gg
Heute war ein großer Tag. Wir sind endlich nach Jahua gefahren. Ich habe dieses Caserio schon öfters erwähnt, nur hab ich es immer wieder anders geschrieben, weil ich nie genau wusste, wie es genau Buchstabiert wird. Ich glaube aber Jahua stimmt jetzt. Wie auch immer. Wir sollten ja schon ewig mal mit Angel da hin fahren, aber er hatte bisher noch nie Zeit. Heute kam Milton schon um halb neun um uns zum Frühstück zu holen und wir nutzten die frühe Stunde, um zu fragen, ob wir jetzt heute endlich nach Jahua gehen. „Wollt ihr denn gehen?“. Natürlich wollen wir. Wenn wir heute nicht gehen, in der letzten Woche vor den Ferien, dann wird kein Mensch in Jahua wissen, das wir ein Ferienprogramm haben. Beim Frühstück fragten wir ihn nochmal. „Wie wärs mit nächster Woche?“. Er hatte offensichtlich keinen Bock. Aber wir blieben hart und meinten, wenn er nicht mit will, dann gehen wir eben allein. Dann stimmte er doch zu. Um zehn sollte es los gehen. Fein. Ich war immer noch ein bissl platt von der Kolik, aber es ging schon wieder. Mit Taxi-Roy gings nach oben. Jahua liegt fast auf den Weg nach Cahuish und ist nicht ganz so weit weg wie die anderen Caserios. Als wir ankamen, war großes Hallo auf dem Schulhof. Passenderweise war heute nämlich auch noch irgend eine Elternversammlung. Während dieser mussten wir aber erstmal warten. Wir standen ein bisschen bedröppelt im Schulhof rum und die Kinder scharrten sich um uns, um uns zu beobachten. Sie waren alle super süß. Viele Mädchen hatten wieder die Tracht an und sahen einfach nur niedlich aus. Allerdings sind die Leute hier wiederum sehr, sehr arm. Kein einziges Kleidungsstück der ca. 100 Kinder war ohne Risse oder Löcher. Einige hatten Schuhe an, bei denen vorne schon die Zehen raussahen, weil sie schon total kaputt waren. Jedes Kind hatte so trockene Haut, das man sie am liebsten packen und in Creme legen würde. Aber sie waren sehr freundlich und um einiges offener als jetzt z.B. die Kinder in Mataquita. Nachdem wir ca. 15 Minuten begutachtet wurden, wurden wir in den Raum gerufen, in dem die Eltern waren. Der Direktor war total aufgeregt, dass wir in seiner Schule unterrichten wollen. Auf die Frage übrigens, ob die Kinder Ariane kennen (zur Erinnerung: Ariane wollte nicht das wir nach Jahua gehen, weil es ja IHRE Schule ist und sie nicht mit uns Amateuren zusammenarbeiten will) sagten alle „nein“. Der Rektor meinte, sie wäre nur 3x da gewesen und sonst gar nicht. Aha. Aber wir dürfen hier nicht hin. Was solls, wir haben gewonnen und sind jetzt da. Und zwar wöchentlich. Bis April. Jetzt waren wir aber erstmal in den Raum und sollten uns vorstellen. Milton erzählte irgendwas über uns, von wegen, das wir halt Freiwillige sind und ein Ferienprogramm machen wollen. Das einzige was wir gesagt haben, waren unsere Namen. Ich versuchte besonderen Wert auf das „E“ in Sabine zu legen und betonte es deswegen sehr gründlich. Wohl zu gründlich, den die Frauen fingen zu kichern an. Ansonsten war es aber sehr nett, sie haben sehr interessiert gewirkt und scheinen es auch toll zu finden, was wir machen. Einige fragten, ob die Kinder, die in Jangas auf die Schule gehen aber in Jahua wohnen auch kommen dürfen. Claro. Das wars dann auch schon wieder und wir verabschiedeten uns von jedem mit Handschlag. Ungefähr 5 Müttern, denen ich die Hand gab, waren gerade dabei ein Baby zu stillen. Es war auch keine einzige Frau da, die keine Tracht anhatte, bzw. hatte keiner der Eltern noch alle Zähne. Aber die Leute waren wirklich freundlich und einige konnten sich sogar unsere Namen merken. Allerdings hieß ich wieder „Sabina“. Wahrscheinlich haben sie deshalb so gelacht, weil sie dachten, „Sabine“ wäre ein Fehler. Wurscht.
***
Heim ging es wieder zu Fuß. Der Weg war gar nicht so lang und ganz schön zu gehen. Zum Mittagessen gab es heute mal was ganz anderes: Pommes. War voll lecker. Gestern abend haben wir noch mit Milton-Mama ausgemacht, dass wir mit ihr am Sonntag zusammen kochen werden. Da freu ich mich schon drauf. Vieleicht wird es ja jetzt doch wieder besser mit dem Familienzusammenspiel. Nachmittags sind wir dann endlich mal wieder nach Huaraz gefahren. Nach fast 2 Wochen waren wir ganz gespannt, vor allem auf die Post. Kaum stiegen wir aus dem Colectivo aus, riefen schon die ersten „hey Gringas“. Nach einem Besuch beim Hutmacher (die von Thomas und Anika sind immer noch nicht fertig) gingen wir ins Internet. Und dann endlich in die Post. „Es gibt keine Pakete für dich“, informierte mich Frau Post. „Aber einen Brief“. Ui! Cool, das wäre dann mein erster Brief hier in Peru. Von meiner Tante. Eine Weihnachtskarte, jippieh. Ich machte sie gleich in der Post auf. Das wars dann auch schon wieder und wir düsten wieder heim.
***
In Jangas wollten wir noch schnell bei unserem neuentdeckten Lieblingspommesstand vorbeischauen. Auf dem Weg dortin, trafen wir Angel. Wir erzählten ihm, das wir heute endlich in Jahua waren, und ob er denn am Freitag jetzt mal Zeit hat, um mit uns nach Yuanka, in die andere Schule zu fahren. Er meinte, er habe sicher Zeit. Haha, da bin ich ja mal gespannt. Die Frau im Pommesstand freute sich sehr uns zu sehen. Mittlerweile sind wir auch schon so weit, dass wir nicht mehr die Gringo-Preise zahlen müssen, sondern dass Essen für den selben Preis wie die Einheimischen bekommen. Zu den Pommes bekommt man immer leicht eklige, rote Würste serviert. Die lassen wir in einem günstigen Moment immer unbemerkt in einer Tüte verschwinden, um sie dann an Dolly zu verfüttern. Allerdings wurden wir dann gleich zum Essen geholt und ich musste die Tüten schnell heimlich in den Hof stellen. Nach dem Essen dann die böse Überraschung: Der braune hatte die ganze Wurst gefressen. Mist. Wir beschlossen einen ruhigen Abend zu machen und Spiderman anzuschauen.
***
Kaum hatten wir die DVD im Player, kam Milton. Er wollte von uns irgendwie ein weißes Papier. Als wir das hatten, sollte Joana darauf den Namen der Straße schreiben, in der wir wohnen. Milton brauchte das Papier irgendwie für diesen Krippenwettbewerb, der ja jetzt dann statt findet. Er wollte es irgendwo hin heften. Wir begleiteten ihn. Draußen warteten Angel und ein paar weitere Jugendliche, sowie eine Frau mit Warze. Wir liefen zum Placa de Armas auf dem seit ein paar Tagen ein rießiger, kitschiger Weihnachtsbaum aufgestellt ist, mit Geschenken drangebunden
und am Bürgermeisterhaus sind ein leuchtender Weihnachtsmannkopf und Lichterketten mit Musik angebracht, die die ganze Zeit piepsige Weihnachtslieder dudeln. Mit dem Papier wollten sie irgend einen kleinen eingezaunten grünen Platz markieren, auf dem die Krippe aufgestellt werden soll. Zuerst wollten sie den Zettel an eine Palme heften. Natürlich ganz weit oben, damit ihn niemand runter holen kann. Angel, der dünnste von allen, musste sich an die Palme lehnen und ein anderer, dessen Namen ich immer vergesse, stieg auf seine Schultern um den Zettel zu befestigen. Eieiei, das sah ziemlich gefährlich aus. Wieder erwarten, lies sich der Zettel nicht mit dem Klebeband an der Palme befestigen. Mist. Also, Räuberleiter wieder abbauen und Zettel woanders hinmachen. Und zwar an eine Laterne, die zwar einen hohen Sockel hat, was die Jungs aber nicht daran hinderte, wieder eine Räuberleiter zu machen. Diesmal hielt der Zettel sogar. Nur leider konnte ihn keiner Lesen, da mit Rotstift draufgeschrieben wurde, den man von weiter unten nicht sehen kann. Tja. Wir liesen ihn trotzdem hängen. Bin ja gespannt ob der Platz frei bleibt.
Heute war ein großer Tag. Wir sind endlich nach Jahua gefahren. Ich habe dieses Caserio schon öfters erwähnt, nur hab ich es immer wieder anders geschrieben, weil ich nie genau wusste, wie es genau Buchstabiert wird. Ich glaube aber Jahua stimmt jetzt. Wie auch immer. Wir sollten ja schon ewig mal mit Angel da hin fahren, aber er hatte bisher noch nie Zeit. Heute kam Milton schon um halb neun um uns zum Frühstück zu holen und wir nutzten die frühe Stunde, um zu fragen, ob wir jetzt heute endlich nach Jahua gehen. „Wollt ihr denn gehen?“. Natürlich wollen wir. Wenn wir heute nicht gehen, in der letzten Woche vor den Ferien, dann wird kein Mensch in Jahua wissen, das wir ein Ferienprogramm haben. Beim Frühstück fragten wir ihn nochmal. „Wie wärs mit nächster Woche?“. Er hatte offensichtlich keinen Bock. Aber wir blieben hart und meinten, wenn er nicht mit will, dann gehen wir eben allein. Dann stimmte er doch zu. Um zehn sollte es los gehen. Fein. Ich war immer noch ein bissl platt von der Kolik, aber es ging schon wieder. Mit Taxi-Roy gings nach oben. Jahua liegt fast auf den Weg nach Cahuish und ist nicht ganz so weit weg wie die anderen Caserios. Als wir ankamen, war großes Hallo auf dem Schulhof. Passenderweise war heute nämlich auch noch irgend eine Elternversammlung. Während dieser mussten wir aber erstmal warten. Wir standen ein bisschen bedröppelt im Schulhof rum und die Kinder scharrten sich um uns, um uns zu beobachten. Sie waren alle super süß. Viele Mädchen hatten wieder die Tracht an und sahen einfach nur niedlich aus. Allerdings sind die Leute hier wiederum sehr, sehr arm. Kein einziges Kleidungsstück der ca. 100 Kinder war ohne Risse oder Löcher. Einige hatten Schuhe an, bei denen vorne schon die Zehen raussahen, weil sie schon total kaputt waren. Jedes Kind hatte so trockene Haut, das man sie am liebsten packen und in Creme legen würde. Aber sie waren sehr freundlich und um einiges offener als jetzt z.B. die Kinder in Mataquita. Nachdem wir ca. 15 Minuten begutachtet wurden, wurden wir in den Raum gerufen, in dem die Eltern waren. Der Direktor war total aufgeregt, dass wir in seiner Schule unterrichten wollen. Auf die Frage übrigens, ob die Kinder Ariane kennen (zur Erinnerung: Ariane wollte nicht das wir nach Jahua gehen, weil es ja IHRE Schule ist und sie nicht mit uns Amateuren zusammenarbeiten will) sagten alle „nein“. Der Rektor meinte, sie wäre nur 3x da gewesen und sonst gar nicht. Aha. Aber wir dürfen hier nicht hin. Was solls, wir haben gewonnen und sind jetzt da. Und zwar wöchentlich. Bis April. Jetzt waren wir aber erstmal in den Raum und sollten uns vorstellen. Milton erzählte irgendwas über uns, von wegen, das wir halt Freiwillige sind und ein Ferienprogramm machen wollen. Das einzige was wir gesagt haben, waren unsere Namen. Ich versuchte besonderen Wert auf das „E“ in Sabine zu legen und betonte es deswegen sehr gründlich. Wohl zu gründlich, den die Frauen fingen zu kichern an. Ansonsten war es aber sehr nett, sie haben sehr interessiert gewirkt und scheinen es auch toll zu finden, was wir machen. Einige fragten, ob die Kinder, die in Jangas auf die Schule gehen aber in Jahua wohnen auch kommen dürfen. Claro. Das wars dann auch schon wieder und wir verabschiedeten uns von jedem mit Handschlag. Ungefähr 5 Müttern, denen ich die Hand gab, waren gerade dabei ein Baby zu stillen. Es war auch keine einzige Frau da, die keine Tracht anhatte, bzw. hatte keiner der Eltern noch alle Zähne. Aber die Leute waren wirklich freundlich und einige konnten sich sogar unsere Namen merken. Allerdings hieß ich wieder „Sabina“. Wahrscheinlich haben sie deshalb so gelacht, weil sie dachten, „Sabine“ wäre ein Fehler. Wurscht.
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Heim ging es wieder zu Fuß. Der Weg war gar nicht so lang und ganz schön zu gehen. Zum Mittagessen gab es heute mal was ganz anderes: Pommes. War voll lecker. Gestern abend haben wir noch mit Milton-Mama ausgemacht, dass wir mit ihr am Sonntag zusammen kochen werden. Da freu ich mich schon drauf. Vieleicht wird es ja jetzt doch wieder besser mit dem Familienzusammenspiel. Nachmittags sind wir dann endlich mal wieder nach Huaraz gefahren. Nach fast 2 Wochen waren wir ganz gespannt, vor allem auf die Post. Kaum stiegen wir aus dem Colectivo aus, riefen schon die ersten „hey Gringas“. Nach einem Besuch beim Hutmacher (die von Thomas und Anika sind immer noch nicht fertig) gingen wir ins Internet. Und dann endlich in die Post. „Es gibt keine Pakete für dich“, informierte mich Frau Post. „Aber einen Brief“. Ui! Cool, das wäre dann mein erster Brief hier in Peru. Von meiner Tante. Eine Weihnachtskarte, jippieh. Ich machte sie gleich in der Post auf. Das wars dann auch schon wieder und wir düsten wieder heim.
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In Jangas wollten wir noch schnell bei unserem neuentdeckten Lieblingspommesstand vorbeischauen. Auf dem Weg dortin, trafen wir Angel. Wir erzählten ihm, das wir heute endlich in Jahua waren, und ob er denn am Freitag jetzt mal Zeit hat, um mit uns nach Yuanka, in die andere Schule zu fahren. Er meinte, er habe sicher Zeit. Haha, da bin ich ja mal gespannt. Die Frau im Pommesstand freute sich sehr uns zu sehen. Mittlerweile sind wir auch schon so weit, dass wir nicht mehr die Gringo-Preise zahlen müssen, sondern dass Essen für den selben Preis wie die Einheimischen bekommen. Zu den Pommes bekommt man immer leicht eklige, rote Würste serviert. Die lassen wir in einem günstigen Moment immer unbemerkt in einer Tüte verschwinden, um sie dann an Dolly zu verfüttern. Allerdings wurden wir dann gleich zum Essen geholt und ich musste die Tüten schnell heimlich in den Hof stellen. Nach dem Essen dann die böse Überraschung: Der braune hatte die ganze Wurst gefressen. Mist. Wir beschlossen einen ruhigen Abend zu machen und Spiderman anzuschauen.
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Kaum hatten wir die DVD im Player, kam Milton. Er wollte von uns irgendwie ein weißes Papier. Als wir das hatten, sollte Joana darauf den Namen der Straße schreiben, in der wir wohnen. Milton brauchte das Papier irgendwie für diesen Krippenwettbewerb, der ja jetzt dann statt findet. Er wollte es irgendwo hin heften. Wir begleiteten ihn. Draußen warteten Angel und ein paar weitere Jugendliche, sowie eine Frau mit Warze. Wir liefen zum Placa de Armas auf dem seit ein paar Tagen ein rießiger, kitschiger Weihnachtsbaum aufgestellt ist, mit Geschenken drangebunden
sss
17.12.08 Weihnachtspaeckchen und wehe Herzen
17.12.08 Weihnachtspaeckchen und wehe Herzen
sss
Heute war der Tag, an dem wir den Kindern in Atupa ihre Geschenke geben wollten. Zu diesem Zweck schmissen wir uns wieder in unsere Trachten. Milton fand unseren Aufzug mal wieder super witzig, aber uns stört das nicht. Im Colectivo trafen wir den Rektor von Jahua wieder. Und er fuhr mit nach Atupa. Nanu, wieso denn das? Will er uns etwa beim Unterrichten zusehen? Scheint so. Oh gott, und gerade heute hatten wir uns nicht soo vorbereitet, weil wir ja eigentlich die Geschenke blos hergeben wollten und mit den Kindern ein bissl Weihnachten feiern. Mist. Hilft jetzt nichts, da müss ma durch. Auf dem Weg runter zur Schule, bot sich uns schon ein etwas seltsamer Anblick: in dem sonst immer wie ausgestorben erscheindendem Dorf waren heute ziemlich viele Leute unterwegs. Oh, oh, es sah ganz nach einer Fiesta aus. Bitte nicht schon wieder keine Schule. Unten angekommen, wurden wir mit großem Hallo begruesst. Unsere Trachten wurden gebuehrend bewundert und wir passten wunderbar ins Bild. Edith, eine unserer Schülerinnen, lief sogar freudig auf uns zu und umarmte uns. Die Profesora machte sich gerade hübsch und fand unsere Röcke so toll, dass sie sich jetzt auch so einen kaufen will. Schön. Was sollten wir jetzt aber machen? Die Fiesta war irgend eine Art Klausur von den „Elternschulen“. Genau hab ichs nicht verstanden, es ging irgendwie darum, dass die Eltern eben auch unterricht genießen, in dem sie lernen, wie sie ihre Kinder richtig erziehen, oder so in der Art. Deswegen waren heute auch alle Eltern unserer Schüler da. Und Eltern der anderen Schulen, samt Lehrer. Die Professora wollte unbedingt, dass wir an der Fiesta teilhaben. Unterricht können wir heute sowieso nicht machen. Hm. Wir sollten unsere Geschenktüten in einen kleinen Raum stellen und dann mitkommen. Wir sind dann aber doch mit den Kindern auf den Campo. Dort fing Milton auf einmal an, mit den Kindern über Weihnachten sprechen zu wollen. Sie waren wieder viel schüchterner, als an den Tagen, wenn nur wir nach Atupa kommen. Einige Kinder wollten nichts sagen und dann war er richtig ungeduldig. Es gab schon wieder einige Spannungen, weil wir nicht wollten, dass er so mit den Kindern umspringt. Als die Runde beendet war, wollten wir die Geschenke überreichen. Aber Milton meinte, wir sollen bis nach der Fiesta warten. Warum? Weil dann die Eltern Zeit haben und die dabei sein sollen. Warum? Damit sie aufpassen, dass die Kinder die Geschenke richtig nutzen. Aha. Wir setzten es dann doch durch, dass die Übergabe gleich stattfindet. Mit unseren Tütchen gingen wir ins Klassenzimmer, wo die Kinder mit den Eltern warteten.
Nun hielt Milton eine Ansprache, die nicht so ganz mit der Wahrheit übereinstimmte, und dann durften wir endlich die Geschenke in aller öffentlichkeit verteilen. So hatten wir uns das eigentlich nicht vorgestellt und die Stimmung war leider schon wieder gedrückt. Auch bei den Kindern, die sich gar nicht trauten, die Tüten aufzumachen. Die Eltern waren ganz aus dem Häusschen und schleiften uns gleich zum Speisesaal, wo wir was zu Essen kriegen sollten. Allerdings nur wir und keine der Schüler oder überhaupt der anderen. Wir wollten lieber draußen Essen um bei unseren Schülern zu sein. Es gab für uns also 5 Teller. Und leider nur 4 Löffel. Da ich die letzte war, die was gekriegt hat, gab es für mich keinen Löffel mehr. Nachdem ich ne Weile blöde rumstand, begann ich eben das leckere Kartoffel-Weizen-Bohnengemisch mit der Hand zu Essen. Irgendwann kamen dann zwei aufgeregte Mütter angewuselt und brachten mir den rießigen Holzkochlöffel, denn sie noch schnell abgespült hatten. Ich wollte erst sicher gehen, dass sie ihn nicht mehr brauchen, aber sie bestanden darauf, dass ich ihn nehmen soll. Na gut. Ich muss sehr lustig ausgesehen haben, wie ich mit den rießen Teil dransaß. Jedenfalls sorgte es für allgemeine Unterhaltung.
***
Später begannen die Kinder dann auszupacken und sie freuten sich wirlich über die Sachen. Vor allem die Portrait- und Klassenfotos, die jeder bekam, wurden freudig angenommen. Auch die Eltern fanden die Fotos toll. Wahrscheinlich haben sie nicht allzuviele von ihren Kindern. Eine noch recht junge Mutter, fing sofort an, mit dem Ball ihres Sohnes zu spielen und war ganz begeistert. Es hat richtig Spaß gemacht. Dann gings los zur Fiesta. Es war mal wieder alles ein bisschen wirr. Knutschi war übrigens auch da und er war ganz Feuer und Flamme für unsere Trachten. Anika meint, ich habe wohl wieder ein paar Punkte bei ihm gesammelt, weil er mich die ganze Zeit immer von oben bis unten gemustert hat und Sachen gesagt hat, auf Englisch natürlich, wie: „you are britti (eigentlich pretty)“. Super, juchu. Wir pflanzten uns und warteten ab. Zuerst kam irgend ein Lehrer aus Jahua, der eine Ansprache hielt. Dann wurde auf einer unglaublich schlechten Musikanlage unglaublich schlechte Musik gespielt und zwei Mütter aus Jahua fingen an zu tanzen. Nach kurzer Zeit holten sie sich zwei Partner: Knutschi und Thomas. Haha. Jetzt weis er mal wie das ist. Das Lied dauerte ungefähr 10 Minuten und wollte gar nicht mehr enden. Danach kam irgend ein anderer Lehrer einer anderen Schule und musste singen. So ging das dann reihum. Anika und ich verschwanden, als Mataquita an der Reihe war aufs Klo, damit wir nicht aufgefordert werden. Es half aber nichts, weil auf einmal eine Frau angelaufen kam und rief: „Wo bleibt ihr denn, wir warten auf euch“. Na super. Wir beschlossen hinter dem Schulzaun zu bleiben und von dort aus alles weitere zu beobachten. Als Alibi diente uns ein kleiner Junge, der im Sand spielte und mit dem wir vorgeben wollten zu spielen. Leider hatte der kleine überhaupt kein Interesse daran, mit uns zu verkehren. Er setzte sein bösestes Gesicht auf und nahm alle seine Spielzeuge (ein kaputter Plastikbecher und eine lehre Silikonspritzpistole – sehr gesund) aus unserer Reichweite. Keine Chance. Na gut. Dann kam wieder unser Lieblingsteil aller Fiestas: ein Mitarbeiterin von Barrik, der Miene die hier alles verseucht und die Leute ausnutzt und verschenkte Großzügig irgendwelche Hifi-Anlagen. Wir regen uns sehr über Barrik und ihre Methoden auf, aber das gehört hier jetzt nicht rein. Jedenfalls bekam jede Schule so eine Anlage, es wurden tolle Fotos gemacht und wir verzogen uns. Zuvor fragten aber unsere Schüler noch, ob wir nächste Woche auch kommen, bitte, bitte. Das es genau der 24. ist, stört sie nicht. Sie wollen dass wir kommen! Das hat uns echt gefreut. Wir machten uns auf den Heimweg. Taxis fuhren wegen der Fiesta zum Glück ziemlich viele.
***
Als wir gerade den Weg zum Haus liefen, rief auf einmal jemand: „Hola, ähm....... Thomas“. Wer war das denn? Nino, Miltons Bruder! Und er war unglaublich betrunken. „Estoy un poco borracho“ gab er selber zu. Na, ein poco, also wenig, wohl kaum. Was denn los sei, warum er sich schon so früh betrinkt, ob es eine Fiesta gibt, wollten wir wissen. Nein, nein, nur, weil jetzt dann das neue Jahr ist. Ah ja. Wir sollten doch mitkommen und auch mittrrinken. Er legte den Arm um Anika und mich und ging mit. Nein, vieleicht später. „Nix da, später gibt es nicht“. Wir blieben aber hart. Dann bemerkte er unsere Trachten. „Die sind aber schön, Thomas, deine auch“. Als wir ihn fragten, ob er auch eine Tracht besitzt, meinte er: „ja, ich habe viele Anzüge. Ich habe einen Badeanzug und auch einen Schlafanzug. Ich trage nichts“. Oh Gott, er war so lustig, dass ich schon fast nicht mehr laufen konnte. Irgendwann bekamen wir dann doch aus ihm raus, dass er keine Tracht hat. Er erzählte, dass er mit seinem anderen Bruder, Guido, seit 10 Uhr früh trinkt. Warum, bekamen wir nicht raus. Dann meinte er noch zu Joana, dass er doch damals (an der Taufe) mit uns über das „echte Peru“ gesprochen hat. Das war da, wo er geheult hat. Er meinte, er will mit uns nochmal darüber reden. Nüchtern. Bin ja mal gespannt. Irgendwann waren wir dann doch an seinem Haus angekommen. Er fing wieder an, dass wir ja alle drei so schön wären, vor allem in der Tracht. Ein Charmeur ist er ja schon, sogar besoffen. Jeder musste sich einmal an seiner Hand drehen. Dann stellte er sich vor mich und sagte: „Du bist schön“. Das selbe bei Anika und Joana. Thomas bekam leider kein kompliment. Das wars dann und er ist wieder zum weitertrinken gewackelt. Heieiei. Hoffentlich macht er das nicht öfters.
