Mittwoch, 11. März 2009

Hochzeit und Horror

Da Milton uns ja nahe gelegt hatte, das wir auf den diversen Fiestas lieber mit Zurückhaltung glänzen und weder trinken noch tanzen sollten, beschlossen wir eine anstehende Hochzeit einfach auszulassen und nicht aufzukreuzen. Die Hochzeit seiner Cousine nämlich! Diese Hochzeit war auch noch eine Hochzeit im ganz großen Stil. Von Reyna erfuhr ich, das über 1000 Mittagessen vorbereitet wurden. Außerdem erfuhr ich, dass das alles im Hof von Miltons Haus gekocht wird, also dort wo Anika und Joana wohnen. Ob Anika wohl schon von ihrem Glück wusste? Sie war ja im Moment allein, da Joana mit ihrem Freund Flo, der gerade zu Besuch ist in Mancora Urlaub machte. Reyna, die kein großer Fan von Milton ist, bot an, dass Anika in der Zeit bei uns bleiben soll, weil es beim Kochen wohl ziemlich abgeht und auch am Tag der Hochzeit und am Tag danach noch in ihrem Hof gefeiert werden soll. Tatsächlich wusste Anika nichts davon und als wir Milton darauf ansprachen meinte er nur „Was? Hier soll gefeiert werden? Blödsinn.“ Komisch nur, dass die Tür zu seinem Haus schon abgesperrt war, damit niemand von den Fremden dort rein kann. Tja, Schade, soviel zum Vertrauen-können. Wir beschlossen an diesem Tag nach Huaraz zu fahren und wollten schön entspannt ins Internet gehen und ein bisschen Einkaufen. Allerdings war Thomas da anderer Meinung, er wollte nämlich gern noch auf die Hochzeit gehen. Nach einigem hin und her sind wir dann also schon ein bisschen früher zurück gefahren. Ich hatte nicht die geringste Lust auf die Fiesta und Anika genauso wenig. Wir gingen erstmal zu ihr und beschlossen bei etwas Rum darüber nachzudenken. Nach dem ersten Glas hatte ich immer noch keine große Lust, deswegen brauchte ich noch ein zweites um darüber nachzudenken. Da sah die Welt dann schon ein bisschen anders aus. Nach dem dritten wars klar, logisch gehen wir auf die Fiesta, so etwas kann man sich doch nicht entgehen lassen, ha! Also, Schuhe an und los gings. Reyna war eh nicht zuhause, keine Ahnung wo die sich rumtrieb.
***
Als wir ankamen, war ich erstmal ziemlich überrascht. Obwohl es schon halb 8 Uhr Abends war, war immer noch die Hölle los! Das mit den über 800 Gästen war wohl doch nicht übertrieben gewesen. Der erste dem wir begegneten war Jushty, Thomas Gastvater. Er gab uns allen erstmal eine dicken Schmatzer und erzählte uns im Abstand von 90 Sekunden, dass Thomas sein „Hijo“ (Sohn) sei und dass wir jederzeit in seinem Hause willkommen wären. Nett, aber irgenwann machte ich die Biege, weil ich wissen wollte wer sonst noch so da ist. Also, rein ins tanzende Getümmel. Der erste, der mich am Arm packte war.... Bruno! Das-achte-Weltwunder-Bruno. Wow, den hab ich ja schon total vergessen, wo steckte der denn? Die Antwort kam gleich: in Lima. Oder genauer gesagt: „ich war in Lima und habe die ganze Zeit nur daran gedacht wie es ist dich wieder zu sehen. (Mhm)Und dann komme ich zurück und höre diese schreckliche Nachricht: Du willst mich nicht!!(Nein, nicht doch)Mein Herz ist gebrochen.(der ärmste) Aber... du hast ja noch deine eine Freundin.... Anika. (oh Gott, nein) Sie kennt mich ja noch nicht, aber...“ Zum Glück klopfte mir in diesem Moment jemand auf die Schulter: Reyna. Nanu? Ich dachte sie will nicht auf diese Hochzeit. Naja, ich war jedenfalls froh sie zu sehen. Kurz darauf kam Juan ums Eck. Aber der steht ja jetzt auch schon auf Anika. Tja, die Glückliche. Ich ging erstmal aufs Klo, zusammen mit Anika. Leider stand vor der einzigen verwendbaren Toilette schon eine riesen Schlange schick angezogener und ziemlich beschwippster Frauen. Wir stellten uns dazu und lächelten brav. Der Boden war ein wenig feucht und siffig und ich sagte noch zu Anika im Spaß, dass ich gar nicht wissen wolle, auf was wir da alles stehen als just in dem Moment die Tür nach draussen auf ging und die Brautmutter hereingetorkelt kam. Sie lallte irgendwas und... zog sich vor uns allen ihre Strumpfhose samt Höschen aus und pinkelte auf den Boden. Aaahh. Ich kannte mich gar nicht mehr aus, um Gottes Willen, wie peinlich. Nachdem ich ca. 3x „iihhh“ geschrien hab, mich auf die Zehenspitzen stellte (zum Glück hatte ich