Dienstag, 28. Oktober 2008

21. - 27.10.08 Zusammenfassung

21.10.08
Heute waren wir in Vicos, um die Schule von Miltons Schwester Marie zu besuchen. Um dort hinzukommen sind wir ca. eine halbe Stunde durch die Pampa gefahren. Das Dorf lag wirklich am Ende der Welt und es ist ziemlich klein und eher schäbig. Viele Häuser sind baufällig, oder gar nicht erst fertig gebaut worden. Die Schule sah auch nicht viel besser aus, wobei der etwas abgetrennte Bereich für die 1. und 2. Klasse dann doch ganz putzig war, mit einer kleinen Brücke und viel Wiese. Marie unterrichtet die 2. Klasse, bei der wir uns dann vorstellten. Die Kleinen waren total aufgeregt, das Besuch aus dem Ausland kommt und Marie hat mit ihnen unsere Namen geübt, damit sie uns gleich richtig begrüßen können. Als wir dann aber vor ihnen standen, haben sie die Namen dann doch wieder vergessen, oder sie trauten sich einfach nicht sie laut zu sagen. Trotzdem waren sie total süß. Wir machten unsere übliche Vorstellungsrunde und danach sangen uns die Kinder noch ein Lied. Später musste dann jedes Kind einmal kurz aufstehen und seinen Namen und sein Alter nennen, wofür es dann zur Belohnung einen Globo bekam.
Danach sind wir weiter nach Huaraz. Ich wollte unbedingt zur Post um nachzusehen ob mein Päckchen von daheim schon angekommen ist. Leider Fehlanzeige. Schon als wir aus dem Colectivo ausgestiegen sind, merkte ich, das die Jungs hier zur Zeit irgendwie auf der Brunft sind. Die ganze Strecke bis zur Post kam nur „oh, bonitos ojos“ (schöne Augen) oder einfach nur „hola guapa“. Dabei sah ich gar nicht so toll aus, ich hatte nämlich meine doofe Mütze auf, weil ich gestern bei unserem Todeswanderweg beinahe einen Sonnenstich davongetragen hätte. Mich würd mal interessieren, was passieren würde wenn ich allein irgendwohin geh und Thomas nicht dabei ist. Aber so dringend muss ich das auch wieder nicht wissen, im Moment trau ich mich auch blos mit Thomas oder ner anderen vertrauensvollen Begleitung in die Stadt. Sonst war nicht mehr viel los, mittlerweile kennen wir uns so gut aus, das wir nicht mehr so lang suchen müssen um irgendwas zu besorgen. Ein Päckchen gab es auf der Post leider nicht für uns, dafür kannten uns die beiden Damen hinter dem Schalter mittlerweile schon mit Namen.



Wieder Zuhause, hab ich erstmal angefangen mit unserem neu erstandenen Putzlappen endlich mal unser Bad zu Putzen. Das „Regal“ hab ich mit zwei Ziegelsteinen mittlerweile auch erweitert, schliesslich sind wir ja ab übermorgen zu viert. Die Oma von Milton ist leider krank geworden und nun für eine Weile in Huaraz. Ich hoffe sie erholt sich wieder, hab die süße alte Frau mittlerweile schon ins Herz geschlossen (ausserdem versteh ich sie langsam ein bischen besser). Da Thomas sich mittlerweile schon zum zweiten Mal ausgeschlossen hat (den Schlüssel konnten wir aber leicht erreichen, er lag auf dem Schreibtisch und Thomas Fenster ist nicht ganz einbruchssicher), haben wir auch gleich noch unsere Schlüssel nachmachen lassen (das geht in Huaraz ratz fatz) und jetzt hat jeder auch einen Schlüssel für das Zimmer des anderen. Ich bin mir nämlich sicher, das wir uns sonst noch sehr, sehr oft ausgesperrt hätten.


