Dienstag, 14. Oktober 2008

14. - 20.10.08 Zusammenfassung

Hallo liebe Freunde
Hier gibt es mal wieder ein paar Berichte fuer euch.
Ich wollte an dieser Stelle nur mal noch schnell was klar stellen. Auch wenn sich die Berichte lustig anhoeren (sollen sie ja auch) und es Thomas und mir richtig gut geht, weil wir bei einer fuer Peru verhaeltnismaessig reichen Familie wohnen, moechte ich nicht das der Eindruck entsteht, hier wuerde es allen Leuten so gut gehen, weil das nicht der Fall ist.
Gerade in den Schulen, in denen wir arbeiten, sind die aermsten der armen Kinder. Viele haben gerade mal 2 verschiedene Kleidungsstuecke zum wechseln und sind auf das Essen der Schule angewiesen, das vom Staat gespendet wird. Auch die Computer, mit denen wir in der Schule arbeiten, sind ausschliesslich Spenden vom Staat um den Kindern eine bessere Zukunft zu ermoeglichen. Die Schulen selbst koennten sich so etwas natuerlich niemals leisten.
Die Kinder denen wir Unterricht geben, sind alles Bauernkinder. Sie haben Glueck das sie ueberhaupt die Schule besuchen duerfen und nicht auf dem Feld arbeiten muessen. Die Leute hier haben keine Toiletten, sondern nur ein Loch im Boden mit einer Art Schuppen drumrum, welcher ebenfalls gespendet wird. Deswegen sind die Kinder auch nicht allzu sauber und manchmal auch krank. Viele haben auch nur noch ein Elternteil, weil das andere entweder abgehauen ist oder Tot. Wenn wir mit Luftballons oder Stiften kommen, dann ist die Freude immer gross und die Kinder reissen sich foermlich darum. Deswegen sind auch die Spenden so wichtig.
MIt dem Geld das mir gespendet wird, finanzieren wir in erster Linie den Anbau der Gemuesegaerten in Cahuish und Jangas. Das ist sehr wichtig, weil die Kinder sehr einseitig ernaehrt werden. Ausserdem besorgen wir Kostueme fuer unsere Theatergruppen. Wir finanzieren auch einige Ausfluege mit den Kindern, damit sie die wichtigen Punkte in ihrer Umgebung kennenlernen, weil sie sich die Fahrt und die Eintritte niemals leisten koennten. Ganz wichtig sind auch die Anschaffungen von Tageslichtprojektoren, Heften und Tafeln.

Naechste Woche werde ich noch ein paar Bilder mehr von den Schulen und den dazugehoerigen Doerfern reinstellen.