***
Nachmittags gings wieder nach Huaraz. Und: die Hüte von Anika und Thomas waren fertig, Halleluja. Wir glaubten schon nicht mehr daran. Außer ins Internet und zur Post (nichts für mich da) haben wir nichts gemacht und sind wieder heimgefahren. Wir waren nur kurz bei der Freundin, die, deren Mann uns mal heimgefahren hat. Daheim saßen wir grad so draußen rum, als Nino auf einmal wieder anstolperte. Noch betrunkener. Ich freute mich, weil ich dachte, jetzt haben wir wieder viel Spaß. Das war allerdings nicht so, weil er uns auf einmal den Grund für seinen Zustand erklärte: Seine Freundin hat ihn sitzen gelassen. Ich habs natürlich nicht gleich verstanden und dachte er hat gesagt, dass er sich endlich mit ihr verlobt hat. Ich war schon gerade dabei ein „Juchu“ anzustimmen, als ich die bedröppelten Gesichter sah. Oh, der arme. Dann fing er an zu erzählen, dass sie nicht gesagt hat warum und dass er mit ihr reden will und immer auf sein Handy schaut, aber sie nicht anruft. Und dann wurde er wieder poetisch und meine, dass es noch etwas anderes gibt als „querer“ also „mögen“ und das ist „amer“, also „lieben“ und dass das bei ihm so war. Und das er sie so unglaublich geliebt hat und das es was ganz besonderes wär und das übliche halt. Er war schon wieder kurz vorm heulen. Er hat mir so leid getan, dass ich ihn am liebsten umarmt hätte. Nachdem wir ihm anboten, dass er immer mit uns reden könne, ist er ins Bett gegangen. Schade, jetzt gibts auch keine peruanische Hochzeit für uns. Trotzdem fand ichs total schön, dass er zu uns gekommen ist und es uns erzählt hat. Als Milton nämlich kurze Zeit später kam, wusste er nichts davon. Wir fragten ihn, was Liebeskummer auf spanisch heisst. Er wollte wissen wie wir darauf kommen. Als wir ihn fragten, ob er nicht weis warum, sagte er nein. Ich überlegte mir schnell eine Ausrede, von wegen weil „Grupo 5“ immer nur über Liebeskummer singen. Das heisst übrigens: mal de amor. Naja. Vieleicht ist es ganz gut, wenn Nino solo ist, dann ist wenigstens er öfter mal bei uns, nachdem das mit der Familie ja nicht mehr so läuft wie am Anfang. Milton blieb gestern allerdings auch ziemlich lange da. Vieleicht wirds ja wieder besser. Ich hoffe,denn ausziehen will ich eigentlich nicht.
Heute war der Tag, an dem wir den Kindern in Atupa ihre Geschenke geben wollten. Zu diesem Zweck schmissen wir uns wieder in unsere Trachten. Milton fand unseren Aufzug mal wieder super witzig, aber uns stört das nicht. Im Colectivo trafen wir den Rektor von Jahua wieder. Und er fuhr mit nach Atupa. Nanu, wieso denn das? Will er uns etwa beim Unterrichten zusehen? Scheint so. Oh gott, und gerade heute hatten wir uns nicht soo vorbereitet, weil wir ja eigentlich die Geschenke blos hergeben wollten und mit den Kindern ein bissl Weihnachten feiern. Mist. Hilft jetzt nichts, da müss ma durch. Auf dem Weg runter zur Schule, bot sich uns schon ein etwas seltsamer Anblick: in dem sonst immer wie ausgestorben erscheindendem Dorf waren heute ziemlich viele Leute unterwegs. Oh, oh, es sah ganz nach einer Fiesta aus. Bitte nicht schon wieder keine Schule. Unten angekommen, wurden wir mit großem Hallo begruesst. Unsere Trachten wurden gebuehrend bewundert und wir passten wunderbar ins Bild. Edith, eine unserer Schülerinnen, lief sogar freudig auf uns zu und umarmte uns. Die Profesora machte sich gerade hübsch und fand unsere Röcke so toll, dass sie sich jetzt auch so einen kaufen will. Schön. Was sollten wir jetzt aber machen? Die Fiesta war irgend eine Art Klausur von den „Elternschulen“. Genau hab ichs nicht verstanden, es ging irgendwie darum, dass die Eltern eben auch unterricht genießen, in dem sie lernen, wie sie ihre Kinder richtig erziehen, oder so in der Art. Deswegen waren heute auch alle Eltern unserer Schüler da. Und Eltern der anderen Schulen, samt Lehrer. Die Professora wollte unbedingt, dass wir an der Fiesta teilhaben. Unterricht können wir heute sowieso nicht machen. Hm. Wir sollten unsere Geschenktüten in einen kleinen Raum stellen und dann mitkommen. Wir sind dann aber doch mit den Kindern auf den Campo. Dort fing Milton auf einmal an, mit den Kindern über Weihnachten sprechen zu wollen. Sie waren wieder viel schüchterner, als an den Tagen, wenn nur wir nach Atupa kommen. Einige Kinder wollten nichts sagen und dann war er richtig ungeduldig. Es gab schon wieder einige Spannungen, weil wir nicht wollten, dass er so mit den Kindern umspringt. Als die Runde beendet war, wollten wir die Geschenke überreichen. Aber Milton meinte, wir sollen bis nach der Fiesta warten. Warum? Weil dann die Eltern Zeit haben und die dabei sein sollen. Warum? Damit sie aufpassen, dass die Kinder die Geschenke richtig nutzen. Aha. Wir setzten es dann doch durch, dass die Übergabe gleich stattfindet. Mit unseren Tütchen gingen wir ins Klassenzimmer, wo die Kinder mit den Eltern warteten.
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Später begannen die Kinder dann auszupacken und sie freuten sich wirlich über die Sachen. Vor allem die Portrait- und Klassenfotos, die jeder bekam, wurden freudig angenommen. Auch die Eltern fanden die Fotos toll. Wahrscheinlich haben sie nicht allzuviele von ihren Kindern. Eine noch recht junge Mutter, fing sofort an, mit dem Ball ihres Sohnes zu spielen und war ganz begeistert. Es hat richtig Spaß gemacht. Dann gings los zur Fiesta. Es war mal wieder alles ein bisschen wirr. Knutschi war übrigens auch da und er war ganz Feuer und Flamme für unsere Trachten. Anika meint, ich habe wohl wieder ein paar Punkte bei ihm gesammelt, weil er mich die ganze Zeit immer von oben bis unten gemustert hat und Sachen gesagt hat, auf Englisch natürlich, wie: „you are britti (eigentlich pretty)“. Super, juchu. Wir pflanzten uns und warteten ab. Zuerst kam irgend ein Lehrer aus Jahua, der eine Ansprache hielt. Dann wurde auf einer unglaublich schlechten Musikanlage unglaublich schlechte Musik gespielt und zwei Mütter aus Jahua fingen an zu tanzen. Nach kurzer Zeit holten sie sich zwei Partner: Knutschi und Thomas. Haha. Jetzt weis er mal wie das ist. Das Lied dauerte ungefähr 10 Minuten und wollte gar nicht mehr enden. Danach kam irgend ein anderer Lehrer einer anderen Schule und musste singen. So ging das dann reihum. Anika und ich verschwanden, als Mataquita an der Reihe war aufs Klo, damit wir nicht aufgefordert werden. Es half aber nichts, weil auf einmal eine Frau angelaufen kam und rief: „Wo bleibt ihr denn, wir warten auf euch“. Na super. Wir beschlossen hinter dem Schulzaun zu bleiben und von dort aus alles weitere zu beobachten. Als Alibi diente uns ein kleiner Junge, der im Sand spielte und mit dem wir vorgeben wollten zu spielen. Leider hatte der kleine überhaupt kein Interesse daran, mit uns zu verkehren. Er setzte sein bösestes Gesicht auf und nahm alle seine Spielzeuge (ein kaputter Plastikbecher und eine lehre Silikonspritzpistole – sehr gesund) aus unserer Reichweite. Keine Chance. Na gut. Dann kam wieder unser Lieblingsteil aller Fiestas: ein Mitarbeiterin von Barrik, der Miene die hier alles verseucht und die Leute ausnutzt und verschenkte Großzügig irgendwelche Hifi-Anlagen. Wir regen uns sehr über Barrik und ihre Methoden auf, aber das gehört hier jetzt nicht rein. Jedenfalls bekam jede Schule so eine Anlage, es wurden tolle Fotos gemacht und wir verzogen uns. Zuvor fragten aber unsere Schüler noch, ob wir nächste Woche auch kommen, bitte, bitte. Das es genau der 24. ist, stört sie nicht. Sie wollen dass wir kommen! Das hat uns echt gefreut. Wir machten uns auf den Heimweg. Taxis fuhren wegen der Fiesta zum Glück ziemlich viele.
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Als wir gerade den Weg zum Haus liefen, rief auf einmal jemand: „Hola, ähm....... Thomas“. Wer war das denn? Nino, Miltons Bruder! Und er war unglaublich betrunken. „Estoy un poco borracho“ gab er selber zu. Na, ein poco, also wenig, wohl kaum. Was denn los sei, warum er sich schon so früh betrinkt, ob es eine Fiesta gibt, wollten wir wissen. Nein, nein, nur, weil jetzt dann das neue Jahr ist. Ah ja. Wir sollten doch mitkommen und auch mittrrinken. Er legte den Arm um Anika und mich und ging mit. Nein, vieleicht später. „Nix da, später gibt es nicht“. Wir blieben aber hart. Dann bemerkte er unsere Trachten. „Die sind aber schön, Thomas, deine auch“. Als wir ihn fragten, ob er auch eine Tracht besitzt, meinte er: „ja, ich habe viele Anzüge. Ich habe einen Badeanzug und auch einen Schlafanzug. Ich trage nichts“. Oh Gott, er war so lustig, dass ich schon fast nicht mehr laufen konnte. Irgendwann bekamen wir dann doch aus ihm raus, dass er keine Tracht hat. Er erzählte, dass er mit seinem anderen Bruder, Guido, seit 10 Uhr früh trinkt. Warum, bekamen wir nicht raus. Dann meinte er noch zu Joana, dass er doch damals (an der Taufe) mit uns über das „echte Peru“ gesprochen hat. Das war da, wo er geheult hat. Er meinte, er will mit uns nochmal darüber reden. Nüchtern. Bin ja mal gespannt. Irgendwann waren wir dann doch an seinem Haus angekommen. Er fing wieder an, dass wir ja alle drei so schön wären, vor allem in der Tracht. Ein Charmeur ist er ja schon, sogar besoffen. Jeder musste sich einmal an seiner Hand drehen. Dann stellte er sich vor mich und sagte: „Du bist schön“. Das selbe bei Anika und Joana. Thomas bekam leider kein kompliment. Das wars dann und er ist wieder zum weitertrinken gewackelt. Heieiei. Hoffentlich macht er das nicht öfters.
***
Nachmittags gings wieder nach Huaraz. Und: die Hüte von Anika und Thomas waren fertig, Halleluja. Wir glaubten schon nicht mehr daran. Außer ins Internet und zur Post (nichts für mich da) haben wir nichts gemacht und sind wieder heimgefahren. Wir waren nur kurz bei der Freundin, die, deren Mann uns mal heimgefahren hat. Daheim saßen wir grad so draußen rum, als Nino auf einmal wieder anstolperte. Noch betrunkener. Ich freute mich, weil ich dachte, jetzt haben wir wieder viel Spaß. Das war allerdings nicht so, weil er uns auf einmal den Grund für seinen Zustand erklärte: Seine Freundin hat ihn sitzen gelassen. Ich habs natürlich nicht gleich verstanden und dachte er hat gesagt, dass er sich endlich mit ihr verlobt hat. Ich war schon gerade dabei ein „Juchu“ anzustimmen, als ich die bedröppelten Gesichter sah. Oh, der arme. Dann fing er an zu erzählen, dass sie nicht gesagt hat warum und dass er mit ihr reden will und immer auf sein Handy schaut, aber sie nicht anruft. Und dann wurde er wieder poetisch und meine, dass es noch etwas anderes gibt als „querer“ also „mögen“ und das ist „amer“, also „lieben“ und dass das bei ihm so war. Und das er sie so unglaublich geliebt hat und das es was ganz besonderes wär und das übliche halt. Er war schon wieder kurz vorm heulen. Er hat mir so leid getan, dass ich ihn am liebsten umarmt hätte. Nachdem wir ihm anboten, dass er immer mit uns reden könne, ist er ins Bett gegangen. Schade, jetzt gibts auch keine peruanische Hochzeit für uns. Trotzdem fand ichs total schön, dass er zu uns gekommen ist und es uns erzählt hat. Als Milton nämlich kurze Zeit später kam, wusste er nichts davon. Wir fragten ihn, was Liebeskummer auf spanisch heisst. Er wollte wissen wie wir darauf kommen. Als wir ihn fragten, ob er nicht weis warum, sagte er nein. Ich überlegte mir schnell eine Ausrede, von wegen weil „Grupo 5“ immer nur über Liebeskummer singen. Das heisst übrigens: mal de amor. Naja. Vieleicht ist es ganz gut, wenn Nino solo ist, dann ist wenigstens er öfter mal bei uns, nachdem das mit der Familie ja nicht mehr so läuft wie am Anfang. Milton blieb gestern allerdings auch ziemlich lange da. Vieleicht wirds ja wieder besser. Ich hoffe,denn ausziehen will ich eigentlich nicht.
dfsfda
18.12.08 Strand und Stress
18.12.08 Strand und Stress
fdsafs
Heute fuhren wir ein bisschen später nach Mataquita, weil wir ja die 4 + 5 Klasse sec. nicht mehr haben. Wir haben uns extra ein kleines Theaterstück überlegt, um den Kindern die Werte näher zu bringen. Aber als wir ankamen war – Überraschung – Fiesta. Kein Unterricht. Nicht schon wieder. Co-Rektorchen brachte uns in das Büro von Knutschi, weil wir mit ihm über das Ferienprogramm reden wollten. Er kam dann auch bald angehetzt und wollte wissen was wir vorhaben. Unseren Vorschlag mit den Kursen in den Sommerferien (beginnen ab Weihnachten) fand er gut, aber wir mussten irgend einen offiziellen Wisch schreiben, was wir noch extra im Büro gemacht haben. Dann gings wieder los. Ob er denn jetzt seinen Primo für Joana anrufen soll. Er hat sogar sein Handy schon gezückt. Dann kam ihm noch eine bessere Idee: Er hätte auch noch eine Prima für Thomas übrig. Die hat zwar nicht so viele Felder, aber immerhin ist sie Peruanerin. Für Anika und mich kann er leider niemanden finden, da wir ja zuhause unsere festen Freunde hätten. Lustig, dass genau Joana, die einzige die wirklich einen Freund hat, die auserwählte für den tollen Primo ist. Dann kruschtelte er irgendwelche Fotos aus seiner Schublade raus, auf denen er in Landestracht zu sehen ist, bei irgend einem Tanzwettbewerb. Und Fotos von der Schule von Mataquita, wie sie vor 10 Jahren aussah. Muss sagen, da hat sich einiges verändert. Die Schule bestand aus ca. 5 Klassenzimmern, irgendwo auf die Wiese gebaut. Jetzt ist es eine der bestausgestattesten Schulen hier im Umkreis, sie haben sogar Internet. Jaja, da war er stolz. Der Antrag müsse so schnell wie möglich genehmigt werden, weil er bald nicht mehr da sei, sondern am Strand. Als wir ihn fragten an welchem Strand (wir wollten nicht riskieren, dass wir ihn wenn wir wieder in Mancora sind begegnen, nur mit Smiley-Tanga bekleidet) sagte er, dass ist ihm egal und wenns am Rio Santa ist. Er braucht Urlaub, weil sein Kopf schon total voll sei. Ich muss ehrlich zugeben, jetzt wo wir uns wirklich mal länger mit ihm unterhalten haben, war er gar nicht so A.....lochmäßig. Naja. Jetzt wurde es aber Zeit, mal die Kinder der 5. Und 6. Primaria zusammenzutrommeln, um ihnen zu sagen, dass wir am Sa nochmal kommen und mit ihnen Weihnachten feiern wollen und sie zu fragen, ob sie ein Ferienprogramm mit uns machen wollen. Eine unserer besten Schülerinen, Yuli, fanden wir gleich und sie war total begeistert. Wir mögen sie alle am liebsten, weil sie immer mitmacht und sehr freundlich und aufgeschlossen ist. Sie sollte die anderen suchen, damit wir es mit ihnen auch ausmachen können. Kurze Zeit später kam sie wieder. Viele der anderen wollten nicht. Wir gingen also selber hin und sagten nur, dass wir uns am Samstag wegen Weihnachten kurz treffen wollen. Von den Geschenken sagten wir nichts, weil andere Kinde dabeistanden. Einige sagten gleich sie „hätten keine Zeit“. Die meisten sagten ja. Weis nicht was mit dieser Klasse los ist, die eigentlich immer unbedingt mit uns Unterricht machen wollte. Zum Ferienprogramm stimmten alle zu. Gut. Nun wurde es Zeit wieder nach Hause zu fahren. Wir fragten noch schnell die 3. Klasse primaria ob sie auch Ferienprogramm machen wollen und die waren nun aber wirklich begeistert. Wenigstens etwas.
***
Wieder daheim warteten wir ewig auf das Mittagessen. Die Tür war schon wieder verschlossen und unser Unmut wuchs. Irgendwann holte Milton uns dann, redete aber kaum mit uns und war total komisch. Wir stopften also das Essen in uns rein und gingen bald wieder. Er rief uns noch hinterher, das er später kommen würde, um zu reden. Aha, scheinbar hat er auch schon was gemerkt. Wir warteten also. Und warteten. Irgendwann fingen wir an, Domino und später Uno zu spielen, weil uns langweilig war, aber Milton kam nicht. Als wir mal nach vorne gingen, um zu reden, war die Tür wieder zu und niemand öffnete. Weil uns gar so langweilig war, machte ich den Vorschlag spazieren zu gehen. Wir wollten etwas ausprobieren und Dolly an die Leine nehmen. Hunde werden hier eigentlich nie ausgeführt, deswegen waren wir uns nicht sicher, ob Dolly das überhaupt mag. Ich hollte eines meiner Zurrbänder, mit denen ich den Schlafsack immer am Rucksack befestige und legte es ihr um den Hals. Sie war absolut brav und gehorchte uns sofort. Na super. Als wir nach draussen gingen, lachten sich Milton-Mama und die Oma halb kaputt. Wir fandens aber cool und marschierten los. Wir erregten allerdings wirklich viel aufsehen, die meisten Leute fanden es super witzig, dass die Gringas mit dem Hund Gassi gehen. Wir fandens so toll (und Dolly auch) das wir ca. eine Stunde durch die Gegend liefen. Ich hätte auch gern den braunen mitgenommen, weil der das meiner Meinung nach auch gut brauchen könnte. Das wollen wir das nächste mal probieren. Wir trafen auch kurz Milton, der aber nichts mehr sagte, von wegen dass wir noch reden wollten. Nachdem wir nicht mehr wussten, wo wir noch hinsollten, weil überall zu viele streunende Hunde lauerten, kehrten wir wieder heim. Und warteten weiter.
***
Als wir kurz der Oma halfen ihre Tür zu öffnen, lud sie uns zu sich in ihr Zimmer ein. Und fing an einiges zu Erzählen, dass sie so Arm sei und so viele Medikamente usw. bezahlen müsse und kein Geld habe für irgend eine Operation die ihr ständig geraten wird. Sie erzählte einige Sachen, die die Familie Vergara und vor allem Milton nicht gerade im besten Licht erschienen ließen. Ich verstand nicht alles so gut, aber Anika und Joana wurden immer wütender. Als wir kurz darauf zum Abendessen gingen, war Milton schon wieder nicht da. Milton-Mama wusste nicht wo er ist. Na super. Wir waren alle ziemlich aufgekratzt und setzten uns später zusammen um zu reden. Was die Oma erzählt hat, ließ uns alle noch wütender auf Milton werden. Ausserdem redeten wir wieder davon, dass wir dauernd ausgeschlossen werden. Anika und Joana waren beide schon mal in Gastfamilien und sie meinten, dass das etwas total anderes sei, als wir hier haben und dass ihnen das zu wenig ist. Auch Thomas weis von seinem Kumpel der in Nicaragua war, dass es anders laufen kann. Je später der Abend wurde, desto mehr festigte sich bei allen der Entschluss so schnell wie möglich auszuziehen, weil wir ja nur noch 3 Monate haben. Ich war ziemlich hin- und hergerissen. Es klang schon toll, wie es in so einer Gastfamilie sein könnte, aber eigentlich fand ich es auch super hier zu wohnen. Und früher war es ja auch noch anders mit den Vergaras, vieleicht kann sich das ja wieder ändern. Vieleicht wissen die ja gar nicht, wie wir uns fühlen. Und auch das Milton manchmal Mist baut, kann man nicht leugnen, aber eigentlich ist er doch ein guter Kerl und mir tat es jetzt leid, dass wir auf einmal so schlecht von ihm denken. Vieleicht sind viele Sachen auch einfach nur Missverständnisse. Andererseits, wenn alle ausziehen und nur ich bleibe, dann ist nicht garantiert, dass sie mich jetzt wieder so richtig in die Familie aufnehmen und dann hätte ich wirklich ein Problem. Ausserdem wollte ich auch mal wissen, wie man in so einer richtig indigenen Familie in den Dörfern lebt. Hier haben wir definitiv zu viel komfort. Verdammt ich wusste es nicht. Und ich hatte Angst. Weil alle so sauer waren, dass wir, wenn wir mit Milton reden (der nicht gerade sehr Kritikfreudig ist) anfangen zu streiten und es uns mit ihm verscherzen. Wir haben auch ein paar Probleme wegen der Bezahlung hier usw. aber das gehört jetzt hier nicht rein. Jedenfalls war alles auf Streit vorprogrammiert. Aber wenn wir es uns mit ihm Verscherzen, dann haben wir ein ganz schönes Problem. Weil er immer noch unser Chef ist und außerdem kennt ihn ganz Jangas. Wenn er uns nicht mehr mag, dann ist auch Jangas gegen uns. Ausserdem wollte ich ihn auch nicht als Kumpel verlieren, trotz allem. Und was ist mit Milton-Mama, der Oma, Nino, Angel und vor allem Dolly? Es würde mir voll leid tun, wenn die uns nicht mehr mögen würden, bzw. wir sie nicht mehr sehen könnten. So ein Mist. Ich konnte die halbe Nacht nicht schlafen und mir gings total schlecht. Es war das erste mal, dass ich wirklich Heimweh hatte und nur noch weg wollte. Den andern ging es anscheinend auch nicht viel besser. Aber da mussten wir jetzt durch. Die Entscheidung stand fest: Wir ziehen aus und sagen es Milton morgen.
