Dienstag, 25. November 2008

17. - 23.11.08 Zusammenfassung

17.11.08 „Bär und Oma“ und Backstreet Boys
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Heute ging es nach Cahuish. Und zwar allein, weil Milton sich mit seinem Chef treffen musste, zum Mittagessen. Hab mich eh schon gewundert, ob er überhaupt noch arbeit hat, weil er seit wir hier sind (2 Monate) nie wieder in der Arbeit war. Na gut, das werden wir schon allein schaffen! Als wir in Cahuish ankamen, staunten wir nicht schlecht: Direkt neben der Schule brannte es. Es hat wohl mal wieder jemand lustig die Buesche und Baeume angezuendet! Wie gut, dass es seit 3 Tagen nicht geregnet hat und alles Staubtrocken war. Ich war nicht ganz so aufgeregt, weil ich mich mittlerweile an diese bloeden Brände gewoehnt habe. Aber trotzdem ist es total gefährlich, ein falscher Wind und es könnte sich überall hin ausbreiten. Wir gingen irgendwann trotzdem in unsere Klasse, da es hier oben nämlich kein Wasser gibt, schon gar nicht so viel um so einen Brand zu löschen.






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Unsere Kinder waren heute leider ziemlich aufgedreht. Wir sind raus auf den Fussballplatz, um unseren Unterricht, der sich, wie in Atupa und Mataquita um Vertrauen handelt, dort zu halten. Zuerst wollten wir wieder den Conejo spielen, der ja das letzte mal so gut geklappt hat. Es war eine Katastrophe! Die Kinder haben nicht richtig mitgemacht, sich dauernd geaergert und geschlagen, oder sind einfach aufgestanden und haben sich weggesetzt. Das ging so lange, bis wir damit aufhoerten und anfingen ueber Vertrauen zu reden. Auch dabei, hoerten sie nicht zu und machten staendig bloedsinn. Bis Joana der Kragen platzte und ihnen sagte, wenn sie nicht aufhoeren, wuerden wir gehen und nie mehr wieder kommen. Das saß. Zumindest ne Weile. Als wir das “blinde Schlange” Spiel machen wollten, haben die meisten Kinder geschummelt und einfach gegukt. Das war aber auch ihr Glueck, denn der Hintermann, der die Blinden dirigieren sollte, hat immer nie was gesagt und ansonsten waeren die Kinder ueber die Treppe gestolpert. Es machte ueberhaupt keinen Spass und wir hoerten bald auf mit den Spielen und redeten weiterhin ueber Vertrauen.






Die Blinde Schlange hat heute leider nicht geklappt

fffffffff


Als sie da wieder nicht richtig mitmachten, haben wir aufgehoert und wollten nach 5 Minuten Computerunterricht halten. Ploetzlich fragten uns die Kinder, warum wir nicht weiter spielen. Darauf gab es dann eine kleine Standpauke und die hat dann richtig gesessen. Im Computersaal setzten sich dann auf einmal alle ganz brav auf ihre Plaetze und oeffneten sogar von sich aus das Word, ein Rekord. Irgendwann bemerkten wir aber, das 3 Schueler fehlen. Als ich raus sah, saßen sie etwas abseits auf dem Schulfeld und wollten nicht in Computation gehen, obwohl einer von ihnen, Elmar, vorhin sogar danach gefragt hat. Anika und ich sind hingegangen um mit ihnen zu reden. Sie erklaerten uns, dass sie nicht kommen wollen, weil sie sich so schlecht verhalten haetten, in der Stunde davor. Aha. Wir fragten sie nach dem richtigen Grund, weil das ja irgendwie keinen Sinn ergibt. Nein, sagten sie, sie kommen nicht, weil sie frech waren. Wir wollten aber das sie kommen und fragten warum ihnen Computacion nicht gefaellt. Darauf sagten sie wieder, sie kommen nicht und dann erklaerten sie irgendwas, von wegen ihre Lehrerin haette zu ihnen gesagt, sie sollen nicht in Computacion gehen, weil sie frech waren. Was soll denn der Bloedsinn? Wir wollten das nicht glauben, weil das ja der absolute Schmarrn war. Also sind wir zur Lehrerin gelaufen. Sie sagte uns, dass es stimmt, was die Kinder gesagt haben. Häh? Und Wieso? Scheinbar haetten die Kinder gesagt, sie wollten sich mit dieser Aktion selbst bestrafen. Also, entweder, das ist hier wirklich so und die Kinder meinten es aufrichtig, dann tun sie mir leid. Oder sie haben die Profesora, der es wohl auch wurscht ist, einfach nur verarscht und freuten sich über die freie Stunde. Keine Ahnung, jedenfalls ist diese Art von Bestrafung bestimmt nicht die richtige und ich finde es schade, dass die Profesora zugestimmt hat, als die Kinder gesagt haben, sie wollen nicht zu Computation. Aber vieleicht ist es hier ja wirklich so. Naja. Wenigstens waren die anderen Kinder daraufhin wirklich wie die Lämmchen und jeder hat brav seine Sätze abgeschrieben. Die Stunde verging schnell, jeder bekam sein Caramelo und dann ging es nochmal auf den Fußballplatz, weil wir versprachen, das wir noch ein Spiel machen, wenn die Kinder nun richtig mitarbeiten. Dieses Versprechen mussten wir jetzt auch natürlich einhalten. Wir entschieden uns für ein Spiel, das wir auf dem YAP-Seminar gelernt haben. Es heisst Oma und Bär, oder so ähnlich und funktioniert so: Es gibt 2 Gruppen (bei uns natürlich Jungen gegen Mädchen, weil die Jungs nieeee mit den Mädchen zusammen spielen würden und andersrum) und 3 Figuren, Oma, Bär und Jäger. Die Teams beraten sich heimlich untereinander, welche Figur sie als nächstes machen werden. Bei Drei machen dann alle die dazu gehörende Bewegung zu ihrer gewählten Figur (die Oma hat einen Imaginären Stock, usw.) und los gehts. Wenn eine Gruppe Oma ist und die andere Bär, dann müssen die Bären die Oma jagen und fangen. Falls es Jäger und Bär gibt, jagt der Jäger natürlich den Bär und die Oma macht den Jäger platt. Thomas und ich beschlossen mitzuspielen, Thomas bei den Jungs ich bei den Mädchen. Und es kam total gut an. Wir berieten uns immer wie bei einem hochwichtigen Ereignis und die Kinder waren richtig begeistert von dem Spiel. Und und hat es auch wieder ein bisschen mehr mit den Kindern zusammengebracht, zumindest sind die Mädels und ich jetzt ganz dicke, immerhin haben wir schon gemeinsam Bären gejagt. Als wir dann schliesslich gingen, spielten die Kinder (Mädchen UND Jungen) dann sogar ohne uns weiter. So was ist selten der Fall und ich war richtig Stolz. Wieder versöhnt machten wir uns auf den Heimweg, zu Fuß. Das Wetter war super, es war richtig heiß und die Aussicht auf die Gipfel der Cordillera Blanca war gigantisch. Ich nervte schon alle, weil ich die ganze Zeit stehen bleiben musste, um Fotos zu schiessen. Aber wenn man schon mal so ne schöne Sicht hat, muss man die auch nutzen. Wir waren sogar trotzdem richtig schnell und nach eineinhalb Stunden daheim. Milton hat uns, kurz vor dem Ziel schon angerufen, weil er sich sorgen gemacht hat. Er hat auch nicht gedacht, dass wir so fleissig sind und zu Fuß nach unten gehen, sondern er dachte wir fahren mit dem Taxi.
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Am Nachmittag hatten wir Spanischunterricht. Heute war es mal ganz anders. Yanina, unsere “Lehrerin”, wollte dass wir ab jetzt mehr reden und lies uns alle eine Vorstellrunde machen. Sie fing an. Dabei erfuhren wir, dass sie erst 19 ist (ich dachte sie wäre 20) und dass ihr größter Wunsch ist, dass sie einmal ganz viel reisen kann. Sie ist bisher leider noch nie im Urlaub gewesen, weil ihr Vater irgendwo ganz weit weg arbeitet und deswegen nur einmal im Monat (!) nach Hause kommt. Und zwar zu Fuß! Total krass. Was ich auch hart find, ist dass sie seit 2 Jahren Englisch STUDIERT und trotzdem in Englisch so weit ist wie ein 6. Klässler bei uns. Und das ist leider bei den meisten hier so. Milton hatte auch mal Englisch in der Schule und seine Schwester war sogar mal eine Zeit lang in den USA. Sie können aber nicht mehr als: „Hello, my name is...“ und sogar das sprechen sie total falsch aus. Das ist total schade und da muss sich noch einiges ändern in diesem Land. Auch unsere Abschlussklasse in Mataquita hat Englischunterricht. Allerdings lernen sie jetzt, in der 11. Klasse gerade die Verwandschaftsverhältnisse. Das ist viel zu wenig und reicht niemals aus, um mit Englisch durchzukommen. Schade, dass wir kein Englisch unterrichten können. Aber sehr viel würde es wohl ohnehin nicht bringen.
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Nachdem wir anderen uns auch noch vorgestellt haben, sollten wir unsere Zimmer beschreiben, mit Skizze. Das war total süß, da Yanina alles in 3D gezeichnet hat und jedes kleine Detail ihres Zimmers beschrieben hat, auch alle Bilder an der Wand und die Sachen auf ihrem Schrank. Sie zeichnete auch ein Poster auf, von einer Gruppe aus den USA, wie sie zugab. Als wir sie fragten welche Gruppe, weil wir sie vielleicht kennen, hat sie erst total rumgedruckst und dann hat sie gemeint,sie glaubt nicht, dass die so bekannt sind. Dann schrieb sie den Namen auf das Poster: Backstreet Boys. Ich halte ja eher weniger von den Backstreet Boys, aber Yanina hat das irgendwie total sympatisch gemacht, ich weis auch nicht warum. Die anderen dachten genau so und wir beschlossen mit ihr mal Pisco sour trinken zu gehen. Nachdem wir dann auch alle unsere Zimmer beschrieben und ich mich 3x vermalt hab, weil ich schon ein kleines bischen vergessen habe, wie mein Zimmer daheim so richtig aussieht war die Stunde auch bald rum. Ich war froh, denn ich habe seit heute ein neues Hobby: Mützen stricken. Anika hat mir eine Technik gezeigt, mit der sogar ich Handarbeitsvolldepp ziemlich schnell ein hübsche Mütze ganz nach belieben selber stricken kann. Seitdem bin ich voll dabei und es macht mit unglaublicherweise richtig Spaß. Mittlerweile bin ich bei meiner 3. Mütze. Bald kann ich auch nen Stand aufmachen und das Zeug verkaufen.
