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Eigentlich haetten wir heute in Begleitung von Angel, das erstemal in unsere neue Schule in Jahua gehen und uns vorstellen sollen. Wir sind extra frueh aufgestanden, da wir in dieses Seserio immer nur zu Fuss hin- und zurueckkommen. Beim Fruehstueck offenbarte uns Milton jedoch, was ich mir eh schon gedacht habe, weil Angel nie Zeit hat: Angel hat keine Zeit und wir haben heute frei. Juchu! Nichts wie auf nach Huaraz. Als wir zur Colectovohaltestelle dedackelt sind, ist uns einer unserer Caserio-Taxifahrer hingerher und bot uns an, fuer 50 centimos mehr, als mit dem normalen Colectivo mit uns im Taxi nach Huaraz zu fahren. Auch nicht schlecht. Als wir da waren, gingen wir gleich ins „California-Cafe“, dem super Tipp von Ariane, wo man allerdings ohne Laptot nicht gern gesehen wird. Aber naja, sie hat es uns gezeigt, jetzt muss sie auch mit uns klarkommen. Wir hofften noch, dass sie nicht da ist, aber als wir die Tuere oeffneten, war das erste was wir sahen, ihr unbegeisterter Gesichtsausdruck.“Hy“, sagte sie lustlos, Naso was. Waren wir etwa nicht mehr Welcome, obwohl wir doch letzte Woche noch ihre „very best friends from Germany“ waren. Joana und ich gingen gleich nach hinten durch, weil wir nur zum Buechertauschen in dieses Cafe sind und das jetzt auch machen wollten. Thomas und Anika hatten derweil das Vergnuegen sich mit der US-Amerikanerin zu Unterhalten. Das erste was sie fragte (wie schon erwaehnt, sie hat uns dieses Cafe gezeigt), war: „what do YOU guys here?“ Bloede Frage. Den Rest der Unterhaltung bekam ich dann nicht mehr mit, weil ich so vertieft darin war, Harry Potter auf Spanisch zu suchen. Ich hoerte nur immer so Fetzen, wie „nein, nein, ihr seid hier in Jangas Willkommen“ und „oh, ihr seid natuerlich unschuldig“ und lauter so komische Sachen. Als wir unsere Buecher beisammen hatten, schauten wir das wir schnell wieder rauskommen. Man merkte sofort, dass wir hier alles andere als WELCOME waren (warum auch immer, letzte woche waren wir ja noch DIE Attraktion von Uebersee).
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Als wir dann endlich draussen waren, erfuhren wir auch warum: Thomas wollte Smalltalk machen und erwähnte ihr gegenüber, dass wir jetzt auch in Yahua unterrichten. Das hörte Ariane jedoch gar nicht gern und protestierte, da sie nämlich schon in Yahua sei und dort den Lehrern beibringe, wie diese richtig unterrichten. Hm. Als wir Milton fragten, ob da nicht Ariane schon sei, sagte er nein und das Yahua ja nach uns gefragt hätte. Na gut, jetzt ist sie also doch da, aber offensichtlich reicht das nicht, sonst hätte Yahua ja nicht nach neuen Freiwillen gefragt. Aber im Grunde ist das ja auch kein Problem, dann sind dort eben 5 Freiwillige und ausserdem unterrichten wir ja dann etwas komplett unterschiedliches, bzw. unterrichtet sie ja die Kinder gar nicht, sondern nur die Lehrer. Also, alles easy. Dachten WIR. Nicht so aber unsere liebe Ariane. Diese sagte nämlich, wir könnten natürlich nichts dafür und wir wären ja so welcome, aber sie würde auf keinen Fall mit uns zusammen in der selben Schule unterrichten und es gäbe ja so viel zu tun, warum wir dann ausgerechnet nach Yahua wollen. Dass die Schule extra nach uns gefragt hat, hat sie gar nicht interessiert. Sie musste zwar zugeben, dass sie schon länger nicht mehr in Yahua war, aber das macht ja nichts. Und wenn wir da wirklich unbedingt hinwollen, da gehe sie eben. Dazu noch ein kleines Zitat. Sie sagte: „Es gibt ja soooo viel zu tun in den Caserios rund um Jangas und die sind ja alle so arm und brauchen wirklich Hilfe“ (was stimmt). Aber wenn wir jetzt auf Teufel komm raus nach Yahua wollen (das ja nicht nach uns gefragt hat, nein, nein) dann geht sie eben und arbeitet dafür in JANGAS. Nicht etwa in den Caserios, die unbedingt jemanden brauchen, nein, sie arbeitet dann in Jangas. Ich frag mich nur was, in der Schule ist sie ja scheinbar nicht mehr und von dem PC-Unterricht mit den 3 Kindern die sie dort hat, wird der Bock auch nicht fett. Das beste kommt aber noch zum Schluss: Sie sagte nämlich, sie will nicht mit uns zusammenarbeiten, weil sie ja hier die „Expertin“ ist, immerhin hat „the gouvernment from the USA“ ja sie hierherverfrachtet und sie möchte ja schließlich auch richtig arbeiten und nicht nur „den ganzen Tag rumsitzen, so wie...“. Die letzten Wörter des Satzes hat sie nicht gesagt, aber wir wissen genau was sie sagen wollte: Wie ihr! Diese bl.... K....! Wir arbeiten jeden Vormittag und zwei Nachmittage in verschiedenen Schulen und Madame arbeitet 3x in der Woche mit ihren 7 Kindern und hockt den Rest der Woche in ihrem California Cafe. Sie hat keine Ahnung wie und was wir arbeiten und urteilt einfach mal fröhlich vor sich hin, nur weil wir nicht aus den USA kommen? Aber gut, später noch mehr dazu, es kommt nämlich noch besser.
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Wir sind erstmal zum Essen gegangen. Diesmal wollten wir wieder zum „Italiener“ und ich schlug ein Restaurant vor, in dem wir noch nicht waren. Wir setzten uns also in ein Restaurant, das an dem Platz liegt, auf dem wir immer zum Italiener gehen, weil der ganze Platz davon gesäumt ist. Dieses ist allerdings das schäbigste. Das sollte aber nichts heisen und es war mal ein neues, also, warum nicht? Ich wollte diesmal nur einen Salat essen, weil es in jedem der anderen Restaurants immer einen super leckeren Salat gab und mir das gereicht hätte. Thomas wählte ein Schnitzel, Joana Spaghetti Napoli und Anika eine vegetarische Lasagne. Fein. Nach ungefähr 20 Minuten kam die Bedienung dann raus und erklärte Anika, dass sie leider keine vegetarische Lasagne bringen kann, da der Koch nicht wisse (!) wie man eine Lasagne zubereitet (diese steht übrigens ganz normal in der Karte). Da Anika ja auch Vegetarierin ist und die Auswahl hier nicht allzu groß, bestellte sie eben auch Spaghetti Napoli. 5 Minuten später bekamen Thomas und Joana dann ihr Essen. Weil Anika mehr Hunger hatte, gab ihr Joana erstmal ihre Portion und wollte auf Anikas Essen warten. Ich beteiligte mich an Thomas seinem Beilagensalat, weil der keinen mag. Der Salat war total lecker und ich freute mich schon auf meinen (der für einen normalen Salat ganz schön lang auf sich warten lies). Dann kam irgendwann Anikas bzw. Joanas Portion. Mein Salat allerdings nicht. Kaum standen die Spaghetti vor Joana, gab es schon die erste Reklamation: In den Spaghetti waren Hackfleischstücke und zwar ziemlich viele. Auf Joanas Bemerkung, dies seien aber keine Spaghetti Napoli, meinte die Bedienung, „doch, claro sind das Spaghetti Napoli“. Mit verweiß auf Anikas fleischlose Portion Spaghetti Napoli, versuchte Joana nochmal die Bedienung zu überzeugen. „Das ist schon richtig“ meinte aber diese, Anika hätte die Spaghetti von einer anderen Karte bestellt und die wären, obwohl unter gleichem Namen, eben anders. Aha. Das blöde war nur, dass dieses Restaurant nur eine richtige Karte hatte und sonst eben nur kopierte Blätter. Da ich die richtige Karte vor mir liegen hatte, hat Anika, die neben mir saß, eben von der Karte bestellt und Joana von der kopierten. Und deswegen bekommen sie nun zwei total unterschiedliche Gerichte. Sehr logisch. Die Bedienung versprach nun aber die Portion umzutauschen und ich fragte mal vorsichtig nach meinem Salat. Kurze Zeit später kamen Joanas Spaghetti wieder (diesmal nur mit 2 Bollen Hackfleisch) und mein Salat. Auf den ersten Blick, von ganz weit hinten, sah er richtig gut aus. Auf dem 2. Blick leider nicht mehr. Es sollte ein Salat mit Tomaten, Kopfsalat, Mozarella, Schinken, Kartoffel und Basilikum sein. Was ich dann letzendlich bekam, hatte zwar alle besagten Zutaten – nur, das ich ca. 2 Scheiben Tomaten hatte, 2 winzige Stückchen Mozarella, eine Scheibe Wurst (kein Schinken) in 4 Teile geteilt, 6 Kartoffelschnitze und eine Handvoll grünen Salat, links und rechts auf der Platte verteilt, ohne Dressing, übrigens. Der Rest und größte Teil meines Salates bestand aus purem Basilikum. Es war einfach ungefähr ein Strauch kleingehackter Basilikum. Ich konnte zwei Gabeln davon essen, das wars. Es war absolut ungenießbar. Die anderen Sachen, ich nenne sie mal Beilagen zum Basilikumsalat, schmeckten ohne Dressing jetzt auch nicht gerade super-duper, aber wenigstens konnte man sie essen, ohne Tränen in die Augen zu bekommen. Ja, Pfui Deibel. Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich Joanas Spaghetti-Bolognese gegessen. Tja, Pech gehabt. Ich war ganz schön sauer. Alle haben ihr Essen gelobt und ich saß vor diesem ungenießbaren Haufen Grünzeug. Ich hab den Basilikumhaufen zurückgehen lassen. Dann wollte ich noch aufs Klo, weil es hier am Platz eigentlich überall gute Toiletten gab. Ich ging also in den Gastraum, wo übrigens vor 5 Minuten ein rießen Hund reinspaziert ist und hinter der Theke rumschnüffelte, was aber irgendwie niemanden interessierte, weil ich dort die Toilette vermutete. Als ich aber drin stand staunte ich nicht schlecht. Der Raum war vieleicht so groß wie mein Zimmer hier in Jangas und es gab ausse dieser komischen Theke nichts. Ich frag mich immer noch, wo sie das Essen eigentlich gekocht haben, aber ich muss es auch gar nicht so genau wissen. Irgendwann kam dann die Bedienung angeflötet und ich fragte sie nach der Toilette. „oh, kein Problem“, ich solle ihr folgen. Wir gingen also wieder raus aus dem Raum und direkt zu unserem Tisch. An der Wand hinter uns war eine ziemlich schäbige Eisentür angebracht. Ohoh, ich ahnte übles. Ich hatte recht. Die Tür verschaffte mir Eintritt zu einem winzigen Klo, sozusagen mitten in der Wand, das auch schon länger keinen Schwamm mit Putzmittel mehr gesehen hat. Naja, so ist man wenigsten auch auf der Toilette noch Teil der Tischgesellschaft. Ich setzte dieses Restaurant auf jeden Fall schon mal auf meine geistige Diese-Etablissments-werde-ich-nicht-mehr-besuchen-Liste. Der Hammer kam aber noch, nämlich als wir zahlen wollten. Joanas Spaghetti Napoli kosteten doch tatsächlich fast um die hälfte mehr als Anikas Spaghetti. Warum? Klar, sie standen ja auf der anderen Karte. Obwohl wir ja, nach der Fleischreklamation klargemacht hatten, das sie haargenau die SELBEN Spaghetti will, wie Anika auch hat. Es halb nichts, das war einfach alles zu konfus. Wir zahlten eben mehr, was solls. Aber ärgerlich wars trotzdem.
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Wir sind dann bald darauf ins Internetcafe unseres Vertrauens. Leider ist da auch nicht mehr alles so rosig. Zuerst ging ich an meinem Stamm-PC. Dort musste ich aber feststellen, das alles, was ich beim letzten Mal an einer anderen Maschine in dem Cafe geschrieben habe und im Block gespeichert hab, nicht mehr da war. Oh nein! Ich bin also voller Panik zu Thomas seinem PC gerannt, an dem ich das letztemal alles geschrieben habe und wollte schauen, ob die Einträge vieleicht dort noch gespeichert waren. Da er aber dringend auf Skype telefonieren wollte, hab ich ihm halt gesagt er soll an meinen Stamm-PC gehen. Gut. An dem anderen PC hab ich dann festgestellt, dass es die Sachen eben doch gespeichert hat und ich es einfach verplant hab. Gut. Jetzt hatte ich aber das Problem, das der PC kein Word hatte und ich aber Word brauche, erstens um meine von daheim gespeicherten Sachen zu öffnen und dann noch, um neue Einträge zu schreiben. Also fragte ich den Internetcafetyp ob ich den PC wechseln darf. Er sagte nur, dass keine anderen mehr frei sind. Hmpf. Als dann endlich mal einer von den anderen Kunden ging, bin ich blitzschnell an dessen PC gerannt. Dieser war sogar ziemlich schnell und gut aufgebaut und Word 2007 hatte er auch. Super. Ich steckte also fröhlich meinen USB-Stick in die Öffnung dafür. Nichts tat sich. Komisch. Ich steckte ihn in die andere Öffnung. Nichts. So versuchte ich es mit allen vorhandenen Anschlüssen und sämtlichen Icons um den Stick zu öffenen, aber der PC erkannte ihn nicht. Oh mann, das gibts doch nicht. Der einzige PC der auser diesem noch frei war, war der ohne-Word-PC und ich konnte mit beiden gleich wenig anfangen. Argh. Zum Glück musste Joana nichts schreiben, sondern wollte nur telefonieren und deswegen konnten wir tauschen. Als ich gerade den Platz wechselte, war auf einmal alles aus – ich bin über den Stecker gestolpert. Oh,oh, war wohl gar nicht mein Tag. Zum Glück war nichts wichtiges geöffnet am PC und so startete ich ihn halt nochmal. Währenddessen hatten Thomas, Anika und Joana alle drei Probleme mit dem Skype. Durchs Internetcafe hörte man nur aus drei Richtungen „Hallo? Hört ihr mich? Ich versteh nichts. Mein Micro funktioniert nicht. So ein schmarrn“ und so weiter. Na, bei meinem Glück heute, brauch ich da mit Skype gar nicht erst anfangen. Ich hatte es allerdings mit meiner Schwester ausgemacht, deswegen musste ich es wohl probieren. Ich lud gerade noch meine Fotos für den Blog hoch. Das dauert auch immer ewig und ich war beinahe fertig, als ich den Stecker für das Headset zum Skypen zog, um ihn vorne am Rechner wieder einzustöpseln. Das war dumm, denn sobald der Stecker gezogen war (der übrigens nichts mit der Stromversorgung am Hut hat), war der Strom mal wieder kurz weg und meine Bilder beim Teufel. Stöhn. Mittlerweile hatte ich keine Lust mehr zu fluchen, deswegen startete ich den ganzen Hockuspockus einfach von vorne. Wieder erwarten hat das mit dem Skype gleich bei mir geklappt. Na also, wenigstens etwas. Nach ca. dreieinhalb Stunden im Internet, fiel mir mal wieder auf, das ich sehr dringend aufs Klo muss. Ich schmiss meine Sachen zu Thomas, leite mir 10 Soles um den Internettypen zu bezahlen, da mein Geldbeutel unter den ganzen Weihnachtsgeschenken begraben lag und wartete ewig auf das Wechselgeld. Dann, nichts wie auf aufs Klo. Als ich über die Straße rannte, wäre ich beinahe noch überfahren worden. Hilfe.
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Ich bin dann mit den 2 anderen Mädels noch zum Kitsch-Markt und Obst kaufen, während Thomas noch im Internet blieb, weil bei ihm auch nichts klappte. Er wartete übrigens dann auch vor dem Klo auf uns, weil er genauso dringend musste wie ich. Nach einem kurzten Besuch im Fressmarkt, wo ich feststellte, dass es dort auch Philadelphia gibt und ich den bisher nur immer übersehen hab, sind wir zum Colectivoparkplatz.