Bis dann und viel Spass beim Lesen
eure Bine



14.10.08 Fernbedienung und falsche Geburtstagskinder
Heute gings mal wieder nach Huaraz. Nach dem Reinfall vom Samstag, wollten wir diesmal gleich nach dem Frühstück fahren und zuerst einkaufen und erst am Schluss ins Internet gehen. Gesagt, getan. Es war das erstemal das wir bei richtig gutem Wetter durch die Stadt gelaufen sind. Je früher der Tag, desto besser das Wetter. Wir enterten also den Markt. Ich war noch keine 2 Schritte gegangen, da kam schon eine Indigena und rief „Gringita“ und strich mir über die Haare. Schwupps, was sie schon wieder weg. OK. Mittlerweile bin ichs ja gewohnt, deswegen hab ich mir dabei auch nix großes mehr gedacht. Eingekauft haben wir nicht viel, da wir mittlerweile alles haben, was man so braucht. Da uns die Vergaras beim Waschmaschinenausprobieren das Waschmittel gemopst haben, haben wir unser neues Waschmittel zur Strafe auf dem Markt gekauft und nicht wie sonst immer in Milton-Mamas Laden. Zum Schluss hab ich doch tatsächlich noch das unmögliche geschafft: Eine Fernbedinung für meinen DVD-Player zu ergattern!! Und zwar keine Universalfernbedienung, von der es in ganz Huaraz nur das eine Model gibt, das bei mir nicht funktioniert, sondern eine richtige LG-DVD-Player Fernbedienung. Juchu. Gleichzeitig hab ich das erstemal richtig erfolgreich gehandelt, nämlich auf fast die Hälfte runter. Bin richtig stolz, bisher musste Thomas immer für mich Handeln. Tja, jetzt bin ich eben schon groß. Dann, um zwölf sind wir in eine Pizzaria gegangen. Endlich mal wieder Pizza. Ich konnt mich gar nicht entscheiden. Für umgerechnet 2,75 Euro hab ich mir eine Pizza mit Schinken, Käse, Pilzen und Ei (das war irgendwie fast überall drauf) bestellt und es war soooo geil! Nachdem ich seit einem Monat jeden Tag Reis esse (worüber ich mich hier nicht beschweren will, der schmeckt nämlich auch super) gab es jetzt doch endlich mal wieder was total anders. Und Schinken! Ich, als absoluter Schinkenfan hatte schon beinahe Entzugserscheinungen. Wow! Ich hätte gleich nochmal eine Essen können, aber ich war leider schon zu satt. Dann waren wir noch auf der Post. Die Damen hinter dem Schalter waren ganz angetan von uns und richtig aus dem Häusschen, das wir über ein halbes Jahr hier bleiben. Dann haben sie Thomas noch gefragt ob ich seine Freundin bin (no, somos amigos de escuela) und eine hat gemeint ich hab so tolle Augen. Die andere hat ihr dann zugetuschelt, das ich bestimmt blos farbige Kontaktlinsen trage. Tja, ätsch liebe Angestellte, ich versteh mittlerweile was über mich geredet wird. Ich konnte also verneinen und schon sagen dass das meine natürliche Augenfarbe ist. Ha! Ansonsten waren sie aber wirklich sehr nett. Die werden uns eh noch oft genug zu Gesicht bekommen. Nachdem wir im Minimarkt noch die letzten Kekse einpackten die wir noch nicht probiert und bewertet haben (Karamel, Cocos, Kaffee und Vanille) sind wir in ein neues Internetcafe, weil ich vom alten genug hatte (das ist das wo immer der Strom ausfällt). Und was soll ich sagen? Wir haben endlich Skype entdeckt. Zwar nur auf Thomas Computer, aber immerhin. Werds nächsten Dienstag mal ausprobieren. So wie jedes mal, bin ich wieder vor dem Internet nicht aufs Klo gegangen. Und so wie jedesmal muss ich dann genau dann aufs Klo, sobald ich mich vor den PC setze. Ist aber ungünstig, schließlich zahlt man ja pro halbe Stunde und das will ich ja auch ausnutzen. Heute machte ich auch noch den Fehler währenddessen auch noch was zu trinken. Als wir dann endlich fertig waren, war es wirklich schlimm. Ich musste so dringend aufs Klo, das ich fast nicht mehr laufen konnte. Wie eine Ente bin ich an dem armen Internetcafetypen vorbeigewatschelt, hab ihm die drei Soles hingeknallt und nur noch geschaut das ich raus komm und aufs Klo. Es war schrecklich. Gleichzeitig musste ich aber auch noch so sehr über mich selber lachen, dass ich es fast nicht mehr aushielt. Endlich hab ich das öffentliche Klo erreicht, bei dem man für 50 centimos Eintritt auch noch einen Fetzen Klopapier erhält (hört sich nicht so luxuriös an, ist es hier aber, normalerweise gibt es nämlich kein Klopapier und Basta). Als ich ankam, war aber kein Kassierer da. Ich habe genau eine halbe Sekunde überlegt, bevor es mir wurscht war und ich endlich aufs Klo humpeln konnte. Gottseidank. Durch die Tür hörte ich dann die völlig aufgeregte Kassiererin, die inzwischen angerannt kam, zu Thomas sagen: „aber sie hat doch gar kein Papier“. Sie war total schokiert. Thomas erklärte ihr es sei sehr dringend gewesen und sie reichte mir mein (von Thomas bezahltes) Papier unter der Tür durch. Meine Güte, das war vieleicht peinlich. Der einzige Grund, warum ich das hier schreibe ist, weil ich weis das Thomas eh drüber schreiben wird und es deswegen so oder so zugeben muss. Und es ist ja nochmal gut gegangen. Auf jeden Fall war mir das eine Lehre. Vor dem Internetcafe wird jetzt immer brav das Häuschen besucht. Zuhause angekommen, wollten wir dem Geburtstagskind Marie unser Geschenk überreichen (ein Armband, das ich eigentlich als Gastgeschenk noch in Deutschland gekauft habe). Blöderweise waren heut alle 3 Vergara-Schwestern zugegen und die eine Schwester (Tania) sieht für unsere europäischen Augen genauso aus wie Marie. Wär natürlich peinlich, wenn wir jetzt der falschen Schwester das Geschenk geben. Als wir schließlich samt Geschenk in die Küche kamen war zum Glück keine der Mädels da, sondern nur Milton. Also war ich ganz schlau und hab gesagt er solle doch mal Marie holen, wir hätten ein Geschenk. Super, klappt ja wie am Schnürchen. Er ging also raus – und kam mit allen 3 Schwestern wieder zurück. Mist. Jetzt blieb nur noch der mutige Griff ins blaue. Ich schaute eine der beiden an und fragte ganz blöd: Du hast doch heut Geburtstag, oder? Sie schaute etwas verdattert, ich dachte schon „oh,oh“, da sagte sie „Ja“. Puh, Glück gehabt. Nachdem das Armband gebührend bewundert wurde, natürlich nicht ohne das wir erwähnt haben es sei aus Alemania, obwohl es solche Armbänder hier auch zuhauf gibt, gings dann auch schon wieder ins Bett. Zum Glück ohne noch was vom Geburtstagscuy abzubekommen.


15.10.08 Fußballspielen und Fußballschauen
Heute waren wir mal wieder in Atupa. Und es waren tatsächlich Kinder da!! Obwohl heute schon wieder ein Fest war, wohlgemerkt! Bis auf zwei waren sogar alle da. Es waren aber keine 30, wie Milton uns gesagt hat, sondern nur 10. Die gesamte Schule hat nämlich nur 12 Kinder im Alter von 6 – 15 Jahren. Das ist ja süß. Wir haben dann draußen Unterricht gehalten, was leider ein bisschen ungünstig war, da wir ja eigentlich eine Tafel brauchen. Also haben wir mal wieder die alte Leier von unserer langen Reise ausgepackt, die ich mittlerweile auch schon auswendig kann. Fragen gabs keine, da wir ja nichts angeschrieben hatten. Deswegen hat unsere „Stunde“ auch ungefähr nur 20 Minuten gedauert. Die Kinder waren aber ausgesprochen höflich und haben es sich überhaupt nicht anmerken lassen, wenn wir mal Müll erzählt haben. Danach durften sie noch die 2 Collagen über Berlin anschauen und auf unseren Hinweis hin, das es dort Häuser gibt mit über 10 Stockwerken haben sich alle um ein Bild gescharrt und mussten erstmal nachzählen.