22.10.08
Heute hatten wir unsere zweite Stunde in Atupa. Auf dem Hinweg wollte ich unbedingt ein paar Fotos machen. Wir liefen also den etwas unsicheren Weg runter zur Schule und ich knipste was mir vor die Linse kam. Einmal hab ich kurz überlegt, dass es vieleicht nicht ganz so geschickt ist, denn rutschigen Weg mit meinen Chucks zu gehen und währenddessen die Kamera in der Hand zu halten. Ich hab den Gedanken gerade zuende gedacht und wollte die Kamera wegstecken, da lag ich auch schon auf dem Rücken. Das erste was ich registrierte war, das mein Hintern verdammt weh tut und ich mir die Hände aufgeschürft hab. Das zweite war, das die Kamera nicht mehr funktioniert. Na prima, hab ich es jetzt also doch endlich mal geschafft mit ihr hinzufallen und sie kaputt zu machen, Zeit wurde es ja. Tja, das wars dann. Ich durfte noch ungefähr 5 Minuten fluchen und zwieder sein, dann standen wir auch schon vor der Schule und ich musste mich wieder in die allzeit fröhliche Profesora Sabine verwandeln. Es gelang mir sogar ganz gut, denn diese Schule ist mir bis jetzt am liebsten. Die Kinder sind nämlich ausgesprochen höflich, noch viel mehr als in Cahuish und Mataquita und sie passen richtig auf und interessieren sich auch für das was wir sagen.
4 von 5 Jungs in unserer Schule in Atupa




Und es waren tatsächlich alle Kinder da. Die Schüler sind sehr arm und es gibt für alle Kinder, von 6 bis 15 Jahren nur eine einzige Lehrerin und auch nur ein Klassenzimmer!! Viele Kinder die in Atupa wohnen, gehen in Jangas auf die bessere Schule, aber die Kinder die in Atupa bleiben, sind so arm, das die Eltern sich nicht mal die 4 Soles (1 Euro) täglich für den Schulweg per Colectivo leisten können. Wir hielten also wieder eine Stunde über Bayern und sie waren in der Lage alle Fragen am Schluss zu beantworten. Es hat richtig Spaß gemacht. Danach sind wir auf den Bolzplatz, wo Milton noch eine Legende aus Peru vorgelesen.


Dann spielten wir wieder Fußball. Ich wurde sogar nicht als letztes gewählt, Juchu. Hab mich dann dafür auch sehr angestrengt, aber das bald darauf wieder bereut. Bereits nachdem ich nur ein paar mal schnell dem Ball hinterhergerannt bin, musste ich keuchen wie ein altes Weib. Ich bereute in diesem Moment jede einzelne Zigarette die ich je in meinem Leben geraucht hab. Es hat sich angefühlt als ob meine Lunge jeden Moment explodiert. Es ist der Wahnsinn. Daheim kann ich mich über eine Stunde so bewegen, wie ich es hier gerade mal 5 Minuten schaffe, ohne nach Luft zu schnappen. Tor hab ich diesmal auch keins geschossen, dafür aber Thomas mal wieder gefowlt, war aber ein versehen, ich schwörs.

Der Heimweg gestaltete sich mal wieder lang, es fuhr nämlich irgendwie kein einziges Colectivo und irgendwann machte ich den Vorschlag zu laufen. Ich hab mir eingebildet, das wir den Weg von Atupa schon mal gelaufen wären, das stellte sich aber als Täuschung raus. Wir liefen und liefen und liefen. Dafür war die Landschaft aber mal wieder wunderschön und ich konnte (mit Thomas seiner Kamera) viele Fotos machen.

Das Mittagessen fiel heute mal wieder unter die Kategorie „gemischte Gefühle“. Nachdem es in der Früh schon gebratene Forelle (samt Kopf und äußerst wiederlichen Augen) gab, wurden Mittags, neben leckerem Reis und Kartoffeln, Schweinespeckschwarten serviert. Ja,Iih. Immer wenn sich Mama Milton dann weggedreht hat, hab ich blitzschnell die Speckdinger gepackt und in Klopapier gewickelt (die Vergaras benutzen immer eine Rolle Klopapier als Servietten). Diese Päckchen hab ich dann in die Hosentasche gestopft und später die freudige Dolly damit versorgt.


Am Nachmittag gings dann mal wieder zur Castellano Stunde, zum letzten Mal hoffentlich in die blöde Hospedaje. Da unsere Bude ja schon wieder weitervermietet wurde, sind wir jetzt immer drausen und die beiden Hunde der Senora mögen uns besonders gern, weil wir wahrscheinlich die einzigen Menschen sind, die nicht nach ihnen werfen. Dafür nerven uns die Hunde aber gewaltig. Sie kommen zu uns hin und sobald wir sitzen versuchen sie auf unseren Schoß zu klettern. Es sind aber keine kleinen Hunde, sondern schon schwer genug um auf dem Boden bleiben zu müssen. Gestern wars besonders schlimm, wahrscheinlich weil ich noch nach den Speckdingern von Mittags gerochen hab, die Viecher haben mich so genervt, dass ich mich am Ende auf einen Tisch gesetzt hab und sogar da wollte einer von ihnen dann noch mit rauf. Ich hab mich dann mit umgedrehten Stühlen verrammelt, weil ich, obwohl ich absoluter Tier- und vor allem Hundefreund bin, einfach keinen Bock mehr auf diese zwei Nervensägen hatte. Die Profesora erzählte währenddessen wieder irgendwas das ich gar nicht verstand und ich war Gottsfroh als die Stunde dann endlich vorbei war. Abends gabs zum Glück dann nur normales Brot und Nutella. Lecker.