Heute fuhren wir ein bisschen später nach Mataquita, weil wir ja die 4 + 5 Klasse sec. nicht mehr haben. Wir haben uns extra ein kleines Theaterstück überlegt, um den Kindern die Werte näher zu bringen. Aber als wir ankamen war – Überraschung – Fiesta. Kein Unterricht. Nicht schon wieder. Co-Rektorchen brachte uns in das Büro von Knutschi, weil wir mit ihm über das Ferienprogramm reden wollten. Er kam dann auch bald angehetzt und wollte wissen was wir vorhaben. Unseren Vorschlag mit den Kursen in den Sommerferien (beginnen ab Weihnachten) fand er gut, aber wir mussten irgend einen offiziellen Wisch schreiben, was wir noch extra im Büro gemacht haben. Dann gings wieder los. Ob er denn jetzt seinen Primo für Joana anrufen soll. Er hat sogar sein Handy schon gezückt. Dann kam ihm noch eine bessere Idee: Er hätte auch noch eine Prima für Thomas übrig. Die hat zwar nicht so viele Felder, aber immerhin ist sie Peruanerin. Für Anika und mich kann er leider niemanden finden, da wir ja zuhause unsere festen Freunde hätten. Lustig, dass genau Joana, die einzige die wirklich einen Freund hat, die auserwählte für den tollen Primo ist. Dann kruschtelte er irgendwelche Fotos aus seiner Schublade raus, auf denen er in Landestracht zu sehen ist, bei irgend einem Tanzwettbewerb. Und Fotos von der Schule von Mataquita, wie sie vor 10 Jahren aussah. Muss sagen, da hat sich einiges verändert. Die Schule bestand aus ca. 5 Klassenzimmern, irgendwo auf die Wiese gebaut. Jetzt ist es eine der bestausgestattesten Schulen hier im Umkreis, sie haben sogar Internet. Jaja, da war er stolz. Der Antrag müsse so schnell wie möglich genehmigt werden, weil er bald nicht mehr da sei, sondern am Strand. Als wir ihn fragten an welchem Strand (wir wollten nicht riskieren, dass wir ihn wenn wir wieder in Mancora sind begegnen, nur mit Smiley-Tanga bekleidet) sagte er, dass ist ihm egal und wenns am Rio Santa ist. Er braucht Urlaub, weil sein Kopf schon total voll sei. Ich muss ehrlich zugeben, jetzt wo wir uns wirklich mal länger mit ihm unterhalten haben, war er gar nicht so A.....lochmäßig. Naja. Jetzt wurde es aber Zeit, mal die Kinder der 5. Und 6. Primaria zusammenzutrommeln, um ihnen zu sagen, dass wir am Sa nochmal kommen und mit ihnen Weihnachten feiern wollen und sie zu fragen, ob sie ein Ferienprogramm mit uns machen wollen. Eine unserer besten Schülerinen, Yuli, fanden wir gleich und sie war total begeistert. Wir mögen sie alle am liebsten, weil sie immer mitmacht und sehr freundlich und aufgeschlossen ist. Sie sollte die anderen suchen, damit wir es mit ihnen auch ausmachen können. Kurze Zeit später kam sie wieder. Viele der anderen wollten nicht. Wir gingen also selber hin und sagten nur, dass wir uns am Samstag wegen Weihnachten kurz treffen wollen. Von den Geschenken sagten wir nichts, weil andere Kinde dabeistanden. Einige sagten gleich sie „hätten keine Zeit“. Die meisten sagten ja. Weis nicht was mit dieser Klasse los ist, die eigentlich immer unbedingt mit uns Unterricht machen wollte. Zum Ferienprogramm stimmten alle zu. Gut. Nun wurde es Zeit wieder nach Hause zu fahren. Wir fragten noch schnell die 3. Klasse primaria ob sie auch Ferienprogramm machen wollen und die waren nun aber wirklich begeistert. Wenigstens etwas.
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Wieder daheim warteten wir ewig auf das Mittagessen. Die Tür war schon wieder verschlossen und unser Unmut wuchs. Irgendwann holte Milton uns dann, redete aber kaum mit uns und war total komisch. Wir stopften also das Essen in uns rein und gingen bald wieder. Er rief uns noch hinterher, das er später kommen würde, um zu reden. Aha, scheinbar hat er auch schon was gemerkt. Wir warteten also. Und warteten. Irgendwann fingen wir an, Domino und später Uno zu spielen, weil uns langweilig war, aber Milton kam nicht. Als wir mal nach vorne gingen, um zu reden, war die Tür wieder zu und niemand öffnete. Weil uns gar so langweilig war, machte ich den Vorschlag spazieren zu gehen. Wir wollten etwas ausprobieren und Dolly an die Leine nehmen. Hunde werden hier eigentlich nie ausgeführt, deswegen waren wir uns nicht sicher, ob Dolly das überhaupt mag. Ich hollte eines meiner Zurrbänder, mit denen ich den Schlafsack immer am Rucksack befestige und legte es ihr um den Hals. Sie war absolut brav und gehorchte uns sofort. Na super. Als wir nach draussen gingen, lachten sich Milton-Mama und die Oma halb kaputt. Wir fandens aber cool und marschierten los. Wir erregten allerdings wirklich viel aufsehen, die meisten Leute fanden es super witzig, dass die Gringas mit dem Hund Gassi gehen. Wir fandens so toll (und Dolly auch) das wir ca. eine Stunde durch die Gegend liefen. Ich hätte auch gern den braunen mitgenommen, weil der das meiner Meinung nach auch gut brauchen könnte. Das wollen wir das nächste mal probieren. Wir trafen auch kurz Milton, der aber nichts mehr sagte, von wegen dass wir noch reden wollten. Nachdem wir nicht mehr wussten, wo wir noch hinsollten, weil überall zu viele streunende Hunde lauerten, kehrten wir wieder heim. Und warteten weiter.
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Als wir kurz der Oma halfen ihre Tür zu öffnen, lud sie uns zu sich in ihr Zimmer ein. Und fing an einiges zu Erzählen, dass sie so Arm sei und so viele Medikamente usw. bezahlen müsse und kein Geld habe für irgend eine Operation die ihr ständig geraten wird. Sie erzählte einige Sachen, die die Familie Vergara und vor allem Milton nicht gerade im besten Licht erschienen ließen. Ich verstand nicht alles so gut, aber Anika und Joana wurden immer wütender. Als wir kurz darauf zum Abendessen gingen, war Milton schon wieder nicht da. Milton-Mama wusste nicht wo er ist. Na super. Wir waren alle ziemlich aufgekratzt und setzten uns später zusammen um zu reden. Was die Oma erzählt hat, ließ uns alle noch wütender auf Milton werden. Ausserdem redeten wir wieder davon, dass wir dauernd ausgeschlossen werden. Anika und Joana waren beide schon mal in Gastfamilien und sie meinten, dass das etwas total anderes sei, als wir hier haben und dass ihnen das zu wenig ist. Auch Thomas weis von seinem Kumpel der in Nicaragua war, dass es anders laufen kann. Je später der Abend wurde, desto mehr festigte sich bei allen der Entschluss so schnell wie möglich auszuziehen, weil wir ja nur noch 3 Monate haben. Ich war ziemlich hin- und hergerissen. Es klang schon toll, wie es in so einer Gastfamilie sein könnte, aber eigentlich fand ich es auch super hier zu wohnen. Und früher war es ja auch noch anders mit den Vergaras, vieleicht kann sich das ja wieder ändern. Vieleicht wissen die ja gar nicht, wie wir uns fühlen. Und auch das Milton manchmal Mist baut, kann man nicht leugnen, aber eigentlich ist er doch ein guter Kerl und mir tat es jetzt leid, dass wir auf einmal so schlecht von ihm denken. Vieleicht sind viele Sachen auch einfach nur Missverständnisse. Andererseits, wenn alle ausziehen und nur ich bleibe, dann ist nicht garantiert, dass sie mich jetzt wieder so richtig in die Familie aufnehmen und dann hätte ich wirklich ein Problem. Ausserdem wollte ich auch mal wissen, wie man in so einer richtig indigenen Familie in den Dörfern lebt. Hier haben wir definitiv zu viel komfort. Verdammt ich wusste es nicht. Und ich hatte Angst. Weil alle so sauer waren, dass wir, wenn wir mit Milton reden (der nicht gerade sehr Kritikfreudig ist) anfangen zu streiten und es uns mit ihm verscherzen. Wir haben auch ein paar Probleme wegen der Bezahlung hier usw. aber das gehört jetzt hier nicht rein. Jedenfalls war alles auf Streit vorprogrammiert. Aber wenn wir es uns mit ihm Verscherzen, dann haben wir ein ganz schönes Problem. Weil er immer noch unser Chef ist und außerdem kennt ihn ganz Jangas. Wenn er uns nicht mehr mag, dann ist auch Jangas gegen uns. Ausserdem wollte ich ihn auch nicht als Kumpel verlieren, trotz allem. Und was ist mit Milton-Mama, der Oma, Nino, Angel und vor allem Dolly? Es würde mir voll leid tun, wenn die uns nicht mehr mögen würden, bzw. wir sie nicht mehr sehen könnten. So ein Mist. Ich konnte die halbe Nacht nicht schlafen und mir gings total schlecht. Es war das erste mal, dass ich wirklich Heimweh hatte und nur noch weg wollte. Den andern ging es anscheinend auch nicht viel besser. Aber da mussten wir jetzt durch. Die Entscheidung stand fest: Wir ziehen aus und sagen es Milton morgen.
jj
19.12.08 Erleichterung und Einkaufen
19.12.08 Erleichterung und Einkaufen
gg
Ich wachte schon um 6 Uhr früh auf und mir war schlecht und ich hatte Kopfweh. Oh Gott, ich war so nervös, mir kam es vor als müsste ich eine Beziehung beenden. War auch dauernd kurz vorm Heulen, so sensibel war ich ja schon lang nicht mehr. Milton holte uns zum Frühstück und es gab auch kein Begrüßungsbussi. Allerdings war er heute wohl schon wieder besser drauf. Wir aber nicht. Wir fragten ob Angel denn jetzt endlich mal Zeit habe, um mit uns nach Huanja (so schreibt man das jetzt also) zu fahren. Und tatsächlich, er konnte. Allerdings freute mich das heute gar nicht, ich war einfach nur traurig. Eigentlich wollte ich nicht weg von hier. Ich überlegte schon, wie ichs den andern sagen sollte, dass ich doch hier bleiben will. Ziemlich schweigsam und miesgelaunt latschten wir zu den Colectivos. Der arme Angel wusste gar nicht, warum wir so zwieder sind. Mit dem Colectivo fuhren wir ein Stück Richtung Huaraz. Irgendwo an einer Brücke stiegen wir aus und liefen los. Auf der anderen Seite des Rio Santa steht ein kleines Dorf und wir Esel dachten, es wäre Huanja. Haha. Wars aber nich. Huanja ist auf 3800m Höhe klärte Angel uns auf. Zu Fuß ne halbe Stunde. Na gut, dass geht schon (wir sind in Jangas auf 2800m). Halbe Stunde, kein Problem. Die Landschaft war echt schön, wie in so einem Märchenland. Auf dem Weg stand ein Esel angebunden, der die ganze Zeit schrie wie am Spieß. Kurze Zeit später sahen wir ein kleines Schweinchen auf dem Weg liegen. Wie süß. So lange süß bis wir es anstupsten. Es war tot. Igitt. Blöder Tag heut. Nach ca. 5 Minuten kam ein Taxi in das wir einstiegen. Und dann fuhren wir. Ewig. Bestimmt 20 Minuten. Und Angel wollte uns weismachen, dass man da in einer halben Stunde oben ist. Klaro. Die Aussicht war gigantisch. Ich glaube dieses Caserio ist wirklich das höchste, in dem wir waren. Die Schule soll auch recht groß sein. Als wir ausstiegen, war die Enttäuschung allerdings mal wieder groß. Die Schule hatte geschlossen.
Ich wachte schon um 6 Uhr früh auf und mir war schlecht und ich hatte Kopfweh. Oh Gott, ich war so nervös, mir kam es vor als müsste ich eine Beziehung beenden. War auch dauernd kurz vorm Heulen, so sensibel war ich ja schon lang nicht mehr. Milton holte uns zum Frühstück und es gab auch kein Begrüßungsbussi. Allerdings war er heute wohl schon wieder besser drauf. Wir aber nicht. Wir fragten ob Angel denn jetzt endlich mal Zeit habe, um mit uns nach Huanja (so schreibt man das jetzt also) zu fahren. Und tatsächlich, er konnte. Allerdings freute mich das heute gar nicht, ich war einfach nur traurig. Eigentlich wollte ich nicht weg von hier. Ich überlegte schon, wie ichs den andern sagen sollte, dass ich doch hier bleiben will. Ziemlich schweigsam und miesgelaunt latschten wir zu den Colectivos. Der arme Angel wusste gar nicht, warum wir so zwieder sind. Mit dem Colectivo fuhren wir ein Stück Richtung Huaraz. Irgendwo an einer Brücke stiegen wir aus und liefen los. Auf der anderen Seite des Rio Santa steht ein kleines Dorf und wir Esel dachten, es wäre Huanja. Haha. Wars aber nich. Huanja ist auf 3800m Höhe klärte Angel uns auf. Zu Fuß ne halbe Stunde. Na gut, dass geht schon (wir sind in Jangas auf 2800m). Halbe Stunde, kein Problem. Die Landschaft war echt schön, wie in so einem Märchenland. Auf dem Weg stand ein Esel angebunden, der die ganze Zeit schrie wie am Spieß. Kurze Zeit später sahen wir ein kleines Schweinchen auf dem Weg liegen. Wie süß. So lange süß bis wir es anstupsten. Es war tot. Igitt. Blöder Tag heut. Nach ca. 5 Minuten kam ein Taxi in das wir einstiegen. Und dann fuhren wir. Ewig. Bestimmt 20 Minuten. Und Angel wollte uns weismachen, dass man da in einer halben Stunde oben ist. Klaro. Die Aussicht war gigantisch. Ich glaube dieses Caserio ist wirklich das höchste, in dem wir waren. Die Schule soll auch recht groß sein. Als wir ausstiegen, war die Enttäuschung allerdings mal wieder groß. Die Schule hatte geschlossen.
Huanja ist sehr weit oben und sehr arm
gggNicht schon wieder. Mir scheint, die Ferien fangen hier inoffiziell schon zwei Wochen früher an. Was nun? Wir liefen zum Haus des Bürgermeisters. Als Angel klopfte, kam eine ziemlich stattliche Frau angelaufen. Der Bürgermeister sei nicht da, der ist in Huaraz. Mi-h-ist!! Auch der Elternbeiratsvorsitzende (oder so ähnlich) ist nicht da, was wir denn wollen. Als Angel es ihr erklärte, war sie ziemlich begeistert. Sie fragte, ob wir das mit den Erwachsenen auch machen wollen. Naja, wenn wir Zeit haben. Wir machten aus, dass wir am Montag nochmal kommen würden. Als wir uns verabschiedeten, sagte die Frau als ich ihr die Hand schüttelte, irgendwas auf Queschua zu einem Mann der noch rumstand. Als ich Angel fragte, was sie gesagt hat, meinte er, sie hätte gesagt, ich solle hierbleiben. Wieso das denn? Naja, wer weiß, vieleicht wohn ich ja wirklich bald hier in den Caserios. Oh Gott, ich weis nicht, was ich jetzt machen soll. Für mich allein ist unser Haus hier in Jangas doch viel zu groß. Ausserdem, wenn die andern dann in so richtigen Ureinwohnerfamilien wohnen, will ich das auch, sonst hab ich wieder das Gefühl was zu verpassen. Also, doch nicht in Jangas bleiben?
***
Den Weg zurück gingen wir zu Fuß. Da ich ja dachte, Huanja liegt nur auf der anderen Seite des Flusses, hatte ich keine Wanderschuhe an, sondern nur meine ausgelatschten Chucks. Ich will nicht zählen wie oft ich hingeflogen bin, ca. 5x. Voll peinlich. Angel war ca. 2x schneller als wir. Aber wenn wir erstmal in den Bergen wohnen, wird sich dass schon noch ändern. Dann können wirs dem Stadtkind zeigen. Naja. Ich war jedenfalls froh, wieder unten zu sein. Jetzt gings wieder zurück nach Jangas und zur Stunde der Wahrheit. Nach dem Mittagessen wollten wir reden. Oh je, oh je. Mama-Milton holte uns und wir dachten schon wieder er selber wäre nicht da. Keiner von uns hatte Appetit und jeder würgte sich das Essen nur so rein. Dabei gab es etwas total leckeres, irgendwie mit Wirsing. Irgendwann kam Milton dann doch, total rausgeputzt im Hemd. Ob er das für uns trug? Wir machten nochmal aus, das wir jetzt reden müssen und gingen schon mal hinter. Uns allen war total kalt und wir wickelten uns in die Decken. Vieleicht haben wir uns auch ein bischen zu viel reingesteigert, ich war jedenfalls schon wieder kurz vorm Heulen. Dann kam er erstmal wieder ewig nicht. Heieiei.
***
Irgendwann ist er dann doch aufgetaucht. Er setzte sich und wir (oder hauptsächlich Anika) sagten ihm, was Sache ist. Das wir uns ausgeschlossen fühlen, dass hier keine richtige Familie ist, wir ständig nur unter uns sind und so gut wie kein Spanisch lernen. Das mit dem Geld liesen wir erstmal weg. Er blieb sehr ruhig und als er antwortete sagte er, er macht das „con mucho gusto“, also sehr gerne. Na, das hört sich ja jetzt nicht so gut an. Dann erzählte er, dass das mit der Gastfamilie bei Thomas und mir zuerst nicht geklappt hat, weil wir kein Spanisch konnten und sie meinten, es sei besser, wenn wir erstmal nen Monat in der Hospedaje wohnten. Dass ging dann ja aber nicht, weil wir ja kein Paar waren, wie sie zuerst dachten. Deswegen zog ich zu ihnen. Und Thomas wollte ja dann auch. Und eigentlich waren wir dann ja zufrieden (was ja stimmt). Dann kamen die anderen zwei. Und wir wurden wohl zu viel für den Esstisch, usw. Ausserdem dachten sie immer, wir wollten lieber unter uns sein. Milton-Mama wollte z.B., dass wir mal im Laden helfen, aber sie haben sich nicht getraut zu fragen (dabei hätten wir das total gern gemacht). Und noch schlimmer: Sie dachten wir hätten Angst vor ihnen. Wegen einiger dummer Missverständnisse, bei denen wir uns wegen ganz anderen Sachen untereinaner etwas uneinig waren, dachten sie, wir würden so diskutieren, weil wir Angst vor ihnen haben. So ein Quatsch. Und vor allem so schade. Gerade Angel und Milton sind ja unsere Aufpasser und sie haben die ganze Zeit gedacht, wir würden ihnen nicht vertrauen. Das hat mir total leid getan. Ich hab Milton dann gesagt, dass das natürlich nicht stimmt und das sie beide für uns gute Freunde sind. Ich weiß nicht, ob er es mir geglaubt hat, hoffe aber, dass ich es ausdrücklich genug betont hab. Und auch dass wir die Freundschaften auf jeden Fall weiterführen wollen, auch wenn wir nicht mehr in Jangas wohnen, haben wir hoffentlich klar gemacht. So was blödes. Da sieht man mal, wie schnell solche Missverständnisse entstehen und was es für Konsequenzen hat, wenn man nicht gleich offen darüber redet. Tja. Trotzdem, wir waren alle total erleichtert, dass es doch keinen Streit gab und dass Milton dass so gut akzeptiert hat. Er hat gemeint, er wird nach Gastfamilien schauen, auch in den Caserios, wenn wir das wollen. Das wars dann auch schon wieder. Alle Aufregung umsonst. Eigentlich wollten wir mit Angel zusammen am Nachmittag Holz für die Krippe suchen, aber Milton fragte uns, ob wir mit ihm nach Huaraz fahren wollen, weil er da Milch für die Chocolatiera (Paneton und Schokoladenessen) im Stadtteil ..... von Jangas besorgen will, das wir organisieren. Außerdem wollte er sich noch mit einem Freund treffen. Wir drei Mädels stimmten dann zu, dass wir mit ihm mitkommen, weil wir einfach alle total erleichtern waren. Thomas, dem es nicht so gut ging, blieb hier.
***
Wir fuhren dann gleich nach unserem Gespräch los, obwohl er sich erst um 17 Uhr mit dem Kumpel treffen wollte. Jetzt war es ca. 14 Uhr. Im Colectivo setzte ich mich nach vorne auf dem Beifahrersitz, wo ich zwischen dem Fahrer und einem älteren Herren saß. Der Herr quetschte mich über unseren Freiwilligendienst aus (wir kamen ins Gespräch, weil ich mich anschnallen wollte und mal wieder kein so Einsteckding hatte. Der Mann hielt dann einfach meinen Gurt fest – sehr Vertrauenswürdig) und wollte unbedingt die E-Mailadresse unserer Organisation, die ich natürlich nicht wusste. Tja, war wohl nix. In Huaraz liefen wir dann eine Weile planlos rum, war ja erst 14.30 Uhr. Dann beschloss Milton, mit uns noch ins Internet zu gehen. Nachdem er jede von uns nach ihrer Internetadresse gefragt hat und eine E-Mail geschickt hat (Tu eres mi mejor amiga – du bist meine beste Freundin (ja, ja)) wars dann doch endlich mal fünf und wir konnten uns mit seinem Kumpel treffen. Ich muss sagen, dieser Junge fiel endlich mal wieder in die Kategorie „nicht ganz so unattraktiv“. Und vor allem war er total nett und offen. Er lud uns sofort ein mit ihm noch schnell was trinken zu gehen. Also, stiegen wir alle in ein Taxi und fuhren in einen Stadtteil von Huaraz, in dem wir uns alleine niemals gewagt hätten. Irgendwann kamen wir an einer Bar an, die von außen zwar nichts besonderes, aber von innen total schön war. Sie hatte so einen abgetrennten Bereich außen, der zweistöckig war und wo wir hochstiegen. Wir waren die einzigen Gäste und die Bedienung, die nicht so aussah als würde sie arg viel Wert auf die Meinung ihrer Kunden legen, war ziemlich mies gelaunt, weil sie wegen uns ca. 4x Treppen steigen mussten. Tja, wir fandens schön. Milton erklärte uns, dass in diese Bar immer die jungen Mädels kommen würden, die Abends beim Weggehen nicht auf ihre Brüder treffen wollen. Na so was. Richard (so hieß sein Kumpel) bestellte uns ein Cola und Pisco sour (zum Probieren, dabei haben wir den heimlich schon in Trujillo getrunken – hihi). Zuerst wollte die Bedienung keinen machen, sie hat sich aber dann doch ebarmt. Er war total lecker und wir tranken die ganze Kanne zu viert aus, weil Richard nichts trinken durfte. Er arbeitet in einer Miene, in der selben in der Nino auch arbeitet und dort machen sie Alkoholtests. Er lud uns also ohne selber mitzutrinken zu dem Pisco sour ein und entschuldigte sich auch noch, dass er nichts trinken darf. Wir erfuhren im Laufe des Nachmittags noch, dass in ganz Peru immer die selben Lieder laufen, weil der Produzent von Grupo 5 die Lieder auch noch an andere Bands verkauft. Die sind echt alle verrückt. Naja, auf jeden Fall war es ein sehr, sehr lustiger Nachmittag und ich war echt froh, dass alles so gut gelaufen ist. Zum Schluss lud Richard uns auch noch ein, zusammen mit ihnen allen Silvester in Huaraz zu feiern. Juchu. Das wird sicher super!! Wir fuhren zum Kitschmarkt und kauften ein paar Dosen Milch (hier ist sie immer in Dosen, man muss sie mit Wasser verdünnen, total komisch). Als wir dann so vor einem der zahlreichen Stände mit Paneton rumstanden, fragte Joana Milton, ob es in Huaraz auch Paneton mit Schokolade gibt, der nennt sich dann „Chocoton“. Als sie so fragte, stand der Verkäufer genau hinter Milton und dachte, Joana hätte ihn gefragt. Sofort war der arme Kerl ganz aufgeregt, weil es an seinem Stand nämlich keinen Chocoton gab und er sofort seinem Kollegen zuschrie: „Chocoton, haben wir Chocoton? Die Senorita will einen Chocoton“. Ups. Wir sagten schnell, dass es schon gut sei und verzogen uns. Es war eh schon dunkel. Jetzt aber schnell nach Hause.
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Zuhause beschlossen wir vier Deutschen, dass es Quatsch wäre, wenn jeder jedem von uns was schenkt und wir lieber einfach Wichteln würden. Also schrieb ich vier Zettel mit unseren Namen und jeder zog einen. Wer wem was schenkt wurde nicht verraten und im besten Fall wird der beschenkte auch nie erfahren, von wem das Geschenk war. Wir haben extra alle das gleiche Geschenkpapier gekauft. Muss mir noch überlegen, was ich besorgen werde.

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Den Weg zurück gingen wir zu Fuß. Da ich ja dachte, Huanja liegt nur auf der anderen Seite des Flusses, hatte ich keine Wanderschuhe an, sondern nur meine ausgelatschten Chucks. Ich will nicht zählen wie oft ich hingeflogen bin, ca. 5x. Voll peinlich. Angel war ca. 2x schneller als wir. Aber wenn wir erstmal in den Bergen wohnen, wird sich dass schon noch ändern. Dann können wirs dem Stadtkind zeigen. Naja. Ich war jedenfalls froh, wieder unten zu sein. Jetzt gings wieder zurück nach Jangas und zur Stunde der Wahrheit. Nach dem Mittagessen wollten wir reden. Oh je, oh je. Mama-Milton holte uns und wir dachten schon wieder er selber wäre nicht da. Keiner von uns hatte Appetit und jeder würgte sich das Essen nur so rein. Dabei gab es etwas total leckeres, irgendwie mit Wirsing. Irgendwann kam Milton dann doch, total rausgeputzt im Hemd. Ob er das für uns trug? Wir machten nochmal aus, das wir jetzt reden müssen und gingen schon mal hinter. Uns allen war total kalt und wir wickelten uns in die Decken. Vieleicht haben wir uns auch ein bischen zu viel reingesteigert, ich war jedenfalls schon wieder kurz vorm Heulen. Dann kam er erstmal wieder ewig nicht. Heieiei.