jfjfjf
18.11.08 Geburtstagsküsse und gestohlene Dolly
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Heute hätte es mal wieder nach Jahua gehen sollen. Unerwarteterweise hatte nie-Zeit-Angel aber mal wieder keine Zeit. Schade. Doch zunächst hatten wir noch ein ganz anderes Problem: Dolly war weg! Unsere geliebte Dolly begrüßte uns nicht wie üblich, wenn wir in der Früh aus unsern Zimmern kamen, sondern war einfach nicht da. Als wir nachfragten, sagte Mama-Milton nur, Dolly hätte genervt (dabei war sie immer nur bei uns und die Vergaras haben von ihr gar nichts mehr mitbekommen) und ausserdem würde sie immer die Strohbänke (die vor unseren Zimmern stehen) kaputt machen. Hmpf. Das ist keine Entschuldigung. Wir wollen Dolly wieder. Zur Not würden wir Überwürfe für die Bänke besorgen.
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Wir beschlossen zu diesem Zweck gleich nach Huaraz zu fahren und ausserdem mal damit anzufangen ein paar Sachen für die Kinder zu kaufen, die wir in die großen Weihnachtsgeschenkpäckchen packen wollten und natürlich ins Internet zu gehen. Als wir in einem kleinen Schreibwarenladen nach 15 Päckchen Farbstifte fragten, war der arme Verkäufer ganz aus dem Häusschen. Wir wollten zuerst nur die Sachen für Atupa besorgen. Mr. Schreibwarenhändler kramte mit Müh und Not 12 Päckchen hervor. Das hätte auch genügt, wir hätten dann eben noch in anderen Geschäften geschaut. Aber er wollte uns nicht entwischen lassen. Schnell sollten wir ihm aufschreiben, wie viele Stifte wir noch brauchen und er würde sie bestellen. Zumindest hab ich das so verstanden.Ok. Wir beschlossen daraufhin, gleich 50 Päckchen zu besorgen, leider wissen wir ja noch nicht wie viele Kinder wir in Jahua und Huanka haben, deswegen liesen wir diese noch aus, bei unseren Käufen und den größeren Jugendlichen der 4. und 5. Klasse in der Oberstufe in Mataquita wollen wir was anderes besorgen als Buntstifte, weil das für die verständlicherweise nicht mehr so der Knüller ist. Also 50 Packen mit je 12 Stiften. Auf einmal kam unser aufgeregte Verkäufer hinter seiner Theke raus und sagte uns, er sei gleich zurück. Weg war er. Das meinte er also mit „bestellen“. Wir warteten. Nach ca. 20 Minuten kam er wieder angehetzt, mit einer riesen Tüte voller Stifteverpackungen. Der arme muss durch ganz Huaraz gerannt sein, um die Stifte zu besorgen. Naja, für ihn hat es sich gelohnt. Er wird noch mehr zu tun bekommen, schliesslich brauchen wir ja auch noch Hefte, Kleber, Lineale und, und, und.
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Als es Mittag wurde, wollten wir mal wieder zum Essen gehen. Nachdem die letzten beiden Male ja ziemlich unerfreulich verliefen, war ich ziemlich gespannt, was wohl heute auf uns zukommt. Wir sind dann auch noch so einen schmierigen Treppenaufgang, mitten im belebten Zentrum hochgestiegen, der gar nicht einladend aussah. Aber, wir haben uns getäuscht. Der Raum, in den wir schliesslich gelangten, war nett hergerichtet und das beste, es saßen Einheimische, vermutlich in der Mittagspause, an den Tischen, das bedeutet, es kann gar nicht so schlecht sein. Als wir dann die Karte hatten, konnte ich mich gar nicht entscheiden. Es gab sehr viel leckeres zur Auswahl und ich nahm diesmal keinen Salat mehr, sondern Nudeln mit Gemüße. Thomas entschied sich für irgendwas mit Fleisch und einen Liter Inca-Cola. Bäh. Als das Essen kam, war ich mehr als zufrieden. Ein rießen Teller Spaghetti mit sehr viel unterschiedlichem Gemüse, total lecker. Und ganz ohne Made oder zu viel Basilikum. So was gabs ja schon lang nicht mehr.
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Total zufrieden sind wir dann ins Internet. Und heute war mein Glückstag. Das Telefonieren mit Skype klappte total gut (wenn nicht gerade ein Auto draussen vorbeifuhr, dann rauschte es immer) und ich konnte sogar mal fast problemlos Fotos auf meinen Blog laden. Leider hatte ich ziemlich viel zu tun und hab ewig gebraucht. Dann fing auf einmal mein PC an, doch nicht mehr so zu wollen wie ich. Wäre ja auch zu schön gewesen. Ich hatte gerade, nach ewigen Zeiten einige Bilder hochgeladen und – natürlich, man lernt ja nicht aus seinen Fehlern – nicht abgespeichert. Auf einmal stockte alles. Nein!! Wie von der Tarantel gestochen, sprang ich auf und bin zum PC von Joana, die mich netterweise schnell auf meine Blogseite lies, um schnell abzuspeichern, bevor meine Kiste ganz den Geist aufgibt. Nach einem Neustart gings dann erst mal wieder ganz gut. Ich wurschtelte vor mich hin, bis alle andern fertig waren und Joana und Anika schon mal zum Kitschmarkt vor sind. Thomas blieb noch, aber irgendwann war auch er fertig, nur ich brauchte echt immer noch ewig. Als ich dann fast fertig war, stürzte – Überraschung – mein Computer wieder ab. Ich möchte echt mal einen Tag erleben, an dem das nicht passiert. Thomas lies mich an seinen, da er fertig war. Fröhlich setzte ich mich. Kaum berührte mein Hintern den Stuhl, wurde der Bildschirm schwarz. Der PC von Thomas ist ohne irgend einen Grund, einfach so abgestürzt als ich mich vor ihn setzte. Ein Omen? Ich fuhr wieder hoch, weil ich mein Zeug jetzt endlich fertig machen wollte, man oh man. Joana und Anika waren mittlerweile schon wieder zurück. Als der Computer wieder lief, fiel mir auch wieder ein, das es derjenige war, der meinen Stick nicht lesen will. Buhu, das kann doch nicht wahr sein, auf dem Stick hab ich doch alles, was ich ganz dringend brauch für den Blog. An dem anderen PC saß mittlerweile wieder jemand. Zum Glück fiel mir dann wieder ein, das ich mein Zeug auch bei Thomas auf dem Stick gespeichert hab. Na also, doch noch Glück gehabt, diesen liest er nämlich. Nach fast 4 Stunden waren wir (bzw. Ich) dann doch mal fertig und es war leider schon zu spät noch groß was in der Stadt zu unternehmen und es war auch schon Dunkel.
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Auf dem Weg zum Colectivo, wurde Anika auf einmal von hinten gepackt. Wer stand da? Der Knutschrektor, oh nein. An seiner Seite hatte er eine deutlich jüngere Frau, die er uns nicht vorstellte, die aber anscheinend auch nicht soooo wichtig war, da er uns in alter Knutschrektormanier ungeniert abbusselte, so wie immer halt. „Hola Senoritas“ und SCHMATZ. Wohin wir gehen, wollte er wissen. Naja, Heim halt. Und wann wir wieder kommen, in seine Schule, morgen? Nein, am Donnerstag, so wie immer. Und dass weis er eigentlich auch, er fragt nur, damit er einen Grund hat und an den Schultern zu packen und ziemlich nah von Gesicht zu Gesicht zu sprechen. Nachdem seine Begleitung langsam ungeduldig wurde, musste er sich leider von uns trennen. Mit großem Geschmatze verabschiedete er sich und sagte „Bis morgen“. Na gut.
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Wir trotteten weiter. Und schon wieder wurde Anika gepackt. Oh nein, bitte nicht wieder Knutschi. Aber wir hatten Glück, es war nur Nino, Miltons Bruder. Er ist extra aus seinem Auto gestiegen um uns Hallo zu sagen. Das Auto lies er natürlich mitten auf der Fahrbahn stehen. Wir freuten uns schon, weil wir dachten er kann uns mit Heim nehmen, aber er erklärte uns, dass einer seiner Kumpels heute Geburtstag hat und sie noch feiern gehen. Sie hätten auch schon ein ganz klein bisschen was getrunken. Als ich zu seinem Auto sah, sass da auch ein ziemlich verstrubbelter Typ im Muskelshirt hinten drin, der ganz aufgeregt rausglotzte. Auf einmal sprang er aus dem Auto und auf uns zu, packte Anika (die hatte es heut schwer) und begrüßte sie, mit Kuss natürlich. Uns andere allerdings nicht. Nino rannte derweil zum Auto, weil es ja nun offen und verlassen mitten auf der Straße stand. Mr. Muskelshirt fragte uns derweil, ob wir mitkommen wollen, in die Disko. Ich wollte gerne, aber wir hatten ja die ganzen Sachen noch bei uns, die wir gekauft haben und ausserdem waren wir auch ganz schön fertig. Nino erklärte uns daraufhin, das Mr. Muskelshirt heute besagtes Geburtstagskind sei. Ich streckte ihm die Hand hin, um „Feliz Cumpleanos“ zu sagen, da packte er mich auch schon und drückte mich an seine Muskelshirtbepackte (und etwas feuchte) Brust. Heieiei. Darauf noch ein feuchtes Bussi. Joana ereilte das gleiche Schicksal. Nur Thomas blieb komischerweise verschont. Da Nino nun doch endlich mal sein Auto wieder weiterbewegen musste, gab es nun auch noch einmal eine Kussreiche Verabschiedung. Unser Jubilar (er wurde übrigens 23) kam heute ganz schön auf seine Kosten. Jetzt aber nichts wie ab in den Colectivo. Kaum sassen wir, setzte sich auf einmal Sonia, Miltons Schwester uns gegenüber. Ei, der Blitz, die Welt ist aber auch ein Kaff. Hätte mich nicht gewundert, wenn wir jetzt auch noch Frau Zwiederladen getroffen hätten. Diese Begegnung blieb aber leider aus.
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Abends besprachen wir noch unsere neue Unterrichtsstunde über Mut, die wir am nächsten Tag in Atupa halten wollten. Eigentlich wollte Milton auch kommen, er blieb aber verschollen. Wahrscheinlich war der auch in Huaraz, so wie scheinbar ganz Jangas.