Die Kinder scharren sich um unsere Berlincolagen


Na also, wars wenigstens ein bischen spannend. Milton war dann ein wenig enttäuscht, das wir nicht mehr vorbereitet haben (haben wir ja, ging halt nicht ohne Tafel), darum wollte er, dass wir noch ein bischen über das deutsche Schulsystem plaudern. Aha. Aus dem Stegreif hab ich dann versucht die Hauptschule und das Gymnasium zu erklären, Thomas durfte die Realschule machen. Weis nicht ob das alles verständlich war, was wir da so daher brabbelten. Trotzdem bin ich ein bissl stolz, das erstemal ganz ohne abschauen. Danach hatten wir die Ehre mit den Kindern Fußball zu spielen. Ich (mit meiner Ballphobie) und Fußball! In 3000 Metern Höhe. Super. Bei der Teamzusammenstellung wurde ich dann auch noch als letztes gewählt. Toll. Wahrscheinlich haben die Kinder schon geahnt, das man mit mir keinen Blumentopf gewinnen kann. Wie recht sie doch hatten. Alle Kinder haben gespielt wie der Teufel, ich, wenn ich mal den Ball erwischt hab, hab ihn immer mindestens 3 m von meinem eigentlich angestrebten Ziel entfernt irgendwohin ins Aus gepfeffert. Aber 2x hab ich doch ein Tor geschossen, einmal als ich Thomas (der Torwart bei der gegnerischen Mannschaft war) faulte und er auf dem Boden lag (besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen) und einmal als ich über so nen Zwerg drübergeschossen hab. Wir spielten ca. eine dreiviertel Stunde. Mir kams vor wie 5 Stunden, weil es in dieser Höhe echt wahnsinnig anstrengend ist. Ich konnte meine rote Birne quasi aus den Augenwinkeln leuchten sehen. Wer gewann weis ich gar nicht, ich glaube aber wir.


Freude ueber die neuen Stifte in Atupa


Für die nächste Stunde hat sich Milton dann was besonderes ausgedacht: wir sollen unseren Unterricht das nächste Mal spielen. Die Geschichte irgend einer besonderen deutschen Person. Hm. Ich muss zugeben, dass ich in Geschichte die absolute Niete war und noch immer bin. Über Hitler wollen wir auch nicht spielen, das hat Milton nämlich zuerst vorgeschlagen. Also fiel mir nix blöderes ein, als Sankt Martin vorzuschlagen. Der ist noch nicht mal deutsch, aber wir feiern ja immer seinen Namenstag, ausserdem wird bei uns am Sankt-Martinstag auch immer was vorgespielt, dann müssen wir uns nicht so viel überlegen. Da bin ich ja mal gespannt. Am Nachmittag gings wieder zur Castellano-Stunde. Wieder zur Hospedaje, obwohl immer noch Fiesta in Hungar war und unsere Hospedaje inzwischen weitervermietet wurde (wir zahlen übrigens noch bis zum 19.10. dafür). Tja, haben wir halt wieder draußen „gelernt“. Diesmal wars ganz übel. Die Profesora hat irgendwas erklärt was ich einfach nicht geckeckt hab und Thomas genauso wenig. Ich weis immer noch nicht was das sein sollte. Dann ging auch nor der blöde Böller-Krach wieder los. Oh, mann. Nach ewig langen eineinhalb Stunden haben wir endlich aufgegeben. Dann wollten wir zurück mit dem Collectivo und es kam eine halbe Stunde kein einziger vorbei. Scheinbar waren alle Fußball schauen. (Das Spiel Paraguay – Peru fing nämlich um 16.15 Uhr Ortszeit an und es war bereits 16.30 Uhr.) Wir wollten das Spiel natürlich auch sehen und mussten ewig blöd in Hungar rumstehen. Tja, selber Schuld Milton, er will ja unbedingt immer noch in die doofe Hospedaje fahren für den Unterricht. Als wir endlich da waren, war bereits Halbzeit. Ich muss leider sagen, das sogar ich Ober-Leie erkennen musste, das die Peruanische Fußballmannschaft grottenschlecht ist. Da haben die Kinder heute ja besser gespielt. Die Mannschaft hat ungefähr so gespielt wie ich heut. Puh. Nach einer 0:1 Niederlage war der Spuk auch schon wieder vorbei. Abends hat Milton mit uns nochmal unser Theater besprochen. Ich hab versucht ihm die Sankt Martin geschichte zu eklären, was mir aber glaub ich nicht so recht gelang. Ich muss mal wieder ein bissl mehr Spanisch lernen, lass ganz schön nach in letzter Zeit. Heute sind wir übrigens seit 4 Wochen in Peru. Die Zeit vergeht echt wie im Flug. Nächste Woche Freitag fahren wir nach Lima um Anika und Joana abzuholen. Freu mich schon.