Chucks an und eine Hose die mir viel zu lang war, damit ich sie ja auf den Boden schleife und sie sich vollsaugt) musste ich so lachen wie schon lang nicht mehr. Gott war die Besoffen, das es ihr nicht mal mehr was ausmacht wenn sie vor versammelter Mannschaft auf den Boden pinkelt. Die anderen Frauen machten mit und eine legte den Finger an die Lippen und machte „shhh“ wobei sie uns zuzwinkerte. Puh. Ich musste noch lachen als wir schon wieder draussen waren und erzählte Thomas hysterisch was vorgefallen war. Kaum war ich fertig kam ein älterer Herr mit Cowboyhut und bat zum Tanz. Na gut, was solls. Wir tanzten ein bisschen rum und als das Lied dann aus war geleitete er mich zu einem etwas jüngerem mit Krawatte. „Ich stell dir meine Freunde vor, das hier ist mein Cousing“ und schwupps befand ich mich im Tanz mit Mr. Krawatte. Es begann das selbe Lied wie immer: Zuerst wird noch schön gegenüber vor sich hingetanzt. Dann die erste Frage: „Wie heisst du?“, danach kommt „welches Land?“ und danach „was machst du hier?“ und danach das obligatorische „deine Augen sind sehr schön“. Nachdem wir das durch haben wird versucht meine Hände beim Tanzen zu halten. Ich will das aber nicht und zieh sie wieder weg. Macht aber nix, wirds eben nochmal versucht. Also zieh ich meine Hand eben wieder weg. Normalerweise ist nach dem 3. Versuch dann klar dass es nicht klappt. Nicht so bei Mr. Krawatte. Er setzte noch einen drauf und versuchte mich an sich zu ziehen, damit ich mich an seine recht üppige Brust schmiegen kann. Nein Danke. Letzte Chance, wenn er jetzt noch einmal was macht bin ich weg. Auf einmal wurden links und rechts von mir die Leute aus dem Weg geschubst und eine Frau kam angetorkelt. Frau Bodenpinkel-Brautmutter. Sie sah mich an, erkannte mich nach 5 Sekunden, nahm mein Gesicht in ihre beiden Hände und busselte mich ab als ob sie mich schon ewig kennt. Dann verschwand sie wieder, ohne einen Ton zu sagen. Dafür sagte Mr. Krawatte etwas: „Gib mir deine E-Mail-Adresse“ (an-sich-ran-drück). Jetzt reichts. „Tut mir leid, ich habe keinen Computer“, diese Worte sprach ich indem ich ihn wegschupfte. Ich wollte gehen aber er packte mich schon wieder. Zum Glück haben Thomas und Anika, die auch tanzten meine Not erkannt. Thomas, dank seiner Größe kein leichtes Hindernis, schmiss sich zwischen uns. Aber Krawatti lies sich nicht aufhalten, machte einen Bogen und kam wieder. Thomas schmiss sich also mit Anika nochmal rein. Meine Chance. So schnell ich konnte verschwand ich von der Tanzfläche und versteckte mich hinter Juan. Der war mir dann doch noch lieber. „Was ist passiert?“ wollte er wissen. Nix, ist schon gut. „Komm, wir tanzen.“ Hm, was war jetzt da mit Anika?
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Nach einem recht entspannendem Tanz mit Juan wollte ich erstmal Pause machen und mich setzen. Aber nix da. Bruno packte mich und bat mich um ein Wort in der Küche. Meinetwegen, muss ich wenigstens nicht tanzen. Also, was gibts? Er wurde ganz vertraulich: „Ach, ich bin so traurig, dass das mit uns nichts wird. Mein Herz ist gebrochen, bla bla.“ Oh nein, jetzt bitte nicht. „Aber, kannst du mir einen Gefallen tun? Kannst du bei Anika ein gutes Wort für mich einlegen? (spinnt er jetzt?) sie ist ja auch sehr schön. Aber du gefällst mir besser (na prima). Ich heirate sie dann und du kannst bei uns wohnen.“ Oh Gott, und das meinte er auch noch tatsächlich ernst. Ich musste mir wirklich das lachen verkneifen und versprach hoch und heilig mal mit Anika „über seine Chancen zu reden“. Wieder draussen wollte ich mal wieder aufs Klo. Anika begleitete mich und wir warteten mal wieder in einer Schlange. Die Schwester der Braut und eine mir unbekannte Frau kamen rein, sahen die Schlange, sagten irgendwas wie „wir sind alles Frauen und sind alle gleich nicht?“ ich bejahte. „Oder seht ihr da unten irgendwie anders aus?