23.10.08
Nur noch ein Tag, dann sind wir endlich zu viert. Ich freu mich schon so! Heute mussten wir zwei Stunden früher aufstehen, weil wir in Mataquita schon viel zeitiger anfangen mit Unterrichten. Milton hat uns dann trotzdem zu spät geholt und wir haben unseren Colectivo verpasst. Zum Glück kamen dann aber bald noch ein paar Leute die auch nach Mataquita wollten und wir sind dann doch noch ziemlich schnell losgefahren (gestern mussten wir z.B. eine Stunde im Colectivo sitzend warten, bis genug Leute da waren, die mitfahren wollten). Als wir so die Straße hochfuhren, fuhr noch ein Piratentaxi (nicht registriertes Taxi) vor uns, das ebenfalls in Jangas gestartet war. Der Fahrer dieses Taxis fuhr total schrecklich und unregelmäßig und er ist in den Kurven immer erst in letzter Sekunde abgebogen, bevor er gegen die Wand gefahren wäre. Ich fing an, mir über die Straße so meine Gedanken zu machen, es ist schon gefährlich diesen Weg zu laufen (sind wir ja gestern auch), weil manche Fahrer echt nicht gut aufpassen ob da jemand läuft oder nicht. Atupa liegt auf dem selben Weg wie Mataquita, nur ist Mataquita noch viel weiter oben. In Atupa stieg dann auch eine Frau aus (Gottseidank, es war nämlich unglaublich eng) und zwei Minuten später wollte dann eine Frau die im Kofferraum saß zu uns nach vorne (Mist, schon wieder eng). So sind wir also ein paar mal stehen geblieben und waren wieder allein auf der Straße.


Als wir dann um die nächste Kurve bogen, bot sich meinen kurzsichtigen Augen ein komisches Bild: 3 – 4 Leute standen in der Kurve um ein etwas größeres Auto, vermutlich einen Kleinbus herum. Wohl eine Panne, dachte ich, als Milton und unser Taxifahrer schon „Mein Gott“ riefen. Als wir etwas näher ranfuhren, sah ich erst was los war: Das Auto war kein Kleinbus, sondern das Piratentaxi von vorher lag total zerstört auf dem Dach. Was ich für das Heck einen Kleinbusses hielt, war der umgedrehte Kofferraum, bei dem die Klappe offen stand. Als wir hielten, zogen sie geraden eine Frau aus dem Autowrack heraus. Zwei kleine Kinder standen weinend daneben. Das Auto sah so schrecklich aus, das ich zuerst nicht glauben konnte, das da noch jemand lebend rausgeholt werden konnte. Wie durch ein Wunder, blieben die Insassen zum Glück jedoch unverletzt. Eine Frau hatte, soweit ich das verstand, was am Bein, es war aber scheinbar nichts furchtbar ernstes.

Im Taxi saßen außer dem Fahrer „nur“ eben diese Frau mit ihrem kleinen Jungen und eine andere Frau mit ihrer kleinen Tochter und noch ein Mann. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das Taxi nicht zufällig normal gefüllt, sondern so vollgestopft gewesen wäre, wie es normalerweise immer der Fall ist. Wenn jemand im Kofferraum gesessen hätte, wäre es für ihn wahrscheinlich ganz schlimm ausgegangen. Als ich da so drüber nachdachte, wurde mir ganz mulmig. Würde Milton nicht aus Prinzip darauf achten, mit registrierten Taxis zu fahren, dann wären wir wahrscheinlich auch in diesem Auto gesessen, womöglich auch noch im Kofferraum. Von Milton erfuhren wir dann, das der jugendliche Fahrer ein „Borracho“ wäre, also ein Säufer. Er sei sofort abgehauen, weil er sich vor der Selbstjustitz, die hier oft durchgeführt wird, fürchtet. Ohne nachzuschauen wie es seinen Passagieren geht ist er einfach davongelaufen und hat die armen Frauen ihrem Schicksal überlassen. Ich konnte mich gar nicht beruhigen, was meint der Typ denn, wie es mit der Selbstjustiz aussieht, wenn er danach irgendwann mal wieder zu seinem Haus zurückkehrt?