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Der Heimweg verlief Komplikations- und Ereignislos und endlich wieder zuhause, freuten wir uns auf Geschenkeeinpacken. Aber es kam anders. Milton wollte mit uns ein Theaterstück proben, dass wir im Unterricht morgen in Atupa vorspielen sollen. Aha, interessant. Er stellte es sich so vor: erste Szene: zwei Schülerinnen in der Klasse. Die eine, fröhliches, aufgeschlossenes, selbstbewusstes Streberlein (gespielt von Joana) und eine schüchterne, ängstliche Schülerin, die sich nichts zu sagen traut, so wie die meisten Kinder hier eben sind (gespielt von mir). Fein. Thomas war der Lehrer und er stellte immer Fragen, die Streberli (wir nannten sie Maria) natürlich einwandfrei beantworten konnte. Ich (Laura) wusste die Antworten zwar auch, hab sie aber immer nur ganz leise in meine Hand genuschelt, so wie es die Schüler hier leider auch machen. Natürlich hielt mich der Herr Lehrer für nicht kompetent und er sagte Laura, sie solle mehr wie Maria sein. So weit, so gut. 2. Szene. Laura geht frustriert zu einem Apfelbaum. Zu diesem sagt sie, das er doch so groß sei und er ihr einen Rat geben solle, wie er so groß geworden ist und wie Laura mehr wie Maria wird. Der Apfelbaum (sehr eindrucksvoll gespielt von Thomas) antwortet daraufhin, dass Laura einen seiner Äpfel pflücken soll und ihn auseinanderreisen soll. In dessen inneren sei ein Stern mit 5 Punkten und diesen Stern hat jeder in seinem Leben. Irgendwie so. Ich muss halt dann aus Thomas Hand den Apfel nehmen (der übrigens schon leicht angefault war) und überrascht schauen. Bei der ersten Übung musste ich noch viel Lachen, aber irgendwann verkniff ichs mir, weil Milton immer und immer wieder üben wollte. Nach dem ca. 100 Durchgang wollt ich dann nur noch ins Bett und durfte es schließlich auch. Gottseidank. Bin ja gespannt wie unser Stück morgen ankommt.
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12.11.08 Blinde Schlange und bloede Ziege
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Heute sollten wir unsere erprobten Selbstvertrauenstechniken in Atupa unter Beweis stellen. Wir freuten uns alle schon total drauf, denn in Atupa sind uns die Kinder am liebsten. Wir wollten gleich auf den Bolzplatz gehen, aber das Tor war verschlossen. Na so was, warum schliessen die denn den Platz ab, da gibt es nun wirklich nichts zu holen. Na gut, dann sind wir eben über den Zaun geklettert. Ein Geschwisterpärchen unserer Klasse, Edith und Angel, hatten ein winziges Hundebaby dabei, das vieleicht ca. 2 Wochen alt war. Das kleine war noch viel zu jung, um es durch die Gegend zu schleifen und hat die ganze Zeit geschlafen, aber es war echt total putzig. Nachdem wir ca. 15 Minuten damit vergeudet haben, Fotos mit dem Baby zu machen, konnte der Unterricht beginnen.
Der suesse kleine Hund ist staendig in Lebensgefahr
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Zum Aufwärmen spielten wir wieder „Conejo“, der auch in Atupa das Eis gut gebrochen hat. Die eigentliche Stunde fingen wir damit an, das jedes Kind sagen sollte, worin es gut ist. Irgendwie haben es die meisten aber nicht kapiert und stattdessen gesagt, was ihnen gefällt. Wenigstens haben aber alle diesmal sofort was gesagt und waren nicht ganz so verschüchtert wie das letztemal. Leider haben aber die 4 schüchternsten Mädchen gefehlt, weil sie heute irgend ein Examen hatten. Schade, denn genau diese Mädels hätten das alles am meisten gebraucht. Danach probierten wir etwas neues aus: „Fallenlassen“. Die Kinder sollten 3er-Gruppen bilden und eines der 3 Kinder musste sich die Augen verbinden. Dann sollen die anderen Beiden sich gegenüber stellen und an den Händen nehmen, während das „blinde“ Kind in der Mitte steht und von den beiden außenstehenden umgestoßen wird, so das diese das blinde Kind immer wieder auffangen müssen. Darin gehte es um Vertrauen.
Dieses seltsame Spiel nannten wir "blinder Kreis"
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Leider waren die Kinder ziemlich rüde zueinander und haben sich wild hin und her geschleudert. Fürs Vertrauen war das wohl noch nichts, aber wenigstens hats jedem Spaß gemacht. Milton wollte immer unbedingt, dass die „Auffänger“ ganz weit auseinandergehen, dabei sind die Kinder ja eh so klein, dass es sie immer beinahe umgezwiebelt hätte. Das totale Chaos eben mal wieder, aber lustig. Als nächstes mussten die Kinder dann 2er-Gruppen bilden und jeweils ein Kind musste sich wieder die Augen verbinden. Sein Partner sollte das Kind dann ohne Berührung durch einen Hindernisparcour, dargestellt durch unsere Rucksäcke, meine Wanderschuhe und Thomas Riesen-Wörterbuch, führen, nur mit den Anweisungen: Rechts, links, geradeaus. Und los gings: Zuerst haben sie das Konzept wohl gar nicht verstanden, da alle einfach losmaschierten, bzw. losmaschieren liesen und jeder fröhlich über die Rucksäcke, bzw. andere Menschen stolperte. Zwei Jungs übten sich in „Blind-Kung-Fu“ und vollführten dafür wilde Drehungen und einer bekam einfach so Nasenbluten und blutete in Joanas Schal. Dazu mussten wir auch ständig aufpassen, dass keiner den kleinen Hund niedertrampelte, der sich immer an die blödesten Stellen zum Schlafen legte. Nachdem wir alle Kinder wieder eingesammelt hatten, versuchten wir es nochmal. Diesmal klappte es wenigstens halbwegs. Die beiden kleinsten Mädels, liesen wir, nachdem sie über das Spanisch-Wörterbuch gestolpert sind, Pause machen und die andern haben es dann doch halbwegs kapiert. Nur einmal wäre Raul beinahe gegen mich gerannt, weil sein Führer, Juan, mich wohl nicht richtig zuordnen konnte, ob ich jetzt Hindernis bin, oder nicht.
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Nachdem dieses Spiel beendet war, kam das nächste Level dran: Nun wurde allen Kindern die Augen verbunden und nur einer konnte sehen. Die Kinder sollten eine Schlange bilden und der, der sehen kann, ist der letzte in der Schlange und dirigiert die anderen, auch wieder mit „Rechts, links, geradeaus“. Zuerst hatten wir ganz vorne eines der kleinen Mädels. Diese hatte das mit dem Rechts und Links noch nicht ganz raus und ist promt über den allerersten Rucksack gestolpert, was alle anderen natürlich auch hinpurzeln lies und einen rießigen Knäul bildete. Oh wei, oh wei. Das ganze nochmal von vorne, diesmal mit Raul, einem 14-jährigen als Schlangenanfang. Das klappte eigentlich schon besser, nur, verwechselte Raul immer Links mit Rechts. Irgendwann riss dann auch noch die Schlange, weil eine von den Mädels stolperte und Raul ging unerschrocken, diesmal nur noch mit 3 Schlangenmitgliedern weiter, während der hintere Teil auf dem Boden lag. Während Anika und Joana die Gestürzten wieder aufklaubten, rannte Thomas in heller Panik zu Raul, der gerade dabei war, gegen den Pfosten des Fußballtores zu laufen. Puh. Also, nochmal. Diesmal sollte Romario nach vorne und Raul sollte die Kommandos geben. Wir bedachten natürlich nicht, das es ja auch als Kommandogeber darauf ankommt, zu wissen wo rechts und wo links ist. Naja, zuerst ging es ja trotzdem ganz gut. Nur, dass Romario strammen Schrittes voranschritt und zu schnell für die beiden kleinen Mädels war. Die kleinste, Lisbeth, hielt ihren Vordermann nur noch am Zipfel des Schales, mit dem ihm die Augen verbunden waren. Irgenwann – Überraschung – fielen wieder alle hin und Romario, der von dem allen nichts mitbekam, maschierte, die Hände in den Hosentaschen, geradewegs auf den kleinen Hund zu, den Joana wieder in letzter Sekunke rettete. Eieiei. Thomas und ich beschlossen mal kurz in den „Laden“ von Atupa zu gehen, einem winzigen Raum mit zwei beinahe leeren Regalen, um den Kindern was zu trinken zu kaufen. Anika und Joana wollten derweil weiterhin das Schlangenspiel probieren.
