Heute ist Thomas bei „uns“ eingezogen. Er hat jetzt das Zimmer neben mir und wir freuen uns schon voll auf die anderen 2 Freiwilligen. Dann haben wir angefangen für die Kinder Collagen mit Fotos aus Deutschland zu basteln. Ehrlich gesagt, hab ich wirklich keine Ahnung wie wir unterrichten sollen. „Deutschlandkunde“ schön und gut, aber Ernährung? Wenn ich wenigstens mal ins Internet könnte, dann könnt ich mal Infomaterial besorgen. Aber das geht erst nächsten Dienstag. Nun gut, mit unserem spärlichen Spanisch reicht auch erstmal Deutschkunde. Da heute ein wichtiges Fest war (hat irgendwas mit der Schutzheiligen „Virgen de las Mercedes“ zu tun, Namenstag?) gab es auch ein Festessen. Das heisst, heut kam zum erstenmal Cuy, Meerschweinchen auf uns zu. Zugegeben, ich fand die Vorstellung ein Meerschweinchen zu essen jetzt nicht unbedingt so schlimm, wie manch andere. Aber als es dann auf meinem Teller lag, ein „Meerschweinchenbein“ samt Kralle, war das schon ein bisschen eklig. Besonders weil das Vieh nur aus sehr zäher, fettiger, leedriger Hauf und Knochen bestand, und an der Haut auch noch ein paar Haare dranwaren. Bäh!! Ich habe also tapfer die 3 Brocken Fleisch rausgepult, war gar nicht so leicht war, weil die so fest dranhingen (schmecken uebrigens nach gar nix) und habe unzerkaut ein Stueck Haut mit Haaren runtergewuergt (mit Hilfe von viel, viel Fanta). Als ich die Delikatesse einmal wendete, um evtl. Noch in paar Stuecke Fleisch zu finden, ist mir das erste Mal richtig schlecht geworden. Auf der anderen Seite hingen noch die Nieren dran. Wuerg, Pfui Deibel!! Ich hab mir noch einen Alibi-Brocken Fleisch rausgefischt (bei diesem Vorgang fielen die Nieren dann endgueltig ab, direkt auf meine Kartoffeln – oh mein Gott, war das wiederlich) und ab mit dem Vieh auf den Abfall-Teller. Kann sein, dass die Mutter mir eines der besten Stuecke serviert hat. Wahrscheinlich sind die Nieren ein ganz besonderes Schmankerl. Mir egal! Danach gabs Suppe. Fuer die ganz Schadenfrohen unter euch: Freut euch, es wird noch schlimmer. Ich wähnte mich schon in Sicherheit – ein grober Fehler! In der Suppe schwamm so allerlei Zeug. Komische Boppeln, die – wie mir erklärt wurde – Mais sein sollten und unter anderem ein langes, graues Ding, das ich fuer eine Art Nudel hielt. Ich – naiv bis zum geht nicht mehr – probiere also die „Nudel“, nur um beim ersten Bissen festzustellen, dass das Ding weit davon entfernt war, eine Nudel zu sein. Es half nur eins: Hirn ausschalten, bloss nicht Nachdenken und um Gottes Willen nicht kauen und ein grosses Glas Fanta mitsamt dem Ding runterspuelen! Als ich gerade mit mir selbst vereinbart habe, dass ich einfach nicht Nachfrage was das fuer Zeug ist und einfach Heldenhaft (Gott, warum bin ich nur so höflich?) mit Hilfe der Fanta-Strategie die Suppe aufesse, fragt Thomas, mit einem besonders ekligem Stueck Fleisch auf dem Löffel, ob das Fisch sei. „Nein“, kam es von Miltons Bruder, „das ist der Pansen von (Name irgendeines Vieches, den ich nicht verstand)“. Schnell zischelte ich Thomas zu, er soll blos nicht Nachfragen was das andere Zeugsel ist. Mir war eh schon so unglaublich schlecht, als der Bruder dann Gottseidank sagte, wir sollen das nicht essen, es sei nur fuer den Geschmack. Boah, ich war noch nie so froh, wie in diesem Moment. Also ass ich noch einen Brocken Mais, lobte die gute Suppe und weg mit dem Zeug, zur Seite. Zufällig hab ich dann noch mit angesehen, wie die Oma des Hauses die Innereien mit viel Geschmatze und con mucho gusto verspeiste. Das wars! Mein Magen rebellierte. Die Nachspeise, eine unglaublich leckere Melone, half da auch nicht mehr viel. Zu allem UEberfluss gab es dann auch noch eine Stunde kein Wasser und ich konnte weder aufs Klo (wo ich sehr dringend hin musste), noch mir die Cuy-Reste von den Fingern waschen. Schnell schluckte ich 2 Kohle-Tabletten und ein Nimm2 (um den Ding-Geschmack zu verdrängen) und legte mich ins Bett. Mir gings nicht gut. Als es grad wieder besser war, haben wir Milton deutsche AHOI-Brause vorgefuehrt und da hab ich Dödel natuerlich wieder mitgemacht. Gleich darauf (mir gings noch gut) sind wir rausgegangen um eine Prozession anzuschauen. Das war vieleicht seltsam. Die ganze Familie versammelte sich vor dem Haus und hatte irgendwelche unglaublich kitschigen Bilder dabei, von dieser Mercedes Virgen. Wir machten dann ein Foto mit uns und dem Zeug und schon kam die Parade mit viel Tamtam vorbei und wir wurden sogar gefilmt und schliesslich mitgenommen.

