Dienstag, 30. September 2008

25.09.08 Fiesta und Ferien

Heute war ein Tag, an dem ich nicht so recht wusste, was ich von ihm halten soll... Zuerst haben Thomas und ich Wäsche gewaschen. Im Hinterhof, in 3 Waschbottichen, mit Hand, natuerlich. Es war sehr lustig. Währenddessen haben wir ueberlegt, wie wir Milton klarmachen, das Thomas auch gleich hier einziehen will und nicht noch 3 Wochen in der Hospedaje, die 4 km weit weg, mitten in der Pampa ist, bleiben. Wir haben ewig ueberlegt. Als es dann so weit war und wir Milton nach ewiger Texter- und UEbersetzerei darauf ansprachen, sagte er aber dann: „Ja, morgen kannst du dein Zeug bringen und einziehen“, obwohl es zuerst noch 3 Wochen und nach unserer ersten Konfrontation noch 1 Woche dauern sollte. Na gut, umso besser. Später kamen dann noch Miltons Bruder (den Namen kann ich mir leider einfach nicht merken) und seine Schwester Sonya, um sich mit uns zu unterhalten und es klappte sogar sehr gut. Wir haben wirklich fortschritte in Castellano (Spanisch in Suedamerika) gemacht und auch die Familie bestätigt uns das. Auf einmal macht es richtig Spass mit den Leuten zu reden. Die Peruaner sind sehr interessiert, stellen viele Fragen ueber unsere Gewohnheiten und erzählen uns viel ueber die Geschichte der Inka (na gut, das versteh ich noch nicht alles) und ihre Politik. Eine wichtige Aufgabe die wir haben, ist den Leuten hier verständlich zu machen, dass in Deutschland nicht nur Rassisten leben und das wir Hitler nicht verehren und auch keine Statuen von ihm in den Städten stehen haben! Das ist das einzige von uns, dass wirklich jeder hier „weis“. Es ist sehr interessant, dass die Peruaner viel ueber die deutsche (und europäische) Wirtschaft wissen, aber z.B. nicht, ob wir an der Kueste leben, oder nicht. Auf jeden Fall ist es sehr schön sich mit ihnen auszutauschen und dabei selbst noch was zu lernen. Ach uebrigens: Das Oktoberfest kennt hier keiner!
Später dann, hab ich etwas gemacht, wofuer ich mich ehrlich gesagt, selbst ein bisschen verachte. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich je auf einem Stierkampf wiederfinden wuerde – ich fand mich! Um ehrlich zu sein, verabscheue ich dieses „Vergnuegen“ zutiefst, es ist eine sinnlose, furchtbare Tierquälerei und sollte mit allen Mitteln bekämpft werden. Nun stand ich aber vor der Entscheidung: In Jangas ist gerade Festwoche und heute war grosser „Corrido de Torro“ angesagt. Da ich gestern beim fröhlichen plaudern zuerst nicht aufgepasst habe, zu welcher Einladung ich „si, si“ gesagt habe und später, als ich erfuhr was ein Corrido überhaupt ist, die Wahl hatte, ob ich meine Prinzipien ueber Bord werfen und mit der gesamten Familie dorthin zu gehen, oder standhaft zu bleiben und jetzt, in dieser heiklen Annäherungsphase als launische Gringa abgestempelt zu werden, entschied ich mich schweren Herzens für den Stierkampf. Ich weis, das ist keine Entschuldigung, aber verhindern hätte ich ihn sowieso nicht können. Also gingen wir hin. Allein die „Arena“ war schon wieder eine Klasse für sich. Die Tribüne bestand aus, auf Stangen aufgelegten, losen Brettern, auf denen sich (in gut 3 Metern Höhe) zahlreiche wohlbeleibte Bilder vom Stierkampf

Leute mit einem Plumps niederliessen. In Deutschland hätte jede Sicherheitsbehörde laut aufgeheult. Die Stierkampfarena selbst, war durch einige windige Bretter abgetrennt. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn die Bretter nicht hielten, was sie (mehr oder weniger) versprachen.




Es herrschte Volksfeststimmung. Unzählige Verkäufer liefen durch die Reihen und wollten Popkorn, Inka-Kola, Zuckerwatte, Bier und Spielzeug für die Kinder an den Mann bringen. Nach einer Parade durch die Arena, kamen dann die „Helden“ des Events. Der Torrero (in seinem komischen flieder und rosafarbigem Anzug erweckte er leicht en Eindruck als sei er vom anderen Ufer) und die 3 „Locos“, Clowns, die ebenfalls mit den Tieren „spielen“. Dann ging es los, 5 Stiere, die jeweils nacheinander aus ihrem Wagen gezerrt wurden um schliesslich aufs übelste getriezt zu werden. Ehrlich gesagt hab ich ich immer heimlich gefreut, wenn einer von den Möchtegern-Helden und besonders der Torrero eins mit den Hörnern abbekommen haben. Nach ca. Einer Stunde war der Spass dann auch schon zu Ende und zum Glück war es ein unblutiger Stierkampf, wo die Tiere „nur“ geärgert und nicht erstochen werden. Die Leute hatten viel Spass und ich will ihnen keinen Vorwurf machen, weil sie es nicht anders kennen. Vielleicht, wenn wir uns später mal etwas besser kennen, kann ich ja mal mit ihnen darüber reden. Aber das ist wohl nur ein Tropfen auf den heissen Stein.
Danach war noch Tanz auf den Strassen, was mir hier sehr gut gefällt. Ich hatte auch das Vergnügen, nachdem ich von einem Señor aufgefordert wurde und keine Spielverderberin sein wollte. Morgen soll es sogar noch wilder zugehen. Ich bin ja schon mal gespannt. Zum Glück hab ich schon am Anfang gesagt, dass ich überhaupt keinen Alkohol trinke (ja, hab ich wirklich!). So kann mir das Abgefüllt-werden nicht passieren, was hier scheinbar den Gringos blüht, sollten sie sich hierher verirren. Ich freu mich schon auf Morgen. Wegen der Festwoche haben alle Kinder Ferien und unsere Arbeit beginnt erst am Montag.

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