19.11. 08 Suchaktion und Schaftaxi
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Heute früh, warteten wir wie immer darauf, dass Milton uns zum Frühstück abholt. Er kam aber nicht, stattdessen holte uns Milton-Mama zum Essen. Als wir fragten, ob er noch schlafe, sagte sie, er sei nicht da und wahrscheinlich gar nicht heimgekommen von Huaraz. Na so was. Milton ist eigentlich einer der wenigen Leute hier, der seine Pflicht und vor allem die Pünktlichkeit sehr ernst nimmt und zu dem das gar nicht passt, dass er einfach nicht heimkommt, wenn wir doch Unterricht haben. Auch als wir auf sein Handy anriefen, ging er nicht hin. Milton-Mama und Tanja liessen sich nichts anmerken, aber wir machten uns schon Sorgen. Huaraz ist vor allem in der Nacht, auch nicht immer der sicherste Flecken Erde und es kann auch Einheimischen passieren, dass sie überfallen und beraubt werden. Nachdem Milton-Mama und Tanja noch 2x versuchten bei ihm anzurufen, sind sie scheinbar das erste mal auf die Idee gekommen, in seinem Zimmer nachzuschauen. Und da lag er dann tatsächlich und schlief. Ich musste schon wieder lachen, da sie lieber 3x anrufen, bevor sie überhaupt mal nachsehen, war aber auch sehr froh, dass nichts passiert ist. Wir beschlossen wieder allein zu fahren, scheinbar war die Nacht für ihn doch länger gewesen.
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Am Colectivoparkplatz angekommen, wartete mal wieder Taxi-Roy auf uns. Hach, auf diesen Mann kann man sich einfach verlassen. Das Auto war allerdings schon recht voll und wir wollten uns in den Kofferraum schmeissen. Doch als wir die Klappe öffnen wollten, war Roy ganz auser sich und ich erschrak erst mal: Im Kofferraum lagen ein Schaf und ein kleines Schwein, das aufgeregt grunzte .
Aha, so transportiert man die Tiere also heutzutage. Auch nicht schlecht. Anika und Joana quetschten sich also dann eben auf den Rücksitz, zu den 3 kichernden Bäuerinnen und Thomas und ich teilten uns den Beifahrersitz. Ich wäre lieber beim Schaf gesessen, denn wir hatten überhaupt keinen Platz auf dem kleinen Sitz und ich saß mit halber Arschbacke auf der Fensterkurbel und musst mich durchs geöffnete Fenster am Autodach festhalten, dass ich nicht runterrutschte. Schaf und Schwein rochen jetzt auch nicht ganz so gut und deswegen war ich in zweierlei Hinsicht froh um das offene Fenster. Die Fahrt kam mir ewig vor. Die Bäuerinnen + Schaf und Schwein, das Roy, ganz Tierfreund, an einem Bein aus dem Wagen hob, stiegen mit uns in Atupa aus. Sie wohnen in dem Haus, in dem auch der Hund lebt, der Milton damals ins Bein gebissen hat. Dieser kam auch gerade ganz freudig auf uns zugerannt. Wir machten einen großen Bogen und begannen den Abstieg zur Schule.
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Dort ging es auch wieder mal drunter und drüber. Die Lehrerin saß draussen auf einem Stuhl und las ein Buch, während die Kinder allein im Computersaal saßen und irgendetwas am Computer rumspielten. Leider dürfen wir in Atupa keinen Computerunterricht geben, weil die Lehrerin das selber machen will. Aber weit ist sie scheinbar noch nicht gekommen. Einer der Schüler wusste noch nicht mal, wie man den PC herunterfährt. Es tut mir so leid für die Kinder, die so gerne mehr lernen würden, aber leider die schlechteste Schule, die ich je gesehen habe, besuchen müssen. Die 15-jährigen sind immer noch in der 6. Klasse (in Mataquita sind sie in diesem Alter ca. in der 9. oder 10.) und das ist auch die letzte Jahrgangsstufe die sie je machen werden, zusammen mit den Kindern der unteren Jahrgangsstufe in einem Raum mit einer Lehrerin, die sich leider, so nett sie auch ist, nicht besonders viel um ihre Schüler kümmert. Wenigstens eins haben diese Kinder den Schülern in Mataquita und Cahuish aber vorraus: Sie sind viel kameradschaftlicher, offener und haben weniger Probleme mit dem anderen Geschlecht. Deswegen mag ich diese Schüler auch am liebsten, weil der Unterricht hier wirklich Spaß macht und wir schon so ein bisschen wie Freunde geworden sind. Ohne zu Murren setzten sie sich alle zu uns in den Kreis auf dem Bolzplatz. Den großen Ast, der schon seit Wochen in der Mitte rumlag, haben sie mittlerweile weggeschafft. Wir fingen mit unserer Stunde an und erzählten über Mut, in unserem Spanischwörterbuch „Animo“ genannt. Die Kinder schauten uns mit großen Augen an. „Kennt ihr denn das Wort animo?“, fragte Anika. Kopfschütteln. Ok, macht nix, wir haben ja noch ein spanisches Wort für Mut in petto. „Valor“ sage ich stolz. Nichts. Oh, oh, auch dieses Wort kennen sie nicht und jetzt wird es dann doch ein bisschen schwer darüber zu reden. Mist. Auf einmal kam, na so was, die Lehrerin dazu. Wir fragten sie, ob es noch ein anderes Wort für Mut gibt. Sie kannte die beiden Wörter selber nicht. Eieiei. Sie verstand trotzdem und erklärte den Kindern daraufhin irgendwas, von wegen sie reden zu wenig und das sei kein Mut. Diese Worte begleitete sie damit, dass sie den Kindern ihr Heft ganz leicht auf den Kopf schlug. Ah ja, ok. Nun setzte sie sich dazu und die Kinder sagten daraufhin gar nichts mehr. Nur einer, Raul, sagte dreimal, Mut ist, wenn man keine Angst hat zu reden, genau das gleiche, das die Lehrerin gesagt hat. Oh man, die Kinder hatten wirklich Angst davor, vor ihrer Lehrerin im Unterricht mitzumachen, sie waren wie ausgewechselt. Zum Glück wurde es ihr bald langweilig und sie ging wieder. Sofort waren auch die Schüler wieder munterer. Die nächste Aufgabe bestand darin, das jeder aufstehen muss und eine Sache sagen muss, vor der er sich fürchtet. Die Personen links und rechts davon, sollten dann demjenigen auf die Schulter klopfen und ihm somit Mut machen und alle anderen ihm Kreis sollten klatschen. Es lief wie geschmiert. Die Kinder standen auf, ohne sich zu zieren, jeder sagte wovor er Angst hat und die anderen klopften brav auf die Schulter, bzw. klatschten. Falls doch mal einer ins stocken geriet, redeten ihm die anderen gut zu. Ich war stolz wie Oscar und hätte sie alle knutschen können.
Die Kinder beim Schulterklopfspiel