Der Laden ist wirklich traurig, es gibt nichts zu kaufen, ausser 4 verschiedenen, pappsüße Limosorten und ein paar uralte Bonbons. Wir kauften 6 Liter Limo und verschwanden wieder. Als wir zurückkamen, haben Anika und Joana das Spiel beendet, nachdem die ganze Meute gegen den Maschendrahtzaun gelaufen ist. Jetzt kam mein großer Auftritt, denn wir sollten das Theaterstück aufführen, das wir gestern so lange geprobt hatten. Wie gesagt, waren leider genau die 4 Mädels, die es am meisten betrifft nicht da, aber das Stück war trotzdem ganz gut für die Kinder. Thomas gab einen ganz tollen Apfelbaum ab und die Kinder amüsierten sich sehr gut. Als letztes Spiel, spielten wir den „Spiegel“. Damit hatten die Kinder wieder mehr Probleme. Sie sollten sich, wieder zu zweit, in die Mitte des von den andern gebildeten Kreises stellen. Einer der beiden ist ein Spiegel und der andere der Mann, der vor dem Spiegel steht. Was dieser Mann vormacht, sollte der Spiegel nachmachen. Nachdem Thomas und ich eine Zirkusreife Nummer gezeigt hatten, waren die Kinder an der Reihe. Leider haben sie sich, bis auf die beiden kleinsten Mädels, nicht richtig getraut und es war eher ein kleines trauerspiel. Aber wir werden es das nächste Mal wiederholen und ich bin mir sicher, dass es dann besser klappt. Dann gings ans eingemachte: Fußball. Blöderweise lag der Baum immer noch mitten auf dem Bolzplatz, aber wir beschlossen wieder drumrum zu spielen. Ich wurde übrigens als 4. gewählt, Ätschi! Voller Selbstvertrauen über diese schnelle Wahl, schaffte ich sogar 2 Tore! Gefault hab ich diesmal auch nicht, ich werde also langsam richtig professionell. Als wir nach insgesamt 4 Stunden in Atupa den Heimweg antraten, waren die Kinder richtig traurig. Es hat heute wirklich viel Spaß gemacht und wir sind froh, dass wir so einen Erfolg hatten.
Angel freut sich ueber die Banane die wir den Kindern
geschenkt haben
Am Nachmittag hatten wir wieder Spanischunterricht. Anika hat erzählt, sie hätte beobachtet, wie unsere Profesora eine halbe Stunde früher gekommen ist und mit Milton nach oben verschwand. Aha. Doch was am laufen? Ist ja interessant. Der Unterricht verlief wie immer. Für dach nächste Mal hat sie sich aber was neues ausgedacht, wir sollen jetzt immer Texte bearbeiten. Da freu ich mich schon drauf. Hab mir gestern in Huaraz im California Cafe Harry Potter auf Spanisch ausgeliehen und es klappt sogar schon ganz gut mit dem lesen. Bin richtig Stolz!
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Am Abend kam dann Milton und wollte mit uns reden. Und zwar über unsere Freundin Ariane. Er hat mit ihr gesprochen. Nachdem sie mit ihm am Nachmittag, noch am Telefon, ausgemacht hat, sie will uns nach Hahua begleiten und unserem Unterricht zusehen, bevor sie uns mitteilt, ob wir gnädigerweise an der selben Schule unterrichten dürfen oder nicht, hat sie ihm am Abend, als er sie getroffen hat, klipp und klar gesagt, sie will nicht bei unserem Pipi-Unterricht zusehen und erst recht will sie nicht, dass wir bei ihr zuschauen. Wir können nach Hahua gehen, aber sie wird dann nicht mehr kommen, überhaupt will sie nicht mit uns zusammenarbeiten – UND – sie hat damit gedroht, dass sie den Ort wechseln wird (also aus Jangas ausziehen) wenn es weiter so geht! Sie möchte bitte unterrichtet werden, was wir machen! Ich hab gedacht mir geht der Hut hoch! Was ist denn auf einmal in die gefahren, wir tun der doch nix! Zu uns sagt sie, wenn wir sie zufällig treffen, oh, sie sei so froh dass mal andere da sind und sie nicht mehr so allein hier in Jangas ist und wir sind ja so „Welcome“, aber dann erzählt sie hintenrum so einen Mist. Was hat die eigentlich für ein Problem? Zu Milton hat sie wohl gemeint, sie sieht nicht ein, warum wir unkompetenten Nichtskönner ihre Arbeit wegnehme, dabei tun wir das ja noch nicht mal. Oh mein Gott, mittlerweile hasse ich diese eingebildete Tussi. Milton hat ihr zum Glück gesagt, sie kann in Jangas bleiben wenn sie will, aber er hindert sie auch nicht daran wegzugehen. Ich finds halt nur schade, dass diese Person, die ganz offensichtlich Streit SUCHT, so ein Theater macht, obwohl wir ihr nichts, aber auch rein gar nichts getan haben und auch nicht auf ihre Arbeit, bzw. ihre Schüler aus sind. Ich hätte sogar gerne mit ihr zusammengearbeitet, mittlerweile überlege ich mir aber, ob ich mit ihr überhaupt noch ein Wort wechsle, wenn ich ihr begegne, weil ich so hinterfotzige Leute einfach nicht ausstehen kann. Aber gut, genug davon. Sie macht sich selber Probleme (sie hat übrigens schon vor Jangas in einem anderen Ort gearbeitet, den sie auch gewechselt hat, weil ihr wieder irgendwas nicht gepasst hat) und das soll wiederrum nicht mein Problem sein.
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13.11.08 Muellsammelaktion und macht-ja-doch-Spass
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Heut sollten wir in Mataquita den selben Unterricht halten wie gestern in Atupa. Als wir jedoch ankamen, war es irgendwie ganz anders. Die Schüler hatten ihre Uniformen nicht an und es herrschte ein großes Durcheinander. Dann kam der Knutschrektor und informierte uns, das heute keine Schule sei, sondern die Aktion „reinigt Mataquita“. Zu diesem Zweck sollte sich das ganze Dorf versammeln und den Abfall aufräumen, der Überall in den Straßen lag. Aha. Gut zu wissen. Kurz darauf kamen dann auch Tanja (Miltons Schwester) und Angel zusammen mit anderen Jugendlichen aus Jangas um zu helfen. Wir beschlossen auch mitzumachen und schnappten uns 3 große Müllbeutel, sowie einen Gartenrechen. Und los gings. Mataquita war, wie alle anderen Orte hier, natürlich schon immer voller Müll, aber mir ist das noch nie so aufgefallen wie heute. Man konnte keine 5 Schritte gehen, ohne an einer Plastikflasche, die schon total eingegraben war, weil sie schon so lang rumlag, oder an alten T-Shirts, unmengen von Plastiktüten, kaputten Schuhen oder anderen Kram vorbeizukommen. Nach 200 Metern waren unsere 3 Müllbeutel voll und der Ort kaum weniger schmutzig.
Ich mit meinem Muellfang
Das wars dann auch schon wieder, jeder Teilnehmer füllte seinen Beutel und war somit fertig. Wir wollten gerade wieder heimgehen, da kam doch glatt unsere 5 und 6. Klasse zu uns und fragte ob wir nicht trotzdem heute noch mit ihnen Unterricht machen wollen, weil das immer so toll ist. Wie bitte? Das ist ja cool. Scheinbar kommen die Unterrichtsmethoden der deutschen „Nichtskönner“ ja doch ganz gut an. Haha. Natürlich stimmten wir zu und trafen uns kurz darauf auf einem Feld. Milton, der noch unbedingt mit seinen Kumpels Fußball spielen musste, kam nicht mit. Kein Problem, wir können das auch schon ganz gut allein.
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Los gings mit „Conejo“. Auch hier wirkte dieses Spiel wunder. Es war toll zu sehen, wie die Kinder, die das letzte Mal noch so schrecklich verschüchtert waren, sich nun gegenseitig aufmunterten den „Conejo“, bzw. den Elefant oder den Löwen zu machen. Als wir dann auch noch den Vogel „chirip, chirip“ mit einbrachten waren sie völlig begeistert und wollten gar nicht mehr aufhören. Es kamen sogar noch andere Kinder, von den jüngeren Klassen und wollten mitmachen. Am Ende waren wir über 30 Personen. Irgendwann mussten wir aber doch aufhören und spielten stattdessen das Schlangenspiel, mit den verbundenen Augen. Da wir nicht genug Schals zum Verbinden hatten, mussten die Kinder die Augen einfach schließen. Viele schummelten natürlich dabei, aber das war auch gar nicht so schlecht, weil das Feld nämlich am Abgrund lag und ich noch gut in Erinnerung hatte, was für ein Chaos das Spiel in Atupa verursachte. Wir machten, aufgrund der hohen Anzahl der Kinder, zwei Schlangen und los gings. Wir „Spielleiter“ stellten uns vor den Abgrund, um sicherzugehen dass auch wirklich keiner Abstürzte und los gings. Es war wieder mal Chaos pur. Die vorderen rannten, als ginge es um ihr Leben und die beiden Schlangen krachten ständig zusammen.