Zum Glück waren gleich nach dem Unfall Anwohner zur Stelle, die sich um die Insassen kümmerten. Ich konnte nämlich leider nicht mehr sagen als „ya esta bien“ (ist schon gut) und war schon froh, das sich alle gut um die Leute kümmerten. Milton rief noch die Ambulanz und die Polizei an, dann sind wir wieder weitergefahren.


Heute hatten wir drei Klassen. Nachdem wir wieder ewig vor dem verschlossenen Tor standen, bevor mich mein Knutsch-Schulleiter wieder stürmisch begrüsst hatte, gingen wir zu unserer ersten Klasse, ich glaub es war eine 9. Klasse. Ganze vier Schüler erwarteten uns. Mehr sind nicht in dieser Jahrgangsstufe. Da wir durch den Unfall zu spät kamen, hatten wir eh nur noch 10 Minuten. Wir erzählten also im Schnelldurchlauf unsere Infos über Deutschland allgemein, verschenkten ein paar Stifte, die in dem Alter allerdings nicht mehr allzu große Freude auslösten und das wars auch schon wieder. Dann gingen wir raus und – ganz was neues – warteten. Eine halbe Stunde später, um 10 Uhr sollten wir dann in der 8. Klasse unterrichten. Diese waren um 10 aber noch im Werkraum und hatten wohl nicht so viel Lust. Jedenfalls warteten wir also bis halb elf, als dann – nochmal was neues – wieder vier Schüler erschienen. Es sollten aber eigentlich 10 Schüler sein. Kam aber niemand mehr. Also fingen wir wieder an, nochmal die ganze Deutschlandgeschichte zu erzählen. Ganz zum Schluss, gerade als es Stifte gab, kam dann noch ein fünfter dazu, die anderen blieben verschollen. Dann gingen wir wieder raus und Milton eröffnete uns, das wir mal wieder warten müssen, eine Stunde, bis wir die 5. Klasse unterrichten können. Na toll. Er machte uns den Vorschlag, das wir ein bisschen durch Mataquita laufen könnten in der Zeit, was wir dann auch taten. Als wir wieder zurückkamen war das Schultor mal wieder verschlossen. Und irgendwie kam keiner um uns aufzumachen. Nach 5 Minuten warten, schickte uns eine Lehrerin auf die andere Seite, dieses Tor sei offen. Wars aber nicht. Also warteten wir an diesem Tor auf die selbe Profesora, damit sie uns öffnete. Sie kam nicht. Irgendwann kam sie dann doch zufällig vorbeigeschlendert und sagte „oh, nicht offen? Dann geht auf die andere Seite“. Gesagt, getan. Es kam wieder niemand. Obwol Mataquita die einzige Schule mit Schulleiter ist, ist sie absolut schlecht organisiert. Jedesmal müssen wir uns wieder bei den Lehrern vorstellen und sagen was wir machen und das mit dem Tor ist auch immer so eine Sache. Irgendwann kam dann mein Freund der Schulleiter und entschuldigte sich 1000x während er aufsperrte.



Dann konnten wir endlich unseren Unterricht halten, da wir in dieser Klasse schon letzte Woche waren, hielten wir hier über Bayern. Die Kinder waren nicht ganz so ruhig und einige hatten überhaupt kein Interesse mitzumachen. Sobald sie aber die Fotos anschauen können, werden sie dann doch total lieb, vor allem weil auf einem Trachtenfoto ich mit meiner Familie zu sehen bin und sie das ganz toll finden, solche privaten Fotos anzusehen. Wenn sie dann Fragen stellen und alles interessiert anschauen, macht es auch gleich wieder viel mehr Spaß.



Beim Heimfahren kamen wir wieder am Unfallort vorbei. Um das Auto herum saßen schon ein paar Männer, wahrscheinlich warteten sie darauf das der Fahrer zurückkam.
Nachmittags wollten wir eigentlich nach Huaraz fahren, weil wir noch ein paar Sachen besorgen wollten und ich zur Post wollte. Aber Thomas gings nicht gut und dann hats auch noch geregnet als wärs der letzte Tag. Also sind wir zuhause geblieben. Ich hatte schon Angst das wir nicht nach Lima fahren können, weil Thomas krank war und deswegen war auch die ganze Familie Vergara in hellem Aufruhr. Also hat Mama Milton ein Magengebräu zusammengebraut und Milton und ich sind zur Dorfapotheke um irgendwelche Tabletten zu kaufen. Es ging ihm dann scheinbar auch wieder besser und ich war auch beruhigt.