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Wenn ich da an unsere erste Selbstvertrauen-Stunde denke, in der sie manchmal 2 Minuten gebraucht haben, nur ihren Namen laut in der Runde zu sagen und jetzt das! Als nächstes spielten wir „mein rechter, rechter Platz ist frei“. Auch das lief super und die Kinder machen fast alle ohne Zögern die Tiere, die sie spielen sollten. Sogar Clara, die schüchternste von allen, lachte die ganze Zeit und gab eine super Ente ab. Auch wenn sie nicht wussten, wie sie ein Tier genau machen sollten, halfen sie sich wieder gegenseitig. Genau wie wir uns das vorgestellt hatten. Danke, Atupa-Kinder. Zur Belohnung gab es wieder eine Runde Fußball.
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Diesmal war ich wieder ein ziemlicher Looser und stellte mich irgendwann ins Tor, was ich als alter Ball-Angsthase jedoch lieber nicht getan hätte. Kurz gesagt: Es war schrecklich, aber wir haben trotzdem gewonnen. Bevor wir gingen, gaben wir den Kindern noch Orangen, die wir vor der Schule für jeden gekauft haben. Der kleinen Edith ist während dem Fußballspiel ein Milchzahn ausgefallen und sie spülte sich den Mund die ganze Zeit mit Wasser, das irgendwie aus einer Art Abflussrohr kam. Oh Gott, ich krieg schon Ausschschlag wenn ich das nur seh. Aber hier ist das normal und es macht ihnen scheinbar auch nichts aus. Es ist eben doch eine andere Welt.
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Nachdem Taxi-Roy uns sicher nach Hause gebracht hat, trafen wir Milton am Mittagstisch. Er bestreitet, dass er gestern Nacht auch nur einen Tropfen Alkohol getrunken hat, allerdings stand ihm der Kater aber ins Gesicht geschrieben. So, so, Mr. Disziplin hat sich also gehen lassen. Aber das macht nichts, wir kommen mittlerweile auch echt ganz gut ohne ihn klar und er muss ja auch irgendwann mal wieder regelmäßig in die Arbeit (glaube ich zumindest).
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Nachmittags kam wieder Yanina und sie hatte Bücher für uns dabei, da wir heute mit Texten arbeiten wollten. Sie gab uns ein Buch, das lauter Baumgeschichten und –sagen enthielt. Die Bilder waren zwar sehr schön, aber von den Geschichten hab ich leider wenig verstanden. Nicht weil ich die Wörter nicht kannte, das ging eigentlich, aber er musste immer einer Vorlesen und die anderen konnten dabei den Text nicht sehen und das war einfach noch zu schnell für mich, und für die andern zum Glück auch. Im Grunde hat es leider nicht viel gebracht und nach der 6. nicht verstandenen Baumgeschichte hatten wir auch keine Lust mehr. Zum Glück kam gerade Milton ums Eck und der macht sowieso immer Quatsch, also schlossen wir uns an, Quatsch zu machen. Wir fragten Yanina noch, ob sie Lust hat, mit uns in ihr Nachbardorf zur Fiesta zu gehen, die nächste Woche stattfindet. Aber sie hat scheinbar keine Lust, weil sie eh nicht so gern weg geht. Schade. Milton begann, Joanas Digitalcamera zu durchforsten und leider haben wir vergessen, dass wir einmal an einem etwas Weinseligen Abend, tolle Draco-Fotos mit falschen Chipszähnen gemacht haben (den Draco-Doppelgängerwettbewerb von vor 2 oder 3 Wochen) und dass auch noch das Foto mit der Tafel und meiner Entführung durch Draco da drauf war. Da er keine Ahnung von Dracos dunklen Machenschaften hat, verstand er die Fotos auch nicht und wir mussten alle so lachen, weil das ganze so blöd und peinlich war. Yanina konnten wir mit unserer Spinnerei leider nicht so begeistern und sie ging dann bald. Als Milton mich später noch fragte, was ich mir zum Geburtstag wünsche, lag die Antwort auf der Hand: Dolly! Und zwar für immer, oder zumindest so lange wir hier sind. Aber Milton lacht nur und sagt, wir sollen doch auf dem Placa de Armas protestieren und mit Plakaten einige Runden drehen. Haha. Der wird schon noch sehen. Vielleicht machen wir das ja wirklich.
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20.11.08 unmoralisches Angebot und unbeliebte Passagiere
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Heute sind wir nach Mataquita. Das Wetter war wieder mal super, total heiss und mit wunderschöner Sicht auf die 6000er. Als wir zur Schule runtergelaufen sind, merkte ich, wie ich immer weniger Lust habe, durch das „Schultor“ zu gehen, weil mich die Knutschtiraden von meinem lieben Rektorchen mittlerweile ganz schön nerven. Noch schlimmer ist, dass er nach jedem mal Knutschen immer meinen Kopf festhält und mich mit 3 cm Gesicht zu Gesicht-Abstand (wir sind gleich groß) fragt wies mir geht. Aber es hilft nichts, wir müssen da durch. Ich hatte sogar Glück und er fragte mich nach dem Knutscher ohne Gesichterkontakt nach meinem Befinden. Ich war schon total erleichtert, da fing er auf einmal an, mich zu fragen, ob ich für immer hierbleiben wolle. Ich war so erschrocken über diese Frage, dass ich voller Inbrunst und ein bisschen zu entschlossen und fest „No“ sagte. Da hat er aber geguckt, das hat er wohl gar nicht erwartet. Ich schob noch schnell hinterher, dass mir Peru wirklich sehr gut gefällt, aber das ich halt meine Freunde und Familie ähhh... (das Wort „vermissen“ kann ich mir leider einfach nicht merken). Aber es war zu spät. Ich glaube ich bin als potenzielle Senora Knutschrektor ausgeschieden. Tja, schade aber auch. Nun wendete er sich Joana und Anika zu. Ob sie denn bleiben möchten. Sie sagten beide aber nur „mal sehen“ oder „vielleicht“, was ihn zwar nicht ganz zufrieden stellte, aber schon besser war als meine Antwort. Nun zählte er auf und erklärte es noch irgend einem anderen Lehrer, der so daneben stand: „diese sagt vieleicht und diese auch, aber sie (ich) sagt Nein, auf keinen Fall“. Heieiei. Ich erklärte noch mal lang und breit die Umstände, dass ich meine Familie und meine Freunde in Deutschland auf keinen Fall verlassen würde, so schön Peru auch ist. Aber ich habe bei ihm schon eingebüßt. Naja, gibt trotzdem sicher schlimmeres. Dann verwendete er einen ganz besonderen Trick: Er fragte Joana, wen sie denn am meisten in Deutschland vermisse: ihre Eltern, oder ihre Oma oder ihre Freunde, oder ... Joana schaltete schnell und sagte, das sie ihren Freund am meisten vermisse. „Ach, du hast einen Freund?“ (wusst ichs doch, dass er darauf hinaus will). Dann fragte er Anika und mich auch noch ob wir einen Freund haben, was wir beide natürlich bejaten. Milton schaute ein bischen dumm, weil er weis das Anika und ich eben keinen Freund haben, aber er hielt die Klappe, was ich ihm hoch anrechne. Gut, wendete Knutschi sich eben wieder Joana zu. Er habe eine Cousin, der 22 ist und eine Freundin sucht. Er wohne in der Nähe von Yungay und habe sehr viele Felder. Oh nein! Man konnte Joana direkt ansehen, dass sie diesen Vorschlag alles andere als gut findet, trotz der vielen Felder. Knutschi merkte es auch und tröstete sie mit den Worten: „mach dir keine Sorgen, ich kann das regeln, auch mit deinen Eltern“. Es war zum Totlachen. Unverständlicherweise lehnte Joana das verlockende Angebot dennoch ab. Und das, obwohl sie sich den Cousin noch nicht mal angesehen hat. Er kann bestimmt gut knutschen. Zu allem Überfluss kam jetzt auch noch Co-Rektor angelatscht. Knutschrektor klärte ihn auch gleich auf, dass Joana und Anika zweifeln, ich jedoch sofort nein gesagt hätte, als er gefragt hat, ob wir für immer in Peru bleiben wollen. Ich erklärte also nochmal, dass mir meine Freunde und Familie eben wichtiger sind als alles andere. Co-Rektor hatte eine einfache Lösung parat: Sie sollten dann eben auch alle herziehen. Na klar, dass ich darauf nicht gekommen bin :-) Ich musste ihm leider klarmachen, dass das nicht ganz so einfach ist. Das sah er dann doch ein. Ich fing an übers Wetter zu reden, da mir nichts anderes einfiel um das Thema zu wechseln. Da fragte ihn Joana doch glatt, wie die Schul-Party (auf der wir uns vom Tanzen drückten) denn noch gewesen sei. Nein!!! Jetzt hat sie ihn wieder erinnert. Und schon gings los. Die Party war so toll, warum wir so früh gegangen sind und wir haben doch gar nicht getanzt, obwohl es doch versprochen war und wie wir nur gehen konnten, ohne überhaupt zu tanzen. Prima. Wir schoben also wieder unsere unvorhersehbare Besprechung als Alibi ein, weis aber nicht ob er uns das abgekauft hat.
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Zum Glück fing dann unsere erste Stunde an, diesmal sollten wir die 5. und 4. Klasse der Secundaria (also sozusagen dann die 10. und 11. Klasse) gemeinsam unterrichten, weil in der 5. Klasse nur vier Schüler sind. Wir fingen an, über Vertrauen zu reden. Es klappte alles relativ gut und so beschlossen wir bald, mit den Spielen anzufangen. Zuerst wollten wir den „blinden Kreis“ machen, das Spiel, in dem einer mit verbundenen Augen in der Mitte steht, während zwei andere einen Kreis um ihn bilden und sich an den Händen fassen. Dann wird die Person in der Mitte sanft (man beachte bitte das Wort „sanft“) hin- und hergestoßen und gleichzeitig von den armen der anderen beiden zwei wieder aufgefangen. Und los gings. Zuerst zierten sie sich wieder alle furchtbar und es dauerte ewig bis wir mal anfangen konnten. Dann waren sie dafür aber ziemlich rabiat und schmissen sich gegenseitig durch die Klasse, dass die Hölle los war. Oh Gott, oh gott, wir waren froh als alle durch waren und wir das nächste Spiel anfangen konnten, die „blinde Schlange“. Das war das Spiel in dem alle eine Schlange bilden und die Augen verschlossen haben, nur der letzte in der Reihe konnte sehen und sollte die anderen dirigieren. Weil es jetzt doch recht viele Schüler waren, machten wir 2 Schlangen. Schlange eins fing an und spazierte fröhlich aus dem Klassenzimmer heraus. Der Kopf der Schlange, der meiner Meinung nach eindeutig blinzelte, hatte kein Problem mit dem unfallfreien Vorrausgehen, aber ein Junge mittendrin lief 2x gegen die Wand. Oh jemine. Schlange 2 machte es besser und wir waren daraufhin so mutig, dass wir die beiden Schlangen zu einer vereinigten und sie auf dem Bolzplatz rumlaufen liessen. Das haben sie dann wirklich gut gemacht und wir waren mal wieder Stolz.
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In der Pause kam ein etwas älterer Lehrer zu uns und fragte uns ganz aufgeregt, ob wir ihm einen Gefallen tun könnten. Er sei nämlich nur noch dieses Jahr hier (im Dezember endet das Schuljahr) und würde seiner Klasse so gerne Geschenke zu Weihnachten und zum Abschied machen, kann sich das aber nicht leisten. Deswegen wollte er uns bitten, ob nicht wir ein paar kleine Geschenke kaufen könnten für die Kinder. Das machen wir natürlich gern. Zum Dank war er so aus dem Häuschen, das er uns unbedingt in den kleinen Laden neben der Schule zu Keksen einladen wollte. Wir mussten uns setzten und er besorgte uns Kekse und Minibananen und wollte auch noch Erfrischungsgetränkke kaufen, aber das wollten wir dann doch nicht mehr. Es war total süß wie aufgeregt er war und als dann ein paar Kinder aus seiner Klasse auftauchten, erzählte er es ihnen gleich und sie sollten uns dafür die Hand schütteln und sich bedanken. Total lieb.
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Kaum haben wir genüßlich gegessen, kam schon Milton und eröffnete uns, das wir jetzt gegen die Lehrer von Mataquita Volleyball spielen würden. Oh nein. Ich Ballloser, muss hier echt oft ran. Also gut, dann mal auf zum Bolzplatz. Dort haben sie schon ein Netz aufgespannt und ungefähr die gesamte Schule versammelte sich um das Feld. Hab ich schon erwähnt, dass ich eine absolute Niete in Ballsportarten bin? Wenigstens Thomas und Joana waren nicht ganz so schlecht, aber wir spielten trotzdem wie die Dummbeutel. Ich schaffte es, glaub ich, einmal den Ball übers Netz zu kriegen, ohne dass er im Aus landete. Wir spielten so schlecht, dass die Lehrer anfingen sich zu langweilen und zu schimpfen. Toll. Ich fing also an mich ins Zeug zu legen. Einmal rannte ich todesmutig auf den Ball zu und wollte ihn gekonnt übers Netz schlagen. Leider schlug ich ihn nur übers Schulgebäude, den Abgrund hinunter. Ups. Ein Schüler musste ihn dann auch noch holen und mir wars dann langsam ein bisschen peinlich. Ich hoffte sogar ein kleines bisschen, das der Ball futsch war und wir nicht mehr spielen können. Aber nix da, irgendwann tauchte der Junge samt Ball tatsächlich wieder auf. Halleluja! Also, weiter gings. Was soll ich noch sagen? Wir haben natürlich Haushoch verloren und ich war froh, das es nun an der Zeit war, mit der 5. und 6. Klasse Primaria Unterricht zu halten.
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Diesmal über das Thema Mut, genauso wie in Atupa gestern. Wir setzten uns auf ein Feld und sprachen wieder darüber. Auch hier kannten nur ein paar Kinder die Worte „animo“ und „valor“. Seltsam. Auch hier klappte die Runde, in der jeder sagen sollte, wovor er sich fürchtet, erstaunlich gut. Einer von ihnen, Hernando, sagte sogar, er habe Angst vor seinen Eltern, wobei mich diese Offenheit dann doch Überraschte. Als nächstes spielten wir wieder „mein rechter Platz ist frei“. Bis auf ein Mädchen, dass immer ein bisschen rumzickte, haben wirklich alle toll mitgemacht. Was ich ein bisschen schade find, ist das in Mataquita und in Cahuish die Geschlechtertrennung so stark ist, d. H. die Mädchen wollen rein gar nichts mit den Jungs zusammen machen und andersrum. Als ein Mädchen sich zwischen zwei Jungs in den Kreis setzen sollte, hat sie gestreikt. Sie wollte einfach nicht.








