Dienstag, 23. September 2008

Lima

Hallo meine lieben Freunde, hier ist jetzt erstmal mein erster Bericht, nach meiner ersten Woche:
Meine ersten Zweifel an der ganzen Unternehmung kamen schneller als erwartet. Nachdem ich waehrend unseres Fluges mit der Lufthansa noch voller Euphorie war, dachte ich mir das erstemal, gleich nach dem einchecken im Flughafen von Caracas, Venezuela, waehrend wir durch die "Sicherheitskontrolle" zu unserem Anschlussflug mussten - durchgefuehrt von drei Halbwuechsigen, die es wahnsinnig witzig fanden, dass ich auch meine Jacke aufs Gepaeckband legte (in Deutschland uebrigens Vorschrift) und sich aber auch rein gar nicht um den Inhalt unseres Gepaecks scherrten - : "Was zum Henker mach ich hier eigentlich?" Als unser Flug dann auch noch von einem anderen Gate startete und wir dass eher nur zuffaellig erfuhren, bei dem ich leider auch feststellen musste das wir gar nichts, aber auch wirklich gar nichts verstehen, war ich dann sogar richtig froh mich endlich in einer Suedamerikanischen Ruettelkiste wiederzufinden, hauptsache es war die richtige. Leider fing es dann innerhalb von 5 Minuten auch noch schrecklich zu Regnen an und der Flug hatte dann auch noch verzoegerung. Ich sah uns schon um 24 uhr in Lima landen, eine Stadt vor der ich Dank unzaehligen Warnungen im Reisefuehrer eh schon unzaehligen Respekt hatte. Nach einem etwas turbulentem Flug landeten wir dann doch "schon" um ca. halb elf in Lima (meine Uhr hatte ich schlauerweise im Handgepaeckbehaelter im Frankfurter Flughaben liegen lassen). Nachdem bei so viel Glueck trotzdem unser ganzes Gepaeck unbeschadet ankam, hatte ich meinen ersten, zugegeben sehr intimen Kontakt mit einem Einheimischen beim Auschecken am Flughafen. Meine "Handtasche" die ungefaehr 6 kg wog, hatte ich um den Griff meines Trolleys gehaengt. Als ich nach meinem Pass kruschtelte und den Trolley dafuer loslies, flog dieser natuerlich um - direkt in den Schritt eines hinter mir stehenden Peruaners! Vor lauter Schreck vergass ich natuerlich den spanischen Ausdruck fuer "Tut mir leid" (lo siento), gleichzeitig musste ich aber auch so lachen, dass es mich wunderte, dass er nicht sauer geworden ist.
Der zweite Kontakt mit Einheimischen war weniger lustig und zwar fand er am Bankautomaten statt, als ein kleiner Junge sich "ganz zufaellig" neben uns stellte, um unsere Geheimnummer nachzuschauen. Da ich nicht wusste was "hau ab" heisst, musste ich ihn etwas unsanft wegschupfen, das hat mir schon ein bisschen leid getan, aber dass ist es ja dann doch nicht wert. Wir uebernachteten daraufhin in einem nahegelegenen, etwas besserem Hotel, da wir zu viel Schiss hatten um elf uhr Nachts noch eine Jugendherberge zu suchen.
Am naechsten Tag brachte uns ein Taxi zur Busstation von Cruz del Sur, ein erste Klasse Busunternehmen, dass uns nach Huaraz bringen sollte. Schon die Fahrt dahin war unvergesslich. Lima ist eine wahnsinnsstadt. Riesige Werbetafeln und Leuchtreklamen wechseln sich ab mit den Baracken der Armen, den sogennanten "Pueblos Jovenes", planlos zusammengewuerfelte und aufeinander gestapelte Huetten, bei denen die meisten nicht einmal ein Dach haben. Als ich mir fuer Peru einen internationalen Fuehrerschein beantragt habe, wurde ich davor gewarnt in Peru Auto zu Fahren. Jetzt weis ich auch warum: Ruecksicht und Autofahren koennen fuer die Peruaner nicht zusammen in einem Satz vorkommen. Ihr liebstes Werkzeug ist nach dem Gaspedal die Hupe. Bevor gebremst wird, seis fuer andere Autos oder Menschen, wird erstmal gehupt. Wenn die Bahn dann noch nicht frei ist, dann wird eben nochmal gehupt - ohne den Fuss vom Gas zu nehmen, versteht sich - erst beim dritten mal wird gebremst. Seltsamerweise funktioniert das aber sehr gut. Waehrend der Fahrt zum Busbahnhof haben wir einiges auf der Strasse entdeckt. Zeitungsverkaeufer, die einen direkt ins Auto beliefern, voellig vollgestopfte Huehnerbusse, auch eine Radkappe, die im Getummel friedlich vor sich hinrollte. Wenn mein Spanisch etwas besser ist, muss ich unbedingt nochmal nach Lima. Es una ciudad magnifica!
Lima bei Nacht

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