Samstag, 8. November 2008

03.11. - 10.11.08 Zusammenfassung

03.11.08 Totengedenken und Telenovelas
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Heute war immer noch Feiertag. Das bedeutete wir hatten wieder keine Schule. Milton fragte uns beim Frühstück (heute war es wieder normal) ob wir mit auf den Friedhof kommen wollen. Ich dachte wir sind auch auf die Feier eingeladen und war schon total gespannt. Um 11 Uhr wollte er uns bholen. Davor ollten wir ihn aufs Hauseigene Chakra (Queschuawort für Feld) begleiten, weil er uns einen Kürbis pflücken wollte, zum Gesichtschneiden (ich weis, wir sind schon ein bissl spät dran). Wir musstern allerdings einen umweg über die Straße hinters Haus machen, weil Milton sich tatsächlich nicht in den Hinterhof (Dracos Reich) traute. Oh Gott, die haben alle Angst vor diesem aufgstellten Mausbollen.
Der teuflische Draco
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Dabei weis Milton ja nocht nicht mal was von Dracos dunklen Machenschaften, beseelt vom Wunsch die Weltherrschaft an sich zu reissen. Na fein, wir sind also außenrum. Ich hatte gerade eine frisch geschälte Mango in der Hand, weil unsere Feldwanderung ziemlich spontan kam und bemühte mich auf dem buckligen Weg nicht hinzufallen. Zack! Lag ich auf dem Hintern, den Mango-Arm zum Glück weit von mir gestreckt. Noch mal Glück gehabt. Wir wateten über das Feld, das aus lauter Al-Fifer-Pflanzen bestand, das an die Schweine und Meerschweinchen verfüttert wird. Am Kürbisstrauch angekommen, mussten wir leider feststellen, das es keine Kürbisse gibt. Dafür sind wir dann zum Orangenbaum gewatet, wo die noch unreifen Köstlichkeiten hingen. Milton sagte uns, wir sollen die gelben Boppeln in Mandarinengröße pflücken und probieren. Ich musste leider warten bis Anika mir eine pflückt, weil ich nicht an die Orangen gekommen bin, ich war zu klein. Die Miniteile waren ganz gelb mit ein bisschen grün und sehr schwer zu schälen. Als ich reinbiss muss ich das blödeste Gesicht der Welt gemacht haben, weil die Dinger total sauer waren. Ungefähr wie einen Zitrone. Ja Buah! Wir sollten uns trotzdem die restlichen pflücken und mitnehme. Ich hätte lieber gewartet, bis es richtige Orangen werden, aber ich dachte mir zum ins-Getränk-schütten tuts des schon.

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Dann haben wir uns auf den Weg zum Friedhof gemacht. Leider war heute keine Party mehr, sondern einfach Besuch an den Gräbern angesagt. Schon am Friedhofstor (die Kirche steht übrigens ganz woanders) standen Verkaufsstände und sie verkauften gebratenes Schweinefleisch, Zwiebeln, irgendwelche Innereien (wäh!) und natürlich Bier. Der Friedhof selber war genauso wie ich ihn mir vorgestellt habe: Chaotisch. Er ist, so wie alles hier, am Hang gelegen und es gibt keine Gräber im eigentlichen Sinne, also wie bei uns. Die Toten werden einfach dort wo Platz ist vergraben und meistens ist das einzige, was darauf hinweist, ein kleines Holzkreuz. Manchmal ohne Namen, manchmal mit Namen und Verzierungen. An anderen Kreuzen stehen abgeschnittene Cola-Flaschen mit Blumen drin. Zu Allerheiligen gibt es hier die Gewohnheit, ein kleines Kreuz mitzubringen für die Verstorbenen. Erwachsene kriegen ein schwarzes und für die Kinder gibt es ein weisses Kreuz. Jeder, der es sich leisten kann, kauft so ein Kreuz und Hämmert es auf das „Grab" des Verwandten oder Freundes. So kommt es, das bei den meisten Gräbern 5 oder 6 Kreuze hintereinander in die Erde gehauen sind. Andere Gräber, haben eine Art Stein auf der Oberfläche, in Sargform. Man kann es sich ungefähr so vorstellen, wie in solchen Gruselfilmen, wobei es aber nichts gruseliges an sich hat (zumindest am Tag). Diese Gräber finde ich am schönsten, da sie einen gewissen Character haben. Und dann gibt es noch so Gruften, eine große Mauer mit Platz für die Särge, so wie bei uns die Mauern für die Urnen sind. Manche sind ganz hübsch geschmückt, die meisten aber leider verwahrlost. Und leider lag überall Abfall rum. Auf dem Boden, um die Gräber rum, in den leeren Gruften. Bierkapseln und Kekstüten und Plastikteller. Ich glaube zwar der Abfall wird hauptsächlich an Allerheiligen gemacht, aber trotzdem kann ich mir schwer vorstellen, das sie ihn irgendwann mal wegräumen. Milton zeigt uns ganz stolz das Grab seines Opas, seiner Cousine und seines Onkels. Die Vergaras haben auch hier, eher eines der besseren Gräber. Das Opa-Grab war von einem kleinen weissen Zaun umgeben und das Grab der Cousine mit grünen Fließen bedeckt. Er erzählte und ein bisschen was über Allerheiligen und den Friedhof, während wir uns auf die Gräber setzten (das ist hier ganz normal). Hier, in Ancash, haben sie ein ganz anderes Verhältnis zum Tod, wie man ja an den Partys auf dem Friedhof und den anderen Gewohnheiten hier unschwer schlussfolgern kann. Wenn an Allerheiligen der große Friedhofstreff ist, dann setzen sie sich auf die Gräber und trinken Bier. Da es hier ohnehin gang und gebe ist, das Bier in einen kleinen Becher zu leeren und aus diesem Becher reihum zu trinken, bekommt natürlich auch der Verstorbene was ab. Sein Becherchen wird über das Grab geschüttet. Es wird natürlich auch Musik gehört und getanzt. Es gibt auch einige Leute, die hier auf dem Friedhof rumstehen und denen man ein paar Soles gibt, damit sie an dem Grab das man besucht, irgendwelche lateinischen Worte sprechen. Meistens aber, wird der Friedhof besucht und man setzt sich einfach aufs Grab und unterhält sich. Ein Mann saß friedlich auf der Erde und kaute seine Coca-Blätter. Irgendwie hat es mir auch gefallen hier zu sein. Es ist ausnahmsweise mal ein bisschen ruhig und man hat von dem Hügel eine schöne Aussicht auf Jangas. Auch so fand ich den Friedhof wunderschön, wenn nur der blöde Abfall nicht überall wär. Und das andere Verhältnis, das die Peruaner zu den Toten haben, find ich auch nicht schlecht. Vieleicht übertreiben sie es ein bischen zu krass, aber sie haben zumindest recht, wenn es ihnen lieber ist, den Verstorbenen fröhlich in Erinnerung zu behalten und das Leben das er hatte zu feiern. In einem Land, in dem die Sterberate um einiges höher ist als bei uns, und man auch mehr Verwandte hat, die sterben können, ist das wahrscheinlich auch leichter auszuhalten, wenn man mit seiner Trauer anderst umgeht. Aber das ist wohl Geschmackssache.
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Am Nachmittag hatten wir Castellano-Stunde. Und endlich nicht mehr in der Hospedaje, sondern hier, juchu. Wir beschlossen den Unterricht draussen zu halten und stellten die Tafel aufs Fensterbrett. Da sie aber nicht halten wollte, mussten wir sie festbinden. Jedesmal wenn die Profesora beim schreiben ein bisschen zu fest gedrückt hat, ist die Tafel runtergerutscht und hing nur noch am seidenen Faden. Dafür war die Stunde endlich mal efektiv, ohne die blöden Hunde die einem dauernd auf den Schoss wollen oder irgendwelche Böller, die mal wieder in die Luft gejagt werden. Es hat sogar beinahe Spaß gemacht und wir hatten Stunde bis es dunkel wurde. Einmal musste ich schnell die Lampe auswechseln, da die Birne die wir im Gang draussen hängen hatten zu schwach war um die Tafel zu bescheinen.
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Abends sahen wir uns einen total bekloppten Film an: Das Labyrinth des Faun. Total der Schwachsinn. Als der Film endlich aus war, hab ich versehentlich umgeschalten von DVD auf normales Fernsehen und es lief - was auch sonst - eine Telenovela. Soweit ich das mitgekriegt hab, gibt es hier zwei Fernsehprogramme. Entweder es laufen schreckliche Shows, die meistens von Transen moderiert werden (kein Witz - es stimmt) und total bunt und schrill sind oder es läuft eine noch schrecklichere Telenovela. Da ich sogar einiges verstand, wollte ich mir das mal anschauen. Jeder, der sich je über das deutsche Fernsehprogramm beschwert hat, sollte einmal im Leben in Peru fernsehen. In jeder Telenovela, die schon so Namen haben wie „Wege des Schicksals" oder „ Wendungen des Schicksals" oder „Schicksalstage" liegen pro Folge mindestens 4 Leute unabhängig voneinander im Krankenhaus, was aber nicht heisst, das währenddessen noch 1 oder 2 andere Menschen noch sterben können. Die Telenovelas werden wohl in den USA gedreht oder so, auf jeden Fall sind sie spanisch syncronisiert und zwar unheimlich schlecht. Als ich „Wendungen des Lebens" geschaut habe, bestand eine Szene daraus, das 5 unglaublich schöne Menschen, eine Familie in der sich kein einziger irgendwie ähnlich sah, um den Tisch saßen und zu Abend aßen. Der Vater erzählte der Tochter gerade, wie unglaublich gefährlich die Großsstadt Lima ist (ach ne - sogar im schlechten Telenovelas müssen sie noch mit dem Thema ankommen) und das es für ein Bauernmädchen reiner Selbstmord wäre dort hinzugehen. Das Mädchen, das mit einem Bauernmädchen hier nicht mal ein winziges Etwas gemein hatte, sagte darauf: „Aber Papa! Ich bin kein Bauernmädchen." Allgemeines Gelächter über diesen pfiffigen Komentar. Dann kam plötzlich die Nachbarin dazugestoßen. Sie kannte aus irgendeinem Grund zwei der Anwesenden nicht und wurde ihnen vorgestellt. Sie selbst, hatte gerade Zeit und wollte deswegen vorbeischauen. Dann bemerkte sie noch, das der Vater eine sehr hübsche Tochter hat und sagte dann „ich habe gar keine Zeit, ich muss wieder gehen". Das wars. Die Szene war aus. Wenigstens musste darin keiner ins Krankenhaus oder sterben, aber es war trotzdem unglaublicher Schwachsinn. In einer anderen Szene kam dann doch endlich tatsächlich ein Sarg vor, in einer Leichenhalle. Eine junge Frau saß auf einem Stuhl davor und weinte. Dann kam ihr Freund und tröstete Sie, ohne viel zu Reden. Die Frau sagte immer nur „Warum?". Einige andere Szenen später, saß die Frau immer noch verheult vor dem Sarg und sagte gar nix mehr. Noch einige Szenen später, saß sie immer noch davor. Das wars, dann war die Sendung aus. Ich beschloss, mir dann doch lieber unsere DVDs auf Spanisch anzusehen, da das dann doch mehr Sinn macht, als diesen Blödsinn anzuschauen. Aber den Peruanern gefällts. Milton-Mama ist ab Punkt 19 Uhr vor dem Fernseher und wenn sie gestört wird, mag sie das gar nicht gern. Ich habe beschlossen, nie wieder über unser TV-Programm zu schimpfen, obwohl das schon sehr schlecht ist. Aber in den Programmen hier ist echt der König des schlechten Geschmacks gefunden worden.
kdk
kdk
04.11.08 California und Computerterror