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Wir brachen bald ab, obwohl es wirklich sehr lustig war. Die Kinder waren wie ausgewechselt. Sogar ein sehr schüchterner Junge, Edison, der sich das letzte Mal noch nicht mal getraut hat zu sagen „ich mag mich selber“, war heute laut und aufgedreht. Es war genial. Wir machten noch unser Apfelbaumtheater, wobei aber diesmal die zierliche Joana den Apfelbaum mimen musste und ich sie als Laura fragte, wie sie es schafft so groß zu sein, dabei musste ich auf sie herabblicken, da sie ein bisschen bergab stand. Zum Schluss spielten wir noch den Spiegel, der bei einigen wieder etwas mehr Probleme verursacht, da sie dann doch im Mittelpunkt stehen müssen und dann mussten wir aufhören, weil es zu spät wurde. Die Kinder wollten aber nicht. Es war der Wahnsinn. So zufrieden wie hier, war ich nach noch keiner Unterrichtsstunde. Der Fortschritt, den wir schon erreicht hatten in Mataquita war gigantisch.
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Als wir nach Hause fuhren, waren wir in Hochstimmung. Wir warteten aufs Taxi und Thomas, Anika und Joana setzten sich, als es da war, in den Kofferraum. Ich quetschte mich auf die Rückbank und wir wollten gerade losfahren, da sah ich den Knutschrektor näherkommen. Oh nein, wenn der jetzt noch einsteigt sitzt er die ganze Fahrt neben mir und vermutlich will er mich in dem engen Taxi noch auf den Schoss nehmen. In Windeseile und blind vor Panik stieß ich die Tür auf und flüchtete zu den anderen in den viel zu engen Kofferraum, wo ich mir beim blitzschnellen Versuch die Tür zu schliessen, den Kopf anstieß. Schon war der Knutschrektor zur Stelle und wollte meine Hand nehmen, mit den Worten, „du musst doch nicht in den Kofferraum, wir passen doch noch zusammen auf die Rückbank“. „Ähm, nein, danke, im Kofferraum mitfahren ist doch soooo lustig, hähä“. Ok, das schluckte er und setzte sich auf die Rückbank. Puh, nochmal Glück gehabt.
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Nachmittags sind wir nach Huaraz. Diesmal hat es mich erwischt und ich habe so eine Art Magen-Darm-Grippe gekriegt. Ich hatte die ganze Zeit höllische Bauschmerzen und musste immer wieder aufs Klo. Trifft sich, das bei uns daheim, die Klospülung nicht mehr funktioniert, was für ein Glück. Jetzt muss ich immer in Dracos Reich auf das Klo der Oma gehen, das ziemlich eklig ist. Bäh. Zurück nach Huaraz. Wir wollten eigentlich nur ins Internet aber auf dem Weg zurück zum Colectivo-Stand kaufte ich noch Kniestrümpfe aus Baby-Alpaca-Wolle. Ich schwörs, so warme und weiche Socken hab ich noch nie im Leben getragen. Joana kaufte sich noch eine Tüte total geile Pommes, die ich mich aber nicht getraut habe, ebenfalls zu kaufen, wegen meinem Magen. Als wir im Colectivo saßen, schaute einem Indigena neben uns, ständig auf Joana Pommes. Als sie nicht mehr konnte, fragte sie die Frau, ob sie die Pommes haben will. Sie stimmte begeistert zu und verputzte die Pommes mit einem rießen Genuss. Im Colectiovo hörte man, ausser dem Grupo 5 gedudel, die ganze Zeit das zufriedene Schmatzen der Frau. Wir vergessen immer wieder wie gut wir es haben, wenn man bedenkt, wie glücklich diese Frau über das Geschenk der mittlerweile kalten Pommes war. Abends war nicht mehr viel los. Wir schauten Kung-Fu Panda und gingen darauf bald ins Bett. Ich fühlte mich nicht allzutoll und hatte Angst krank zu werden. In der Nacht wachte ich sowieso nochmal auf, weil der dicke, größere Hund, der eigentlich nur zu Besuch das ist, um vier Uhr beschlossen hat, sich einfach mal auf die Bank vor meinem Fenster zu setzen und fröhlich vor sich hin zu bellen, bis ich nach einer halben Stunde doch mal aufstand und ihm sagte er soll die Klappe halten (was er dann auch tatsächlich tat). Wahrscheinlich probte er eine Gegenrede zu Dracos schwingendem Gebell. Dieser ist eh seit der Ankunft der Besucherhunde auffällig still. Er bekommt also Konkurrenz. Das kann ja noch spannend werden.
14.11.08 Falscher Vegetarier und Flucht aufs Klo
hhh
Wir tuckelten also nach Mataquita. Dort angekommen, bauten sie gerade den Altar und die Stühle der Messe ab. Toll. Die wollten wir ja eigentlich unbedingt sehen. Naja. Nach einer freudigen Begrüßung des Knutschrektors, haben sie uns 6 Stühle gebracht und wir pflanzten uns. Dann zeigten die Kinder wieder den Tanz, den sie damals schon bei dem Tanzwettbewerb gezeigt haben und den ich so toll fand. Leider hatten sie wohl überhaupt keine Lust und haben so ohne Elan getanzt, dass es leider nicht so schön zum Zusehen war. Als es dann zu regnen anfing, sollten wir in ein Klassenzimmer gehen.
Knutschrektor wie er leibt und lebt
Dort haben sie die Stühle und Tische an den Wänden entlang aufgereiht und wir sollten uns setzen. Da neben dem Co-Rektor noch frei war und er unbedingt wollte, dass wir uns neben ihn setzen, hab ich mich halt zu ihm gesetzt. Ich fragte mich, warum wir hier drin sitzen sollten. Die Antwort bekam ich vom Co-Rektor: Es gibt Essen. Wir sollten mit der gesamten Lehrerschaft dinnieren. Ach so, na gut, dann sitz ich natürlich gern im Klassenzimmer. Während wir aufs Essen warteten, versuchten Co-Rektor und ich konversation zu betreiben. Leider versteh ich ihn sehr schlecht und meistens hab ich nur wieder mein obligatorisches „Ah, si si, hihihi“ von mir gegeben und gehofft, dass es passt. Co-Rektor hatte auch noch ziemlichen Mundgeruch und ich war froh, als dass Essen serviert wurde. Erster Gang: Suppe. Sie sah ziemlich lecker aus, wie die Griessuppe, die uns auch Milton-Mama immer vorsetzt. Sie war zwar ein bisschen Fett, aber sonst ganz gut. Thomas und Anika, die die Suppe vor mir bekamen, sagten irgendwas von wegen, eine Hühnerkralle sei auch in der Suppe. Als ich bei mir nachsah, sah ich aber nur ein ganz normales Hühnerbein – ich muss zwar zugeben, dass es ein wenig eklig aussah, aber ich war trotzdem froh, dass ich keine Kralle hatte. Mein Übermut ging sogar so weit, das ich laut sagte: „Haha, ich hab nur ein ganz normales Bein“. Voller Freude nahm ich einen großen Löffel – mit dem aus den trüben untiefen der Suppe auf einmal eine rießen Hühnerkralle zum Vorschein kam. Ich bin so erschrocken und es sah so eklig aus, das mir dummerweise ein Schrei entfuhr. Die Augen aller Lehrer waren starr auf mich gerichtet. Ups. Co-Rektorchen schaute mich an und sagte: „ziemlich heiß die Suppe, gell?“ Ich war so froh, dass er mir eine rettende Vorlage gab, dass ich zustimmte, „ja, ja, unglaublich heiß“, dabei war die Suppe höchstens noch Lauwarm. Joana, die neben mir saß, erklärte daraufhin, dass sie Vegetarier ist. Weil mir nichts blöderes einfiel, um der Hühnerkralle zu entkommen, sagte ich schnell, das ich auch Vegetarier sei. Co- und Knutschrektor konnten es nicht glauben das „wir“ tatsächlich kein Fleisch essen, haben es aber aktzeptiert. Puh. Nochmal um die Hühnerkralle drumrumgekommen. Trotzdem fing es langsam an, das mir schlecht wurde, weils halt mal wieder super eklig war. Hühnerkralle, buah. Die 2. ekligste Suppe die ich hier gegessen habe, nach der Schafsmagensuppe, damals an dem großen Fest in Jangas. Es trifft sich, dass die Suppe so fett und eklig war und wir alle drei Mädels im Moment nicht gerade den besten Magen, bzw. die beste Verdauung haben und es in Mataquita kein Wasser am Nachmittag zum Klospülen gibt. Wir nahmen alle drei schnell unsere Notfallkohletabletten und ich hoffte auf Reis oder Kartoffeln als zweiten Gang, damit ich die Suppe schnell vergessen kann. Ich hatte Glück. Es gab haufenweise Kartoffeln und einen leckeren Krautsalat, sowie den Rest vom Huhn, mit leckerer Sose und Kruste. Ich war so glücklich über dieses „normale“ Essen, dass ich mir gleich ein schönes Gabelchen Hühnerfleisch reinstopfte. Co-Rektor schaute verdattert. Oh, oh. Ich hatte ganz vergessen dass ich ja „Vegetarier“ bin. Mist. Ich tat so als hätte ich nichts gemerkt und Co-Rektor tat das gleiche. Ich musste mir allerdings dach Lachen schon sehr verkneifen. Die ganze Sache hat Co-Rektor aber wohl nicht so viel ausgemacht, weil er kurz darauf fragte, ob wir später tanzen. Oh Gott, nein. Knutschi hat nämlich auch schon so andeutungen gemacht. Ich hab gemeint ich schau mal, weil ich so Magenschmerzen hätte. Mi-hist! Dann gabs für jeden noch Bier. Prima, genau das konnte ich jetzt wirklich gut brauchen. Ich machte noch schnell ein Video mit meiner Digitalkamera, um zu dokumentieren, wie sich auf dieser Schulveranstaltung alle Leher um 2 Uhr nachmittags besaufen. Und damit meine ich nicht „ein wenig Alkohol trinken“, sondern wirklich „sich besaufen“. Co-Rektor wollte mir schon immer dauernd nachschenken und als ich ihn darauf hinwies, dass ich nicht so viel trinke (hihi), sagte er ganz verwundert “Was, wieso trinkst du nicht gerne viel?“ Du meine Güte. Ich schob es darauf, dass ich – mal wieder – Probleme mit dem Magen hätte, ich hab nämlich eigentlich schon recht schnell getrunken, aber die Lehrer hier sind wirklich Trink-Weltmeister. Während ich so filmte, filmte ich auch den Co-Rektor. Ich wollte ihm sagen, er soll mal in die Kamera meine Eltern grüßen und sagte vor lauter blödheit ständig“ „Grita para mi padres“. Als er komisch schaute, wiederholte ich es noch zweimal. Bis mir irgendwann auffiel, das „grita“ ja gar nicht grüßen heist, sondern „schreien“. Oh mann, heut schoss ich wirklich in allen Punkten den Vogel ab. Ich versuchte das Missverständnis aufzuklären, weis nicht ob er es verstanden hat, aber ich denke schon.