“ Ääähhmm, nein. Während ich mich über dieses Gespräch wunderte, was passierte da wohl? Richtig, die Ladys zogen ihre Höschen runter und pinkelten fröhlich auf den Boden. Das darf doch nicht wahr sein. Oh Gott, das gibts doch nicht. Sie hatten auch noch Sandalen an und die eine pinkelte der anderen wahrhaftig über die Füße. Buah. Diesmal fand ichs nicht mehr so lustig und ging ein wenig geschockt zurück zu den anderen. Thomas tanzte mit mir, weil Mr. Cowboyhut schon wieder angeschlichen kam. Als wir wieder zurück gingen, sahen wir Miltons Oma, wie sie ganz allein auf einem Bänkchen saß. Wir wollten zu ihr gehen. Thomas war als erstes bei ihr und klopfte ihr auf die Schulter. Thomas: „Hallo“, sie: „Deja me en paz, borracho!“ auf Deutsch „Lass mich in Frieden, Säufer“. Autsch. Erst als sie länger hinsah erkannte sie zu wem sie das gerade gesagt hat. Danach freute sie sich total dass wir da sind und wir setzten uns zu ihr. Mr. Cowboyhut nutzte die Chance das ich so nah bei ihm saß um zu versuchen mich zu begrapschen. Der erste Versuch traf meine Schulter was ich dabei belies indem ich ihn ignorierte. Aber ein echter Cowboy gibt so schnell nicht auf. Also nochmal, dismal wars schon der Rücken. Ich haute ihm auf die Finger und verschwand. Langsam begann die Party mich zu nerven. Ich setzte mich auf die andere Seite der Oma, um den nächsten Überraschungsgast zu begrüssen. Und zwar ich-möchte-dass-ihr-euch-wie-Vorbilder-verhaltet-so-wie-ich-Milton. Nur das er ganz vorbildlich der betrunkenste Gast von allen war und kaum noch stehen konnte. Wie war das mit „ich bleibe nur bis zum Essen und gehen dann wieder heim“. Oh Gott, ich war schon wieder stinksauer. Das beste kam aber noch: er sagte doch tatsächlich zu Anika: „ihr geht jetzt besser nach Hause, ihr seid besoffen“. Das ist ja wohl die Höhe. Nachdem Anika ihm erklärte wer von uns hier besoffen war und wer nicht wurde er nicht gerade freundlicher. Irgendwann überlegte er sich dann eine andere Taktik, schnappte sich Anika und zog sie auf die Tanzfläche. Thomas und ich hinterher um sie zu retten und Juan kam auch noch mit. Thomas zog Anika zu sich um mit ihr zu tanzen, während Juan mit mir Tanzte. Allerdings nicht lang, da Anika ja nun sein neuer Schwarm ist und er einen Partnertausch veranlasste. Irgendwann tanzten wir dann zu fünft zusammen, nachdem die kleine Tochter der Restaurantbesitzerin auch noch mitmachen durfte und wir uns alle an den Händen namen. Da nun auch gerade super Lieder liefen, machte das ziemlich Spaß. Leider sah dass auch Milton und es passte ihm wohl gar nicht, dass wir uns ohne ihn so gut amüsierten. Er schwankte immer wieder in unseren Kreis und wollte eine von uns Mädels rausziehen. Das ging so lange bis wir aufgaben und uns wieder setzten. Leider verspürte ich auch schon wieder ein Verlangen. Ich musste aufs Klo. Oh nein. Ich ging allein und als ich die Tür öffnete war ich wirklich froh, dass sich niemand darin befand. Schnell in die Kabine und so schnell wie möglich wieder raus. Leider bekam ich die Tür der Kabine nicht ganz auf. Warum? Richtig, als ich gehen wollte stand eine fröhlich grinsende Frau vor mir und pinkelte auf den Boden. Neeeeiiiinnn. Ich werd verrückt, nie wieder geh ich hier auf die Toilette, wäh. Ich flüchtete so schnell wies geht wieder auf die Tanzfläche um zu vergessen, das meine Hose und auch meine Chucks schon ziemlich feucht waren und ich nicht 100%ig sagen konnte das dies vom Regen kam. Ungefähr bei der Hälfte des Liedes gab es auf einmal einen rießen Tumult. Der Bräutigam war gerade dabei sich zu prügeln und sämtliche Cousins, Brüder und Kumpels schlossen sich an. Zeit für uns zu gehen.
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Als wir Anika bei den Vergaras absetzten war dort noch einiges los. Irgendwelche Leute standen im Hof und wollten in den anderen Zimmern übernachten. Allerdings gab es nur noch ein freies Zimmer mit Bett, nämlich das alte von Thomas. Es stellte sich heraus, dass die Leute die Schwester der Braut samt Familie waren, auch alle sehr gut dabei. Da Anika ihren Schlüssel nicht hergeben wollte, aus Angst vor nächtlichem Besuch in ihrem Zimmer, schlief die gesamte Mannschaft dann eben bei der Oma im Bett. Na dann, gute Nacht. Ich zog erstmal meine Sachen aus, schmiss Hose, Socken und Schuhe für 2 Tage in eine, mit tonnenweise Waschpulver gefüllte Wanne und ging ins Bett, ohne zu wissen was ich genau von diesem Tag halten sollte.

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