Dienstag, 30. September 2008

22- 25. 09. 08 Umzug und Unterricht

Nachdem ich mit Thomas zusammen in einem winzigen Zimmer bleiben musste – zuerst hiess es wir bleiben da einen Monat – und wir absolut keine Privatsphäre hatten, da z.B. Dusche und WC nur durch eine Holztuer vom Rest des Zimmers getrennt waren und es eigentlich schon beinahe egal war, ob die Tueren auf oder zu waren, da man einfach alles mitbekam, nicht zu vergessen, dass das einzige Möbelstueck in dem Zimmer ein Bett (fuer uns beide natuerlich) war, beklagte ich mich bei Arianne. Als sie erfuhr, dass wir beide gar kein Paar sind, war sie sehr peinlich beruehrt. Unsere Organisation hat den Leuten in Jangas nämlich mitgeteilt, dass wir zusammen wären, deswegen haben Sie uns zusammen in die Hospedaje gesteckt (und ich hab mich schon gewundert, da es ja gerade in Suedamerikanischen Ländern nicht unbedingt ueblich ist, einfach Männchen und Weibchen in ein Zimmer zu stecken). Milton war das ganze auch mehr als peinlich und er versprach, dass es bis zum Abend geregelt sei. 3 Tage später hatte ich dann auch wirklich das neue Zimmer. Und es ist super!!!! Ich wohne gleich neben Miltons Haus, bei dem wir nach wie vor Essen. Es sind vier Zimmer, um einen Garten herum angelegt und wenn die beiden anderen Freiwilligen, dann im Oktober kommen, ziehen die hier auch mit ein.

Der Garten mit unseren Zimmern

Thomas muss leider noch in der anderen Unterkunft bleiben, warum versteht keiner so genau. Aber ich habs jetzt auf jeden Fall sehr gut, das Zimmer ist sicher, es ist ruhig und das Bad (das wir dann später zu 4 nutzen) ist riesig! Leider geht die Dusche noch nicht, aber Milton sagt, am Freitag ist das erledigt (also dann am Montag :)). Bis dahin muss ich eben noch bei Thomas duschen. Ich freu mich schon auf die andern beiden Freiwilligen, wir werden dann in einer richtig coolen WG wohnen. Ich weis zwar leider nicht, wieso wir jetzt nicht in eine Familie können (Milton sagt zwar „später“, nur er sagt oft etwas, was dann doch nicht eintritt), aber ehrlich gesagt find ich das mit der WG eh besser. Da wir auch den Unterricht zusammen halten werden, können wir uns so auch besser absprechen und uns Methoden ausdenken.

Mein Zimmer!!

Eine andere Freiwillige, die in Bolivien ist, hat uns letztens eine Rundmail geschrieben. Sie muss sich in einer Familie das Bett mit einem anderen Mädchen teilen und hat es auch sonst sehr unruhig und einen Eimer als Dusche. Da haben wir es wirklich sehr, sehr gut getroffen. Uns geht es wirklich super gut, es fehlt uns an nichts. Aber wir muessen dafuer auch ca. 70 Euro im Monat zahlen und nicht wie zuerst gedacht, nichts.
Ich glaube Milton will, das wir langsam in die peruanische „Gesellschaft“ eingefuehrt werden, bevor wir in eine Familie kommen. Wir werden sehen.

Unsere Riesen-Dusche


Nachdem wir am Montag in Cahuish waren, einem Dörfchen nahe Jangas, noch weiter oben gelegen, ca. 3500 m, wo wir mit der 5ten und 6ten Klasse „Deutsch-Kunde“ und Ernährungsunterricht machen (und ich glaube auch Computerunterricht, bin mir aber nicht sicher), waren wir heute in Atupo, um die Klasse zu besuchen, die die selben Fächer von uns gelehrt kriegen soll. Leider waren keine Kinder zu finden, da die Lehrer nur ca. 3x die Woche kommen und eben heute leider kein Tag war, an dem sie dazu Lust hatten. Also sind wir eben wieder runtergestapft nach Jangas (hab ich schon erwähnt, dass wir von unseren Schulen zu Fuss nach Jangas zurueck und manchmal auch hinlaufen muessen? – Nach Cahuish sinds uebrigens läppische 2 Stunden durchgehend Bergauf). Wenn wir Glueck haben, dann können wir mit den sogenannten Colectivos zu unseren Schulen fahren – das sind „Taxis“, bei denen man sehr schnell sein muss, da die Peruaner das Spiel „wieviel Clowns passen in ein Auto“ neu definiert haben. Wer am schnellsten ist, kommt auf den Beifahrersitz. Danach ist die Rueckbank dran: Tueren auf – wumms – 5 Leute passen mit Glueck hinten rein. Aber das ist noch nicht alles – es gibt ja noch den Kofferraum! Also, rein mit Omi, Opi und dem Sack voller Coca-Blätter. Wer dann noch uebrig ist, darf sich noch mit auf den Beifahrersitz quetschen und ab geht die Post. Dass das Auto in Deutschland noch nicht einmal TUEV hätte muss ich wohl nicht noch erwähnen. Die Abhänge sind mal wieder steil, die Straßen kurvig und der Fahrer gedanklich auf der Rennbahn, aber es macht Spaß! Das Leben hier ist so viel unkomplizierter und lustiger, man muss sich einfach nur drauf einlassen. Und die Gefahren am besten ausblenden, mann kann ja eh nix machen. Einfach leben!
Am Mittwoch werden wir jetzt also in Atupo arbeiten, am Donnerstag in Jangas Computer- und Ernährungsunterricht geben und am Freitag in einem Bergdörfchen Namens Tara, das gleiche wieder. Am Samstag machen wir mit den Jugendlichen in Jangas Theater und Tanz. Und wir werden noch mit den Muettern der Kinder in Cahuish, Atupo und Jangas ebenfalls Ernährungskunde machen und drei oder vier Gemuesegärten anpflanzen, dass ist noch nicht ganz klar. Es wird also bestimmt nicht langweilig werden.
Ach uebrigens: Hier ist es heiss!! Die tiefsten Temperaturen sind ca. 5 -6 Grad, es stimmt also gar nicht, dass es hier kalt sein soll. Die Mutter von Milton hat sogar gesagt, dass es Weihnachten sehr heiss sein soll. Im Moment haben wir gerade Fruehling. Und Schnee gibt es hier nie. Nur oben, auf der gigantischen Cordillera blanca, der grossen Gebirgskette, ragen die atemberaubenden schneebedeckten Gipfel der 6000er empor. Ich vermisse meine Heimat, Familie und Freunde schon sehr. Aber ich bin auch wahnsinnig gluecklich hier sein zu duerfen!

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