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Irgendwann ist er dann doch aufgetaucht. Er setzte sich und wir (oder hauptsächlich Anika) sagten ihm, was Sache ist. Das wir uns ausgeschlossen fühlen, dass hier keine richtige Familie ist, wir ständig nur unter uns sind und so gut wie kein Spanisch lernen. Das mit dem Geld liesen wir erstmal weg. Er blieb sehr ruhig und als er antwortete sagte er, er macht das „con mucho gusto“, also sehr gerne. Na, das hört sich ja jetzt nicht so gut an. Dann erzählte er, dass das mit der Gastfamilie bei Thomas und mir zuerst nicht geklappt hat, weil wir kein Spanisch konnten und sie meinten, es sei besser, wenn wir erstmal nen Monat in der Hospedaje wohnten. Dass ging dann ja aber nicht, weil wir ja kein Paar waren, wie sie zuerst dachten. Deswegen zog ich zu ihnen. Und Thomas wollte ja dann auch. Und eigentlich waren wir dann ja zufrieden (was ja stimmt). Dann kamen die anderen zwei. Und wir wurden wohl zu viel für den Esstisch, usw. Ausserdem dachten sie immer, wir wollten lieber unter uns sein. Milton-Mama wollte z.B., dass wir mal im Laden helfen, aber sie haben sich nicht getraut zu fragen (dabei hätten wir das total gern gemacht). Und noch schlimmer: Sie dachten wir hätten Angst vor ihnen. Wegen einiger dummer Missverständnisse, bei denen wir uns wegen ganz anderen Sachen untereinaner etwas uneinig waren, dachten sie, wir würden so diskutieren, weil wir Angst vor ihnen haben. So ein Quatsch. Und vor allem so schade. Gerade Angel und Milton sind ja unsere Aufpasser und sie haben die ganze Zeit gedacht, wir würden ihnen nicht vertrauen. Das hat mir total leid getan. Ich hab Milton dann gesagt, dass das natürlich nicht stimmt und das sie beide für uns gute Freunde sind. Ich weiß nicht, ob er es mir geglaubt hat, hoffe aber, dass ich es ausdrücklich genug betont hab. Und auch dass wir die Freundschaften auf jeden Fall weiterführen wollen, auch wenn wir nicht mehr in Jangas wohnen, haben wir hoffentlich klar gemacht. So was blödes. Da sieht man mal, wie schnell solche Missverständnisse entstehen und was es für Konsequenzen hat, wenn man nicht gleich offen darüber redet. Tja. Trotzdem, wir waren alle total erleichtert, dass es doch keinen Streit gab und dass Milton dass so gut akzeptiert hat. Er hat gemeint, er wird nach Gastfamilien schauen, auch in den Caserios, wenn wir das wollen. Das wars dann auch schon wieder. Alle Aufregung umsonst. Eigentlich wollten wir mit Angel zusammen am Nachmittag Holz für die Krippe suchen, aber Milton fragte uns, ob wir mit ihm nach Huaraz fahren wollen, weil er da Milch für die Chocolatiera (Paneton und Schokoladenessen) im Stadtteil ..... von Jangas besorgen will, das wir organisieren. Außerdem wollte er sich noch mit einem Freund treffen. Wir drei Mädels stimmten dann zu, dass wir mit ihm mitkommen, weil wir einfach alle total erleichtern waren. Thomas, dem es nicht so gut ging, blieb hier.
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Wir fuhren dann gleich nach unserem Gespräch los, obwohl er sich erst um 17 Uhr mit dem Kumpel treffen wollte. Jetzt war es ca. 14 Uhr. Im Colectivo setzte ich mich nach vorne auf dem Beifahrersitz, wo ich zwischen dem Fahrer und einem älteren Herren saß. Der Herr quetschte mich über unseren Freiwilligendienst aus (wir kamen ins Gespräch, weil ich mich anschnallen wollte und mal wieder kein so Einsteckding hatte. Der Mann hielt dann einfach meinen Gurt fest – sehr Vertrauenswürdig) und wollte unbedingt die E-Mailadresse unserer Organisation, die ich natürlich nicht wusste. Tja, war wohl nix. In Huaraz liefen wir dann eine Weile planlos rum, war ja erst 14.30 Uhr. Dann beschloss Milton, mit uns noch ins Internet zu gehen. Nachdem er jede von uns nach ihrer Internetadresse gefragt hat und eine E-Mail geschickt hat (Tu eres mi mejor amiga – du bist meine beste Freundin (ja, ja)) wars dann doch endlich mal fünf und wir konnten uns mit seinem Kumpel treffen. Ich muss sagen, dieser Junge fiel endlich mal wieder in die Kategorie „nicht ganz so unattraktiv“. Und vor allem war er total nett und offen. Er lud uns sofort ein mit ihm noch schnell was trinken zu gehen. Also, stiegen wir alle in ein Taxi und fuhren in einen Stadtteil von Huaraz, in dem wir uns alleine niemals gewagt hätten. Irgendwann kamen wir an einer Bar an, die von außen zwar nichts besonderes, aber von innen total schön war. Sie hatte so einen abgetrennten Bereich außen, der zweistöckig war und wo wir hochstiegen. Wir waren die einzigen Gäste und die Bedienung, die nicht so aussah als würde sie arg viel Wert auf die Meinung ihrer Kunden legen, war ziemlich mies gelaunt, weil sie wegen uns ca. 4x Treppen steigen mussten. Tja, wir fandens schön. Milton erklärte uns, dass in diese Bar immer die jungen Mädels kommen würden, die Abends beim Weggehen nicht auf ihre Brüder treffen wollen. Na so was. Richard (so hieß sein Kumpel) bestellte uns ein Cola und Pisco sour (zum Probieren, dabei haben wir den heimlich schon in Trujillo getrunken – hihi). Zuerst wollte die Bedienung keinen machen, sie hat sich aber dann doch ebarmt. Er war total lecker und wir tranken die ganze Kanne zu viert aus, weil Richard nichts trinken durfte. Er arbeitet in einer Miene, in der selben in der Nino auch arbeitet und dort machen sie Alkoholtests. Er lud uns also ohne selber mitzutrinken zu dem Pisco sour ein und entschuldigte sich auch noch, dass er nichts trinken darf. Wir erfuhren im Laufe des Nachmittags noch, dass in ganz Peru immer die selben Lieder laufen, weil der Produzent von Grupo 5 die Lieder auch noch an andere Bands verkauft. Die sind echt alle verrückt. Naja, auf jeden Fall war es ein sehr, sehr lustiger Nachmittag und ich war echt froh, dass alles so gut gelaufen ist. Zum Schluss lud Richard uns auch noch ein, zusammen mit ihnen allen Silvester in Huaraz zu feiern. Juchu. Das wird sicher super!! Wir fuhren zum Kitschmarkt und kauften ein paar Dosen Milch (hier ist sie immer in Dosen, man muss sie mit Wasser verdünnen, total komisch). Als wir dann so vor einem der zahlreichen Stände mit Paneton rumstanden, fragte Joana Milton, ob es in Huaraz auch Paneton mit Schokolade gibt, der nennt sich dann „Chocoton“. Als sie so fragte, stand der Verkäufer genau hinter Milton und dachte, Joana hätte ihn gefragt. Sofort war der arme Kerl ganz aufgeregt, weil es an seinem Stand nämlich keinen Chocoton gab und er sofort seinem Kollegen zuschrie: „Chocoton, haben wir Chocoton? Die Senorita will einen Chocoton“. Ups. Wir sagten schnell, dass es schon gut sei und verzogen uns. Es war eh schon dunkel. Jetzt aber schnell nach Hause.
***
Zuhause beschlossen wir vier Deutschen, dass es Quatsch wäre, wenn jeder jedem von uns was schenkt und wir lieber einfach Wichteln würden. Also schrieb ich vier Zettel mit unseren Namen und jeder zog einen. Wer wem was schenkt wurde nicht verraten und im besten Fall wird der beschenkte auch nie erfahren, von wem das Geschenk war. Wir haben extra alle das gleiche Geschenkpapier gekauft. Muss mir noch überlegen, was ich besorgen werde.
hhh
20.12.08 Weihnachtsfeier und wenig Kinder
20.12.08 Weihnachtsfeier und wenig Kinder
hhh
Heute war aber erstmal der große Geschenktag für die Kinder in Cahuish und Mataquita. Milton wollte uns in der früh eigentlich nach Cahuish begleiten, er war dann aber aus irgend einem Grund in Huaraz und wollte nachkommen. Wir gingen in unserer Tracht und mit den 16 Geschenktüten zum Colectivostand, wo wir auf die Lehrerin warteten, die mit uns hochfahren wollte. Bei allen denen wir begegneten, sorgten wir in dem Aufzug mal wieder für aufsehen. Nachdem wir eine halbe Stunde von den Taxifahrern angestarrt wurden (die Lehrerin kam nicht um 9 sondern erst um halb zehn) gings endlich los. Ich war ja gespannt, ob alle Kinder da sein würden. Dachte eh schon die Lehrerin hätte es vergessen, weil sie so lang nicht kam. Aber als wir ankamen, bot sich uns eine Überraschung: Der ganze Pausenhof war voll von unseren Schülern, deren Geschwister und Müttern. Oh, oh, wir sind ja eigentlich extra am Samsta hingefahren, weil wir nicht wollten, dass die anderen Kinder die Geschenke sehen. Schließlich können wir leider nicht jedem der unzähligen Chicos (jede Familie hat so 4 – 6 Kinder) so was tolles schenken. Tja. Dann müssen unsere Kinder eben teilen. Wir beschlossen, schnell seperat mit unserer Klasse ins Klassenzimmer zu gehen, die Geschenke zu verteilen, schnell ein paar Fotos anzuschauen und dann bald wieder zu gehen, weil wir noch putzen und am Nachmittag nach Mataquita mussten. Die Eltern der Kinder haben gekocht und wir wollten verschwinden bevor es Essen gibt, da wir ja eigentlich bei Mama-Milton essen wollten und es außerdem Meerschweinchen gab.
Heute war aber erstmal der große Geschenktag für die Kinder in Cahuish und Mataquita. Milton wollte uns in der früh eigentlich nach Cahuish begleiten, er war dann aber aus irgend einem Grund in Huaraz und wollte nachkommen. Wir gingen in unserer Tracht und mit den 16 Geschenktüten zum Colectivostand, wo wir auf die Lehrerin warteten, die mit uns hochfahren wollte. Bei allen denen wir begegneten, sorgten wir in dem Aufzug mal wieder für aufsehen. Nachdem wir eine halbe Stunde von den Taxifahrern angestarrt wurden (die Lehrerin kam nicht um 9 sondern erst um halb zehn) gings endlich los. Ich war ja gespannt, ob alle Kinder da sein würden. Dachte eh schon die Lehrerin hätte es vergessen, weil sie so lang nicht kam. Aber als wir ankamen, bot sich uns eine Überraschung: Der ganze Pausenhof war voll von unseren Schülern, deren Geschwister und Müttern. Oh, oh, wir sind ja eigentlich extra am Samsta hingefahren, weil wir nicht wollten, dass die anderen Kinder die Geschenke sehen. Schließlich können wir leider nicht jedem der unzähligen Chicos (jede Familie hat so 4 – 6 Kinder) so was tolles schenken. Tja. Dann müssen unsere Kinder eben teilen. Wir beschlossen, schnell seperat mit unserer Klasse ins Klassenzimmer zu gehen, die Geschenke zu verteilen, schnell ein paar Fotos anzuschauen und dann bald wieder zu gehen, weil wir noch putzen und am Nachmittag nach Mataquita mussten. Die Eltern der Kinder haben gekocht und wir wollten verschwinden bevor es Essen gibt, da wir ja eigentlich bei Mama-Milton essen wollten und es außerdem Meerschweinchen gab.
Fast alle Eltern waren da
fffBäh. Doch zuerst mussten wir noch die Geschenke los werden. Bis auf einen waren alle da und die Freude über unsere Päckchen war groß. .JPG)
Die Kinder freuen sich
fffAm besten kamen jedoch wieder die Fotos an, was mich immer sehr freut. Das Fotoanschauen danach war nicht so arg spektakulär und eigentlich wären wir um halb zwölf schon wieder fertig gewesen. Aber nix da. Milton kam dann irgendwann an und erklärte uns, dass die Mütter EXTRA für uns kochen. Ach so. Na, dann können wir natürlich nicht einfach so abhauen. Hm, müss ma eben durch, auch mit Meersau. Wir setzen uns also nach draußen zu den Familien. Leider setzten sich ein paar Mütter von uns weg, als wir uns auf den Stufen breit machten. Warum dass denn, mögen die uns nicht? Milton meinte, dass einige Mütter sehr schüchtern seien. Fein, dann stellen wir uns eben vor. Wir redeten dann auch gleich über das Ferienprogramm, dass wir mit den Kindern machen wollten, was alle sehr toll fanden. Einige Frauen fragten daraufhin, ob wir für die Erwachsenen auch was anbieten. Na gut, wenn sie wollen. Wir einigten uns darauf, dass wir ihnen zuerst Stricken beibringen wollen. Ja genau, stricken. Ich weis, ich kann nicht stricken und ich denke dass fast alle der Frauen darüber mehr wissen als ich, aber ich hoffe, Joana kann mir noch ein paar Skills beibringen. Wir werden jetzt also jeden Montag von 2 – 6 Uhr Nachmittags mit den Kindern und den Müttern Ferienprogramm machen. Da bin ich ja mal gespannt. Nun mussten wir noch aufs Essen warten. Währenddessen spielten wir mit unseren Kindern mit den Bällen, die wir ihnen geschenkt haben. Es hat total Spaß gemacht.
Es war auch sehr interessant, mal die Geschwister unserer Schüler zu sehen und vor allem die Eltern, die teilweise mal wieder sehr jung waren. Unsere Klasse hat ihre Geschenke total lieb mit den jüngeren Geschwistern geteilt, was mich echt begeistert hat. Nach einer halben Stunde war es dann so weit. Wir sollten in den „Essenssaal“. Wir befürchteten schon, dass wir wieder seperat Essen sollen und wollten lieber draußen bleiben. Aber es sollten alle unsere Schüler auch in den Saal.
Ja, diese Fleischdinger auf den Kartoffeln sind alle Meerschweinchen
fffCool, ein Essen für alle zusammen.Die Eltern wollten sich damit bei uns bedanken, dass wir ihre Kinder unterrichten und ihnen auch was geschenkt haben. Es gab „picante de cuy“, das bedeutet, einen rießen Berg Kartoffeln mit scharfer Sose für jeden und darauf ein Stück Meersau. Hm, wie fein. Die Kartoffeln waren auch echt gut. Vom Cuy, also vom Meerschweinchen (ich hatte das Glück ein halbes zu bekommen, mit zwei Krallen und Rippen und sonstigem gemurkse, lecker, lecker, lecker)
zog ich genau die drei Stücke Fleisch raus, die es hatte, damit alle sahen, dass ich was davon esse. 
Einmal reinbeissen fuers Bild
dddDer Rest blieb unberührt, obwohl die Haut diesmal gar keine Haare mehr hatte, was für ein Glück. Dafür stopfte ich mir die ca. 500 Gramm Kartoffeln rein. Die Lehrerin bekam als einzige ein ganzes Cuy (mit Kopf) und das doppelte an Kartoffeln.
Die Portionen der Kinder waren etwas kleiner. Einige ließen ihr Cuy liegen und ich freute mich schon, dass die es auch nicht mögen und übrig lassen, so wie ich. Aber, weit gefehlt. Sie hoben es sich bis ganz zum Schluss auf, um dann als Schmankerl genüsslich alles abzunagen. Buah. Wir meinten, dass sie unseres auch noch Essen sollen, weil wir ja gar so satt seien. Auch die Suppe danach, überliesen wir den Kindern. Die Profesora meinte, dass sei ganz normal für eine Fiesta, so viel zu Essen. Und dass wir noch viel fetter werden müssen, bevor wir heimkommen. Nein, Danke. Die Kinder trauten sich wohl nicht so ganz, unsere übrigen Sachen zu essen. Wir ließen es einfach mal in der Mitte vom Tisch stehen. Nun gab es noch eine Überraschung: Die Profesora verteilte Weihnachtskarten, aus Papier, dass die Kinder selbst hergestellt haben, gebastelt. Auf jedem haben alle unterschrieben, total süß. Als sie die Karten verteilte, sagte sie unsere Namen: „diese Karte ist für Anika, diese für Thomas, für Sabine und für Vocha“. Vocha? Wer soll denn das sein. Da niemand anderes mehr übrig war, konnte nur Joana gemeint sein, die die Karte auch gekriegt hat. Auf dieser stand allerdings dick und breit „Vocha“. Oh, wei, der Name stimmt ja mal gar nicht. Ich fands (genauso wie Joana) lustig und war froh, dass bei mir wirklich Sabine und nicht „Savino“ stand.
***
Beim Heimfahren mit Taxi-Roy, bettelte er die ganze Zeit, dass er auch so einen tollen Ball haben will. Nix da, die sind für die Kinder in Mataquita. Dort erwarteten wir allerdings nicht so einen großen Empfang, weil die Eltern gar nichts von unserem Vorhaben wissen. Jetzt mussten wir aber zuerst mal heim. Zum putzen war es jetzt zu spät und ich wechselte nur schnell meinen Rock, weil ich mir den anderen mit Cuy total vollgesaut hab. Also, die letzten Geschentüten gepackt und ab nach Mataquita. Wir fuhren mit einem anderen Taxifahrer als mit Roy, der daraufhin ganz schön zwieder wurde. Der hat doch nicht das Gringo-Monopol. Einen Ball hat er sich so nicht verdient. In Mataquita angekommen, wurden wir leider ziemlich enttäuscht. Nur ca. die Hälfte unserer Klasse ist gekommen. Wir hatten extra nicht gesagt, dass es Geschenke gibt, weil wir darauf hofften, dass unsere Kinder auch so erscheinen, um mit uns Weihnachten zu feiern. Außerdem waren auch andere Kinder drumrumgestanden, als wir den Samstag mit ihnen ausmachten und wir wollten nicht, dass die dann auch was wollen und neidisch werden. Tja. Das war genau die Klasse, die am Anfang die ganze Zeit mit uns Unterricht machen wollte und immer gefragt hat, ob wir Zeit haben. Und nun sowas. Total Schade. Unsere zwei Muster- und Lieblinsschüler Yuli und Hernando waren aber da, von denen haben wir auch nichts anderes erwartet. Und einer, Jaime, der sonst eigentlich noch nie da war, außer einmal und für den wir auf gut Glück, einfach mal ne Tüte mithaben. Tja, hilft ja nix. Wir redeten ein bisschen über Weihnachten und die Kinder sangen ein Spanisches Weihnachtslied, aber erst, nachdem wir „oh Tannenbaum“ vorquietschen mussten. Dann gabs die Geschenke, die auch sehr gut ankamen (vor allem die Fotos) und dass wars dann auch schon wieder. Ich hoffe zum Ferienprogramm kommen dann mehr Kinder. Die Tüten für die anderen der Klasse, die nicht gekommen sind (Yuli und Hernando haben gesagt, dass die andern gemeint hätten, sie hätten keine Lust), werden wir nun an noch ärmere Kinder weiterverschenken. Wir waren schon ein bisschen beleidigt, aber was solls. Einen besonders hässlichen Ball haben wir dann doch an Taxi-Roy verschenkt, der sich ebenfalls wie ein Kind freute. Mann muss sich seine Taxifahrer ja doch warm halten.
***
Abends war in Jangas irgendwie Fiesta. Ich habs mitgekriegt als ich schon im Bett lag und auf einmal Grupo 5 durch die Gegend schallte. Zuerst verdächtigte ich Thomas, aber der hört ja gar kein Grupo 5. Dann gabs auch noch Feuerwerk. Fiesta, ohne uns? Toll. Werd Milton gleich zur Rede stellen müssen, morgen.
Und wir hatten Milton-mama doch extra versprochen, dass wir wieder mit ihr Kochen. Allerdings sah es nicht so aus, als würde es Meerschweinchen geben, puh, Glück gehabt. Wir stiegen aus und sofort kamen einige Kinder an und sagten uns ihre Namen, die wir auf eine Liste schrieben. Es wurden mehr und mehr. Ab und zu kamen auch ein paar Erwachsene und sagten uns die Namen von 5 oder 6 ihrer Kinder. Manche Frauen sprachen auch nur Queschua und die Namen waren teilweise sehr schwer zu verstehen. Zu den Namen notierten wir auch das alter. Und einige wussten tatsächlich nicht, wie alt ihre Kinder waren. Eine Frau musste ständig ihre Tochter nach dem alter ihrer Geschwister fragen, eine andere konnte uns nur das Geburtsjahr, nicht aber wie alt ihre Kinder sind, sagen. Das war echt krass. Als dann niemand mehr kam, gingen wir rüber zu den Töpfen. Ich guckte und sah keine Meerschweinchen, gut. Plötzlich sagte Anika: „Oh Gott, was machen die?“. Als ich nachsah, konnte ich gerade beobachten, wie eine Frau ein lebendes Meerschweinchen aus einem Sack fischte und ihm die Luft abdrückte. Oh Nein! Buah, diese Viecher könnte ich auf keinen Fall essen, nein, nein, nein. Anke ist übrigens auch Vegetarierin und als Milton sagen sollte, dass 3 Leute nur Kartoffeln essen, meldete ich mich auch gleich als Vegetarierin an. Ich hab keine Lust mehr auf dieses Viech und so leid es mir tut, weil die Leute es ja nur gut meinen, ich esse kein einziges mehr. Während sie kochten, gingen wir auf Pflanzensuche für die Krippe. Einige Kinder kamen mit uns mit. Sie waren sehr nett und Hilfsbereit und zogen für uns immer die stacheligen, komischen Kakteenpflanzen aus der Erde. Denen machte das fast gar nichts aus. Wir waren voll die Weicheier und verletzten uns die ganze Zeit. Aber mit den Kindern machte es Spaß. Als wir auf Tal hinunterschauten, sagte einer der Jungs, das seine Eltern sagen dort unten (also in Jangas) wohne der Teufel. Als Thomas ihn fragte, ob er noch nie im Tal war, meinte er nein, noch nie. Der Junge war ungefähr 10 Jahre alt.
***
Wieder zurück, erwarteten uns noch weitere Mütter und Kinder. Wir waren mittlerweil bei 60 Kindern angelangt und haben auch schon ein paar Eltern aufgeschrieben, die Englisch lernen wollten. Wir schrieben und schrieben und schrieben. Irgendwann hatten wir die 100 Kinder erreicht und hatten bestimmt auch schon 40 Mütter. Oh Gott, wie sollen wir denn das alles schaffen? Es war auch schon halb elf und wir mussten eigentlich bald wieder gehen, weil Milton-Mama ja auf uns wartete. Naja, lang konnte es ja nicht mehr dauern, die Frauen waren ja schon am kochen, als wir kamen. Tja, Pustekuchen. Wir saßen bis 1 Uhr Mittags vor der Schule rum. Ab und zu kam noch jemand um sich anzumelden und die Kinder schauten manchmal bei uns vorbei und zeigten uns ihre Zeugnisse, die sie an diesem Tag erhalten haben. Es waren kleine Heftchen, in denen für Fächer wie Lesen und Schreiben Noten von A – C verteilt wurden. A war sehr gut, B war immer noch gut, C war super schlecht. Ein Mädchen hatte nur Cs und als Kommentar stand drin: „Sie kann gar nichts“. Pädagogisch sehr wertvoll, wobei ich glaube, dass das Mädchen den Kommentar sowieso nicht lesen konnte. Ansonsten war es einfach nur langweilig. Die Kartoffeln wollten und wollten nicht fertig werden. Irgendwann ging Milton zu den Müttern und sagte, dass wir jetzt dann gehen müssen, weil wir noch Putzen zu einer Chocolatia müssen, die heute Nachmittag in einem Stadtteil von Jangas stattfindet, in dem ziemlich arme Leute wohnen. Chocolatia ist eine Veranstaltung, bei der in einem rießigen Topf heisse Schokolade für alle zubereitet wird. Dazu gab es 2 Körbe voller Paneton, denn wir dazu noch verteilen wollten. Aber jetzt mussten wir erstmal zurück nach Jangas. Als Anika und ich kurz auf dem ziemlich stinkigen Klo waren, wurden unsere Kartoffeln und Thomas und Miltons Kartoffeln + Meerschweinchen verteilt. Wir haben alle einen rießen Berg gekriegt, mit total leckerer Sose. Thomas gab sein Stück Meersau ziemlich bald an Milton ab und wir löffelten alles in Windeseile in uns rein. Um uns rum bildete sich bald eine rießige Hundetraube, die alle unbedingt Kartoffeln wollten. Es war auch in der Tat zu viel für uns, aber die Kartoffeln können wir ja schlecht einfach den Hunden zuwerfen. Also aßen wir brav auf. Endlich fertig und ab nach Hause. Wir bedankten uns noch bei den Müttern und Lehrern, schrieben noch ein bis zwei Kinder auf und stiegen ins Taxi, das extra auf uns wartete, weil es zu spät zum runterlaufen geworden war. Allerdings. Wurden dem Taxifahrer gerade Kartoffeln mit Cuy serviert und wir mussten noch warten, bis er alles verspeist hat. Die Peruaner essen übrigens zweimal so langsam wie wir. Während wir so im Auto saßen, kamen einige Kinder und guckten uns durch die Scheibe an. Als der Taxifahrer endlich fertig war, winkten wir noch und verschwanden. Es wurde wirklich Zeit.