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Heut sind wir schon ganz in der Früh nach Huaraz. Milton war mal wieder total komisch und hat nicht viel geredet. Als wir zum Colectivo sind, trafen wir Ariane. Wir fragten sie, ob sie wisse was mit Milton los ist und sie meinte, dass es mit der Organisation, bei der Milton ja Vorstand ist, im Moment nicht so klappt. Warum dass so ist, hat sie nicht gesagt, aber sie meint, er ist wohl ausgebrannt und es wird ihm zuviel. Das seh ich ein. Dazu muss er sich ja auch ständig noch um uns 4 Deutschen kümmern. Aber wir versuchen ja auch zu helfen wo es geht. Ariane fuhr nach Huaraz, weil doch heute Abend die Wahlen in den USA sind. Sie wollte sich mit all den anderen Amerikanern ihrer Organisation treffen, die alle rund um Huaraz verteilt sind. Dazu wolle sie in irgendein Cafe, das sich „California-Cafe" nennt gehen. Als wir ihr sagten, dass wir das nicht kennen, war sie ganz aus dem Häusschen. „What? You don´t know the California? You HAVE to know the California" Das konnte sie überhaupt nicht verstehen und wir müssen unbedingt dort hinkommen sie zeigt es uns sofort. Dort haben wir auch WLAN für unsere Laptops. Als wir dann auch noch sagten, das wir keine Laptops hier hätten ist sie erst recht ausgetickt. „What???? You didn´t bring your Laptops?" Ich verkniff mir ihr zu sagen, das ich nicht mal einen BESITZE, ganz davon abgesehen, dass ich den Teufel tun würde dieses Teil mit nach Südamerika zu nehmen, wo ich ueberall und damit meine ich wirklich ueberall Angst haben muesste, dass er mir geklaut wird. Leider erfüllt Ariane, so nett sie auch ist, schon sehr das Klischee, das man im Allgemeinen von US-Amerikanern hat. Ich weis natürlich, das dass nicht auf alle zutrifft, aber sie ist genauso, wie ich mir die Amis immer vorgestellt habe. Sie führte uns also in das California-Cafe und teilte uns vorher noch mit, das wir uns hier sicher fühlen können, da wir hier ganz „unter uns" seien und sich Einheimische so gut wie nie hier rein verirren. Sie sagt ihrer Familie und auch sonst keinem in Jangas auch nicht wo sie hingeht, da sie nicht will, das die wissen wieviel Geld sie hat und von ihrem Laptop weis auch keiner. Überhaupt kriegt sie ja auch Geld von ihrer Organisation, sie erzähle das aber keinen und sagt sie muss das alles selber zahlen (na super, nur gut, dass WIR wirklich kein Geld dafür kriegen und wirklich alles selber zahlen). Naja. Im California war dann auf einmal rießen Geschrei, weil sie irgendwelche Freunde (auch aus den USA) getroffen hat und sie sich mit großem Hallo begrüsst haben. Alle waren ganz aufgeregt, das wir, Arianes „very best friends from Germany" (dabei weis sie noch nicht mal unsere Namen) hier Eintritt gefunden haben. Eine kam dann auch gleich ganz emsig zu uns ruebergewatschelt und erklaerte uns, das es hier den besten Chai-Tea gibt, den man auch mit Soya-Milk trinken kann. Es ist also DIE Adresse der Stadt, immerhin gibt es hier Chai-Tea mit Soya-Milk, uh yeah! Danach schmissen sich alle auf die Sofas und zogen ihre Lap-Tops raus, immerhin gibt es hier WIFI, wie die Amis das WLAN nennen. "Feel free to drink a Coffee (oder Chai-Tea) here", haben sie uns noch schnell mitgeteilt. Trotzdem, ich war froh das sie uns dieses Cafe gezeigt hat, weil man hier nämlich Bücher (auch deutsche) ausleihen kann und auch tauschen kann. Ausserdem ist sie ja auch wirklich nett und meint es ja gut mit uns, und das Cafe ist nach einer gewissen Zeit alleine unter lauter Peruanern, so wie sie es ja ist, wahrscheinlich wirklich ganz gut zum abschalten. Trotzdem, mein „very best friend" wird sie wohl nicht werden.
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Wir sind dann auch ziemlich schnell wieder abgedampft, was uns einige enttäuschte Blicke beschert hat, weil wir nicht halb so aus dem Häusschen waren wie die alle. In der Post gabs leider wieder kein Paket für mich, aber ich habe ein paar Postkarten geschickt. Frau Post lässt sie mich mittlerweile selber stempeln. Find ich voll lustig. Dann sind wir zum Pizzaessen. Als wir die Bedienung fragten, was denn so alles im Salat drinnen sei, sagte sie Tomaten, Pilze und irgendwas, was wir nicht verstanden. Da wir mittlerweile schon so todesmutig sind, das wir uns ohne Wörterbuch aus dem Haus trauen, konnten wir uns kein Bild dieser Zutat machen. Unter grossen Entschuldigungen verschwand die Bedienung wieder und brachte uns 5 Minuten später ein kleines Blatt grünen Salat. Ach so, das meinte sie. Wir fanden ihr Bemühen total süß und bestellten einen mit.
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Jetzt gabs nicht mehr viel zu tun und wir sind gleich ins Internetcafe unseres Vertrauens gegangen. Diesmal funktionierte mein Kopfhörer zum Skypen sogar schon beim zweiten Versuch. Fehlte nur noch mein Blog, den ich gar nicht mehr ganz zuende schreiben konnte, bevor wir nach Huaraz sind. Also habe ich noch schnell im Internetcafe einige Zeilen getippt. Ich war gerade auf der dritten Seite und somit fast fertig - als auf einmal alles geschriebene verschwunden war. NEIN! Ich konnte machen was ich wollte, es blieb weg. Toll! Ich möchte echt einmal den Tag erleben, an dem ich hier ins Internet gehen kann, ohne einen halben Nervenzusammenbruch erleiden zu müssen. Ich glaube dann Tanze ich im Bikini auf dem Plaza de Armas. Tja, es half nix, dann hab ichs halt nochmal geschrieben. Insgesamt waren wir 4 Stunden im Internet und der Internetcafetyp konnte sein Glück gar nicht fassen, das vier solche Idioten wie wir so lange in seinem Kabäuschen rumsitzen und pro halbe Stunde zahlen. Als wir endlich fertig waren, sind wir noch schnell zum Kitschmarkt. Ich habe Weihnachtsgeschenke für meine Familie gekauft und wollte noch Geschenkspapier besorgen. Auserdem gelüstete es uns nach einem salzigen Brotaufstrich, da wir Marmelade und Nutella einfach nicht mehr sehen können. Im einzigen „Supermarkt" in Huaraz, konnten wir keinen einzigen salzigen Brotaufstrich finden, dafür aber ca. 10 verschiedene Marmaladenmarken mit je 7 verschiedenen Geschmäckern. Im Kitschmarkt hingegen findet man alles. Schon beim dritten Stand hatte ich Glück: Ich entdeckte Frischkäse! Wahnsinn. Das erste mal seit meiner Zeit hier, sehe ich tatsächlich Frischkäse. Er war natürlich importiert und total überteuert, aber das war mir egal. Ich hoffe er hält sich lang genung, ohne Kühlschrank. Ich fand dann auch ziemlich bald die „Geburtstags-Kitsch-Stände", wo es neben meinem gewünschten Geschenkspapier auch lebensgroße Prinzessinnen mit der Aufschrift „Feliz cumpleaños" gab und so allerlei anderen Firlefanz um ein kleines Geburtstagskind zum Strahlen zu bringen, wie Krönchen, Prinzessinnenballkleider, Zauberstäbe und sonstigen Kitsch. Mir reichte mein Papier, da ich mir nicht vorstellen kann, das sich meine Schwester über ein rosa Plastikkrönchen zu Weihnachten freut (obwohl, wer weis).
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Beim Colectivofahren sind wir mittlerweile schon alte Hasen und wir schnappten uns zum Heimfahren ein leeres mit richtig bequemen Sitzen. Ha! Zum Abendessen kaufte ich mir bei Milton-Mama noch ein paar Tomaten, die ich mir aufs Brot legte. Hmmm. Ich fürchte auf ihrer Marmelade werden sie jetzt erstmal sitzen bleiben, aber wenn ich solche Sachen wie die Tomaten bei ihr kauf, kann sich Milton-Mama ja eigentlich nicht beschweren, wenn ich sie dann auch bei ihr esse. Abends wollte ich dann noch Draco filmen, wie er ein altes Stück Pizza isst. Leider ist er fast durchgedreht, als ich ihm die Pizza hingelegt habe und hat ohne Witz noch eineinhalb Stunden später gebellt, dabei habe ich gar nichts gemacht. Wahrscheinlich hat er sich aufgeregt, weil die Pizza ohnen Fleisch war. Komisches Tier, ich wusste doch mit dem stimmt was nicht.

Draco auf seine Ansprachenmauer
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05.11.08 Holzfäller und Hundeschrecken