24.10.08
Heute gings also los nach Lima. Ich war schon ganz aufgeregt und bin voll früh aufgewacht. Wir sind dann zwei Stunden früher nach Huaraz gefahren, weil wir ja noch unsere Besorgungen erledigen wollten, die wir gestern nicht geschafft haben. Ich wollte unter anderem eine neue Kamera kaufen, weil ich meine ja kaputt gemacht hab. Also sind wir schnell ins Kodak-Geschäft und ich hab mir die billigste rausgesucht. Kostet genauso viel wie in Deutschland, hmpf! Als wir dann zum Cruz del Sur Busbahnhof gegangen sind, mussten wir dann trotzdem noch warten. Dann gabs erstmal eine Sicherheitskontrolle und danach wurden wir auch noch gefilmt, wie wir einsteigen und wo wir sitzen. Voll krass. Die Busfahrt war mal wieder super entspannend und bequem und sogar das Essen war diesmal voll lecker.
Blick auf eine sehr arme Behausung auf dem Weg nach Lima



Das einzige was genervt hat, war das die riesen Klimaanlage des Busses die ganze Zeit hinter uns gebrummt hat und es deswegen auch ziemlich kalt war. Als gegen Ende der Busfahrt noch Bingo gespielt wurde, hatte Thomas leider schlechtere Chancen, da er wegen der lauten Klimaanlage die Zahlen nicht richtig verstanden hat. Er hat sich dann nicht ganz getraut den Zettel abzugeben, als er eine Reihe voll hatte, wer weis was die Peruaner hier mit den Gringos machen, die einfach im Bingo bescheissen. Wir malten uns aus, wie er den Bus mitten in der Pampa unter den „Buh“-Rufen der anderen, ehrlichen Mitfahrer verlassen musste und lebenslanges Cruz del Sur Hausverbot bekommt.
Strecke nach Lima



Als wir in Lima angekommen sind, sind wir noch eineinhalb Stunden durch Lima gefahren, so riesig ist die Stadt. Am Cruz del Sur Bahnhof in Lima haben wir uns dann ein Taxi geholt und sind nochmal eine Stunde bis zum Flughafen durch die Stadt.
Armenviertel in Lima, die Haeuser haben meist nicht mal ein Dach



Der Taxifahrer war sehr nervös und hat tüchtig aufs Gas gedrückt. Es ist schon ein bischen beunruhigend, wenn sogar die eigenen Einwohner so viel Angst vor ihrer Stadt haben.
Besenverkaeufer in Lima





Am Flughagen angekommen, hatten wir dann 3 Stunden Zeit. Wir sind erstmal zum McDonalds gegangen. Voll lecker, nach 6 Wochen mal wieder. Dann haben wir uns noch in ein Cafe gesetzt, wo wir den nächsten Unterricht vorbereiten wollten und dort hab ich dann auch noch mein erstes Eis seit 6 Wochen gegessen. Es war ein richtiger Premiere-Tag.

Irgendwann wars dann so weit und der Flug von Joana und Anika sollte landen. Wir sind also mit unserem wunderschönen selbstgebastelten Namensschild zu den ganzen Taxifahrern dazugestosen, die die Leute abholen. Nach eineinhalb Stunden standen wir immer noch da. Unsere Arme waren mittlerweile schon 3x eingeschlafen, vor lauter Schild hochhalten. Ich Blindfisch hab dann auch immer Ausschau nach dem Fahrer von unserem Hotel gehalten, der uns auch abholen sollte. Hab ihn natürlich nicht ausmachen können. Irgendwann, als die meisten schon wieder weg waren, sah ich einen ziemlich einsamen Fahrer mit einem winzigen Schild auf dem tatsächlich „Anika“ stand. Juchu, ich dachte schon wir hätten die beiden verpasst. Wir gesellten uns zu ihm und hielten schließlich beide unser Schild hoch. Irgendwann war es dann endlich so weit und die beiden bogen mit unglaublich viel Gepäck ums Eck. Juchu. Die Freude war groß und wir konnten endlich in die Hospedaje fahren.



Diese entpuppte sich als einfaches Familienhaus mit zwei Gästezimmern, was uns sehr gut gefallen hat. Auch die Dame des Hauses war super nett und sehr besorgt, weil wir am nächsten Tag wieder bis zum Cruz del Sur rausmussten. Echt, mir wärs lieber gewesen, wenn nicht alle immer Kreidebleich werden, wenn man sagt dass man durch Lima fahren muss. Sie haben dann ein Taxi für uns besorgt, weil der Herr des Hauses, der uns vom Flughafen geholt hat, sich nicht getraut hat uns zum Cruz del Sur zu fahren. Ein freiwilliger Taxifahrer fand sich allerdings auch nicht so leicht.
Verkehr in Lima



Irgendwann hat sie dann aber doch einen organisiert und wir konnten ins unglaublich gemütliche Bett fallen, das sogar eine richtig bequeme Matratze hatte. Herrlich!