In Mataquita machten wir auch Pantomime - hier sollten wir Voegel sein

In Cahuish ist es das gleiche. Nur in Atupa sind alle Kinder ein bisschen offener, was wohl am altersunterschied liegt. Deswegen ist es auch meine Liebligsschule hier. Aber dafür machen wir ja auch diesen Unterricht, damit wir dieses Problem zumindest ein bisschen beheben. Wir waren trotzdem ganz zufrieden mit unserer Klasse heute und mussten uns dann bald auf den Heimweg machen, was einige Kinder sogar schade fanden *freu*.
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Am Nachmittag sind wir dann nach Huaraz gefahren. Ich wollte schon mal das erste Weihnachtspäckchen nach Hause schicken und nahm ein paar der Geschenke mit. In Huaraz angekommen gingen wir dann zuerst auf den Kitschmarkt, wo ich eine Weihnachtsmann, oder besser gesagt, Papa Noél Mütze kaufen wollten. Nachdem das erledigt war, gingen wir auf den Placa de Armas. Dort wurden wir Zeuge eines spektakulären Auftritts: Irgend ein junger Mann im grünen Hemd drehte gerade ein Musivideo. Er stand lässig am Treppengeländer gelehnt und wackelte mit der Hüfte, während er seinen Mund so bewegte, als würde er singen. Der Kameramann dazu filmte sogar Thomas, wie er ein Foto von mir schoss, was aber auch so aussehen könnte, als würde er den Typen fotografieren. Jetzt bekommt er wahrscheinlich auch einen Auftritt in dem Video, als Gringo-Fan des begnadeten Jungen. Schade dass ich nicht weis wie der Sänger heisst, sonst hätte ich mir das Video irgendwie besorgt. Als wir dann schliesslich zur Post gingen, gab es schon das erste Problem: keine Kartons zum Verschicken. Frau Post freute sich wahnsinnig uns zu sehen, teilte mir mit, das kein Päckchen für mich angekommen sei und schickte uns zum Karton suchen in die Stadt. Wie auf Kommando fing es auch noch zu regnen an, als wir aus der Post traten. Nachdem wir in ca. 100 Läden gefragt haben, konnte ich endlich in einer Apotheke einen großen Karton erlangen. Ich beschloss ihn mit Heim zu nehmen und mein gesamtes Päckchen auf einmal zu schicken.
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Nun hatten wir nicht mehr viel zu tun. Wir beschlossen spontan, Milton-Mama einen kleinen Rosenstock zu kaufen, den ich dann in meinem tollen Karton transportierte. Als nächstes sind wir in das Maden-Fast-Food-Restaurant, das die tierische Beilage im Salat mitservierte und kauften uns jeder eine Tüte Pommes. Dann sind wir noch schnell in den Fress-Markt, der einzige supermarktähnliche Laden in ganz Huaraz um Ketchup für die Pommes, Chips und Kekse usw. zu kaufen. Ich, mit meinem Riesenkarton, schubste ca. 10 Leute um, als ich durch die engen Ladengänge trampelte. Ich dachte schon ich kriege ärger, als ich vor einem Fress-Markt Mitarbeiter meine Cola in den Karton stellte, aber er lachte nur und fand es ganz toll, dass so ein bescheuerter Touri (ich) mit einer rießen Schachtel durch die Gegend läuft.Dazu fiel dann auch noch ständig der Rosenstock um und mir auf die Hand. Ich beschloss wieder rauszuflüchten. Dann gingen wir zum Glück zum Colectivostand. Als Anika und ich mit unserem rießen Paket ankamen, sahen uns die Colectivomänner schon komisch an, wir durften mit den sperrigen Dingern jedoch hinein, wo ich dann sofort den Weg versperrte. Mir kam dann die tolle Idee, den Karton einfach unter mich zu stellen und meine Füße reinzustellen, was dann auch klappte. Dann rissen wir unsere Pommes auf und stürzten uns darauf. Ich glaube der ganze Bus hat nach Fett gestunken und wir waren ziemlich laut, so dass viele Leute gar nicht angetan waren. Ein Peruaner, der vor uns stand, drehte sich die ganze Zeit offensichtlich genervt von uns, zur anderen Seite. Tja, da müssen sie jetzt durch. Die Pommes waren eh so viele, dass wir nach der halben Tüte aufhören mussten.
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Endlich daheim angekommen, erfuhren wir von Milton, der uns mit Angel in unserem Garten besuchen kam, eine Nachricht, die unser ganzes Weltbild erschütterte: Draco ist ein Mädchen! Und noch schlimmer: Er/Sie ist die SCHWESTER von Dolly. Oh Gott. Das erklärt auch, warum irgendwie alle Dollyformathunde hier so komische Zähne haben. Sie ist nämlich gleichzeitig auch noch die Mutter von den anderen beiden Hunden die zu Besuch sind, Pequena und Memo, den wir Fettmond nennen, weil er so rießig ist. Und dieses große Vieh soll der Sohn von Dolly sein? Heieiei. Völlig schokiert, schauten wir auf dem PC Bilder an, die Angel gehören und die er vor 2 – 3 Jahren gemacht hat. Es war sehr lustig, weil sie damals alle noch total anders aussahen als jetzt. Angel lud uns dann noch zu einer Taufe am nächsten Sonntag ein, von seinem Cousin. Cool, eine peruanische Taufe. Bin ja schon mal gespannt.
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21.11.08 Kameraprobleme und Klogefängnis
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Da Angel überraschenderweise heute wieder keine Zeit hatte, hatten wir heute frei. Wir wollten einen rumgammeltag machen. In dem Wissen, dass wir uns heute nicht so stressen müssen, wollte ich mir beim Duschen schön lange Zeit lassen. Ich stand also grad so schön drunter - das Wasser war gut heiss - und nahm extra viel Schampoo, weil meine Haare von gestern noch voll eklig waren. Auf einmal wurde das Wasser kalt... und wurde immer weniger ... oh,oh. Ich stellte mich sofort unter die größten Tropfen, die noch rauskamen. Ca. 10 Sekunden, dann war das Wasser weg. Mist. Das war genau das, was ich immer befürchtet hab, wenn ich unter dieser Dusche stand. Ich befreite meine Haare so gut es eben ging mit dem Handtuch vom Schaum und zog mich an. Eigentlich wollte ich den heissen und freien Tag ja nutzen, um meine Wäsche zu waschen und mal ein bisschen zu putzen und Geschirr zu spülen.War wohl nix. Dann machte ich eben an meiner Mütze weiter.
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Es war wirklich unglaublich heiss und es war richtig schön, so in der Sonne zu brüten. Irgendwann kam Nino, Miltons Bruder dann mal vorbei und wollte mit uns ins Schwimmbad, wir entschieden uns jedoch dagegen, weil ich mich noch gut an diese Dreckbrühe erinnere und mir geschworen habe, dort nie wieder hinzugehen. Wir sagten ihm, wir würden nach Huaraz fahren und er bat uns daraufhin, dass wir seinen Laptop mitnehmen um ihn reparieren zu lassen, weil er nicht mehr funktioniert. OK. Geht ja schnell, ausserdem wollte Thomas noch Fotos ausdrucken lassen. Gesagt, getan, wir sind also nach Huaraz gefahren. Während der Fahrt mussten wir einmal umsteigen, weil sie den Colectivo, in dem wir sassen aus dem Verkerhr gezogen haben. Der neue, war allerdings auch in keinem besseren Zustand und mein Sitz war gar nicht mehr richtig ferst, so dass ich immer nach vorne geflogen bin.
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Zum Glück waren wir bald da und machten uns auf zum Kitschmarkt, um nach Weihnachtstüten für unsere Kinder zu schauen. Ich ging zu dem Stand, an dem ich gestern die Weihnachtsmann-Mütze gekauft habe, weil ich mir dachte, die hat bestimmt welche. Als ich sie fragte, ob sie solche Tüten habe, schüttelte die Frau den Kopf und fing auf einmal an, von der Mütze zu reden. Ich verstand gar nicht, was sie wollte und sagte ich hätte doch schon eine. Nein, meint sie, die andere Mütze die sie mir gezeigt hat, bla bla bla (irgendwas unverständliches). Ich sagte also wieder, das eine Mütze doch genug sei. Irgendwann, nach dem 5. Versuch verstand ich endlich was sie wollte: Ihre andere Mütze die sie mir gezeigt hat, war weg und sie dachte, dass ich sie geklaut habe! Ich sagte dass wäre doch Blödsinn und das sie sie bestimmt verlegt habe (zum Verständnis: alles Stände im Kitschmarkt sind vollgestopft und unaufgeräumt, es ist ein leichtes, dort was zu verlieren). Sie blieb aber Stur und bestand darauf, dass ich die Mütze hätte. Irgendwann ging mir echt der Hut hoch und ich sagte ihr, dass ich es bestimmt nicht nötig habe so eine blöde Mütze zu klauen, weil ich mir das grad noch leisten kann. Mann, mich hat es so geärgert, dass mein Spanisch nicht ausgereicht hat, um mich in dieser hinsicht besser zu verständing. Ich muss unbedingt mal wieder mehr Vokabeln lernen. Ziemlich sauer bin ich dann weitergerauscht, Thomas hinterher. Ich hoffe sie findet ihre blöde Mütze noch, damit sie weis, dass ich sie nicht hab. War ja klar, dass gleich die Gringa der Bösewicht ist. Mann war ich sauer.
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Wir sind dann erstmal zum Fotoladen um Thomas seine Bilder auszudrucken. Es waren auch ein paar Klassenfotos dabei, die wir gerne doppelt wollten. Der Junge, der uns bediente, hatte dafür ein besonderes System: Zuerst schrieb er unter jedes Foto, dass wir doppelt wollten: 2 Fotos. Da das aber nicht funktioniert, weil man ja nicht 2 Fotos gleichzeitig den selben Namen geben kann, nannte der die anderen 2 Fotods, 2 Fo, usw. OK. Dann, schob er nochmal alle Fotos in einen anderen Ordner, wobei er die 2 Fotods-Fotos jedoch nicht von den anderen trennte, sonder mit ins Gewühl nahm (es waren ca. 100 Fotos die wir drucken lassen wollten). Ich ahnte schon, dass das nicht gut gehen kann, wollte aber abwarten. In der Zwischenzeit, wollten wir den Laptop abgeben und gingen in einen Elektroladen, der ein bisschen kleiner war. Scheinbar war hier schon länger kein Kunde mehr erschienen, weil die Leute die hier arbeiteten alle ganz aufgeregt waren und sich von ihrer Telenovela losrissen, die lautstark durch den Laden brüllte. Ich gab einem Herrn den Laptop. Er drückte rum. Und drückte rum. Und drückte rum. Im Hintergrund die Telenovela, in der ständig ein Mann „soy libre, soy libre“ in voller Lautstärke brüllte. Hm. Irgendwann fragte ich ihn, ob wir ihn hierlassen und später wieder kommen sollen. Er war so vertieft, dass er gar nicht hörte. Nach dem 2. Mal fragen, sagte er dann schließlich, ja, ja, er weis wo das Problem liegt. Wunderbar.
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Also sind wir wieder zum Foto-Laden um unsere Bilder abzuholen. Als wir sie ansahen, fehlten sonderbarerweise die Kopien von 3 Klassenfotos, na so was. Wir beschlossen es gut sein zu lassen, weil wir die Fotos ja jederzeit wieder machen lassen können. Nach einem kurzen Besuch im Fressmarkt und im Internet, gingen wir wieder in den Elektroladen. Als wir kamen sassen wieder alle vor der Telenovela und der Laptop lag abseits. Der Typ erschrak richtig, als er uns sah und sagte dann irgendwas viel zu schnell auf spanisch, so dass wir ihn nicht verstanden. Als wir ihn baten langsamer zu reden, dachte er sich, es wäre wohl gescheiter auf Englisch weiterzureden. Also zog er ein ziemlich angestrengtes Gesicht und sagte: „un... un.. une.. äh, one... one ti, one ti“. Leider wusste ich überhaupt nicht worauf er hinaus will. Ich: „Ähm, wie bitte?“. Er : „One ti, one ti“. Auf unseren recht blöden Gesichtsausdruck hin, schwenkte er dann doch auf spanisch und sagte „una hora“, eine Stunde. Na also. Er gab den Laptop dem „Computer-Experten“ in unserem Laden, der sich gleich mit ihm hinsetzte und anfing, ihn umzudrehen uns auf den Garantieschein zu starren und mit einem Gesicht, bei dem man ihm genau ansah, dass er keine Ahnung hat, was er tut, auf den Power-Knopf zu drücken. Ich fragte, ob er auch wirklich weis, was das Problem wäre. „Ähm, si, si“. Wir nahmen ihn dann doch wieder mit, weil er halt leider nicht so aussah, als ob er Ahnung hat und wir nicht eine Stunde umsonst rumlaufen wollten und sagte ihm, wir kämen Morgen wieder. Das hatten wir allerdings nicht vor, sondern wir wollten in einen anderen, größeren Laden. Dort, wurde uns das Gerät freudig entnommen und wir sollten nochmal eine halbe Stunde rausgehen.
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Na gut, wir beschlossen, schnell in eine Filiale von Maden-Fast-Food zu gehen, weil Thomas Pommes wollte. Ich beschloss einen Salat zu Essen. Wir setzten uns und ich rief schnell Anika und Joana an, dass es noch ein bisschen dauert und sie sich keine Sorgen machen müssen. Als ich noch telefonierte, kam die Bedienung zu Thomas und sagte ihm, es gäbe nur Hähnchen. Thomas wollte aber Pommes und das bestellte er dann auch. Bedienung: „halbes oder vierteltes Hähnchen?“ Thomas: „nein, nur Pommes“, Bedienung: „es gibt nur halbe oder viertelte“, Thomas: „nein ich möchte nur Pommes“. Resigniert gab Mr. Bedienung auf und wendete sich mir zu. Ich habe gerade aufgelegt und war mim Kopf noch gar nicht im Restaurant, als er mich fragte: „halbes oder vierteltes Hähnchen“. Ich sagte: „Salat“, er sagte: „mit halben oder viertelten Hähnchen“. Ich: „nein, nur Salat, ohne Fleisch“. Er: „nur Salat, ohne Kartoffeln?“ Ich (die schlauerweise dachte, Kartoffeln wären Kartoffeln) sagte: „doch, mit Kartoffeln aber ohne Fleisch“. Aha. Er, zu Thomas: „möchtest du das selbe wie sie?“ Thomas: „nein, nur Pommes“. OK. Das verwirrte ihn scheinbar so sehr, das er ganz vergaß nach unseren Getränken zu fragen. Ich rief ihm noch schnell hinterher, dass ich ein Wasser möchte, Thomas bestellte Inca Cola. Dieses kam dann auch sofort, aber mein Wasser dafür nicht. Kurz darauf sah ich auch warum: Die Bedienung musste erst auf die andere Straßenseite zu der Hauptfiliale von Maden-Fast-Food laufen um mein Wasser zu holen. Als dann unser Essen kam, hatte ich Pommes und Salat, dabei hatte ich ja eigentlich nur Salat bestellt. Aber ich Idiot war so verwirrt, das ich gesagt hab „mit Kartoffeln“ was bedeutet „mit Pommes“. Ok, was solls, die Pommes sind ja dafür auch richtig lecker. Als wir fertig waren, wollte ich noch schnell aufs Klo, bevor wir wieder losstarten. Ich ging also zu einer Trennwand, auf der „Bano“ stand, also Klo. Dahinter befand sich eine Tür zum Klo. Ich trat ein und bemerkte erstmal, dass die Klotür nicht abschliessbar ist, sie hatte noch nicht mal einen Türgriff, sondern bestand einfach aus glattem Holz. Gut, ich machte sie eben so fest wie es ging zu und hielt sie auch zu, während ich auf dem Klo war. Als ich mich umdrehte, sah ich bereits wieder ein altbekanntes Bild: Das Klo-Fenster hatte keine Scheiben, sondern war einfach ein Loch nach draussen. Wie schön. Schnell wollte ich mir die Hände waschen und wieder raus, aber: Das Waschbecken, das schon schief in den Angeln hing, hatte keinen Wasserhahn! Oh mann. Schlimmer konnte es ja kaum kommen. Es kam schlimmer. Ich wollte die Tür öffnen, was aber leider nicht ging, da es ja nur glattes Holz ist und ich sie fest in den Rahmen gedrückt hab. Mist, wie komm ich denn jetzt wieder raus? Ich hatte noch nicht mal mein Handy dabei, um Thomas anzurufen, dass er mich befreien soll. Alles rumzupfen und klopfen half nichts, ich hatte mich im Klo eingeschlossen. Verdammt. Als ich mich nochmal verzweifelt umsah, sah ich die rettende Lösung: Die Tür hatte über dem Rahmen noch ein Fenster, ebenfalls ohne Glas. Ich stieg also auf die Kloschüssel, die beinahe runtergekracht wäre und konnte mich, wenn ich auf einem Bein stand und mich nach vorne streckte, mit der Hand gerade über den Rahmen und von aussen gegen die Tür drücken. Nachdem ich einmal abgerutscht und runtergefallen bin (zum Glück auf die äußere Seite der Kloschüssel) gelang es mir tatsächlich die Tür zu öffnen. Glück gehabt.
