Hy, da ich leider immer noch nicht geschafft hab, mal wieder zu schreiben, stell ich einfach meinen letzten Zeitungsbericht rein. Deswegen ist dieser Eintrag auch recht kurz und etwas geschwollen formuliert. Ich versprech aber, das ich jetzt zum Ende von unserer Zeit hier noch einen großen Blogeintrag reinstell, ok? Ich weis nur noch nicht wann.....
Bis bald eure Bine
Da die Sommerferien hier in Peru jetzt gerade vorbei sind, steht für die Familien allerhand zu erledigen an: Die Kinder brauchen neue Schulsachen. Zur Bewältigung dieser Aufgabe stellt jede Schule eine Liste für die Familien aus, auf der das gesamte benötigte Material für das ganze Schuljahr aufgeschrieben steht. Da es sich viele Familien aber nicht leisten können, das alles im Geschäft einzukaufen, fahren die meisten auf den Wochenmarkt in Carhuaz, um ihre Besorgungen zu erledigen. Zufälligerweise gehört ein Marktstand für Schulsachen einer Schwägerin von meiner Gastmutter Regina. Unsere Chance einmal auf einem peruanischem Markt zu verkaufen, natürlich wollten wir dabei helfen. Das alles hatte aber auch einen gewaltigen Nachteil: wir mussten um 04:30 in der Früh aufstehen. Als mein Wecker klingelte, hatte ich nur einen Gedanken: „Nein“. Aber nun war es zu spät, wir hatten schon versprochen dass wir helfen, da mussten wir jetzt durch. Nachdem ich meine Freundinnen Joana und Anika geholt habe, sollte es los nach Carhuaz gehen. Aber wie? Vor uns stand ein kleiner Ford Jetta, der bereits mit unseren 2 Nachbarn und deren kleinen Sohn besetzt war. Einsteigen mussten noch Regina, meine Geschwister Raul und Clara, Joana, Anika und ich. Nach ca. 5 Minuten schmerzhaften hin- und herbeigen befanden wir uns dann tatsächlich alle im Wagen und machten uns auf in das 30 Minuten entfernte Carhuaz. Zu dieser frühen Stunde war dort schon die Hölle los. Von Regina erfuhren wir, dass viele Verkäufer von den Caserios hoch oben in den Anden kommen und schon um halb drei Uhr morgens losmaschieren. Da konnten wir ja noch direkt froh sein. An unserem Stand angekommen, mussten wir erstmal sortieren. Es gab große und kleine Hefte in 4 verschiedenen Qualitäten, die es zu unterscheiden galt, dann natürlich noch kariert, liniert und spezielle linierte und karierte für Schreibanfänger. Und dann noch alles weitere für den Schulalltag, Buntstifte, Lineale, Radiergummi, Kleber, Zeichenblöcke und etwas seltsame Sachen, wie etwa Stoffbälle oder Riesenpapier.
Zunächst lief alles ganz ruhig ab, bis wir etwa 9.00 Uhr hatten. Dann kamen auf einmal Scharen von Familien an und wollten ihre ganze Liste abgearbeitet haben. Zuerst wollten die Kunden sich lieber von Regina oder anderen Peruanern die noch mithalfen bedienen lassen, weil sie es uns Gringas nicht zutrauten, dass wir das auch könnten. Womit sie nicht ganz unrecht hatten, da wir die meisten spanischen Begriffe für die ganzen Sachen einfach noch nicht kannten.
Aber mit der Zeit hatten wir den Dreh raus und erledigten dann auch alleine die Listen, was aber nicht immer so einfach war. Bei den Zeichenblöcken konnte man beispielsweise nicht einfach irgendeinen hergeben, sondern mann musste die Eltern beraten, ob das Motiv auf dem Cover nun für Jungen oder Mädchen sei. Ein „neutral“ wurde gar nicht erst akzeptiert. Ein Vater drückte mir seine Liste in die Hand, auf der nicht stand ob die Hefte kariert oder liniert sein müssen, sondern für welches Fach diese Hefte sein. Da die meisten Fächer mir nichts sagten, wusste ich auch nicht welchen Hefttyp ich dem Herren einpacken sollte, der nicht unbedingt hilfreich war und mir nur ständig erklärte, dass „con reyes“ liniert heisst, was ich schon wusste, das aber wie gesagt gar nicht auf der Liste stand. Meine Kollegen am Verkaufsstand sagten auch alle was anderes und so brauchte ich für 6 Hefte ca. 10 Minuten. Aber all das nervige hatte auch lustige Seiten. Einige, ca. 18-jährige Jungs kamen 5x an unseren Stand, nur um sich von uns Gringas bedienen zu lassen. Überhaupt waren wir wohl ein ziemlicher Publikumsmagnet, zumindest sagte uns das die Chefin des Standes und dankte uns auch noch gleichzeitig dafür. Um halb sechs Uhr Abends wars dann auch wieder vorbei und wir fuhren müde, diesmal im Colectivo nach Hause. Alles in allem war es ein sehr interessanter Tag und wer kann schon von sich behaupten einmal peruanische Marktfrau gewesen zu sein?

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