Die Parade verstand ich ueberhaupt nicht, alle Leute trugen diese Bilder, als Geschenk verpackt und die Kinder trugen diese bunten, typischen Decken ueber Bambusstäbe gehängt.
Die Familie Vergana und wirDann gab es 3 Personen die haufenweise Schärpen umhatten, einer avon war Fredy, ein Jangas-Bewohner, der nach Amerika gezogen ist (ich muss zugegen, ich steh ein bisschen auf ihn, leider wohnt er in Amerika weil seine Frau dort lebt). Er konnte mir auf Englisch erklären, dass die Kitsch-Geschenke fuer die „Captains“ sind, eben die Leute mit den Schärpen. Das sind die Leute, die das Fest ausrichten. Auch der Stierkampf war ein Geschenk. Jedes Jahr gibt es andere Captains. Und dieses Jahr ist Fredy einer davon (schmelz).
Die Parade dauerte ewig. Danach sind wir in die Kirche, weil Milton die Ehre hatte, die Statue der Virgen mit einem sehr prunkvollem Gewand, das er gekauft hat, einzukleiden. Danach gabs schon wieder Essen. Eine Milchsuppe, diesmal mit echten Nudeln. Sie war sehr lecker, leider war es mal wieder ein Fehler sie zu Essen. Ich bekam furchtbare Bauchschmerzen. Da ich ca. 200 Durchfalltabletten geschluckt hatte, konnte ich nichtmal aufs Klo. Sonya hat mir dann irgend ein Gebräu zubereitet, das angeblich helfen sollte. Es half nicht! Na toll, und ich hab versprochen mit zum Tanzen zu kommen. Es half nichts, um 22 Uhr 30 gings ab zum Festplatz. Ich hatte ueberhaupt keinen Bock, machte aber gute Miene zum bösen Spiel. Nachdem Milton mich ein wenig rumgewirbelt hat, tanzte (juchu, juchu) Fredy mit mir. Netterweise hat Thomas sich dessen Frau geschnappt (sie ist uebrigens ein ganz schönes Mauerbluemchen, ich weis das klingt böse, aber es stimmt! (Thomas sagt das auch :-))) Danach war der Ofen aber leider aus. Mir gings so schlecht, ich hab mit zusammengebissenen Zähnen noch alle Leute begruesst die mir Fredy vorstellte (das wars mir noch wert), trank noch ca. 50 ml Bier und verschwand. Eigentlich schade, die Musik hat mir gut gefallen und es war ein riesiger Turm aus Bambus aufgebaut, der verbrannt werden sollte und das wollte ich unbedingt sehen. Milton sagte der Turm wird um 24 Uhr angezuendet (also um 2 Uhr), aber so lange hätte ich es nie im Leben mehr ausgehalten. Also ging ich Heim. Im Zimmer musste ich dann erstmal eine Riesen-Spinne entfernen, Thomas ueberbrachte mir die Nachricht, dass das Wasser mal wieder nicht geht und mir war kalt und ich hatte Bauchkrämpfe! Es war also alles doof. Zum Glueck schlief ich ziemlich bald ein, weil ich es mittlerweile gewohnt war um 22 Uhr ins Bett zu gehen.
2 Kommentare:
Ist doch klar, dass es dir nicht geschmeckt hat, wenn du die ganze Zeit an Franzl, Frieda und Freddy denken musst!
kannst Du uns bitte das Originalrezept schreiben?
Man bekommt ja richtig Hunger....
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