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Heute hatten wir doch tatsächlich wieder Schule und zwar in Atupa. Wir waren schon total aus der Übung und froh, dass Anika und Joana heute eine Baden-Württemberg-Stunde halten wollten. Es war der erste Tag an dem wirklich alle Schüler da waren, dafür aber keine Lehrerin. Die Schüler saßen einfach an ihren Tischen und bastelten als wir kamen. Während Thomas und ich nach der Baden-W.-Stunde noch kurz über das deutsche Schulsystem referierten, kam sie dann doch mal. Sie war ganz aus der Puste, würde mich interessieren, wo die gesteckt hat. Als wir fertig waren gings auf dem Bolzplatz. Vor über Woche ist während eines starken Sturmes ein riesiger Ast eines Baumes neben dem Platz mitten auf das Spielfeld gekracht. Als wir heute kamen, war der immer noch da. Wir setzten uns dann eben auf diesen Ast und begannen mit unserer ersten Selbstvertrauensstunde. Das war gar nicht so einfach. Die Kinder standen im Kreis und für den Anfang sollte jeder nur seinen Namen sagen, sein Alter und was er gerne macht. Es war wahnsinn. Bei den Jungs ging es noch. Milton sagte ihnen, sie sollen so laut reden, das es in den Bergen widerhallt. Sie redeten danach wenigstens so laut, das man die Wörter verstehen konnte, was sie davor noch nie gemacht haben. Dann kamen die Mädchen dran. Manche brauchten tatsächlich 1 - 2 Minuten und viel gutes Zureden, bis sie sich getraut haben, diese 3 Sätze zu sagen. Als es dann doch alle geschafft haben, gab es erstmal eine Runde Applaus. Dann begann Milton einen Vortrag, was Selbstvertrauen eigentlich sei und das das wichtigste ist, das man sich selber mag und so annimmt wie man ist. Also ging eine neue Runde los, in der wir alle auf unsere Brust klopfen und der Reihe nach schreien mussten „yo me quero como yo soy" (ich mag mich so wie ich bin). Die Kinder waren tatsächlich schon ein bisschen lauter, aber immer noch sehr verschüchtert. Also machten wir eine Übung: Jeder sollte in die Luft schlagen und „Huargh!!" schreien. Bis auf ein Mädchen, dass sich einfach nicht getraut hat, haben es alle ganz gut hingekriegt. Wir haben dann, wie bei einer Sportmannschaft, die Hände übereinandergelegt und gleichzeitig „Huargh" geschrien und die Hände hochgerissen und auf einmal waren die Kinder viel mutiger. Als nächste Übung sollte jeder noch laut sagen, was einen am meisten an sich selber gefällt und das klappte dann tatsächlich total gut und jedem fiel auch gleich was ein. Zum Schluss musste dann jeder noch Laut sagen, das er als Kind das Recht zu spielen und als Schüler die Pflicht seine Aufgaben zu erledigen hat. Das machten wir, weil Milton den Kindern auch gleich noch beibringen will, das sie sich gegen ungerechtigkeiten, von Seiten ihrer Eltern z.B. wehren soll. Ziemlich heisses Pflaster, aber ich glaube das tut den Kindern wirklich gut. Freu mich schon auf nächste Woche, wenn wir dann weitermachen und auch ein paar Spiele zum Thema Selbstvertrauen spielen.
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Dann gings auf zum Fußballspielen. Nur leider lag der Ast ja immer noch im Spielfeld. Also fing Thomas an, ein rießent Trumm übers Feld zu schleifen und an den Rand zu legen. Sofort fingen ein paar Jungs aus der KLasse an zu helfen. Also packten wir eben auch zu. Alle zusammen, schafften wir es fals alle Blätter und kleine Äste wegzuräumen und nächstes Mal wollen wir eine Axt mitbringen und den großen Ast, der zu schwer ist für und alle 15, zerkleinern und wegpacken. Es war eine richtig gemeinschaftliche Arbeit, bei der wir, von 8 - 26 Jährigen, alle zusammen mitgeholfen haben, ohne das jemand was sagen musste. Ich war total stolz auf unsere „Gruppe" und es hat uns auch echt alle ein bischen zusammengebracht. Dann gings ans Mannschaftenzusammenstellen und ich wurde als 5. Und nicht als letzte gewählt! Jippeh!
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Trotzdem war ich sau schlecht, mir fehlte mal wieder die Luft und ich hatte immer Angst mir an dem riesen Ast ein Auge auszustechen. Ich lief trotzdem todesmutig auf das gegnerische Tor zu und FAAAATZ, lag ich auch schon auf dem Bauch, weil ich auf den Eukalytuszapfen des Baumes ausgerutsch bin, die ja immer noch auf dem Platz rumlagen. Autsch. Ich lies mir natuerlich nichts anmerken und stand in sekundenschnelle wieder auf, um den Ball doch noch ins Tor zu kriegen. Dann kam auch schon Milton von der anderen Seite angerasst um den Ball selber reinzuschiessen und FAAAATZ, lag er schon auf dem Hintern, haha! Denn Ball hab ich trotzdem nicht reingekriegt (hmpf!) Beim zweiten Versuch kam Anika, die in der Gegnermannschaft war und wollte sich den Ball schnappen. Sie haette es auch beinahe geschafft, waere sie nicht (FAAATZ) ausgerutscht. Thomas, der sie auslachte, lag ca. 3 Minuten spaeter auf dem Bauch, aetsch, das kommt davon. Nach 15 Minuten konnte ich nicht mehr. Ich setzte mich zu Joana auf den Ast, zu der sich schon ein paar von den kleineren Mädchen gesellt hatten. Ich schnappte mir 3 Tannenzapfen und versuchte zu jonglieren (was ich natürlich nicht kann). Trotzdem fanden die Mädels das toll und fingen ihrerseits auch an. Wir beschlossen dann nach einigen missglückten Versuchen, die Tannenzapfen lieber mir der Hand wegzuschlagen und zu schauen welcher am weitesten fliegt. Als auch das langweilig wurde, durfte immer ein Mädchen einen Zapfen hochschlagen und ich versuchte es mit einem Stück Rinde wegzuschlagen. Anika und Joana machten das dann auch mit je einem Mädchen und das war dann total lustig. Die Kinder waren ganz begeistert.
Beim Tannenzapfenspiel
ggg
Joana gab den Mädels dann noch was von ihrem trinken ab und von ihrer Mandarinen-Orange und sie waren total glücklich. Eine war ganz fasziniert von unsererer weisen Haut und meinen Sommersprossen am Arm („puntos, puntos, puntos"). Aber als wir gesagt haben, wir finden ihre Hautfarbe viel schöner, konnte sie das gar nicht fassen. Irgendwann mussten wir dann gehen und es war alles schon viel Vertrauter als bei den letzten Malen, mit den Kindern.
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Als wir so beseelt zur Straße liefen um auf ein Colectivo zu warten und über geeignete Spiele nachdachten, kamen wir an einem Haus vorbei. Auf einmal tat es einen knurrer und ein Hund stand neben uns und biss Milton ins Bein. Es ging so schnell, ich habe nicht mal den Hund bemerkt. Wir verscheuchten ihn mit Steinen, weil er dann auch noch hinter uns her war. Ich bin total erschrocken. Das Vieh hat sich einfach angeschlichen, ohne Bellen oder sonstwas und zugebissen. Zum Glück ist nicht allzuviel passiert, aber das ist echt gefährlich. Langsam wird mir das ganze mit den Hunden hier unheimlich. Wir nehmen jetzt schon immer Steine mit um sie im Notfall werfen zu können. In Deutschland hätte ich mir nie träumen lassen, das ich je mit einem Stein nach einem Hund werfen würde. Aber hier ist es manchmal echt Lebens- oder mindestens Gesundheitsnotwendig. Zu allem Überfluss fuhr dann auch mal wieder kein Colectivo und wir mussten laufen. Milton wollte dann ständig Abkürzungen gehen und wir mit unseren Chucks rutschten dauernd die viel zu steilen Abhänge runter. Dann haben wir uns auch noch 2x verlaufen. Bäh! Nach 2 Stunden waren wir endlich daheim. Milton wollte sicherheitshalber zum Arzt und wir wollten mit um uns das mal anzusehen. Er packte uns ins Auto und wir fuhren zum „Puesto de salud" in Jangas. Keiner da. Also fuhren wir ins Nachbardorf nach Tarica. Keiner da. Dann fuhren wir eben auf die andere Seite ins Nachbardorf, Hungar. Wieder keiner da!! Oh mann, ich hoffe echt, mir passiert hier nicht mal was, wenn wir kein Auto haben. Da hast ja gar keine Chance. Milton fuhr uns also wieder heim und ist dann glaub ich nach Huaraz gefahren um dort zum Arzt zu gehen. Ich halt mich jetzt lieber vor jeglichen Hunden fern (außer Dolly natürlich, aber der kann man auch nicht mehr trauen, Draco hat sie glaub ich ziemlich im Griff)
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06.11.08 Dracos als Entfuehrer und Draco-Doppelgaenger
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Heute sind wir wieder nach Mataquita gefahren. Da wir jetzt alle langsam ein bisschen Paranoid werden, trauen wir uns nicht mehr ohne Stein in der Hand irgendwo hinzugehen, falls mal wieder so ein Hund eine gewisse Lust auf deutsche Waden verspuert. Ich habe deswegen auch schon meinen Rucksack prepariert, damit ich die Steine nur noch aus den Netzen links und rechts ziehen muss, falls mal keiner auf dem Boden zur Hand ist. Als ich es ausprobieren wollte, hab ich den Stein aber leider erst nach ca. 1 Minute rausgepult gekriegt. Hm, muss wohl noch verbessert werden. Wir sind also im Gaensemarsch runter zur Schule gelaufen immer links und rechts nach irgendwelchen Hunden linsend. Einmal ist uns einer etwas naeher gekommen. Sobald dass passiert versucht sich immer jeder von uns in die Mitte zu draengen, damit der andere zuerst gebissen wird. Ich glaub, langsam werden wir echt ein bissl loco. Als wir endlich hinter das sichere Schultor von Mataquita verschwinden konnten, kam schon Knutsch-Rektor angerannt. Ich war als erste an der Reihe mit der Begruessung und wollte wie immer meinen Kopf schoen weit weg drehen. Aber was passierte? Ich konnte nicht. Dieser Lustmolch hat meinen Kopf festgehalten und ich konnte mein Gesicht nur mit allergroesster Muehe und Kraftanstrengung nach Links drehen, so dass er nur knapp am Mundwinkel vorbeigetroffen hat. Dieser Halodri! Ich warnte noch schnell Anika und Joana. Als sie die Prozedur hinter sich hatten, meinten sie, er haette es bei ihnen gar nicht probiert und weil sie den Kopf so weit gedreht haetten, haette er sie beinahe auf die Ohren gekuesst. Wie bitte? Aha, der Versucht das also nur bei mir, wie nett. Letzte Woche, als wir zusammen mit dem Taxi nach Jangas runter sind, sass er vorne und ich wollte mich beim Aussteigen noch schnell von ihm verabschieden (hoeflich wie ich bin). Ich streckte meinen Kopf also in aller Naivitaet zum Beifahrerfenster rein und er haette mich beinahe ganz reingezogen und da AUCH meinen Kopf festgehalten. HILFE!! Ich bin mir sicher irgendwann schafft er es. Muss mir eine Taktit ueberlegen, wie ich diesem Schicksal entgehen kann. Mir immer Herpes aufmalen oder so was aehnliches. Buah!
Dann quatschte er uns noch ewig voll, nuschelte irgendwas unverstaendliches um Anika und Joana daraufhin gleich mitzuteilen, dass sie nicht gut in Spanisch waeren (hatten es ja auch nur 5 Jahre in der Schule). Als es nichts mehr zu knutschen gab, holte er von der Strasse irgend eine Mitarbeiterin aus der Miene hier und stellte sie uns (den schoenen Deutschen Frauen, wie er betonte) vor. Diese Dame liess sich dann auch gar nicht davon beeindrucken, dass wir schon 7 Wochen hier sind und das Land jetzt doch schon ein bisschen kennen, geschweige denn, das wir jetzt eigentlich Unterricht halten sollten und fing an uns ueber Peru aufzuklaeren. Wir sollten uns immer schoen mit Sonnencreme einschmieren und nie das Wasser aus der Leitung trinken und hier wuerden viele Frauen Tracht tragen. Ah, gut zu wissen. Nach einer halben Stunde, Milton hat sich schon verzupft, weil es ihm zu langweilig wurde, durften wir dann endlich in unsere Klasse.
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Anika und Joana hielten eine Stunde ueber Baden-Wuertemberg (ich nenne es ja immer Bart-und-Warzenzwerg) und dann teilten wir wieder unsere Blaetter mit den Selbstvertrauensfragen aus. Die Jugendlichen (17 - 19 Jahre alt) brauchten fuer diese 15 Fragen ca. eine halbe Stunde. Viele haben dann auch gar nicht alles ausgefuellt, wie wie spaeter feststellen mussten. Dann machten wir mit ihnen aus, das wir uns am naechsten Tag am Nachmittag mit ihnen treffen wollen, um die selben Spiele wie in Atupa zu machen. "Si, si", meinten sie, "klaro kommen wir morgen, um Punkt halb drei". Gut. Dann machten wir uns auf, um auf dem Pausenhof eineinhalb Stunden zu warten, bis wir die naechste Klasse haben. Knutschi hat sich rar gemacht und ich war sehr froh drum. Milton wollte uns in der Zwischenzeit ein bisschen Queschua beibringen und fing an uns Woerter zu lehren. Als es an die Zahlen ging, wusste er auf einmal nicht mehr weiter. Er kam nur bis sechs. Also stand er auf und schnappte sich irgend einen kleinen Jungen, der dabeistand und zuhoerte. "Du kannst doch zaehlen, oder? Zaehl mal bis zehn!" Der Junge wollte nicht, aber Milton hielt ihn einfach fest, bis der Junge zu zaehlen anfing. Mehr als zehn wollte er aber auch nicht rauslassen. Wir gingen dann in die 11. und somit Abschlussklasse in Mataquita, die aus ganzen vier Schuelern besteht. Einer war allerdings nicht da und deswegen hielten Anika und Joana ihre Bart-und-Warzenzwergstunde vor 3 Leuten. Danach gabs wieder die Frageboegen und das Versprechen der 3 Jugendlichen, dass sie auch am naechsten Tag zur Selbstvertrauensstunde kommen wuerden. Waehrend Thomas und ich noch darauf warteten, dass die Jugendlichen ihre Blaetter ausfuellen (sie brauchten auch ungefaehr eine halbe Stunde) gingen Milton, Anika und Joana mit der 5. und 6. Klasse raus aufs Feld um mit ihnen Selbstvertrauen zu ueben. Als wir nachkamen (wir gingen ca. 15 Minuten spaeter los und haben uns auch noch verlaufen, da das "Feld" ein ca. 5x5 Meter grosser Platz einige Meter bergab war, das man von oben gar nicht sah) waren sie immer noch bei der ersten Uebung, bei der die Kinder ihren Namen sagen sollten und was sie gerne machen. Es war ein Trauerspiel. 2 haben gar nichts gesagt und bis wir die anderen dazu gebracht haben, hat es ewig gedauert. Die Maedchen standen getrennt von den Jungs und wendeten sich die ganze Zeit nach hinten, wenn sie was sagen sollten, oder hielten sich die Hand vor den Mund und nuschelten rein. Aber wenn dann mal jemand anderes was gesagt hat, dann lachten sie ihn aus. Die Jungs waren noch schuechterner. Einer haette beinahe geheult, weil er sich nicht getraut hat zu reden. Bei den naechsten Spielen hatten wir auch nicht so viel Erfolg. Als jedes Kind sagen sollte, was ihn an ihm selber am besten gefaellt, hat auch ein Junge einfach nichts gesagt. Er hat sich nicht getraut und dann haben wir ihn halt irgendwann ausgelassen. Nur zwei Kinder waren wirklich cool und haben sich ungefaehr so verhalten, wie bei uns die Kinder mit ca. neun Jahren (diese hier sind 13 - 15). Ein Maedchen sagte bei den Sachen die ihr gefallen, sie findet ihren ganzen Koerper schoen und ein Junge, der total witzig ist, hatte null Probleme und sagte, die Haende in den Taschen "ich mag mich selber".
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Als wir endlich fertig waren, sind wir rauf zum Colectivo gegangen, natuerlich nicht ohne Stein. Auf einmal sagte Milton, dass zwei weitere Schulen nach Freiwilligen gefragt haetten und wir schon so gut wie eingeteilt sind. Interessant. Und wann? Das sagt er uns heut Abend. OK. Am Nachmittag hatten wir noch Spanischunterricht. Als ich die Tafel aufhaengen wollte, sah ich eine seltsame Botschaft, die Stark nach Dracos Handschrift aussieht:
"assesinar" bedeutet uebrigens toetenj
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Oh Schreck, mit diesem Hund ist man wirklich in Lebensgefahr. Die Klasse verlief dafuer relativ unspektakulaer. Hier in Jangas ist es wirklich um einiges besser, als in der Hospedaje. Ich vermisse sie kein Stueck. Abends wollte Milton sich mit uns treffen, um ueber die neuen Schulen zu reden. Angel war auch dabei. Jetzt haben wir nur leider am Montag ja schon Cahuish, am Dienstag ja eigentlich frei, am Mittwoch Atupa und am Donnerstag Mataquita. Am Freitag haetten wir wieder Cahuish und Nachmittags Selbstvertrauenscours mit den Mataquita-Kindern. Wann sollen wir also die beiden neuen Schulen machen? Wir entschlossen uns, Cahuish am Freitag aufzugeben, weil es fuer die kleinen (6 - 8 Jahre) eh zu schwer waere, Maschinenschreiben zu lernen. Und die andere Schule? Nach ewigen hin und her entschlossen wir uns den freien Dienstag aufzugeben. Dienstag und Freitag gehen wir jetzt also zusammen mit Angel in die beiden neuen Doerfer. Jetzt haben wir jeden Tag fulltime-Unterricht und sollten am Wochenende ja eigentlich auch noch Theater spielen und auf dem Feld helfen. Uff, ganz schoen viel. Als ich fragte, was denn mit Ariane sei, da die ja ebenfalls Freiwillige waere und nur eine Computerklasse in Jangas hat und sonst nichts, schuettelte Angel wie wild den Kopf. Er will nicht mit Ariane zusammenarbeiten. Milton hat auch gemeint, er will wenn dann nur uns hinschicken, weil die beiden Schulen von sich aus nach Feiwilligen gefragt haben und er dann nicht Ariane hinschicken will, weil er um seinen Ruf fuerchtet. Hoppla. Er erzaehlte dann auch noch, dass Ariane am Anfang noch in der Schule in Jangas Selbstvertrauen und Englisch unterrichtet hat, damit aber aufgehoert hat, weil es ihr nicht gepasst hat, dass einige Kinder waehrend des Unterrichts rausgegangen sind. Jetzt macht sie also nur noch die Computerklasse in Jangas, die aus 3 Kindern besteht. Und sonst gar nichts. Na, ich weis nicht. Aber es hilft nichts, da muessen jetzt eben wir dafuer ran. Haben wir wenigstens viel Spass, immerhin ist es mit den Kindern ja doch immer lustig.
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Als Milton und Angel weg waren, fing Dolly auf einmal im Garten an wie Wild zu bellen. So was macht sie normalerweise nie und wir fingen an uns sorgen zu machen. Unser Garten besteht aus einem riessigen Maisfeld, das gegenueber unserer Zimmer angelegt ist. Wir beschlossen nachzusehen, was da draussen los ist. Mit unseren Stirnlampen sind wir alle drei nach draussen und erwarteten dass jeden Moment ein Irrer aus dem Maisfeld springt, der sich dort versteckt hat. Wir sahen aus wie drei Volltrottel und suchten alles ab. Irgendwann musst ich aufs Klo und gab die Suche auf. In der Nacht ist es hier aber doch schon immer unheimlich. Entweder Draco bellt wieder seine schwungvollen Reden an alle Hunde auf Jangas und Umgebung, oder er rennt gegen die Eisentuer, die uns trennt und macht einen Mordskrach. Irgendwie kann ich aber nicht so ganz glauben, dass das kleine Vieh so einen dermassenen Krach machen kann, es kann auch genausogut sein, dass jemand versucht die Tuere zu oeffnen. Zum Glueck sind wir in unseren Zimmern relativ sicher, obwohl ich heute feststellen musste, dass man auch von aussen aufsperren kann, wenn innen der Schluessel steckt. Ist natuerlich nicht sooo der Hit. Ich denke ich werde mir mal einen Riegel fuer die Tuer bauen. Man weis ja nie.
Wieder im sicheren(?) Zimmer, feierten wir noch eine kleine Party, diesmal leider ohne Monstermusikanlage. Wir haben auch nach einem Draco-Doppelgaenger gesucht:




07.11.08 Selbstvertrauensspiele und Steiterei

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Heute hatten wir wieder vormittags frei, weil wir am Nachmittag ja in Mataquita waren. Endlich war auch mal das Wetter wieder richtig super und ich nutzte die Gelegenheit, um mir mal wieder einen schoenen Sonnenbrand zu holen. Um zwei sollten wir nach Mataquita los und wir warteten darauf, dass uns Milton zum Mittagessen holt. Er kam aber nicht. Irgendwie war mal wieder was auf dem Placa de Armas und er hat uns wohl vergessen und ist dahin gegangen.
Um halb zwei kam er dann schliesslich angehetzt und wir schmissen uns in aller Eile die Suppe und das Haehnchen ein. Dann gings auf zum Colectivo-Stand. Ein neuer Rekord ward gebrochen: 14 Leute in einem normalen Auto. Der Taxifahrer fuhr die ganze Zeit im ersten Gang und immer wenn wir mal kurz stoppen mussten, ist das Auto wieder rueckwaerts den Berg runtergerollt. Dazu kam, dass wir vor uns eine LKW-Karawane mit 6 Fahrzeugen hatten, bei denen der Taxifahrer sich natuerlich nicht nehmen lassen wollte, jeden einzelnen zu ueberholen, obwohl sie in der Mitte der Strasse fuhren und man auf der Kurvigen, steilen Bergstrasse ja nicht unbedingt die allerbeste Sicht hat. Er machte es trotzdem. Es war wieder einer jener Momente, in denen ich gut daran tat, mein Hirn mal wieder auszuschalten. Meine Gedanken waren ungefaehr wie folgt: "du,du,du, wir fahren gerade an einem 15-Tonner vorbei, neben uns nur Abgrund der 50 Meter oder mehr in die Tiefe geht und wir sehen keine 2 Meter nach vorne, ausserdem hat es gerade geregnet und die Strasse ist total verschlammt, die Reifen abgefahren und das ABS-Zeichen des Autos blinkt und der Taxifahrer der uns jeden Moment auf der selben Strassenseite entgegenkommen koennte, faehrt vermutlich ebenfalls wie ein Irrer, mit ebenfalls abgefahrenen Reifen, aber ich habe gaaaaar keine Angst, lalala."
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Nach unendlichen 30 Minuten, (wir haben gerade den letzten LKW ueberholt) waren wir endlich in Mataquita. Schnell haben wir noch eine kleine Steinsammlung gestartet und auf gings. Zum Glueck war der Knutschrektor weit und breit nicht zu sehen und wir konnten die freudige Kinderschar begruessen, die es nicht erwarten konnte, Freitagnachmittag Unterricht von uns zu kriegen (ganze zwei Maedchen). Hm, na so was. Ich wollte erstmal aufs Klo, schein ja hier nicht viel zu verpassen. Also bin ich zu den Schulklos gestapft, mit Thomas im Schlepptau. Sie waren abgesperrt! Nein! Ich musste so dringen und es gab keine Moeglichkeit in die Klos einzudringen (Warum sperren die die ueberhaupt zu, es ist ja schon die Schule abgesperrt?) Neben den Toiletten (das ist so ein kleines Haeusschen draussen) gab es noch einen weiteren Schuppen, der auch nach Latrine aussah. Ich oeffnete also - naiv wie immer - die Tuer. Und es haute mich fast um. Mir bot sich ein Bild, das ich wahrscheinlich nie mehr vergesse, wenn ich in Mataquita aufs Klo will. Dieser Schuppen war vor ca. 100 Jahren mal ein Stehklo und mittlerweile war er wohl ausser Betrieb. Jedenfalls lag ueberall auf dem Boden noch die uralte Sch**** rum, so dass man nicht mal wenn man gewollt haette, die "Kloschuessel" erreichen konnte. Ueberall waren fliegen und es stank wie es noch nie in meinem Leben irgendwo gestunken hat. Ja, Buah! Ich ging 10 Schritte rueckwaerts und beschloss, doch nicht mehr aufs Klo zu muessen. Als wir wieder zurueck waren, waren es immer noch nur zwei Kinder. Auf einmal sprang Milton auf: Er hat einen Jungen gesichtet, der aus einem Haus rausgelinst hat. Ein Junge, der Gestern noch hoch und heilig versprochen hat, am Freitag zu kommen. HA, so ein Trottel, jetzt hat er sich verraten. Milton rannte wie der Blitz aus dem Schulgelaende raus und auf den Jungen zu und sagte ihm, er soll jetzt auf der Stelle kommen. Erinnerte mich irgendwie ein bisschen an die Feuerwehruebungen in Oberdiessen :-)
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Als wir dann schliesslich doch 5 Jugendliche zusammen hatten (eigentlich sollten es 15 sein) und noch einen besonders Vorwitzigen, recht jugendlichen Lehrer, ging der Unterricht los. Milton ging aber dann nicht wie besprochen aufs Feld, sonder fing an, mit dem vorwitzigen Lehrer haufenweise Stuehle aufzustellen. Was soll das denn jetzt? Und wieso soviel Stuehle, fuer so wenig Kinder? Dann holte er sich auch noch einen Stift und fing an, wie ein Seminarleiter ueber Selbstvertrauen zu referieren. Es ging irgendwie um das Thema Triumpf. Bloederweise haben wir nie darueber gesprochen und ich kannte die meisten Woerter gar nicht, die an der Tafel standen, ganz davon abgesehen, das ich noch nichtmal richtig verstand, worueber er gerade redet. Zum Glueck ging es Thomas auch so und Anika und Joana wussten auch nicht mehr was los ist. Dann wollte er auch immer, dass wir mitmachen, aber wenn er mich was gefragt hat, dann hab ich es nicht verstanden. Es war ein totales durcheinander und die Jugendlichen waren zwar total verschuechtert, das hinderte sie aber trotzdem nicht daran uns auszulachen, wenn wir total belaemmert aus der Waesche guckten. Schliesslich machten wir dann doch unseren Kreis, aber die Spiele, die wir vorbereitet hatten, passten nun ueberhaupt nicht mehr zum Thema und deswegen haben wir auch nicht mehr viel gemacht. Das einzige, was wir noch machten, war das wieder jeder sagen sollte, was er an sich mag. Ein Junge hat ca. 2 Minuten gebraucht, bis er sich getraut hatte etwas zu sagen. Er war 19. Ziemlich krass. Der einzige, der sofort wusste was er sagen soll, war der Vorwitzige Lehrer ("mir gefaellt mein Character"). Sehr gut, der braucht den Kurs nicht mehr. Als die Schueler wieder weg waren, war erstmal getruebte Stimmung. Milton machte uns den Vorwurf, dass wir ueberhaupt nicht vorbereitet gewesen waeren und wir waren sauer, weil er auf einmal einfach was anderes gemacht hat und wir gar nicht wussten, was er ueberhaupt will, ganz davon abgesehen, dass wir einfach noch nicht so weit mit unserem Spanisch sind, das wir einfach spontan Vortraege ueber Triumpf halten koennen. Er wollte wohl irgendwie nicht verstehen, zumindest verstand er nicht. Es waere beinahe noch zum Streit gekommen. Wir haben jetzt ausgemacht, dass wir einfach vor jeder Stunde ganz praezise besprechen, was wir jetzt eigentlich machen. Milton meint zwar das brauchts nicht, aber man hat ja gesehen, was dabei raus kam. Beim sehr schweigsamen Heimweg trafen wir dann noch drei, vier Schueler von uns, die nicht da waren. Alle versprachen mal wieder hoch und heilig das naechste Mal zu kommen. Klaro.
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Dann wollte Milton auch noch einen neuen Weg zur Strasse ausprobieren. An ca. 10 Hunden vorbei. Die andern waren schon maechtig sauer und Gottseidank kam dann auch bald ein Colectivo angerauscht. Ein besonders wagemutiger Fahrer raste mit uns in einem Affenzahn auf der rutschigen Strasse nach unten. Die Stimmung war ziemlich eisig, weshalb ich nicht ganz ungluecklich war, als wir endlich in unser Haus konnten. Ich fand die ganze Sache jetzt nicht so schlimm, es war halt einfach ein Missverstaendnis, von das von beiden Seiten ausging. Die andern allerdings waren sauer und Milton wohl auch. Als ich jedoch kurz auf dem Klo war und wieder zu den anderen stiess, war auf einmal Milton bei uns und erzaehlte wieder irgendwelche unlustigen Witze. Scheinbar war es ihm total unangenehm, das so eine schlechte Stimmung bei uns herrschte. Ein paar schlechte Witze spaeter, war dann schon fast wieder alles vergessen. Nach dem Abendessen wollte er mit uns gleich den naechsten Unterricht besprechen und die Frageboegen von Mataquita anschauen. Um ihn nicht wieder zu veraergern, stimmten wir zu, obwohl wir eigentlich wenig Lust hatten. Eigentlich war uns ja heute auch ein Diskoabend versprochen, aber das wollten wir dann heute auch nicht mehr machen. Die Frageboegen stellten sich alle als normal beantwortet raus, also keine groesseren Probleme, ausser das die Jugendlichen halt wieder Mordsschuechtern sind. Aber dieses Problem wollten wir ja dank unseres Unterrichts beheben. Also sprachen wir mit Milton ueber Spiele, sogenannte “Icebreaker”, die die Hemmungen der Jugendlichen ein bisschen herabsetzen sollen. Eines nennt sich “Conejo, conejo” (Haeschen, haeschen) und es funktioniert ganz einfach: Ein Kind bekommt einen Ball zugeworfen und ist der Conejo. Er muss beide Haende ueber den Kopf halten und sagen “Conejo, Conejo”. Die beiden Kinder links und rechts von ihm, muessen mit ihren Haenden die “Ohren” des Conejos noch verlaengern. Dann bekommt ein anderes Kind den Ball. Milton fand das Spiel jedoch bloed und meint, die Jugendlichen wollen das bestimmt nicht spielen, da sie schon zu alt seinen. Ausserdem moegen die Maedchen nicht mit den Jungs zusammenspielen. Aha. Die Spiele haben allerdings genau den Effekt, dass die Jugendlichen offener zueinander werden. Na gut. Wir werden ja sehen, was passiert. Wir stimmten ihm zu, schliesslich wollten wir nicht wieder streiten. Als er gehen wollte, sagte er uns noch, dass er uns morgen um 6 Uhr frueh holen kann, wenn wir wollen und mit uns zum Fussballspielen geht. Das wollten wir dann allerdings doch nicht. Dann sagte er : “ok, gute Nacht” und verschwand. Wahrscheinlich war er doch ein bissl eingeschnappt. Aber um 6 Uhr frueh Fussballspielen, wer macht denn so was? Ich jedenfalls nicht, so gross ist meine Fussballbegeisterung dann doch nicht.
gfdgd
08.11.08 Colectivoschreck und Carlos IV
gfg
Heute sind wir schon in der Früh nach Huraraz. Wir hatten vor, zum Mittagessen ausnahmsweise mal keine Pizza, sondern chinesisch Essen zu gehen. Beim Frühstück erzählten wir Milton, das wir gleich nach Huaraz fahren werden (natürlich ohne Erwähnung des Chinesen), aber Milton sagte, wir sollen doch noch dableiben und erst nach dem Mittagessen fahren. Das ging aber doch nicht, schließlich wollten wir ja zum Chinesen. Also sagten wir: „äh, ja, wir würden ja sooooo gern noch zum Essen bleiben, aber wir müssen ja sooooo viel Erledigen, das schaffen wir sonst nicht“. Er versuchte nochmal uns zu überreden, war aber nichts zu machen. Also schmissen wir uns so schnell wie möglich in unsere Klamotten und wollten raus zum Colectivo-Halteplatz. Als wir durch Mama-Miltons Laden ginge, fragte sie uns, wos denn hingeht. Nach Huaraz. Ob wir denn nicht bis nach dem Essen warten wollen? Nein!! Was ist denn heut nur los, warum wollen sie denn heute unbedingt mit uns Essen? Wir fahren doch sonst auch immer so früh. Wahrscheinlich gabs mal wieder Cuy oder so. Ich verneinte unter grösstem Bedauern, dass wir leider, leider nicht zum Essen bleiben können. Mamamia, jetzt aber schnell weg.
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In Huaraz sind wir zuerst mal in den Laden, in dem wir schon das letzte Mal ein paar Geschenke für unsere Familien und Freunde zu Weihnachten gekauft haben. Da gibts einfach die schönsten indigenen Sachen. Ich will jetzt nicht verraten was wir gekauft haben, aber wir gehören auf jeden Fall schon zu den Amigos dieses Verkäufers. Thomas wurde ungefähr 50x auf die Schulter geklopft und auch wir wurden mit grossem Hallo begrüßt und verabschiedet. Als ich schon fertig mit Handeln war und alles gekauft hab und somit auf die anderen warten musste, nahm mich eine Frau noch mit, um mir noch andere Sachen die sie verkaufen zu zeigen. Wir gingen in ein Haus und dann auch noch die Treppe rauf in einen Raum, wo viele Wollsachen lagen. Sie lies mich eintreten und stellte sich vor die Tür, um das Licht anzumachen. Ich fand die Sachen sehr schön, bekam es aber plötzlich mit der Angst zu tun, weil ich mit ihr allein total fernab in dem Raum war und sie auch noch vor dem Ausgang stand. Manchmal vergisst man sehr schnell, das man nicht jedem blind vertrauen soll. Ich schaute mir die Sachen also 10 sekunden lang an, bevor ich mit vielen Versprechen, das ich mir ihre Ware beim nächsten Mal genauer anschaue, weil ich heute kein Geld mehr hätte, wieder zur Tür hinausschlupfte. Während wir den Weg zurückgingen, erzählte ich ihr noch, das wir Freiwillige wären und in Jangas wohnen. Das fand sie toll, weil sie auch aus Jangas kommt. Na also, nochmal alles gut gegangen. Als die andern dann auch fertig waren, wollten wir zum Essen gehen.
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Es war heute unglaublich heiß und ich wäre gern draussen gesessen. Leider hatte der Chinese, der im Reiseführer als „erste Adresse wenn man Chinesisch Essen will“ geschlossen. Ich öffnete zwar die Tür, aber vor uns stand dann nur ein peruaner, der irgendwie die Treppe strich und uns mit viel unverständlichem Bla bla wieder wegscheuchte. Dann gingen wir eben zum Chinesen, den Ariane uns das letzte Mal empfohlen hat. Zuvor sind wir noch in der Post vorbei, und mein Päckchen war endlich da!!! Juchu. Frau Post war ungefähr so aufgeregt wie ich, lies mich aber trotzdem noch ca. 5 Minuten warten, das sie noch Geld zählen musste. Dann durfte ich mein Paket endlich mitnehmen. Uiui, ich war ja schon so gespannt. Erstmal weiter zum Chinesen. Man darf sich die chinesischen Restaurants hier allerdings nicht wie die in Deutschland vorstellen, mit viel Schnickschnack und Drachen und Gold und chinesischem Gedudel. Nein, hier wurden wir in einen unglaublich miefigen, heißen Gastraum gesetzt, ohne jeglichen Schmuck, bis auf zwei Lampions, die zwischen zwei Säulen hingen. Daneben war ein Schild angebracht, auf dem „Erdbebensichere Zone“ stand. Wie beruhigend. Da bin ich ja gespannt, wie sich im Falle eines Erdbebens ca. 50 aufgebrachte Peruaner zwischen diese zwei Säulen quetschen. Mann muss sich das Restaurant wie einen Imbiss mit Sitzgelegenheiten vorstellen. Die „Küche“ war vorne zur Straße hin und bestand aus einem Stand, in dem eine grimmig dreinblickende Köchin (sie war glaub ich die einzige Chinesin in dem Restaurant) frische Gerichte zubereitete. Wir quetschten uns an einen Tisch im Eck und ich machte erstmal mein Paket auf, weil ich es nicht mehr erwarten konnte. Die Bedinung war wenig angetan, von der Unordnung, die ich veranstaltete und schmiss uns die Karten auf den Tisch. Ich entschied mich für gebratene Nudeln mit Rindfleisch, weil ich weder Reis noch Hühnchen wollte, was ich ja hier eh jeden Tag krieg. Auch die anderen nahmen Nudeln. Dann musste ich erstmal aufs Klo. Ich habs zuerst nicht entdeckt, bis mich Joana auf das Schild „BAÑO“ hinwies, das über einem Quadrat aus drei Papierwänden an der normalen Wand hing. Wie bitte? Man geht hier mitten im Restaurant in einem Bretterverschlag aufs Klo? Ich musste mir das genauer anschauen. Wie sich herausstellte, waren die „Wände“ nur zum Verdecken der eigentlichen Klotür, die in einem winzigen Raum mit Duschklo führte. Wie praktisch. Da man nicht zusperren konnte, habe ich den neuen Schnellpinkelrekord geschafft und bin schwupps, wieder an unseren Tisch. Das Essen kam recht schnell und war ganz lecker. Auf einem riesen Bildschirm an der Wand wurde - ganz klassisch, wie in jedem chinesischen Restaurant - Wrestling gezeigt. Passend zu dem gestöhne der Wrestlingtypen im Fernsehen, musste ein kleiner, älterer Peruaner unmengen von rießigen Kohlköpfen, die fast halb so groß waren wie er, durch das Restaurant schleppen, in den Vorratsraum, gleich neben dem Klo. Als die grimmige Köchin Pause hatte und selber zu Mittag aß, sind auch wir gegangen. Ich wollte unbedingt zum Kitschmarkt und dort einen Kochtopf kaufen, weil ich das letztemal Puddingpulver besorgt hatte und den Pudding jetzt auch endlich kochen wollte. Zuerst haben wir uns aber noch ein Eis gekauft, die Kugel für umgerechnet 25 cent, total cool. Als wir uns hinsetzten um das Eis zu essen, spielten wir kurz mit dem Gedanken, eines der typischen Eisfahrräder zu klauen, mit denen sie hier überall rumfahren. Ich wäre aber wahrscheinlich nicht weit gekommen, weil ich mir dann gleich nach 5 Metern das erste Eis genehmigt hätte.
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Im Kitschmarkt angekommen, hielten wir Ausschau nach dem Topf. An einem Stand gab es zwar keinen passenden Topf für uns, aber eine Art elektrische Herdplatte mit heißem Draht, für ca. 3,50 Euro. Ich fand sie auf Anhieb toll, schliesslich müssten wir mit der Platte nicht bei Milton-Oma in die Küche einbrechen, sondern könnten im Zimmer kochen. Die anderen versuchten mir die Platte auszureden, weil sie meinten die explodiert eh gleich, aber ich wollte sie unbedingt kaufen. Sogar der Verkäufer konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als ich das Prachtstück schließlich bezahlte. Mir egal, denen werde ichs schon noch zeigen. Am Nachbarstand kauften wir noch einen Alu-Topf und ich war glücklich. Nachdem ich mir noch eine super Raubkopie-CD gekauft habe, mit „Alternativ-Rock und Punk“, auf der aber so ziemlich jede westliche Musikrichtung drauf ist, hatte ich alles was ich wollte. Ich hörte nämlich bisher zum Duschen immer ABBA, weil das die einzige CD ist die wir haben und der CD-Player im Bad keine MP3s spielt. Ich weis allerdings nicht, was die Leute alle an ABBA so toll finden, mich nervt es auf jeden Fall mittlerweile und deswegen höre ich jetzt lieber „Watoh dhem roll“ (watch them roll) oder „Clumsy“ von Clumsy (eigentlich Fergie). Abril Laving (Avril Lavigne) ist übrigens auch vertreten. Nun wurde es Zeit fürs Internet-Cafe. Thomas und Anika wollten davor allerdings noch aufs Klo, weswegen Joana und ich schon mal allein ins Internetcafe unseres Vertrauens gingen. Wie sich herausstellte war das gut, weil Thomas und Anika keinen Platz mehr gekriegt haben und woanders hingehen mussten. Als wir nach ca. dreieinhalb Stunden endlich fertig waren, wollen Joana und ich zum anderen Internetcafe, indem wir Thomas und Anika vermuteten. Die waren aber nicht da. Als wir sie anriegen, sagten sie, sie wären gegenüber vom Kitschmarkt. Anscheinend hatten alle Internetcafes, zu denen sie wollten nur noch einen Platz frei, oder geschlossen. Mittlerweile war es auch schon saukalt und es versprach bald zu Regnen. Als wir die andern endlich gefunden hatten, und zwar in einem Internetcafe, das nur zwei Wände und sonst Rolläden hatte und in dem es Saumäßig kalt und laut war, fing es dann auch schon an wie aus Eimern zu schütten. Thomas brauchte noch ein bisschen, da er Skypte und wir Mädels gingen schon mal Obst und ein Seil für die neuen Hängematten von Joana und Anika kaufen.
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Als wir danach Pitschnass zum Colectivostand gingen, wollte ich nur noch Heim und sagte zum Colectivotyp, der immer das Geld einsammelt (es sind immer zwei die in einem Colectivo arbeiten, einer fährt und der andere ist hinten im Kundenraum und kassiert und öffnet die Türen) nur „Carhuaz“ also die Endstadtion und nicht Jangas. Er sagte ok und wir fuhren los. Auf einmal, wir waren schon draussen aus Huaraz, fiel uns auf, das der Geldeinsammeltyp nicht mehr da ist. Oh nein! Da die meisten die so spät im Colectivo fahren, auch bis nach Carhuaz durchfahren und ich ja auch nur Carhuaz gesagt hab, hatten wir Angst, das der Colectivo einfach durchfährt, ohne in Jangas anzuhalten. Wir wussten auch nicht, wie wir dem Fahrer mitteilen sollten, dass er in Jangas halten soll. Eine Frau, die uns gegenüber saß und sehr nett war, beruhigte uns. Sie muss zwei Dörfer früher aussteigen und es ist gar kein Problem das auch mit dem Fahrer auszumachen. Puh, Glück gehabt.