***
So, jetzt mussten wir aber alle drei Mädels wirklich aufs Klo. Als wir aufstanden, fragte Co-Rektor hoffnungsfroh: „Geht ihr Tanzen?“ Wir verneinten, mit dem hinweis wir gingen aufs Klo. Jetzt aber schnell weg. Knutschi wartet ja auch noch. Als wir vom Klo zurückkamen, spähte Joana nach den Rektoren. Wir hatten wirklich alle 3 rein gar keine Lust mit den beiden zu tanzen, da wir so ziemlich die einzigen Leute auf der Tanzfläche gewesen wären und ausserdem ging es uns (oder mir zumindest) wirklich nicht so supertoll und das letzte was ich machen wollte war tanzen. Zum Glück kam gerade eine Schülerin von uns angehupft, Yuli. Sie ist eines unserer besten Mädchen, sehr untipyisch für hier ist sie nämlich unglaublich offen und neugierig. Tja, so blieben wir draussen und redeten mit ihr, in der Hoffnung, das Rektor-Paar würde uns nicht so schnell finden. Ich wusste das ich heute früher oder später tanzen MUSSTE, denn ein „nein“ wäre hier überaus unhöflich. Irgendwann kam Thomas raus und beschwerte sich, das wir ihn „im Stich“ gelassen hätten. Na, der hat gut Schmollen. Auf den warten keine zwei Männer, der eine – ich kann mir nicht helfen – ein kleines bisschen schlüpferig, der andere zwar sehr nett, aber mit recht unangenehmen Körpergeruch. Als ich einmal kurz nach oben sah (wir saßen auf der Treppe, ein wenig Blickgeschützt), sah ich Knutschi recht missmutig mit einer etwas älteren Dame tanzen. Oh, oh, bald bin ich an der Reihe. Aber das Schicksal war mir aus unvermuteter Quelle hold: Auf einmal kam Milton ziemlich Missmutig anmarschiert und erklärte er wolle jetzt fahren. Falls irgendwer fragen sollte, warum wir schon so früh abhauen, sollten wir sagen, wir hätten eine Besprechung um 16 Uhr. Fein. Wir gingen also zurück ins Ess-Klassenzimmer um unsere Taschen zu holen. Da stand doch glatt Knutschi drin und entledigte sich schon mal seiner Krawatte. Heieiei, jetzt wird es aber ernst. Als er erfuhr das wir gehen wollen, war er ganz auser sich. „Was? Wieso? Wir müssen noch tanzen.“ Unsere Begründung, wir hätten die Besprechung um vier, tat er mit dem Satz ab: „ach, ihr könnt doch auch ein bisschen zu spät kommen. Ausserdem braucht ihr nicht so lang bis ihr in Jangas seid“. Er wollte nicht aufgeben. Nachdem ihm Joana aber einen Vortrag über deutsche Pünktlichkeit hielt, mit dem Verweis, das wir ja auch länger aufs Colectivo warten müssen, lies er uns gehen. Ich schon noch hinterher, dass es wirklich schade ist, dass wir nicht tanzen (ich Schwein) und das wir beim nächsten Fest garantiert tanzen werden (hoffentlich gibt es kein nächstes Fest, sonst komm ich nicht mehr umhin). Als wir uns noch von den anderen Lehrern verabschiedeten, fragte auch Co-Rektorchen: „Wieso geht ihr schon? Aber wir wollten doch tanzen“. Er war sichtlich enttäuscht. In mir machte sich schlechtes Gewissen breit. Aber wir konnten ja eigentlich nichts dafür, Milton wollte ja wirklich gehen. Also versprach ich auch ihm, dass es beim nächsten Mal garantiert zum Tanz kommt und er verabschiedete sich mit 2 Küssen auf die Backe. Mein lieber Schwan, die sind ja ganz wild drauf, mit Gringas zu tanzen.
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Am Abend kam Milton noch zu uns, um ein bisschen mit uns zu plauschen. Irgendwie kamen wir auf das Thema Reisen. Wir erklärten ihm, dass es halt ziemlich einfach ist, in Europa in andere Länder zu reisen. Er sagte, dass die meisten Peruaner höchstens bis an die Landesgrenze kommen, aber das nichts ausmache, weil ihnen das reicht (na gut, Peru ist ja auch 4x so groß wie Deutschland und bietet alles – Berge, Strand, Regenwald, Hitze und Kälte). Er erzählte ein bisschen über seine Landsleute und meinte, was mir auch schon aufgefallen ist, aber nun bekamen wir es bestätigt, das zwar viele nicht viel haben, dass die meisten aber einfach zufrieden in ihrer eigenen kleinen Welt leben. Und das stimmt. Viele arme Bauern sieht man oft lachen, sie sind auch sehr nett zu uns und nicht neidisch, auf das was wir haben. Auch unsere Kinder in den Schulen, die die Fragebögen ausgefüllt haben, gaben meistens an, das sie glücklich sind. Und diese Kinder sind wirklich arm. Natürlich gibt es auch Ausnahmen (das sind dann leider meistens die, die sich in den Alkohol flüchten), aber der Großteil ist glücklich. Das ist etwas, das ich so toll finde, an diesem Land. Und von dem wir noch einiges lernen können.
15.11.08 Maden und Magenknurren
nnn
Heute war Samstag – Huaraz Tag. Nach einem sehr leckeren Frühstück auf unserer „Terasse“ (wir dürfen zur Zeit nicht in die Küche, weil dort Fließen verlegt werden), machten wir uns bald auf den Weg. Wir waren voller Vorfreude, weil wir heute Mittag vorhatten, zum Pommes essen zu gehen, in das Restaurant, in dem Joana ihre letzte Portion, die sie dann im Bus der armen Frau geschenkt hat, gekauft hat. Zuerst sind wir noch so ein bisschen rumgestrahlt und haben in einer Straße, die wir noch nicht kannten, einen super Laden entdeckt, der nicht ganz so kitschige, sondern irgendwie sehr geschmackvolle gebastelte und gemalte Sachen verkauft hat. Die Teile waren echt toll und wenn ich nicht schon alle Weihnachtsgeschenke gehabt hätte, hätte ich sie hier gekauft.
