Dienstag, 7. Oktober 2008

30.09.08 Klodeckel- und Klamottensuche

Heute war unser freier Tag. Endlich, wir warteten schon seit letztem Dienstag ewig darauf, endlich wieder nach Huaraz zu fahren und ins Internet zu gehen und mal daheim anzurufen (nach 2 Wochen wurde es ja auch langsam mal Zeit). Ausserdem standen ein paar Besorgungen an, die wir ganz dringend erledigen wollten. Zuerst ging es aber mal wiedern ans Klamottenwaschen. Im Gegensatz zum letzten mal, hab ich mich heute getraut meine Unterwäsche mitzuwaschen (die ich das letzte mal noch heimlich in der Nacht gewaschen hab, weil es mir vor Thomas zu peinlich war). Diesmal hab ich mir aber gedacht, dass es vor Thomas jetzt nicht so das Problem ist, immerhin sind wir eh fast ununterbrochen zusammen und ich vertrau ihm schon so weit. Also hab ich sie mitgenommen. Kaum das Waschmittel im Bottich, kamen (na toll) Milton und sein Bruder um die Ecke. Ich betete, dass sie bald wieder verschwinden, aber – nein – sie haben festgestellt, dass wir die Handwäsche überhaupt nicht drauf haben und wollten natürlich sofort helfen. Zu allem überfluss haben sie dann auch noch die Wäsche aus dem Bottich geholt und selber geschrubbt. Ich hatte aber Glück, weil Miltons Bruder bald wieder wegmusste und Milton sich Thomas seinen Bottich gekrallt hat. Also hab ich still und heimlich meine Unterhosen gewaschen und sofort heimlich ins Zimmer gebracht und mir in Gedanken auf meiner Einkaufsliste noch einen extra Bottich für weitere Nacht-Wasch-Aktionen notiert.
Unser Waschplatz
Dann gings endlich nach Huaraz. Ich konnts kaum erwarten, endlich wieder ins Internet zu kommen. Zuerst hab ich aber daheim angerufen. Es ist zwar recht billig (0,25 Euro pro Minute) aber die Verbindung ist ziemlich beschissen. Nachdem wir dann 4 Stunden im Internet waren gings endlich ab zum Einkaufen. Neben ein paar ganz normalen Alltagsdingen, die wir kaufen wollten (Haarspray, Hängematte, Wäscheklammern, Fluch der Karibik 1 – 3, Wein...) stand ein ganz besonderer Wunsch auf der Liste: ein Klodeckel, für UNSER riesen Bad. Der fehlte nämlich noch zur Perfektion (und natürlich warmes Wasser, sowie weniger Stromschläge, aber man kann ja nicht alles haben :-)) Was soll ich sagen? Es wurde zur Suche nach dem heiligen Gral! Es gibt in den normalen Städten (also alle Städte ausser Lima :-p) keine Supermärkte nur winzigen, ähm, nennen wir sie mal „Themenläden“. Darum gab es 3 Sachen, bei denen wir uns schon darauf eingestellt haben, dass es schwieriger wird sie zu finden: 1. Eine Hängematte. Das war einfach. Thomas hat sein bestes Runterhandel-Gesicht aufgesetzt und nach nem ca. 15 Minütigem hin und her war die Hängematte im Sack. Dann – 2. – ein Kartenlesegerät für Thomas seine Digicam, weil er das nämlich zuhause vergessen hat und meins seine Karte nicht liest. Im ca. 10 Elektroladen gab es das dann auch tatsächlich. Fehlte noch der Klodeckel (Nummer 3 der most-wanted-things). Es war zum Verzweifeln. Jeder Laden, der irgendwie nach Laden-der-auch-einen-Klodeckel-führt aussah, hatte – Überraschung – keinen. Manche Ladenbesitzer wussten noch nicht mal was das überhaupt ist. Thomas hatte sich aber in den Kopf gesetzt, nicht heimzufahren, bevor wir dieses Utensil unser eigen nennen und ich stimmte zu, weil mich die Herausforderung einen Klodeckel zu finden ebenfalls gepackt hat. Irgendwann waren wir sogar so verzweifelt, dass wir sogar auf dem Markt geschaut haben, ob es dort einen gibt. Zu unserer Überraschung gibt es auf dem Markt alles: Schränke, Klappbetten, Kitschbilder (die kenn ich doch?), Wäschebottiche, Spielzeug, Schuhe und und und. Nur eben keinen Klodeckel. Als wir schliesslich, vor lauter Ratlosigkeit in einem Porzellangeschäft gelandet sind und wir den erlösenden Satz zum besten gaben: „Señora, sabe, donde estar una tapa del rerete?