16.10.08 Küsse und Karibik
Heute waren wir mal wieder in Mataquita. Ich war ja gespannt wie ein Flitzebogen, ob wir jetzt endlich mal Unterrichten oder doch nicht. An der Schule angekommen, standen wir erstmal vor dem verschlossenen Zaun. Die sperren doch tatsächlich ihre Kinder ein. Na so was. Da kam auch schon flugs der (Con(?))-Rektor angerannt um uns zu öffnen. Er war ganz aus dem Häuschen das wir wieder kommen. Ist doch klar, was hat der denn gedacht. Schwupps hat er mir den (normalerweise angedeuteten) Begrüßungskuss aufgedrückt und zwar in vollem Außmaß (von wegen angedeutet) und auch noch halb auf den Mund, den ich zu allem Überfluss auch noch halb geöffnet hatte, da ich gerade dabei war „Buenos Dias“ zu sagen. Ja Pfui Deibel. Ich hab daraufhin zu Thomas gesagt, er solle mich jetzt bei ihm immer dran erinnern, das ich meinen Kopf mehr zur Seite dreh. Buah. So ein Sauhund. Nun gut. Dann hab ich ihn noch fragen müssen, wo denn hier die Toilette ist. Irgendwie muss ich immer an den ungünstigsten Orten aufs Klo. Er erklärte sich bereit mich dort hin zu führen. Na Prima. Also sind wir los getrottet, in die hintersten Winkel der Schule. Als es Bergab ging, wollte er mir auch noch seine Hand geben. Ne, danke. Wieder zurück, war er dann verschwunden. Gut, ich dachte schon er wartet vor dem Klo auf mich. Tja. Dann kam irgend ein anderer Lehrer der uns dann in den Werkraum führte und uns irgendwelche, mit der Laubsäge ausgesägten und gebastelten Figuren von Löwen und Hähnen zeigte. Nach vielen „Ahs“ und „Ohs“ und „in Deutschland sind die Sachen natürlich nicht sooo toll“ gings dann wieder raus und zu irgendwelchen anderen Lehrern. Wir wurden mal wieder vorgestellt und dann kam schon wieder mein neuer Freund der Rektor oder Conrektor oder was auch immer. Ganz eifrig schenkte er mir ein Brot, das letzte das noch da war, wie er betonte. Wie nett. Tja. Dann saßen wir da. Eine Stunde. Nix passierte. Ich dachte schon, wir arbeiten heut wieder nicht und könnten ja dann bald gehen, da eröffnete Milton uns, das wir heute in der 5en Klasse (12 Schüler) Deutschkunde halten sollen. Also doch. Während wir noch so warteten, erklärte er uns, das wir doch demnächst mal in Huaraz auf den Hehlermarkt gehen sollen, um dort ein Kabel für den Drucker im Jangas-Computerraum zu besorgen, dieses sei nämlich geklaut worden. Ähm, wie bitte? Auf den Hehlermarkt? „Ja, das ist doch viel billiger“. OK. Das ist hier ganz normal und auserdem ist unser Kabel ja auch geklaut worden, dann ist das also nur fair. Er erzählte noch etwas mehr über den Hehlermarkt. Ob er jetzt illegal ist oder nicht hab ich nicht so ganz kapiert. Aber eigentlich sollen Thomas und ich da eh nicht allein hingehen, weil die nicht „nett“ zu Gringos sind. Aha. Ehrlich gesagt bin ich da jetzt auch nicht unbedigt scharf drauf, aber wenn Milton da unbedingt sein blödes Kabel kaufen will, kann er das meinetwegen gern tun. Ohne mich allerdings. Dann gings los in ein ziemlich dusteres Klassenzimmer zu Deutschkunde. Wir laberten mittlerweile schon zum 5x unser übliches Bla bla (so viele Stunden Reise, Deutschland ist so und so groß.....) und die Kinder hörten brav zu.



In Mataquita tragen sie Schuluniformen


Dann gabs wieder ne Runde Fotos anschauen und Bleistifte als Geschenke und das wars dann auch schon wieder. Anders als in Cahuish, haben wir diesmal keine Fragen gestellt. Der Grund war, dass der Lehrer während unserer Stunde immer wieder reingelabert hat und selber schon die Fragen gestellt hat. Nachdem mein Freund, der (Con-)Rektor noch angehastet kam und mir einen fetten Schmatzer (diesmal zum Glück nur auf die Wange, Danke Thomas fürs erinnern) aufgedrückt hat, gings wieder nach Hause. Als wir den Berg zur Straße hochkraxelten, eröffnetet Milton uns, das er morgen nach Lima fährt und zwar – ach was – um dort den Hehlermarkt zu besuchen, der noch viel besser ist als der in Huaraz. Wie bitte? Und dafür nimmt er 16 Stunden Fahrt in Kauf? Na, das muss sich ja lohnen. Da wir morgen ohne ihn in Cahuish mit den Winzlingen die nur Quechua sprechen ziemlich aufgeschmissen wären, haben wir frei! Jippieh! Das heisst wir können nach Huaraz fahren. An der Straße angekommen mussten wir auf einen Colectivo warten. Eine dreiviertel Stunde lang. In dieses Nest verirrt sich echt niemand. Unser Gespräch währenddessen, drehte sich mal wieder um Rassisten. Welches Land in Europa hat am meisten Rassisten, will Milton wissen. Oh mann, was soll man denn darauf antworten? Wir haben wieder die gute, alte, diplomatische Antwort gegeben, das jedes Land so seine schwarzen Schafe hat. Dann erzählte er uns noch, das Fredy in den USA ein ganz schweres Leben hat, weil ihn in den Läden manche Leute nicht bedienen wollen und so Zeug. Und er ist jetzt übrigens wieder zurück in den USA, bei seinem Mauerblümchen. Diese ist übrigens halbe Chinesin. Na gut, besser die als Ariane. Die mag ich zwar echt ganz gern, aber – Hey – ich hab ihn zuerst gesehen. Dann kam endlich ein Colectivo. Eine Indigena ist sogar ausgestiegen und hat sich in den Kofferraum gesetzt, damit ich auf den Rücksitz kann. Das war mir fast ein bischen peinlich, aber ich wollte mit ihr dann nicht auf offenem Feldweg darüber diskutieren, das es mir nichts ausmacht mich in den Kofferraum zu setzen. Also hab ich mich brav bedankt und bin eingestiegen. Mir fällt eh immer mehr auf, das die Leute immer freundlicher werden. Jetzt, da wir uns ein bischen mit den Angewohnheiten und der Sprache auskennen, können wir das erst so richtig erkennen. Die Leute sind hier fast alle wahnsinnig zuvorkommend und geizen nicht mit unglaublich netten Komplimenten. Meistens sind sie total aufgeregt, wenn sie erfahren das wir aus Alemania kommen. Wenn wir dann noch sagen, dass wir Freiwillige sind und als Lehrer arbeiten, sind sie vollends begeistert. Das macht Spaß! Nach dem Mittagessen (ich habe heute nur die halbe „Sopita“ gegessen, es hilft nix, selbst wenn ich zu Mama Milton sag ich will nur „un pocito“, macht sie mir den Teller bis über den Rand voll. Naja, Dolly freut sich) hatten wir Siesta. Ich hatte die Super Idee, den Fernseher vor meine Zimmertür zu rutschen und so von der Hängematte aus „Fluch der Karibik“ anzusehen. So waren wir bei dem schönen Wetter draußen, konnten trotzdem Fernsehen und haben gleichzeitig Spanisch gelernt, da der Film in dieser Sprache lief. 3 Fliegen mit einer Klappe, muss sagen, ich habs echt drauf ;-) Die suessesten Schweinchen gibts in Mataquita