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Aber eine ganz tolle Sache für meine Oma hab ich dann doch noch mitgenommen, werd aber mal wieder nicht verraten, was. Dann war Mittag, wir hatten nen Mordshunger und waren ganz wild auf unsere Pommes. Also enterten wir das 2-Stöckige Gebäude. Unten war die Hölle los, deswegen wollten wir in den 2en Stock. Dort waren alle Tische frei, aber als wir uns setzen wollten, sagte der Kellner, wir sollen uns unten setzen. Also gut, dackelten wir also wieder nach unten. Kaum dort angekommen, kam ein anderer Kellner, oder so was in der Art und schickte uns wieder hoch. Wahrscheinlich ein Geschäftsinternes Spiel, mit dem Namen „Schick die Gringos rum“. Oben wollte uns der andere Kellner wieder runterschicken, aber der Typ unten war wohl der Chef, darum durften wir uns dann doch mal setzen. Fein. Schon kam eine sehr mies gelaunte Bedienung angeschlurft und brachte uns die Karten. Die beiden anderen Mädels bestellten Pommes, Thomas ein Steak und ich hatte voll Lust auf den Salat (ja, ich hab mich mal wieder getraut). OK. Kurze Zeit später kam Miss Mies-gelaunt und teilte Anika und Joana mit, dass es Mittags nur Pommes in Kombination mit Fleisch gibt. Thomas bekommt also sein Steak mit Pommes, Anika und Joana allerdings keine Pommes. Seltsam, aber wahr. Enttäuscht bestellten sie eben das einzige andere Gericht ohne Fleisch: Spaghetti Napoli. Als das Essen dann kam, hatte ich sogar Glück: Der Salat war echt lecker. Thomas war auch zufrieden, die Spaghetti Napoli allerdings waren absolut eklig. Ich probierte bei Joana, die ziemlich sauer war (zurecht), und die Soße war irgendwie total komisch süß und schmeckte dazu noch ein bisschen nach Chlor. Pfui Deibel. Einen Salat wollten die beiden sich eigentlich auch noch teilen, den hat die Bedienung allerdings verplant. Als er dann, nach einer kleinen Nachfrage, doch mal kam, freuten sich die beiden, dass wenigstens der gut schmeckte. Allerdings hielt die Freude nicht lang: Auf einem Avocadostück vergnügte sich nämlich gerade fröhlich eine kleine Made. Pfui der Deibel. Gut, dass ich meinen Salat schon lang verputzt hab, sonst hätte ich ihn auch nicht mehr essen wollen. Tja, das wars dann, mit der Essensfreude. Als der Kellner kam und wir ihm den gesamten Reklamationskatalog vortrugen, sagte er nur „Oh“ und „die Made ist bestimmt von der Decke gefallen“. Mhm. Von der Decke, die tadellos geweiselt und bestimmt kein Madenparadies war. Eine Entschuldigung blieb aus. Naja. Ich war zufrieden (als einzige) deswegen bekam er auch nur meinen Anteil an Trinkgeld und das Restaurant wurde auch auf die Orte-an-die-wir-nie-wieder-gehen-werden-Liste gesetzt.
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Wieder Zuhause, warteten wir auf unser Abendessen, das wir auch wieder bei uns essen sollten und nicht in der Küche. Milton kam zwar irgendwann mal (um 22 Uhr), Essen gabs aber keins. Tja. War wohl nicht so unser Tag. Als er da war, besprachen wir unseren Ausflug nach Llanganuko, den wir morgen machen wollten. Leider hatten wir kein Auto und er versuchte noch eins zu Organisieren. Um Acht sollten wir uns in der Früh mit ihm treffen. Es war aber noch nichts sicher. Wir waren leider pesimistisch, weil die Ausflüge in letzter Zeit irgendwie nie was wurden. Naja, morgen wissen wir mehr. Als er weg war, schauten wir noch den neuesten James Bond, den es in Huaraz als brandfrische Raubkopie zu kaufen gab (hier legal). Wir wollten Thomas und meine Freundin Steffi suchen, die in dem Film eine Statistenrolle spielt. 3 blonde Mädchen späten wir aus, die sie sein konnte. Die Qualität des Films war allerdings so schlecht, das wir nicht mal James Bond richtig erkennen konnten. Muss sie mal fragen, ob sie überhaupt zu sehen ist. Bin echt gespannt, ob wir richtig lagen.
16.11.08 Technikchecker und Totenbestatung
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Juchu, heute sollte es nach Llanganuko gehen, endlich mal wieder ein Ausflug. Milton wollte sich um acht mit uns treffen, in der frueh. Aber als wir aufwahren, war kein Milton weit und breit zu sehen. Um halb neun gingen wir vor zu den Vergaras. In der Kueche war nur die Mama. Als wir nach Milton fragten, sagte sie, er sei nicht da. Toll. Also doch kein Ausflug. Man hat ihm gestern schon angemerkt, dass er lieber mit seiner Familie zum Essen gehen wollte, die hatten das heute naemlich vor und wir haben ihm auch gesagt, dass er das ruhig machen kann und wir dann eben ein andermal nach Llanganuko fahren. Aber wir dachten er sagt dann wenigstens bescheid, wenn es nicht geht. Naja. Wir machten es uns gerade wieder gemuetlich und ich begann meine Waesche zu waschen, da kam er auf einmal angerannt: „Packt eure Sachen! Wir fahren!“ Er war nicht da, weil er in Huaraz ein Auto organisiert hat. Wie suess!
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Als ich nach draussen ging, staunte ich nicht schlecht. Er hat ein Taxi gemietet. Also, nur das Auto, der Fahrer war er selber. Cool. Als Autoradio, das leider nicht vorhanden war, musste unser alter CD-Player, den wir eigentlich im Bad stehen haben, herhalten. Auf einmal ging die Tuer des Nachbarhauses auf und Angel kam angeschlendert. Er sollte auch mitkommen. Er hatte dann auch gleich die Ehrenvolle Aufgabe im Zwiederladen Batterien fuer das riesige CD-Player-Ungetuem zu kaufen. Wir warteten derweil im Wagen vor dem Laden darauf. Als er zurùeckgehetzt kam, gab es erst einmal Anschiss von Milton. Angel hat die falschen Batterien gekauft. Also, nochmal rein. Als er zurueckkam, hatte er die richtigen, aber zu wenig. Also, nochmal rein. Das alles haette vermieden werden koennen, wenn sie sich vor dem Kauf mal das Batteriefach des CD-Players angeschaut haetten. Aber, das ist eben typisch Milton :-) Endlich lief der CD-Player und ab ging die Post. Das Taxi hat auch schon bessere Zeiten erlebt und wir sassen zu viert ziemlich eingequetscht hinten, aber es hat Spass gemacht. Milton schaltete jedes Lied nach ca. 30 sec. Weiter, obwohl es seine eigenen CDs waren, die wir hoerten. Irgendwann geschah dann das grosse Unglueck: Der CD-Player streikte. Nein!!! Angel drueckte rum und ruckelte hin und her, aber es funktionierte nicht. Was tun? Milton beschloss einzugreifen. Er drueckte einfach, waehrend er fuhr, mit der ganzen Hand auf alle Knoepfe die er erreichen sollte. All unsere „espera“ (warte) rufe halfen nichts. Zum Glueck entschied sich Milton dann doch irgendwann mal dafuer, lieber anzuhalten um das Problem zu beheben, nachdem wir beinahe gegen einen vor uns fahrenden Bus gekracht waeren. Als wir hielten, probierte er seine ganz-Hand-Technik weiter. Aber, komischerweise, half das nichts. Da ich dieses Teil schon ne ganze Weile im Bad bediene und weis, dass es manchmal spinnt und man manchmal auch ganz einfach nur etwas laenger auf den gleichen Knopf druecken muss, wollte ich helfen. Ich versuchte zu erklaeren, dass er einfach laenger auf „Play“ druecken und die komische Repeat-Taste, die aufleuchtete, ausschalten muss. Er hoerte gar nicht zu. "Si, si", sagte er, und drueckte – batsch – wieder mit der ganzen Hand auf alle Knoepfe. Es funktionierte nicht. Also machte er das CD-Deck auf und nahm die CD raus. Schaute sie einmal an und legte sie wieder rein. Nun versuchte er noch, sie mit der Hand anzuschupfen. Ging immer noch nicht. Wir versuchten nochmal die Sache mit dem laenger-auf-Play-druecken zu erklaeren. Wollte er nicht hoeren. Na gut, dann eben nicht. Angel hielt ihm derweil eine andere CD hin. Irgendwann tat er die eine raus und die andere rein. Und dann funktionierte es tatsaechlich. Es lag also wohl an der CD, womit beide Parteien unrecht hatten. Na gut, wenigstens gings wieder. Ungefaehr 20 Minuten lang. Dann war wieder Sendepause. Die Batterien waren leer. Ups. Den Rest des Weges (ca. 1 Stunde hatten wir noch) fuhren wir dann eben ohne Musikbegleitung.