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Wir zahlten und verschwanden. Zurück im Elektroladen, stand der Laptop auf einem Tisch rum und kein Mensch machte auch nur den Eindruck, er hätte etwas mit damit zu tun. Unser Verkäufer, der uns eine halbe Stunde weggeschickt hat, war verschwunden. Die anderen, die noch so im Laden rumlungerten, saßen entweder gelangweilt rum, oder tanzten, zu Grupo 5, das aus den Lautsprechern des Ladens ertönte. Als ich längere Zeit zu einer Gruppe von 3 fröhlichen Verkäufern hinsah, namen die beiden Damen den Mann der noch bei ihnen stand, links und rechts am Arm und trugen ihn zu uns hin. Dieser drehte aber gleich wieder um und ging wieder. Jaja, hier ist der Kunde eben noch König. Kurze Zeit später, erspähten wir jedoch unseren Verkäufer. Er rannte auf uns zu, in seiner Hand eine Art Döner und kam einen halben Meter schlitternd vor uns zum stehen. Der Laptop sei fertig, meinte er, alles super. Ich musste ihn die ganze Zeit blöd angrinsen, weil er noch voll die Essensreste im Gesicht hatte und ausserdem nach Knoblauch stank. Na also, dann konnten wir uns doch endlich auf den Weg nach Hause machen. Aus unserer „Stunde“ in Huaraz, wurden dann doch wieder mal vier Stunden. Hauptsache der Laptop ist jetzt wieder funktionstüchtig.
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Im Colectivo saßen wir neben einer Frau, die total aus dem Häusschen war, weil sie uns erkannte. Sie meinte wir seien damals auch auf der Fiesta in Jangas gewesen (an dem Tag, wo es das erste mal Cuy gab). Und dann sagte sie zu ihrer Freundin, wir waren total besoffen. Was absoluter Blödsinn war, weil wir an dem Tag gerade mal 2 Schlücke Bier gekostet haben. Die Frau beharrte aber darauf. Thomas hat sich ein bisschen aufgeregt, ich denke halt, sie wollte sich wichtig machen und hat deswegen einfach irgendwas erzählt. Aber ein bisschen ärgerlich war es schon, weil wir ihr gesagt haben, wir verstehen was sie sagt, und sie aber trotzdem über uns voll den Schmarrn verzapft hat, und so tat als würden wir das eh nicht merken. Egal, soll sie sich über ihren Triumpf etwas über uns erzählen zu können, freuen, mir solls recht sein.
ggg
22.11.08 Stromausfall und Spaghettidusche
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Heute waren wir – wär hätts gedacht – wieder mal in Huaraz. Wir haben extra jeder nur ein halbes Brot zum Frühstück gegessen, weil wir schnell zur Post wollten um unsere Weihnachtsgeschenkpakete für daheim abzugeben und danach schön Frühstücken wollten. Im Colectivo musse ich mich ganz hinten reinsetzen, weil er schon total vollgestopft war. Neben mir saß ein recht komischer Typ und auf der anderen Seite eine alte Oma. Auf einmal, fing es bei dem Typen zu quitschen an. Ich dachte zuerst es wär das Auto, aber dann quitschte es immer öfter, so wie ein Tier. Naja, kann ja sein, das der Typ eine Ratte besitzt und mitschleppt, komisch genug sah er ja aus. Aber ich konnte nirgends eine Ratte sehen, so sehr ich ihn auch heimlich aus den Augenwinkeln beobachtete. Als ich mein Bein bewegte, sties ich gegen etwas untetr meinem Sitz. Heieiei, was ist denn heut los? Ich dachte es wäre das Bein der Oma und beschloss besser aufzupassen. Aber auf der anderen Seite, stiess ich auch wieder gegen etwas. Das quiken wurde auch immer mehr und ganz aufgeregt. Ich schaute also einfach mal unter meinem Sitz nach, was sich da alles so tummelt. Die Antwort kam prompt: Meerschweinchen! Und zwar ein ganzer Sack voll. Arme Viecher. Daneben war ein Sack mit Hühnern. Die taten mir voll leid. Doch damit nicht genug. Als ich auf den Boden sah, bemerkte ich ein Loch im Colectivoboden. Ich konnte auf die Straße unter uns sehen. Wie schön, öfter mal was neues. Ich wartete schon darauf, dass er demnächst ausnanderkracht. Aber es ging nochmal alles gut. Der Colectivo hielt an und Mr. Seltsam stieg aus. Aus dem „Kofferraum“, der direkt unter meinen Sitz führte, holte er die beiden Tiersäcke. Aha, Mr. Seltsam ist also Meerschweinchenhändler. Na, das passt.
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Als wir endlich ausstiegen, hat sich gleich ein Mann unsere Pakete geschnappt und in so ein Frachtfahrrad gepackt. Wir holten sie wieder raus, mit der Erklärung, wir wollten sie selber tragen. Ich glaube da war er gleich ein bisschen beleidigt, aber ich lass doch meine Sachen nicht bei irgendwem auf dem Fahrrad. Wir verschwanden schnell und wollten noch schnell unseren Pass kopieren lassen, weil wir das für die Post brauchen. Aber, als wir in einen Copyshop gingen, gab es eine schlechte Nachricht: in Huaraz ist der Strom ausgefallen. Als wir nachfragten, ob dies in ganz Huaraz der Fall wäre, wurde es bejaht. Tja, das ist jetzt natürlich ungünstig. Wie liefen weiter Richtung Post und 2 Blöcke weiter hinten, gab es dann wohl doch wieder Strom. Glück gehabt. Ich verarbeitete mein Päckchen, während die anderen ihr Zeug kopieren liessen, nochmal gründlich mit braunen Klebeband, das wir kurz davor noch schnell gekauft haben. Die Damen in der Post sind nämlich sehr gemächig und wir wollten ja bald frühstücken, deswegen hab ich schon alles vorbereitet und war sehr stolz drauf.
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In der Post angekommen, machte ich mich freudestrahlend auf dem Weg zum Schalter. Frau Post (diesmal eine andere), sagte zu mir, sie müsse den Inhalt des Pakets sehen. Wie bitte? Die andern hat das auch immer nie interessiert und kaum mach ich mal alles zu, will sie es auf einmal sehen. Ich sagte, dass schon alles in Geschenkspapier eingewickelt ist und das ich es nicht aufmachen will, es sind wirklich und ganz ehrlich nur Geschenke drin, großes Ehrenwort. Gut. Sie spielte ihren zweiten Trumpf aus: Braunes Klebeband darf man nicht verwenden. Häh? Wie bitte, was soll denn der Müll jetzt. Ich war schon restlos genervt, als sie mir sagte, ich soll hinter den Schalter kommen. Gut, bin ich eben dahintergedackelt. Dann sagte sie irgendwas von wegen kontrollieren und fing an die Kundin nach mir zu bedienen, eine Finnin, die 6 Pakete hatte. Na Prima. Ich stand derweil blöde hinter dem Schalter rum und goschte ein bisschen. Frau Post wiegte in aller Ruhe Paket Nr. Eins der Finnin und fing dann an, die gesamte Zieladresse gemächlich mit 1 Finger-Suchsystem in den PC zu tippen. Ich wartete darauf, dass sie etwas zu mir sagt, tat sie aber nicht. Fein. Ich fing an, ein bisschen am Klebeband rumzuziehen, weil ich dachte, sie sagt dann was dazu, so von wegen „Aufmachen, bitte“. Sie beachtete mich nicht, sonder wog schön gemütlich Paket Nr. 2 der Finnin und tippte wieder Schildkrötenartig die Zieladresse. Oh Gott, wir hatten schon alle so Hunger und wollten jetzt unbedingt Frühstücken. Ich fing an, das Klebeband so gut es ging zu entfernen, weil ich leider keine Schere noch sonst etwas zum Öffnen hatte. Frau Post kümmerte sich gerade um Paket Nr. 3. Ich fing an zu reissen und zu zerren, weil ich das Paket wirklich gut verschlossen habe. So was blödes. Als ich es fast offen hatte, war Frau Post bei Paket 4 angelangt. Na, kann sich ja nur noch um Stunden handeln. Ich zerriss vor lauter ungeschicktheit auch noch das Paket ein bisschen und mit dem letzten Reiser, hatte ich das Paket endlich offen. Alles klebte irgendwo und überall lag Klebeband rum. Frau Post war nun auch fertig. Sie drehte sich um und sagte: „Oh, jetzt hast dus aufgemacht. Hättest du aber nicht müssen (Grrrr, wieso holt sie mich dann hinter die Theke?) Ach, sind ja wirklich Geschenke. Tja, man weis ja nie, hätten ja auch Drogen sein können“. Klar, ich verschick mal eben 3 Kilo Cocablätter mit der Post. Dann wollte sie irgendwie noch, dass ich das Paket kleiner mach und fin an mit dem Messer rumzuschneiden. Ich versuchte mir einzureden, dass sie es ja nur gut meint und half ihr und machte irgendwelche blöden Witze, damit ich wieder freundlichen rüberkomm. Wir verstanden uns dann doch noch recht gut, als wir zusammen mein Paket zusammenquetschten. Danach beschwerte sie sich jedoch, das sie mit uns schon viel Arbeit hätte. Tja, hätte sie mein Paket in Ruhe gelassen, hätte sie gar keine Arbeit gehabt, aber gut. Bei Joanan fragte sie auch noch mal Skeptisch nach Drogen, öffnen musste sie es jedoch nicht und bei Anika war es ihr dann wohl schon egal, da machte sie gar nichts mehr. Gut.
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Als wir fertig waren, war es halb zwölf. Ade, Frühstück. Wir beschlossen noch schnell zum Busunternehmen Movil-Tours zu gehen, um unsere Fahrkarten für die Fahrt nach Trujillo, zum Visumverlängern in zwei Wochen zu kaufen. Als wir da waren, konnte der Busmann aber leider nichts machen, weil in diesem Teil der Stadt der Strom immer noch ausgefallen war. Ok, sind wir eben wieder zurückgelaufen. Auch in die Geschäfte konnten wir nicht gehen, weil alle Häuser so eng gebaut sind, dass es kaum Fenster gibt und alles zappenduster war. Wir beschlossen wieder in das Restaurant zu gehen, in dem wir das letzte mal schon so gut gegessen hatten. Gesagt, getan. Die Bedienung, ein vielleicht 16-jähriger Junge, der schon das letzte Mal mein Wasser verplant hat, war auch heute wieder nervös. Als wir unsere Bestellung abgaben, (Thomas wollte Spaghetti Bolognese, Joana und ich Spaghetti Primavera, mit ganz viel leckerem Gemüse und Anika Tortelini) hat er schon ein paar mal nachfragen müssen. Als er dann schliesslich mit dem Essen kam, stellte er Thomas Bolognese vor die Nase und mir Spaghetti Napoli. Als ich zu ihm sagte, ich wollte aber Primavera, meinte er, „si Primavera“. Mhm. Na gut, ich konnte auch Napoli essen, was solls. Ich wollte die Spaghetti gerade nehmen, da fiel dem Jungen das Tablett runter. Mit einer Schüssel voller Spaghetti Napoli. Und zwar auf meinen Rucksack. Oh, oh. Zum Glück hat er nicht mich getroffen, das wäre nämlich eine ganz schöne sauerei geworden. Der arme war ganz unglücklich und wusste gar nicht was er machen soll. Ich glaube er hätte beinahe geheult. Dann hat er Kehrschaufel und Besen geholt und so gut wies ging sauber gemacht. Ich säuberte meinen Rucksack mit Servietten. Nun war er erst recht verplant und traute sich auch gar nicht mehr zu uns. Irgendwann kam dann der Chef des Hauses und brachte unser Essen (schon wieder Spaghetti Napoli) und entschuldigte sich nochmal. Wir versicherten ihm, dass es nicht so schlimm sei, weil wie befürchteten, dass er den Jungen bestraft. Anika bekam dann auch Spaghetti Napoli, die sie Joana gab, weil wir dachten, er hätte einfach Primavera mit Napoli vertauscht. Anika musste dann am längsten warten und bekam: Unsere Primavera. Toll. Als sie sie dann aß, war es für mich fast schlimm, weil ich mich so sehr auf diese Primavera gefreut habe und sie dann nicht haben konnte. Aber Anika lies mich dann ein bischen mitessen weil die Portion echt rießig war. Wir gönnten uns noch eine Nachspeise (und unser kleiner Bedienungsverplaner konnte gar nicht glauben dass wir bei ihm tatsächlich noch was bestellen) und gaben dann, weil wir Angst hatten, dass er die Portion die er runtergeschmissen hat von seinem eigenen Geld zahlen muss, viermal so viel Trinkgeld wie normal, womit die Portion abgedeckt war und er trotzdem noch ein bisschen Trinkgeld übrig hatte. Es ist eben bisher das beste Restaurant das wir gesehen haben und das muss auch belohnt werden.
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Im Internetcafe funktionierte diesmal alles, was wirklich ein Wunder war. Das erstemal überhaupt, dass keiner Probleme hatte. Als wir zurück zum Colectivostand gingen, bemerkten wir, das morgen ein Bus nach Chavin (Touristenort) fahren würde und wir beschlossen, wenn Milton keine Zeit hatte uns die Aussicht von Huaraz zu zeigen, was er eigentlich vorhatte, dorthin zu fahren. Cool, wir freuten uns schon wie die Schnitzel.
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Beim Abendessen erzählten wir Milton davon. Er war dann ziemlich kurz angebunden und sagte nur immer „wenn ihr es wünscht, dann könnt ihr da schon hinfahren“. Da wir ursprünglich mal zusammen fahren wollten, fragten wir ihn, ob er mit will. Nein, er könne nicht, weil er schon was vorhat. Wir fragten ob wir es verschieben und dann zusammen fahren sollen. Nein, wenn wir es wünschen, geht das schon. Auch als wir fragten ob es ihm irgendwie was ausmacht, sagte er zwar Nein, wirkte aber so, als würde es wohl was ausmachen. Aber gut, wenn er sagt es geht, dann machen wir es auch. Abgemacht. Joana fragte den ungesprächigen Milton daraufhin, was er denn morgen mache. „Ach“, druckste er rum, „ ich geh morgen auf so eine Taufe“. Taufe? Da war doch was.... Scheiße, die Taufe, auf die Angel uns eingeladen hat. Da sollten wir natürlich schon hin. Das haben wir total vergessen. Drum war er so komisch. Oh Mann. Wir sagten ihm, dass wir natürlich schon zur Taufe kommen würden. Aber Milton war schon wieder zu höflich, nein, nein, wenn wir lieber nach Chavin wollen, können wir da schon hin. Wir: „nein, wir gehen zur Taufe“, Er: „nein, wenn ihr das machen wollt, geht nach Chavin“. Nach ungelogen 15x hin- und her glaubte er uns endlich, das wir zur Taufe gehen wollen und war schon wieder ein kleines bischen besser drauf. Puh, gut das Joana ihn zufällig gefragt hat, was er macht, sonst wäre es ganz schön peinlich geworden, auch Angel gegenüber. Als er immer noch ein bisschen beleidigt war, lästerten wir einfach ein bischen über Ariane, was ihn mächtig aufbaute. Wir waren schon total gespannt. Eine peruanische Taufe. Wir überlegten sogar kurz, uns noch Röcke zu kaufen, schliesslich muss man sich da doch schick machen. Milton meinte aber, es geht auch so. Na gut. Dann bin ich ja mal gespannt.