17.10.08 Muttermilch und Marktbesuch
Uiuiui, heute ist unser „einmonatiges“ in Peru. Zu allem überfluss haben wir heute auch noch frei und können nach Huaraz fahren. Es wär zwar eigentlich gar nicht so nötig gewesen, weil wir ja in letzter Zeit recht oft waren, aber wir wollten mal wieder zur Post. Außerdem wollte Milton ja, das wir ein Kabel für den Drucker kaufen gehen und dazu noch eine Patrone. Wenn er funktioniert dürfen wir ihn haben, und das lass ich mir natürlich nicht 2x sagen, da es doch ziemlich umständlich ist, die Blätter für die Kinder immer im Internetcafe ausdrucken zu lassen und danach zum Copyshop zu gehen. Also sind wir gleich nach dem Frühstück reingefahren. Zuerst sind wir dann doch wieder ins Internet, immerhin muss man ja auf dem laufenden bleiben. Heute schauten wir allerdings, dass wir schnell wieder rauskommen, da der Internetcafetyp eine uralte Roxette-CD aufgelegt hat und jedes einzelne Lied in ziemlich falschem Englisch mitträllern musste. Wunderschön. Nach dem dritten Mal „Listen to your heart“ bin ich dann wieder abgedampft und hab draußen auf Thomas gewartet. Dann gings auf den Markt. Ich wollte an meine Familie schon mal ein paar Weihnachtsgeschenke schicken, ist zwar noch etwas früh, aber so ein Paket dauert 4 Wochen und ich wollte jetzt endlich auch mal was schicken, Thomas ist ja schon die ganze Zeit dabei. Was genau ich jetzt gekauft hab, will ich nicht verraten, weil es Überraschungen sein sollen, aber ich muss sagen, ich habe sehr gut gehandelt. Habs mittlerweile echt drauf :-) Dann gings zur Post. Die nettere Frau von den beiden war heut leider nicht da, nur die, die behauptet hat, meine Augen wären nicht echt. Pah. Nachdem wir unsere kopierten Pässe abgegeben haben und Fingerabdruck und was weis ich noch alles, waren wir nach ca. 40 Minuten endlich fertig mit den zwei Paketen. Hinter uns warteten schon 3 andere Leute. Dann sind wir Pizzaessen gegangen. Es war voll lustig, weil meine Pizza ziemlich lang gedauert hat und der arme Kellner sich ca. 100x entschuldigte. Dabei dauert hier alles lang, wenn er sich nicht entschuldigt hätte, wär es mir gar nicht aufgefallen. Da Klo in dieser Pizzeria war übrigens auch wieder ein sehr hübsches. Klingt jetzt zwar doof, aber ich zähle hier die schönen Toiletten, weil die meisten wirklich unglaublich wiederlich sind. Ein Restaurant mit schönem Klo hat also das absolute Recht hier erwähnt zu werden. Ich weis zwar nicht mehr genau wie es hieß, aber ich glaube „Encuentro“. Nur für den Fall, dass einer von euch sich mal nach Huaraz verirren sollte :-)


Hab versucht Jangas auf der Karte zu zeigen, der rote Kringel ist unser Haus


Nach dem Essen hatten wir nicht mehr viel zu tun. Zuerst sind wir noch zur Geschäftsstelle vom Busunternehmen „Cruz del sur“, weil wir gleich 2 Fahrkarten für nächsten Freitag kaufen wollten, um nach Lima zu fahren und Anika und Joana abzuholen. Dazu mussten wir mal wieder unseren Pass zeigen, den ich natürlich nicht dabei hatte und die Kopie hab ich vorher ja schon schlauerweise in der Post abgegeben. Ich hab dann einfach irgend eine Nummer die auf irgend einem kopierten Passzettel von mir stand, aufgeschrieben und das hat scheinbar gereicht. Na gut. Die Verkäuferin war aber sehr nett und fand es ganz toll, das wir hier als Lehrer arbeiten. Während sie so unsere Fahrkarten ausfüllte und mit uns plauderte, kam ein kleiner Junge (ca. 2 Jahre) und setzte sich auf ihren Schoß. Sie nahm ihn in den Arm – und packte doch tatsächlich ihre Brust aus und lies den kleinen(?) doch glatt vor ihren Kunden (uns) an ihrer Brust saugen, als wär da überhaupt nichts dabei. Im Grunde ist ja auch nicht viel dabei, aber am Anfang war ich schon ein bisschen Perplex und wusste gar nicht wo ich hinschauen soll, schließlich wird man bei uns in Deutschland in so Geschäften ja eher selten von Frauen bedient, die wärenddessen mal flugs ein bischen Muttermilch verteilen. Aber naja, hier ist das eben ganz normal, also haben wir auch so getan, als wär es auch für uns ganz normal. Wird bestimmt noch öfter vorkommen, dann sind wir es ja schon gewöhnt. Wir haben noch ein paar DVDs gekauft (es ist hier wohl üblich Raubkopien zu verkaufen und scheinbar ist das noch nichtmal verboten, es gibt auf jeden Fall sehr, sehr viele Läden) und wollten noch auf einen anderen Markt gehen, der überdacht ist und ziemlich vollgestopft mit allerlei Kitsch und Blödsinn (und einer riesen Essensabteilung, wo sämtliche Innereien von Schweinen, Kühen, Göckeln und Meerschweinchen einfach so rumhängen, bzw. liegen. Es ist absolut eklig und ganz bestimmt nicht hygienisch, aber das Geschäft boomt.) Hier hatten wir vor, nach einem neuen Hand-Handtuch für das Bad zu suchen. Wir gehen für solche Sachen jetzt immer extra auf den Kitschmarkt, da wir seit neuestem immer nur die hässlichsten und kitschigsten Sachen kaufen. Das Hand-Handtuch das wir schließlich kauften ist also pink und hat einen quitschbunten Marienkäferaufdruck. Die Verkäuferin hatt uns ziemlich blöde angeschaut, weil wir ihre schönen Handtücher verschmähten und unbedingt den Marienkäfer wollten, aber nachdem wir drauf bestanden haben, hat sie ihn uns dann doch ausgehändigt. Mittlerweile sind wir stolze Besitzer von 4 bunten Herztassen, mit der Aufschrift „Te quiero Mama“ (sind aber alle 4 verschieden), 2 Plastiktellern mit Oma-Blumenmotiv, 2 Hand-Handtüchern, eines mit Marienkäfern und eines mit U-Boot und Fischen und einer Winni-Poh-Nachttischlampe, die Thomas unbedingt haben wollte (ich bleib dann doch lieber bei meiner Stirnlampe). Bei meinem Streifzug durch die Stadt und durch den Markt entdeckte ich ca. 20 Wasserkocher und 40 Fernbedienungen. Es ist zum Verrücktwerden: Immer wenn wir etwas dringend brauchen, laufen wir durch ganz Huaraz und fragen in jedem Geschäft nach, das irgendwie so aussieht als gäbe es das gewünschte Objekt dort. Gibt es aber nie. Ganz zum Schluss, wenn wir dann wirklich keinen Bock mehr haben, finden wir es dann doch. Froh darüber, bezahlen wir schnell und meistens zu viel und nehmen das Ding glücklich mit. Kaum erstanden, sehen wir die Sachen dann plötzlich überall. Es ist echt wie verhext. Die ganze Zeit sucht man verzweifelt nach etwas und wenn man es dann endlich hat, liegt es an jeder Ecke rum! Es ist als ob die Stadt einen verarschen will. Naja, auch egal. Nachdem ich mir noch ca. 4 kg Obst aufgeladen hatte, wollten wir gehen. Aber irgendetwas war noch nicht erledigt. Nur was? Ach, stimmt ja, das blöde Druckerkabel und die Patrone. Tja, was soll ich sagen? Nachdem wir sonst immer an 100 Computergeschäften vorbeilaufen, haben wir diesmal natürlich wieder kein einziges gefunden und wenn doch, gabs dort kein Kabel. Geschäft Nr. 6 hatte dann wenigstens eine Patrone für uns und schickte uns auch noch freundlicherweise zu Geschäft Nr. 7, das doch tatsächlich ein Kabel hatte. Es war ein ziemlich dubioser Laden und es würde mich kaum wundern, wenn dort einiges verkauft würde, das vom Laster gefallen ist. Der Typ hat sich dann auch noch halb kaputt gelacht, das wir 10 Soles (2,50 Euro) für dieses blöde Kabel gezahlt haben. Wie auch immer, hauptsache wir haben es. Beim Weg zum Colectivo haben wir dann auch noch zufällig Milton getroffen. Ich glaube er war in Huaraz um dort den Englischunterricht zu besuchen, bin mir aber nicht sicher, ob ich das alles richtig verstanden hab. Jedenfalls hatte er ein Englischlehrbuch dabei und es mir stolz gezeigt. Zuhause angekommen, holten wir den Drucker. Wir öffneten die Klappe für das Papierfach und was lag da wohl? Das „geklaute“ Kabel! Na Prima. Die ganze Sucherei war also umsonst. Milton fands lustig. Wir dann auch, mehr oder weniger. Leider funktioniert der Drucker trotzdem nicht, da er nicht auf dem PC installiert ist, oder wie das heisst, ich kenn mich da genausowenig aus wie Milton. Thomas dafür schon und jetzt müssen wir halt noch einen Treiber beschaffen. Da bin ich ja gespannt. Wird bestimmt wieder ganz einfach


:-)





18.10.08 Mistwetter und Musikgeschmack
Heute war unser zweiter freier Tag, da Milton jetzt doch nach Lima gefahren ist. Schon in der Früh ging das muntere Feuerwerksgeballere los, die Leute in Jangas haben sich das also wohl doch nicht so zu Herzen genommen, wie erhofft. Naja, ist halt eine „Gewohnheit“, wie so manches hier, das nicht ganz ok ist. Eigentlich wollte ich die freie Zeit heute nutzen, um mal einen schönen Spaziergang in die Berge ringsrum zu machen. Immerhin sind wir hier an einigen schönen Gebirgswegen und fahren jeden Tag blos blöde mim Colectivo durch die Gegend. Leider war genau heute mal den ganzen Tag schlechtes Wetter. Mist. Also haben wir eben viel für unseren Unterricht getan, ich hab ein paar Märchen für die kleinen Abgetippt, die diese wiederum im Computerunterricht abtippen sollen und Thomas hat die nächste Deutsch-Kunde-Stunde vorbereitet, Sport in Deutschland. Ich glaube das war alles was wir an diesem Tag gemacht haben. Ich hab nur noch ein bisschen Gitarre geübt. Wird Zeit das ich mal besser spielen kann, damit wir mal zusammen ein bisschen Musik machen können. Ich möchte den Kindern und auch Milton mal ein paar Lieder zeigen, die halt bei uns so mit Gitarre gesungen werden (Da Capo Stoff meinetwegen). Es scheint mir nämlich so, dass das einzige das die hier anhören „Gumbia“ ist, so eine rhytmische Musikart mit Latinogesang. Ist ganz gut zum Tanzen und hört sich auch nicht schlecht an, aber, wie gesagt, es ist wirklich fast das einzige. Dazu kommt, das die hier scheinbar nur eine Band dafür haben, nämlich „Grupo 5“. Egal, ob wir Radio hören, im Auto ein CD läuft, wir einkaufen sind oder im Colectivo mitfahren, es läuft Grupo 5 und zwar nur. Es ist der Wahnsinn. Auch wenn eine fiesta ist und eine Band spielt, sie spielen fast ausschliesslich Grupo 5. Ich kann mittlerweile die Lieder schon fast auswendig. Das klingt jetzt vieleicht übertrieben, ist es aber nicht. Es ist wirklich so. Perus Musikwelt besteht aus Grupo 5. Ich weis echt nicht was die machen, wenn diese Band sich mal auflöst. Werden sie aber wahrscheinlich nicht, die müssen ja Millionen machen. Naja. Ich werd mir auf jeden Fall auch eine CD besorgen, bevor ich wieder Heim nach Deutschland flieg, wahrscheinlich krieg ich Entzugserscheinungen wenn ich die nach einem halben Jahr plötzlich nicht mehr jeden Tag hör. Abends kam dann Milton auch schon wieder zurück von Lima. Mit seinen Eltern, die irgendwie auch mitgekommen sind. Wir haben dann noch ein bisschen über Brotaufstriche geredet (weis auch nicht mehr wie wir darauf gekommen sind) und morgen in Huaraz wollen wir ein Glas Nutella kaufen, weil die Vergaras das gar nicht kennen. Freu mich schon. Nach einem Monat jeden Tag Erdbeermarmelade (die ich in Deutschland übrigens überhaupt nicht esse, weil ich das Zeug eigentlich hasse) endlich mal wieder was anderes. Njam!