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Als wir endlich daheim waren, freute ich mich total auf einen Fernsehabend mit Pudding (dank meiner neuen Herdplatte, hihi) und schmiss mich schon vor dem Abendessen in meine Jogginghose. Aber nix da. Beim Abendessen sagte Milton uns, das im Nachbardorf (Tarica) heute eine Party auf dem Plaza wäre, mit einer Band, die aus der Selva (Dschungel) käme und er müsse da unbedingt hin. Es hörte sich für uns so an, als wollte er, das wir da auch mitkommen. Da wir die letzen Male ja schon immer abgesagt haben, machten wir unter uns aus, das wir mitkommen und sagten ihm das. Auf einmal sagte er: „ich weis nicht, da spielen sie den ganzen Abend nur Cumbia (das ist die Grupo 5 Musikrichtung) und ihr langweilt euch da bestimmt“. Da könnte er natürlich recht haben. Da Tarica aber nicht weit ist, sagten wir zu ihm, das wir einfach später zu Fuß nachkommen und halt dann heimgehen, wenn wir keine Lust mehr haben. „Nein, das ist viel zu gefährlich, ihr werdet auf der Brücke garantiert ausgeraubt“. Hm. Hörte sich für unsere Ohren so an, als wolle er uns gar nicht dabei haben. Wahrscheinlich wollte er ein Mädchen aufreissen, oder sich mal so richtig besaufen und da würden wir ja nur stören. Ich hatte eh keinen Bock, drum sagten wir, wir kommen dann eben beim nächsten Mal mit. Auf einmal sagt Milton „oh, aber es wäre so schön wenn ihr mitkommt“. Häh? Wie jetzt? Zuerst versuche er es uns mit aller Gewalt auszureden und jetzt auf einmal sollen wir doch mit? Er würde auch nicht wie abgemacht, schon um neun hingehen, sondern erst um 10, wenn wir nicht so früh wollen und mit uns heim, wenn wir keine Lust mehr haben und Angel kommt auch mit. Das wollten wir dann wiederum nicht, dass er und seine Freunde sich nach uns richten müssen, ganz davon abgesehen, dass ich immer noch meinen Fernsehabend machen wollte. Nach ca. 5 Min hin und her entschlossen wir uns dann doch um 10 mitzugehen, allerdings nicht ohne Vorglühen mit genügend Wein in meinem Zimmer. Wir hatten ja noch 1,5 Stunden Zeit.
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In meinem Zimmer angekommen, wollte ich aber auf Teufel komm raus jetzt endlich meinen Pudding kochen. Ich schüttete also einen Liter Milch in den Topf und wartete. 10 Minuten: nichts passiert, Milch ist noch kalt. Der erste Wein wird aufgemacht. 15 Minuten: Milch ist schon lauwarm, Wein ist zur Hälfte ausgetrunken, die andern werden schon lustig, ich sitze immer noch vor meiner Herdplatte und warte, immer noch in Jogginghose. 20 Minuten: Milch wird langsam aber sicher heiß, ich schütte, wie auf der Packung beschrieben, das Puddingpulver in die Milch und rühre, mangels Schneebesen mit einem Sparschäler um, die erste Packung wein nähert sich dem Ende, ich immer noch in Jogginghose. 30 Minuten: die zweite Packung Wein ist geöffnet, der Pudding kocht IMMER noch nicht, ich dafür immer noch in Jogginghose, langsam ein wenig ungeduldig. 40 Minuten: 2. Packung Wein ist schon beinahe leer, ich bin genervt, noch in Jogginghose, Milch immer noch nicht am kochen, aber es bilden sich schon verfärbungen im Pudding, ein gutes Zeichen? Nach 45 Minuten gab ich das umrühren auf, schloss den Deckel des Topfes und wartete eine Minute, so lange wie der Pudding kochen sollte, trank den letzten Wein und machte endlich die Herdplatte aus, die schon anfing komisch zu riechen und irgendwie auch ein bisschen schwarz wurde. Mann, mann, mann. Ich füllte jedem ein bisschen Pudding in die Schüssel und fand ihn ganz, ganz Prima. Die Reklamation der anderen, er schmecke leicht verbrannt, überhörte ich ganz geschickt, Pah, die haben doch null Ahnung.
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Endlich konnte ich mir auch meine normale Hose anziehen und keine 5 Minuten später rief Milton schon aufs Handy an, wir sollten ihm die Tür aufmachen, es geht ab zur Party. Wieder besseren Wissens bin ich davor nicht aufs Klo gegangen, weil ich mir irgendwie eingebildet hab, wo Party ist, müsse es auch ein Klo geben. Wir stiefelten also los. Auf der gefährlichen Brücke lungerte ein Typ herum. Ich hatte eh einen Hundeabwerf-Stein in der Hand, uns kann also fast nichts passieren. Der Typ stellte sich allerdings als Angel heraus, der, warum auch immer, an der Brücke wartete, obwohl er gleich neben Milton wohnt. Als wir endlich am Plaza de Armas in Tarica angekommen sind, wo die Party stattfand, musste ich ganz, ganz dringend aufs Klo. Ich fragte Angel um Rat. Der Plaza ist zweistöckig und unten sollte es eine öffentliche Toilette geben, ganz neu gebaut. Als wir allerdings auf der Treppe nach oben gingen um zu schauen, musste ich feststellen, das das Klo leider keine Fensterscheiben hatte und man von der Treppe aus herrlich reinschauen konnte. Nein, danke, dann doch nicht. Es halb aber nix, ich musste trotzdem. Wir gingen in eine Bodega und dort gab es tatsächlich ein Klo. Allerdings ohne Wasser, wie uns die Besitzerin mitteilte. OK. Da das wohl das einzige Klo war, das für alle Partygäste bereitstand, war die Schüssel schon gut gefüllt (man konnte ja nicht spülen). Mjam, lecker. Es gab auch ein Pissoir, nur war da allerdings irgendwin komischer Schaum drin. Im Waschbecken lagen Gläser. Und als ich auf dem Klo dann mal nach oben schaute, sah ich, das auch dieses keine Fensterscheiben hatte und ebenfalls eine Treppe, die daran vorbeiführte. Prima. Zum Glück musste grad keiner ins obere Stockwerk. So, nun konnte die Party losgehen. Zunächst enterten ca. 8 - 10 junge Männer die Bühne, alle im giftgrünen Hemd mit passender Krawatte, dazu eine Sängerin. Ich hatte noch beim Vorglühen bei mir, darüber referiert, wie prüde doch hier die Frauen wären und das hier niemand besonders aufreizend gekleidet wäre. Nun ja - kurz darauf kamen zwei Damen auf der Bühne dazu, nur mit Stringtanga und GlitzerBH bekleidt. UI! Als wir fragten, ob so was denn normal sei, meinte Milton, ja klar, das ist damit die Männer auch auf die Bühne schauen. Dann fing die Musik an. Zum Einstieg gab es - es wird ja sonst so selten gespielt - ein Grupo 5 Madley. Die beiden Tanzhäschen wackelten ziemlich unkoordiniert und im schlechten Syncron mit ihrem Hintern dazu. Wir besorgten uns erstmal Bier, obwohl der Wein eigentlich schon gereicht hat. Nach der zweiten Dose (die Angel uns spendiert hat) fingen wir auch an ein bisschen mitzutanzen, obwohl man ja hier nicht allein tanzt, das machen ja nur die Locos (Verrückten). Mir egal, einfach nur blöd rumstehen ist langweilig.
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Eine besonders pfiffige Cousine von Milton, die er uns natürlich vorstellte, begrüsste Joana sehr nett mit „Heil Hitler“. Na super. Ich musste mal wieder aufs Klo und bin einfach los gestapft. Auf einmal hörte ich Tanja, Miltons Schwester rufen: „Sabine. Wo gehst du hin?“. Ich: „ähm, aufs Klo, warum?“ Tanja: „Allein? Das darfst du nicht!! Ich komm mit“. Ich fragte sie ob es denn gefährlich sei, ins 5 Meter entfernte Bodegachen zu gehen, in mein wohlbekanntes ohne-Fensterscheiben-Klo. Sie meinte ja, wir sollen nie, aber auch wirklich nie allein aufs Klo gehen, viel zu Gefährlich. Als sie dann danach auch noch ging, sollte ich dann auch auf sie warten. Ups. War mal wieder zu naiv. Im Klo selber hat sich mittlerweile auch so allerlei angesammelt, über das ich jetzt hier lieber doch nicht berichten will. Thomas hatte eine ähnliche Kloerfahrung gemacht. Ihn hat Milton begleitet, weil nicht mal er als Mann allein aufs Klo gehen darf, hier. Allerdings hat Milton ihn blos zu einem abgelegenen Eck mit ein paar Sandsäcken geführt. Thomas Kommentar: „Wie in Alemania“. Als wir wieder alle beisammen waren, tanzte ich mit Angel. Besser gesagt, wir drei Mädels tanzten mit Angel. Das darf man dann also wohl doch. Es war ganz nett. Thomas wurde derweil von einem sichtlilch angeheiterten Jungen aufgehalten, der sich als Carlos cinto (Carlos der fünfte) bei ihm vorgestellt hat (spanischer König, der sich Südamerika unter den Nagel gerissen hat). Er gab ihm ein Bier aus und wollte von Thomas wissen, was „Schönes Mädchen“ auf Deutsch heisst. Thomas befürchtete er wolle uns damit anmachen und anscheinend wollte er tatsächlich mit uns Tanzen. Thomas hat eh erzählt, das zuerst ein (wohl auch besoffener) Kerl zu ihm kam und gefragt hat, ob ich seine feste Freundin sei und ob er mit mir Tanzen dürfe. Er hat es aber anscheinend nicht gan z verstanden, was der Typ von ihm wolle und hat nur irgendwas rumgestottert. Milton hat die Situation aber geistesgegenwärtig erfasst und gesagt „No, no!“ Der Typ hat sich dann gleich bei Thomas entschuldigt und ist abgedampft. Anscheinend sind während des Abends öfter mal ein paar Kerle zu dem armen Thomas und haben ihn gefragt, ob sie mit einer von uns tanzen dürften. Wir Naivis haben von alledem aber gar nichts mitgekriegt. Tja, Thomas, das kommt davon, wenn man der einzige weisse Kerl mit 3 Mädels ist :-)
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Zurück zu „Carlos“. Er quasselte Thomas damit voll, das er ganz streng katholisch sei und das es ihm um den kulturellen Austausch ging, deswegen unterhalte er sich ja jetzt auch mit ihm. Währenddessen spuckte er Thomas dank seiner feuchten Aussprache jedoch immer wieder an, weswegen wir ihm den Namen „Spucki“ verpassten. Thomas hat die Unterhaltung, wie er im Nachhinein erzählte, alles andere als genossen und gehofft das wir ihn retten. Für uns sah es aber wirklich so aus, als würde er sich amüsieren. Tja, so kann man sich täuschen.
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Irgendwann hat mich ein Junge angequatscht, der die selbe Jacke trug, die Fredy damals getragen hat, als ich mit ihm tanzte. Ach, da kamen wieder schöne Erinnerungen hoch (schmelz). Er wollte mit mir Tanzen und ich konnte beim Anblick der Jacke schon nicht mehr nein sagen. Meine Alarmglocke fing an zu bimmeln. Könnte es sein, das er vieleicht ein Verwandter von Fredy ist, der Bruder gar? Wir haben ein bisschen getanzt und er sagte irgendwas, von wegen wir könnten uns ja mal treffen und er lade mich mal zum Mittagessen ein, er wohne in Jangas (bimmel), in dem großen Haus gegenüber der Schule (bimmel, bimmel) und das Haus habe zwei Stockwerke (BIMMEL!!!). Ich konnte nicht mehr anders, nach dem 15. durchgetanzten Grupo 5 Lied musste ich ihn fragen „eres el hermano de Fredy?“ (Bist du Fredys Bruder?) Er schaute mich ganz verdattert an. „Ja, ich bin sein jüngerer Bruder“ (SCHRILL, BIMMEL, KLINGEL!!!) „Wieso, kennst du Fredy etwa?“. „Aaaach, nur flüchtig. Ich mein ja nur, weil du die selbe Jacke anhast wie er, tüdeldü“ *unschuldig schau*. „Ach übrigens, claro komm ich zu dir zum Mittagessen, räusper“. Ja, ich gebs ja zu, ich kann mich nicht mit ihm treffen, nur weil er der Bruder von Fredy ist, aber hey, er ist immerhin der BRUDER von Fredy (so unlogisch das jetzt klingt) und sieht fast noch ein bisschen besser aus (eine Rarität hier) und ausserdem ist er NICHT verheiratet mit irgendeinem amerikanischen Mauerblümchen. Nun gut. Wir tanzten und tanzten und irgendwann war ich unglaublich Müde. Ein Freund von Milton hat dann auch ein Foto von uns gemacht und als zwei so besoffene hinter mir waren, hat er mit mir die Seiten getauscht (ein echter Gentleman, ganz der Bruder).