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Der Weg zum Naturschutzpark Huarascan, in dem die beiden Seen von Llanganuko liegen, liegt auf ueber 4000m hoehe. Wir rottelten den ziemlich holprigen Weg mit unserem Taxi nach oben. Muss ich erwaehnen, dass die Federung des Taxis ungefaehr seit 20 Jahren nicht mehr besteht? Dummerweise musste ich dann auch noch aufs Klo, was durch das geholpere nicht unbedingt besser wurde. Eieiei. Ab und zu hoerten wir, wie die Steine, die auf dem Lehmweg lagen, unten am Boden des Autos schleiften. Einmal sogar so stark, dass wir es an unseren Fuessen spueren konnten. Hilfe. Irgendwann wars dann eh ganz aus. Der Wagen starb ab. Ich sah uns schon schieben, aber Milton wollte nicht aufgeben. Nach 3 Startversuchen ging es tatsaechlich weiter und Milton bekam seinen Wohlverdienten Applaus. Obwohl das alles sehr lustig war, war ich trotzdem froh, als ich dann endlich aufs Klo konnte. Grad noch mal gut gegangen. Dann konnten wir die beiden schoenen Seen bewundern. Zuerst waren wir bei dem hinteren und kleineren der beiden.
Er ist nicht gaaaanz so schoen wie der andere, aber trotzdem total beeindruckend. Auch die riessiegen Gipfel um uns herum waren gigantisch. Obwohl es ein sehr heisser Tag war, musste ich meine dicke Fliessjacke anziehen und meine Lamafellmuetze, weil ein ziemlich scharfer, kalter Wind ging. Milton fuhr mit seinem Taxi nach vorne und liess uns mit Angel hinterherwandern, der uns einiges zur Natur erklaeren konnte, weil er irgendwie so was in der Art studiert. Hier gibt es uebrigens auch Pumas, allerdings noch ein bisschen weiter oben.
grosser See
Am grossen See angekommen, mussten wir natuerlich erstmal ein Foto mit Lama machen, das hier extra zum Fotomachen da war. Ist zwar schrecklich Klischeehaft, aber man ist ja trotz allem, doch nur Tourist :-) Thomas war allerdings ein bisschen zu gross fuer das arme Vieh und seine Beine hingen fast bis zum Boden. Nach einem kleinen Rundgang um den See wollten wir noch Boot fahren. Ein, zuerst recht gut gelaunter Bootsmann kam angerudert und half uns beim Einsteigen. Dann gings im Schnekentempo raus auf den See. Der Bootsmann war genau so lang gut gelaunt, bis Milton auf die Idee kam auch mal zu rudern. Oh oh. Widerwillig gab Mr. Boot sein Ruder ab an Milton, der sich wie ein Schneekoenig freute. Das Boot wackelte bedenklich. Als Milton endlich sass, wollte er wie der Blitz losrudern. Es klappte nicht. Eigentlich drehten wir uns nur ein kleines bisschen im Kreis. Ich beobachtete, wie sich die Miene des Bootsmannes, der sich an den Seiten der Baracke festkrallte, immer mehr verfinsterte. Ganz im Gegensatz zu der von Milton, der immer noch der festen Ueberzeugung war, dass wir jetzt dann gleich ganz schnell vorankommen. Er irrte sich.
Milton als Bootsmann ohne Glueck
Wir kamen gar nicht voran. Milton stresste das aber gar nicht. Er war ganz gluecklich und ruderte vor sich hin. Der Bootsmann allerdings war alles andere als gluecklich. Irgendwann wurde es ihm zu bloed und er holte sich seine Ruder wieder zurueck, nicht ohne Milton genervt darauf hinzuweisen, dass er sich nicht so weit an den Rand setzen soll, weil das Boot sonst kippt. Ziemlich Wortkart und mit einer viel kleineren Route als die seiner Mitbootsmaenner, fuhren wir wieder an den Steg zurueck. Heieiei. Wieder auf sicherem Boden, beschlossen wir etwas zu essen. Wir kamen ca. 2 Meter weit, da lief eine wilde Horde Jugendlicher auf uns zu. Sie riefen „Hello“ und „sorry“ und wollten unbedingt ein Foto mit uns Gringos machen. Ich dachte dieses Mal kommen wir drum rum. War wohl nichts. Ok, wir stellten uns in Pose. Wer konnte, von den Jugenlichen, hakte sich bei einem von uns unter. Ein Junge fragte Joana, ob er sie fuer das Foto umarmen duerfe. Nach dem 5. Foto durften wir wieder gehen. Die Jugendlichen waren aus Lima und total begeistert, dass sie hier echte Gringos getroffen haben. Ich hab mich daran immer noch nicht ganz gewoehnt. Immerhin sind in Lima ja eigentlich die meisten Weissen, es ist ja eine riessen Stadt und mit Flughafen. Aber vieleicht trauen sie sich in der Stadt nicht die Gringos anzusprechen. Keine Ahnung. Sie fanden es jedenfalls ganz toll, dass wir aus Alemania kommen und konnten gar nicht glauben, dass man in Deutschland kein Englisch spricht. Das ist hier eh die allgemeine Meinung. Viele Peruaner denken wirklich, es gibt nur Spanisch, Englisch und vielleicht noch Portugiesisch, Chinesisch oder Japanisch, aber hauptsaechlich diese 2 Hauptsprachen. Von so einer Sprache wie „Deutsch“ haben die noch nie was gehoert. Ebenso wie Hollaendisch oder Tschechisch hoechstens nur Unterarten vom Englischen sind. Auch Miltons Bruder, Nino, dem wir zusammen mit seiner Familie schon oft erklaert haben, dass man in Deutschland Deutsch spricht, moechte jetzt einen Englisch-Kurs machen, damit er sich mit uns in „unserer Sprache“ unterhalten kann. Das wird wohl nix mehr.
***
An den Essenstaenden angekommen, war die Entscheidung schwer. Das Essen war zwar ziemlich einfach – es gab z.B. einen warmen Maiskolben mit einem Stueck Kaese, oder 2 Kartoffeln und ein gekochtes Ei, serviert in den Blaettern eines Maiskolbens – aber es sah trotzdem lecker aus. Ich entschied mich fuer Mais mit Zwiebeln und zwei Kartoffeln. Es war ein etwas groesserer Mais, ich habe leider vergessen wie er heisst, aber die Koerner haben in etwa die Groesse von roten Bohnen. Als ich meine Jacke ausziehen wollte, kam ich versehentlich an meinen Pappteller hin und der ganze Maismischmach flog im hohen Boden auf den Boden. Priml. Ich kaufte mir also nochmal zwei Kartoffeln. Da kann man wenigstens nicht viel Falsch machen. Dann gings wieder zurueck nach unten. Wir stiegen in unser Taxi (d. H. Angel musste durch den Kofferraum, die einzige Tuer die man aufschliessen konnte reinkraxeln und uns aufmachen) und fuhren rasant nach unten. Naechstes Ziel: Alt Yunay, die Stadt, die beim grossen Erdbeben von 1970 von einem abgebrochenen Gletscherteil vom Huarascan (hoechster Berg Perus) komplett ueberrollt und ausgeloescht wurde. Alles was verschont blieb, war ironischerweise der Friedhof der Stadt, der nach oben gebaut und etwas hoeher gelegn war. Dorthin konnte sich ein paar Menschen retten, der Rest aber, ca. 20000 Menschen, wurden unter der ca. 7 m dicken Eis- und Geroellschicht begraben. Die Leichen wurden nie geborgen, sondern es wurde eine Art riesen Friedhof aus dem ganzen gemacht. Wo die Haeuser standen, haben sie Kreuze und Grabsteine fuer die Familien errichtet und einen Teil der alten Kathedrale nachgebaut.
Der Ort ist sehr schoen, aber auch ziemlich Geheimnissvoll, weil er so still ist und die ganze Zeit so ein komischer Wind weht.
Jesusstatue auf dem Friedhof "Campo Santo"
Als wir zurueckfuhren war immer noch schoenes Wetter und es sah auch nicht so aus, als wuerde es noch regnen. Sogar der CD-Player ging wieder (obwohl Milton die Batterien in der prallen Sonne im Auto liegen hat lassen – oder vieleicht deswegen) und wir fuhren die ruhige Strasse richtung Jangas durch die gruene und bluehende Landschaft. Als wir so dahinfuhren war ich einfach rundum zufrieden und gluecklich. Ich kenne das Land eigentlich immer noch kaum und es hat bestimmt nicht nur seine guten Seiten, aber ich kann jetzt schon sagen, dass ich Peru liebe. Und zwar alles, die Landschaft, die Leute, das Klima und sogar die bloeden Hunde.
Schoene Landschaft in Jangas
Ich bin echt froh dass ich mich fuer die Entwicklungshilfe entschieden habe, weil ich diese Erfahrungen und dieses Gefuehl hier echt nie wieder missen moechte. Aber ich komm natuerlich auch gern wieder heim, also keine Angst liebe Eltern :-)

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