***
Geputzt haben wir dann doch nicht mehr, weil es schon zu spät war und das Wetter eh viel zu kalt. Schade, dass es gerade jetzt auf einmal so schlecht Wetter wird. Um halb vier gings dann auch schon los, zur Chocolatia. Die Milch steht seit unserem Kauf mit Richard bei mir im Zimmer rum. Für die Panetons gingen wir noch schnell zu Angel, der sie gebacken hat, um sie abzuholen. Er selber war nicht da, aber sein Bruder, packte uns 62 abgepackte Küchlein ein. Nun aber los. Als wir so unterwegs waren, viel uns auf, das wir ja noch gar keine Schokolade für die Milch haben. Milton lief schnell in einen Laden und holte sie. Er kaufte 2 Kilo Zucker – und 3 Tafeln Schokolade. Ähm, hallo? 60 Liter Milch und 3 Schokoladen? Das reicht ja hinten und vorne nicht. Was hat er sich denn da schon wieder gedacht? Auf dem Weg nach oben, machten wir Freiwilligen aus, das wir noch weitere Schokoladen kaufen müssten, weil das ja wirklich für die Katz war. Also, in den nächsten Laden und 24 weitere Tafeln Schokolade gekauft. So. Am Treffpunkt angekommen, warteten schon einige Mütter und unzählige kleine Kinder. Der rießige Topf wurde auf einem Lagerfeuer, dass aufgrund des nassen Holzes fürchterlich qualmte gestellt und per Gartenschlauch das Wasser für die Milch beschafft. Oh wei, das sah so aus, als würde das wieder recht lang dauern. Wir hatten jetzt ja Zeit, aber das Wetter war nass und ungemütlich. Milton meinte, wir sollten mit den Kindern spielen. Das Alter reichte ungefähr von 3 - 8 Jahren und alles was wir spielen konnten, war Katz und Maus, wobei die Kinder sich gar nicht so schlecht angestellt hatten. Es war echt süß. Irgendwann kochte dann das Wasser und wir machten uns daran, die 30 Dosen Milch mit dem Messer aufzurammen und unter übelstem Rauch in das Wasser zu gießen. Ein Mädchen schmiss fröhlich irgend einen Dreck aus ihrer Hosentasche in den Kessel, was aber außer uns niemanden interessierte. Nachdem die Milch drinnen war, schmissen wir noch die Tafeln Schokolade in das Gebräu. Die 2 Kilo Zucker waren den Müttern allerdings zu wenig, deswegen kauften sie nochmal zwei. Na, ob das schmeckt? Ich war mir nicht so sicher, allerdings dachte ich mir schon, dass sich der ziemlich geschmacklose Kuchen mit der zu sehr geschmackhaltigen Schokomilch wohl ziemlich gut ergänzt..JPG)
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Beim Heimfahren mit Taxi-Roy, bettelte er die ganze Zeit, dass er auch so einen tollen Ball haben will. Nix da, die sind für die Kinder in Mataquita. Dort erwarteten wir allerdings nicht so einen großen Empfang, weil die Eltern gar nichts von unserem Vorhaben wissen. Jetzt mussten wir aber zuerst mal heim. Zum putzen war es jetzt zu spät und ich wechselte nur schnell meinen Rock, weil ich mir den anderen mit Cuy total vollgesaut hab. Also, die letzten Geschentüten gepackt und ab nach Mataquita. Wir fuhren mit einem anderen Taxifahrer als mit Roy, der daraufhin ganz schön zwieder wurde. Der hat doch nicht das Gringo-Monopol. Einen Ball hat er sich so nicht verdient. In Mataquita angekommen, wurden wir leider ziemlich enttäuscht. Nur ca. die Hälfte unserer Klasse ist gekommen. Wir hatten extra nicht gesagt, dass es Geschenke gibt, weil wir darauf hofften, dass unsere Kinder auch so erscheinen, um mit uns Weihnachten zu feiern. Außerdem waren auch andere Kinder drumrumgestanden, als wir den Samstag mit ihnen ausmachten und wir wollten nicht, dass die dann auch was wollen und neidisch werden. Tja. Das war genau die Klasse, die am Anfang die ganze Zeit mit uns Unterricht machen wollte und immer gefragt hat, ob wir Zeit haben. Und nun sowas. Total Schade. Unsere zwei Muster- und Lieblinsschüler Yuli und Hernando waren aber da, von denen haben wir auch nichts anderes erwartet. Und einer, Jaime, der sonst eigentlich noch nie da war, außer einmal und für den wir auf gut Glück, einfach mal ne Tüte mithaben. Tja, hilft ja nix. Wir redeten ein bisschen über Weihnachten und die Kinder sangen ein Spanisches Weihnachtslied, aber erst, nachdem wir „oh Tannenbaum“ vorquietschen mussten. Dann gabs die Geschenke, die auch sehr gut ankamen (vor allem die Fotos) und dass wars dann auch schon wieder. Ich hoffe zum Ferienprogramm kommen dann mehr Kinder. Die Tüten für die anderen der Klasse, die nicht gekommen sind (Yuli und Hernando haben gesagt, dass die andern gemeint hätten, sie hätten keine Lust), werden wir nun an noch ärmere Kinder weiterverschenken. Wir waren schon ein bisschen beleidigt, aber was solls. Einen besonders hässlichen Ball haben wir dann doch an Taxi-Roy verschenkt, der sich ebenfalls wie ein Kind freute. Mann muss sich seine Taxifahrer ja doch warm halten.
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Abends war in Jangas irgendwie Fiesta. Ich habs mitgekriegt als ich schon im Bett lag und auf einmal Grupo 5 durch die Gegend schallte. Zuerst verdächtigte ich Thomas, aber der hört ja gar kein Grupo 5. Dann gabs auch noch Feuerwerk. Fiesta, ohne uns? Toll. Werd Milton gleich zur Rede stellen müssen, morgen.
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21.12.08 Kochen mit Kekssose
21.12.08 Kochen mit Kekssose
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Beim Frühstück erklärte uns Milton, dass von der Secundaria in Jangas Promocionsfeier war, also so eine Art Abschlussball (das Schuljahr hier ist ja nun zuende). Ach so, na gut, da konnten wir natürlich nicht hin. Aber morgen ist ja in Huaraz der Abschlussball der Secundaria und dort sind wir eingeladen, weil sein Primo (Cousin) dort Feier hat und uns die Schwester von Ariane, die ebenfalls feiert, auch einlud. Fein, ich liebe Fiestas, juchu, juchu. Heute stand aber etwas anderes auf dem Plan: Wir sollten doch heute mit Milton-Mama kochen, Aji de gallina, also Huhn mit schärferer Sose sollte es geben. Ich hab mir dieses Gericht gewünscht, weil ichs so lecker find und nicht daran gedacht hab, dass das Huhn kleingerupft in der Sose ist und die beiden Vegetarier es rausfischen müssen. Um elf waren wir in der Küche verabredet. Aber um elf war Milton-Mama nicht da. Na prima, sie ist nach Huaraz gefahren. Dafür kam dann Mari, die älteste Schester der Vergara-Kinder um mit uns zu kochen. Arg schwierig waren unsere Aufgaben jetzt auch nicht gerade. Das einzige was wir machten, war Kartoffeln schälen und Hünchenfleisch kleinrupfen (Anika und Joana waren begeistert). Ich hatte ein ziemlich schlechtes Gewissen, aber jetzt war es zu spät. In die Sose kamen auch salzige Kekse, kleingehäckselt rein, was uns sehr überraschte. Wie auch immer. Es hat trotzdem Spaß gemacht und wir freuten uns, dass wir mit der Familie mal wieder was unternommen haben und auch alle zusammen dann am Esstisch saßen. Die Vergaras freuten sich auch und lachten uns ca. eine halbe Stunde wegen den „Kigschpax“ (Kässpatzen) aus, die ja so eklig sind. Die Kigschpax sind der neueste Running-Gag und immer für einen Lacher gut. Mann muss das Wort nur in den Raum werfen und schon lachen sie sich halb kringelig. War diese Mahlzeit wenigstens für etwas gut, hier.
***
Nachmittag gings nach Huaraz. Ich hatte einen Skype-Marrathon vor mir, zuerst mit meiner Freundin, dann mit meinen Eltern. Das hat ca. ewig gedauert und wir hatten danach nicht mehr viel Zeit, noch arg viel einzukaufen. Es fehlten ja noch Geschenke für die Vergaras, für uns (Wichteln) und das Material für das Ferienprogramm in Atupa, wo wir an Heilig Abend, am Mittwoch, anfangen wollten. Wir beschlossen am Montag nochmal zu fahren und heute nur in den Supermarkt zu gehen, ein paar Lebensmittel einkaufen. Auf dem Weg dorthin, kamen wir doch tatsächlich an einem Weihnachtsmarkt vorbei! Leider schauten wir nicht rein, weil es regnete wie nochmal was. Wir wollten morgen schauen. Abends aßen wir wieder mit der ganzen Familie. Wir machten gleich wieder Kochen für den nächsten Tag aus. Auch die Tür bleibt jetzt immer offen und wir können immer wenn wir wollen zu den Vergaras rüber gehen. Na also, hat also doch was genützt, das Gespräch. War vieleicht doch zu voreilig, die Entscheidung auszuziehen. Trotzdem freu ich mich auch auf die neue Erfahrung, die ich in einer richtigen indigenen Gastfamilie machen werde.
Beim Frühstück erklärte uns Milton, dass von der Secundaria in Jangas Promocionsfeier war, also so eine Art Abschlussball (das Schuljahr hier ist ja nun zuende). Ach so, na gut, da konnten wir natürlich nicht hin. Aber morgen ist ja in Huaraz der Abschlussball der Secundaria und dort sind wir eingeladen, weil sein Primo (Cousin) dort Feier hat und uns die Schwester von Ariane, die ebenfalls feiert, auch einlud. Fein, ich liebe Fiestas, juchu, juchu. Heute stand aber etwas anderes auf dem Plan: Wir sollten doch heute mit Milton-Mama kochen, Aji de gallina, also Huhn mit schärferer Sose sollte es geben. Ich hab mir dieses Gericht gewünscht, weil ichs so lecker find und nicht daran gedacht hab, dass das Huhn kleingerupft in der Sose ist und die beiden Vegetarier es rausfischen müssen. Um elf waren wir in der Küche verabredet. Aber um elf war Milton-Mama nicht da. Na prima, sie ist nach Huaraz gefahren. Dafür kam dann Mari, die älteste Schester der Vergara-Kinder um mit uns zu kochen. Arg schwierig waren unsere Aufgaben jetzt auch nicht gerade. Das einzige was wir machten, war Kartoffeln schälen und Hünchenfleisch kleinrupfen (Anika und Joana waren begeistert). Ich hatte ein ziemlich schlechtes Gewissen, aber jetzt war es zu spät. In die Sose kamen auch salzige Kekse, kleingehäckselt rein, was uns sehr überraschte. Wie auch immer. Es hat trotzdem Spaß gemacht und wir freuten uns, dass wir mit der Familie mal wieder was unternommen haben und auch alle zusammen dann am Esstisch saßen. Die Vergaras freuten sich auch und lachten uns ca. eine halbe Stunde wegen den „Kigschpax“ (Kässpatzen) aus, die ja so eklig sind. Die Kigschpax sind der neueste Running-Gag und immer für einen Lacher gut. Mann muss das Wort nur in den Raum werfen und schon lachen sie sich halb kringelig. War diese Mahlzeit wenigstens für etwas gut, hier.
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Nachmittag gings nach Huaraz. Ich hatte einen Skype-Marrathon vor mir, zuerst mit meiner Freundin, dann mit meinen Eltern. Das hat ca. ewig gedauert und wir hatten danach nicht mehr viel Zeit, noch arg viel einzukaufen. Es fehlten ja noch Geschenke für die Vergaras, für uns (Wichteln) und das Material für das Ferienprogramm in Atupa, wo wir an Heilig Abend, am Mittwoch, anfangen wollten. Wir beschlossen am Montag nochmal zu fahren und heute nur in den Supermarkt zu gehen, ein paar Lebensmittel einkaufen. Auf dem Weg dorthin, kamen wir doch tatsächlich an einem Weihnachtsmarkt vorbei! Leider schauten wir nicht rein, weil es regnete wie nochmal was. Wir wollten morgen schauen. Abends aßen wir wieder mit der ganzen Familie. Wir machten gleich wieder Kochen für den nächsten Tag aus. Auch die Tür bleibt jetzt immer offen und wir können immer wenn wir wollen zu den Vergaras rüber gehen. Na also, hat also doch was genützt, das Gespräch. War vieleicht doch zu voreilig, die Entscheidung auszuziehen. Trotzdem freu ich mich auch auf die neue Erfahrung, die ich in einer richtigen indigenen Gastfamilie machen werde.
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22.12.08 Freundliches Pueblo und frostige Party
22.12.08 Freundliches Pueblo und frostige Party
hh
Heute sollte Joanas Freundin, die sie für zwei Wochen hier besucht, ankommen. Außerdem waren wir auch noch zur Promotionsfeier von Miltons Cousin eingeladen. Doch zuerst sollten wir ja nochmal nach Hanjua. Weil man dahin ungefähr ewig nach oben in die Berge fahren muss, wollten wir schon um acht an der Brücke sein, wohin wir mit dem Colectivo fahren, bevor wir aufsteigen. Wir standen also schon um halb sieben auf, da wir ja auch erst noch mit dem Colectivo 10 Minuten bis zur Brücke fahren müssen. Milton war ganz überrascht uns so früh zu sehen, dabei haben wir mit ihm am Vortag noch darüber gesprochen. Dann war er auch noch überraschter, als wir sagten, wir gehen mit Angel da hin. „Angel kann heute nicht. Der muss irgendwas für die Kirche arbeiten“. Er, Milton, könne selber auch nicht, weil es wegen der Krippe die wir bauen wollen noch eine Reunion um acht uhr früh gibt. Na super. Angel hat doch selber vorgeschlagen am Montag nochmal hinzugehen. So was verplantes wie ihn hab ich echt selten erlebt. Was solls, dann gehen wir eben alleine. Als wir gerade fertig waren und los wollten, kam Milton angehetzt. Angel hat so ein schlechtes Gewissen, weil er vergessen hat zu sagen, dass er heute nicht kann, dass er jetzt die Reunion leiten wird und Milton mit uns mitkommen kann. Warum er dann nicht einfach selber mit uns mitgeht weis keiner, aber das ist halt einfach mal wieder typische Peruanerlogik. Naja, also auf gehts, wir sind eh schon spät dran. Auf dem Weg per Colectivo zur Brücke, wollte uns der Colectivojunge noch abzocken, indem er einfach das doppelte des Preises verlangte. Das passiert uns leider häufiger, dass manche denken, nur weil wir weiße sind, dürften wir auch mehr zahlen. Zu seinem Pech kannten wir die Preise aber schon und haben so lang diskutiert, später auch mit Hilfe einiger Mitfahrer, bis wir wirklich nur den richtigen Preis gezahlt haben. Jetzt aber los. Natürlich kam diesmal kein Taxi und wir machten uns zu Fuß auf den Weg nach oben. Bis zur ersten Kurve war ich noch voll im Wanderfieber und fand alles toll. In der nächsten Kurve wurden wir schon langsamer. Das Problem war, dass wir eh schon spät dran waren und uns beeilen mussten. Und es war wirklich mordsmäßig anstrengend. Die Steigung lag bestimmt bei 60° oder Teilweise mehr. Der Weg war ja schon beim Abstieg total schwierig. Aber der Aufstieg war echt furchtbar. Mir machte es trotzdem Spaß, es war noch kühl, die Landschaft war schön und ich fands jetzt auch irgendwie nicht sooo schlimm. Aber Anika hatte irgend ein Kreislaufproblem, oder so und schaffte es kaum. Deswegen wartete Joana mit ihr immer ein bisschen und sie sagten, wir sollten vorrauslaufen und halt dann oben warten. Milton lief mal wieder wie eine Bergziege vorraus, Thomas und ich keuchten hinterher. Nach ca. einer Stunde (laut Angel: halbe Stunde) waren wir endlich oben. Am Dorfeingang kamen wir noch an zwei Frauen vorbei, die sich in einem ziemlich schmutzigen Wasserbecken wuschen, die eine oben-ohne. Das störte sie allerdings nicht sehr und sie antwortete auch, als Thomas „Buenos Dias“ sagte, wobei ihr Busen fast bis zu den Knien hing. Während wir auf Anika und Joana warteten, suchten Thomas und ich noch schnell einen Laden, um Wasser zu kaufen. Vor der einzigen Bodega wartete ein älterer Mann, der an irgend einer Decke rumzupfelte. Als ich fragte, ob der Laden offen sei, fragte er „que cosa?“ (dt: welche Sache). Ich dachte er hat mich nicht verstanden und wiederholte. Und er sagte wieder „que cosa?“. So ging das nochmal, bis ich endlich gecheckt hab, das der Mann der Ladenbesitzer ist und mich fragt, was ich kaufen will. Nachdem ich „agua“ gesagt hab, lies er uns eintreten in die dunkle Höhle, die einen kleinen Laden darstellen soll und ich konnte mein Wasser kaufen.
***
Als wir zurück kamen, waren Anika und Joana dann auch da und wir machten uns auf dem Weg zur Municipalidad um den Bürgermeister zu treffen. Dieser entpuppte sich als sehr sympatischer und höflicher Mann, der sehr angetan von der Idee war, dass wir Ferienkurse mit den Kindern machen wollen. Und auch die Eltern wollten Englisch lernen, weswegen wir das eben auch noch machen. Milton machte mit ihm aus, dass die Eltern jetzt immer für uns kochen werden und er sagte sogar, dass sie kein Cuy machen sollen. Glück gehabt. Der Bgm wollte unbedingt, dass wir in sein Dorf in Gastfamilien ziehen. Aber Hajua ist nun wirklich definitiv zu weit weg. Mit viel Glück kommt mal ein Taxi vorbei, ansonsten muss man ewig lang Bergauf bzw. –ab laufen. Schade, denn die Leute sind wirklich total freundlich und offen. Aber hilft ja nix. Wir verabschiedeten uns und machten uns auf den Heimweg. Der war übrigens diesmal (dank Wanderschuhen) in 20 Minuten gemeistert. Das Colectivo verlangte auch nur soviel wie es verdiente und alles war gut. Später gingen wir gleich in die Küche, weil Miltonmama extra auf uns wartete um mit uns zu kochen. Es sollte Gemüse geben mit Reis und Chocho. Chocho ist ein total leckerer Salat, aus einer bestimmten Maissorte, die es nur in Peru gibt, Limonensaft, Zwiebeln, Tomate und Salz. Viel geholfen haben wir wieder nicht, da man in der kleinen Küche nicht viel auf einmal machen kann. Aber das Chocho haben wir ganz allein gemacht und Milton-Mama hat uns gleich angewiesen zu Essen. Es war das beste Chocho das ich je gegessen hab und wir waren ziemlich stolz. Danach sind wir gleich nach Huaraz gefahren, weil wir ja noch die Wichtlgeschenke kaufen wollten und auch noch die Weihnachtsgeschenke für die Vergaras. Wir mussten uns allerdings sehr beeilen, weil ja heute noch die Promocionsfeier war und wir uns noch zurechtmachen wollten, außerdem mussten wir ja auch Joanas Freundin abholen. Zuerst gings in den Kitschmarkt, wo so ziemlich jeder sein Wichtlgeschenk besorgt hat. Als wir nach draußen gingen, meinte Thomas, er müsse noch schnell wohin, wir sollen schonmal rausgehen. Also warteten wir draußen. Und warteten. Ewig. Nach 20 Minuten machten wir uns langsam Sorgen und riefen auf seinem Handy an. Aber er ging nicht hin. Um uns rum herrschte reges Treiben und wir wurden auch langsam ungeduldig, da wir uns ja eigentlich beeilen sollten und nun standen wir untätig rum und konnten ihn nicht erreichen. Neben uns schliff ein junger Mann seit ca. einer halben Stunde ein Messer. Thomas kam nicht. Und ging auch an den 8. Anruf nicht ran. Was sollen wir denn jetzt machen? Weggehen konnten wir nicht, weil er uns ja dann nicht mehr findet, trennen wollten wir uns auch nicht, weil dann auf jeden Fall einer alleine bleibt. Als Joana ein Stückchen in den Markt reinguckte, kam auf einmal eine Frau angelaufen und fragte uns woher wir seien. Wir kennen das mittlerweile und unterhalten uns gern kurz ein bisschen mit den Leuten. Die Frau erzählte irgendwas über Huaraz und fing dann auf einmal an, uns zu fragen, welcher Religion wir angehören. Christen. Aha. Sie ist irgendwas mit Jesus. Auf jeden Fall keine Christin. Interessant. Tja, leider hörte sie dann nicht mehr wie erwartet auf mit dem Thema, sonder fing damit an, dass die Christen nichts mit Jesus zu tun haben und dass das schlecht ist, dass wir sofort, wenn wir wieder zurück in Deutschland sind, eine Kirche suchen sollen, die eben diese komische Jesusreligion hat (ich muss zu meiner Schande gestehen, ich hab vergessen wie die komische Religion von der hieß) und dass wir mal nach Lima fahren sollen, da ist der Grundsitz dieser Kirche und da bekommen wir was zu Essen und können beten usw. Die wollte gar nicht mehr aufhören. Wir sagten halt wieder unser obligatorisches „ja, ja“, weil man mit der bestimmt nicht diskutieren kann. Irgendwann wurde es mir zu blöd und ausserdem musste ich noch zur Post, weil ich ein Päckchen verschicken wollte und Schuhe für die Promocionsfeier kaufen musste. Also ging ich alleine los. Wir hatten echt nicht mehr viel Zeit. Die Schuhe waren in 5 Minuten gekauft und als ich gerade in der Post stand und wieder ewig das Paket beschriften musste, rief mich Anika an und meinte, ich solle nochmal Thomas anrufen, weil sie seine Nummer nicht haben und er schon eine Stunde weg ist. Grad, als ich seine Nummer gewählt hab, stand er auf einmal hinter mir. Wieso dass denn jetzt? Er meinte, er habe gedacht, dass wir am anderen Ausgang warten und hat uns da natürlich nicht gefunden, sein Handy hatte er nicht dabei. Na prima, wir sind also eine Stunde vor dem verkehrten Ausgang gestanden und haben blöd Zeit vertrödelt. Was solls. Schnell kauften wir noch Ohrringe für die Vergara-Schwestern und für Milton-Mama eine hübsche neue Decke. Die Oma, die immer kalte Füße hat, bekommt super weiche und warme Alpackasocken. Die Jungs der Familie kriegen Stirnlampen, weil sie die damals bei Stromausfall so toll fanden. Fertig. Jetzt aber nix wie heim.