25.10.08
Als wir heute aufstanden, bin ich erstmal unter die Dusche. Es war eine ganz normale und keine Elektrodusche. Das Wasser war richtig heiß! Ich wär am liebsten nie wieder rausgegangen, man war das gut. Dann gabs noch ein richtig leckeres Frühstück und das alles für 12,50 Euro pro Nase. Ich war total begeistert und falls wir mal wieder nach Lima stoßen sollten will ich da unbedingt wieder hin. Der Taxifahrer war mal wieder unglaublich nervös und ist mit einem Affenzahn zum Cruz del Sur gerast. Thomas Fenster war weit geöffnet und er wollte es zur Sicherheit natürlich schließen. Das dumme war nur, dass das Fenster ohne Kurbel war. Als er sich dann etwas Ratlos umblickte, hielt ihm der Taxifahrer das gute Stück unter die Nase.

Taxifahren ist sehr abenteurlich in Lima




Überhaupt war das Taxi mal wieder eine Klasse für sich. Thomas fehlte neben der Fensterkurbel auch der Hebel für die Tür und hinten rechts (da wo ich übrigens saß) hörte man immer ein Geräusch, das dezent auf die baldige Verabschiedung des Hinterrades hinwies. Ständig wechselte der Taxifahrer zwischen den 5 Fahrspuren die es dort gibt hin und her, aber immer sorgfältig darauf bedacht, nicht auf die äußeren Spuren zu kommen, wegen den Räubern. Er hatte außerdem eine ziemliche Schaltphobie und schaltete meisten erst wenn das Auto schon fast stand vom 4. in den 3. Gang. Dann ist er noch zur Tankstelle gehetzt und hat die arme Tankstellenfrau ca. 8x angehupt, damit sie im den Tank vollmacht (bei laufendem Motor übrigens). Nach rekordverdächtigen 40 Minuten erreichten wir die Haltestelle und der Taxifahrer war stolz wie Oscar. Als ich ihm einen 50 Soles Schein geben wollte, hatte dieser einen winzigen Riss und er hätte beinahe geheult, weil er ihn deswegen nicht annehmen wollte und wir aber kein anderes Geld hatten. Nach 5 Minuten hin und her hab ich dann Glücklicherweise noch einen 20 Soles Schein entdeckt und weiter 10 Soles Münzgeld und er war zufrieden. Wir waren so schnell da, das wir noch eine Stunde warten mussten bis wir überhaupt in den Bus können.

Diesmal haben wir einen Platz in der oberen Etage des Doppeldeckerbusses gebucht und nicht unten wie sonst immer. Leider war es oben nicht halb so geil wie unten, sondern um einiges unbequemer, da es sich um die 2. Klasse handelt. Ich war gleich richtig enttäuscht. Bis mir dann klar geworden ist, das es nichtmal in Deutschland so geile Bussessel gibt wie hier im Cruz del Sur und nur weil es kein Bett sondern ein normaler Sessel ist, sollte man sich nicht gleich beschweren. Ich bin schon absolut verwöhnt was die Busreise angeht. Furchtbar. Dafür war die Aussicht aus dem Bus natürlich viel viel schöner. Das Essen war mittelmaß, aber es gab viel zu sehen und auserdem liefen 4 Filme während der Fahrt. Zurück in Huaraz kam dann ein Cruz del Sur Mitarbeiter und erklärte mir, dass er sich noch an mich erinnert. OK. Ich wusste nicht wer er ist, aber gut.



Danach bin ich erstmal zur Post und es war tatsächlich ein Päckchen für mich da. Die Angestellte war genauso aufgeregt wie ich. Das Päckchen rieche nach Schokolade, vertraute sie mir an. Da sie mittlerweile schon meinen Namen kennt und mich sogar Sabinita nennt, hab ich ihr versprochen, dass sie vieleicht beim nächsten Mal ein Stück Schokolade abkriegt. Super, endlich war mein Päckchen da! Wir haben dann Milton angerufen und er wollte kommen und mit uns heimfahren. Als wir so warteten kam ein anderer Peruaner und erzählte mir, er kenne mich, ich war vor ein paar Tagen schon in Huaraz. Ja, stimmt. Langsam wird mir das schon unheimlich, es war glaub ich schon der 5. der sich an mich erinnerte, dabei gibt es in Huaraz genug Gringos. Der wollte uns dann unbedingt zeigen wo die Collectivos sind und war ganz beleidigt, als wir da gar nicht hinwollten. Endlich kam Milton und wir konnten uns in ein Taxi quetschen. Anika und Joana fanden es komisch zu 4. auf der Rückbank zu sitzen. Na, die werden sich noch wundern :-)
Abends haben wir nicht mehr viel gemacht. Die beiden Mädels haben zwei super Zimmer gekriegt und als Einzugsgeschenk von uns je eine Kitsch-Tasse und einen Kloschüssel. Herzlich Willkommen in Jangas!