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Irgendwann (nachdem "Carlos", der ja so streng katholisch ist, die Buehne geentert hatte und mit den Nacktis tanzte) gings dann ans heimfahren und ich war ganz froh, weil ich echt Müde wie nochmal was war und unterhalten konnte man sich zu dem Grupo 5 geplärr auch nicht. Fredy-Bruder wollte dann auch gleich mitfahren und hat gefragt ob wir noch irgendwo hingehen oder was machen oder sonst irgendwas ich habs nicht genau verstanden. Hab dann natürlich sicherheitshalber lieber nein gesagt und gemeint, wenn er mich wiedersehen will, können wir uns ja mal treffen. Er hat dann blos gesagt, ich solle ihm sagen wann und wo. Aber ich wusste nicht wann und wo, weil wir ja jetzt einen völlig neuen Stundenplan haben, deswegen hab ich gesagt, ich weis nicht wann und wo. Blöd. Wir sind dann zu den Taxis gewackelt und sind erst zu so nem Besoffenen hin, bei dem Joana dachte, das wäre unser Fahrer. War er zum Glück nicht, aber ich hab das eh nicht mitgekriegt, weil ich noch ganz aus dem Häuschen war. Als wir heimfuhren (mit einem nüchternen Taxifahrer) fragte Sonia mich, ob ich „mariando“ sei. Ich dachte, das bedeutet „Verheiratet“ und fragte mich schon, warum sie mich so was blödes fragt, vor allem vor dem Fredy-Bruder. Ich sagte natürlich ganz entrüstet „no“. Zum Glück, denn ich erfuhr später, das marianodo „besoffen“ heisst, das ich ja eigentlich schon war.
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Naja. Als es ans verabschieden ging, hab ich zu Fredy-Bruder nicht mehr gesagt wann und wo, weil ich mir gedacht hab, wenns ihn so wichtig ist, dann wird er schon mal ein Treffen hinkriegen und wenn nicht, dann ist es eh wurscht. Weis ja nicht wie das hier so ist, wenn man mal ein Date ausmacht, nicht das man gleich versprochen ist, oder sonst was. Milton hat uns abgeladen und ist gleich wieder ins Taxi gesprungen, um wieder auf die Party zu können. Er rief uns noch schnell zu, dass wir morgen in der Früh doch einfach selber zum Frühstücken gehen und uns bedienen sollen, er weis nämlich nicht ob er da schon wach ist. Ah,ja! Wie war das jetzt mit dem Ausflug nach Llanganuko, den wir morgen eigentlich machen wollten? Nun gut. Wir beschlossen noch einen Absacker zu trinken und ich zauberte ein Ramazotti-Fläschchen aus meiner Futter-Schublade. Dazu mampften wir eine ganze Packung Salzstangen. Ich ging dann bald ins Bett, weil ich echt Sau-Müde war. Bin schon voll das Weichei geworden.
hdhd
09.11.08 Schuelermemory und schaut-mal-die-Touris-an
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Am nächsten Tag wachte ich um halb Zehn auf. Rekord. Tja, wenns schon so spät war, wird das wohl nix mit Llanganuko. Ich bin von meinem Bett direkt in die Hängematte gestolpert. Das Wetter war echt super und genau richtig zum Chillen. Um 10 Uhr 30 holten uns Sonia und Mama-Milton zum Frühstück. Ganz schön spät, meinten sie. Naja, können wir ja nix für, wenn sie uns immer wegsperren und dann so spät holen. Sonia war so begeistert das wir getanzt haben, dass sie mit uns am Freitag gleich in die Disko will. Na, da bin ich ja gespannt. Milton war übrigens noch im Bett, deswegen beschlossen wir, heute mal sauber zu machen. Joana putzte das Bad, während ich Anika half, die zwei Hängematten der beiden aufzuhängen. Dann haben wir unsere Wäsche gesammelt (2 Waschtrommeln voll) und sind zur Waschmaschine gepilgert. Ansonsten haben wir eigentlich gar nichts mehr gemacht. Zum Mittagessen gab es heute mal kein „Süppchen“, was sonst ja fast nie vorkommt. Es gab Tunfisch mit Zwiebeln. Mama-Milton fragte Anika und Joana ob sie mit oder ohne Fisch wollen. Sie sagten natürlich ohne Fisch. Mama-Milton stellte ihnen daraufhin einen Teller mit Fisch hin. Haha.
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Am Nachmittag beschrifteten wir die Fotos unserer Schüler auf der Rückseite mit Namen, damit wir diese lernen können. Wir haben dann so eine Art Memory gespielt, bei dem Anika die Namen vorlas und wir einen Wettbewerb machten, wer am schnellsten das betreffende Kind findet.
Ein Schueler aus Cahuish
Diese hervorragende Spiel- und Lernidee kam übrigens von mir. Einige Kinder haben echt lustige Namen. Es gibt hunderte Fredys (hach) und Lisbets und Elsbets oder Elisabet, aber auch für uns Europäer ganz seltsame, wie Odolin, Olimpio oder Rosmel. Mein Favorit ist allerdings ein Junge aus der 9. Klasse in Mataquita, der Aderli heist. Zum Glück wohnt der nicht in der Schweiz.
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Beim Abendessen (es gab so eine Art Auszogene mit leckerem „Dip“ aus Zimt und Nelken) haben wir dann doch tatsächlich mal Milton getroffen. Er war irsinnig gut drauf und hatte eine wahnsinnige Fahne. Als wir im erzählten, was „einen Kater haben“ bedeutet, hat er mit Händen und Füßen beteuert, er habe ja „gar nicht so viel getrunken“. Jaja. Der war mindestens genauso knülle wie wir, ausserdem war er ja bis ca. 4 Uhr früh weg. Trotzdem seinen die Partys in Jangas viel, viel besser und da sind ja auch immer viel, viel mehr Leute da. Heute hat er sich übrigens mit ein paar Mädels getroffen, die er gestern kennengelernt hat. Wusst ichs doch. Ha. Leider ging unser Llanganuco-Ausflug dafür drauf, aber na gut, ich gönns ihm ja. Dann wurde er auf einmal ganz aufgeregt: Auf dem Placa de Armas in Jangas stehe ein Auto, das eine Küche habe und ein Schlafzimmer und die Leute würden darin WOHNEN! Das wären echte Touristen und sie hätten mit so einem komischen Kochgerät auf dem Placa de Armas gekocht. Er konnte gar nicht fassen das wir nur mit den Achseln zuckten und unbeeindruckt „Wohnmobil“ sagten. Wir müssten uns das unbedingt anschauen, jetzt sofort. Also gut.
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Wir sind also auf den Placa de Armas und dort stand tatsächlich ein Riesentrumm von Auto. Leider hab ich meinen Foto nicht mit, das Ding war echt gigantisch. Das erste was mir, zugegebenermaßen von Vorurteilen gelenkt dazu einfiel war: Amis. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Besitzer eine französische Familie waren, die eine Weltreise machten. An der Seite des Wohnmobils war eine riesen Weltkarte aufgezeichnet und mit kleinen Fußtritten aus Klebeband haben sie den Weg markiert, den sie schon zurückgelegt haben. Von Frankreich über USA und ein bisschen Kanada runter nach Mittel- und schließlich Südamerika. Wie cool. Wir wurden alle auf der Stelle neidisch. Milton konnte das nicht verstehen, was wir daran so toll finden, ewig durch die Gegend zu reissen. Leider haben wir die Franzosen nicht getroffen, nur durchs Fenster haben wir den Vater und die Mutter gesehen und Kinderbilder, die an der Wand hingen. Ausserdem hörten wir, dass es sich wohl um noch recht kleine Kinder handelt. Hinten auf dem Wohnmobil stand: „ á 6 autour de monde“ - Zu 6. auf Weltreise. Total cool. Wir wollten gerade gehen, da wir nun schon 10 Minuten vor dem Wohnwagen rumstanden und es langsam kalt wurde, da kam Angel mit irgend einem Freund, dessen Namen ich ständig vergesse. Ich glaube, der hat auch das Foto von mir und Fredy-Bruder gemacht (dessen Namen, jetzt fällt es mir gerade auf, ich beschämenderweise auch vergessen hab). Also blieben wir halt doch noch ein bisschen. Milton betonte nochmal, das die Partys in Jangas VIEL VIEL besser seien, als die in Tarica und das viel mehr Leute da waren. Dann zeigte er uns noch stolz einen Energydrink, den er soeben gekauft hatte. Wir sollten alle probieren. Nach weiteren 15 Minuten vor dem Wohnwagen rumstehen (der Vater schaute schon zweimal heimlich und recht verunsichert aus dem Fenster) haben wir Milton endlich zum Heimgehen bewegt. Er wolle unbedingt dass wir an die Tür klopfen und mit den Franzosen reden. Wir wollten aber nicht, die wären schon rausgekommen, wenn sie sich unterhalten hätten wollen. Ausserdem ist alle Nase lang mal wieder eine Grupe Peruaner neugierig und gaaaanz zufällig auf dem Platz herumspaziert um das Ungetüm anzuschauen. Als wir endlich gingen, war ich schon ganz durchgefroren. Schnell ins Zimmer und nochmal eine Runde Schüler-Memory. Ich war schon richtig gut. Als ich ins Bett gehen wollte, bemerkte ich einen rießen Falter in meinem Zimmer. Ja, iih. Ich stülpte ein Glas über ihn und trug ihn raus. Kaum freigelassen, flog dieses doofe Viech wieder in mein Zimmer. Oh mann. Ich packte mein Glas und trug ihn wieder raus, diesmal ganz weit weg. Joana hatte die Aufgabe, meine Tür sofort zuzumachen, während ich das Viech noch in Gefangenschaft halte. Dann hats doch noch geklappt. Na also!
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10.11.08 Absturzgefahr und Ausbruchsgefahr
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Heute waren wir in Cahuish und sollten dort das erstemal Selbstvertrauen halten. Zuerst jedoch erwartete uns in unserem Haus in Jangas noch eine Ueberraschung: als wir die Tuer zum Vergara-Reich oeffneten, kamen uns zwei neue Dolly-Format-Hunde entgegen. Einer, noch winziger als Dolly ist total suess und nennt sich pejueño (Kleiner). Der andere sieht aus wie ein Zuchtbulle und heisst Neno oder so aehnlich. Sie sind allerdings nur zu besuch da, warum haben wir aber nicht verstanden. Wir vermuten Draco will seine Armee erweitern und hat sich deswegen die beiden in sein Revier geholt. Man weis es nicht. Jedenfalls ist Dolly total eifersuechtig und sieht ihr alleiniges Recht auf Kekse in Gefahr. Dauernd macht sie den Kleinen zur Schnecke und knurrt und bellt den ganzen Tag. So kenn ich sie gar nicht. Direkt unheimlich.