19.10.08 Stromausfall und Stirnlampen
Heut waren wir mal wieder in Huaraz. Eigentlich sind wir nur dorthin gefahren um nach einem Treiber für den Drucker zu suchen. Wir mussten nicht mal den Colectivo nehmen, weil Nino, Miltons jüngerer Bruder auch nach Huaraz wollte, mit seinem neuen(!) Auto. Nicht schlecht. Naja, ich war froh, ist doch ein bissl entspannter, in so einem neuen und bequemen Auto zu sitzen, statt im klapperigen, überfüllten VW-Bus. Das Auto hatte sogar hinten Anschnaller. Eine wahre Luxuskarrose also. Ich wollte mir nur vorher schnell ein Bettlaken kaufen, weil meins viel zu klein ist für die Matrazte und das Bett eh aussieht wie zusammengeklaut. Zuerst kommt eine Strohmatratze, ohne Bezug, dann eine Schaumstoffmatratze, die in der Mitte ungefähr die Hälfte so dick ist wie an den Seiten, darüber der viel zu kleine Überzug und darüber ca. 5 Wolldecken. Ich schlaf allerdings im Schlafsack. OK, also sind wir erstmal auf den Hühnermarkt. Das ist der Markt, wo sie das ganze Fleisch offen verkaufen.


Ansicht des Marktes, auf dem oberen Bild liegen gehaeutete Meerschweinchen


Der Geruch da drin ist echt unbeschreiblich, aber man bekommt so ziemlich alles was man will. Nur leider kein Bettlaken. Dafür haben wir ein Glas Nutella entdeckt. Das kostet hier 18 Soles (4, 50 Euro). Ich hab echt lang überlegt ob ichs nehm, immerhin ist es das erste Produkt das ich hier gesehen hab, das mehr kostet als in Deutschland. Aber wir habens den Vergaras ja versprochen, also haben wir es eben gekauft. War eh der einzige Stand in ganz Huaraz wo es das überhaupt gab. Ist wohl nicht sehr weit verbreitet hier und deswegen so teuer. Fein. Für mein Bett hab ich mir dann eben eine riesige Touristendecke gekauft, die echt voll schön ist und die ich dann auch mit Heim nehm. Hab sie sogar um 10 Soles runtergehandelt. Wollte zwar noch mehr handeln, aber irgendwann hatte ich keinen Bock mehr und der Typ war echt knallhart. Nach einem kurzen Internet-Intermezzo sind wir dann auch schon wieder heim, ich konnte es kaum erwarten mein Bett zu „beziehen“ und einen unserer neu erstandenen DVDs anzuschauen. Daheim erwartete uns aber eine ungünstige Nachricht: Es gab keinen Strom. Zuerst war das kein Problem, es war ja noch Hell und ich wollte ja eh zuerst mein Bett umgestalten. Als ich damit fertig war, hab ich auch gleich noch mein Zimmer umgestellt, weil hinter meiner Strohmatratze zwei Steckdosen verliefen und ich der Sache einfach nicht so ganz trauen kann, hier. Kaum war ich fertig, wars auch schon halb sieben Uhr abends und Punkt halb sieben wirds hier dunkel. Zack, das dauert ca. 10 Minuten, dann ist es Stockduster. Also haben Thomas und ich unsere tollen Stirnlampen ausgepackt, die wir ja extra für solche Fälle zuhause in Deutschland gekauft haben und haben Uno gespielt. Das muss echt lustig ausgesehen haben, denn als Milton-Mama uns geholt hat zum Abendessen hat sie sich halb kaputt gelacht. Milton-Papa war dafür total begeistert von diesen Dingern. Ob die mit Batterie funktionieren und wie das geht und wo es so was gibt und und und. Der wollte sie fast gar nicht mehr hergeben. Nach dem Essen haben wir uns noch eine Kerze geschnorrt (so was hab ich natürlich vergessen) und Streichhölzer (ebenfalls vergessen) und sind wieder abgedampft.


Stromausfall hat was romantisches..


Milton Papa hat noch erzählt, das der Strom normalerweise höchstens eine halbe Stunde nicht geht und es total komisch ist, das er, wie heute 5 Stunden oder mehr ausfällt. Naja, wir fandens lustig, immerhin haben wir uns unser Leben in Peru ja auch ein bisschen mehr so vorgestellt. Milton-Oma war von den Lampen übrigens auch sehr angetan, ich hab ihr meine geliehen als sie im kohlrabischwarzen Zimmer abspülen wollte. Leider wollte sie sich die Lampe nicht umschnallen, das wär noch ein Foto wert gewesen. Ich glaub ich weis jetzt auch was die Vergaras zu Weihnachten von uns kriegen, Milton hat nämlich dann auch noch für 5 Minuten die Stirnlampe bewundert. Prima. Schon mal ein Problem gelöst.
So ab 21 Uhr ging der Strom aber dann wieder und wir konnten endlich „Kill Bil“ anschauen, was ich schon kaum noch erwarten konnte. Irgendwie schon blöd, das ich sogar hier total abhängig bin vom Strom. So ein Stromausfall ist vieleicht mal ganz gut.