26.10.08
Gestern Abend haben die Mädels Miltonmama noch aufgeklärt, dass beide Vegetarier seien, wobei Milton Mama sagte dass sei kein Problem. Heute Früh gabs dann lustigerweise zum ersten mal seit 4 Wochen wieder Wurst und zwar gleich 2 Packungen, weil wir ja jetzt zwei mehr sind! Für die Mädels gabs dann halt nur Trockenbrot. Danach sind wir ein bisschen durch Jangas spaziert und haben den Mädels den Ausichtspunkt von Jangas gezeigt. Milton erzählte und dann noch einige peruanische Legenden, die wir auch voll gut verstanden. Bin schon total stolz, wir sind schon beinahe so gut wie Anika und Joana und die hatten 5 Jahre Spanisch in der Schule.

Mittags gabs dann zum Leid aller Vergara Kinder ein vegetarisches Mal und danach wollte Milton mit uns nach Huaraz. Also haben wir uns in ein leeres(!) Colectivo gesetzt und sind dorthin gefahren, ohne zu wissen was er mit uns dort überhaupt vorhat. In Huaraz angekommen ist Milton so schnell gegangen, das wir ihn beinahe 2x verloren hätten. Anika und Joana konnten gar nichts anschauen und dann fings auch noch übelst zu Regnen an. Irgendwann bogen wir im Eiltempo um das 10 Eck und standen plötzlich vor Miltons Bruder und dessen Auto. Das war also der Grund für unseren Ausflug. Das Auto wollte Milton holen um mit uns zur Hospedaje zu fahren und die Tafel abzuholen, die wir immer für den Castellano-Unterricht benutzen. Weil die Tafel in der Hospedaje ist, müssen wir auch immer dorthin fahren (Peruaner-Logik). Da die Tafel aber nicht in den Colectivo passt, müssen wir diese mit dem Auto holen, deswegen haben wir das Auto ja auch in Huaraz gekauft.



Also sind wir wieder durch Jangas durch, auf der anderen Seite raus und Richtung Hospedaje gefahren. Als wir schließlich ankamen fuhren wir aber einfach dran vorbei, was Milton mit der Begründung „es regnet zu stark um die Tafel zu holen (?)“ komentierte und wieder umdrehte um zurück nach Jangas zu fahren. Aha. Nun gut, waren wir wenigstens 1,5 Stunden beschäftigt, auch wenns total umsonst war. Die Fahrt allerdings war sehr lustig, da wir eine CD entdeckten, die lauter alte Disko-Hits enthielt. Nur, das diese CD mal wieder eine Raubkopie war und der Peruaner der das Cover entwickelte die Namen der Lieder einfach auf Gehör erraten hat. Deswegen sangen die BeeGees auch vom „Nigtht feer“ und „Ring my bell“ wurde zu „Ring my gell“. Mein Favorit war allerdings „Thats toe wheo“ (Thats the way), aber YMCA von den „People“ war auch nicht schlecht. Einige Lieder standen ohne Interpret auf dem Cover, da wussten die Raubkopierer wohl einfach nicht wer da die Hits vor sich hin trällert. Abends haben wir unseren Neuankömmlingen den besten Tütenwein in ganz Huaraz vorgeführt und ein Willkommens-Memory gespielt.