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23.11.08 Barrick und Borrachos
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Heute war also die Taufe. Um 11 sollte die Messe losgehen und ich war schon ganz gespannt. Zuerst musste ich aber meine Wäsche waschen, weil es in letzter Zeit immer gerade dann kein Wasser gab, wenn ich mal Zeit gehabt hätte zum Waschen. Ich packte also alle meine Klamotten, ausser die, die ich anhatte, in einen Bottich und begab mich in Dracos (oder besser Dracinas) Reich. Das Waschen dauerte ewig. Als ich endlich fertig war, musste ich noch abspülen und letztendlich duschen. Endlich gab es mal genug Wasser für all diese Sauberkeitsaktionen. Gleich nach dem Duschen kam Milton um uns zum Frühstücken zu holen. Ich beschloss meine Haare später zu fönen und hab mich auch sonst nicht mehr hübsch gemacht, weil wir ja nur frühstücken. Nach dem Essen, teilte Milton uns mit, dass auf dem Placa de Armas eine Parade stattfinden sollte und wenn wir die sehen wollten, müssen wir jetzt dann gleich gehen. Oh nein, ich war doch noch gar nicht ausgehfertig. Schnell packte ich mir meine volle Kaffeetasse und hastete in mein Zimmer, um mir wenigstens die Haare zu fönen. Ich war grad fertig, da mussten wir auch schon los.
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Noch schnell den Kaffee auf dem Weg zum Hoftor ausgetrunken und ab nach draussen. Heute war mal wieder super Wetter, ich tippe auf 29 Grad. Wir setzten uns vors Rathaus und dann ging die Parade auch ziemlich schnell los. Zuerst mussten sich einige Schüler der größeren Schulen rund um Jangas (Tarica, Paltay, Jangas und nochmal die Privatschule von Tarica) auf den Platz stellen und die Fahnen zeigen. Dazu viel Gelaber von irgendwelchen wichtigen Leuten. Danach mussten sie sich an den Anfang der Straße stellen und nacheinander auf die andere Seite marschieren. Der Marsch war sehr komisch, weil sie nicht wie bei uns, einfach die Beine heben, sondern die Schritte mit weit nach vorne gestreckten Beinen machen und dazu jeweils den gegenüberliegenden Arm auch nach vorne Strecken. Ich konnte mir nicht helfen, ich fand sie sahen aus wie Hampelmänner, aber sie nahmen es sehr ernst und in ihren Schuluniformen und mit den Fahnen, machte das Bild schon was her. Danach wurden auf dem Placa de Armas die Fahnen von Peru und von Jangas gehisst und es wurde die Nationalhymne gesungen. Schön. Ich dachte wir könnten dann gehen, weil es schon halb elf war und ich mich noch umziehen und ein bisschen frisch machen wollte. Aber Milton wollte noch bleiben, weil es noch irgend eine Parade mit den typischen Trachten geben sollte. Na fein. Die Parade begann. Es war wirklich ganz interessant anzuschaen, weil sie auch Festwagen gebastelt haben. Im Grunde war aber alles nur eine riesen Propagande für Barrik, die Miene hier, mit der irgendwelche Kanadier viel Geld machen und die Peruaner natürlich vernachlässigt werden. Milton erklärte uns auch, dass alle die in der Parade mitgehen bezahlt werden, weil sonst nämlich keiner mitgemacht hätte.
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Als die Parade dann vorbei war, war es schon fünf nach elf. Wir hasteten nach Hause und ich zog mein noch nicht ganz trockenes T-Shirt an und machte mich fertig. Dann gings ab in die Messe. Wir fühlten uns ein wenig unwohl, weil wir ja eigentlich mitten in die Messe platzen. Als wir aber da waren, merkten wir, dass es kein Problem ist, da in der Messe ein ständiges kommen und gehen war. Es waren eh zu viele Leute für die paar Kirchenbänke da und die Kinder, aber auch ein paar Erwachsene gingen mal wieder raus und rein, oder liefen vor und zurück. Ansonsten war aber alles ungefähr so wie bei uns, zumindest der Ablauf. Nur, dass der Gesang hier viel schöner ist. Es war zwar ohne Orgel, aber irgendwie können die hier alle gut singen. Es war richtig schön zuzuhören und die Lieder sind viel melodiöser und fröhlicher als bei uns. Als die Messe aus war, ging dann die Taufe erst los. Das war ein bisschen anders, weil es nur ein Kind mit ca. einem halben Jahr gab und die anderen beiden Kinder schon 7 waren. Ein Mädchen,das aussah als hätte sie Komunion in ihrem weisen Kleid und ein Junge, der Cousin von Angel, der einen Anzug anhatte. Der Pfarrer war ganz cool und die ganze Zeremonie war ruckzuck vorbei.
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Danach gings nach draussen. Dort standen wir erstmal 10 Minuten rum, Milton, Angel und wir vier deutschen. Alle anderen standen vor einem Haus rum und tranken Bier (es war 12 Uhr Mittags). Irgendwann gingen wir dann doch, natürlich nicht ohne am Zwiederladen vorbeizukommen und dort einen Kasten Bier für den Vater des Kindes zu kaufen (wir hatten übrigens nichts für das Kind). Dann gingen wir in eine Gaststätte in Jangas, die einen wunderschönen Garten hatte, wo die Feier stattfand. Angel wurde gleich eingezogen zum helfen und wir anderen pflanzten uns unter einem Avocadobaum um einen Tisch herum. Bald brachte Angel uns was zum Essen, zum Glück keine Hühnerkrallensuppe, sondern lecker Reis mit Zwiebeln, Kartoffeln und nur ein bischen ekliges Schweinefleisch und Schafsfleisch. Vom Fleisch aß ich nur wenig, da hier einfach alles mitgegessen wird, was so drin steckt und ich viel Fett und Fasern hatte. Trotzdem war es lecker und es gab total gutes Brot dazu, das Angel gebacken hat (er ist übrigens Bäcker in der Panaderia seiner Eltern). Fein. Danach kam der Vater des Kindes, der schon gut einen im Tee hatte und gab uns eine Runde Pisco zum trinken. Da ich das Nationalgetränk noch nicht probiert hatte, war ich besonders gespannt. Es schmeckt wie weisser Tequila, den ich leider nicht mag, aber er war trotzdem gut für unseren vollgestopften Bauch. Jetzt hätte nur noch eine Nachspeise gefehlt. Das ist aber leider nicht üblich. Wir schimpften Angel, da er doch Bäcker ist und ein kleiner Kuchen genau richtig gewesen wäre. Tja, Pech gehabt. Joana und ich gingen schnell in einen der 1000 Läden von Jangas und kauften Kekse und so eine Art Milka Tender. Fein, alle Bedürfnisse befriedigt.
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Es gab übrigens Freibier und hier trinkt man immer aus kleinen Bechern oder Gläsern. Das ist schlecht, denn man trinkt unwillkürlich schneller und mehr als aus der Flasche. Die Flaschen sind auch ein bisschen größer als bei uns, nämlich 0,65 Liter. Naja, was soll ich sagen, wir tranken alle fleissig und wurden immer lustiger. Hinter unserem Tisch war ein Truthahn angebunden, der ständig die Farbe seines Halses von Weiß auf Rot wechselte (und umgekehrt) was wir super lustig fanden.