20.10.08 Trotzige Kinder und Todesabstieg
Heut war mal wieder Cahuish angesagt. Das letzte mal zu zweit. Kanns kaum noch erwarten endlich mit Anika und Joana zusammenzuarbeiten und so weiter. Wir haben über Sport in Deutschland erzählt, hauptsache über Fußball. Die Kinder waren schon brav, aber so richtig interessiert waren sie jetzt auch nicht. Naja, das wars jetzt dann eh bald mit Deutschkunde und dann geht der Ernährungskundeunterricht los. Da können wir dann eh viel besseren Unterricht halten, auch mit Spielen und so. Danach gings wieder zur Computerstunde. Ein Junge, Diego, hatte heut keinen Bock und ist einfach raus gegangen. Ich musste erstmal mit Milton reden, wie wichtig das doch ist, damit er Diego holt und ihm erzählt wie wichtig das doch ist. Der wollte aber trotzdem nicht und war zwar anwesend, hat mit seinem Kumpel aber nur Blödsinn gemacht. Das war echt das erstemal das es mich richtig genervt hat, aber ich hab versucht ruhig zu bleiben und es ging dann später auch. Danach hat mir Milton erzählt, das der Vater von Diego abgehauen ist und die Mutter mit ihm und seinen 4 Geschwistern allein gelassen hat. Sein Bruder musste daraufhin nach der 6.(!) Klasse die Schule abbrechen und auf dem Feld arbeiten. Und er ist da leider kein Einzelfall. Auch von anderen Kindern hab ich heut traurige Geschichten gehört. Ein 9-jähriges Mädchen lebt bei seiner Tante, weil beide Eltern bei einem Unfall gestorben sind. Bei vielen anderen sind die Väter abgehauen und viele größere Brüder oder Schwestern mussten die Schule abbrechen und Zuhause helfen. Es gibt Mädechen, die müssen das ganze Jahr Schafe hüten. Sie gehen nicht in die Schule, haben nie Ferien oder einen freien Tag, sondern sitzen jeden Tag alleine bei ihren Schafen. So was will ich mir gar nicht vorstellen. Die armen. Da fällt mir erst mal wieder ein wie gut wir es alle haben. Später kam dann noch die Professora und hat uns gesagt, dass die Kinder sehr zufrieden mit uns sind. Das hat mich sehr gefreut, weil ich manchmal denke was wir machen ist eh total umsonst. Aber auch Milton meint, vor allem den Computerunterricht machen wir gut. Ich hoffe trotzdem wir verbessern uns noch ein bisschen.
Dann gings an den Abstieg, heute mal wieder zu Fuß. Milton fragte uns, ob wir den normalen Weg laufen wollen, den auch die Taxis fahren, oder ob wie die Abkürzung nehmen, die ist aber ein bischen gefährlicher. Weil er uns jedesmal nach der Abkürzung fragt, haben wir diesmal zugestimmt. Am Anfang wars auch noch ganz nett. Wir sind über ein paar Felder gelaufen, die waren zwar ziemlich steil (40° Steigung oder mehr), aber es ging ganz gut.

wunderschoene Aussicht vom Horrorpfad

Dann sind wir noch an hübschen kleinen Bächchen vorbei, auf einem kleinen Trampelpfad und ich fing gerade an es zu geniesen und wollte schon vorschlagen das wir den Weg ab jetzt immer nehmen, da blieb Milton auf einmal stehen. Irgendwie hat er den Weg nicht mehr genau gewusst und der einzige Trampelpfad der noch begehbar war, führte zurück nach Cahuish. A ja. Und jetzt. Wir standen direkt vor einem ziemlich steilen Abgrund. „Ja, wir müssen da runter, dann kommen wir auf der anderen Seite des Tales wieder auf den normalen Weg“. OK. Und wie? Milton ging vorraus und der Camino de muerte begann. Es war schrecklich. Der „Pfad“ war unglaublich steil und halt gab es so gut wie keinen. Zum Glück wuchsen überall so komische Gräßer, an denen man sich festhalten konnte, sonst wär ich bestimmt ca. 7x auf dem Hintern runtergerutscht. Leider durfte man aber nicht alle Pflanzen anfassen, einige waren nämlich giftig. Super. Manchmal musste man auch aufpassen, dass man nicht in einen Kaktus greift, diese wuchsen nämlich prächtig auf diesem Hang. Ich wollte eh lieber nicht darüber nachdenken, was hier noch für Viecher (Schlangen z.B.) rumwuseln, die man in die Finger kriegen konnte. Der Abstieg dauerte ewig. Bestimmt 20 Minuten oder mehr. Ich hatte zu allem überfluss diesmal auch noch meine Mütze vergessen und blos die Umhängetasche an, die mich ständig von einer Seite zur anderen Schleuderte. Teilweise war die Steigung ungelogen bei ca. 70°. Dazu wars heiß wie in der Wüste und irgendwann fingen Fliegen und so kleine Mücken an uns zu umkreisen. Nachdem es mich auch noch auf den Hintern gelassen hat, wollt ich nur noch unten ankommen.

Ich haeng in den Seilen..

Als es endlich so weit war, war die ganze Tortur aber auch schon vergessen, weil wir an einem wunderschönen Bach standen, der von Steinen gesäumt war, so das man ihn gut überqueren konnte. Außerdem war ich auch ein bischen Stolz und es war auch mal was anderes. Und die Landschaft war wirklich der Hammer. Ab jetzt ging es nur noch ein bisschen Bergab und es war wirklich schön zu gehen. Nach eineinhalb Stunden waren wir endlich da, aber ich war so fertig, das ich gleich nach dem Mittagessen 1 Stunde in der Hängematte gepennt hab. Trotzdem überleg ich, ob ich Milton nicht Frage ob wir den Weg mal nochmal gehen können. Vieleicht findet sich ja eine Lösung, diesen Mörderabstieg zu umgehen. So steil wars...

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