Unser Neuzugang

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Dann sind wir nach Cahuish hochgefahren, obwohl ich lieber noch den 3 Hunden zugesehen haette, die sich dauern gegenseitig umwerfen und am Hintern riechen und streiten. In Cahuish hatten wir ganz kurz die Baden-Wuerttenberg-Stunde, wobei die Kinder leider sehr, sehr aufgedreht waren und danach sollte Selbstvertrauen stattfinden. Ich freute mich, denn direkt vor der Schule ist ein kleiner Bolzplatz und dort koennten wir den Unterricht super ausfuehren. Milton hatte aber andere Plaene. Er wollte aus irgendeinem komischen Grund nicht auf dem Campo halten, sondern irgendwo mitten in den Bergen. Er zeigte auf einen Platz in der Ferne und sagte: “Dort wo die Frau sitzt”. Die Frau sass allerdings so weit weg, dass ich sie zuerst mal gar nicht gesehen hab und dann auch noch ewig weit hoch oben. Oh Gott. Zum Glueck hatte ich auch meine Wanderschuhe nicht an, sondern bloss die Chucks, Juchu! Aber es half nichts, wir mussten da rauf. Milton war schon lang weg und die Kinder sind auch sehr flink hinterher. Nur wir vier deutschen und vor allem wir drei Maedels sind bloede hinterhergechechelt. Der Weg wurde immer steiler und steiniger und irgendwann gab es auchkeinen richtigen Weg mehr. Es war auch irgendwie ziemlich gefaehrlich und ich rutschte mit meinen Schuhen die ganze Zeit ab. Wir drei waren richtig sauer. Irgendwann warteten dann netterweise 3 Maedels aus unserer Klasse auf uns und zusammen meisterten wir fluchend die letzten Meter. Toll, jetzt sassen wir auf einem winzigen Fleckchen Erde, wo man kaum ein gescheites Spiel spielen konnte. Dafuer gab es eine schoene Aussicht, wenigstens etwas.



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Heute waren wir auch wirklich vorbereitet und jeder konnte etwas zum Thema Selbstvertrauen sagen. Milton schien zufrieden. Die Kinder in Cahuish kennen uns ja eh schon besser und die Jungs dort sind eigentlich fast normal, was das Reden vor Zuhoerern angeht. Nur die Maedels sind noch ziemlich verschuechtert. Zuerst wollten wir ein Spiel machen, bei dem wir alle zusammen im Kreis stehen und ein Auto bilden. Jedes Kind muss nacheinander den Kopf in die gleiche Richtung drehen und “Wrumm” sagen. Wenn die Richtung gewechselt werden soll, dann muss man ein Bremsen mit dem linken Fuss andeuten und “IIIhhhk” schreien. Dann gibt es noch Tanken und Hupen usw. Das Spiel funktionierte Anfangs nicht so gut, weil die Jungs nur sehr leise und die Maedels gar nicht “Brumm” sagen wollten. Als es dann endlich ein bisschen besser ging, wollte Milton, dass wir ein anderes Spiel spielen. Toll. Gut, dann eben den Conejo, obwohl Milton den ja eigentlich nicht will. Wir probierten es einfach. Und es war toll! Die Kinder hatten einen Mordsspass und wurden immer lauter und offener. Wir erfanden dann auch noch “Loewe” und “Elephant” dazu und der Werfer vom Ball sollte immer das Tier bestimmen. Wir spielten ca. 20 Minuten und waren zufrieden. Einmal flog der Ball an einem Jungen vorbei und den Abhang runter. Auf einmal rannte die ganze Horde Jungs wie Wild auf den Abhang zu und zwei sprangen runter. Oh Gott, ich dachte schon jetzt ist alles aus. Aber die Jungs koennen das, es sind Kinder die in den Bergen wohnen und sie holten den Ball in Null komma nix. Trotzdem, solche Wagemutigen Aktionen muessen die meinetwegen nicht mehr machen.




Dann ging es an den gewagten Abstieg. Ich brauchte ungefaehr doppelt so lang wie die Kinder und war froh, dass ich ohne Knochenbrueche wieder heil ankam. Auf dem Pausenhof kamen dann einige meiner Schuetzlinge angerannt und fragten, ob wir jetzt endlich den Computerunterricht machen. Das hat mich total gefreut!!! Kommt unser Unterricht doch tatsaechlich an :-) Cool! Leider ging es heute aber nicht, Milton wollte schon frueher in Jangas sein um mit uns zum Gesundheitszentrum (“Puesto de salud”) zu gehen, weil wir da jetzt ja auch noch arbeiten sollen. Schade. Also stapften wir los. Ich freute mich gerade darueber, dass wir mal wieder zu Fuss gehen, da kam auch schon unser altbekanntes Taxi den Berg raufgekrochen: Roy. Als er mit Milton verhandelte, ob wir gleich mitfahren koennen, sah ich mir mal das Profil der Reifen an. Das haette ich besser nicht gemacht: Die Reifen hatten eigentlich gar kein Profil mehr. Also nada. Wie gut, das wir immer am Abgrund vorbeifahren und die Strasse meistens verschlammt ist. Ja, ja, hier verliert man saemtliche Aengste, Juchu. Heut war zum Glueck ein trockener Tag und wir sind dann eben doch mit dem Taxi nach unten.



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Um 14 Uhr sind wir dann zum Puesto de Salud gelatscht. Das war ja mal ne coole Huette. Zuerst ging es in einen ziemlich unordentlichen Hinterhof und danach in ein winziges Kaemmerchen, wo ein Tisch mit einer sehr schmutzigen, ehemals weissen Tischdecke rumstand und ca. 6 verschiedenen Tablettenboxen, sonst nix. Der “Arzt” wusste noch gar nichts von der benoetigten Hilfe, die wir darstellen sollen und war irgendwie nur maessig begeistert. Ja, er will hoechstens 2 Mitarbeiter und wir koennen eh nur an den Tagen arbeiten, wo sie irgendwelche Campagnen machen, das waere dann einmal im Monat. Toll. Na, gut, so scharf war ich eh nicht darauf, mit diesem komischen Onkel Doctor zusammenzuarbeiten, der war irgendwie ziemlich unsympatisch. Dann wollte er dauernd wissen, warum wir den Freiwilligendienst machen, ob unsere Eltern wollten, dass wir das machen, oder ob das vom Staat vorgeschrieben wird. Der wollte uns einfach nicht glauben, das wir das wirklich FREIWILLIG machen. Komischer Kauz. Na gut, wir sehen uns naechsten Monat, bei der Campagne. Als wir wieder heim gingen, sprachen wir Milton auf den schrecklichen Zustand dieses "Gesundheitshaeuschens" an. Er meinte die Bruchbude sei nur Uebergangsweise das Gebaeude dafuer (seit ungefaehr 10 Jahren). Wenn dann (in weiteren 10 Jahren) mal das neue Haus fertig ist, dann wird alles viel besser. Aja.
Beim Spanischunterricht
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Danach hatten wir ziemlich bald Spanischunterricht. Heute hatte der Unterricht weniger Wert denn je. Alles was sie uns zeigte waren Bindewoerter, die wir eh schon alle kennen und die komischen lateinischen Namen dazu. Koennen wir jetzt nicht so arg viel damit anfangen. Auf einmal kam Milton dazugestossen und die Profesora sagte, sie muesse mal eben 20 Minuten weg, fuer Milton eine „Arbeit“ erledigen, sie komme spaeter wieder. Aha. Eine „Arbeit“. Wir munkeln eh schon lange, das zwischen den beiden was am laufen ist und die „Arbeit“ konnten wir uns gut vorstellen. Angeblich wollte er, das sie ihm irgendwas ins englische uebersetzt, aber das haetten wir ja genausogut machen koennen, da wir ja um einiges besser Englisch koennen als sie. Tja, sie kam dann auch erst nach 40 Minuten und Milton war danach unverschaemt gut draut. Erwischt!
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Am Abend trafen wir uns nochmal um den naechsten Unterricht zu besprechen. Es geht um das Thema vertrauen und Milton hat zwei Gleichungen ausgepackt, die wir vorlesen, bzw. vorspielen sollen. Da bin ich schon mal gespannt, wie viel Wert das hat. Ich hab jedenfalls kaum was verstanden, da wird das mit dem Vorspielen wohl ein bissl schwer. Aber das kriegen wir schon hin. In der Nacht hat Dolly die ganze Zeit geknurrt. Auch Draco will jetzt wohl unbedingt ausbrechen, weil er die ganze Nacht gegen die Eisentuer mit lautem gebolter springt. Mit den Hunden werden wir wohl noch so einiges erleben.







1 Kommentar:

Unknown hat gesagt…

hey bine,

unglaublich wieviel du in so kurzer zeit erlebst :) hoffe dir gehts auch weiterhin so gut!

lg sven

ps: wow, in deinem blog gibts ganz schön viel text zu lesen *g*