27.10.08
Heute gings nach Cahuish. Wir wollten ein bischen was über das deutsche Schulsystem erzählen und Anika und Joana mussten sich ja noch vorstellen. Heut waren die Kinder allerdings ziemlich unruhig und verstanden haben sies wohl auch nicht so ganz. Das beste war, als Anika und Joana die Kinder gefragt haben ob sie schon was über Deutschland wissen und diese dann knallhart „Nein“ gesagt haben. Als die Profesora dann aber noch mal nachgefragt hat, haben sie dann doch ein paar Sachen gesagt. Gibts ja gar nicht, solche Fratzen :-)



Danach haben wir was neues gemacht. Und zwar bekam jedes Kind von uns einen Fragebogen mit Fragen wie „die 2 Sachen die ich am liebsten mag, sind...“, oder „ich fürchte mich, wenn...“. Es waren so Blätter für den Selbstvertrauen-Unterricht. Milton will die Blätter mit uns auswerten und wenn ein Kind irgendwie auffällig ist, sollen wir die Familien besuchen und mit den Eltern reden. Es war total komisch, die Kinder sind 12, 13 Jahre alt und haben viele Fragen nicht verstanden, dabei waren sie total Kindgerecht gestellt. Einfache Fragen wie „eine Vorstellung von der ich mir wünsche das sie Wirklichkeit wird“ haben ihnen totale Probleme bereitet und einige haben über 45 Minuten für diese 15 Fragen gebraucht. Noch schlimmer war allerdings die Auswertung dieser Blätter. Bei der Fragen, vor was sie am meisten Angst hätten, haben einige geschrieben, das ihre Eltern sie schlagen. Andere müssen Geld erbetteln oder wünschen sich Freunde zum Spielen, weil sie immer so einsam sind. Ein Junge hat auch total oft geschrieben, dass er sich wünscht, er könnte immer saubere Kleidung tragen und das es ihn stört, dass er immer so schmutzig ist und ein anderer wünscht sich, dass er noch besser schreiben lernt und er wäre so gerne einmal Anwalt. Das schlimme ist echt, das viele Kinder Angst vor ihrem Vater haben, oder sich zumindest von ihm gestört fühlen. Wir erfahren jedesmal ein bischen mehr über die schlimme Situation der Kinder und sie tun mir total leid. Ich glaube zwar nicht, das wir viel verändern, wenn wir mit den Eltern reden, aber versuchen muss man es wenigstens.



Während wir Computerunterricht hielten, kam eine Frau vom „Gesundheitsladen“ um die Kinder zu impfen. Sie ist einfach durch die Kinderhorde gegangen und hat den Kindern die Nadel reingesteckt. Das Desinfektionsmittel trug sie in einer Babytrinkflasche mit sich und es sah aus wie einfaches Spülmittel. So was hab ich auch noch nie gesehen. Diego, der Junge der letzte Woche gar nichts schreiben wollte, hat auch heute wieder keine Lust gehabt. Als ich ihm aber gesagt hab, er sei der beste in Deutschkunde und er solle sich doch auch in Computation so toll anstrengen, hat er tatsächlich geschrieben. Je mehr die Kinder gelobt werden, desto mehr machen sie und es macht wieder richtig Spaß mit ihnen zu Arbeiten. Vor allem wenn man weis, wie schlecht es ihnen eigentlich geht, wird man um einiges Geduldiger.



Den Heimweg wollten wir eigentlich zu Fuß antreten, aber der Taxifahrer, Miltons Kumpel, hat scheinbar extra auf uns gewartet und dann sind wir eben doch eingestiegen. Joana und ich wollten unbedingt in den Kofferraum, aber die Lehrer, die auch mitgefahren sind, wollten uns nicht lassen. Wir sollen auf die bequemen Sitze. Auch der Taxifahrer bestand darauf, diese seien extra für uns. Na gut, wieder kein Kofferraum :-( Irgend so eine Tussi ist auch mitgefahren und hat sich mit auf den Beifahrersitz gequetscht. Dann hat sie die ganze Zeit mit dem Taxifahrer rumgescherzt und hat ihn voll abgelenkt. Einmal waren wir schon kurz davor ein bischen zu weit über den Abgrund der doch recht schmalen und rutschigen Straße zu fahren. Ich war mal wieder sehr nervös und war schon kurz davor zu der Tussi irgendwas zu sagen, weil sie den Fahrer ständig geschlagen hat, wenn er ihr irgendwass neckisches gesagt hat und er jedesmal das Lenkrad rumgerissen hat. Seit dem einen Unfall letzte Woche bin ich eh nicht mehr so leichtfüßig, was das Colectivo-Fahren angeht. Aber man kann nichts machen. Zum Glück fährt eben dieser Taxifahrer normalerweise sehr gut und ich hoffe diese dumme Nuss fährt nicht mehr so oft mit. Ich glaub eh die steht auf den und fährt nur mit ihm hoch und runter, damit sie mit ihm flirten kann, weil die nämlich in Mataquita nix zu tun hat und auch schon mit ihm hochgekommen ist. Na prima. Das nächste mal wenn sie mitfährt setz ich mich lieber selber auf den Beifahrersitz, damit sie ihn nicht mehr ständig hauen kann.

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