Dienstag, 7. Oktober 2008

04.10.08 Madres und Matrimonio

Heut früh bin ich das erstemal in unsere „warme Dusche“ gegangen. Sie war kalt. Für Thomas, der vor mir duschte, war es noch zu heiss und bei mir hat sie sich dann gar nicht mehr aufgeheizt. Toll. Naja, wird man wenigstens wach. Danach hab ich endlich mal meine Spanischhausaufgaben gemacht. Das Mittagessen war mal wieder voll lecker. Es gab Fisch und (wie jeden Tag) leckere Papas (Kartoffeln) und Reis. Wir haben aber ab Oktober vor selber zu kochen, wenn Anika und Joana da sind. Für Mama Milton, die eh schon allein mit ihren Kindern 5 Münder stopfen muss, ist es einfach leichter, wenn sie nicht noch vier andere bekochen muss. Werd das Essen aber schon vermissen (bis auf das Cuy). Gestern, als wir Ariane erzählt haben, das wir das Cuy eklig finden, war sie total überrascht. Sie ist Vegetarierin, aber sie liebt Cuy!! Das ist das einzige Fleisch das sie isst. Urgs! Dann hat sie auch noch gesagt, dass Cuy gut für uns ist, weil es viele Proteine hat und „low fat“ (?!) Ja klar. Ich glaub das fettigste das ich je im Leben gegessen hab war Cuy. Aber na gut, sie kommt aus Amerika, vieleicht sind da die Ansichten über Fett ein bischen anders :-)
Am Nachmittag sind wir in einen Stadteil oben auf dem Berg gelatscht um uns mit den Madres (Mütter) von „Vaso de leche“ zu treffen, mit denen wir den Gemüsegarten anpflanzen sollen. Ausserdem sollen wir ihnen noch etwas über gesunde Ernährung beibringen. Die Madres waren alle sehr nett. Fast jede hatte ein Kind bei sich. Zuerst hat Milton uns vorgestellt und ich habe tatsächlich alles verstanden. Danach haben sie irgendwie über den Gemüsegarten geredet, da hab ich dann gar nichts mehr gecheckt. Das Feld ist ziemlich groß und staubtrocken. Das einzige was ich noch verstand, war glaub ich „Brocoli“. Manche der Kinder waren bestimmt schon eineinhalb, aber die Mütter haben sie immer noch gestillt. Und sie können es gar nicht fassen, das wir nur jeweils eine Schwester haben und das es in Deutschland ganz normal ist, nur 1 oder 2 Kinder zu haben. In Peru haben die meisten Familien mindestens vier Kinder. Naja. Nächsten Samstag sollen wir damit anfangen, das Feld vorzubereiten. Bin ja schon mal gespannt. Die denken irgendwie wir hätten mehr Ahnung von Landwirtschaft. Tja, wenn die wüssten..
Danach gings schon wieder Bergab. In Jangas angekommen, war die ganze Straße vor unserm Haus voll mit Leuten. Es war mal wieder Hochzeit (Matremonio) angesagt. Es gab gerade das Abendessen – auf der Straße. Ein paar Leute liefen rum und verteilten Pappteller mit Schweinefleisch, Brot, Bohnen und Zwiebeln. Als ich Anfing die Bohnen zu essen, machten Sonia und Milton-Mama immer irgendwelche Zeichen. Ich habs nicht verstanden und weiter gegessen. Dann haben sie immer wieder irgendwas gesagt, was ich nicht kapiert hab. Irgendwann hat mir Thomas dann gesagt, dass Milton ihm erklärt hat, die Bohnen soll man nicht essen, die sind für die Schweine. Na prima. Warum kommen die dann auf den Teller, frag ich mich. Nun gut. Dann haben wir noch zwei von unseren Schülern getroffen. Einer ist echt süß, er ist ungefähr 6 oder 7 und er kann sich sogar Sabine merken. Dann kam auch noch Bruno, der Besoffene von gestern, de mich für das acht Weltwunder hielt. Heute war er schon nüchterner und ich glaube er hat uns für morgen eingeladen, habs aber nicht genau verstanden. Dann hat er mich noch gefragt ob ich nicht für immer in Jangas bleiben will. Ich habe dankend abgelehnt mit dem Hinweis, das ich daheim ja auch noch ein paar Freunde und Familie hätte. Das sah er dann wohl ein. Ich hoffe jedenfalls, das Milton der Einladung nicht gefolgt ist. Ich hab es nämlich leider nicht verstanden. Es war sehr lustig der Hochzeit zuzusehen. Es waren Leute aus Cahuish, die in Jangas gefeiert haben, die Leute sind hauptsächlich ärmere Bauern die noch jeden Tag Tracht tragen und noch nicht sehr fortgeschritten sind in ihren Gewohnheiten. Die Band spielte auf der Straße und die Leute tanzten dazu. Einige, vor allem die Frauen, waren schon sehr stark betrunken, so dass sie kaum noch laufen konnten. Am schlimmsten war jedoch die Braut. Die mussten sie zu zweit zum Festplatz führen und sie verlor ständig ihren Hut. Armer Bräutigam (ein 24 – jähriger Knirps), das wird wohl keine sehr schöne Hochzeitsnacht geben. Dann kamen einige Collectivos, die die Leute zurück nach Cahuish bringen sollten. Nachdem sich ungefähr 80 Leute in 5 Collectivos gequetscht haben war der Spaß auch schon wieder vorbei. Eine Frau, ich glaube mal wieder eine Schwester von der Milton-Mama, die ca. 100. Schwestern hat, hat mich gefragt ob meine Mutter trinkt. Ich konnte nicht glauben, dass die Frau mir so eine Frage stellt und hab nochmal nachgefragt. „Ti madre bebe?“. Wieso fragt die mich ob meine Mutter trinkt, seh ich so verhauen aus, oder wie? Also hab ich ein noch blöderes Gesicht aufgesetzt und nochmal nachgefragt. „Ti madre bibe“? Bibe? Ach so! Vive! Ich hab immer noch Probleme damit mich daran zu gewohnen, dass das „V“ hier wie „B“ ausgesprochen wird. Die Frau hat mich also ganz unschuldig gefragt ob meine Mutter noch lebt (warum auch immer, seh wohl so alt aus, haha) und ich hab die ganze Zeit gedacht sie will wissen ob meine Mutter eine Säuferin ist. Ist schon witzig was man manchmal versteht.
Hab mir heute mal ein paar Vokabeln für den Unterricht eingeprägt. Unter anderem „sei nicht frech“ und „wenn du brav bist, kriegst du einen Globu“. Miltons Mama und Sonia haben uns geraten die Kinder an den Ohren zu ziehen, wenn sie nicht folgen (Sonia ist übrigens Lehrerin). Aber so was kann ich einfach nicht machen, egal wie frech so ein Winzknirps ist. Und wenn sie Arbeit haben sind sie ja auch total brav.


Am Abend hatten Thomas und ich dann noch eine ganz tolle Idee, wie wir uns die menschlichen Koerperteile merken koennen:
Schweini als Lehrkoerper :-)

Keine Kommentare: