrund. Um auf die andere Seite zu gelangen, musste man sich an der Wand entlang drücken, auf einem kleinen Vorsprung, der vieleicht 30 – 40 cm breit war. Ja Pfiati Gott. Ok, jetzt hatte ich auch Angst. Nicht aber unsere starken Männer. Angel schaffte es irgendwie rüber, packte mich und ich wollte schon losbalancieren, da kam auch schon Jésus angesprungen, rief „No!!“ und nahm mich an der anderen Hand. Auf der anderen Seite hatte ich nun Angels Hand und so sollte ich da rüberkommen. Ich schaffte es bis zur Hälfte, mit den Rücken zum Abgrund. Dann kippte ich nach hinten. Für einen kurzen Moment dachte ich, jetzt gehts abwärts. Aber dann war ich schon wieder fest im Griff und kam irgendwie heil auf die andere Seite. Puh. Wies den andern erging weis ich leider nicht, aber wir sind auf jeden Fall alle heile angekommen. Mann, mann, mann. Milton lachte nur und meinte: Abenteuer auf Peruanisch.
***
Nachdem wir noch eine abenteuerliche Flussüberquerung hinter uns hatten (dort war die einzige Gefahr allerdings nass zu werden) kamen wir bei den Ruinen an. Die andern Jungs interessierte das gar nicht und so gingen nur Milton, Angel, wir vier deutschen und so ein Knabe, dessen Namen ich gar nicht wusste dort hin.
fffffffff
***
Irgendwann fing es dann zu regnen an und wir gingen zum Colectivo. Die Heimfahrt war noch lauter und wilder. Alle Insassen in dem Bus waren mindestens 21 Jahre alt, es ging jedoch zu, als wäre eine 5. Klasse unterwegs. Einer fand es besonders witzig immer wie ein Hahn zu krähen, während die anderen immer jedem die Mütze vom Kopf zogen und sie rumschmissen. Thomas saß vorne auf dem Beifahrersitz, zusammen mit einem Mädel und die haben sie dann auch die ganze Zeit verarscht, weil sie neben einem Kerl sitzt. Huh. Irgenwann wurfen sie dann auch noch mit Socken rum und der Colectivofahrer warf sie dann, als sie auf ihm landeten, ganz cool aus dem Fenster. Naja, es war vieleicht etwas zu krass, wie die sich alle aufführten, aber lustig war es auch und sie waren ja alle auch sehr nett.
***
Später wollten wir das hochgepriesene neue Internet in Jangas ausprobieren. Wir wollten wegen unserer Reise nach Trujillo, die wir am Freitag beginnen, noch eine Mail an eine Hospedaje schicken, sonst nichts. Als wir starteten, baute sich die Startseit recht schnell auf und wir waren schon happy, weil es hieß, dass es sehr langsam wäre. Dann wollte ich mich bei Web.de einloggen. Während die Seite sich aufbaute, schaffte ich 2 Runden Solitair am PC. Als es endlich so weit war, hieß es, Fehler auf der Seite, kann nicht angezeigt werden. Toll. Beim nächsten Versuch, schrieben Anika und ich schon mal die Mail in Word, um sie dann nur noch reinkopieren zu müssen. Auf Web.de zeigte es dann auch tatsächlich die Startseite des E-mailaccounts an, als ich jedoch auf „E-Mail schreiben“ geklickt hab, konnte ich in der Zwischenzeit nochmal eine schöne Runde Solitair spielen. Nach 15 Minuten kam dann wieder die Meldung „Fehler auf der Seite“. Me-h-ensch, dann eben nicht. Wir beschlossen aufzugeben. Noch schlimmer waren allerdings Thomas und Joana dran. Sie wollten Bilder vom Hotel anschauen und während wir wenigstens 3x fast so weit gewesen wären, brauchten sie länger als wir, um die Fehlermeldung nur einmal zu kriegen. Tja, war wohl nix mit dem Internetsegen hier. Warten ist ja noch ok,aber wenns dann eh nicht funktioniert, dann hat es ja doch eher wenig Sinn.
***
Daheim wollten wir noch DVD Abend machen. Wir waren aber von unserem Ausflug alle so fertig, dass wir vor dem Fernseher einpennten. Morgen sollte es ja nach Chavin gehen, weswegen wir eh früher aufstehen mussten. Also, ab ins Bett.