***
Zuerst musste ich mich duschen, weil es in der Früh mal wieder kein Wasser gab und ich natürlich nicht ungeduscht auf diese Piekfeine Feier wollte (laut Sonia müssen alle die dort sind nämlich Abendkleider bzw. Anzug tragen). Ich hab kein Abendkleid, also musste es mein schwarzer Rock tun. Nachmittags wars schon saukalt und ich fror schon ein bisschen. Aber die Party ist ja drinnen, deswegen wirds schon nicht so schlimm werden. Beim Abendessen fragte Milton-Mama Anika und mich, ob es uns nicht frieren wird. Joana konnte leider nicht mit, weil sie mit ihrer Freundin dann gleich nach Hause fährt, da diese bestimmt keine Lust hat, gleich nach ihrer Ankunft auf eine Party zu gehen. Joana war schon ein bissl neidisch, weil wir auf eine Party gehen konnten, wo man sich sogar ausnahmsweise mal schick macht. Ich freute mich auch schon total. Aufgebretzelt wie nochmal was, liefen wir zum Colectivo, der schon ungeduldig auf uns wartete. Da mein Rock leider ein bissl zu groß ist, verlor ich ihn beinahe auf dem Weg dorthin. Peinlich. Zuerst gings zu MovilTours, wo wir die Freundin abholen wollten. Leider hatte der Bus von ihr Verspätung. Also warteten wir. Und froren wie nochmal was. Es war so schrecklich kalt, dass ich es kaum erwarten konnte, endlich auf die warme Party gehen zu können. Die Leute die bei MovilTours auf ihren Bus warteten, sahen uns eh schon total komisch an, weil wir uns so aufgebretzelt in die Wartehalle setzten. Dazu hatten wir auch noch eine Barbi und eine Ball dabei, die wir unserem Taxifahrer, Piedro, der Mann von unserer Freundin, der uns damals beim Geschenkekauf schon heimbracht, für seine Kinder schenken wollten. Nach unendlichen 30 Minuten kam dann Piedro auch schon und wir durften uns zu ihm ins Auto setzen, während wir auf den Bus warteten. Er unterhielt sich derweil draußen mit Thomas und Joana, die ja normal angezogen waren, war aber total lieb und machte uns den Radio an. Anika und ich schlugen die Zeit tot, indem wir sämtliche Grupo5 Lieder, die im Radio liefen, mitsummten, weil wir ja die Texte meistens noch nicht können. Nach einer Stunde, kam dann doch der Bus an und wir konnten die Freundin einpacken und endlich auf die Fiesta fahren. Wir sollten Milton anrufen, damit er uns reinholt, wenn wir da sind. Also stiegen wir aus dem Taxi aus und warteten draußen vor der Tür. Und es war schon wieder so abartig kalt. Milton kam ewig nicht und es war total schrecklich. Irgendwann kam dann ein recht feiner, älterer Herr auf uns zu gelaufen und ich dachte noch so: „Hei, der geht bestimmt auch auf die Feier“. Als er aber näher kam, erkannte ich, dass es Milton ist, im Anzug. Ups. Ich hab ihn für nen ca. 50 – jährigen Mann gehalten. Peinlich. Nun gings endlich nach drinnen, ins warme. Haha. Wir gingen durch eine Torbogen und standen auf einmal in einem Hinterhof, der mit ein paar Zeltplanen ein bisschen abgeschirmt war. Die Party fand draussen statt. Oh nein! Es war genau so kalt, als ob wir auf der Straße feiern würden. Alles was Anika und ich anhatten, waren ein Rock (zum Glück wenigstens mit Feinstrumpfhose) und ein dünnes Jäckchen. Es war schrecklich. Wir setzten uns an einen nobel mit Hussen verkleideten Tisch und froren. Ich musste mich schon ein bissl aufregen, weil es nunmal eine Veranstaltung ist, bei der man Abendkleider trägt (zumindest die Abschlussschülerinnen) und es doch klar ist, dass man es dann warm bracht. Warum also, feiern sie die Party draußen, wenn es in Huaraz in der Nacht jeden Tag gleich kalt ist? Die armen Mädels froren (sofern sie nicht betrunken waren) mindestens genauso. Dieses Ambiente können sich nur Männer ausgedacht haben. Tja, zu spät, jetzt waren wir da. Mit uns am Tisch saßen Milton, seine Cousine, die die Tanzpartnerin von seinem Promocionscousin war, zwei Freunde des Cousins und dessen Mutter, die schlau war und eine Decke dabei hatte. Es war so furchtbar kalt und auch langweilig, da die beiden Freunde Musik hörten, die Mutter überhaupt nicht redete, Milton oft nicht da war und die Cousine telefonierte. Und wir froren so. Es war so furchtbar. Kurz darauf kam eine Tanzgruppe in ziemlich aufwendiger Tracht und führte einen wirklich coolen Tanz vor. Ich kann leider nicht sagen, von welcher Region Perus das sein sollte, weil ich wirklich andere Probleme hatte. Dann kam die große Stunde der Abschlussschüler. Jeder einzelne wurde mit Namen aufgerufen und ging mit seinem Partner nach vorne, zu einem langen Tisch, direkt vor der Bühne. Allerdings durften sich nur die Schüler an diesen Tisch setzen, die Partner mussten zurück zu den Allgemeinheit-Tischen. Übrigens waren wir die einzigen Nicht-Abschlussschüler, bzw. Nicht-Partner, die sich hübsch gemacht haben. Alle andern waren total normal angezogen (außer Milton in seinem Anzug, der ihm viel zu groß war, so dass er aussah als würde er darin schwimmen). Ich war ziemlich sauer auf Sonia. Hätte die nicht so eine Blödsinn verzapft, hätten wir die Feier vieleicht sogar geniesen können. Eine normale Hose hätte schon einiges geholfen. Tja, zu spät. Es folgten ein paar rührende Reden der Lehrer, die alle sagten, dass sie wissen, dass ihre Schützlinge ihren Weg gehen werden und dann wurde das Essen serviert. Es gab für alle ca. 300 Gäste nur einen einzigen Kellner, der der Reihe nach bediente. Bis wir unser Essen hatten (leckerer Reis mit Kartoffelbrei, Gemüse und Rindfleisch), war es 24 Uhr und wir nur noch am bibbern. Obwohl ich überhaupt keinen Hunger hatte, stopfte ich mir das mittlerweile auch kalte Essen mit dem noch viel kälteren Besteck in Windeseile rein, weil ich 1. so schnell wie möglich heim wollte und mir 2. einbildete, dass das Essen ein bisschen wärmer machte. Mittlerweile beneideten wir Joana, die in ihrem warmen Zimmer sitzen und Tee trinken konnte. Da wir das Essen dann auch noch zahlen mussten (wir waren wohl doch nicht eingeladen) hatte ich auch kein schlechtes Gewissen mehr, dass wir kurz danach gleich abhauten. Waehrend wir so rumsassen, erfuhren wir dann auch noch den Grund fuer die Trennung von Nino mit seiner Freundin. Und zwar hat sie ihn in flagranti erwischt, wie er mit einer anderen rumgemacht hat! Dieser Hundling! Und zu uns kommt er dann und erzaehlt irgendwas von seiner grossen Liebe und dass er gaaaar keine Ahnung hat, wieso sie mit ihm schluss gemacht hat. Jetzt diskutieren sie scheinbar seit zwei Tagen miteinander, ob das nun ein berechtigter Grund fuer die Trennung war oder nicht. Also ehrlich. Und uns hat er noch so leid getan.. Tja, so kanns gehen.Mir war eh alles egal, ich wollte nur noch ins warme. Wir machten noch schnell ein paar Fotos mit Promocionscousin, von dem ich nicht mal den Namen weis und entschuldigten uns bei Milton. Der beschaffte uns ein Taxi, bei dem ich die ganze Zeit Angst hatte, das der Fahrer einschläft und um viertel vor ein waren wir endlich Zuhause. Auf meinem Handy waren 5 Anrufe von Milton, die ich nicht gehört hatte, weil mein Handy daheim war und nicht mit auf der Party. Beim 6. Anruf erreichte er mich dann und schrie ca. 10x ins Telefon, dass er sich totale Sorgen gemacht habe. Jaja, mit den Handys hatten wir es heute alle nicht so. Ich machte mir eine Wärmflasche und noch dazu meine Metallflasche mit heißem Wasser voll, die ich mir beide in den Schlafsack schmiss. Es half nicht viel. So durchgefroren wie heute, war ich bestimmt schon 10 Monate nicht mehr. Erst als ich mir die beiden heissen Flaschen vorne an den Bauch und hinten an den Rücken hielt, ging es einigermaßen. Der Abend war wirklich ein absoluter Reinfall. Naja, die nächste Party wird wieder besser.
Heute sollte Joanas Freundin, die sie für zwei Wochen hier besucht, ankommen. Außerdem waren wir auch noch zur Promotionsfeier von Miltons Cousin eingeladen. Doch zuerst sollten wir ja nochmal nach Hanjua. Weil man dahin ungefähr ewig nach oben in die Berge fahren muss, wollten wir schon um acht an der Brücke sein, wohin wir mit dem Colectivo fahren, bevor wir aufsteigen. Wir standen also schon um halb sieben auf, da wir ja auch erst noch mit dem Colectivo 10 Minuten bis zur Brücke fahren müssen. Milton war ganz überrascht uns so früh zu sehen, dabei haben wir mit ihm am Vortag noch darüber gesprochen. Dann war er auch noch überraschter, als wir sagten, wir gehen mit Angel da hin. „Angel kann heute nicht. Der muss irgendwas für die Kirche arbeiten“. Er, Milton, könne selber auch nicht, weil es wegen der Krippe die wir bauen wollen noch eine Reunion um acht uhr früh gibt. Na super. Angel hat doch selber vorgeschlagen am Montag nochmal hinzugehen. So was verplantes wie ihn hab ich echt selten erlebt. Was solls, dann gehen wir eben alleine. Als wir gerade fertig waren und los wollten, kam Milton angehetzt. Angel hat so ein schlechtes Gewissen, weil er vergessen hat zu sagen, dass er heute nicht kann, dass er jetzt die Reunion leiten wird und Milton mit uns mitkommen kann. Warum er dann nicht einfach selber mit uns mitgeht weis keiner, aber das ist halt einfach mal wieder typische Peruanerlogik. Naja, also auf gehts, wir sind eh schon spät dran. Auf dem Weg per Colectivo zur Brücke, wollte uns der Colectivojunge noch abzocken, indem er einfach das doppelte des Preises verlangte. Das passiert uns leider häufiger, dass manche denken, nur weil wir weiße sind, dürften wir auch mehr zahlen. Zu seinem Pech kannten wir die Preise aber schon und haben so lang diskutiert, später auch mit Hilfe einiger Mitfahrer, bis wir wirklich nur den richtigen Preis gezahlt haben. Jetzt aber los. Natürlich kam diesmal kein Taxi und wir machten uns zu Fuß auf den Weg nach oben. Bis zur ersten Kurve war ich noch voll im Wanderfieber und fand alles toll. In der nächsten Kurve wurden wir schon langsamer. Das Problem war, dass wir eh schon spät dran waren und uns beeilen mussten. Und es war wirklich mordsmäßig anstrengend. Die Steigung lag bestimmt bei 60° oder Teilweise mehr. Der Weg war ja schon beim Abstieg total schwierig. Aber der Aufstieg war echt furchtbar. Mir machte es trotzdem Spaß, es war noch kühl, die Landschaft war schön und ich fands jetzt auch irgendwie nicht sooo schlimm. Aber Anika hatte irgend ein Kreislaufproblem, oder so und schaffte es kaum. Deswegen wartete Joana mit ihr immer ein bisschen und sie sagten, wir sollten vorrauslaufen und halt dann oben warten. Milton lief mal wieder wie eine Bergziege vorraus, Thomas und ich keuchten hinterher. Nach ca. einer Stunde (laut Angel: halbe Stunde) waren wir endlich oben. Am Dorfeingang kamen wir noch an zwei Frauen vorbei, die sich in einem ziemlich schmutzigen Wasserbecken wuschen, die eine oben-ohne. Das störte sie allerdings nicht sehr und sie antwortete auch, als Thomas „Buenos Dias“ sagte, wobei ihr Busen fast bis zu den Knien hing. Während wir auf Anika und Joana warteten, suchten Thomas und ich noch schnell einen Laden, um Wasser zu kaufen. Vor der einzigen Bodega wartete ein älterer Mann, der an irgend einer Decke rumzupfelte. Als ich fragte, ob der Laden offen sei, fragte er „que cosa?“ (dt: welche Sache). Ich dachte er hat mich nicht verstanden und wiederholte. Und er sagte wieder „que cosa?“. So ging das nochmal, bis ich endlich gecheckt hab, das der Mann der Ladenbesitzer ist und mich fragt, was ich kaufen will. Nachdem ich „agua“ gesagt hab, lies er uns eintreten in die dunkle Höhle, die einen kleinen Laden darstellen soll und ich konnte mein Wasser kaufen.
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Als wir zurück kamen, waren Anika und Joana dann auch da und wir machten uns auf dem Weg zur Municipalidad um den Bürgermeister zu treffen. Dieser entpuppte sich als sehr sympatischer und höflicher Mann, der sehr angetan von der Idee war, dass wir Ferienkurse mit den Kindern machen wollen. Und auch die Eltern wollten Englisch lernen, weswegen wir das eben auch noch machen. Milton machte mit ihm aus, dass die Eltern jetzt immer für uns kochen werden und er sagte sogar, dass sie kein Cuy machen sollen. Glück gehabt. Der Bgm wollte unbedingt, dass wir in sein Dorf in Gastfamilien ziehen. Aber Hajua ist nun wirklich definitiv zu weit weg. Mit viel Glück kommt mal ein Taxi vorbei, ansonsten muss man ewig lang Bergauf bzw. –ab laufen. Schade, denn die Leute sind wirklich total freundlich und offen. Aber hilft ja nix. Wir verabschiedeten uns und machten uns auf den Heimweg. Der war übrigens diesmal (dank Wanderschuhen) in 20 Minuten gemeistert. Das Colectivo verlangte auch nur soviel wie es verdiente und alles war gut. Später gingen wir gleich in die Küche, weil Miltonmama extra auf uns wartete um mit uns zu kochen. Es sollte Gemüse geben mit Reis und Chocho. Chocho ist ein total leckerer Salat, aus einer bestimmten Maissorte, die es nur in Peru gibt, Limonensaft, Zwiebeln, Tomate und Salz. Viel geholfen haben wir wieder nicht, da man in der kleinen Küche nicht viel auf einmal machen kann. Aber das Chocho haben wir ganz allein gemacht und Milton-Mama hat uns gleich angewiesen zu Essen. Es war das beste Chocho das ich je gegessen hab und wir waren ziemlich stolz. Danach sind wir gleich nach Huaraz gefahren, weil wir ja noch die Wichtlgeschenke kaufen wollten und auch noch die Weihnachtsgeschenke für die Vergaras. Wir mussten uns allerdings sehr beeilen, weil ja heute noch die Promocionsfeier war und wir uns noch zurechtmachen wollten, außerdem mussten wir ja auch Joanas Freundin abholen. Zuerst gings in den Kitschmarkt, wo so ziemlich jeder sein Wichtlgeschenk besorgt hat. Als wir nach draußen gingen, meinte Thomas, er müsse noch schnell wohin, wir sollen schonmal rausgehen. Also warteten wir draußen. Und warteten. Ewig. Nach 20 Minuten machten wir uns langsam Sorgen und riefen auf seinem Handy an. Aber er ging nicht hin. Um uns rum herrschte reges Treiben und wir wurden auch langsam ungeduldig, da wir uns ja eigentlich beeilen sollten und nun standen wir untätig rum und konnten ihn nicht erreichen. Neben uns schliff ein junger Mann seit ca. einer halben Stunde ein Messer. Thomas kam nicht. Und ging auch an den 8. Anruf nicht ran. Was sollen wir denn jetzt machen? Weggehen konnten wir nicht, weil er uns ja dann nicht mehr findet, trennen wollten wir uns auch nicht, weil dann auf jeden Fall einer alleine bleibt. Als Joana ein Stückchen in den Markt reinguckte, kam auf einmal eine Frau angelaufen und fragte uns woher wir seien. Wir kennen das mittlerweile und unterhalten uns gern kurz ein bisschen mit den Leuten. Die Frau erzählte irgendwas über Huaraz und fing dann auf einmal an, uns zu fragen, welcher Religion wir angehören. Christen. Aha. Sie ist irgendwas mit Jesus. Auf jeden Fall keine Christin. Interessant. Tja, leider hörte sie dann nicht mehr wie erwartet auf mit dem Thema, sonder fing damit an, dass die Christen nichts mit Jesus zu tun haben und dass das schlecht ist, dass wir sofort, wenn wir wieder zurück in Deutschland sind, eine Kirche suchen sollen, die eben diese komische Jesusreligion hat (ich muss zu meiner Schande gestehen, ich hab vergessen wie die komische Religion von der hieß) und dass wir mal nach Lima fahren sollen, da ist der Grundsitz dieser Kirche und da bekommen wir was zu Essen und können beten usw. Die wollte gar nicht mehr aufhören. Wir sagten halt wieder unser obligatorisches „ja, ja“, weil man mit der bestimmt nicht diskutieren kann. Irgendwann wurde es mir zu blöd und ausserdem musste ich noch zur Post, weil ich ein Päckchen verschicken wollte und Schuhe für die Promocionsfeier kaufen musste. Also ging ich alleine los. Wir hatten echt nicht mehr viel Zeit. Die Schuhe waren in 5 Minuten gekauft und als ich gerade in der Post stand und wieder ewig das Paket beschriften musste, rief mich Anika an und meinte, ich solle nochmal Thomas anrufen, weil sie seine Nummer nicht haben und er schon eine Stunde weg ist. Grad, als ich seine Nummer gewählt hab, stand er auf einmal hinter mir. Wieso dass denn jetzt? Er meinte, er habe gedacht, dass wir am anderen Ausgang warten und hat uns da natürlich nicht gefunden, sein Handy hatte er nicht dabei. Na prima, wir sind also eine Stunde vor dem verkehrten Ausgang gestanden und haben blöd Zeit vertrödelt. Was solls. Schnell kauften wir noch Ohrringe für die Vergara-Schwestern und für Milton-Mama eine hübsche neue Decke. Die Oma, die immer kalte Füße hat, bekommt super weiche und warme Alpackasocken. Die Jungs der Familie kriegen Stirnlampen, weil sie die damals bei Stromausfall so toll fanden. Fertig. Jetzt aber nix wie heim.
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Zuerst musste ich mich duschen, weil es in der Früh mal wieder kein Wasser gab und ich natürlich nicht ungeduscht auf diese Piekfeine Feier wollte (laut Sonia müssen alle die dort sind nämlich Abendkleider bzw. Anzug tragen). Ich hab kein Abendkleid, also musste es mein schwarzer Rock tun. Nachmittags wars schon saukalt und ich fror schon ein bisschen. Aber die Party ist ja drinnen, deswegen wirds schon nicht so schlimm werden. Beim Abendessen fragte Milton-Mama Anika und mich, ob es uns nicht frieren wird. Joana konnte leider nicht mit, weil sie mit ihrer Freundin dann gleich nach Hause fährt, da diese bestimmt keine Lust hat, gleich nach ihrer Ankunft auf eine Party zu gehen. Joana war schon ein bissl neidisch, weil wir auf eine Party gehen konnten, wo man sich sogar ausnahmsweise mal schick macht. Ich freute mich auch schon total. Aufgebretzelt wie nochmal was, liefen wir zum Colectivo, der schon ungeduldig auf uns wartete. Da mein Rock leider ein bissl zu groß ist, verlor ich ihn beinahe auf dem Weg dorthin. Peinlich. Zuerst gings zu MovilTours, wo wir die Freundin abholen wollten. Leider hatte der Bus von ihr Verspätung. Also warteten wir. Und froren wie nochmal was. Es war so schrecklich kalt, dass ich es kaum erwarten konnte, endlich auf die warme Party gehen zu können. Die Leute die bei MovilTours auf ihren Bus warteten, sahen uns eh schon total komisch an, weil wir uns so aufgebretzelt in die Wartehalle setzten. Dazu hatten wir auch noch eine Barbi und eine Ball dabei, die wir unserem Taxifahrer, Piedro, der Mann von unserer Freundin, der uns damals beim Geschenkekauf schon heimbracht, für seine Kinder schenken wollten. Nach unendlichen 30 Minuten kam dann Piedro auch schon und wir durften uns zu ihm ins Auto setzen, während wir auf den Bus warteten. Er unterhielt sich derweil draußen mit Thomas und Joana, die ja normal angezogen waren, war aber total lieb und machte uns den Radio an. Anika und ich schlugen die Zeit tot, indem wir sämtliche Grupo5 Lieder, die im Radio liefen, mitsummten, weil wir ja die Texte meistens noch nicht können. Nach einer Stunde, kam dann doch der Bus an und wir konnten die Freundin einpacken und endlich auf die Fiesta fahren. Wir sollten Milton anrufen, damit er uns reinholt, wenn wir da sind. Also stiegen wir aus dem Taxi aus und warteten draußen vor der Tür. Und es war schon wieder so abartig kalt. Milton kam ewig nicht und es war total schrecklich. Irgendwann kam dann ein recht feiner, älterer Herr auf uns zu gelaufen und ich dachte noch so: „Hei, der geht bestimmt auch auf die Feier“. Als er aber näher kam, erkannte ich, dass es Milton ist, im Anzug. Ups. Ich hab ihn für nen ca. 50 – jährigen Mann gehalten. Peinlich. Nun gings endlich nach drinnen, ins warme. Haha. Wir gingen durch eine Torbogen und standen auf einmal in einem Hinterhof, der mit ein paar Zeltplanen ein bisschen abgeschirmt war. Die Party fand draussen statt. Oh nein! Es war genau so kalt, als ob wir auf der Straße feiern würden. Alles was Anika und ich anhatten, waren ein Rock (zum Glück wenigstens mit Feinstrumpfhose) und ein dünnes Jäckchen. Es war schrecklich. Wir setzten uns an einen nobel mit Hussen verkleideten Tisch und froren. Ich musste mich schon ein bissl aufregen, weil es nunmal eine Veranstaltung ist, bei der man Abendkleider trägt (zumindest die Abschlussschülerinnen) und es doch klar ist, dass man es dann warm bracht. Warum also, feiern sie die Party draußen, wenn es in Huaraz in der Nacht jeden Tag gleich kalt ist? Die armen Mädels froren (sofern sie nicht betrunken waren) mindestens genauso. Dieses Ambiente können sich nur Männer ausgedacht haben. Tja, zu spät, jetzt waren wir da. Mit uns am Tisch saßen Milton, seine Cousine, die die Tanzpartnerin von seinem Promocionscousin war, zwei Freunde des Cousins und dessen Mutter, die schlau war und eine Decke dabei hatte. Es war so furchtbar kalt und auch langweilig, da die beiden Freunde Musik hörten, die Mutter überhaupt nicht redete, Milton oft nicht da war und die Cousine telefonierte. Und wir froren so. Es war so furchtbar. Kurz darauf kam eine Tanzgruppe in ziemlich aufwendiger Tracht und führte einen wirklich coolen Tanz vor. Ich kann leider nicht sagen, von welcher Region Perus das sein sollte, weil ich wirklich andere Probleme hatte. Dann kam die große Stunde der Abschlussschüler. Jeder einzelne wurde mit Namen aufgerufen und ging mit seinem Partner nach vorne, zu einem langen Tisch, direkt vor der Bühne. Allerdings durften sich nur die Schüler an diesen Tisch setzen, die Partner mussten zurück zu den Allgemeinheit-Tischen. Übrigens waren wir die einzigen Nicht-Abschlussschüler, bzw. Nicht-Partner, die sich hübsch gemacht haben. Alle andern waren total normal angezogen (außer Milton in seinem Anzug, der ihm viel zu groß war, so dass er aussah als würde er darin schwimmen). Ich war ziemlich sauer auf Sonia. Hätte die nicht so eine Blödsinn verzapft, hätten wir die Feier vieleicht sogar geniesen können. Eine normale Hose hätte schon einiges geholfen. Tja, zu spät. Es folgten ein paar rührende Reden der Lehrer, die alle sagten, dass sie wissen, dass ihre Schützlinge ihren Weg gehen werden und dann wurde das Essen serviert. Es gab für alle ca. 300 Gäste nur einen einzigen Kellner, der der Reihe nach bediente. Bis wir unser Essen hatten (leckerer Reis mit Kartoffelbrei, Gemüse und Rindfleisch), war es 24 Uhr und wir nur noch am bibbern. Obwohl ich überhaupt keinen Hunger hatte, stopfte ich mir das mittlerweile auch kalte Essen mit dem noch viel kälteren Besteck in Windeseile rein, weil ich 1. so schnell wie möglich heim wollte und mir 2. einbildete, dass das Essen ein bisschen wärmer machte. Mittlerweile beneideten wir Joana, die in ihrem warmen Zimmer sitzen und Tee trinken konnte. Da wir das Essen dann auch noch zahlen mussten (wir waren wohl doch nicht eingeladen) hatte ich auch kein schlechtes Gewissen mehr, dass wir kurz danach gleich abhauten. Waehrend wir so rumsassen, erfuhren wir dann auch noch den Grund fuer die Trennung von Nino mit seiner Freundin. Und zwar hat sie ihn in flagranti erwischt, wie er mit einer anderen rumgemacht hat! Dieser Hundling! Und zu uns kommt er dann und erzaehlt irgendwas von seiner grossen Liebe und dass er gaaaar keine Ahnung hat, wieso sie mit ihm schluss gemacht hat. Jetzt diskutieren sie scheinbar seit zwei Tagen miteinander, ob das nun ein berechtigter Grund fuer die Trennung war oder nicht. Also ehrlich. Und uns hat er noch so leid getan.. Tja, so kanns gehen.Mir war eh alles egal, ich wollte nur noch ins warme. Wir machten noch schnell ein paar Fotos mit Promocionscousin, von dem ich nicht mal den Namen weis und entschuldigten uns bei Milton. Der beschaffte uns ein Taxi, bei dem ich die ganze Zeit Angst hatte, das der Fahrer einschläft und um viertel vor ein waren wir endlich Zuhause. Auf meinem Handy waren 5 Anrufe von Milton, die ich nicht gehört hatte, weil mein Handy daheim war und nicht mit auf der Party. Beim 6. Anruf erreichte er mich dann und schrie ca. 10x ins Telefon, dass er sich totale Sorgen gemacht habe. Jaja, mit den Handys hatten wir es heute alle nicht so. Ich machte mir eine Wärmflasche und noch dazu meine Metallflasche mit heißem Wasser voll, die ich mir beide in den Schlafsack schmiss. Es half nicht viel. So durchgefroren wie heute, war ich bestimmt schon 10 Monate nicht mehr. Erst als ich mir die beiden heissen Flaschen vorne an den Bauch und hinten an den Rücken hielt, ging es einigermaßen. Der Abend war wirklich ein absoluter Reinfall. Naja, die nächste Party wird wieder besser.