Mr. Truthahn






dfffddd






Irgendwann ging dann das getanze los. Mama-Milton war auch da, mit Nino, Miltons Bruder und er tanzte die ganze Zeit mir ihr, was ich total lieb von ihm fand. Ich wollte auch gern tanzen, weil es mir hier total Spaß macht, die andern drei wollten aber nicht. Nun, es konnte nicht mehr lang dauern bis wir aufgefordert werden, ein paar besoffene ältere Männer vom Nebentisch riefen schon dauernd nach uns. Wir beschlossen Heim zu gehen, es war schon halb fünf und deswegen eine gute Zeit zum verschwinden. Auf dem Heimweg plagte mich das schlechte Gewissen. Irgendwie ist es schade, dass wir immer früher gehen und nie etwas bis zum Schluss durchziehen. Vielleicht sollten wir das einfach mal machen um uns beliebter zu machen (was nicht heisst, das uns keiner mag, aber die Peruaner lieben Partys und wir wollen doch auch geliebt werden).
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Schön angedüdelt kamen wir daheim an und fingen gleich an, unseren Wein zu öffnen. Irgendwie brachte auch jeder Schokolade und Chips an und wir tranken und mampften alles durcheinander und viel zu viel. Der Wein war bald leer und wir öffneten den nächsten. Ich ass dazu auch noch einen ganzen Ranken Weintrauben und danach machten wir uns noch Nudelsuppe. Exakt nach dem letzten Löffel Suppe fing es mir an schlecht zu werden. Oh, oh. Wir beschlossen aber trotzdem nochmal zur Fiesta zu gehen, damit wir nicht als Langweiler dastehen. Also, auf gings. Mittlerweile war es schon dunkel (19 Uhr) und keiner von uns hatte mehr irgendwelche Hemmungen. Nur, das mir schlecht war und ich gleichzeitig dazu auch noch Magenschmerzen hatte. Priml.
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Auf der Party angekommen, wurden wir mit grossem Hallo begrüßt. Es steppte der Bär und alle tanzten. Wir setzten uns und bekamen gleich einen Becher Bier in die Hand. Oh nein. „Sabine, bitte trink, trink wie ein Peruaner (Becher auf Ex)“. Na gut, bevor ich mich schlagen lass. Dann gings los, Milton forderte zum Tanz. Dieser Einladung kam ich trotz allem gerne nach und es machte Spaß. Danach ging es mir noch schlechter, aber ich musste der Ehre wegen, natürlich noch mal wie ein Peruaner trinken. Nächste Tanzrunde. Milton fragte Joana, Nino schnappte sich Anika und Thomas tanzte mit Milton-Mama. Ich dachte mir, „fein, jetzt frägt mich gleich Angel“, der schon so halb auf demWeg war und mich ansah. Kurz bevor er seine Hand hob, sprang auf einmal ein etwas seltsam aussehender Kerl auf mich zu. Ich konnte nicht mal sein Alter einschätzen, keine Ahnung. Gut, tanz ich halt mit ihm. Ich habe gedacht ich muss sterben. In meinem Magen feierten die Trauben eine wilde Party und Mr. Schwereinschätzbar wirbelte mich rum und wurde immr schneller. Ich glaube auch er war ziemlich borracho (besoffen) und er hatte Warzen an den Händen, mit denen er meine umklammerte. Das Lied wollte und wollte nicht enden (die meisten Lieder dauern hier 7 – 10 Minuten) und mir gings immer beschissener. Oh je, oh je. Endlich war es vorbei. Borracho Nr. 1 wollte mich Arm in Arm zu den Stühlen zurück führen, da kamm auch schon Milton, unser Hero und packte mich um mich von ihm weg zu bringen. Anika hatte weniger Glück, zu ihr kam ein noch besoffenerer Kerl (ich nenne ihn mal Borracho Nr. 2) der ihr sagte, sie sei so schön und solle doch mit ihm kommen. Mann war ich froh, dass ich nur Borracho light erwischt habe. Ich entschied, besser mal aufs Klo zu gehen und es war eine gute Entscheidung. Als ich nämlich keine Trauben mehr intus hatte, war ich wieder fit wie ein Turnschuh. Nächste Tanzrunde. Joana hatte die Ehre mit Mr. Borrracho, Nino, der sich wohl ein bisschen verknallt hat, holte sich wieder Anika und ich saß da, da Milton und Angel mit irgend welchen Peruanerinnen tanzten (ich glaube eine war die Cousine von Milton, die uns damals auf der Fiesta mit „Heil Hitler“ begrüsst hatte). Ich saß also auf meinem Stuhl und dachte mir „Toll, jetzt muss ich das ganze Lied rumsitzen“. Aber weit gefehlt: Auf einmal tauchte Borracho Nr. 2 auf und wollte mit mir tanzen. Da ich keinen Bock hatte allein rumzusitzen nahm ich an und dachte mir, so schlimm wird es schon nicht sein. Haha. Borracho Nr. 2 war des englischen mächtig, dem Tanzen leider nicht mehr so sehr. Das erste was er mir, mich unryhtmisch hin und herschiebend, sagte, war „I like your friend“. Ich deutete auf Anika. „Yes, how is her name?“. Ich sagte ihm Anika. Aha, gut. Kurze Zeit später sagte er „I like you“, oh wie schön. Wie ich denn heise. Sabine. Salino? Nein, Sabine. Aha. Deine Augen sind so schön. Ich weis, ich weis. Er wurde immer anhänglicher und ich sendete hilfesuchende Blicke aus. Joana, die mittlerweile mit Thomas tanzte, verstand und machte eine flotte Drehung genau zwischen uns, mit der sie mich da raus zog. Wie gut, jetzt tanzten wir wenigstens ohne Körperkontakt. Aber Borracho 2 gab nicht so schnell auf. „Wo wohnst du?“ kam er an, mit einer Fahne die 100 Meter weit reichte und einer festen Umarmung. Hilfe. Thomas übernahm den Part des Retters und warf sich mit voller Wucht zwischenrein. Zum Glück war das Lied schon fast aus und Milton kam und packte mich auf einen Stuhl. Borracho 2 rief mir noch schnell „I love you“ hinterher und ich musste erst mal lachen. Kaum saß ich zwei Sekunden, mit den anderen beiden Mädels schön eingekreist in einer Schutzmauer von Milton und seinen Freunden, kämpfte sich Borracho 2 zu uns durch und stammelte irgendwas von „sorry und stotter, stotter, stotter, lall“ und ich konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Gottseidank kamen dann von links und rechts Angel und Milton und schafften ihn weg. Die Schutzmauer wurde noch enger und ich konnte schon wieder ganz gut Bier trinken.
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Nächstes Lied. Ich wartete immer noch auf Angel, der noch ausstand, da kam ein Kerl zu mir, der sich vorher mit Thomas unterhalten hatte. Er schien nüchtern und ich nahm gern an. Er hieß Juan und tanzte ganz pasabel. Er konnte sich sogar meinen Namen merken und lies den „schöne Augen“-Spruch los. Als der Tanz zuende war, steckte mir Thomas, das Juan ihm vorher gesagt hat „die Sabine, die täte mir gefallen“ und das er wissen wollte, was „hübsches Mädchen“ auf Deutsch heisst. Aha, so läuft der Hase. Kaum zuendegesprochen, kam er auch schon wieder und forderte mich nochmal auf. Na gut, warum nicht, bin ich wenigstens vor den Borrachos sicher. Nach dem Tanz ging er wieder zu Thomas und sagte wieder etwas über mich, zumindest verstand ich meinen Namen. Heieiei. Anika wurde derweil von Nino belagert, der, laut Milton eine Freundin hat (die wir aber noch nie gesehen haben) und angeblich im Januar heiraten soll (wir wissen aber nicht, ob er uns nur veräppeln will). Das nächste Lied ging los. Ich wollte so gern noch mit Angel tanzen, weil ich einfach noch einen anderen Tanzpartner wollte, ausserdem wollte ich Juan nicht irgendwie Hoffnungen machen, weil er zwar sehr nett, aber keinesfalls mein Typ ist. Das Lied begann und es würde nur noch 5 Sekunden dauern, bis Juan mich wieder fragt, er schaute schon her. Angel fragte derweil Miltons Cousine. Na gut, dann noch mal Juan. Die „Heil Hitler“ Cousine wollte aber nicht und auf einmal packte Milton Angel und schleppte ihn zu mir. Wieso dass denn? Ich war ja eigentlich gut versorgt. Aber na gut, er fragte mich, Milton tanzte mit Joana und Anika und Thomas und Juan blieben sitzen, weil Nino sich jemand anderen geholt hat. Später erzählte mir Thomas, dass Juan total enttäuscht war und dann sagte, er wolle jetzt auch Tanzen. Er hätte dann kurz Anika angesehen und dann gesagt „Nein, nur mit Sabine“. Der letzte Tanz war auch sehr witzig, nachdem es Bier gab, während wir tanzten und Angel meine Hände loslassen musste, konnte ich rumwirbeln wie ich wollte und es wurde richtig wild. Dann kam noch ein anderes Lied, bei dem wir uns alle zusammen an den Händen nahmen (Juan natürlich neben mir) und im Kreis tanzten, was ich total toll fand, weil es fast schon wie unter richtigen Freunden war. Ich war mal wieder überaus verliebt in Peru und fand alles toll.
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Dann war die Fiesta leider aus. Milton schleppte noch das arme Taufkind an, dessen Eltern mittlerweile beide Megabesoffen waren und er musste uns küssen, obwohl er das wohl noch sehr doof fand. Wir gingen heim. Milton wollte noch Nino mitnehmen, aber dieser wehrte sich. Vor unserer Tür gab es noch Verabschiedung von Milton und Angel, die noch irgendwas „privates“ besprechen wollten und wir wankten in unseren Garten. Es war 9 Uhr abends und mir kams vor wie Nachts um 3. Natürlich kann man da noch nicht ins Bett gehen und wir tranken den Rest Wein und redeten. Ca. eine Stunde später, kam jemand unseren Gang hochgewankt. Nino. Er war so besoffen, dass er nicht mal die Treppen richtig hochkam, stellte sich vor uns und hat übelst gelallt. Irgendwie wollte er noch etwas mit uns trinken und deswegen verschwand er wieder, um Bier zu holen. Auf dem Weg nach unten, hätte er sich beinahe noch in einer unserer Hängematten verfangen, die an der Seite hängen, aber er schaffte es dann doch noch heil die Treppen runterzukommen. Eieiei. Wir beschlossen Anika, die schon ins Bett ist, zu wecken, weil sie das einfach nicht verpassen durfte.
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Kurze Zeit später kam er wieder, mit 4 Flaschen Bier. Er setzte sich zu uns und wollte unbedingt, dass wir das Licht ausmachen und eine Kerze anzünden. Als gerade ein Lied auf Thomas Boxen lief und Joana sagte „mach mal lauter“ sagte Nino: „si, ocho, eight, ocho, give me ocho“ und er versuchte mit Thomas einzuschlagen, verfehlte ihn aber. Ich hab mich fast tot gelacht. Nachdem er noch 10x nach einer Kerze fragte, machten wir halt das Licht aus und zündeten die Kerze an. Er erklärte uns, das er es dunkel haben will, weil er Angst hat, das seine Freunde sehen, dass er bei uns sitzt und die dann auch kommen wollen. Aha. Dann wurde es komisch. Er wollte auf einmal irgendwie mit uns ins Maisfeld gehen und uns uns gegenseitig erschrecken lassen, oder irgendwie so in der Art. Das wollten wir natürlich nicht, aber er war ganz begeistert von der Idee. Auf einmal fing er an, uns von irgend einem Horrorfilm zu erzählen, in dem Kinder aus dem Mais kommen. Sehr seltsam. Wir vermuteten, das vieleicht doch ein Kumpel von ihm hier sei, der sich im Mais versteckt um uns zu erschrecken.
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Auf einmal wollte er, dass wir alle die Augen schliessen. Mir war es egal, ich fühlte mich sicher und ich schloss sie auch. Die anderen wussten nicht so recht, Thomas hat die Augen glaub ich aufgelassen. Auf einmal fing er an zu erzählen. Wir sollen uns vorstellen, das wir Kilometerweit gehen. Dann kam irgendwas unverständliches und auf einmal redete er, als ob er nur zu einer Person redet, in der Du-Form. Ich verstand „ich denke immer an dich, du bist in mir, wohin ich auch gehe bist du bei mir, ich fühle für dich“ und so kram. Ich dachte zuerst, er will Anika jetzt eine Liebeserklärung machen, aber es war total seltsam, weil wir ja alle drumrum saßen und alle die Augen schliessen sollten und als ich blinzelte, sah ich, dass er seine Hände verschränkt hatte und nicht etwa ihre Hand genommen hat, oder ähnliches. Dann ging es auf einmal wieder um uns alle vier und um Peru. Das es ein sehr armes Land sei, und die Leute nicht reisen können und das niemand Jangas kennt. Und wir könnten etwas daran ändern, indem wir uns immer an Jangas erinnern und davon erzählen und so weiter. Dann erzählte er irgendwie wieder, wie arm doch alle hier sind und das er so ungerecht bezahlt wird und nur ein viertel vom normalen Lohn kriegt, obwohl er weis, dass es ihm besser geht als anderen. Und das das Leben in Peru schlimm sei. Auf einmal fing er dann zu Weinen an. Ich habe mittlerweile die Augen aufgemacht und ihn angesehen. Er hat mir total leid getan und es war irgendwie total rührend. Irgendwann endete er damit, dass er sich bedankt hat, dass wir ihm zuhören und das eine Kerze Hoffnung bedeutet. Der ganze Vortrag hat ca. 15 Minuten gedauert und es war, als ob er ihn irgendwie auswendig gelernt hat, so total komisch.
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Plötzlich bellte Dolly total laut los und Thomas und Joana sahen wie jemand bei uns im Garten stand. Auf einmal war dieser jemand weg. Wir fragten Nino, wer das gewesen sei, ob es einer seiner Freunde war, der sich im Mais versteckt hat. Er sagte nein und meinte er schaut mal nach. Dann war er ewig verschwungen und auf einmal kam er wieder, mit Dolly auf dem Arm und einem total komischen Lächeln. „Es war mein Hund“, sagte er. Wir meinten, wir hätten aber einen Mensch gesehen. „nein, oder es war meine Mutter, die nach mir sehen wollte“. Aha, die Mutter. Na, klar. Mir machte das jetzt nicht so viel aus, weil ich mir dachte, es ist halt doch nur ein Kumpel, der uns erschrecken will, aber die andern waren schon mehr oder weniger alamiert. Dannfing Nino schon wieder an, über diesen Maishorrorfilm zu reden. Es passierte dann aber nichts mehr und wir setzten uns wieder. Und scheinbar war es wirklich seine Mutter, die nach ihm sah. Auf einmal war er wieder ganz fröhlich und es ging irgendwie mal wieder um Ariane. Ich saß neben ihm und als ich mich hinsetzte, streichelte er mir über den Rücken. Dann sollten Anika und ich aufstehen, weil er schauen wollte, ob wir so dick sind wie Ariane (hab nicht ich gesagt). Wir mussten uns einmal drehen und er befand uns für schlank. Dann sagte er noch „ich habe 2 Königinnen neben mir“. Danke :-)
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Auf einmal kam doch eine Person unseren Gang hinaufgewankt. Milton. Er kam ebenfalls die Treppe kaum hoch und lies sich dann in Thomas seine Hängematte plumpsen. Ich weis leider nicht mehr genau, was er alles gelallt hat, es war schon 1 Uhr nachts und wir wollten ins Bett. Ausserdem war der Abend dann doch irgendwie komisch. Er sagte uns nur noch, dass wir allein nach Cahuish gehen sollten. Ein gutes Stichwort, das wir verwendeten um zu erklären, dass wir langsam ins Bett müssten. Nach ca. 5 Minuten gut zureden, und nachdem wir Nino klarmachten, dass er nicht bei uns im Bett übernachten könne, durften wir dann endlich gehen. Ich war echt ein bisschen verwirrt über das ganze, aber da erinnert man sich mal wieder, dass hier doch nicht immer alles so toll ist, wie es scheint.
fff
Taufgaeste:
ggg

Joana
fff
Thomas
ggg

Anika


Angel


Milton





und meine Wenigkeit

1 Kommentar:

Little Sister hat gesagt…

Hallöchen Sabine :)

Ich wollte dir nur ganz schnell alles Liebe zum Geburtstag wünschen!
Viele Grüße aus Deutschland
Andrea