“, hat uns die Dame des Hauses mit viel Hand-und-Fuß-Unterstützung erklärt, dass wir die Straße weitergehen müssen, bis der Markt vorbei ist und dass danach gleich ein riesiges Geschäft kommt und irgendwas mit Fliesen und da ist dann einer. Aha. Am Ende des Marktes also fanden wir ein Fliesengeschäft. Bei mir klingelte etwas... Fliesengeschäft... Fliesen... Aha! Den Klodeckel gibts im Fliesengeschäft!! (Warum auch immer). Also, nix wie rein. Nach einigem hin und her, bei dem die 4 Verkäufer uns erklären mussten was der Unterschied zwischen einem Klodeckel spezial (Porzellan) und einem Klodeckel normal (Plastik) ist und wir ihnen erklären sollten was Klodeckel auf Englisch heisst und „Was? Das wissen sie nicht? Spricht man den in Deutschland kein Englisch? Wie, man spricht Deutsch in Deutschland? Nie davon gehört“ und „Na gut, dann eben ,Klodeckel‘ auf Deutsch“, nannten wir endlich für 18 Soles (4,25 Euro) stolz einen Klodeckel normal unser eigen. Ganz ehrlich, ich hab mich noch nie so sehr über einen blöden Klodeckel gefreut. Einige Sachen, bei denen wir aber davon ausgingen sie seien leicht zu finden, nämlich u. A. ein Regenumhang und ein paar T-Shirts haben wir leider nicht bekommen. Es gab zwar ca. 10 Klamottenläden auf unserem Weg und auf dem Markt unzählige Stände mit Kleidung. Aber leider muss ich sagen, dass mir die Mode hier rein gar nicht gefällt. Die Sachen sind entweder altbacken oder total tussig. Bei den Peruanerinnen sehen diese Klamotten ja auch sehr hübsch aus, aber bei mir leider überhaupt nicht. Schade, weil auch die Kleidung ist im Gegensatz zu Deutschland meistens viel günstiger (jedoch nicht immer). Dann kam die erste große Probe an diesem Tag: zu ersten Mal allein, ohne Miltons Hilfe Colectivo bis nach Jangas fahren. Uiuiui. Den Colectivo-Parkplatz haben wir schon mal ganz gut gefunden und den Colectivo in Richtung Jangas haben wir auch gleich entdeckt. Wir waren sogar welche der ersten und bekammen einen Sitzplatz ab. Die einzige Sorge war, die Haltestelle in Jangas zu verpassen. Man muss nämlich „bajar“ (aussteigen) schreien, wenn man raus will. Wir wissen aber noch nicht so gut wann wir da sind und es wurde auch langsam dunkel. Eine ältere Dame die neben uns saß half aber uns Gringos und auch der Typ der das Geld einsammelt fürs Colectivofahren hat uns rechtzeitig gesagt wann wir rausmüssen. Glück gehabt. Jetzt sind wir also schon ganz allein nach Huaraz und zurück gefahren und wir kamen uns vor, als ob wir jetzt endlich Groß wären. Vor lauter Übermut haben wir dann auch noch schnell in Jangas eine Prepaid-Karte für unsere Handys gekauft und ein Schwätzchen mit der Verkäuferin gehalten, bei dem wir bis auf 4 -5 Wörter alles verstanden haben. Es stellte sich heraus, dass sie die Cousine von Milton ist und wir im Haus ihrer Oma wohnen. Am Abend gabs dann nach dem Essen, bei dem wir nun eben Miltons Familie unsere Gastgeschenke überreicht haben, zur Belohnung etwas Wein (nicht zu viel in dieser Höhe!) und eine Runde „Fluch der Karibik 3“ auf Spanisch (an alle dies nicht wissen – ich liebe diesen Film).


Feierliche Einweihung des Klodeckels

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