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23.12.08 Schon wieder Cuy und Schokolade
23.12.08 Schon wieder Cuy und Schokolade
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Am morgen fühlte ich mich nicht gerade super. Anika und Thomas waren auch ein bisschen kränklich unterwegs. Priml. Nur Milton war beim Frühstück gut drauf. Aber sogar ihn hat es gestern gefroren und er ist deswegen schon (!) um 3 Uhr Nachts nach Hause. Na dann. Heute stand Jahua auf dem Plan. Wir wollten die Schüler aufschreiben, die in die Ferienkurse kommen wollen und dann bald wieder abhauen. Vieleicht noch ein bisschen was spielen, wenn es sonst zu kurz werden würde. Mit Joanas Freundin Anke im Gepäck, ging es nach oben. Milton nahm eine rießigen Sack mit, weil er auf dem Weg nach unten irgendwelche Pflanzen für die Krippe sammeln wollte. Oben angekommen, waren doch tatsächlich ein paar Leute da. Und – 4 große Töpfe standen auf den Feuerstellen und dampften vor sich hin. Oh, oh, schon wieder Essen für uns.
Am morgen fühlte ich mich nicht gerade super. Anika und Thomas waren auch ein bisschen kränklich unterwegs. Priml. Nur Milton war beim Frühstück gut drauf. Aber sogar ihn hat es gestern gefroren und er ist deswegen schon (!) um 3 Uhr Nachts nach Hause. Na dann. Heute stand Jahua auf dem Plan. Wir wollten die Schüler aufschreiben, die in die Ferienkurse kommen wollen und dann bald wieder abhauen. Vieleicht noch ein bisschen was spielen, wenn es sonst zu kurz werden würde. Mit Joanas Freundin Anke im Gepäck, ging es nach oben. Milton nahm eine rießigen Sack mit, weil er auf dem Weg nach unten irgendwelche Pflanzen für die Krippe sammeln wollte. Oben angekommen, waren doch tatsächlich ein paar Leute da. Und – 4 große Töpfe standen auf den Feuerstellen und dampften vor sich hin. Oh, oh, schon wieder Essen für uns.
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Wieder zurück, erwarteten uns noch weitere Mütter und Kinder. Wir waren mittlerweil bei 60 Kindern angelangt und haben auch schon ein paar Eltern aufgeschrieben, die Englisch lernen wollten. Wir schrieben und schrieben und schrieben. Irgendwann hatten wir die 100 Kinder erreicht und hatten bestimmt auch schon 40 Mütter. Oh Gott, wie sollen wir denn das alles schaffen? Es war auch schon halb elf und wir mussten eigentlich bald wieder gehen, weil Milton-Mama ja auf uns wartete. Naja, lang konnte es ja nicht mehr dauern, die Frauen waren ja schon am kochen, als wir kamen. Tja, Pustekuchen. Wir saßen bis 1 Uhr Mittags vor der Schule rum. Ab und zu kam noch jemand um sich anzumelden und die Kinder schauten manchmal bei uns vorbei und zeigten uns ihre Zeugnisse, die sie an diesem Tag erhalten haben. Es waren kleine Heftchen, in denen für Fächer wie Lesen und Schreiben Noten von A – C verteilt wurden. A war sehr gut, B war immer noch gut, C war super schlecht. Ein Mädchen hatte nur Cs und als Kommentar stand drin: „Sie kann gar nichts“. Pädagogisch sehr wertvoll, wobei ich glaube, dass das Mädchen den Kommentar sowieso nicht lesen konnte. Ansonsten war es einfach nur langweilig. Die Kartoffeln wollten und wollten nicht fertig werden. Irgendwann ging Milton zu den Müttern und sagte, dass wir jetzt dann gehen müssen, weil wir noch Putzen zu einer Chocolatia müssen, die heute Nachmittag in einem Stadtteil von Jangas stattfindet, in dem ziemlich arme Leute wohnen. Chocolatia ist eine Veranstaltung, bei der in einem rießigen Topf heisse Schokolade für alle zubereitet wird. Dazu gab es 2 Körbe voller Paneton, denn wir dazu noch verteilen wollten. Aber jetzt mussten wir erstmal zurück nach Jangas. Als Anika und ich kurz auf dem ziemlich stinkigen Klo waren, wurden unsere Kartoffeln und Thomas und Miltons Kartoffeln + Meerschweinchen verteilt. Wir haben alle einen rießen Berg gekriegt, mit total leckerer Sose. Thomas gab sein Stück Meersau ziemlich bald an Milton ab und wir löffelten alles in Windeseile in uns rein. Um uns rum bildete sich bald eine rießige Hundetraube, die alle unbedingt Kartoffeln wollten. Es war auch in der Tat zu viel für uns, aber die Kartoffeln können wir ja schlecht einfach den Hunden zuwerfen. Also aßen wir brav auf. Endlich fertig und ab nach Hause. Wir bedankten uns noch bei den Müttern und Lehrern, schrieben noch ein bis zwei Kinder auf und stiegen ins Taxi, das extra auf uns wartete, weil es zu spät zum runterlaufen geworden war. Allerdings. Wurden dem Taxifahrer gerade Kartoffeln mit Cuy serviert und wir mussten noch warten, bis er alles verspeist hat. Die Peruaner essen übrigens zweimal so langsam wie wir. Während wir so im Auto saßen, kamen einige Kinder und guckten uns durch die Scheibe an. Als der Taxifahrer endlich fertig war, winkten wir noch und verschwanden. Es wurde wirklich Zeit.
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Geputzt haben wir dann doch nicht mehr, weil es schon zu spät war und das Wetter eh viel zu kalt. Schade, dass es gerade jetzt auf einmal so schlecht Wetter wird. Um halb vier gings dann auch schon los, zur Chocolatia. Die Milch steht seit unserem Kauf mit Richard bei mir im Zimmer rum. Für die Panetons gingen wir noch schnell zu Angel, der sie gebacken hat, um sie abzuholen. Er selber war nicht da, aber sein Bruder, packte uns 62 abgepackte Küchlein ein. Nun aber los. Als wir so unterwegs waren, viel uns auf, das wir ja noch gar keine Schokolade für die Milch haben. Milton lief schnell in einen Laden und holte sie. Er kaufte 2 Kilo Zucker – und 3 Tafeln Schokolade. Ähm, hallo? 60 Liter Milch und 3 Schokoladen? Das reicht ja hinten und vorne nicht. Was hat er sich denn da schon wieder gedacht? Auf dem Weg nach oben, machten wir Freiwilligen aus, das wir noch weitere Schokoladen kaufen müssten, weil das ja wirklich für die Katz war. Also, in den nächsten Laden und 24 weitere Tafeln Schokolade gekauft. So. Am Treffpunkt angekommen, warteten schon einige Mütter und unzählige kleine Kinder. Der rießige Topf wurde auf einem Lagerfeuer, dass aufgrund des nassen Holzes fürchterlich qualmte gestellt und per Gartenschlauch das Wasser für die Milch beschafft. Oh wei, das sah so aus, als würde das wieder recht lang dauern. Wir hatten jetzt ja Zeit, aber das Wetter war nass und ungemütlich. Milton meinte, wir sollten mit den Kindern spielen. Das Alter reichte ungefähr von 3 - 8 Jahren und alles was wir spielen konnten, war Katz und Maus, wobei die Kinder sich gar nicht so schlecht angestellt hatten. Es war echt süß. Irgendwann kochte dann das Wasser und wir machten uns daran, die 30 Dosen Milch mit dem Messer aufzurammen und unter übelstem Rauch in das Wasser zu gießen. Ein Mädchen schmiss fröhlich irgend einen Dreck aus ihrer Hosentasche in den Kessel, was aber außer uns niemanden interessierte. Nachdem die Milch drinnen war, schmissen wir noch die Tafeln Schokolade in das Gebräu. Die 2 Kilo Zucker waren den Müttern allerdings zu wenig, deswegen kauften sie nochmal zwei. Na, ob das schmeckt? Ich war mir nicht so sicher, allerdings dachte ich mir schon, dass sich der ziemlich geschmacklose Kuchen mit der zu sehr geschmackhaltigen Schokomilch wohl ziemlich gut ergänzt.
Ich durfte Miraculix spielen, neben mir der riessige Obelix (Thomas)
dddNach einiger Zeit war unsere Milch dann auch fertig und es ging ans austeilen. Die Kinder sollten sich zuerst in einer Reihe anstellen. Jeder hatte seine eigene Tasse dabei, in die sie einen Schöpflöffel Milch bekommen sollten, ausgeteilt von Anika und mir, wie Miraculix am Zaubertrankkessel.
Anke und Joana sollten dann jedem Kind ein ganzes Kuchenpackerl geben, Erwachsene kriegen nur ein halbes. Und los gings. Als endlich alle Kinder durch waren, kamen die ersten schon wieder an und wollten nochmal was. Dazu stellten sich nun auch die Eltern an. Irgendwie sollten wir dann doch immer mehr als einen Schöpfer ausgeben. Die selben Leute kamen immer öfter, mit den größten Gefäßen die sie finden konnten (unter anderem 1 Liter Messbecher oder Tupperdosen, bzw. kleine Kochtöpfe) und sagten Sachen wie „das ist für meinen Mann, der da ganz weit hinten sitzt“, oder „meine Oma, die krank ist“. Jaja, schon klar. Uns wars egal, da es eh ziemlich viel war und wir nicht unbedingt was davon abhaben mussten. Eine sehr alte Frau kam mit einer ganzen Kaserole an, die wir ihr ca. 3x füllten. Yenni, eine Jugendliche aus Jangas, die das ganze Mitorganisierte, meinte wir sollen ihr mehr geben, weil sie so arm seien. Die Frau und ihr Mann waren wirklich süß anzusehen, wie sie mit viel Genuss ihre Kuchen und die Schokolade aßen. .JPG)
Die suesse Omi mit ihrer Kaserolle
fffIrgendwann füllten wir uns dann doch 2 Tassen ab, zum Probieren und weil alle anwesenden eh schon bei ihrer 3 Tasse waren. Zu unserer Überraschung schmeckte die Milch gar nicht so schlecht und auch der Paneton war, in der Milch eingetunkt, gar nicht so eklig. Na Prima. Nach einer halben Stunde war der Topf dann leer und im Korb lag noch ein halber Kuchen, den wir der armen Oma gaben. Jetzt aber endlich nach Hause. Wir freuten uns, weil wir heute Glühwein machen wollten. Zuerst wollten wir aber noch mit Dolly Gassi gehen und Anke ein bischen Jangas zeigen. Leider regnete es fürchterlich und wir waren nach 5 Minuten wieder zuhause. Der Glühwein war wirklich lecker und wir gingen ziemlich früh ins Bett, da wir am nächsten Tag um 5 Uhr früh am Placa sein sollten, um beim Krippenaufstellen zu helfen. Bin ja mal gespannt. Morgen ist Weihnachten, juchu! .JPG)
Unser Weihnachtsbau, so kitschig wie nur moeglich
Frohe Weihnachten
Unser Weihnachtsbau, so kitschig wie nur moeglich
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24.12.08 Krippenbau und keine grosse Weihnachtsfeier
24.12.08 Krippenbau und keine grosse Weihnachtsfeier
hh
Als um halb 5 der Wecker klingelte, dacht ich mir nur eins: „nein, nein, nein“. Oh Gott, ich war so müde, draußen wars noch dunkel und so wie es sich anhörte, regnete es ziemlich stark. Das letzte was ich jetzt machen wollte, war irgendeine Krippe aufzustellen. Aber nix da, ich wollte unbedingt mitmachen, damit wir mal wieder mehr Kontakt mit den anderen Jugendlichen aus Jangas haben und außerdem war ich auch ziemlich gespannt, wie das ablaufen soll. Draußen traf ich auf Anika und Thomas, Joana und Anke schliefen wohl noch. Fehlte nur noch Milton, der uns holen sollte. Der kam aber nicht. Und nun? Wir wussten nicht, ob das ganze denn bei Regen ausfallen sollte, oder was los war, jedenfalls sah es nicht so aus, als wäre noch irgendwer am Placa. Es war auch noch dunkel und absolut ungemütlich. Um viertel vor 6 legte sich Anika wieder ins Bett und meinte, wir sollen klopfen, falls Milton irgendwann mal erscheint. Als ich das gerade auch machen wollte, kam er plötzlich angelaufen. Na endlich. Wir holten Anika und raus gings. Auf dem Placa die erste schlechte Überraschung: Von den anderen war noch niemand da, nur eine Konkurenzgruppe plazierte gerade ihre Krippe auf UNSEREM, vor einigen Tagen extra markierten Bereich. Das Schild das wir damals aufgehängt hatten, um uns das Gärtchen zu reservieren, war durch den Regen leider unlesbar geworden. Toll, was nun? Milton machte kurzen Prozess und wir gingen ins nächste Gärtchen. Ich eigentlich eh wurscht, weil die alle gleich aussehen. Naja. Dann stiefelten wir zu Angel, um den Stall abzuholen, in dem die heilige Familie sein soll. 2. Böse Überrachung, zumindest für uns deutsche: es gab noch gar keinen Stall. Was haben die denn bei all ihren ganzen Treffen immer gemacht? Das einzige was Angel zu bieten hatte, waren ein paar Bambusstäbe, die er gerade in der Mitte durchsägte. Aaaahhh! Alle Konkurenten hatten bereits ein fertiges Häusschen und wir mussten unseres erst noch bauen. Das schaffen wir doch nie bis 11 Uhr, ab wann die Jury entscheiden sollte. Tja, mosern hilft nix, also anpacken. Wir schleppten die ziemlich schmutzigen und schweren Pfähle nach unten. Irgendwer hatte unser Gärtchen für uns zurückerobert, gut. Und jetzt. Angel schnappte sich einen Stein und fing an 4 Pfähle in den Boden zu rammen. Einige andere, die jetzt auch dazugestosen sind, gaben irgendwelche Befehle und maulten die ganze Zeit rum, dass die Pfähle zu niedrig seien, weil eine der Konkurrenzkrippen ungefähr doppelt so hoch war. Der einzige der Angel half, war Thomas. Wir wurden von den anderen Mädels mitgenommen um Steine zu sammeln, wofür auch immer. Na, das konnte ja heiter werden. Joana und Anke stießen dann auch noch dazu. Als wir zurückkamen, waren Angel und Thomas genausoweit wie zu beginn. Alle die noch drumrumstanden, maulten weiterhin. Wie stiegen also über den Zaun und halfen Angel den Stall zu bauen.
Am nervigsten war die Nachbarin von Milton, die auch „Mithalf“ und die ganze Zeit rumschrie, das wir alles falsch machen und es so und so und so machen sollen. Es war schrecklich. Zum Glück verzog sie sich bald und wir konnten in Ruhe weitermachen. Ich war so froh, dass wir mit dem ruhigen Angel zusammenarbeiten können und nicht mit den nimmerzufriedenen Schreidamen. Es ging nun auch wirklich was vorwärts. Und es machte total Spaß, die Hütte zusammenzunageln. Irgendwann, als wir mit rießigen Palmenblättern das Dach bildeten, fanden wir unseren Stall mittlerweile sogar am schönsten. Nun fingen wir an, das Drumrum der Hütte zu gestalten. Wir machten kleine Wege, mit Steinen umsäumt und legten diese mit Papier aus, um Sand drauf zu schütten.
Frau Nachbarin wusste wieder alles besser und war nie zufrieden. Sie redete dann immer auf Quechua und dachte wohl wirklich, wir wären so blöd und würden nicht merken, dass sie die ganze Zeit über uns schimpfte. Wir merkten es aber sehr wohl, da ca. 100 mal das Wort „Gringos“ fiel. Uns wurde eigentlich ein Frühstück versprochen, weswegen wir nichts gegessen haben, als wir aufgestanden sind. Mittlerweile war es aber schon halb neun und wir mussten uns aufmachen nach Atupa, weil wir den Kindern versprochen haben, dass wir auch an Heilig Abend, oder wie es hier heisst „Buena noche“ kommen. Das Frühstück gabs leider ganau zu der Zeit, als wir gehen mussten. Naja, hilft ja nix, dann essen wir halt noch schnell bei den Vergaras was. Ich machte noch schnell die Milch für die heisse Schokolade warm, die wir den Kindern zusammen mit einen Paneton als Überraschung mitbringen wollten. Das dauerte auf meiner Mini-Herdplatte allerdings länger als erwartet. Zwischendrin kam Milton angelaufen und wollte uns unbedingt noch die Krippenfiguren zeigen, weil Maria die typische Tracht für Ancash trägt. Als wir endlich fertig waren, war es dann doch schon halb zehn und nun mussten wir uns wirklich beeilen, weil wir nicht mehr wussten, ob wir neun oder zehn mit den Kindern ausgemacht haben.
***
In Atupa erwarteten uns schließlich leider nur 3 Kinder. Alle andern mussten aufs Feld oder sonst irgendwo mithelfen. Schade. Naja, mussten eben die 3 all die Schokolade trinken und den ganzen Paneton essen. Wir halfen natürlich auch ein bisschen.
Sie genossen das süße Mahl sichtlich, waren aber heute um einiges schüchterner als sonst und redeten nur im Flüsterton miteinander. Wir bastelten Rasseln, aus alten Plastikflaschen und Kieselsteinen, die wir mit Leim und Papier verzierten. Da ich beim Krippenbauen schon ziemlich schmuzig geworden bin, machten die Schoko- und Leimflecken mir auch nicht mehr so viel aus. Um Punkt halb zwölf mussten wir wieder gehen, weil Milton-Mama extra für uns gekocht hat und wir so früh wie möglich nach Huaraz wollten, um zuhause anzurufen. Auf dem Weg nach unten, weil mal wieder ewig kein Colectivo vorbeikam, trafen wir noch zwei Jungs, denen wir den Rest heisser Schokolade gaben, den die Atupakinder nicht mehr geschafft haben. Als wir endlich unten waren, war der Krippencontest schon im vollen Gange. Und – unsere Krippe war wirklich mit Abstand die schönste, was ich nie erwartet hätte.
Als wir weg waren, haben sie sich wirklich nochmal ins Zeug gelegt und überall kleine Häusschen und Bäume und Wege gemacht. In die Sträucher haben sie noch Baumwolle reingehängt, damit es aussieht wie Schnee. Es sah wirklich super aus und wir waren sicher, dass wir gewinnen. Nun mussten wir aber erstmal in Windeseile das Essen in uns reinstopfen und nach Huaraz fahren. Wir waren eh schon etwas zu spät (ich wollte um 1 Uhr anrufen) und erwischten auch noch den einzigen Colectivo, der es nicht eilig zu haben schien. Ich glaube wir fuhren 3x so lang nach Huaraz wie sonst immer und ständig überholten uns die anderen Colectivos. Ich vermute, der Fahrer und er Colectivojunge machten sich einen Spaß, weil wir Gringos die einzigen Mitfahrer waren. Denn als dann endlich mal andere einstiegen, gings auf einmal doch schneller. Na was solls. Wir hetzten sofort ins Internetcafe um daheim anzurufen. Es war mittlerweils schon halb zwei, also daheim halb acht und meine Familie wollte bald in die Kirche gehen. Deswegen wollte ich erst später zur Post, um nachzuschauen ob mein Paket mit den Plätzchen und Weihnachtsgeschenken von daheim endlich angekommen ist. Wir haben extra Frau Post gefragt, wie lange sie an Heilig Abend aufhaben und sie hatte gemeint bis um 8 Uhr abends. Gut. Nach einem kurzen Telefonat, bei dem ich einmal aus versehen den Computer runtergefahren hab, weil ich die Webcam installieren wollte, gammelte ich noch ewig im Internet rum und wartete auf die andern, die mehr Zeit zum telefonieren hatten. Als wir dann so um vier in freudiger Erwartung zur Post gingen, erwartete uns die 3. böse Überraschung des Tages: Sie hatte zu. Und zwar ab zwei. So ein blöder Sch...!! Ich hatte mich so sehr auf die Plätzchen gefreut und Anika auch, die ebenfalls ein Paket erwartete und jetzt das! Wir haben doch extra nachgefragt, was sollte das denn jetzt? Ich glaube wirklich, manchmal wissen die Leute hier selber nicht, wann was ist. Toll. Jetzt war ich tatsächlich miesgelaunt. Kalt war es auch mal wieder wie die Sau und ich hatte nur eine dünne Jacke an, weil in Jangas noch die Sonne schien. Wir wollten noch schnell zum Supermarkt, neuen Wein für den Glühwein kaufen und dann nach Hause. Als wir hinliefen, begegnete uns ein bekanntes Gesicht: Mike, der Österreicher, den wir am Tag unser Abreise nach Trujillo im Paschamama getroffen haben. Was macht der denn noch hier? Der wollte doch weiterreisen. Und nicht nur das: Er hatte eine Peruanerin im Arm. Heieiei. Naja, vieleicht haben wir uns auch getäuscht, er hat nämlich nicht zurückgegrüßt, als wir Hallo sagten. Im Supermarkt kaufte ich mir die Plätzchenähnlichsten Kekse die es nun mal eben gab und ausserdem ganz, ganz viele Nüsse. Danach gingen wir noch schnell auf den Weihnachtsmarkt, wo es allerdings auch meistens die ganz normalen Sachen gab, die es auch im Kitschmarkt gibt. Da uns noch eine Lichterkette fehlte (wir haben gestern unseren Baum aufgestellt und mussten feststellen, das die Lichterkette nur bis zur Hälfte funktioniert und die obere Hälfte des Baumes dunkel bleibt) suchten wir noch schnell eine. Dies war allerdings nicht so einfach. Es wimmelte zwar von Lichterketten, aber aus jeder einzigen dröhnten im Piepston und wirklich unglaublich schief irgendwelche Weihnachtslieder. Es war ohne Witz fast kaum auszuhalten. Als wir eine Verkäuferin fragten, ob sie auch Ketten ohne Musik verkauft, meinte sie, die sind ohne Musik, man muss sie nur leise drehen, und drehte das Volumenrädchen nach unten. Die Musik hörte trotzdem nicht auf sondern war nur ein fitzelchen leiser und wir kauften der völlig verdutzten Frau ihren Musikschatz nicht ab. Am ca. 8 Stand entdeckten wir dann doch endlich eine kleine Lichterkette die keinen Krach machte und schlugen sofort zu. Dannach schauten wir, das wir das weite suchen, weil das Gepiepse an dem Stand noch schlimmer war als an den anderen.
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Auf dem Weg zurück trafen wir noch den Rektor von Jahua, der uns freudig begrüßte. Er war mit seiner Frau da und sagte, er freue sich total drauf, mit uns in den Ferien zu arbeiten. Wir unterhielten uns ein bisschen und es war ganz nett, wobei ich aber dann wirklich froh war als wir weiterkonnten, weil es einfach furchtbar kalt war. 5 Meter weiter begegneten wir Mike wider. Und er hatte tatsächlich eine Frau dabei. Wir fragten wie Trujillo war. Er war gar nicht da, ach tatsächlich? Scheinbar hat er kurz nachdem wir gegangen sind irgendwie diese Frau kennengelernt und all seine Pläne geändert. Der ist ja auch cool. Jetzt überlegt er, ob er nicht hier bleiben will. Die Frau war wirklich nett und kam aus Lima. Zum Glück spricht sie Englisch, denn Mike kann kein Spanisch. Na dann, viel Glück. Wir mussten jetzt wirklich gehen.
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Wieder zuhause, brannten wir darauf, zu erfahren,wer denn nun beim Krippenwettbewerb gewonnen habe. Die Oma, die wir als erstes trafen, meinte irgendwie, dass das erst am 06. Januar entschieden wird. Kann ich nicht so ganz glauben, schließlich gibt es doch Paneton als Preis und den isst man zu Weihnachten. Was will man denn damit im Januar? Als wir gerade dabei waren Glühwein zu kochen kam Milton angehetzt und wollte das wir mitkommen, Lichter um die Krippe drapieren. Ich dachte an blinkende Lichterketten und lies den Glühwein deswegen an, weil das ja nicht so lang dauern könne. Anika und Joana sollten da bleiben und aus zwei Kürbissen Laternen mit Weihnachtsmotiven schnitzen. Am Placa angekommen, waren aber weit und breit keine Lichterketten zu sehen. Irgendwann kam Angel angestrahlt und brachte leere Milchdosen mit. Und jetzt? Milton wurde losgeschickt um Petroleum zu kaufen und die andern fingen an, Löcher in die Dosen zu schlagen und Stoffetzen reinzustopfen. Sie machten Laternen aus den Dosen, was mir ziemlich gut gefiel. Leider hatten wir aber nur 8, was nie für den ganzen Garten reichen würde. Miss Besserwissernachbarin meinte daraufhin, mann solle doch Kerzen nehmen und die in Plastikflaschen stellen. Wir Gringos hätten doch bastante (ziemlich viele) von diesen Plastikflaschen. Zuerst wollte ich sie nicht holen, weil die Nachbarin mich aufregte, aber dann gab ich doch nach, es ging ja schließlich um unsere Krippe und den Sieg. Die Flaschen schnitten wir dann am Boden ab und steckten lange Kerzen in den Hals. Hab ich auch noch nie gesehen, sah aber echt gut aus. Diese Lichter wurden nun in jedes der kleinen Häusschen gestellt. Die Dosen mit Petroleum zierten den Weg zur Krippe und einige meiner Kerzen, die ich normalerweise im Zimmer habe wurden zusammen mit den Kürbissen in die Krippe gestellt. Es sah echt super aus. Wir gewinnen, das ist ganz klar. Auf einmal meinte Milton, dass die Kirche jetzt dann um halb neun anfängt. Äh, wie bitte? Er hat doch ca. 100x erzählt, dass die Messe um 23 Uhr beginnt und nun kommt er mit halb neun daher? Wir deutschen wollten doch noch Wichteln und Glühwein trinken und jetzt war es schon halb acht. Ausserdem gab es ja noch Abendessen (Truthahn und Paneton). Jetzt aber nix wie los.
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Unsere kleine Weihnachtsfeier war ganz nett. Anke musste bei jedem die Geschenke einsammeln und sie heimlich unter den Baum legen, weil niemand wissen soll, von wem er sein Geschenk bekommen hat. Ich bekam eine kleine Kinder-Plastikgitarre, wohl eine Anspielung auf mein „ich-muss-mal-öfter-Gitarre-üben“-Gejammer. Natürlich sangen wir vor dem Auspacken noch schnell „stille Nacht, heilige Nacht“ vor unserem bunt und nun auch vollständig blinkenden Baum und tranken Glühwein mit den falschen Plätzchen und Nüssen. Trotzdem fehlte mir dann doch etwas um Weihnachtsgefühle zu haben. Daheim ist es eben doch was anderes. Doch zum melancholisch werden blieb wenig Zeit, da Milton mal wieder kam und wollte, das wir den Truthahn, der im Backofen von Angel war, anschauen. Zuerst musste er aber eine Tasse Glühwein trinken. Schwer zu sagen ob sie ihm geschmeckt hat, aber man merkte gleich wieder, dass die Leute in Peru einfach nix vertragen. So, jetzt aber los zu Angel und den Truthahn anschauen. Wir packten ihm noch schnell ein Geschenk ein, schließlich ist er ja auch unser Freund (Bayerntrikot) und liefen zum Nachbarhaus. Am Nachmittag hab ich allerdings erfahren, dass in Peru nur die Kinder bis ca. 12 Geschenke kriegen. Erwachsenen kriegen gar nix. Da wir aber nunmal schon Geschenke für alle gekauft haben, kriegen sie die jetzt auch. Der Truthahn war wenig spektakulär, allerdings war der rießige, alte Steinbackofen ziemich cool. Angel war ziemlich überrumpelt, dass wir ihm was schenkten und ich weis nicht obs ihm peinlich war oder was der Grund war, jedenfalls war seine Freude jetzt nicht gerade überwältigend. Egal, die andern kriegen ja auch noch was, dann wirds schon nicht mehr so schlimm sein.
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Zurück bei den Vergaras wurden wir gleich zum Essen geholt. Das läuft hier allerdings nicht so ab wie bei uns, wenn die ganze Familie zusammen isst. Es waren zwar alle da, nur als wir kamen, saß nur die Oma und irgend ein Mädchen am Tisch und verputzten schonmal den Truthahn. Als wir unsere Portionen kriegten, fingen wir nicht sofort an, sondern warteten, bis alle anderen am Tisch aus was haben. Sonia, die mittlerweile auch da war, fragte warum wir nicht Essen. Als wir erklärten, dass man in Deutschland wartet, bis jeder was hat, schauten sie uns an als hätten wir nicht mehr alle Tassen im Schrank. Hier ist das nicht so, meinte sie und fing an zu Essen. Na gut. Zum Truthahn gabs dann schon mal heiße Schokolade.
Als ich fertig war wurde mir gleich ein Paneton vor die Nase gelegt, während die meisten anderen noch ihren Truthahn aßen. Es war irgendwie total komisch und mir gefällt es dann in Deutschland doch besser, wenn alle gemeinsam Essen und aufeinander warten, auch zwischen den Gängen. Es war zwar irgendwie ganz cool, weil kurzzeitig dann doch die ganze Familie am Tisch zusammen saß, aber irgendwie auch ungemütlich und ein bischen lieblos. Als wir fragten, ob das kleine Mädchen auch eine Cousine sei, meinte Milton-Mama, das sei eine Angestellte, die jetzt jeden Tag kommt und der Oma beim Abwasch und so weiter hilft. Oh Gott, das Mädel war grad mal zwölf, wenn überhaupt. Kaum war der Paneton verputzt, wurde Tania ganz aufgeregt und meinte, wir sollen nach draußen gehen, die Prozession fange jetzt an. Tatsächlich liefen um den Placa einige Leute samt Pfarrer und Ministranten rum und sangen immer mal wieder. In der Mitte liefen ein Esel und zwei Leute, die Maria und Josef spielten. Sie machten ein Krippenspiel. Das war wieder total cool, weil auch die Schäfer richtige Schafe dabei hatten und das Spiel einfach total süß war. Dann gings ab in die Kirche. Wir liefen noch schnell nach Hause, um unsere Jacken zu holen, weil es nun doch wieder ziemich kalt war. Als wir zurückkamen, war kein einziger der Vergaras da. Wir wollten doch eigentlich zusammen in die Kirche? Auch Thomas, der nicht mitkam zum Jackeholen, saß nicht etwa in der Kirche, sondern auf dem Placa, neben irgend einem Jungen, der nicht schlecht aussah. Ich fragte was los sei und warum sie nicht in der Kirche sind (ja, ja, ich bin hier wirklich Mrs. Moralapostel) und wo eigentlich Milton steckt. Keine Ahnung. Wir packten Thomas und gingen in die Messe. Thomas erklärte mir, dass der Junge der Bruder von Freddy war, mit dem ich damals auf der Fiesta so lang getanzt hab und mit dem ich mich eigentlich wieder treffen wollte. Ups, den hab ich gar nicht mehr wiedererkannt. Peinlich. Hab ihn auch nicht so begrüßt als ob ich ihn kennen würde. Naja. Er wollte dass wir mit in die Disco kommen nach der Messe. Nichts lieber als das. In der Messe herrschte ein kommen und gehen. Wer will schlürft irgendwann mal durch die weit geöffneten Türen und kuckt ein bisschen zu und kann auch wieder verschwinden, wies ihm passt. Die meisten machten das auch so. Das würde bei uns ja nie gehen. Es wurde auch viel gesungen und die Lieder hier gefallen mir ziemlich gut. Die Peruaner singen auch viel schöner als bei uns, so richtig klar und glockenhell. Liederbücher wie bei uns gibt es hier nicht, aber der Text steht auf einem rießen Blatt Papier, das vorne neben dem Pfarrer von einem Ministrant hochgehalten wird. Ich hätte gern mitgesungen, konnte aber nicht, weil ich keine Kontaktlinsen anhatte. Mist. Nach ca. 1 Stunde war die Kirche dann auch schon wieder vorbei und nicht so wie Milton gemeint hat, nach 2 Stunden. Der Pfarrer war total lustig und er kündigte die Chocolatia an, die jetzt noch auf dem Platz stattfinden würde. Ich hoffte natürlich noch auf die Fiesta, die Milton prophezeit hatte, denn in die Disco wollten die anderen nicht.
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Draußen trafen wir auf Angel. Milton blieb verschwunden. Ob er in der Kirche war? Ja, er habe mal reingeschaut. Also sowas. Ich dachte immer, die Peruaner wären ganz strenge Katholiken. Egal. Wir fragten ihn, ob er mit uns Glühwein trinken will. Auf dem Weg zu uns trafen wir dann auch endlich Milton, den wir auch gleich nochmal einluden. Er holte noch einen Champagner, den er mit uns trinken wollte. Als wir ihn öffnen wollten, meinte er wir dürfen noch nicht, weil wir erst halb elf haben. Ja und? Wir dürfen erst an Weihnachten anstoßen und das ist ab 24 Uhr. Ach so, deswegen wünsch sich hier kein Mensch frohe Weihnachten und Geschenke (für die Kinder) gibt es erst ab Mitternacht. Auch mal gut zu wissen. Wir tranken unseren Glühwein und gingen nochmal auf den Placa, wo ich die Fiesta vermutete. Auf dem Placa war kein Mensch. Na toll. So ca. alles was Milton erzählt hat, war irgendwie falsch. Fiesta feiert jeder bei sich zuhause. Oder man fährt in die Disco. Da wollten wir jetzt allerdings nicht mehr hin. Menno, ich hab mich schon so gefreut. Nur noch zwei andere Jugendliche liefen rum. Thomas meinte, der eine wäre Juan. Welcher Juan. „na der mit der Mütze, mit dem du auf der Taufe so lang getanzt hast“. Oh nein, wieder Ups. Der war auch schon die ganze Zeit beim Krippenbauen dabei und ihn hab ich auch nicht erkannt und natürlich auch nicht wie einen Freund begrüßt. Das wird ja immer peinlicher. Aber ich muss zu meiner Verteidigung sagen, dass es hier nicht so leicht ist sich die Leute zu merken, weil sie sich einfach alle ziemlich ähnlich sehen. So was wie verschiedenen Haarschnitte oder – farben gibt es hier einfach nicht. Naja, auch schon rum ums Eck. Wir gingen wieder zu uns, weils auf dem Placa furchtbar kalt war. Mittlerweile war es auch schon fast 24 Uhr. Anke ging davor schon ins Bett, weil sie Aufgrund der Reise doch noch ziemlich müde war. Wir anderen warteten auf Mitternacht und unterhielten uns mit Milton und Angel über Grupo 5. Als es dann endlich soweit war, öffneten wir den Sekt, umarmten uns und wünschten uns Feliz navidad. Draußen gingen überall Feuerwerkskörper los und auch Milton zündete einige (ist ja nicht gefährlich) was die Hunde ganz verrückt machte. Dolly saß auf Anikas Schoß und erschrak so heftig, dass sie sich anpinkelte. Milton machte das nicht viel aus, er freute sich wie ein Kind. Männer sind schon manchmal komisch. Wir packten die weniger spektakulären Wunderkerzen aus und freuten uns. Allerdings war das ganze wieder mal ziemlich komisch. Mir kams eher vor wie an Sylvester, mit dem ganzen rumgeknalle und ohne Familie. Ich muss sagen, Weihnachten bei uns in Deutschland gefällt mir definitiv besser. Wir gaben Milton noch sein Geschenk (er fand die Stirnlampe wirklich toll), sangen noch ein paar Grupo 5 Lieder und gingen um halb 2 ins Bett. Nicht ohne vorher auszumachen, dass wir am nächsten Tag ausschlafen dürfen.
Als um halb 5 der Wecker klingelte, dacht ich mir nur eins: „nein, nein, nein“. Oh Gott, ich war so müde, draußen wars noch dunkel und so wie es sich anhörte, regnete es ziemlich stark. Das letzte was ich jetzt machen wollte, war irgendeine Krippe aufzustellen. Aber nix da, ich wollte unbedingt mitmachen, damit wir mal wieder mehr Kontakt mit den anderen Jugendlichen aus Jangas haben und außerdem war ich auch ziemlich gespannt, wie das ablaufen soll. Draußen traf ich auf Anika und Thomas, Joana und Anke schliefen wohl noch. Fehlte nur noch Milton, der uns holen sollte. Der kam aber nicht. Und nun? Wir wussten nicht, ob das ganze denn bei Regen ausfallen sollte, oder was los war, jedenfalls sah es nicht so aus, als wäre noch irgendwer am Placa. Es war auch noch dunkel und absolut ungemütlich. Um viertel vor 6 legte sich Anika wieder ins Bett und meinte, wir sollen klopfen, falls Milton irgendwann mal erscheint. Als ich das gerade auch machen wollte, kam er plötzlich angelaufen. Na endlich. Wir holten Anika und raus gings. Auf dem Placa die erste schlechte Überraschung: Von den anderen war noch niemand da, nur eine Konkurenzgruppe plazierte gerade ihre Krippe auf UNSEREM, vor einigen Tagen extra markierten Bereich. Das Schild das wir damals aufgehängt hatten, um uns das Gärtchen zu reservieren, war durch den Regen leider unlesbar geworden. Toll, was nun? Milton machte kurzen Prozess und wir gingen ins nächste Gärtchen. Ich eigentlich eh wurscht, weil die alle gleich aussehen. Naja. Dann stiefelten wir zu Angel, um den Stall abzuholen, in dem die heilige Familie sein soll. 2. Böse Überrachung, zumindest für uns deutsche: es gab noch gar keinen Stall. Was haben die denn bei all ihren ganzen Treffen immer gemacht? Das einzige was Angel zu bieten hatte, waren ein paar Bambusstäbe, die er gerade in der Mitte durchsägte. Aaaahhh! Alle Konkurenten hatten bereits ein fertiges Häusschen und wir mussten unseres erst noch bauen. Das schaffen wir doch nie bis 11 Uhr, ab wann die Jury entscheiden sollte. Tja, mosern hilft nix, also anpacken. Wir schleppten die ziemlich schmutzigen und schweren Pfähle nach unten. Irgendwer hatte unser Gärtchen für uns zurückerobert, gut. Und jetzt. Angel schnappte sich einen Stein und fing an 4 Pfähle in den Boden zu rammen. Einige andere, die jetzt auch dazugestosen sind, gaben irgendwelche Befehle und maulten die ganze Zeit rum, dass die Pfähle zu niedrig seien, weil eine der Konkurrenzkrippen ungefähr doppelt so hoch war. Der einzige der Angel half, war Thomas. Wir wurden von den anderen Mädels mitgenommen um Steine zu sammeln, wofür auch immer. Na, das konnte ja heiter werden. Joana und Anke stießen dann auch noch dazu. Als wir zurückkamen, waren Angel und Thomas genausoweit wie zu beginn. Alle die noch drumrumstanden, maulten weiterhin. Wie stiegen also über den Zaun und halfen Angel den Stall zu bauen.
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In Atupa erwarteten uns schließlich leider nur 3 Kinder. Alle andern mussten aufs Feld oder sonst irgendwo mithelfen. Schade. Naja, mussten eben die 3 all die Schokolade trinken und den ganzen Paneton essen. Wir halfen natürlich auch ein bisschen.
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Auf dem Weg zurück trafen wir noch den Rektor von Jahua, der uns freudig begrüßte. Er war mit seiner Frau da und sagte, er freue sich total drauf, mit uns in den Ferien zu arbeiten. Wir unterhielten uns ein bisschen und es war ganz nett, wobei ich aber dann wirklich froh war als wir weiterkonnten, weil es einfach furchtbar kalt war. 5 Meter weiter begegneten wir Mike wider. Und er hatte tatsächlich eine Frau dabei. Wir fragten wie Trujillo war. Er war gar nicht da, ach tatsächlich? Scheinbar hat er kurz nachdem wir gegangen sind irgendwie diese Frau kennengelernt und all seine Pläne geändert. Der ist ja auch cool. Jetzt überlegt er, ob er nicht hier bleiben will. Die Frau war wirklich nett und kam aus Lima. Zum Glück spricht sie Englisch, denn Mike kann kein Spanisch. Na dann, viel Glück. Wir mussten jetzt wirklich gehen.
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Wieder zuhause, brannten wir darauf, zu erfahren,wer denn nun beim Krippenwettbewerb gewonnen habe. Die Oma, die wir als erstes trafen, meinte irgendwie, dass das erst am 06. Januar entschieden wird. Kann ich nicht so ganz glauben, schließlich gibt es doch Paneton als Preis und den isst man zu Weihnachten. Was will man denn damit im Januar? Als wir gerade dabei waren Glühwein zu kochen kam Milton angehetzt und wollte das wir mitkommen, Lichter um die Krippe drapieren. Ich dachte an blinkende Lichterketten und lies den Glühwein deswegen an, weil das ja nicht so lang dauern könne. Anika und Joana sollten da bleiben und aus zwei Kürbissen Laternen mit Weihnachtsmotiven schnitzen. Am Placa angekommen, waren aber weit und breit keine Lichterketten zu sehen. Irgendwann kam Angel angestrahlt und brachte leere Milchdosen mit. Und jetzt? Milton wurde losgeschickt um Petroleum zu kaufen und die andern fingen an, Löcher in die Dosen zu schlagen und Stoffetzen reinzustopfen. Sie machten Laternen aus den Dosen, was mir ziemlich gut gefiel. Leider hatten wir aber nur 8, was nie für den ganzen Garten reichen würde. Miss Besserwissernachbarin meinte daraufhin, mann solle doch Kerzen nehmen und die in Plastikflaschen stellen. Wir Gringos hätten doch bastante (ziemlich viele) von diesen Plastikflaschen. Zuerst wollte ich sie nicht holen, weil die Nachbarin mich aufregte, aber dann gab ich doch nach, es ging ja schließlich um unsere Krippe und den Sieg. Die Flaschen schnitten wir dann am Boden ab und steckten lange Kerzen in den Hals. Hab ich auch noch nie gesehen, sah aber echt gut aus. Diese Lichter wurden nun in jedes der kleinen Häusschen gestellt. Die Dosen mit Petroleum zierten den Weg zur Krippe und einige meiner Kerzen, die ich normalerweise im Zimmer habe wurden zusammen mit den Kürbissen in die Krippe gestellt. Es sah echt super aus. Wir gewinnen, das ist ganz klar. Auf einmal meinte Milton, dass die Kirche jetzt dann um halb neun anfängt. Äh, wie bitte? Er hat doch ca. 100x erzählt, dass die Messe um 23 Uhr beginnt und nun kommt er mit halb neun daher? Wir deutschen wollten doch noch Wichteln und Glühwein trinken und jetzt war es schon halb acht. Ausserdem gab es ja noch Abendessen (Truthahn und Paneton). Jetzt aber nix wie los.
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Unsere kleine Weihnachtsfeier war ganz nett. Anke musste bei jedem die Geschenke einsammeln und sie heimlich unter den Baum legen, weil niemand wissen soll, von wem er sein Geschenk bekommen hat. Ich bekam eine kleine Kinder-Plastikgitarre, wohl eine Anspielung auf mein „ich-muss-mal-öfter-Gitarre-üben“-Gejammer. Natürlich sangen wir vor dem Auspacken noch schnell „stille Nacht, heilige Nacht“ vor unserem bunt und nun auch vollständig blinkenden Baum und tranken Glühwein mit den falschen Plätzchen und Nüssen. Trotzdem fehlte mir dann doch etwas um Weihnachtsgefühle zu haben. Daheim ist es eben doch was anderes. Doch zum melancholisch werden blieb wenig Zeit, da Milton mal wieder kam und wollte, das wir den Truthahn, der im Backofen von Angel war, anschauen. Zuerst musste er aber eine Tasse Glühwein trinken. Schwer zu sagen ob sie ihm geschmeckt hat, aber man merkte gleich wieder, dass die Leute in Peru einfach nix vertragen. So, jetzt aber los zu Angel und den Truthahn anschauen. Wir packten ihm noch schnell ein Geschenk ein, schließlich ist er ja auch unser Freund (Bayerntrikot) und liefen zum Nachbarhaus. Am Nachmittag hab ich allerdings erfahren, dass in Peru nur die Kinder bis ca. 12 Geschenke kriegen. Erwachsenen kriegen gar nix. Da wir aber nunmal schon Geschenke für alle gekauft haben, kriegen sie die jetzt auch. Der Truthahn war wenig spektakulär, allerdings war der rießige, alte Steinbackofen ziemich cool. Angel war ziemlich überrumpelt, dass wir ihm was schenkten und ich weis nicht obs ihm peinlich war oder was der Grund war, jedenfalls war seine Freude jetzt nicht gerade überwältigend. Egal, die andern kriegen ja auch noch was, dann wirds schon nicht mehr so schlimm sein.
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Zurück bei den Vergaras wurden wir gleich zum Essen geholt. Das läuft hier allerdings nicht so ab wie bei uns, wenn die ganze Familie zusammen isst. Es waren zwar alle da, nur als wir kamen, saß nur die Oma und irgend ein Mädchen am Tisch und verputzten schonmal den Truthahn. Als wir unsere Portionen kriegten, fingen wir nicht sofort an, sondern warteten, bis alle anderen am Tisch aus was haben. Sonia, die mittlerweile auch da war, fragte warum wir nicht Essen. Als wir erklärten, dass man in Deutschland wartet, bis jeder was hat, schauten sie uns an als hätten wir nicht mehr alle Tassen im Schrank. Hier ist das nicht so, meinte sie und fing an zu Essen. Na gut. Zum Truthahn gabs dann schon mal heiße Schokolade.
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Draußen trafen wir auf Angel. Milton blieb verschwunden. Ob er in der Kirche war? Ja, er habe mal reingeschaut. Also sowas. Ich dachte immer, die Peruaner wären ganz strenge Katholiken. Egal. Wir fragten ihn, ob er mit uns Glühwein trinken will. Auf dem Weg zu uns trafen wir dann auch endlich Milton, den wir auch gleich nochmal einluden. Er holte noch einen Champagner, den er mit uns trinken wollte. Als wir ihn öffnen wollten, meinte er wir dürfen noch nicht, weil wir erst halb elf haben. Ja und? Wir dürfen erst an Weihnachten anstoßen und das ist ab 24 Uhr. Ach so, deswegen wünsch sich hier kein Mensch frohe Weihnachten und Geschenke (für die Kinder) gibt es erst ab Mitternacht. Auch mal gut zu wissen. Wir tranken unseren Glühwein und gingen nochmal auf den Placa, wo ich die Fiesta vermutete. Auf dem Placa war kein Mensch. Na toll. So ca. alles was Milton erzählt hat, war irgendwie falsch. Fiesta feiert jeder bei sich zuhause. Oder man fährt in die Disco. Da wollten wir jetzt allerdings nicht mehr hin. Menno, ich hab mich schon so gefreut. Nur noch zwei andere Jugendliche liefen rum. Thomas meinte, der eine wäre Juan. Welcher Juan. „na der mit der Mütze, mit dem du auf der Taufe so lang getanzt hast“. Oh nein, wieder Ups. Der war auch schon die ganze Zeit beim Krippenbauen dabei und ihn hab ich auch nicht erkannt und natürlich auch nicht wie einen Freund begrüßt. Das wird ja immer peinlicher. Aber ich muss zu meiner Verteidigung sagen, dass es hier nicht so leicht ist sich die Leute zu merken, weil sie sich einfach alle ziemlich ähnlich sehen. So was wie verschiedenen Haarschnitte oder – farben gibt es hier einfach nicht. Naja, auch schon rum ums Eck. Wir gingen wieder zu uns, weils auf dem Placa furchtbar kalt war. Mittlerweile war es auch schon fast 24 Uhr. Anke ging davor schon ins Bett, weil sie Aufgrund der Reise doch noch ziemlich müde war. Wir anderen warteten auf Mitternacht und unterhielten uns mit Milton und Angel über Grupo 5. Als es dann endlich soweit war, öffneten wir den Sekt, umarmten uns und wünschten uns Feliz navidad. Draußen gingen überall Feuerwerkskörper los und auch Milton zündete einige (ist ja nicht gefährlich) was die Hunde ganz verrückt machte. Dolly saß auf Anikas Schoß und erschrak so heftig, dass sie sich anpinkelte. Milton machte das nicht viel aus, er freute sich wie ein Kind. Männer sind schon manchmal komisch. Wir packten die weniger spektakulären Wunderkerzen aus und freuten uns. Allerdings war das ganze wieder mal ziemlich komisch. Mir kams eher vor wie an Sylvester, mit dem ganzen rumgeknalle und ohne Familie. Ich muss sagen, Weihnachten bei uns in Deutschland gefällt mir definitiv besser. Wir gaben Milton noch sein Geschenk (er fand die Stirnlampe wirklich toll), sangen noch ein paar Grupo 5 Lieder und gingen um halb 2 ins Bett. Nicht ohne vorher auszumachen, dass wir am nächsten Tag ausschlafen dürfen.

3 Kommentare:
Hallo Sabine!
Wir wünschen Dir ein gutes Neues Jahr, Glück und Gesundheit! Liebe Grüße von Familie Ott aus Hörmanshofen
Frohes neues Jahr!
Hallo, vielen Dank fuer die Glueckwuensche! An alle natuerlich auch nochmal ein frohes neues Jahr und viel Glueck!!!
SAbine
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